Kapitel VIII
Morton hat einige Wochen lang treu alles getan, worum Romulus ihn gebeten hat, doch irgendwann verlor er die Geduld. „Wie weit seid Ihr damit, einen passenden Zauberstab für mich zu finden, Romulus?"
„Ich mache gute Fortschritte.", schwor Romulus, obwohl er noch gar nichts wusste.
„Dann erklärt mir Eure Fortschritte doch bitte."
„Das ist schwer in Worte zu fassen. Gebt mir einfach noch ein paar Tage Zeit, dann kriegt Ihr, was Ihr wollt."
„Dann zeigt mir doch bitte den Zauberstab, mit dem Ihr so gute Fortschritte macht." Romulus zögerte, weil ihm dazu keine gute Ausrede einfiel. Er zögerte etwas zu lang. „Also könnt Ihr noch rein gar nichts vorweisen?" Ertappt sagte Romulus immer noch nichts. „Dann ist unser Bündnis hiermit beendet. Und wie versprochen sorge ich dafür, dass Ihr den Tag, an dem Ihr mir begegnet seid, bereut." Romulus griff nach seinem Zauberstab. „Macht Euch nichts vor, Ihr wäret mir nicht gewachsen. Ganz ab davon habe ich überhaupt nicht vor, Euch anzugreifen." Romulus nahm die Hand vom Griff seines Zauberstabes und atmete erleichtert aus. „Stattdessen verfluche ich Euch. Ihr sollt verlieren, was Ihr mir nicht geben konntet." Zu diesem Zeitpunkt dachte Romulus noch, dass Morton ihn mit diesen Worten nur einschüchtern wollte, dass dieser Fluch wirklich etwas bewirkte, hätte er sich nicht träumen lassen. „Des Weiteren werde ich Dachenforst verlassen." Morton deutete mit dem Finger gen Himmel, wo ein riesiges Abbild seines Gesichts erschien. „Bürger von Drachenforst!", rief Morton und sein Gesicht am Himmel tat es ihm gleich, „Ich werde Euer Dorf für immer verlassen. Wenn Ihr Euch an meinem ehemaligen Verbündeten Romulus rächen wollt, für alles was er Euch antat, so tut Euch keinen Zwang an." Und das Gesicht verblasste. Morton winkte dem vor Schreck zu keiner Bewegung fähigen Romulus zu, ehe er sich umdrehte und ging. Romulus packte Mortons Umhang, denn wenn er von den Dorfbewohnern gelyncht wurde, sollte Morton das gleiche Schicksal ereilen. Schneller als ein Pferd rennen oder ein Besen fliegen könnte, setzte Morton seinen Weg aber unbeirrt fort, nur ein kleiner Fetzen riss von seinem Kragen ab.
„Stupor!", hörte Romulus jemanden rufen.
„Protego!", reagierte Romulus darauf. Anschließend stürmte er in sein Haus und schnappte sich seinen Besen. „Bombarda!" Romulus sprengte ein Loch in sein Dach, um durch dieses mit seinem Besen zu flüchten.
„Avada Kedavra!", rief ein anderer Dorfbewohner, um Romulus umzubringen. Romulus wich mit seinem Besen aus und flog weiter. Kaum dass er die Grenzen des Dorfes hinter sich gelassen hatte, tauchte Romulus zwischen den Bäumen ab und flog abwechselnd in verschiedene Richtungen, um es eventuellen Verfolgern so schwer wie möglich zu machen.
Viele Stunden später, als die Sonne bereits untergegangen war, legte Romulus sich zur Ruhe und dachte nach: Bevor Morton aufgetaucht ist, hatten die Bürger von Drachenforst ihn, Romulus, gefürchtet. Als Romulus sich dann mit Morton verbündet hat, fürchteten sie lediglich noch Morton. Weil dieser nun verschwunden ist, ist diese Furcht ganz plötzlich verflogen und an die Furcht vor Romulus konnte sich niemand mehr richtig erinnern. Romulus hätte sich niemals auf jemanden verlassen sollen, dem er nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen konnte.
Als ihn die Erschöpfung übermannte, und er einschlief, fiel ihn plötzlich ein Vampir an und trank von ihm. Anstatt ihn aber leer zu trinken, trank er nur die Hälfte und zwang Romulus, ein paar Tropfen seines untoten Blutes zu sich zu nehmen. So kam es dann, dass Romulus untot wurde und seine Zauberkräfte verlor.
Als er sich dann mit Hilfe seines übernatürlichen Geruchsinnes und dem Fetzen von Mortons Umhang auf die Suche nach diesem machen wollte, unschlüssig, ob er ihn töten oder verwandeln würde, fand er ihn tatsächlich, doch die Gelegenheit sich an ihm zu rächen, ergab sich nicht. Erst heute fand er heraus, wieso.
