Hallo meine Lieben,
es geht weiter und mein heutiger Danke geht an: None, Zissy und Leni4888 – merci, ihr seid die Besten --knuddel—und natürlich meine Lieblingsbeta: Little Whisper
Auf geht's, ein wenig Geheimniskrämerei werdet ihr noch aushalten müssen, bevor ich die Bombe platzen lasse --grins--.
Bis nächsten Freitag --wink-- Eure Cassie
Chapter 3 – Vergessene Geheimnisse
weit hinter dem Horizont
liegt Wahrheit verborgen
Spuren vom Winde verweht
kein Gestern…
(e nomine – Spiegelbilder)
Hogwarts, Große Halle
„Man, ich hab Hunger!" gab Ron kund.
„Mal ganz was Neues, was?" Hermine grinste über Rons beleidigtes Gesicht.
„Bin mal gespannt, wer diesmal Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichtet…" hörte Harry Seamus sagen.
Harry erstarrte. Richtig, im letzten Jahr hatte Snape dieses Fach. Harry runzelte die Stirn, warum sollte es dieses Jahr anders sein? Es war doch eher unwahrscheinlich, dass sich irgendein großes Monster erbarmt hatte Snape zu verspeisen und freiwillig auf den Unterricht gerade in diesem Fach würde er wohl nicht verzichten. Harry blickte zum Lehrertisch, erneut mit dem unbestimmten Gefühl im Bauch, dass irgendetwas nicht so war, wie es sein sollte. Auf Snapes Platz als Hauslehrer der Slytherins saß ein gutgelaunter rotwangiger Prof. Slughorn. Harry überlegte, ob er das seltsam finden sollte, während sein Blick weiter wanderte. Zum Tisch der Slytherins. Er begegnete einem paar sturmgrauer Augen, die ihn kühl musterten. Malfoy. Schon wieder.
Ein höhnisches Lächeln glitt über das Gesicht des Slytherin während er Harrys Blick erwiderte. Harry senkte wütend den Kopf. Das würde sich wohl niemals ändern. Sein Glücksgefühl war verschwunden. Harry meinte erneut den Klange seiner eigenen Stimme zu hören …"DRACO!"… Aber das konnte unmöglich wirklich er selbst gewesen sein, oder?
Prof. McGonagall lenkte ihn mit einem großzügigen Wink ihres Zauberstabes ab. Die Türen zur großen Halle schwangen auf, Hagrid trat ein und ihm folgte ein Strom Erstklässler mit ehrfurchtsvoll aufgerissenen Augen. Harry lächelte halbherzig über die Euphorie seines großen Freundes. Normalerweise war die Auswahl der neuen Schüler immer eine spannende Sache, doch diesmal konnte Harry sich nicht richtig konzentrieren. Sobald die erste Schülerin den Sprechenden Hut aufgesetzt bekommen hatte, wanderten seine Gedanken automatisch zu diesen Stimmen zurück. Ron hatte er eindeutig erkannt, ebenso wie Hermine... Aber hatte er Malfoy jemals so beim Vornamen genannt? Nein, nicht soweit er sich erinnern konnte. Und das Merkwürdigste war doch, dass es irgendwie… vertraut geklungen hatte.
„Mara Abernathy – Gryffindor!", verhaltener Applaus erklang, als das dunkelhaarige Mädchen sich schüchtern am Ende des Tisches niederließ. Abermals glitt Harrys Blick zum Lehrertisch. Prof. McGonagall saß auf dem Platz des Schulleiters, rechts daneben thronte Prof. Slughorn, dessen gewaltiger Bauch beinahe den Teller vor ihm überdeckte. Er diskutierte angeregt mit Prof. Flitwick, der auf seinem gewohnten Kissenstapel hockte und trotzdem kaum über die Tischplatte sehen zu konnte. Die Professorinnen Sprout, Sinitra und Hooch konnte Harry ebenfalls ausmachen, selbst Prof. Trewlaney war von ihrem Turm heruntergestiegen und hockte wie eine verhuschte Eule auf ihrem Platz ganz am Ende des Tisches, beinahe schon von den zwei Säulen verdeckt, welche die gewaltige Decke der großen Halle stützen. Zwei Plätze blieben unbesetzt.
„Tammi Hitchens – Ravenclaw."
„Gabriel Klark – Ravenclaw."
„Igenius Igentimal – Hufflepuff."
Harry ließ den Blick durch die Reihen seiner Mitschüler wandern. Er hätte es nicht sagen können, was oder wen genau er suchte. Vielmehr war es eher, dass er versuchte zu verstehen, was an diesem Bild falsch war. An einigen Stellen der Haustische saßen die Schüler merkwürdig weit auseinander, als hielten sie noch Plätze frei. Allerdings waren doch schon alle Schüler hier, oder? Er starrte einige Augenblicke auf eine besonders große Lücke am Tisch der Ravenclaws und versuchte krampfhaft auszumachen, wer letztes Jahr dort gesessen hatte. Harry gähnte und rieb sich abwesend über die Stirn. Er bekam Kopfschmerzen.
„Chang MenYunghao – Slytherin."
„Habt ihr schon gehört? Bradley aus Ravenclaw soll nach Durmstrang gewechselt haben." wusste Lavender zu berichten.
„Wieso das denn?" wollte Neville wissen, er schauderte leicht bei dem Gedanken an die raue Schule der Durmstrangs.
Lavender zuckte mit den Schultern. „Vielleicht wollten seine Eltern das ja…"
„Susan hat erzählt, dass unser Eisprinz auch fast hingegangen wäre. Seine Mutter hat das wohl verhindert." warf Ginny ein.
„Wer?" machte George.
„Na Malfoy. Hab gehört, wie Parkinson ihn so genannt hat. Ihren Eisprinzen" grinste Ginny.
„Ihre königliche Hoheit von Eiskalt zu Schockgefroren." tat Fred hoheitsvoll kund und deutete eine übertrieben demütige Verbeugung in Richtung des Slytherin-Tisches an.
Einen kurzen Moment genoss Harry Malfoys irritierten Blick, als sich eine ganze Traube Gryffindors wie auf Kommando umwandten und den blonden Slytherin taxierten. Dann brach fröhliches Gelächter aus.
„Wanda Zzzurk – Gryffindor."
„Zzzurk? Das ist doch kein Name, klingt wie eine Krankheit!"
„Oh Fred!" Hermine warf ihm einen tadelnden Blick zu, denn die Erstklässlerin ließ sich mit hochrotem Kopf neben Pandemia Puddlestroth sinken. Fred schnitt Hermine eine alberne Grimasse. Hermine verdrehte die Augen. Harry lächelte schwach. Alles war wie immer, wieso konnte er seine Rückkehr nicht einfach ebenso genießen wie all seine Mitschüler?
Das Auswahlprozedere war schnell beendet. Harry registrierte überrascht, wie wenige Erstklässler sie dieses Jahr hatten. Gab es eigentlich in jedem Jahrgang gleichviele Zauberer? Er musste sich eingestehen, dass er sich darüber noch nie Gedanken gemacht hatte. Er nahm sich vor, Hermine später danach zu fragen, sie würde das schon wissen oder zumindest ein entsprechendes Buch kennen. Harry entschied, dass er eventuell doch nicht nachfragen würde, so wie er Hermine kannte, würde er sich anstatt einer Antwort eine endlose Tirade darüber anhören müssen, warum er die Geschichte von Hogwarts noch immer nicht gelesen hatte. Und Harry war klar, dass er diesen Schinken auch niemals lesen würde. 3876 Seiten trockene Geschichtsdaten waren mehr, als sein Hirn in diesem Leben fassen konnte. Genau genommen war es auch nicht wichtig, ob jedes Jahr gleich viele Schüler nach Hogwarts kamen. Harry schüttelte den Kopf und gähnte erneut, doch egal, wie sehr er versuchte, sich abzulenken, das nagende Gefühl in seinem Magen blieb.
Alles schien so normal, die lärmenden Schüler, die Lehrer am erhöhten Lehrertisch, wohin Prof. McGonagall, nachdem sie den sprechenden Hut fortgetragen hatte, wieder auf dem Weg war. Doch... Harry strich sich ein weiteres Mal gedankenverloren über die Stirn, seine Finger berührten unwillkürlich die Narbe, irgendetwas stimmte nicht. Ganz und gar nicht. Harry hätte seine Gefühle nicht in Worte fassen können… es war wie der Moment kurz vor einem Gewitter. Die Spannung in der Luft war fast greifbar. Fast.
Prof. McGonagall nahm am Lehrertisch Platz. Auf dem Stuhl des Schulrektors. Genau dort, wo sie eben auch schon gesessen hatte. Dumbledores Platz.
Harry hörte Hermine neben sich geräuschvoll einatmen und auch Seamus und Neville unterbrachen ihre Witzeleien über ungewöhnliche Nachnamen. Neville runzelte die Stirn, schaute sich nach Harry um, sein Blick schweifte kurz über den Tisch der Gryffindors und das Stirnrunzeln vertiefte sich. Er gähnte.
Harry wollte ihn gerade fragen, ob er auch das Gefühl hatte, dass irgendetwas anders sei als im letzten Jahr. Irgendeine Kleinigkeit, die ihnen auffallen sollte, es aber einfach nicht tat. Am Rande bemerkte er, wie ein Mädchen am Slytherin-Tisch Malfoy anstarrte, plötzlich begann zu gähnen und im nächsten Moment mit dem Kopf auf die Schulter ihrer Banknachbarin sank und einschlief. Harry maß dieser Begebenheit keinerlei Wichtigkeit zu.
Anders als Prof. McGonagall, die sehr wohl bemerkte, dass eine verdächtig hohe Anzahl ihrer Schüler kaum die Augen offen halten konnte. Sie beschloss gleich nach dem Abendessen mit Severus Snape Kontakt aufzunehmen. Noch war er nicht nach Hogwarts zurückgekehrt, aber so wie die Dinge standen, wäre es wohl besser, wenn er sich beeilte.
Harry musterte noch immer Neville, der sich mittlerweile wieder Seamus zugewandt hatte, als Prof. McGonagalls Stimme ihn erneut aus seinen Gedanken riss. Er musste die alljährlich Begrüßungsrede verpasst haben, denn McGonagall war schon dabei das Kollegium vorzustellen.
Harrys Blick schweifte erneut über Malfoy, der scheinbar teilnahmslos vor sich hinstarrte, gedankenverloren seine Gabel in den Fingern drehte. Harry stockte, versuchte zu atmen, doch seine Lungen schienen verschlossen. Hilfesuchend wandte er sich nach Hermine um, das Bild ihres Hinterkopfes verschwamm vor seinen Augen und wieder meinte er Stimmen zu hören. Blechern und weit entfernt.
Preview on
„Du willst WAS?" Ron, entsetzt.
„Du hast mich schon verstanden, Ron." Harry, entschlossen.
„Aber, lieber Himmel, Harry! Was könnte DER dir schon beibringen?" Ron, verständnislos.
„Wahrscheinlich mehr als uns lieb ist." Hermine, ruhig.
„Aber…" Ron, verärgert.
Preview off
Harry würgte, als er ruckartig nach Luft schnappte, blinzelte hektisch, um endlich wieder ein klares Sichtfeld zu bekommen. Gut, ob dies nun ein geeigneter Zeitpunkt war oder nicht, er musste mit jemandem reden, diese Aussetzer waren nichts, was er noch ignorieren konnte.
„Hermine…" flüsterte er leise. Das Mädchen wandte sich ihm zu, ihre Miene änderte sich im selben Moment, als sie sein Gesicht sah.
„Was ist los, Harry?"
„Ich muss dir was sagen…" wisperte er.
„Wieder diese Träume?"
„Was? Nein, wie kommst du darauf?" Harry sah sie irritiert an.
„Weil du nach den Träumen auch immer so totenblass warst." Hermine streckte die Hand aus, berührte fürsorglich seine Wange.
Harry schwieg.
Träume? Konnten diese Aussetzer Verbindungen zu Voldemort sein? Schickte er ihm wieder unbeabsichtigt Bilder? „Nein, nein, diesmal ist es irgendwie anders." stellte er nach einer Weile leise sowohl für sich, als auch für Hermine fest.
„Was genau…?"
„Miss Granger, dürfte ich auch um ihre holde Aufmerksamkeit bitten?" unterbrach Prof. McGonagall ihre geflüsterte Unterhaltung. Einige Slytherins lachten schadenfroh, Hermine wurde rot und hörte auf Harrys Wange zu streicheln. Ron warf ihnen merkwürdige Blicke zu. Harry verfluchte das Timing seiner Lehrerin.
Hermine schaute ihn entschuldigend an und zuckte mit den Schultern. Harry wandte sich gezwungenermaßen McGonagall wieder zu, die mit der Vorstellung der Lehrer bei Prof. Trewlaney angelangt war.
„Und nun…" die Professorin zückte ihren Zauberstab und nach einem eleganten Schlenker bogen sich die Haustische unter der Last diverser Gaumenfreuden fast durch. Rons Augen begannen zu strahlen. Harry lächelte halbherzig, als sein Freund eifrig anfing, sich den Teller zu beladen. Auch ihre Hauskameraden beobachteten ihn belustigt.
„..lasst es euch…"
McGonagall unterbrach sich abrupt, und Harry brauchte einige Sekunden, bevor er begriff, dass die schweren Flügeltüren zur großen Halle erneut aufschwangen.
Erschrockene Gesichter wandten sich um, die Gespräche verstummten schlagartig. Prof. McGonagalls Zauberstab schoss nach oben, Prof. Slughorn sprang von seinem Platz auf, ebenso wie Prof. Vector. Hagrid erhob sich langsamer, wirkte zum ersten Mal seit Harry ihn kannte wirklich einschüchternd.
Harry tastete unwillkürlich nach seinem eigenen Zauberstab und reckte den Hals um zu sehen, wer für diesen Tumult verantwortlich war. „Wer ist das?" hörte er Hermine neben sich flüstern. Er sah durch die ebenso neugierig gereckten Köpfe seiner Mitschüler nichts, hörte lediglich schnelle Schritte, welche auf dem Steinfußboden widerhallten.
Harry schaute zum Lehrertisch. Mittlerweile hatten sich auch die Professoren Hooch und Flitwick erhoben, hielten ihre Zauberstäbe auf den Ankömmling gerichtet. Was um alles in der Welt ging hier vor?
Der Besucher war mittlerweile am Lehrertisch angekommen. Stille senkte sich über die Große Halle. Alle betrachteten den Besucher, nein, vielmehr die Besucherin mit unverhohlener Neugier. Dunkle Haare fielen der jungen Hexe weit über die Schultern, als sie sich nun die Kapuze vom Kopf zog. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Harry an Bellatrix Lestrange, verwarf den Gedanken aber sofort wieder angesichts der beherrschten Ruhe der Lehrer. Sollte eine Todesserin einfach in die Große Halle spazieren, dürfte selbst die kontrollierte Hauslehrerin Gryffindors ihre Contenance verlieren.
Die Besucherin trug einen schweren Reiseumhang, unter dessen Saum staubige Stiefel hervorschauten. Sie wirkte gehetzt und nervös.
„Wer sind sie?" fragte Prof. McGonagall mit fester Stimme, den Zauberstab auf die Brust der fremden Hexe gerichtet.
Kaum verklang der letzte scharfe Ton McGonagalls, da ertönte ein hoher, klagender Schrei. Harry hörte Flügelschlagen und im nächsten Augenblick schoss ein Phönix von der Decke, zog anmutig seine Kreise über den Haustischen bevor er sich auf der Schulter der Hexe niederließ.
„Ist das nicht Fawkes?" brachte Hermine überrascht heraus. In der stummen Halle klang ihre Stimme unnatürlich laut. Ein Raunen ging durch die Schülerschaft. Harry sah, dass Prof. McGonagall ihren Zauberstab noch ein wenig höher hob.
„Ich frage ein letztes Mal: WER SIND SIE?"
Die Hexe strich Fawkes zart über die Bauchfedern, der Phönix stieß ein sanftes Trillern aus, bevor er sich abermals in die Luft erhob, mit kräftigen Flügelschlägen schwebte er an die verzauberte Decke der Großen Halle und stieß einen langgezogenen Ton aus. Einen Ton so vollkommen und wunderschön, dass Harry hart schluckte und wie gebannt die größer werdenden Kreise des Phönix beobachtete. Der Gesang des Phönix erzählte von Trauer und Liebe, von Vergessen und Vergeben. Von Abschied und Heimkehr.
Etwas Merkwürdiges ging in den Gesichtern der Lehrer vor. Es war, als würde sich ein Schleier heben und im selben Moment sanken die Zauberstäbe. Prof. Hooch ließ sich vollkommen aufgelöst auf ihren Stuhl fallen. Prof. Vector griff sich an die Brust, Harry meinte ihre Hand zittern zu sehen. Zuletzt senkte auch Prof. McGonagall ihren Zauberstab und Harry hätte schwören können, dass sie Tränen in den Augen hatte.
„Lilith Dumbledore!" ertönte Hagrids tiefer Bariton plötzlich durch den Saal. Er kam so schnell hinter dem Lehrertisch hervor, dass er das Möbel beinahe mitsamt Prof. Flitwick umgeschmissen hätte.
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Zaubereiministerium
„Das kann er unmöglich gemacht haben!" stieß Kingsley Shacklebolt mit einem Ausdruck tiefsten Entsetzens aus.
„Nun, wie es aussieht, hat er es getan." antwortete Minister Scrimgeour matt. Tims massige Gestalt schob sich neben den Minister, reichte dienstbeflissen ein weiteres Glas Cognac, welches der Minister dankend annahm.
„Aber das ist illegal!"
„Meinen sie, das wüsste ich nicht, Shacklebolt?" Minister Scrimgeour stürzte die bernsteinfarbene Flüssigkeit hinunter, verzog keine Miene als der Alkohol seine flammende Wirkung entfaltete und seine Kehle in Brand setzte.
Einen Moment schwiegen die beiden Männer, jeder vertieft in seine ganz eigenen düsteren Gedanken. Tim warf unauffällige Blicke zwischen dem Minister und dem Leiter der Aurorenabteilung hin und her.
„Was wollen sie, das ich tue?"
„Setzen sie die Auroren darauf an, was sonst?"
„Mit Verlaub, Minister, ich habe sowieso schon zuwenig Leute. Wollen sie allen Ernstes, dass ich die Auroren auf einen Geist ansetze, anstatt gegen die Truppen des dunklen Lords?" Tim hörte die Geringschätzung aus den Worten des großen Mannes, sein Blick huschte zu seinem Vorgesetzten.
Minister Scrimgeour wurde blass und seine zusammengekniffenen Lippen verrieten Tim, dass er an der Grenze jeglicher Selbstbeherrschung wandelte. Dennoch klangen die nächsten Worte des Ministers sehr beherrscht. „Ich sagte, setzen sie Auroren darauf an, Shacklebolt! Es ist mir völlig egal, wo sie die Männer hernehmen, ich will Gewissheit haben!"
„Wir reden hier von Albus Dumbledore, er hat noch nie…"
„TUN SIE WAS ICH SAGE ODER ICH SORGE DAFÜR, DASS IHR ARSCH DIENST IN ASKABAN SCHIEBT!"
Sowohl Tim als auch Kingsley Shacklebolt zuckten erschrocken zusammen als das Cognac-Glas des Ministers an der Wand zerschellte, einen Scherbenregen über einige Akten sandte und der Cognac in dünnen Rinnsalen von der Wand tröpfelte. Der Minister war aufgesprungen, das Gesicht krebsrot, rang er nach Atem. Tim hatte beide Hände voll zu tun seinen Chef mit einem weiteren Cognac weit genug zu beruhigen, um nicht stehenden Fußes eines Herzinfarktes zu erliegen.
Shacklebolt knirschte sichtlich mit den Zähnen, presste ein unformelles. „Wie Sie wollen, Rufus!" hervor, wirbelte auf dem Absatz herum und schmiss die Tür hinter sich ins Schloss.
„Und nun muss ich mir überlegen, welche Lüge ich dem Tagespropheten aufbinde. Schließen sie die Tür, Tim." seufzte der Minister bevor er den Cognac hinunterstürzte.
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Hogwarts, Große Halle
Harry glaubte sich verhört zu haben und starrte ungläubig auf die magere Gestalt vor dem Lehrertisch. Hagrid schaffte es schließlich weder den Lehrertisch noch Prof. Flitwick umzuschmeißen, kam stattdessen um den Tisch herum und schloss die Besucherin herzlich in seine riesigen Arme. Fawkes landete auf dem Stuhl des Schulleiters, sortierte umständlich sein Gefieder, bevor er scheinbar gelassen vor sich hin girrte.
Harry tauschte einen verständnislosen Blick mit Ron und Hermine. „Dumbledore??" flüsterte Ron leise.
„Ich hab noch nie gesehen, wie ein Geheimniszauber aufgehoben worden ist…" murmelte Hermine abwesend, einen Ausdruck von tiefster Faszination im Gesicht.
„Geheimniszauber?" echote Ron. Harry starrte zuerst Hermine, dann Fawkes an. Geheimniszauber? Dachte er entgeistert, bevor er sich wieder den Geschehnissen am Lehrertisch zuwandte.
Man hätte eine Feder fallen hören können, so mucksmäuschenstill beobachteten die Schüler noch immer das Geschehen. Nun umarmte auch Prof. McGonagall die junge Frau, bot ihr einen Platz am Lehrertisch an. Die Hexe nahm dankbar den schweren Umhang von den Schultern und ließ sich neben Prof. McGonagall nieder. Ihr Gesicht spiegelte Harrys ersten Eindruck wieder, sie war mager, dunkle Ringe lagen unter ihren blassen Augen… doch ihre Augen waren es auch, die Harry umgehend in ihren Bann zogen. Dasselbe helle Blau wie Prof. Dumbledore, derselbe wissende Blick, welcher ihr jugendliches Aussehen Lügen strafte.
Das aufkeimende Geflüster erstarb, sobald McGonagall sich erneut an die Schüler wandte.
„Nun…", begann die Professorin und schielte über ihre Brille „…da Hagrid die Vorstellung ja schon übernommen hat…" Hagrids Wangen verfärbten sich dunkelrot unter seinem Bart und er schaute schnell auf seinen Teller. Harry entging nicht, dass Lilith Dumbledore ihm freundlich zulächelte, worauf Hagrid nur noch verlegener wurde. „….brauche ich Ms Dumbledore, die Tochter unseres verstorbenen Schulleiters, wohl nicht weiter vorzustellen."
Einige überraschte Rufe wurden in der Halle laut und auch Harry spitzte die Ohren. Aufgeregtes Geflüster rauschte durch die Halle, offenbar war Harry nicht der Einzige, der sich über das unerwartete Auftauchen von Dumbledores Tochter wunderte. Dumbledore war tot… Harry war unsicher, warum er bisher nicht daran gedacht hatte. Und Dumbledore hatte eine Tochter… Hermine neben ihm murmelte aufgeregt vor sich hin, zerrte ein Stück Pergament und eine abgegriffen aussehende Schreibfeder aus ihrem Umhang und begann irgendetwas aufzuschreiben.
Dumbledore hatte eine Tochter… Harry wurde mit einemmal bewusst, dass er von seinem ehemaligen Mentor tatsächlich nur das wusste, was in den Geschichtsbüchern oder auf den Schokofroschkarten stand… oder wie er ihn selbst erlebt hatte. Dumbledore hatte nie ein Wort darüber verloren, dass er selbst Familie besaß.
Es stimmte Harry plötzlich sehr nachdenklich, dass er eigentlich über Dumbledore den Menschen gar nichts wusste und so verfolgte er das Getuschel um sich herum nur mit halbem Ohr.
„He, wenn das ein Geheimniszauber gewesen sein soll, wieso stellt McGonagall sie dann als Lehrerin vor? Ich meine, da muss sie doch was gewusst haben…" warf Ron ein, fing sich dafür einen überraschten Blick von Hermine ein. „Das stimmt, Ron…" sagte sie nachdenklich, zwirbelte unbewusst eine Haarsträhne zwischen den Fingern.
„Vielleicht wussten sie nur, dass ein neuer Lehrer kommt…" schlug Harry halbherzig vor.
„Hmm…" machte Hermine wenig überzeugt. „Könnte sein…", drehte das Pergament herum und kritzelte auf der Rückseite weiter. Ihre Schreibfeder machte kratzende Geräusche, so hektisch trieb Hermine sie voran.
„Ein Lehrer fehlt noch." stellte Ron nach einem sorgfältigen Blick an den Lehrertisch fest. Harry folgte seinem Blick und starrte einige Sekunden auf den einzig verbliebenen leeren Stuhl am Tisch.
‚Snape…', dachte Harry mit wachsender Unruhe. ‚Snape fehlt'.
McGonagall klopfte eindringlich mit ihrem Zauberstab auf den Tisch, aber erst nachdem sie die halbe Schülerschaft mit einem Schweigezauber belegt hatte, kam sie endlich dazu ihre Ansprache zu beenden.
Sie schob sich mit einer energischen Bewegung die Brille zurecht. „Da ich vorerst die Leitung von Hogwarts übernommen habe, wird Prof. Slughorn den Unterricht in Verwandlung übernehmen." Einige Schüler klatschten und Slughorn winkte ihnen zu. „Unser neuestes Mitglied, Ms. Dumbledore." Die Angesprochene schaute mit einem schmalen Lächeln über die Haustische. Harry sah aus den Augenwinkeln, wie Hermine die Stirn in Falten legte. „…wird die Zaubertränkestunden…" ein Jubelruf entfleuchte Fred und vereinzelte Lacher schallten durch die Halle. Prof. McGonagall zog missbilligend eine Augenbraue nach oben, bedachte die Zwillinge über ihre Brillenränder hinweg mit einem strafenden Blick. „…übernehmen und die Verteidigung gegen die dunklen Küste, wird weiterhin Prof. Snape…." Weiter kam sie nicht. Ein Stöhnen ging durch die Reihen der Schüler.
Snape war also doch wieder in Hogwarts? Harry runzelte angestrengt die Stirn…. Was dachte er da? Wieso eigentlich wieder? Er war doch bisher immer da gewesen…. Harry wollte Hermine gerade fragen, ob sie nicht auch so ein seltsames Gefühl….
Er gähnte herzhaft.
„He, Harry, nicht wieder einschlafen!" stieß Ron ihn von der Seite an. Harry zuckte mit den Schultern, konnte sich selbst nicht erklären, wo dieser plötzliche Anfall von spontaner Müdigkeit nun wieder herkam. Ach unwichtig, er hatte wahrscheinlich einfach nur zu wenig geschlafen und sah schon Gespenster.
Hermines ebenfalls gerunzelte Stirn sowie ihr Gähnen hinter vorgehaltener Hand entging ihm.
Einzig die Slytherins waren erfreut Severus Snapes Namen zu hören und Harry sah unwillkürlich zu Malfoy hinüber. Anstatt dem erwarteten dreckigen Grinsen erwiderte der Slytherin nur reglos seinen Blick.
Harry schluckte krampfhaft.
Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht! Wieder fielen ihm die merkwürdigen Stimmen ein… er musste unbedingt mit Hermine und Ron darüber sprechen! Ein weiteres Gähnen und Seamus schadenfrohes Gelächter lenkten ihn ab.
McGonagall wünschte ihnen noch einmal guten Appetit. Eher halbherzig griff Harry nach einem Stück Pastete. Er war plötzlich so müde, dass er eigentlich gar keinen Hunger mehr hatte.
„Hmmmm, das Essen hab ich vermisst…" murmelte Ron zwischen zwei Bissen.
„Sag mal, Harry…?" begann Hermine, gähnte jedoch unerwartet ähnlich heftig wie Harry.
„Habt ihr beide die Nacht durchgemacht oder was ist los?" erkundigte Seamus sich lachend. Harry schüttelte träge den Kopf, was nicht eben glaubhaft wirkte als Hermine im selben Augenblick schlafend an seine Schulter sank.
Ron verschluckte sich an seinem Brötchen, betrachtete Harry mit verletztem Blick. Seine Gesichtsfarbe wirkte mit einem mal ungesund blass.
„Bin heute auch ständig müde…" meldete Neville sich zu Wort, ließ als Bestätigung dieser Aussage fast sein Messer fallen.
Das Gelächter am Gryffindortisch wurde lauter.
„Hier, das könnte helfen!" sagte Fred, schnappte sich einen der Kürbissaftkrüge und verwandelte ihn in eine Handvoll Wasserbomben. Innerhalb von wenigen Minuten war der Großteil der Gryffindorschüler unter lautem Gelächter völlig durchnässt. Sowohl Harry als auch Hermine waren nach einer Ladung eiskalten Wassers wieder munter. Trotzdem war Harry nicht nach diesen albernen Spielen zumute.
Etwas rumorte in ihm, ohne dass er es hätte fassen können. Seine inneren Alarmglocken begannen zu schrillen. Harry fühlte sich unwohl und dieses Gefühl wuchs von Minute zu Minute. McGonagall rief die Zwillinge vom Lehrertisch aus empört zur Ordnung, allmählich verebbte das laute Gelächter in lang anhaltendes Gekicher.
Harry war zumindest wieder munter und verdrehte nun genervt die Augen, als Ron ihn noch immer scheel betrachtete. Harry platzte der Kragen. „Komm Ron, werd' nicht albern! Wir sind alle spät ins Bett gegangen gestern, oder?"
Ron biss kommentarlos in sein Brot und mied Harrys Blick.
Harry seufzte genervt. ‚Na, das Jahr fing ja schon gut an.'
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Irgendwo zwischen den Zeiten
„Ihr freut euch, Seherin?" Ein prächtiger Rabe landete elegant auf dem ausgestreckten Arm der alten Frau. Langes, schneeweißes Haar wirbelte in ihre Stirn, emporgehoben durch die mächtigen Schwingen des großen Vogels. Die Augen der alten Frau waren von derselben Farbe wie ihr Haar, richteten sich scheinbar blicklos auf den Raben.
„Ja, Aimsir, ja. Die Saat ist gelegt und zum ersten Mal seit den dunklen Tagen sprechen die Sterne wieder freundlich zu mir." Lächelnd streichelte die alte Frau das glänzende Brustgefieder des Rabens. Aimsir reckte sich der streichelnden Hand genüsslich entgegen, blinzelte, beschwingt durch ihre Worte in die untergehende Sonne. Ein einziger Wermutstropfen verdarb die Süße des Moments.
„Wird der Magier nicht verärgert über eure Einmischung sein?"
„Das wird er und mir blutet das Herz, jemanden wie ihn verletzen zu müssen. Doch auch er ist nur ein Mensch und gefangen in der Unwissenheit des Augenblicks. Vergib mir, dass ich trotz seines Schmerzes froh bin in diesen Stunden, Aimsir. Und nun komm, ich bin ein wenig erschöpft." Sie hielt für einen Augenblick ihr Gesicht in den strahlend blauen Himmel. „Außerdem wird es gleich Regen geben."
Die alte Frau ging mit langsamen Schritten auf ihre Hütte zu, welche sich in den Hang eines Hügels schmiegte. Rauchschwaden stiegen durch den alten Schornstein in den wolkenlosen Himmel. Aimsir kletterte auf ihre Schulter, beugte den Kopf während die Seherin aus der Helligkeit des Tages in das Zwielicht ihrer Hütte trat. Entferntes Donnergrollen kündigte den versprochenen Regen an.
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Hogwarts
Der Rest ihres ersten Abends in Hogwarts verging mit erschreckender Schnelligkeit. Nach dem Essen zogen sich die Schüler in ihre Gemeinschaftsräume zurück und tauschten die Neuigkeiten aus, welche sich in den Ferien ergeben hatten.
Harry saß ebenfalls in seinem Gemeinschaftsraum. Ginny hockte neben ihm auf dem Sofa, hörte sich geduldig Lavender Browns aufgeregtes Geplapper über den Besuch eines Muggel-Rockkonzertes an.
Hermine versuchte verzweifelt die Zwillinge davon abzuhalten den Gemeinschaftsraum schon am ersten Abend in Brand zu setzen, während Ron sich auffällig interessiert mit Seamus über die kommenden Quidditchspiele unterhielt.
Harry hockte zwischen all seinen Hauskameraden und starrte blicklos in den Kamin. Das ungute Gefühl in seiner Magengegend wollte einfach nicht verschwinden. Mit Hermine konnte er jetzt nicht reden, ohne dass Ron sich noch mehr anstellen würde. Und Ron wollte sich augenblicklich mit Sicherheit nicht seine Probleme anhören.
Harry warf Ginny einen Blick aus den Augenwinkeln zu. Nein, Ginny würde er es nicht erzählen. Noch nicht. Er spürte die Wärme ihres Körpers überdeutlich an seiner Schulter. Nein, noch nicht. Es sah gerade so aus, als könnten sie sich eventuell doch noch einmal zusammenraufen und er wollte nicht, dass sie ihn für merkwürdig oder endgültig durchgeknallt hielt. Also würde es wohl noch etwas warten müssen.
Irgendwann schafften die Zwillinge es, Hermine doch noch abzuhängen, verwandelten etliche Packungen Berti Botts Bohnen in riesige Federkissen. In null Komma nichts war eine wilde Kissenschlacht entbrannt, der sich auch Harry nicht entziehen konnte.
Als Ginny ihm auffordernd eines der monströsen Kissen ins Gesicht schlug, er daraufhin in einer Wolke aus weichen Daunen versank, beschloss Harry zumindest für den restlichen Abend seine düsteren Gedanken zu verdrängen. Morgen würde er mit Hermine und Ron sprechen. Bestimmt.
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Hogwarts, Büro der Schulleiterin
Während im Gryffindor-Gemeinschaftsraum jeder ernste Gedanke von den Weasley-Zwillingen effektiv verhindert wurde, warf die neu ernannte Schulleiterin Minerva McGonagall im Turmzimmer des Direktorats eine Handvoll Flohpulver in den Kamin, wartete bis die grünen Flammen aufloderten, bevor sich eine versiegelte Pergamentrolle in die Flammen warf, leise aber deutlich Alastor Moodys Haus verlangte.
Die Flammen erloschen und das Pergament war fort. McGonagall starrte noch einen Augenblick in den erlöschenden Kamin, bevor sie sich wieder ihrem Schreibtisch zuwandte. Umständlich ließ sie sich nieder, schob in alter Angewohnheit ihre Brille höher auf die Nase und griff nach ihrer Schreibfeder. Unschlüssig hielt sie sie in der Hand, spielte mit dem schlanken Federkiel, bevor sie es schlussendlich aufgab und die Feder niederlegte. Lange ruhte ihr Blick auf dem Porträt von Albus Dumbledore zu ihrer Rechten. Der ehemalige Schulleiter schien zu schlafen. Nicht ein einziges Mal hatten sich die Augen des Porträts geöffnet, seit es seinen Platz in der Galerie der Ehemaligen eingenommen hatte.
McGonagall hatte zu niemandem ein Wort über diese Merkwürdigkeit verloren.
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Hogwarts, Gryffindor-Schlafsaal
Am nächsten Morgen erwachte Harry mit Kopfschmerzen, blinzelte träge in das aufkommende Sonnenlicht, gähnte und rieb sich die Schläfen.
Er hatte geträumt. Einmal mehr. Wüstes Zeug von Voldemort, Sirius, dem Kampf mit den Todessern im Ministerium. Verblassende Bilder zogen vor seinem inneren Auge vorbei, Erinnerungen die ab und zu aufbrachen, ähnlich einer noch nicht gänzlich verheilte Wunde.
Harry seufzte leise. Er hasste diese Träume. Doch abstellen konnte er sie kaum. Ob er wollte oder nicht, diese quälenden Bilder waren ein Teil von seinen Erinnerungen, ein Teil von ihm und damit würde er leben müssen.
Trotz allem erklärte dieser Traum nicht das erneute Gefühl der Unruhe in seinem Herzen. Er träumte oft von Sirius, sogar seine Eltern wanderten in seinen Träumen umher, ebenso wie Cedric oder Cho…
Harry schlug die Augen auf. Cho?
Sein Herz beschleunigte den Takt, brachte ihn dazu sich aufzusetzen und hastig nach seiner Brille auf dem Nachttisch zu greifen. Cho?
Er schob sich die Brille auf die Nase, sah sich beinahe panisch im Schlafsaal um. Alles wie immer. Er hörte die leisen Atemzüge seiner Zimmergenossen. Draußen schuhute irgendwo sanft eine Eule. Cho?
Wieso Cho? Warum dachte er bei all den Toten in seinen Erinnerungen ausgerechnet an Cho?
Harry saß kerzengerade im Bett und versuchte Ordnung in seine Gedanken zu bringen, als Seamus' magischer Wecker ansprang, mit dröhnender Lautstärke durch den Schlafsaal plärrte: „AUFSTEHEN, IHR FAULEN GRYFFINDORS!"
Ron zog sich stöhnend die Decke über den Kopf und Neville brummelte irgendeine unverständliche Antwort.
Seamus tastete schlaftrunken nach dem Wecker, schlug danach, verfehlte ihn, hob schließlich den Kopf gerade weit genug aus dem Kissen um das kreischende Etwas zu schnappen und rigoros unter sein Kissen zu stopfen. Das Kreischen verstummte zu einem gedämpften Gemurmel.
Harry sagte nichts. Er saß einfach nur da und starrte die weinroten Vorhänge seines Bettes an. Warum Cho? Warum Cho? Warum Cho? Cho? Cho! Cho! Cho. Cho…..
„HARRY!"
Harry fuhr ein weiteres Mal in seinem Bett auf, fand sich Auge in Auge mit Ron wieder, der plötzlich vollständig angezogen vor ihm stand und noch immer an seinen Schultern rüttelte.
„Ron… Ron, was soll das denn?" brachte er verwirrt heraus, wollte sich die Augen reiben und bemerkte mit einiger Verwunderung, dass er seine Brille noch auf der Nase trug.
„Jetzt bist du wirklich spät dran!" informierte Ron ihn, zerrte die Truhe unter seinem Bett hervor und kramte nach frischen Klamotten. Harry setzte sich auf, noch immer verwirrt über die plötzliche Zeitverschiebung… gerade eben hatte er noch Seamus' Kampf mit dem Wecker beobachtet… er war wohl tatsächlich noch einmal eingeschlafen…
Ron warf ihm ein T-Shirt zu, brachte Harry endlich dazu, sich aus dem Bett zu quälen. Ein kurzer Blick auf seine Uhr bestätigte Rons Eile und Harry hatte keine Gelegenheit mehr über die verlorene Zeit nachzudenken, wenn er vor dem Unterricht noch etwas Essbares in den Magen bekommen wollte.
In Windeseile wusch er sich, schlüpfte in saubere Sachen und folgte einem ungeduldigen Ron in die Große Halle. Zu mehr als ein paar hastigen Schlucken Kürbissaft und einem eilig verschlungenen Brot kamen sie nicht mehr, bevor der Unterricht begann.
Obwohl es ihr Abschlussjahr war, musste Harry schnell feststellen, dass sich am Schulalltag nicht viel geändert hatte. Außer einem kleinen aber unwesentlichen Detail. Die Lehrer schienen der Meinung zu sein, der Abschlussjahrgang müsse noch schnell alles lernen, was es jemals über Zauberei zu erfahren gab und überhäuften sie mit Hausaufgaben, Hausarbeiten und Sonderprojekten. Und so verbrachte Harry schon die ersten beiden Tage damit sich zu fragen, wie er den Stoff des ganzen Jahres bewältigen sollte, hinzu kam die fast permanente Müdigkeit. Harry kam weder dazu, mit irgendwem über die merkwürdigen Stimmen zu sprechen, noch sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen warum Dumbledores Tochter plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war…
Einzig Hermine war in ihrem Element und verbrachte mit Freude die Nächte in der Bibliothek, nur um am nächsten Morgen übermüdet, aber um einiges Wissen reicher, gespannt auf den Unterricht zu warten.
Weder Ron noch Harry konnten ihrer Euphorie etwas abgewinnen. Am Mittwochabend stellte Harry erstaunt fest, dass er keine Visionen mehr hatte, oder wie immer er die merkwürdigen Stimmen nennen wollte. Er war erleichtert, dass er weder Hermine noch Ron irgendetwas erzählt hatte. Vielleicht war es diesmal wirklich nur die Anspannung gewesen endlich nach Hogwarts zurückzukommen.
Harry schlief zufrieden ein in jener Nacht, dachte an Ginny, die ihm heute mehr als deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie durchaus bereit wäre es noch einmal mit ihm zu versuchen. Harry lächelte in sein Kissen bevor Morpheus Arme sich endgültig um ihn schlossen.
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Grimmauldplatz
Mit fassungslosem Entsetzen stand Tonks in dem ehemaligen Festsaal des blackschen Hauses und starrte ungläubig in das Innere einer alten Holztruhe. „Das… das kann nicht sein!" brachte sie verwirrt heraus, senkte ihren Arm in die Truhe, bis ihre Fingerspitzen den hölzernen Boden berührten.
Rasch richtete Tonks sich auf. „REMUS!" in ihrer Stimme gellte die wachsende Panik.
Remus brauchte nur Sekunden um nach Tonks alarmierendem Schrei in der Tür aufzutauchen, mit erhobenem Zauberstab stürzte er in den einstigen Festsaal, der mittlerweile zum provisorischen Besprechungszimmer des Ordens umfunktioniert worden war.
„Was ist passiert?" rief er erschrocken, blickte sich rasch nach allen Seiten um und ließ verwirrt den Zauberstab sinken. „Gütiger Himmel, ich dachte dich greifen mindestens drei Dutzend Todesser an…" stieß er hervor.
„Alles ist weg!" rief Tonks den Tränen nahe aus.
Remus brauchte eine Sekunde um zu realisieren, dass Tonks aufgeregt auf eine Truhe zu ihren Füßen deutete. Dumbledores Truhe. Remus wurde schlecht.
„Was… meinst du?" brachte er irgendwie heraus, obgleich er die Antwort längst kannte.
„Dumbledores Aufzeichnungen, die Pläne von Hogwarts, alles!" Tonks Haarfarbe wechselte im Sekundentakt, ein sicheres Zeichen ihrer Nervosität. Remus senkte den Blick, starrte auf die alte Holztruhe und verfluchte die Tatsache, dass ausgerechnet Tonks das Fehlen der Papiere hatte bemerken müssen.
„Das kann nicht sein…" widersprach Remus lahm, schämte sich dafür, die Frau, die ihn so aufrichtig liebte, dermaßen zu hintergehen.
„Sieh doch… Remus, du weißt, was das heißt, oder?" rief Tonks aufgebracht aus, trat näher an ihn heran, berührte seinen Arm. Ein Hauch ihres Parfüms stieg ihm in die Nase und Remus zuckte schuldbewusst zusammen. „Ich…" begann er, wurde von Tonks unterbrochen. „Hier hat nur der Orden Zugang! Wir haben einen Verräter in unseren Reihen! Gütiger Himmel, Remus, wir müssen…"
„Obliviate!" stieß Remus aus, eine Welle der Schuld ließ ihn seine Augen schließen, als Tonks Blick ihn traf. Verstehen lag in dem kurzen Augenblick bevor der Zauber ihr Gedächtnis ausradierte. Verstehen und entsetzliche Enttäuschung.
„Es tur mir leid…" flüsterte Remus mit rauer Stimme, griff nach Tonks Arm um sie aus dem Festsaal zu führen. „Es tut mir so leid."
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Malfoy Manor
Lucius trat aus den Flammen des Kamins, strich sich sorgfältig die Asche vom Umhang, bevor er ihn eilig abnahm. „Ist Draco schon hier?" fragte er anstatt einer Begrüßung. Seine Frau, welche ihn offenbar erwartet hatte, nahm ihm den Umhang ab, legte ihn sorgfältig über die Lehne eines der schweren Stühle. „Natürlich. Er ist schon unten bei den Anderen."
„Gut." antwortete Lucius beruhigt, richtete seine Manschetten und trat an seiner Frau aus dem Kaminzimmer hinaus in den weitläufigen Flur. „Sorg dafür, dass die Türen verschlossen sind und dann komm hinunter. Die Versammlung kann beginnen und ich habe ungeheuere Neuigkeiten."
Narcissa nickte.
Tbc…
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Für alle, die es interessiert: Der Name des Raben Aimsir kommt aus dem Gälischen und bedeutet Zeitalter.
