Hallo Ihr Lieben,

es wieder Freitag und wie versprochen update ich ja, so lange ich noch vorgeschriebene Chaps habe, wieder wöchentlich. Bedanken könnt ihr euch dafür bei meiner Beta Little Whisper, die meinte, gerade in der Anfangsphase wäre es der Übersichtlichkeit halber besser schneller hochzuladen und da ich ja eine brave --husthusthus-- ff-Autorin bin, mache ich natürlich, was meine Beta sagt --ggg--.

Mein allerliebstes DANKE für die tollen Reviews und die wilden Spekulationen geht an: Leni4888 –ich hoffe, dass die Verwirrung noch etwas anhält, mindestens bis Chap 7, soviel kann ich schon mal verraten--, Giftschnecke –Loooooos, verrate mir deine Spekulationen! Bin immer gespannt, in welche Richtung euch die Geschichte gerade weist--, zissy –nein, sie sind alle echt echt --grins--, soviel kann ich dir versichern—blub ---lach – danke--, skateZ –auch dir danke, ich hoffe sie gefällt auch weiter--, none –neee, so lange lasse ich euch nicht warten! Versprochen!—

Macht weiter so, es ist klasse zu sehen, in welche Richtung diese Story noch gehen könnte --grins--. So, genug gelabert, weiter geht es! Viel Spaß und ein wunderschönes Wochenende!

Eure Cassie

Chapter 4 - Offenlegung

Leere Gedanken

Zu stillen Klängen

Fremde Stimmen

Die mich verdrängen

Die Zeit steht still

(e nomine – Der Turm)

Hogwarts

Der Morgen war nicht mehr weit entfernt, die letzten Sterne der Nacht hatten ihr Licht schon längst verstrahlt, als McGonagall aus einem unruhigen Schlaf gerissen wurde. Mühsam richtete sie sich in dem Stuhl hinter ihrem Schreibtisch auf, in welchem sie offenbar doch noch eingeschlafen war.

Grüne Flammen im Kamin erregten ihre Aufmerksamkeit, eine Pergamentrolle erschien, die Flammen erstarben. Etwas ungelenk und verspannt von der unbequemen Schlafposition, richtete sie sich träge auf, reckte sich und strich nachlässig die Robe glatt. Ohne Eile schritt sie zum Kamin, hatte den Schlaf noch nicht vollständig aus ihren Gliedern vertrieben, bückte sich langsam nach der Pergamentrolle und fischte sie aus der kalten Asche. Ihr Rücken schmerzte während sie sich aufrichtete. So schnell es ihre müden Finger zuließen, brach sie das Siegel, entrollte das knisternde Papier und starrte einen Augenblick auf Alastor Moodys krakelige Schrift hinab, bevor sie zu lesen begann.

Die Sorgenfalten auf ihrer Stirn wurden tiefer. „Nicht noch ein Angriff…" murmelte sie betroffen. Kraftlos sank sie auf die Knie, dort wo sie war, auf dem alten abgetretenen Läufer direkt vor dem Kamin des Direktorats und gestattete sich einen Moment der Schwäche.

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Grimmauldplatz

„Tonks, meine Liebe, was ist denn mit ihnen passiert?" Molly Weasley stockte überrascht beim Anblick der jungen Aurorin, welche, vollkommen bewegungslos in einem Sessel direkt vor dem Kamin saß, aus welchem Molly eben heraustreten sollte.

Als sie keine Antwort bekam, stellte Molly ihre schweren Einkaufstaschen ab und klopfte sich die Asche von der Kleidung. Die junge Frau reagierte noch immer nicht und allmählich begann Molly sich ernsthaft Sorgen zu machen.

„Tonks?" sprach sie die Aurorin erneut an, griff zu guter Letzt nach ihrer Hand und erschrak darüber, wie eiskalt sich ihre Finger anfühlten.

„Oh Merlin…" flüsterte Molly entsetzt als Tonks starrer Körper zur Seite sackte.

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Gryffindor-Gemeinschaftsraum

Wenige Stunden später stellte Harry mit einiger Überraschung fest, dass der Gemeinschaftsraum der Gryffindors schon erstaunlich bevölkert war. Ron hatte es tatsächlich fertig gebracht, ihm bis jetzt aus dem Weg zu gehen. Und dabei hatte er ihn erst vor wenigen Stunden noch damit aufgezogen, dass er mit Ginny turtelte. Nun traten sie gemeinsam die Treppe vom Jungenschlafsaal hinunter und auch Ron schien wenig begeistert von soviel Leben am frühen Morgen. Ganz Gryffindor schien schon auf den Beinen zu sein, einzig Hermine konnte Harry nirgends entdecken. Ginny winkte ihm quer durch den Gemeinschaftsraum zu, zuckte entschuldigend mit den Achseln und wandte sich erneut nach ihrer Klassenkameradin um, welche heftig gestikulierend auf sie einredete.

Harry rang sich ein müdes Lächeln ab. Er hatte schlecht geschlafen, Rons Getue ging ihm auf die Nerven und so war es ihm ganz recht, dass Ginny keine Zeit für ihn hatte. Noch immer etwas verwundert über die frühe Betriebsamkeit der sonst recht morgenmuffeligen Gryffindor-Gemeinschaft, versuchte Harry den Grund der morgendlichen Aktivitäten ausfindig zu machen.

Er war nicht wirklich verwundert darüber, eben jenen Grund in Rons Brüdern zu finden. Die neuesten Experimente der Zwillinge sorgten für einen anhaltenden Lärmpegel. Ron stöhnte genervt auf und drängte sich ohne ein Wort an ihm vorbei.

Harry folgte etwas langsamer, nutzte die Gelegenheit, um sich doch noch bei Ginny vorbeizuschlängeln. Kurz berührte er ihre Hand. Sie lächelte verschämt, bekam sogar rote Wangen und wandte schnell den Blick wieder ab.

Harry schaffte es nicht, das dümmliche Grinsen zu unterdrücken, welches sich unbedingt in sein Gesicht schleichen wollte. Mit wesentlich besserer Laune schlug er nun denselben Weg wie Ron ein, sah seinen Freund am Porträtloch in eine hitzige Diskussion mit Fred vertieft.

Kaum war Harry bei den beiden Rotschöpfen angekommen, erkundigte Fred sich effektheischend, ob nicht wenigstens er Lust auf einen von Weasleys würzigen Wurmfingern hätte, wenn Ron sich schon so unsolidarisch weigerte. Harry schloss sich Rons Weigerung an und folgte ihm eilig durch das Porträtloch. Das Gelächter ihrer Hauskameraden wurde vom Porträt der fetten Dame verschluckt, als sie sich gemächlich hinter ihnen schloss.

„Kann es sein, dass du eventuell doch noch was von meiner kleinen Schwester willst?" fragte Ron mit einem unverschämten Grinsen.

„Kann schon sein." antwortete Harry, froh darüber, dass er so schnell die Gelegenheit bekam Ron wieder zu besänftigen. Nach einer erneuten Episode wie im 4. Jahr hatte er wahrlich kein Verlangen.

„Also nicht Hermine?"

Harry blieb stehen, hielt Ron am Arm fest und zwang seinen Freund ihm ins Gesicht zu sehen. „Ron, warum sagst du ihr nicht endlich, dass du sie magst?"

Ron wurde rot und wich seinem Blick aus. „Sollte ich wohl, was?" Er vergrub die Hände in den Taschen seiner Hose.

„Allerdings." erwiderte Harry. Ron brachte ein schiefes Grinsen zustande. Harry klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter - war ihm doch klar, warum Ron sich bisher nicht getraut hatte Hermine seine Gefühle zu gestehen.

Schweigend legten sie den restlichen Weg zurück.

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Zaubereiministerium

„WIE UM DREIMERLINSWILLEN KONNTE DAS GESCHEHEN?"

Tim duckte sich unter dem haltlosen Gebrüll seines Vorgesetzten, versuchte den Ekel zu ignorieren, als ihm Speicheltropfen ins Gesicht flogen. „Ich…"

„WISSEN SIE, WAS JETZT PASSIEREN WIRD? WISSEN SIE…" Minister Scrimgeour war außer sich vor Wut, hämmerte pausenlos mit der Faust auf die Morgenausgabe des Tagespropheten ein. Die Überschrift sprang Tim selbst jetzt noch ins Auge, während er den Blick auf die glatt polierten Dielen im Büro des Ministers senkte.

„Der Auserwählte verschwunden! Wo ist Harry Potter?" leuchtete abwechselnd mit weiteren Panik schürenden Hetzparolen von der Titelseite. Darunter prangte ein seitenausfüllender Artikel, gespickt mit übertriebenen Spekulationen und Schreckensszenarien über einen möglichen Seitenwechsel des Auserwählten.

„ICH HATTE DOCH DIKTIERT, WAS VERÖFFENTLICHT WERDEN SOLL! WIESO DEMENTIERT DIESES SCHMIERBLATT DENN NUN MEINE AUSSAGE UND WER ZUM HENKER IST DIESER ANGEBLICHE INFORMANT? SIE, TIM?"

Tim schüttelte hektisch den Kopf. Er hatte es ja schon beim Aufstehen geahnt, dass dieser Tag nicht gut werden würde. Seine Katze hatte sich irgendwann in der Nacht unbemerkt auf den Läufer neben seinem Bett übergeben und Tim war mit nackten Füßen hineingetreten, sobald er seinen Wecker ausgeschaltet hatte. Er kannte solche Tage. Und er hasste sie.

Geduldig ließ Tim das Wutgebrüll des Ministers über sich ergehen. Auch wenn Minister Scrimgeour es anders sah, Tim war nicht der Urheber dieses Übels. Er hatte dem Tagespropheten genau das weitergegeben, was der Minister ihn diktiert hatte. Tim konnte schließlich nichts dafür, dass diese sensationsgeilen Reporter die Stellungnahme des Ministers als unglaubhaft darstellten. Sein Problem bestand momentan lediglich darin, dass Minister Scrimgeour ihn nicht zu Wort kommen ließ.

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Hogwarts

Die Decke der großen Halle waberte noch nebelverhangen im frühen Morgenlicht, nur vereinzelte Schüler hatten schon den Weg aus ihren Gemeinschaftsräumen nach unten gefunden. Unter ihnen leider auch, wie Harry auf den ersten Blick feststellte, Draco Malfoy, der ganz untypisch in irgendeine Lektüre versunken schien, noch nicht einmal aufsah, als sie am Slytherintisch vorbeigingen. Harrys Blick wanderte gespannt zum Lehrertisch. Die Lehrer waren noch nicht vollzählig. Prof. McGonagall unterhielt sich angeregt mit Dumbledores Tochter und Prof. Trewlaney starrte abwesend in ihre Teetasse. Harry grinste, als ihm der Gedanke kam, dass sie vermutlich gerade ein weiteres Todesomen für ihn voraussah.

Sie ließen sich am Gryffindortisch nieder, Ron schon mehr mit den Gedanken beim Essen als Harry es zu dieser frühen Stunde fertig gebracht hätte.

Harry griff nach dem Haferbrei und tat sich eine beherzte Portion auf. Sie aßen schweigend. Nach und nach füllte sich die Halle mit schwatzenden Schülern und auch Harry wurde allmählich munter. Er schaufelte versonnen den Brei in sich hinein, während er angestrengt versuchte sich zu erinnern, wovon er geträumt hatte. Er wusste noch wage, DASS er geträumt hatte und dies vermutlich auch der Grund dafür war, dass er vor Seamus' lästigem Wecker aufwachte. Harry konnte sich allerdings nicht erklären, warum bei allen schwarzen Hexen er dann wieder eingeschlafen war. Normalerweise hielten ihn seine Träume noch stundenlang wach…

Hermine unterbrach seine Grübelei.

„He, Harry, rutsch mal!" Sie ließ einen Stapel Bücher auf den Tisch knallen und Harrys Kürbissaft ergoss sich in seinen Haferbrei.

„Buäh!" machte Ron, als Harry unbeirrt weiterlöffelte.

„Ich habe ein bisschen nachgeforscht." Hermine strich sich nachlässig eine Strähne ihrer widerspenstigen Haare aus dem Gesicht, ihre Wangen glühten vor Aufregung. Harry fragte wiederholt, was um alles in der Welt so dermaßen interessant an alten Büchern sein konnte, das Hermine ein ums andere Mal in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen ließ.

„Ach, tatsächlich?" Ron warf ihr einen unschuldigen Blick zu. Hermine runzelte unwillig die Stirn, ließ sich aber zu keiner Antwort herab.

„Worüber?" Harry schob nun doch den Teller von sich. Sein Haferbrei hatte eine widerlich schleimige Konsistenz angenommen und erinnerte ihn zu sehr an das Futter der Knallrümpfigen Kröter, als dass er noch einen Bissen herunterbekommen hätte.

„Über Dumbledores Tochter." antwortete Hermine in einem Tonfall, als ob sie sich wundere, dass er es nicht sofort gewusst hatte. „Also…" eifrig breitete Hermine ihre Notizen zwischen den Marmeladen, Brötchen und Tassen des Frühstücks aus. „Dumbledore hatte drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Lilith Dumbledore ist die jüngste der Drei." Harry langte nach einem Muffin.

„Ich wusste gar nicht, dass Dumbledore verheiratet ist." warf Ron ein.

„Hmmm." machte Hermine, „…ist er, sogar zweimal, bzw. war er. Die Mutter der beiden ältesten Kinder, Ambria und Iphenias, war eine Hexe, Isadora Dumbledore. Sie starb vor einigen Jahren."

„Aha". Harry zerrupfte nachdenklich seinen Muffin. Sich Dumbledore als Familienvater vorzustellen fiel ihm erstaunlich schwer. Obwohl, wenn selbst Leute wie seine Tante und sein Onkel Kinder hatten, wieso dann nicht jemand wie Albus Dumbledore? Ron kratze sich am Ohr.

„Und dann mit Liliths Mutter, Winifred Dumbledore…" trug Hermine unbeirrt weiter vor.

„Winifred?" gluckste Ron.

Hermine deutete ihm ungeduldig ruhig zu sein. „Ja, eine Muggel. Sie wurde von Voldemort getötet."

„Deswegen Dumbledores Eifer bei der Jagd auf Voldemort!!" stellte Harry mit vollem Mund fest.

„Über Lilith selbst habe ich allerdings nichts rausgefunden und das ist schon merkwürdig." Hermine verstaute geschäftig die Pergamentrollen wieder in ihrer Tasche.

„Wieso merkwürdig? Vielleicht hat sie nichts Interessantes gemacht…?"

„Ron, bitte! Wenn ich sage nichts, dann meine ich auch nichts. Es gibt nicht mal einen Hinweis darauf, dass sie überhaupt geboren ist, bzw. ob sie z. B. auch in Hogwarts war."

„Aber sie muss hier gewesen ein." meinte Harry irritiert. „Ich glaube nicht, dass Dumbledore seine Tochter nach Durmstrang oder Beauxbaton geschickt hätte."

„Vielleicht doch, wenn er meinte, dass es hier zu gefährlich für sie sei." Hermine schob ihre Zettel umständlich zu einem Haufen zusammen.

„Aber wer hätte sie besser schützen können als ihr Vater?" Harry schüttelte nachdrücklich den Kopf. „Nein, sie muss in Hogwarts gewesen sein."

„Vielleicht ist sie ein Squib?" schlug Ron zwischen zwei Bissen seines Blaubeermuffins vor.

„Nein, wie sollte sie denn dann hier unterrichten?" widersprach Hermine mit einer leichten Gereiztheit in der Stimme.

Ron nickte nur.

„Und ihr vergesst noch etwas…"

Harry und Ron schauten Hermine an, welche scheinbar auf irgendeine Reaktion der beiden wartete. Als diese nicht kam, seufzte sie tief. „…warum hat Dumbledore seine Tochter mit einem Geheimniszauber geschützt?"

„Hm", machte Harry. Ron schwieg. Seamus tauchte gähnend auf, sank, nach einem verschlafenen Morgengruß, auf seinen Platz und langte nach einem Pfannkuchen.

„Eben. So wie ich das sehe, hat Fawkes den Zauber aufgehoben, deshalb können sich plötzlich alle Lehrer wieder erinnern…"

„Erinnern…" echote Harry nachdenklich, spürte eine Gänsehaut über seinen Nacken kriechen. ‚Irgendetwas ist komisch an diesem Wort', dachte er, bekam die weitere Unterhaltung seiner Freunde nur noch am Rande mit. Wenn er doch nur wüsste, was seit seiner Ankunft los war…

„Ich glaube nicht, dass Fawkes tatsächlich der Geheimnisträger war, ich meine, wie soll das denn gehen, wenn der Geheimnisträger stirbt, wird das Geheimnis doch auch offenbart, oder? Fawkes stirbt ziemlich regelmäßig, nicht wahr?" Ron grinste zufrieden, als Hermine in fast schockiert anstarrte.

„Das stimmt…" meinte sie nur, kramte in ihrer Schultasche hektisch nach Feder und Pergament und begann sich eifrig Notizen zu machen. „Phönix… besonderer Zauber… Ausnahmen???" murmelte sie vor sich hin, bemerkte nicht, dass Rons Blick weich wurde, als sie begann auf ihrer Feder zu kauen.

Ginny riss die Drei aus ihren Gedanken, als sie unverhofft neben Harry auftauchte und sich zögerlich neben ihn auf die Bank setzte. Harry beschloss, dass er seinen merkwürdigen Gedanken später noch genug Zeit widmen konnte und reichte Ginny einen Muffin. Sie lächelte ihn dankbar an.

„Oh nein, geht das jetzt das ganze Jahr so?" maulte Seamus von links, warf übertrieben anzügliche Blicke zwischen Harry und Ginny hin und her.

„Ach, ist doch mal eine Abwechslung. Normalerweise müssen wir immer Ron und Hermine dabei zuschauen." Fred und George stiegen über die Bänke hinweg, ließen sich rittlings nieder und ignorierten die entsetzten Blicke von Ron und Hermine geflissentlich.

Harry grinste und Ginny begann zu lachen.

„Das ist nicht witzig!" ließ Ron in einem miserablen Tonfall verlauten. Hermine fummelte derweil verdächtig genau am Verschluss ihrer Tasche herum.

Ginny zwinkerte Harry fröhlich zu und lachte nur noch lauter.

„Wo ist eigentlich mein Tagesprophet?" fragte Hermine um ihre Verlegenheit zu überspielen. Harry zuckte desinteressiert die Schultern. „Nicht da, sieht aus als hätte die Eulenpost Verspätung." Den alarmierte Blick, welcher zwischen Fred und George hin- und hersprang, sah er nicht.

Hermine schien seine Antwort nicht wirklich zu interessieren, stattdessen fragte sie Ron unzusammenhanglos nach dem Aufsatz für Prof. Vector. Harry kannte die Antwort schon, bevor Ron gelangweilt antwortete, dass er sich immerhin schon die Aufgabenstellung durchgelesen hätte. Hermine war angemessen entsetzt und wandte sich sofort dem vertrauten Thema zu, warum Ron alles immer auf die letzte Sekunde verschob.

Harry grinste, als Ron empört einwarf, den bräuchte er immerhin erst in der nächsten Woche. Hermine fand, dass das keine Entschuldigung sei und drohte sowohl Harry als auch Ron an, sie auf keinen Fall abschreiben zu lassen.

Glücklicherweise beendete der Unterrichtsbeginn die zunehmend lauter werdende Streiterei. Hermine beschleunigte ihre Schritte, ihre Tasche vielleicht etwas zu fest umklammert. Ginny verabschiedete sich mit einem warmen Lächeln von Harry bevor sie sich ihren Klassenkameraden anschloss und in Richtung Astronomieturm verschwand.

„Täusche ich mich oder wird sie wirklich jedes Jahr schlimmer?" flüsterte Ron Harry im Gehen zu ohne Hermine wirklich aus den Augen zu lassen.

„Wenn du meinst." antwortete Harry amüsiert und überlegte, ob er Ron darauf hinweisen sollte, dass Hermine so gar nicht gegen die Anspielungen der Zwillinge protestiert hatte. Ginny jedenfalls hatte es bemerkt…

Der Gedanke an Ginny ließ Harry still vor sich hin lächeln. Sie hatten sich zwar nur kurz gesehen, trotzdem machte sich ein warmes Gefühl in seinem Magen breit, wenn er an ihr Lächeln dachte. Harry hoffte inständig, dass er am Wochenende endlich wieder etwas Zeit mit ihr verbringen könnte.

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Voldemort

„Das, McNair, war wirklich gute Arbeit…"

Angesprochener sank noch ein wenig tiefer in die Verbeugung. Obgleich ihm diese Demutsbekundung zuwider war, erfüllte tiefer Stolz sein Herz während der dunkle Lord seine Arbeit voller Zufriedenheit honorierte.

„Harry Potter ist also tatsächlich verschwunden…" Lord Voldemort verschlang die langen Arme hinter seinem Rücken, trat an eines der raumhohen Fenster und blickte hinaus. „Ich muss gestehen, dass ich Lucius nicht glauben wollte…"

„Doch ist es wahr." sagte McNair mit gedämpfter Stimme.

„Ich bin ein wenig enttäuscht über dieses Ablenkungsmanöver. Dumbledore kann unmöglich denken, dass ich nicht hinter dieses List zu blicken vermag!"

McNair hielt es für angebracht zu Schweigen, starrte weiter demütig auf seine Fußspitzen. Insgeheim wunderte auch er sich über die Naivität Dumbledores. Es schien, als hätte Severus Recht behalten mit seiner Meinung, dass Dumbledore nicht mehr ganz bei Sinnen war. Wie sonst war es zu erklären, dass der alte Mann einen derart dummen Fehler beging und den Einzigen, der Voldemorts Machtgier noch in Grenzen hielt, von der Bildfläche verschwinden ließ. Bisher hatte der dunkle Lord sich noch zurückgehalten, sei es aus Angst vor der Prophezeigung, oder der Tatsache, dass er erst seine ganze Kampfstärke zurückgewinnen wollte, bevor er sich daran machte seine Macht über die Zaubererwelt zurückzuerobern. Doch jetzt, wo ausgerechnet sein angebliche gefährlichster Gegner von der Bildfläche verschwunden war…

„Ich denke, es ist allmählich an der Zeit, die Truppen zu sammeln." riss ihn die zufrieden klingende Stimme des dunklen Lords aus den Gedanken.

„Ja, Mylord." Walden McNair richtete sich zu seiner ganzen Größe auf, überragte selbst den Lord um etliche Zentimeter. Ein bösartiger Glanz lag in seinen schmalen Augen. Allmählich begann er zu begreifen, welche weitreichenden Folgen der Marschbefehl haben würde.

Seine Mundwinkel hoben sich zu einem diabolischen Lachen. Die Jagd begann.

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Hogwarts, Büro der Schulleiterin

„So, das ist die Letzte." sagte Prof. McGonagall und händigte eine zerbrechlich aussehende Phiole an Remus aus, welcher sie sorgsam in seiner Tasche verstaute.

„Haben wir jetzt alle Erinnerungen von Albus? Was ist mit seinem Denkarium?" Remus deutete mit einem Kopfnicken auf einen der Schränke, während er die Lederriemen seiner Tasche schloss. Behutsam stellte er sie auf einem der altmodischen Sessel vor dem Kamin ab.

McGonagall nickte. „Das Denkarium habe ich zuerst geleert. Außerdem fand ich noch ein paar in einem seiner Schränke, aber selbst Alastor hat keine weitere Erinnerungen mehr gefunden."

Überrascht blickten beide auf, als der Kamin sich durch lautes Rumoren meldete. Schnell suchten Remus' Augen den Tisch ab, er beruhigte sich, als er nichts fand und folgte McGonagalls Blick zu dem Kamin.

Molly Weaslesy rundliches Gesicht erschien in den Flammen. „Hier bist du, Remus…" ihre Stimme klang weinerlich. „Du musst schnell herkommen, es ist etwas passiert mit… Tonks… sie… bitte komm schnell… wir haben sie ins St. Mungos gebracht und… oh Remus, es ist so schrecklich… irgendjemand hat ihr einen Obliviate angehext und… es war ein starker Fluch… sie…" Molly brach ab und barg ihr Gesicht in den Händen.

„Ich gehe sofort ins Hospital, Molly." antwortete Remus mit rauer Stimme. Der Kamin erlosch und Remus spürte McGonagalls Blick auf sich lasten.

„Gütiger Himmel, warum hast du das getan?" brach es schließlich aus McGonagall heraus. Remus hob den Kopf und sah sie an, unverhohlener Schmerz lag in seinem Blick. „Ich hatte keine andere Wahl, sie hat bemerkt, dass Dumbledores Unterlagen fehlen…"

„Aber… Merlin, Remus, was ist, wenn sie sich nie wieder erinnern kann, du weißt wie unberechenbar der Obilivate ist und…" McGonagall brach ab, als sie Tränen Remus' dunklen Augen schimmern sah.

„Wenn…" seine Stimme war rau vor Emotion, „…ich zahle einen hohen Preis, also können wir nur hoffen, dass es dieses Opfer wert ist, nicht wahr?"

McGonagall wusste nicht, was sie darauf erwidern sollte.

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Hogwarts, Gryffindor

Den Rest des Vormittages hatte Harry keine Gelegenheit mehr, länger als eine Sekunde an Ginny zu denken, denn sogar Prof. Slughorn legte ein beängstigendes Tempo bei seinem Unterrichtsstoff an den Tag. Statt wie früher bei Prof. McGonagall pro Stunde nur eine neue Verwandlung durchzunehmen, die es allerdings bis ins Detail zu analysieren galt, schmetterte Slughorn ihnen reihenweise neue Verwandlungen um die Ohren, bis Harry meinte, sein Kopf müsse jeden Augenblick explodieren, oder zumindest anfangen zu rauchen.

Selbst Hermine wirkte gestresst, verzauberte irgendwann aus lauter Verzweiflung ihre Schreibfeder, damit diese jedes Wort mitschrieb, was Slughorn vortrug. Harry war dankbar dafür, er würde Hermines Notizen brauchen.

Von Verwandlung hetzten sie zu einer Flugstunde bei Prof. Hooch. Harry erinnerte sich an die Überraschung am Vortag, als er das Fach entdeckte, nachdem er endlich einen gründlichen Blick auf seinen Stundenplan hatte werfen können. Hermine hatte ihm nur lapidar erklärt, dass es noch andere Möglichkeiten des Fliegens gäbe als auf einem Besen. Und dass, wenn er zumindest die Titel seiner neuen Schulbücher gelesen hätte, er es wohl gewusst hätte.

Allmählich musste Harry Ron wohl doch Recht geben. Hermines Eifer überstieg in diesem Jahr sämtliche bisher aufgestellten Rekorde und ging sogar ihm auf den Geist. Bemerkenswert war weiterhin, dass noch nicht einmal die erste Woche vergangen war. Trotzdem hatte Harry das Gefühl, schon den Stoff eines halben Schuljahres eingebläut bekommen zu haben.

Einzig der Flugstunde sah er mit einiger Freude entgegen, welche aber noch vor Unterrichtsbeginn von Ron massiv gedämpft wurde.

„Oh nein… sieh mal wer da steht." seufzte Ron, während sie aus dem Schloss hinaus auf eine der weitläufigen Rasenflächen des Schlosses gingen.

Toll, dachte Harry, Flugstunde mit den Slytherins, da werden alte Erinnerungen wach.

Bevor Harry sich jedoch weiter in seinem Verdruss gegen das verhasste Haus ergehen konnte, baute Prof. Hooch sich mit gewichtiger Miene vor ihnen auf. Hermine tauchte an Harrys Seite auf, warf ihm einen Blick zu, der ihre Nervosität verriet. Richtig, dachte Harry, Hermine hasst Fliegen.

„Meine Damen und Herren, willkommen in ihrem Abschlussjahr. Es dürfte einige von Ihnen überrascht haben, dass die Flugstunden wieder in ihrem Stundenplan aufgetaucht sind. Nun, das hat einen guten Grund."

Die Professorin legte eine effektvolle Pause ein, verschränkte die Arme hinter dem Rücken und schritt zwischen den Schülern hindurch.

„Bisher haben sie gelernt auf Besen zu fliegen. Wer kann mir noch eine andere Möglichkeit nennen?"

Hermines Arm schoss nach oben. Erst nach einigem Zögern meldete sich auch Neville. Harry schaute ihn überrascht an.

„Ja, Longbottom?" Prof. Hooch blieb erwartungsvoll stehen.

„Auf… auf… Thestralen?" brachte Neville heraus, wurde rot, als einige Slytherins anfingen zu lachen.

„Was ist daran so lustig, Mr. Nott?" herrschte die Professorin den dunkelhaarigen Jungen an. Das Gelächter verstummte. Nott wurde rot im Gesicht und brachte offenbar keine Antwort heraus.

„Nun, wenn sie nichts zu sagen haben, wäre ich dankbar, wenn sie meinen Unterricht nicht weiter stören würden, Mr. Nott." Die Professorin wandte sich erneut Neville zu, eine Windboe ließ ihren schwarzen Umhang aufbauschen.

Harry starrte irritiert auf die Stoffbahnen, beobachtete wie sie sich im Wind wölbten, tanzten, flatterten. Ihm wurde kalt, Prof. Hoochs Stimme verschwand in weite Ferne. Reflexartig griff er nach Rons Schulter, biss sich schmerzhaft auf die Lippe, in dem verzweifelten Versuch bei Bewusstsein zu bleiben. Er wollte nicht schon wieder ohnmächtig werden. Nicht hier. Nicht vor all den Leuten. Nicht vor den Slytherins. Sein Blick verschwamm zu dumpfer Schwärze.

Preview on

Leises Atmen, angestrengt und flach.

Ein Bild tauchte aus der Schwärze auf, ein schwarzer Umhang, schwerer Stoff vom Regen durchnässt.

Shhh… es tut mir leid, Harry…" Malfoys Stimme, bedauernd.

Zwei Arme legten sich fast zärtlich um seine Taille. Er wurde fortgerissen.

Preview off

„Alles in Ordnung mit Ihnen, Mr. Potter?"

Harry blinzelte und wankte, Ron griff nach ihm, gab ihm den dringend benötigten Halt. Harry hob schwerfällig den Kopf und begegnete dem besorgten Blick seiner Lehrerin. Er hörte leises Gekicher aus den Reihen der Slytherins und verfluchte sich für seine Schwäche. Er nickte stumm, nicht fähig, den festen Griff um Rons Schulter zu lösen.

Prof. Hooch sah nicht überzeugt aus und so versuchte er es mit einem etwas heiseren „Alles okay.". Die hochgezogenen Augenbrauen der Professorin machten Harry klar, dass sie ihm nicht glaubte. Sehr zu seiner Erleichterung ermahnte sie jedoch lediglich seine Mitschüler mit dem Getuschel aufzuhören und setzte den Unterricht fort.

Das Gekicher der Slytherins ebbte nur langsam ab. Harry schoss einen ansatzweise bösen Blick in die Reihen der Slytherins. Er sah Nott und Zabini lachen und presste wütend die Lippen zusammen. Malfoy starrte ihn aus schmalen Augen an.

Nach einigen endlosen Sekunden hatte Harry endlich wieder das Gefühl, seinen Körper kontrollieren zu können. Er ließ Rons Schulter los. „Ist wirklich alles in Ordnung?" flüsterte dieser leise. Harry nickte erneut. Ron betrachtete ihn zweifelnd, wandte sich aber schließlich wieder dem Unterrichtsgeschehen zu.

Harry begegnete Hermines Blick, deren Hand schon wieder in den Himmel gerichtet war, und wusste, dass sie ihm nicht so einfach glauben würde.

Den Rest der Stunde bekam Harry nur noch am Rande mit, obwohl ihn das Thema Levitation durchaus interessiert hätte. Zu sehr war er mit den Gedanken bei der erneuten Vision, Erscheinung? Er hatte noch immer keinen passenden Namen für diese Vorkommnisse gefunden.

Leider hatte sich somit auch seine Illusion zerschlagen, diese Vorkommnisse wären nur vorübergehend. So wie die Dinge standen, kam er wohl doch nicht darum herum, Ron und Hermine einzuweihen. Ob er wollte oder nicht, und Merlin wusste, er wollte nicht, konnte er sich nicht länger einreden, dass diese Aussetzer harmlos wären.

Harry ahnte bereits, worauf es hinauslaufen würde, denn schließlich war auch einer seiner ersten Gedanken, dass es die Verbindung zu Voldemort war, welche ihm diese unerwünschten Aussetzer bescherte…

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Irgendwo zwischen den Zeiten

„Du bringst schlechte Nachrichten, Aimsir!" Die Seherin streckte ihren Arm aus, bot dem landenden Raben sicheren Halt. Behutsam strich die alte Frau über das zerrissene Federkleid, Wunden schlossen sich unter ihren Fingern und der Schmerz verschwand aus den schwarzen Augen des Raben.

„Es tut mir Leid, Seherin." krächzte Aimsir, gestattete sich ein kurzes Durchatmen, während die Magie der Seherin seinen Schmerz versiegen ließ.

„Du kannst nichts dafür, alter Freund." Die Seherin wandte ihren Blick gen Himmel, beobachtete scheinbar völlig in Gedanken versunken, wie die Wolken am Firmament wanderten. „Nun können wir es nicht mehr aufhalten… wir müssen uns beeilen…"

„Wer wird…" begann der Rabe, wurde zum ersten Mal unwirsch von seiner Herrin unterbrochen.

„Ich weiß es nicht, Aimsir, ich weiß es nicht." Sorgenfalten zerfurchten das alte Gesicht der Seherin und selbst ihre weißen Augen durchzog ein Hauch von Unbehagen.

Die Worte der alten Frau erschütterten Aimsir bis in den tiefsten Winkel seiner Seele. Niemals zuvor war die Seherin ihm eine Antwort schuldig geblieben. Angst ergriff sein kleines Herz, presste mit jedem Schlag die Hoffnung aus ihm heraus. Zurück blieb nichts als Leere. Und Dunkelheit.

„Hoffen wir, dass meine Kraft ausreichend ist den Zauber zu durchbrechen…" murmelte die Seherin leise. Aimsir spürte den Schmerz in ihrer Seele und schloss geschlagen die Augen.

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Hogwarts, Fluggelände

„Harry, kommst du?" Rons Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Harry stellte verwundert fest, dass die Professorin sie bereits entlassen hatte und der Großteil seiner Mitschüler schon auf dem Rückweg ins Schloss waren. Nur Ron und Hermine warteten auf ihn.

Harry setzte sich nur langsam in Bewegung. Er hörte Hermines erschrockenen Ruf zu spät, wurde im nächsten Moment hart von hinten angerempelt. Nur mit Mühe hielt er sich auf den Beinen. „Na, Potter, so zittrig heute?" spottete Malfoy. Crabbe und Goyle an seiner Seite grinsten hämisch.

„Lass ihn in Ruhe!" stieß Ron aus, war mit einigen schnellen Schritten neben Harry, den Zauberstab schon in der Hand und funkelte Malfoy drohend an. Auf dessen blassem Gesicht erschien ein höhnisches Lächeln. „Was denn, Weasley, markierst du hier den starken Beschützer?"

Harry fing sich schnell und schob sich zwischen Ron und Malfoy. „Lass es, Malfoy! Du willst doch was von mir, also, spuck schon aus, was du loswerden willst oder verpiss dich!"

Dann ging alles sehr schnell.

Malfoy nickte Crabbe und Goyle zu. Diese packten überraschend behände Rons Arme, zerrten ihn problemlos weg, obwohl er sich nach Kräften wehrte.

Hermines Griff nach ihrem Zauberstab lenkte Harry für den Bruchteil einer Sekunde ab. Dieser Augenblick genügte Malfoy, um ihn in den Schwitzkasten zu nehmen, das kalte Holz seines Zauberstabes presste sich schmerzhaft in Harrys Kehle. „Hinlegen, Granger!" befahl Malfoy emotionslos. „Oder willst du, dass ich deinen Helden einen Kopf kürzer mache?"

Hermines Blick schoss unsicher zwischen Ron und Harry hin und her, ihre Hand begann zu zittern. Harry zerrte wütend an Malfoys Arm, der drückte ihm nur noch heftiger die Kehle zu. Harry rang nach Atem.

„Das wäre doch wirklich hübsch, oder, Potter? Wenn du gleich hier an derselben Stelle sterben würdest wie dein ach so verehrter Dumbledore…" Harry spürte Malfoys Atem dicht an seinem Ohr. „Du hast mich damals gesehen, nicht wahr…?"

Harry versteifte sich, die Worte drangen nur langsam in sein Bewusstsein. Unwillkürlich wanderte sein Blick zurück zum Schloss. Zurück zu dem Turm, unter welchem sie standen… der Astronomieturm… Malfoy… war dort als… Dumbledore? Vor Harrys geistigem Auge tauchte unerwartet ein Bild aus einem seiner Alpträume auf. Eine schmale, bleiche Hand, die einen Zauberstab umklammert hielt… Malfoy!

„Du warst da…" krächzte Harry in wachsenden Entsetzen, versuchte angestrengt zu begreifen, wie er so etwas Wichtiges hatte vergessen können. Seine Knie wurden merkwürdig weich und er sackte gegen den Slytherin. Malfoy schien es nicht zu bemerken. „Erinnerungen sind doch was wirklich Schönes, oder, Potter? Vielleicht solltest du dich öfter mal…"

„DRACO! Die Hooch kommt zurück!" rief Crabbe warnend. Sofort ließen die beiden großen Jungen Ron los, der ohne zu zögern nach vorn stürzte.

Malfoy stieß Harry in derselben Sekunde von sich. Harry taumelte und Ron krachte gegen seinen Freund.

„Was ist hier los?" rief die Professorin etwas außer Atem, kam mit wehendem Umhang auf sie zugeeilt. Harry und Ron richteten sich auf, Ron hielt sich den Magen, welcher unangenehm nahe Bekanntschaft mit Harrys Ellenbogen gemacht hatte.

„Gar nichts, Professor." sagte Malfoy kühl, schritt scheinbar gelangweilt an Prof. Hooch vorbei, Crabbe und Goyle im Schlepptau.

Hermine setzte schon zu einer empörten Gegendarstellung an, als Harry sich selbst laut sagen hörte. „Es war nichts, Professor. Nur die üblichen Stänkereien…"

Hermine und Ron warfen ihm verstörte Blicke zu, schwiegen jedoch und Harry war einmal mehr froh solche Freunde zu haben. Worüber er weniger froh war, war die Tatsache, dass er keine Ahnung hatte, warum er Malfoy deckte. Wieder hallte seine eigene Stimme leise in seinem Ohr… DRACO!... wurde abgelöst von Malfoys tragender Stimme… Erinnerst du dich? Harry schauderte.

„Worum ging es?" wollte Prof. Hooch wissen. Ron wurde leicht rot um die Nasenspitze und Hermine log ohne mit der Wimper zu zucken eine abenteuerliche Geschichte über zerbrochene Federkiele im Geschichtsunterricht zusammen.

„Erinnerungen sind doch was Schönes…" monoton hallte Malfoys Stimme in Harrys Kopf wieder. „Erinnerungen sind doch was Schönes… Erinnerungen… erinnern… erinnern… er sollte mich an etwas erinnern…"

Harry spürte die Kälte in seine Arme kriechen. „Ron…" brachte er noch hilflos heraus, bevor ihm die Knie wegsackten. Prof. Hooch und Hermine stießen einen erschrockenen Schrei aus, stürzten auf die beiden Jungen zu. Ron hielt Harry mehr schlecht als recht aufrecht, war fast ebenso blass wie Harry, der verzweifelt darum kämpfte bei Bewusstsein zu bleiben.

„Erinnerungen sind doch was Schönes…" hörte er noch einmal Malfoys leise Stimme, bevor er in stummer Dunkelheit versank.

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Hogwarts, Eingangshalle

Im selben Moment trat Draco Malfoy mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen durch die großen Portale zurück ins Schloss, das ihm augenblicklich gefror, sobald er die schwarz gekleidete Gestalt erblickte, welche die Treppen aus den Kerkern hinaufstieg.

„Professor… Sie sind zurück?"

„Offensichtlich, Draco. Ich habe etwas mit dir zu besprechen! Sofort!" sagte Snape in einem Tonfall, der keinerlei Widerspruch duldete.

„Natürlich." antwortete Malfoy schlicht, schickte Crabbe und Goyle mit einem weiteren Nicken ihrer Wege.

Schweigend folgte er seinem ehemaligen Hauslehrer zurück in die Kerker, vorbei am Eingang zum Gemeinschaftsraum der Slytherins, vorbei am Klassenzimmer für Zaubertränke, bis sie schließlich vor Snapes Privatgemächern standen.

Snape trat ein, deutete Malfoy ihm zu folgen.

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Hogwarts, Fluggelände

„Was ist mit ihm?" Hermine beugte sich besorgt über Harry, der schlaff in Rons Armen hing. Prof. Hooch schob sie beiseite, tastete nach dem Puls am Hals des Jungen und wirkte sichtlich erleichtert, als sie antwortete: „Er ist bewusstlos. Bringen wir ihn in die Krankenstation."

Weder Hermine noch Ron widersprachen. Prof. Hooch ließ eine Trage erscheinen, bettete Harry darauf und dirigierte ihre Last mit dem Zauberstab zurück ins Schloss.

„Was war vorhin los?" wollte Hermine leise wissen, während sie hinter Harrys Trage herliefen.

„Keine Ahnung." antwortete Ron wahrheitsgemäß. Ein zweifelnder Blick Hermines ließ ihn die Schultern zucken und den Kopf schütteln. „Ich weiß es wirklich nicht."

„Das ist doch nicht das erste Mal, oder?" Hermine zurrte den Gurt ihrer Schultasche enger um die schmalen Schultern.

Ron ließ sich Zeit mit einer Antwort, sie traten durch die Portale zurück ins Schloss, waren einen Augenblick lang blind vom plötzlichen Wechsel der Sichtverhältnisse. „Ich weiß nicht. Vorhin dachte ich schon er kippt mir gleich um… und…" Ron zögerte, nicht sicher, ob er Hermine seine Vermutung mitteilen sollte. Harry würde nicht wollen, dass er so etwas sagte, doch wenn er Recht hätte… Er gab sich einen Ruck. „Ich glaube Harry hat wieder diese Träume…"

Hermine blieb eine Entgegnung schuldig. Sie traten hinter Prof. Hooch in den Krankenflügel, wurden von einer emsigen Madam Pomfrey in Empfang genommen.

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Hogwarts, Snapes Privatgemächer

„Seit wann sind Sie wieder hier?" erkundigte Draco sich vorsichtig.

Snape blähte verärgert die Nasenflügel auf. „Lange genug um zu sehen, dass du dich nicht an das hältst, was ich dir gesagt habe! Du sollst dich von Potter fernhalten!"

Draco hatte den Anstand verlegen den Blick abzuwenden.

Snape trat näher an ihn heran, packte mit hartem Griff sein Kinn und zwang Draco ihm in die Augen zu sehen. „Du wirst dich von jetzt ab an das halten, was ich von dir verlange, Draco. Ist das klar?"

Draco versuchte ein Nicken, war aber angesichts des unbarmherzigen Griffes bewegungsunfähig.

„Klar." presste er stattdessen hervor.

„Guter Junge." erwiderte Snape mit einem kalten Lächeln.

Draco wandte den Kopf, sobald Snape ihn endlich losließ und knirschte wütend mit den Zähnen.

„Setz dich. Es gibt Neuigkeiten." sagte Snape neutral.

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Hogwarts, Krankenstation

Harry erwachte mit leichten Kopfschmerzen, fasste sich unwillkürlich an die Stirn. Einigermaßen erstaunt schlug er die Augen auf, als er auf seinem Kopf einen nassen Lappen fand.

„Ah, Mr. Potter, wie schön. Geht es ihnen wieder besser?"

Harry blinzelte in das grelle Licht, brauchte einige Augenblicke um Madam Pomfrey zu seiner Rechten auszumachen.

Er nickte, blinzelte erneut, bevor er begriff, dass er seine Brille nicht trug. „Wo ist meine…"

„Hier." antwortete Madam Pomfrey, reichte ihm die Brille. Harry schob sich das Drahtgestell auf die Nase, richtete sich auf. Keines der anderen Betten der Krankenstation war belegt. „Wie lange bin ich schon hier?"

„Ach, nur ein paar Minuten. Prof. Hooch und ihre Freunde haben sie gebracht." Die Krankenschwester nahm ihm den Lappen von der Stirn, wusch ihn in einer Schüssel neben seinem Bett aus und wollte ihn schon zurücklegen.

Harry hob abwehrend die Hand. „Nein, lassen sie, es geht schon wieder, nur ein wenig Kopfschmerzen. Kann ich gehen?"

Madam Pomfrey lächelte entschuldigend. „Ich fürchte noch nicht, Mr. Potter. Sie waren bewusstlos und ich denke ein wenig Ruhe kann ihnen nicht schaden."

„Aber mir fehlt nichts." protestierte Harry.

„Ich weiß. Trotzdem werden sie noch ein paar Stunden hier bleiben und sich ausruhen. Oder möchten sie meine Anweisungen mit Prof. McGonagall diskutieren?" Rigoros wurde Harry zurück in die Kissen gedrückt. Die Krankenschwester hielt ihm auffordernd einen Löffel hin, versicherte ihm, dass es nur ein leichtes Mittel gegen seine Kopfschmerzen sei.

Harry erwägte weiteren Protest, gab aber in Aussicht auf eine Diskussion mit seiner ehemaligen Hauslehrerin nach.

„In ein paar Stunden dürfen sie gehen. Ruhen sie sich solange aus." Zufrieden zog Madam Pomfrey die Bettdecke zurecht, bevor sie leise summend verschwand.

Seufzend sank Harry tiefer in sein Bett, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte die Steindecke über sich an. Er gähnte ausgiebig und brachte soeben noch den Gedanken zu Ende, dass Madam Pomfrey ihm wohl doch einen Schlaftrank untergejubelt hatte, bevor er einschlief.

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Hogwarts, Büro der Krankenschwester

Madam Pomfrey trat in ihr Büro, warf eine Handvoll Flohpulver in den kleinen Kamin an der Rückwand des Zimmers, gleich neben dem verschlossenen Schrank der gefährlichen Tränke.

„Minerva McGonagall" sagte die Krankenschwester leise, das Feuer prasselte lauter und sie lehnte sich gerade soweit vor, dass ihr Kopf von den Flammen umschlossen wurde. Durch den grünlichen Schein des Flohfeuers spähte sie in das Büro der Schulleiterin.

„Poppy?" McGonagall erschien vor dem Kamin, sah der Krankenschwester mit hochgezogenen Brauen entgegen. „Was gibt es denn?"

„Nun, Sie wollten unterrichtet werden, falls einer der Schüler sich merkwürdig verhält."

McGonagalls Miene verdüsterte sich. „Wer ist es?"

„Harry Potter."

„Natürlich…" seufzte McGonagall, bedankte sich für die Nachricht und wandte sich abrupt um.

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Hogwarts, Krankenstation

Harry war wieder auf dem Astronomieturm. Es war dunkel, von irgendwoher drangen gedämpfte Schreie zu ihm hinauf. Er war nicht allein, Dumbledore lehnte schwer atmend an der steinernen Brüstung. Der alte Zauberer schien durch ihn hindurchzusehen, als er mit fester Stimme sagte: „Guten Abend, Draco." Dumbledores Augen lagen mittlerweile tief in den Höhlen, seine Haut spannte sich blass über den Wangenknochen. Malfoy trat ins Licht, den Zauberstab so fest umklammert, dass seine Fingerknöchel sich weiß von der ohnehin schon bleichen Haut abhoben. Statt einer Antwort blieb Malfoy plötzlich stehen, wandte den Kopf, schien Harry direkt anzusehen. Das Mondlicht brach sich in seinen hellen Augen. „Erinnerst du dich, Potter?"

Harry erwachte mit einem Schrei. Er saß aufrecht im Bett, die Hände schmerzhaft um die weißen Laken seines Bettzeuges verkrampft. Sein Herz raste, ihm stand der Schweiß auf der Stirn und er brauchte einiges Sekunden, in welchen er keuchend nach Atem rang, um zu realisieren, dass er geträumt hatte.

Kraftlos ließ er sich zurück in die Kissen sinken, zwang sich ruhiger zu atmen. Er hatte nur geträumt. Nur geträumt… doch… dieser Traum war ihm merkwürdig real erschienen. Was hatte Malfoy vorhin zu ihm gesagt: Erinnerungen sind doch was Schönes? Selbst im Traum stolperte Harry noch über diesen Satz. Erinnerst du dich?

Harry drehte sich auf die Seite, schob sich den Arm unter den Kopf. Erinnerst du dich?

Erinnerst du dich? Erinnerst du dich? Erinnerst du dich? Dumbledore und Malfoy auf dem Astronomieturm… eine schmale Hand, zitternd, bis sie schließlich den Zauberstab sinken ließ… War das Malfoy? Und wenn ja, was war mit Dumbledore geschehen?

Harry wälzte sich auf die andere Seite, er spürte wie es hinter seiner Stirn zu pochen begann. Erinnerst du dich? Was war mit ihm, warum hatte er Malfoy nicht davon abgehalten Dumbledore zu bedrohen… gelähmt…

Sein Herz begann erneut schneller zu schlagen. Ja, das war es. Er war gelähmt! Dumbledore hatte ihm einen Zauber aufgehalst… deswegen hatte er sich nicht rühren können. Doch was war dann geschehen? Eine erneute Welle der Müdigkeit verhinderte einen weiteren gedanklichen Exkurs und Harry schlief ein. Erneut.

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Hogwarts, Büro der Schulleiterin

„Das könnte ein Problem werden." sagte McGonagall mit einem erstaunlichen Maß an Nervosität in der Stimme.

„Minerva, wir haben das doch alles schon besprochen. Es ist der einzige Weg…" Das Kaminfeuer prasselte lauter, verschluckte den Rest der tiefen Stimme. Erst als die Flammen sich beruhigten, drangen erneut verständliche Wort aus dem Kamin. „Es wird schon alles gut gehn! Albus hat alles bis ins Kleinste ausgearbeitet. Du weißt doch, was nun passieren wird." Das Feuer erstarb abrupt, als es an der schweren Holztür zu McGonagalls Büro klopfte.

„Dein Wort in Merlins Gehör, Alastor…" murmelte McGonagall vor sich hin, bevor sie ein deutliches „Herein." antwortete.

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Hogwarts, Krankenstation

Sobald Harry erneut die Augen aufschlug, kam er zu dem Entschluss, dass er sich genug ausgeruht hatte. Er kletterte aus dem Bett, sammelte seine Habseligkeiten ein und schlüpfte in seine Schuhe. Es wurde mehr als Zeit endlich mit Ron und Hermine zu reden!

Ungesehen schaffte Harry es schließlich von der Krankenstation zu türmen. Dass er tatsächlich noch etwas wackelig auf den Beinen war, ignorierte er geflissentlich und machte sich auf den Weg in die Eingangshalle. Kräuterkunde dürfte jeden Moment zu Ende sein.

Harry ging die Treppen in die Eingangshalle langsam hinunter, er hatte noch immer Kopfschmerzen und bereute es, die Krankenschwester nicht wenigstens noch nach einem Schmerztrank gefragt zu haben. Nun, für diese Überlegungen war es zu spät, er würde sicherlich nicht wieder zurückgehen. Madam Pomfrey würde ihn wahrscheinlich ans Bett ketten und umgehend Prof. McGonagall antanzen lassen.

In der Hoffnung, dass ihm etwas frische Luft gut tun würde, trat Harry durch die schweren Portale hinaus, hockte sich auf die steinernen Stufen welche zu einem der vielen Innenhöfe von Hogwarts führte und atmete tief die frische Luft ein. Kurz überlegte er, ob es sich lohnen würde zu den Gewächshäusern zu gehen, beschloss jedoch sofort, dass er keine Lust auf neugierige Fragen von Prof. Sprout nach seinem Befinden hatte. Eine Stunde Kräuterkunde zu verpassen würde ihn nicht unbedingt seinen Abschluss kosten.

Harry musste nicht lange warten, als die ersten seiner Mitschüler auch schon hinter dem Säulengang auftauchten. Harry stand auf. Er sah Rons leuchtenden Haarschopf schon von weitem, offensichtlich war dieser in eine weitere Diskussion mit Hermine verstrickt.

Harry grinste und wartete auf seine Freunde.

Als Hermine ihn erblickte, begann sie zu strahlen, stieß Ron in die Seite und deutete mit dem Finger auf ihn. Rons Lächeln wirkte etwas gezwungen.

„Harry, geht es dir wieder besser?" wollte Hermine sofort wissen, umarmte ihn so vorsichtig als hätte sie Angst ihm wehzutun.

„Klar, nur etwas Kopfschmerzen, hört mal, ich muss mit euch reden…"

„Wenn ich noch eine vegane Schnapperbeere anfassen muss, werde ich die Schule wechseln!" schimpfte Ron nach einer kurzen Begrüßung ohne auf Harrys Worte einzugehen. Stattdessen, hielt er ihm demonstrativ 10 verbundene Finger vor die Nase. „Ich frage mich, warum die Dinger vegan heißen, wenn sie so wild darauf sind meine Finger zum Frühstück zu verspeisen."

Damit war Harry zumindest der Grund für die Debatte mit Hermine klar, er versuchte angestrengt sich ein Lachen zu verbeißen. „Tut mir Leid für dich, Mann, aber hört doch mal…"

„Hey, Bruderherz, was hast du denn gemacht?" George tauchte hinter Harry auf, ebenso wie Fred. Interessiert beäugten die Zwillinge Rons verbundene Hände. Ron schnitt eine Grimasse. Fred äffte ihn nach.

„Prof. Sprout war kurz vor einem Nervenzusammenbruch, ständig musste sie Rons Schnapperbeere einen Maulkorb umlegen, damit er die Stunde überhaupt lebend überstand…" berichtete Seamus lachend, lieferte damit den Zwillingen einen weiteren Grund für diverse Anspielungen bzgl. Rons Fingerfertigkeit.

„Du hättest dir nach dem Essen die Hände waschen sollen, Ron, da war bestimmt noch Kürbissaft dran und damit werden die Schnapperbeeren immerhin gegossen." belehrte Hermine ungerührt.

„Leute, könnt ihr mir mal eine Minute…" Harry wurde erneut unterbrochen als völlig unerwartet Prof. McGonagall hinter ihm auftauchte.

„Mr. Potter? Sie sind nicht mehr auf der Krankenstation?"

Harry verfluchte sein Pech ausgerechnet McGonagall über den Weg gelaufen zu sein und ignorierte Hermines tadelnden Blick geflissentlich. „Es geht mir gut, Professor."

McGonagalls kritischer Blick machte jede Erwiderung überflüssig. Sehr zu Harrys Überraschung schickte ihn die Professorin aber nicht umgehend wieder auf die Krankenstation. „Nun, ich bin nicht überrascht. Um der Wahrheit die Ehre zu geben hat Madam Pomfrey mich schon über ihr Verschwinden unterrichtet und mir das hier gegeben." McGonagall nestelte kurz an ihrem Umhang, beförderte aus einer unsichtbaren Tasche eine Phiole empor. „Es wird gegen ihre Kopfschmerzen helfen."

Harry nahm die Phiole entgegen. „Tatsächlich? Das hat Pomfrey beim letzten Trank auch schon gesagt und der hat mich ausgeknockt."

„Dann wird diese Ruhepause dringend nötig gewesen sein." stellte McGonagall spitz fest, presste die schmalen Lippen zu einer Linie zusammen, die ihr Missfallen über seinen Tonfall ausdrückte. Harry zögerte, betrachtete noch immer den Inhalt der Phiole.

„Wenn sie den nicht trinken, werde ich sie zurück auf die Krankenstation begleiten, Mr. Potter. Ich werde kein Risiko bezüglich Ihrer Gesundheit eingehen." konstatierte Prof. McGonagall entschieden, ihre Hände verschwanden in den langen Ärmeln ihres Umhanges, als sie gebieterisch die Arme vor der Brust verschränkte.

„Nun mach schon, Harry." sagte George leise.

„Genau, oder willst du wieder auf die Krankenstation?" schaltete auch Fred sich ein.

„Nein." murmelte Harry leise, bevor er die Phiole entkorkte und sich die klare Flüssigkeit in den Mund laufen ließ. Ein bitterer Geschmack ließ ihn sein Gesicht verziehen.

Prof. McGonagall nahm die leere Phiole wortlos entgegen.

Harry schluckte einige Male um den unschönen Nachgeschmack des Trankes zu verdrängen. Tatsächlich wurden seine Kopfschmerzen augenblicklich besser.

„Gehen wir." sagte Fred und klang fast ein wenig erleichtert.

Prof. McGonagall sah dem kleinen Trupp Schüler versonnen hinterher, bis sich die Tore der Eingangshalle hinter ihnen schlossen. Sie wandte sich auch nicht um, als Lilith Dumbledore aus dem Schatten eines Säulenganges heraustrat und neben ihr stehenblieb. „Sehen Sie, Minerva, es war doch ganz leicht."

Der Heiltrank tat seine Wirkung und Harrys Kopfschmerzen verschwanden. Ebenso wie seine Träume. Ebenso wie seine Sorgen. Selbst über seine Aussetzer wollte Harry nicht mehr nachdenken und erfreute sich plötzlich einer merkwürdigen Leichtigkeit des Seins.

So verbrachte er zusammen mit seinen Freunden einen entspannten, einträchtigen Abend im Gemeinschaftsraum. Spielte eine Partie Zaubererschach mit Ron und unterhielt sich mit Seamus über Quidditch. Ginny tauchte irgendwann auf und Harry genoss es einfach in ihrer Nähe zu sein.

Mit sich selbst und der Welt völlig zufrieden ging Harry ins Bett, sank in einen tiefen, traumlosen, trügerischen Schlaf.

Hermine, die noch immer neben Ron auf einem der breiten Sofas im Gemeinschaftsraum saß, knabberte an ihren Fingernägeln und schlief so unerwartet ein, dass Seamus mitten im Satz unterbrochen wurde.

Niemand fand es verwunderlich, immerhin waren sie alle müde.

Allein ein einsamer Rabe erhob sich von einem Fensterbrett und segelte im Mondlicht davon, kurz vor dem verbotenen Wald beschleunigte er seinen Flügelschlag und mit einemmal war er verschwunden. Nichts in der dumpfen Stille, welche sich über das Gelände des Schlosses senkte, erinnerte noch an Aimsirs Anwesenheit.

Tbc…

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