Soooo,
das Update kommt heute leider etwas später als ich vorgehabt habe, aber der erste Fackelumzug mit meinem Nachwuchs war doch aufregender als gedacht --lach--. Ein bisserl müsst ihr noch durchhalten, bis die Aufklärung kommt, auch wenn ich von nun an immer ein paar Brocken Aufklärung mit einarbeiten werde --gg--.
Lange Rede, kurzer Sinn, vielen Dank für die lieben Reviews geht an: zissy – Na, Harry weiß ja nicht, dass irgendwas mit seinem Frühstückssaft nicht stimmt, wieso sollte er ihn nicht trinken? Bzgl. der Zeit. Nein, alle Geschehnisse liegen in derselben Zeit, Hogwarts wurde also nicht in der Zeit verschoben oder so. Aber die Aufklärung hierzu kommt bald. Blub – danke- , Leni4888 – jaaa, die Absichten und Hintergründe kann ich bei einer Story, die auf ca. 30 Chaps ausgelegt ist ja noch nicht im 5. Chap verraten, oder?? –grins--, none, Och, die ein oder andere Erkenntnis muschele ich ab und zu schon mal in die Chapter --gg--
DANKE auch für dieses Chap an meine Beta: Little Whisper - habe deinen Wunsch nach spontaner Selbstentzündung eingebaut, fand die Idee zu gut!!
Habt vielen Dank für die tollen Vermutungen und Spekulationen, es macht riesig Spaß die zu lesen. Und da wir grad beim Lesen sind, weiter geht's. Bis nächste Woche
Eure Cassie
Chapter 5 – Einmischung und Erkenntnis
Ich zeige dir die Zukunft
Wende das Blatt!
(e nomine – Seance)
Hogwarts, Gryffindor-Schlafsaal
Kaum war Aimsirs letzter Flügelschlag in dieser Zeit verhallt, da schlug Harry die Augen auf. Ein überwältigendes Gefühl der Rastlosigkeit trieb ihn aus den warmen Laken seines Bettes. Die steinernen Wände seines Schlafsaales erschienen ihm mit einemmal erstickend eng. Harry brauchte keine Minute um zu wissen, dass er hinaus musste. Er brauchte… Luft…
Mit eiligen Bewegungen kramte Harry die Karte der Herumtreiber hervor, warf sich seinen Tarnumhang über und verließ fluchtartig den Schlafsaal. Neville murmelte im Schlaf und drehte sich auf den Bauch, als die Vorhänge seines Bettes sacht schwangen, von Harrys Vorbeieilen aus der Ruhe gerissen.
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Irgendwo zwischen den Zeiten
„Was tut ihr denn da, Seherin? Das… das dürft ihr nicht!" aufgebracht schüttelte der riesige Rabe seine Flügel, hackte nach der faltenreichen Hand der alten Frau, bis diese ihn mit einer überraschend flinken Bewegung einfing. Beruhigend strich sie das glänzende Federkleid glatt, lächelte über die Aufruhr in Aimsirs schwarzen Augen.
„Beruhige dich doch, Aimsir."
„Selbst ihr dürft euch nicht mit den Nornen anlegen, Seherin." widersprach der Rabe kläglich. Die alte Frau nickte, strich ihrem Begleiter ein weiteres Mal über das samtige Federkleid, lächelte den Raben verschmitzt an. „Natürlich nicht. Doch ein wenig Schlaflosigkeit wird mir Skuld (--) nicht als Einmischung anrechnen…"
Aimsir stockte und hätte geschmunzelt, wenn sein starrer Schnabel es zugelassen hätte. Die Seherin jedoch erkannte den Schalk in seinen schwarzen Augen als er belustigt nachfragte: „Schlaflosigkeit? Ihr benutzt das Mittel der Musen für eure Zwecke?"
„Warum nicht? Schließlich hat die Schlaflosigkeit einiges an Kunst hervorgebracht und das quer durch die Jahrhunderte." Die Seherin setzte den Raben sanft auf der Lehne ihres Stuhles ab. Als sie erneut zu Aimsir sprach, klang das Alter deutlich in ihrer Stimme mit. „Meine Kraft geht zur Neige, alter Freund."
Wortlos schmiegte Aimsir sich an ihren warmen Leib.
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Hogwarts
Harry atmete auf, als die Eingangstore sich hinter ihm schlossen. Bedächtig suchte er auf der Karte der Herumtreiber ein letztes Mal die Gänge ab. Das ganze Schloss schien zu schlafen. Nicht einmal Filch oder seine Katze waren irgendwo zu sehen.
Harry grinste, faltete die Karte zusammen und verstaute sie in den Taschen seines Umhanges. Mit schnellen Schritten machte er sich auf den Weg zum Quidditchfeld, ärgerte sich einen Augenblick darüber, dass er nicht daran gedacht hatte seinen Besen mitzubringen. Ein wenig Fliegen hätte ihm sicherlich das beklemmende Gefühl aus der Brust gefegt.
Nun, zurückgehen würde er nicht. Allein der Gedanke an die dicken Schlossmauern ließ ein akutes Gefühl von Klaustrophobie in ihm hochschwappen.
Die Türme des Quidditchfeldes kamen in Sicht und trieben ihm ein Lächeln auf die Lippen. Merlin, wie sehr er das Fliegen vermisst hatte! Harry dachte an die bevorstehenden Quidditchspiele und eine kribbelige Vorfreude machte sich in ihm breit. Es schien ewig her, seit er das letzte Mal auf einem Besen gesessen und dem Schnatz hinterhergejagt war.
Er trat mit langen Schritten mitten auf das Feld, legte den Kopf in den Nacken und genoss den Anblick des sternenklaren Himmels. Die Luft war angenehm kühl und ein leichter Wind trieb den Geruch von Wald und Wiese vor sich her.
Harry blickte die Tribünen entlang, genoss den Moment der Stille. In der Dunkelheit waren die bunten Farben der Häuser zu einem einheitlichen Grau verschmolzen, selbst das helle Silber von Slytherin war nicht mehr, als ein grauer Streif im Sternenlicht.
Er stutzte, als sein Blick über die Slytherinränge glitt. Deutlich hob sich dort etwas gegen den einheitlichen grauen Brei ab. Harry war froh, den Tarnumhang noch nicht abgelegt zu haben. Sorgsam darauf achtend, dass seine Füße nicht unter dem Umhang hinausschauten, lief er in langen Schritten über das Feld, kletterte so schnell und leise wie möglich auf den blauen Turm der Ravenclaws, dem Nachbarturm der Slytherintribünen. Direkt auf den Turm der Slytherins konnte er nicht. Es gab nur einen engen Aufgang und keine Möglichkeit sich zu verstecken.
Leicht außer Atem kam er schließlich oben an, lehnte sich so weit er konnte über die Tribüne und versuchte zu erkennen, was dieser helle Fleck war.
Er erstarrte. Oder wer es war.
Dort saß jemand. Harry kniff die Augen zusammen und kam sich im nächsten Moment etwas blöd vor, als ihm Hermines Zoom einfiel. Er war ein Zauberer zum Henker, warum brauchte er dann immer noch so lange bis er auf den passenden Spruch kam?
Eilig zog er seinen Zauberstab aus dem Umhang, richtete ihn auf seine Augen und murmelte ein fast lautloses: „Accessus!"
Sofort verschwamm die nähere Umgebung für einen kurzen Moment vor seinen Augen, bevor sich seine Sicht wieder klärte. Harry sog geräuschvoll die Luft ein und war ein weiteres Mal froh, den Tarnumhang nicht abgelegt zu haben.
Auf einem der höchsten Plätze der Slytherintribüne hockte Draco Malfoy, eingehüllt in seinen Schulumhang und starrte auf das Quidditchfeld.
Harrys Stirn legte sich in nachdenkliche Falten, während er Malfoy einige Minuten beobachtete. Er tat nichts. Gar nichts, um genau zu sein. Er hockte einfach nur da und starrte auf das Feld. Harry war mehr als irritiert, folgte Malfoys Blick nur um festzustellen, dass er wirklich den Rasen anstarrte.
Einen irrwitzigen Moment lang dachte Harry darüber nach Malfoy einfach zu fragen, was genau er da so überaus anstarrenswert fand. Als hätte Malfoy seine Gedanken erraten, kam nun wieder Leben in ihn. Harry sah, wie er langsam aufstand, eine seiner Hände tauchte als schmaler heller Streifen unter dem Umhang auf. Malfoy schien sie einen Augenblick anzustarren, bevor er sich erneut in den Umhang wickelte.
Langsam trat Malfoy die Stufen hinunter, blieb an der unteren Brüstung stehen und legte für einen kurzen Moment den Kopf in den Nacken, betrachtete den Sternenhimmel, ebenso wie Harry es nur Minuten zuvor getan hatte.
Abrupt wandte Malfoy sich herum, hastete eilig die Stufen der Tribüne hinunter und rannte zurück ins Schloss. Mit zusammengepressten Augen beobachtete Harry ihn, sah Malfoys Umhang in einer Windböe flattern, während er die Stufen zum Eingang des Schlosses hinaufstürmte.
Harry sah ihm nach, bis die Schlossportale sich hinter seiner schlanken Gestalt schlossen. Erst dann hob er den Zoom-Zauber auf. Was hatte das nun wieder zu bedeuten? Er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, Malfoy mehr als ein- oder zweimal ohne einen seiner Gorillas gesehen zu haben. Niemals hätte er erwartet, dass ausgerechnet dieser Angsthase nachts allein auf dem Gelände herumschlich.
Harry ließ sich auf einen der Plätze sinken und starrte nun seinerseits auf das Spielfeld. Er musste endlich mit Ron und Hermine reden. Etwas stimmte hier definitiv nicht. Harry gähnte ausgiebig obwohl er hätte schwören können, sich Sekunden zuvor noch hellwach gefühlt zu haben.
Eine Erkenntnis klickte in seinem Kopf und Harry wollte aufspringen. Stattdessen sackte er auf seinem Sitz zusammen und schlief ein.
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Hogwarts, Galerie über einem der Schlossinnenhöfe
„Das ist ja so was von krank." stellte Fred einige Stunden später fest, während er von einem der mächtigen Holzpfeiler verborgen auf der Galerie über dem Innenhof hockte und seine Mitschüler unter ihm beobachtete.
„Wem sagst du das! Eine Herde mit Schockzaubern gelähmter Schafe ist ein Dreck dagegen." erwiderte George mit einem deutlichen Ton von Widerwillen in der Stimme. Auch sein Blick ruhte auf seinen Mitschülern im Innenhof. „Sieh dir das an, es gab noch nicht einmal Frühstück und die hocken schon wieder mit Schulbüchern da!" Seine Mundwinkel zuckten kaum merklich.
„Ich begreife einfach nicht, warum nicht wenigstens einer etwas bemerkt… es fehlen doch so viele…" Fred verlagerte sein Gewicht, um seinem Zwillingsbruder ins Gesicht sehen zu können. „Ich meine, wenigstens Harry… oder Hermine… oder… ach scheiße!" Er stand auf, begann unruhig auf und ab zu laufen.
„Wie sollten sie denn? Wer weiß was genau die ihnen morgens in den Saft kippen?" George lehnte nach außen hin scheinbar völlig ruhig im Schatten an der kalten Steinmauer. Nur Fred erkannte den Aufruhr in den grünen Augen seines Bruders. Er las dieselbe Sorge, die auch ihn kaum mehr schlafen ließ, seitdem sie nach Hogwarts zurückgekehrt waren.
Das leise Ploppen eines apparierenden Zauberers ließ die Zwillinge zusammenschrecken, sie fuhren mit gezogenen Zauberstäben herum.
„Merlin, Bill!" keuchte George erleichtert, ließ sofort seinen Zauberstab sinken, als sein älterer Bruder aus dem Schatten der Überdachung zu ihnen trat.
„Wie sieht es aus?" erkundigte der weitere Weasley-Bruder sich, ohne auf George einzugehen.
„Alles ruhig." antwortete Fred verdrossen.
„Gut." Bill Weasley strich sich eine Strähne seines langen Haares hinter sein Ohr, ein Drachenzahn baumelte unübersehbar an einem Ohrring aus dunklem Titan. Ein Geschenk von Charlie zum letzten Weihnachtsfest. Mittlerweile war es die Erinnerung an einen Toten. Der ockerfarbene Reiseumhang wirkte zerschlissen und staubig. Es schien Bill nicht zu kümmern.
„Wie geht's Ma?" wollte Fred wissen.
„Ganz gut, sie ist im Hauptquartier."
Einen Moment schwiegen die Brüder, jeder fürchtete den Moment der Frage, die so unweigerlich kommen musste. „Und Dad?" brachte George schließlich heraus. Seine Stimme war rau vor Emotion.
Bills Miene verdüstert sich sichtlich. Er warf seinem jüngeren Bruder einen bedauernden Blick zu. „Keine Veränderung. Er ist stabil, mehr können die Medi-hexen nicht für ihn tun."
Fred schluckte hart, zwang seinen Blick auf den Innenhof zurück. Einige Hogwartsschüler übten Verwandlungssprüche an mehr oder weniger großen Steinen. Mit ebenso durchwachsenem Erfolg. Gedämpfte Stimme drangen zu den drei Weasleys hinauf, gemischt mit gelegentlichem leisen Lachen.
„Denkst du es ist richtig, was wir hier tun, Bill?" fasste George seine Bedenken in Worte. Bills Antwort war vielleicht ein wenig zu schnell und zu entschieden. „Natürlich."
„Aber Harry…" wollte George widersprechen.
„Harry ist nur ein Junge, George! Willst du ihn wirklich mit der Realität belasten? Du weißt doch selbst, dass er uns momentan nicht helfen kann und du weißt, wie sehr er unter all dem leidet… Es bringt uns nicht weiter, wenn er sich jetzt schon zermürbt." Bill hatte schnell gesprochen. Mit fester Stimme und Augen, die seine Worte Lügen straften.
Dennoch schwiegen die Zwillinge.
„Ich muss los. Ma lässt euch grüßen." Bill disapparierte ohne auf eine Erwiderung zu warten.
„Ja…" sagte Fred zusammenhanglos, folgte George die lange Wendeltreppe hinunter, welche die Galerie mit einem weiteren Innenhof des Schlosses verband.
Keiner der drei Weasley-Brüder hatte ihn bemerkt und so trat Draco Malfoy hinter der marmornen Statue hervor, welche zu Dumbledores Ehren auf die Galerie geschafft worden war. Er war blasser als üblich, auf seinem schmalen Gesicht der Ausdruck tiefsten Entsetzens, gepaart mit langsam wachsendem Zorn.
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Hogwarts, Quidditchfeld
Harry erwachte, als etwas Weiches ihn an der Wange berührte. Erschöpft blinzelte er, starrte einen Augenblick orientierungslos in Hedwigs große Eulenaugen. Er versuchte sich aufzusetzen, bereute die unbedachte Bewegung jedoch im selben Moment als ein scharfer Schmerz durch seinen Nacken bis hinunter zu seinen Lenden schoss.
Er ächzte, hielt in der Bewegung inne und versuchte zu begreifen warum er auf der Ravenclaw-Tribüne genächtigt hatte. Hedwig klackerte mit dem Schnabel und schmiegte ihren Kopf an seine Wange. Harry machte einen zweiten Versuch sich aufzurichten, jedoch wesentlich langsamer als zuvor. Sein Nacken war steif und er hatte rasende Kopfschmerzen.
Hedwig schuhute ihm leise ins Ohr. Harry wollte ihr über die Federn streichen, stellte irritiert fest, dass er noch seinen Tarnumhang trug. Kurzentschlossen zog er ihn aus, Hedwig schuhute zufrieden und ließ sich kraulen. „Hallo Hedwig…" murmelte er tonlos, streckte versuchsweise seine Beine aus. Allmählich kam sein Kreislauf wieder in Gang.
Nachdem Harry festgestellt hatte, dass Hedwig keine Post für ihn brachte, ihn vermutlich nur bei einem morgendlichen Rundflug aufgespürt hatte, machte er sich auf den Weg zurück ins Schloss. Wie gut, dass Hedwig ihn trotz des Tarnumhanges finden konnte, er hatte keine Lust von einem Lehrer entdeckt zu werden. Harry fühlte sich zerschlagen und sein Kopf schien in Watte gepackt, ließ die Geräusche der Außenwelt nur gedämpft zu ihm durch.
Er trottete den Pfad zum Schloss hinauf, Hedwig noch immer auf der Schulter und versuchte einfach an nichts zu denken. Er meinte jeden einzelnen Gedanken spüren zu können, wie er durch seine Hirnwindungen kroch und die Kopfschmerzen verschlimmerte.
Nach schier endlosen Minuten fand Harry sich vor den Portalen zur großen Halle wieder. Lustlos schob er die schweren Türen auf und presste sich hindurch, schlurfte automatisch zu seinem Platz am Gryffindortisch.
Den leeren Platz zwischen Crabbe und Goyle bei den Slytherins bemerkte er nicht.
Geschäftiges Geschnatter prasselte von allen Seiten auf Harry ein, das herannahende Wochenende hob die Stimmung der Schüler. Einzig Harry, und ein paar Plätze weiter auch Fred und George, hockten mit versteinerten Mienen über ihren Tellern und schaufelten entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit stumm das Essen in sich hinein.
Hermine bedachte ihn mit einem fragenden Blick, Harry deutete auf seine Stirn und war froh, dass Hermine verstand und ihn nicht mit weiteren Fragen löcherte. Er hätte sie sowieso nicht beantworten können. Hinzu kam, dass dieses überwältigende Gefühl wieder da war. Das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben…
Erst kurz vor Stundenbeginn erhoben sie sich. Harry lief stumm hinter dem Rest seiner fröhlich schwatzenden Hauskameraden her. Sie stiegen die engen Treppen zum Zaubertränkekerker hinunter.
„Ehrlich, ich hätte gedacht, jetzt, wo wir Prof. Snape nicht mehr haben, würden sie den Unterricht vielleicht nach oben verlegen…" jammerte Neville hinter ihnen. Er klang kläglich.
„Hey, was heulst du hier rum, wir haben Snape doch nicht mehr!" zog Seamus ihn auf. Neville brachte kaum mehr als ein nervöses Lächeln zustande. Trotz des Lehrerwechsels war er nicht unbedingt erpicht auf eine Stunde des verhassten Faches.
„Ist doch egal wo Zaubertränke stattfindet, immerhin müssen wir nachher nicht so weit zu Verteidigung gegen die dunklen Künste…" ließ Hermine ungerührt vernehmen.
„Das findet statt?" rutschte es Seamus erstaunt heraus.
Hermine betrachtete ihn mit einem nachsichtigen Blick. „Natürlich. Wieso denn nicht?"
„Aber ich dachte, Snape wäre…" Ron unterbrach sich, ein nachdenklicher Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. Er gähnte plötzlich und nuschelte ein leises „Ist ja auch egal", bevor er die letzten Stufen hinunterstieg.
Harry betrachtete versonnen den Hinterkopf seines Freundes. Verteidigung gegen die dunklen Künste. Snapes Fach. Er überlegte angestrengt, was daran so besonders war. Er mochte dieses Fach, denn er war gut darin… Harry wurde von einem genervten Stöhnen von Seamus aus den Gedanken gerissen und schaute auf.
Die Slytherins standen schon vor dem Kerker und Harrys Magen zog sich zusammen, als er Malfoys hochgewachsene Gestalt ausmachte. Harry hielt den Blick fast krampfhaft auf seine Füße gerichtet, meinte wieder seine eigene Stimme im Ohr zu haben, wie er „DRACO!" rief.
Unwillkürlich schüttelte Harry den Kopf um die Gedanken an jene merkwürdigen Stimmen zu vertreiben. Erneut streifte sein Blick den hochgewachsenen Slytherin. Malfoy sah im selben Moment auf und starrte Harry mit einem Ausdruck in den hellen Augen an, den Harry als nur schwer unterdrückte Wut deutete. Irritiert fragte Harry sich, was er nun wieder getan haben könnte, dass Malfoy so aufgebracht war.
„Harry?" Ron war in der offenen Kerkertür stehengeblieben und schaute sich um.
Harry zwang seine Gedanken in die Gegenwart zurück, fühlte wie Hitze seine Wangen flutete als er realisierte, dass er mitten im Gang stand und Malfoy anstierte. Glücklicherweise schien es wirklich niemand bemerkt zu haben und Harry beeilte sich Ron in das Klassenzimmer zu folgen. Sie suchten sich relativ weit hinten einen Platz, möglichst weit weg von Malfoy und seinem Hofstaat. Hermine packte geschäftig ihr Zaubertränkebuch aus. „Bin schon mal gespannt, wie sie so ist."
„Hä?" Ron schaute sie verständnislos an.
„Naja, immerhin war ihr Vater einer der berühmtesten Zauberer." Ungeduldig rutschte Hermine auf ihrem Stuhl umher. Bevor Ron antworten konnte, erschien Lilith Dumbledore in der Kerkertür. Die Professorin trat mit einem leisen Lächeln auf den Lippen ein, welches Harry auf schockierende Weise an Dumbledore erinnerte. Überdeutlich gellte plötzlich die Stimme seines ehemaligen Mentors in seinen Ohren. „Wenn du nach Hilfe suchst Harry, wirst du sie in Hogwarts stets finden. Schlage die dir gereichten Hände nicht aus." Harry zog die Nase kraus, wie kam er denn nun gerade jetzt auf diese Erinnerung?
Ms Dumbledore trug den typischen schwarzen Umhang der Lehrer, einzig ihre langen unordentlich zusammengesteckten Haare unterschieden sie von den ansonsten korrekt gekleideten Lehrkräften. Sie ließ einen kleinen Lederbeutel auf den Lehrerpult fallen und setzte sich daneben auf den Tisch.
Gespannt starrten die Schüler sie an, sich sehr wohl darüber bewusst, welch einflussreicher Zauberer ihr Vater gewesen war. Ms Dumbledore ließ den Blick langsam über ihre Schüler gleiten. Harry stellte fest, dass sie dieselbe blassblaue Augenfarbe wie Dumbledore hatte. Und denselben wissenden Ausdruck darin.
Die Professorin beendete ihren Rundblick bei Ron, ein flüchtiges Lächeln huschte über ihre Züge. „Du musst der Bruder von Fred und George sein, richtig? Ich hatte die beiden grade in Zaubertränke und sie meinten ihr kleiner Bruder wäre in einer meiner anderen Klassen."
Ron nickte nur stumm und war sichtlich verlegen.
„Ist ja nicht zu übersehen! Rote Haare, abgetakelte Klamotten, kann ja nur ein Weasley sein…" im stillen Klassenzimmer war Malfoys leise Stimme deutlich zu hören. Ron wurde knallrot und setzte schon zu einer wütenden Entgegnung an.
„Und du bist?" die Professorin wandte ihren Blick zu Draco.
„Draco Malfoy." kam die arrogante Antwort.
„Richtig, die Ähnlichkeit mit Lucius hätte mir gleich auffallen müssen." Ms Dumbledores Stirn legte sich in Falten, sie atmete ein, schien etwas zu Draco sagen zu wollen und überlegte es sich im letzten Moment anders. Stattdessen wandte sie sich wieder an die Klasse.
„Nun gut, ihr habt es ja schon gestern gehört, ich bin die Tochter von Prof. Dumbledore, der Einfachheit halber sagt einfach Ms Dumbledore zu mir und seht es mir nach, wenn ich eure Namen noch nicht sofort behalten kann…"
Leises Gelächter war zu hören, die Befangenheit der meisten Schüler verschwand allmählich. Ms Dumbledore erhob sich, griff nach dem unscheinbaren Lederbeutel und griff hinein. „Bisher hattet ihr dieses Fach ja bei unserem allseits beliebten Prof. Snape …" sofort wurde es wieder still.
„Was ist auf einmal los?" fragte sie verdutzt. Ihr Blick fiel auf Neville, der sichtlich nervös seine Finger knetete und heftig schluckend auf die Tischplatte starrte. „Sie sind….?" – „N….Neville….Long….Longbottom…" brachte Neville mit fiepsiger Stimme hervor.
Ms Dumbledore lächelte ihn aufmunternd an. „Nun, Mr. Longbottom, was ist der Grund dafür, dass sie diese Tischplatte so überaus faszinierend finden?" Neville räusperte sich vernehmlich, brachte aber keinen Ton heraus und sah aus, als würde er jeden Moment in Tränen ausbrechen.
Die Professorin runzelte erneut die Stirn, schien sich dann aber doch zu entschließen, das Thema nicht weiter zu verfolgen. Sie fischte einen verschrumpelten braunen Stein aus dem Lederbeutel, hielt ihn für alle gut sichtbar in die Höhe. „Gut, ich denke, ihr wisst, was das hier ist?" Mehrere Hände schossen nach oben.
Harry schaute Hermine fast entsetzt an, denn diese meldete sich nicht.
„Neville?" Ms Dumbledore deutete mit dem Stein auf Neville, dessen Gesicht Rons Haarfarbe glich.
„Das ist ein B-B-Bezoar." brachte er schließlich mit piepsiger Stimme heraus.
„Genau. Und woher bekommt man ihn?" Harry war sich sicher, dass ihm in den nächsten Sekunden der Himmel auf den Kopf fallen würde und die Welt ihrem Ende entgegensah, denn wieder blieb Hermines Hand auf der Tischplatte liegen. Sie gähnte, rieb sich die Augen und Harry verstand die Welt nicht mehr.
Diesmal konnte Pansy Parkinson die richtige Antwort geben. Ms Dumbledore begann, jedem Schüler einen Bezoar zu geben, zusammen mit einem gefalteten Pergament. Als Hermine plötzlich mit dem Kopf auf die Tischplatte sank und leise vor sich hinschnarchte, schaute Harry mit wachsender Verzweiflung zu Ron. Sein Freund jedoch schielte nur erstaunt zu Hermine und Harry war klar, dass er von dieser Seite wohl keine Antwort bekommen würde.
„Schau mal, Granger ist eingepennt." sagte Malfoy gerade laut genug, dass die Professorin und der Rest der Klasse ihn deutlich verstanden. Harry schoss einen giftigen Blick in die Richtung des Slytherin, war einen Moment irritiert über die Intensität mit welcher Malfoy ihn anstarrte.
„Scheißkerl." zischte Ron gepresst auf Harrys anderer Seite.
Ms Dumbledore wandte sich ihnen zu, betrachtete Hermine abschätzend.
Sofort stieß Harry Hermine an, die erschrocken hochruckte und sich leicht orientierungslos umschaute. Parvati zwei Plätze weiter grinste schadenfroh vor sich hin. „Was ist…" flüsterte Hermine gähnend.
„Ms Granger, ich wäre ihnen doch dankbar, wenn sie ihre Ruhephasen in ihre Freizeit verlegen würden." Zu Harrys Erstaunen kümmerte die Lehrerin sich nicht wirklich um sie, fuhr stattdessen fort, die Steine zu verteilen. Malfoy machte ein verkniffenes Gesicht.
„Du bist eingeschlafen, was ist denn los mit dir?" wisperte Harry. Hermines Augen wurden groß. „Ich bin was?" war ihre verblüffte Antwort. Er blieb eine Erwiderung schuldig, denn die Professorin war bei ihnen angelangt.
Harry nahm den Bezoar und das Pergament von Ms Dumbledore entgegen. Interessiert entfaltete er das Pergament „Levitastrank" las er leise die klare Schrift. Darunter stand eine Zutatenliste.
„So, jeder von euch hat ein Pergament mit einem Trank bekommen. Macht euch an die Arbeit." Ms Dumbledore klatschte in die Hände. Harry folgte einer sichtlich irritierten Hermine zum Zutatenschrank im hinteren Teil des Kerkers. Schnell hatte er alles beisammen und kehrte an seinen Platz zurück.
Die Professorin ging in den Reihen auf und ab und gab ab und zu Anweisungen. Anders als Snape schien ihr tatsächlich etwas daran zu liegen, dass die Schüler begriffen wie die Tränke zubereitet werden mussten. Sie blieb bei Parvati stehen, hinderte sie daran eine ihrer Zutaten in den Kessel zu werfen, bevor der Trank nicht die gewünschte Konsistenz hatte.
Selbst Harry war erstaunt, dass sich sein Trank nach der letzten Zutat – einem Stück Grunzwurst, die sich hartnäckig weigerte, in die brodelnde Masse geworfen zu werden und erst Ruhe gab, als Harry sie genervt mit einem Schockzauber versah – tatsächlich milchig verfärbte und aussah wie der Gedankenstrom im Denkarium.
„Sehr schön. Ihr seid alle fast fertig, wie ich gesehen habe. Nun möchte ich, dass ihr einen Schluck von eurem Trank probiert." verkündete die Professorin, während sie Millicent Bulstrode zeigte in welchen Abständen sie ihren Trank umzurühren hatte.
Neville keuchte entsetzt auf und auch Harry warf einen misstrauischen Blick in seinen Kessel. Malfoy bedachte Harry mit einen höhnischen Blick und das hämische Grinsen sagte mehr als tausend Worte. Harry presste die Lippen zusammen und tunkte todesmutig seine Kelle in den Kessel.
„Beobachtet die Wirkung des Trankes und lasst euch dann von eurem Nachbarn den Bezoar geben, wenn ihr die Wirkung beenden wollt….Mr. Goyle,…nicht zuviel davon trinken, so stabil sind selbst die Böden in Hogwarts nicht…."
Goyle war tatsächlich der erste, der von seinem Trank probierte. Erstaunt beobachtete die restliche Klasse, wie sein ganzer Körper merkwürdige Beulen bekam und plötzlich ächzte der Steinboden unter ihm.
Malfoy wich unwillkürlich zurück und nun war es an Harry ihm ein hämisches Grinsen zuzuwerfen. „Na, Malfoy….Angst?" brach es aus Harry heraus. Leises Gelächter der Gryffindors belohnte ihn. Malfoy warf ihm einen bösartigen Blick zu, selbst Pansy Parkinson starrte ihn irritiert an. Die Schüler wurden von Goyle abgelenkt, der besorgt den Boden unter seinen Füßen musterte.
„Wie ihr seht, vervielfacht dieser Trank das Körpergewicht um ein Mehrfaches. Besonders effektiv ist dieser Trank, wenn man jemanden handlungsunfähig machen will, aber keinen Zauber anwenden kann. Der Vorteil der Zaubertränke im Gegensatz zu Zaubern ist nämlich, dass ihr die Wirkung dieser Tränke nicht mit dem Finite Incantatem aufheben könnt…"
„Als ob Goyle noch mehr Gewicht nötig hätte." flachste Seamus laut. Die Lehrerin überging das verhaltene Gelächter, schenkte stattdessen Goyle ein aufmunterndes Lächeln. „…sehr schön, Mr. Goyle, jetzt den Bezoar!" Goyle griff mit sichtlicher Mühe nach dem Stein und schluckte ihn hinunter. Sofort verschwanden die Beulen und ein erleichtertes Grinsen glitt über sein feistes Gesicht.
Neben Harry warf Ron einen besorgten Blick in die brodelnde Masse in seinem Kessel. „Keine Angst, wenn ihr alles richtig gemacht habt, kann nicht viel passieren. Ansonsten wird Madam Pomfrey mir gern noch einen Vortrag darüber halten, was man Schülern nicht zu trinken geben darf…" Einmal mehr erinnerte die Lehrerin Harry an Dumbledore, denn als sie die erschrockenen Gesichter einiger Schüler sah, trat ein allzu vertrautes Zwinkern in ihre blauen Augen.
Vielleicht war es die Ähnlichkeit mit ihrem Vater, die Harry dazu veranlasste seine eigene Kelle in seinen Kessel zu versenken. Der milchige Trank floss träge in seine Kelle. „Was soll's?" dachte Harry „Sie wird uns schon nicht abmurksen wollen…" Langsam schlürfte er die wabernde Flüssigkeit. Es fühlte sich an, als würde er versuchen Nebel zu schlucken. Plötzlich kreischte Hermine neben ihm. Harry fiel die Kelle aus der Hand. Er fühlte sich merkwürdig leicht und biegsam. Die allgemeine Aufmerksamkeit richtete sich auf ihn. Er schaute an sich hinunter und wusste warum Hermine geschrieen hatte. Sein Körper war so durchsichtig wie der des fast kopflosen Nick.
Ms Dumbledore kam an seinen Tisch. „Wunderbar, Mr Potter, versuchen sie mal zu fliegen…"
„Was?" machte Ron. Harry schaute nach oben an die Decke und wie von selbst schien sein Körper dorthin zu gleiten.
„Mr Potter hier hat den Levitastrank gebraut. Er verleiht euch die Möglichkeit, ähnlich wie bei Geistern, durch feste Gegenstände zu gehen und zu fliegen…" trug die Lehrerin erfreut vor. „Es handelt sich hierbei quasi um eine Nebenform der Levitation. Damit werdet ihr euch in euren Flugstunden beschäftigen. Der Levitastrank ist besonders nützlich, wenn ihr relativ unbemerkt z. B. sagen wir, durch Wände oder Türen kommen wollt, die sich mit Öffnungszaubern nicht entriegeln lassen… wenn jetzt jemand von euch auf die Idee kommen sollte Gringotts mit diesem Trank einen Besuch abzustatten, kann ich nur davon abraten. Die Verliese der Kobolde sind nicht umsonst so verwinkelt. Es gab tatsächlich hin und wieder Zauberer, die versucht haben Gringotts mit Hilfe dieses Trankes auszurauben. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt. Den Berichten der Kobolde zufolge sind diese Diebe einen äußerst unschönen Tod gestorben. Wenn ihr nämlich gerade in einem Stein herumschwebt, wenn die Wirkung des Trankes nachlässt, manifestiert ihr euch in dem Stein. Ich brauche wohl nicht genauer auszuführen, welch unschöne Todesart es ist in einem Stein zu ersticken, nicht wahr?"
Zustimmendes Gemurmel erhob sich und Harry wurde leicht flau im Magen, als die Professorin ihn anwies durch die Decke nach oben zu schweben.
Harry riss die Augen auf und wollte etwas sagen, sein Mund bewegte sich, doch kein Wort kam über seine Lippen.
„Der Nachteil dieses Trankes ist übrigens, wie Mr. Potter gerade herausgefunden hat, der Sprachverlust…"
„Verlust würde ich das nicht nennen, wenn Potter endlich mal das Maul hält!" schoss Malfoy giftig.
„Mr. Malfoy! Achten sie auf ihre Ausdrucksweise!" tadelte Ms Dumbledore ohne den Blick von Harry zu wenden. „Nun, Mr. Potter, die Wand! Schweben sie hindurch…"
Harry glaubte noch immer sich verhört zu haben, blickte aber erneut zur Decke und begann darauf zuzuschweben. In dem Augenblick, als sein Kopf die Decke hätte berühren müssen, glitt er einfach hindurch. Es war ein merkwürdiges Gefühl durch den Stein zu gleiten, es war als atme er den jahrtausendealten Stein ein, verschmelze mit ihm, verwandele sich in ihn…
Erschrockene Schreie lenkten Harry ab und er bemerkte erst jetzt, dass sein Kopf in dem Klassenzimmer über ihm steckte. Einige Zweitklässler starrten ihn mit schreckensbleichen Gesichtern an und wichen zitternd vor ihm zurück.
„Was zum…?" Prof. Flitwick kam zwischen den Tischen hindurchgewuselt, um zu sehen was den Aufruhr in seiner Klasse verursacht hatte. Als er Harry erblickte, lächelte er. „Mr Potter, sie haben Zaubertränke, nehme ich an?" Harry nickte stumm. „Sehr gut, sehr gut, setzt euch Kinder! Setzt euch! Mr Potter probiert grade einen Zaubertrank aus, also kein Grund zur Beunruhigung…"
Harry blickte nach unten, schwebte sofort durch den Stein zurück und fand sich im Zaubertränkekerker wieder. Seine Mitschüler betrachteten ihn fasziniert. Ms Dumbledore schmunzelte zufrieden. „Im Gegensatz zu der Levitation, wo ein fester Körper bewegt wird, bewirkt der Levitastrank, dass der Körper sich durch feste Masse bewegen kann. Dem Tumult über uns entnehme ich, dass dieses Klassenzimmer nicht leer war…"
Harry grinste und schwebte weiter hinunter, bis er ungefähr in Höhe seines Platzes innehielt. Auf Ms Dumbledores Anweisung sich zu konzentrieren, schaffte er es den Bezoar aufzuheben und schluckte ihn artig hinunter. Sofort fühlte er die Leichtigkeit verschwinden.
„Sehr gelungen." lobte die Professorin ihn noch einmal, bevor sie sich dem ächzenden Neville zuwandte, dem rosa Dampf aus den Nasenlöchern quoll.
Die Stunde war zugegebenermaßen aufregend und selbst die Hausaufgaben, welche Ms Dumbledore ihnen auftrug – zwei Rollen Pergament über die Zubereitung, die Wirkung und mögliche Anwendungen des jeweiligen Trankes - störten keinen. Neville schwebte noch immer auf einer Wolke des Glücks. Harry verstand ihn. Auch für ihn war es die erste Zaubertrankstunde, in welcher er sich nicht in die nächste Woche gewünscht hatte.
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St. Mungo Hospital für Magische Krankheiten und Verletzungen
Remus stand vor der verschlossenen Tür, welche in Tonks Krankenzimmer führte. Er stand schon minutenlang dort. Atmete den typischen Krankenhausgeruch nach Flüchen und Reinigungszaubern ein, der in seiner empfindlichen Nase schmerzte.
Wie sollte er hineingehen? Wie sollte er Tonks jemals wieder gegenübertreten? Er schalt sich einen Feigling, wich den fragenden Blicken einer Medi-Hexe aus, welche an ihm vorüberging. Tonks war noch immer nicht zu Bewusstsein gekommen und Remus wusste, dass sie es auch nicht so schnell würde. Sein Obliviate-Zauber war stark…
Er atmete ein weiteres Mal tief ein, verstärkte den Griff seiner Finger um die kühle Klinke und öffnete die Tür. Tonks Präsenz schlug ihm, einer Ohrfeige gleich, entgegen. Sie sah schmal aus in dem großen Bett, zwischen den weißen Laken. Überwachungszauber flimmerten um sie herum. Zögernd trat Remus näher, jeder einzelne Schritt ein Kampf mit seinem Gewissen.
Er war sicher, dass Tonks seine Anwesenheit nicht bemerkte. Ihre Augen waren blicklos an die Zimmerdecke gerichtet. Allein der ab und zu flatternde Lidschlag kündete von ihrem Leben. Galle stieg in Remus' Kehle auf als er sie dort liegen sah. Er wusste von der Wirkung des Obliviate, wusste, dass Tonks Geist momentan vollauf damit beschäftigt war, die Bruchstücke zusammenzusetzen, in welche der Zauber ihr Bewusstsein zerlegt hatte.
Remus streckte die Hand nach ihr aus. Eine Welle aus Schuldgefühlen brach über ihn herein als er Tonks erschauern sah.
Was hatte er getan?
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Voldemort
„Rodolphus…" Lucius nickte zur Begrüßung, als der hochgewachsene Todesser neben ihm apparierte.
„Geht es schon los?" fragte Rodolphus Lestrange mit schwerer Stimme. Lucius nickte. „Ja, wir haben gleich die letzte Lagebesprechung, bevor die Truppen ausgesandt werden." Gemeinsam durchschritten sie den unterirdischen Kreuzgang, folgten dem verzweigten Wegenetz immer tiefer hinunter in Voldemorts Hauptquartier.
„Was ist mit Snape… hast du ihn schon gesehen?"
Lucius wusste, dass die Frage nicht so beiläufig war, wie Rodolphus sie gestellt hatte. Mit kalter Berechnung antwortete er: „Er war kurz bei dem Lord, ist aber schon wieder weg. Warum?"
„Ach, es ist nur… ich habe ihn in letzter Zeit nicht viel gesehen…" Rodolphus unterbrach sich, als ein weiterer Todesser aus dem Schatten eines abzweigenden Ganges hinaustrat. Antonin Dolohow. Abscheu zeichnete sich auf Lucius schmalem Gesicht ab, als er bemerkte, dass dieser am Verschluss seiner Hose herumfummelte. Hinter ihm trat einer der jungen Todesser hervor, die erst seit kurzer Zeit in die Dienste des dunklen Lords rekrutiert worden waren. Lucius meinte sich zu erinnern, dass der Junge Chad Hippens hieß. Oder so ähnlich. Die Truppführer des dunklen Lords hatten innerhalb der letzten Monate soviel neue Gefolgsleute angeworben, dass es Lucius schwer fiel sich die Namen zu merken. Hippens richtete ebenfalls seine Kleider.
Auch Rodolphus war die Eindeutigkeit der Situation zuwider. „Merlin, Antonin, hast du in deinen eigenen Truppen nicht genug Männer, die dir den Arsch hinhalten? Musst du dich noch an Waldens Truppe vergreifen?"
Hippens wurde rot und machte, dass er davon kam. Dolohow blickte ihm mit einem befriedigten Grinsen auf dem feisten Gesicht hinterher. „Wenn sie so einen Arsch haben auf jeden Fall!"
„Gehen wir." brachte Rodolphus mit unverhohlenem Ekel in der Stimme heraus. Lucius nickte nur.
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Zaubereiministerium, Aurorenzentrale
„Beruhigt euch!" Kingsley Shacklebolt versuchte zum wiederholten Male die allgemeine Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken. Mit geringem Erfolg. Aufgebracht redeten die Auroren durcheinander, nicht wenige davon mit offensichtlicher Wut im Bauch.
„Das kann doch unmöglich sein Ernst sein!" rief Hestia Jones aufgebracht, zustimmende Rufe erschallten aus allen Ecken des Besprechungszimmers.
„RUHE!" donnerte Shacklebolt schließlich entnervt. Der Geräuschpegel nahm merklich ab. Endlich. Er atmete tief durch, verfluchte die Kurzsichtigkeit des Ministers ein weiteres Mal und versuchte seinen Mitarbeitern eine Erklärung abzuliefern.
„Mir gefällt das ebenso wenig wie euch, aber…"
„Weiß der Minister eigentlich, was das draußen los ist?" unterbrach ihn ein erboster Dädalus Diggel.
„Nein. Weiß er offensichtlich nicht. Darum geht es auch gar nicht…"
„Worum denn dann? Wir sollen unsere Leute ungeschützt den Todessern überlassen, nur weil der Minister einem Geist hinterherjagen will?" schnappte Dawlish gereizt.
Shacklebolt hob beschwichtigend die Hände. „Lasst mich wenigstens ausreden…" Endlich erstarb auch das letzte Gemurmel und die Augen der Auroren richteten sich auf den Leiter ihrer Abteilung. Shacklebolt ließ die Hände sinken und atmete tief aus. Die Anspannung, welche ihm seit seinem letzten Gespräch mit dem Minister im Nacken saß, wollte dennoch nicht verschwinden.
„Gut, hört zu. Natürlich weiß der Minister nicht, was da draußen vor geht. Er ist nicht dabei, wenn wir auf einen neuen Trupp Todesser treffen oder einen neuen Schauplatz ihrer Verwüstungen in Augenschein nehmen müssen. Das verurteile ich ebenso wie ihr!" Zustimmendes Gemurmel erhob sich und verebbte nur zögerlich.
„Dennoch bin ich an den Befehl des Ministers gebunden und er ist der Meinung, dass es unsere vorrangige Aufgabe sein muss, herauszufinden, ob Dumbledore tatsächlich tot ist."
„Ich war auf seiner Beerdigung." warf Hestia ein, viele ihrer Kollegen nickten.
„Das weiß ich doch, Hestia." antwortete Shacklebolt nachsichtig. Im Grunde verstand und teilte er die Auffassung seiner Mitarbeiter, dennoch waren im schlichtweg die Hände gebunden.
„Die Sache ist die, Minister Scrimgeour geht davon aus, dass Albus Dumbledore dafür verantwortlich ist, dass…" er zögerte, wusste, dass seine folgende Ankündigung einen weiteren Tumult auslösen würde. Nach einer weiteren Sekunde des Zauderns gab er sich schließlich einen Ruck und fuhr fort: „… Harry Potter verschwunden ist…"
Shacklebolt nutzte die Sekunde des geschockten Schweigens, um das ganze Ausmaß des Dilemmas zu offenbaren: „Und mit ihm der Großteil sämtlicher Zaubererschüler, die Hogwarts besucht haben vor…." Seine letzen Worte gingen im gemeinschaftlichen Aufbegehren des Entsetzens unter.
Shacklebolt senkte müde den Kopf.
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St. Mungo Hospital für Magische Krankheiten und Verletzungen
Remus verlies das Krankenhaus schnell. Waren seine Schuldgefühle ohnehin schon kaum zu ertragen, mit Tonks in einem Raum zu sein, überstieg schlicht seine Kräfte. Auch wenn er wusste, dass er sich den vorwurfsvollen Ausdruck in Tonks starren Augen nur einbilden konnte, denn ihr Geist war in ihrem derzeitigen Zustand zu kaum mehr fähig als sie am Leben zu erhalten. Remus ergriff die Flucht.
So war er viel zu früh am vereinbarten Treffpunkt und schaffte es wohl zum ersten Mal in seinem Leben einen Hauselfen zu überraschen. Vion, einer der malfoyschen Hauselfen, sprang vor Schreck fast aus seinem zerschlissenen Hemdchen, als er zur vereinbarten Zeit appariert und sich unerwartet Auge in Auge mit Remus wieder fand. Sofort sank der Hauself in eine demütige Verbeugung und schrammte sich die Nase am schmutzigen Boden der Fabrikhalle blutig. „Master Lupin… Vion ist zu spät…"
Remus verhinderte mit einer schnellen Bewegung, dass Vion sich den Schädel am nächstbesten Stahlträger zertrümmerte. „Du bist nicht zu spät! Und nun lass das, ich brauche einen Boten, der bei klarem Verstand ist."
Vion nickte mit einem erbärmlichen Gesichtsausdruck. „Wie Master wünschen, Vion wird sich dann später bestrafen…"
Remus enthielt sich eines Kommentares, es war nicht seine Aufgabe den Hauselfen der Malfoys aus ihrer Misere zu helfen. Zumal es in seiner jetzigen Situation nicht klug gewesen wäre Lucius gegen sich aufzubringen, in dem er ihm die Hauselfen abspenstig machte.
„Meinetwegen." murmelte Remus daher nur und holte eine unscheinbar aussehende Ledertasche unter seinem Umhang hervor. „Hier ist es Vion, bringe das deinem Master und sei vorsichtig damit! Wenn auch nur eine der Erinnerungen kaputt geht wird dein Master nicht gerade gnädig sein!"
Vion zuckte bei diesen Worten zusammen und Tränen glitzerten in den großen dunklen Augen. Remus seufzte. „Aber ich bin sicher, dass du gut hierauf aufpassen wirst."
Vion nickte kläglich und nahm die Tasche entgegen. Behutsam umfassten seine feingliedrigen Finger das abgenutzte Leder. „Wie Master Lupin wünschen…" murmelte der Elf.
„Und sag deinem Master, dass das alles ist, was ich ihm momentan geben kann." schloss Remus und richtete sich auf.
Vion nickte abermals und verschwand mit einem sanften ‚Plop' im Nichts. Remus starrte einige Augenblicke auf die Stelle, an welcher der Elf gerade verschwunden war. Seine Gedanken beinhalteten ein Stoßgebet an Merlin, dass Lucius Malfoy sich tatsächlich als vertrauenswürdig erweisen würde. Ansonsten hatte er ihm gerade ein weiters Puzzleteil zur Vernichtung von Hogwarts überreicht.
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Hogwarts
Nach der Zaubertränkestunde folgten Harry, Hermine und Ron einer Traube schwatzender Viertklässler die Steintreppe hinauf zum Klassenzimmer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Hermine hatte Recht, es war nicht weit vom Zaubertränkekerker entfernt und so hatten die Drei es nicht allzu eilig. Sie hatten etwa die halbe Treppe hinter sich gebracht, als Harry abrupt stoppte.
„Da…" brachte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Ron und Hermine folgten seinem Blick. Nur ein paar Meter von ihnen entfernt, umringt von vorbeieilenden Schülern, stand Malfoy. Weder Hermine noch Ron verstanden, was mit Harry los war. Erst als sie den Mann neben Malfoy sahen, schwappte etwas von Harrys merkwürdigem Verhalten auf sie über. Snape.
„Mist, ich hatte gehofft, dass er auf dem Weg hierher von irgendwas Großem gefressen worden wäre. Ein kleiner Zwischenfall spontaner Selbstentzündung wäre auch nett gewesen." seufzte Ron und grinste Harry an.
Harry erwiderte sein Grinsen nicht, starrte weiter wie gebannt auf den hageren Mann ganz in schwarz. Etwas in Harrys Gesicht veränderte sich. Hermine sah es zuerst, sie fühlte Wellen der Magie von Harry ausgehen. Die Luft schien plötzlich aufgeladen, eine lastende Erwartung kurz vor einem Sturm.
„Harry? Was hast du denn auf einmal?" Hermine war behände die paar Stufen zurückgelaufen und blickte ihn besorgt an.
„Ich weiß nicht." brachte Harry leise heraus. Er spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
„Harry, lass uns einfach weitergehen!" Nun tauchte Ron an seiner anderen Seite auf, berührte ihn am Arm. Harry rührte sich nicht. Snape schien sie nicht zu bemerken, Harry meinte zu sehen, wie er Malfoy etwas zusteckte, was dieser schnell in seinem Umhang verschwinden ließ.
Ron und Hermine hakten ihn zu beiden Seiten ein, wollten ihn die restlichen Stufen hinaufeskortieren. Harry entriss sich der Eskortierung seiner Freunde, wütend darüber, dass sie ihn in aller Öffentlichkeit derart verhätschelten. „Schon gut! Schon gut!" stieß Harry heftig aus und befreite sich rigoros aus dem Griff seiner Freunde. „Lasst mich los!" Hinzu kam, dass Malfoy ihn anstarrte, diesmal loderte die Wut ganz offen in seinen farblosen Augen.
„Nur wenn du versprichst, keine Dummheiten zu machen! Ich hab das Gefühl, dass du Snape einen Unverzeihlichen anhext, wenn wir grad nicht hinsehen." Hermine zog besorgt die Stirn kraus. „Ehrlich Harry, was ist los mit dir? Du konntest Snape noch nie leiden, genau wie wir, aber ich hatte noch nie das Gefühl, dass du ihm wirklich was antun willst."
Harry starrte sie einen Moment lang an, dann seufzte er frustriert. „Ich weiß auch nicht, es ist nur… so ein Gefühl."
Er konnte Hermine ansehen, dass sie mit dieser Antwort nicht zufrieden war. Missmutig brummelte Harry schließlich seine Zustimmung artig zu sein, wenn es auch nur war, um seine Ruhe zu haben.
„Harry, du musst dich echt zusammenreißen!" sagte nun auch noch Ron. „Genau, Dumbledore vertraut Snape, hab du doch Vertrauen in Dumbledore!" schloss Hermine.
Harry konnte nicht anders als seine Freunde anzustarren, während völlig unerwartet eine Kältewelle über ihn hereinbrach. Haltsuchend streckte er die Hand aus, nahm noch die raue Steinwand neben sich wahr, bevor er zusammensackte und Dunkelheit ihn umfing.
Hermines erschrockenen Schrei hörte er nicht mehr.
Stimmen, zuerst gedämpft und unverständlich, dann immer lauter hallten in seinem Kopf, Gesichter, zuerst nur schemenhaft zu erkennen manifestierten sich und mit einem Schlag konnte Harry die Stimmen verstehen.
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„ES IST MIR SCHEISSEGAL, WAS DUMBLEDORE WOLLTE, DU WIRST DRACO AUF GAR KEINEN FALL GEHEN LASSEN!" Snapes Stimme, wutverzerrt.
„Aber ich…" eine leisere Stimme, welche Harry nicht hundertprozentig zuordnen konnte, dennoch kam sie ihm wage bekannt vor.
„NEIN! Hörst du? NEIN! Draco riskiert sowieso schon viel zu viel und ich werde nicht zulassen…" Snape, mühsam beherrscht mit deutlich drohendem Unterton.
„Severus." Malfoy, sehr ruhig.
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Die Stimmen verklangen wie ein leises Seufzen im aufkommenden Wind, Harry blinzelte mühsam, versuchte das verschwommene Gesicht in seinem Blickfeld zu fokussieren. Es gelang ihm nicht. Die Stimmen kamen zurück und mit ihnen die Bilder.
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Snapes wütendes Gesicht geriet in seinen Fokus, daneben Dumbledores Tochter, die Hände scheinbar nervös ineinander verschlungen und Malfoy, der ruhig zu dem schwarzhaarigen Zauberer aufsah. Snape, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepresst, zornig: „Nein, Draco, komm mir nicht so! Du wirst NICHT gehen! Du tust schon zuviel und…"
„Dann kommt es darauf auch nicht mehr an, oder?" unterbrach Malfoy Snape, legte ihm eine Hand auf den Arm. Der Körperkontakt riss Snape aus seiner Wut und sein verhärmtes Gesicht wurde merkwürdig weich.
Plötzlich ändert sich das Bild, alle drei Personen scheinen Harry direkt ins Gesicht zu sehen. „Gehen wir, Potter." Malfoy, bestimmt.
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„Harry?" Ein energischer Schlag auf seine Wange brachte Harry dazu panisch die Augen aufzureißen. Hermine wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht herum. Er schnappte keuchend nach Luft, schob Hermine beinahe grob von sich und setzte sich auf. Einige Schüler waren stehengeblieben und starrten neugierig zu ihnen hinüber. Harry, noch immer etwas benommen von den erneuten Bildern, blickte sich um.
„Glotzt nicht so!", schnauzte er eine Gruppe Zweitklässler grob an. Erschrocken stoben die Kleineren davon. Als Harry wieder zu Hermine schaute, war er sich sicher, Tränen in ihren Augen zu sehen. Schnell senkte sie jedoch den Blick und wandte sich wortlos ab.
„Mann, Harry…" begann Ron, doch Harry brachte ihn mit einem eisigen Blick zum Schweigen.
„In den Krankenflügel mit ihnen, Mr. Potter." erklang Snapes dunkle Stimme, ließ Ron zusammenzucken und Harry die Augen schließen. Für einen Moment wirbelte ihn seine Erinnerung zurück in die Vision. „Es geht schon wieder." presste Harry gezwungen heraus. Seine Stimme klang nicht so fest, wie er es vorhatte.
„Ich glaube kaum, dass ich mit ihnen diskutieren werde. Mr. Malfoy, begleiten sie Mr. Potter in den Krankenflügel, damit ich sicher sein kann, dass er auch dort ankommt."
Malfoy machte ein unwilliges Geräusch und leichte Panik kroch in Harrys Kehle hinauf. Eine widerliche kleine Stimme sang in seinem Ohr. Ein einziges Wort. Nicht mehr. Nur ein einziges Wort: Draco! Draco! Draco!
Harrys Gereiztheit stieß an die Grenzen seiner Selbstbeherrschung. „Ich sagte, mir fehlt nichts!"
Snape ignorierte ihn. „Mr Weasley, Ms Granger. Der Unterricht beginnt, wenn sie also die Liebenswürdigkeit hätten mir in den Klassenraum zu folgen? Und sie beide…" Snapes dunkle Augen wanderten zwischen Harry und Draco einher, „… sie beide werden in den Krankenflügel gehen."
Harry knirschte mit den Zähnen, als er mühsam auf die Beine kam, musste jedoch einsehen, dass es überflüssig war sich weiter zu sträuben. Widerwillig machte er sich in Malfoys Schlepptau auf den Weg in die Krankenstation.
Zwanghaft darum bemüht sich nichts anmerken zu lassen, musste Harry seine ganze Konzentration darauf verwenden einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Stimmen und die Dunkelheit schienen nur auf eine neue Gelegenheit zu warten sich seiner zu bemächtigen.
Unbehaglich rieb Harry sich die Arme, doch die Kälte in seinen Glieder wollte sich nicht vertreiben lassen.
Die ersten beiden Biegungen brachten die jungen Männer schweigend hinter sich, beide froh darüber, keinem anderen Mitschüler zu begegnen, wenn auch aus völlig verschiedenen Gründen. Sie kamen in den nächsten Gang, bis zur Krankenstation war es nun nicht mehr weit, und Harry war alles anders als begeistert von der Aussicht Madam Pomfrey erneut gegenüberzustehen.
Gerade als Harry dachte, dass er vielleicht die Krankenstation erreichen würde ohne ein Wort von Malfoy, packte ihn selbiger plötzlich hart am Arm, zerrte ihn quer über den Gang zu einer unscheinbaren Holztür. Es ging alles so schnell, dass Harry keine Zeit für eine Reaktion blieb. Malfoy stieß die Tür auf, stieß Harry in den kleinen Raum, der sich als bessere Abstellkammer entpuppte und knallte die Tür hinter ihnen ins Schloss.
„Was zum…" protestierte Harry. Malfoy presste ihm die Hand auf den Mund, murmelte einen leisen Zauber, welchen Harry nicht kannte. Von Harry unerwartet nahm Malfoy seine Hand weg, starrte ihn nun mit unverhohlener Wut an.
„Du denkst wohl, du kannst dich vor allem drücken, was Potter?" Malfoys Stimme troff vor Abscheu.
„Hast du jetzt endgültig nen Knall?" blaffte Harry, stieß ihn rücksichtslos mit beiden Händen vor die Brust. Malfoy taumelte überrascht zurück und Harry schritt an ihm vorbei zur Tür.
Welche er verschlossen fand.
„Mach das Scheißding auf!" Harry fuhr wütend zu dem Slytherin herum, Draco betrachtete ihn nur mit einem kalten Lächeln. „Erst, wenn du mir einige Antworten gegeben hast."
„Wovon zum Henker redest du?"
„Sag schon, warum dieses Schmierentheater? Was bezweckt ihr damit?"
Harry starrte Draco verwirrt an. „Was…?" begann er, wurde aber von einer ungeduldigen Handbewegung unterbrochen.
„Glaubt ihr allen Ernstes der dunkle Lord würde euch abnehmen, dass ausgerechnet DU dich an nichts mehr erinnern kannst?" Malfoys Lachen klang unecht.
Harry erstarrte, sämtliche Alarmglocken seines Verstandes begannen gleichzeitig zu schreien. Er taumelte, spürte das harte Holz in seinem Rücken kaum, als eisige Kälte nach seinem Herzen griff.
Malfoys Lachen verstummte, Harry sah durch den aufkommenden Schleier eines herannahenden Aussetzers, dass der Slytherin ihn irritiert musterte. ‚Nein', dachte Harry entsetzt, ‚nicht jetzt! Ich kann nicht hier mit ihm allein ohnmächtig werden… NEIN!'
„Hör mit dem Scheiß auf, Potter! Vielleicht nehmen deine dämlichen Freunde dir das ab, ich nicht!" Malfoy trat vor, schlug Harry ohne Vorwarnung hart ins Gesicht. Seine Brille segelte gegen die Wand, zerbrach mit einem leisen Klirren, noch bevor sie auf dem Steinboden landete. „Ich frage dich jetzt ein letztes Mal! WOZU das alles?"
Draco packte Harry am Kragen seines Umhanges und presste ihn erbarmungslos an die Wand, in seinen hellen Augen brannte flackernde Wut.
„Weiß nicht… wovon… redest…" quetschte Harry mühsam hervor, noch immer gefangen zwischen einer drohenden Ohnmacht und dem Schmerz von Dracos Schlag.
„Du weißt nicht wovon ich rede? Nein? Wie wäre es damit, dass es dich überhaupt nicht zu stören scheint, dass Snape und ich wieder hier sind, wo du doch gesehen hast, wer Dumbledore getötet hat!"
Harry wurden die Knie weich, einzig Dracos erbarmungsloser Griff hielt ihn noch aufrecht. Dieser sprach einfach weiter, schien Harrys Not nicht zu bemerken oder ignorierte sie bewusst. Draco brachte sein Gesicht dicht vor Harrys und Harry konnte die grenzenlose Wut in den blassen Augen sehen. „Snape hat Dumbledore gekillt, ohne mit der Wimper zu zucken, erinnerst du dich plötzlich nicht mehr daran?"
Harry schluckte, starrte Draco fassungslos an… Dumbledores Tod… Erinnerungen sind doch was Schönes… erinnerst du dich nicht? Erinnerungen… erinnern… „Nein…" murmelte Harry leise, mehr zu sich selbst als zu dem wütenden Draco. „Nein… ich… weiß, dass Dumbledore tot ist… ich war dabei… denke ich…. Trauerfeier, ja… sie sagten, dass Hogwarts geschlossen…"
Erkenntnis dämmerte in den dunklen Augen seines Gegenübers und Draco wurde von einer ungeheueren Ahnung erfasst…
Als Harry plötzlich bewusstlos in seine Arme sackte, wurde ihm mit einem übelkeitserregenden Schlag in die Magengrube klar, was vor sich ging. Sie hatten ihn getäuscht. Mehr noch, sie hatten ihn nach Strich und Faden belogen. Alle!
Draco fluchte fassungslos, brauchte einen Moment um sich zu sammeln, das übermächtige Gefühl der Hilflosigkeit zu verdrängen. Tränen der Wut brannten in seinen Augen, er schluckte sie hinunter und als er Harry Potter entschlossen am Kragen packte, war in seinem Gesicht nichts mehr zu finden als die übliche Maske an Kälte und Arroganz.
Doch sein Innerstes brannte.
Dracos Griff um Harrys Umhang wurde fester. „Bastarde!" stieß er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und disapparierte.
Tbc…
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(--) Nornen / Skuld
Die drei Nornen (oder Schicksalsfrauen) sind Wesen aus der germanischen Mythologie. Sie verkörpern die Zeit an sich. Urd (die Vergangenheit), Verdandi (die Gegenwart) und Skuld (die Zukunft). Entsprechende Mythen finden sich auch in der römischen (hier: Parzen) und der griechischen Sagenwelt (hier: Moiren).
Musen
Die Musen (und es gibt einige, deswegen zähle ich sie hier nicht auf) sind in der griechischen Mythologie die Schutzgöttinnen der Künste (Gesang, Malerei, Lyrik etc.).
