6. Unheimliche Begegnung der anderen Art

Harry ergriff den Kelch Helga Hufflepuffs, der letzte Horcrux, den er noch zerstören musste um Voldemort zu vernichten. Auf einmal spürte er ein bekanntes Gefühl, als ob er gleichzeitig in alle Richtungen gezogen werden würde. Ein Portkey!

Als die Welt wieder aufhörte sich zu drehen und er wieder unterscheiden konnte, wo oben und unten war, sah er, dass er sich auf einem alten Friedhof befand. Es war dunkel und es schien niemand hier zu sein, nur jede Menge alte Gräber und halb verwitterte Grabsteine.

„Nicht schon wieder...", flüsterte er genertv und zog seinen Zauberstab.

Vorsichtig und wachsam sah er sich um. Wo war Voldemort? Wo waren die Death Eater?

Doch er konnte niemanden sehen. Langsam ging er ein paar Schritte und blickte sich weiterhin suchend um.

Da trat auf einmal eine große, dunkel gekleidete Gestallt hinter einem Grabstein hervor. Langes, silbernes Haar umrahmte ein bleiches Gesicht, auf dem sich langsam ein leicht arrogantes Grinsen ausbreitete.

„Na, wen haben wir denn da?"

Langsam näherte sich Herbert von Krolock den jungen Zauberer.

„Was macht ein süßer Jüngling wie du so alleine nachts auf einem Friedhof? Weißt du denn nicht, dass es hier leicht gefährlich werden kann?"

Harry machte ein paar Schritte zurück und hob vorsichtshalber seinen Zauberstab.

„Wer sind Sie? Was machen Sie hier?"

„Mein Name ist Herbert... und du hast da aber einen hübschen Zauberstab...", schnurrte der Vampir.

„W...was?", verwirrt stolperte Harry etwas weiter zurück.

Herbert lächelte gespielt besorgt und stolzierte weiter auf den Jungen zu.

„Du bist so blaß... du wirst doch nicht etwas krank?"

„Krank? N...nein...", stotterte der junge Zauberer.

„Doch, ganz weiß bist du... hast du vielleicht Fieber? Du solltest im Bett sein..."

Der Vampir war mittlerweile direkt an Harry herangetreten und legte ihm eine kühle Hand auf die Stirn.

Erschrocken wich Harry dem anderen aus. Wieso verhielt sich der so seltsam? Und warum war seine Hand so kalt...?

„Es geht mir gut!", versuchte er den Silberhaarigen zu beruhigen.

„Wirklich? Nicht dass du mir noch stirbst... das wäre doch schade..."

Herbert warf ihm einen hungrigen Blick zu, worauf Harry ängstlich seinen Zauberstab wieder hochriss.

Dies lies den Vampir schmunzeln.

„So stürmisch, mein Lieber? Wir haben uns kaum kennengelernt und du zeigst mir schon deinen Zauberstab?"

Harry hatte nicht die geringste Ahnung wovon der andere redete.

Herbert lachte. „Heute Nacht ist Ball! Ich lade dich ein, das wird gigantisch romantisch... Wein und Musik und Kerzenschein...", kam er ins schwärmen.

„Ein Ball?" Harry verstand die Welt nicht mehr.

„Ja! Mit dir werde ich im siebten Himmel tanzen!", rief Herbert enthusiastisch und zog den Zauberer in seine Arme um mit ihm zwischen den Grabsteinen zu tanzen.

„He!"

Es gelang Harry sich aus den Armen des anderen zu befreien.

„Expell..."

Doch bevor er den Spruch vollenden konnte, hatte ihm Herbert den Zauberstab aus der Hand entwendet und in sich in die Hose gesteckt.

„Glaub mir, Süßer, den brauchst du nicht... komm mit, du brauchst noch was schickes zum Anziehen für den Ball!"

Herbert packte Harrys Hand und zog den jüngere hinter sich her.

Das Schloss war Harry vorher noch gar nicht aufgefallen, hatte er doch genug mit dem Silberharrigen und dessen seltsamen Verhalten zu tun gehabt. Doch jetzt konnte er einen genaueren Blick darauf werfen... spätes 13. Jahrhundert, wenn er sich nicht irrte.

Dann hatte ihn Herbert auch schon durch einige Gänge in ein Badezimmer gezogen.

Dort lies er den verschüchterten Jungen neben der Badewanne stehen und verschwand kurz im Nebenzimmer. Nach kurzer Zeit kam er mit einem Arm voll Kleidung wieder, die er auf einem Stuhl ablegte.

„So... da wird schon was für dich dabei sein... wieso bist du noch angezogen?"
"Was?!"

„Na, du willst doch nicht so verdreckt auf dem Ball erscheinen?"

Herbert ging auf Harry zu um ihm bei ausziehen behilflich zu sein, doch der brachte sich hinter der Wanne in Sicherheit.

„Wie süß... so schüchtern... doch keine Angst, wir werden alle Zeit der Welt haben, um uns näher kennenzulernen..."

Mit diesen Worten lies der Vampir den Jüngling alleine im Badezimmer.

„Ich warte auf dich..."