2. Widerstand
Harry erwachte erst mehrere Stunden später in einer kalten Zelle, die nach Schimmel, Fäkalien und Verwesung stank und mit nassem Stroh ausgelegt war. Mehrere Minuten lang lag er einfach nur regungslos auf dem ungemütlichen Boden und versuchte den Schmerz, der in seinem Körper tobte etwas zurückzudrängen.
Mühevoll zwang er seine Augen dazu sich zu öffnen. Die Zelle sah nicht besser aus, als sie roch. Das Stroh auf dem er lag war seltsam grau und zeugte anhand der verschiedenen Flecken, dass er nicht der erste war, der auf ihm gelegen hatte.
Steinerne Mauern umgaben ihn und zeigten ihm umso deutlicher wie aussichtslos seine Situation war. Die einzige Lichtquelle war ein schmales Fenster knapp unter der niedrigen Decke, das durch die eisernen Gitterstäbe nur wenig Licht hereinlies. Eine einzige Holztür stellte den Ausgang dar.
Wo war er hier nur gelandet? Und wie war er hierher gekommen? Erst nach ein paar Sekunden sickerte die Erinnerung zu ihm durch und er stöhnte leise. Das Haus...die Falle... warum hatte das nur passieren müssen? Wie sollte er hier nur wieder herauskommen? Verdammt wie hatte er nur so dumm sein können, zu glauben, dass seine Nachforschungen keinen Staub aufwirbeln würde?
Mit einem Stöhnen setzte er sich auf und griff sich an den schmerzenden Kopf. An seinen Händen klebte das wiederliche Stroh, doch es machte ihm im Moment herzlich wenig aus. Wie es aussah hatte Voldemort nicht vor ihn gleich zu töten... ihm war nicht wohl bei diesem gedanken. Sonst war er doch auch immer ganz scharf darauf gewesen, ihm um die Ecke zu bringen, woher also der plötzliche Sinneswandel?
Ob es etwas mit seiner Suche zu tun hatte? Vielleicht wollte er ja erst noch aus ihm herausquetschen, wer noch von den Horkruxen wusste... ja, das musste es sein, anders konnte Harry es sich nicht erklären. Immerhin hatte es sonst überhaupt keinen Nutzen für Voldemort, ihn am Leben zu lassen.
Ihm wurde ganz anders, als er daran dachte, dass er ihm wohl bald wieder gegenüber treten musste. Ganz ohne Zauberstab. Absolut wehrlos den Launen des dunklen Lords ausgesetzt, der ihn mit Sicherheit nicht mit Spitzenhandschuhen anfassen würde. Verdammt, wieso rutschte immer er in solche Schwierigkeiten?
Wahrscheinlich hatte er es sich selbst zuzuschreiben. Immerhin war es sein eigener Fehler gewesen, dass er überhaupt in die Falle getappt war, er war einfach zu schlampig bei seiner Recherche gewesen. Und wenn er Hermine, Ron und dem Orden mitgeteilt hätte, wohin er gegangen war und vor allem wozu, wäre er erstens schon mal nicht alleine in das Haus gegangen und zweitens wäre jetzt ein Hilftrupp auf dem Weg um ihn zu befreien, vorrausgesetzt sie würden herausfinden wo er sich befand.
Aber dann hätte er die anderen in Gefahr gebracht...er durfte nicht Riskieren noch jemanden zu verlieren, vor allem nicht Hermine oder Ron. Die beiden hatten ihm immer treu zur Seite gestanden, aber das hier, war einfach zu gefährlich. Auch wenn er wusste, dass beide wirklich geschickte Zauberer waren und durchaus auf sich aufpassen konnten, er wollte sie wirklich nicht in diese Sache mit hineinziehen. Vor allem wusste er nicht, ob sein Gewissen noch einen Toten verkraften konnte.
Da war es ihm schon lieber, hier in der Zelle auf seinen sicherer Tod zu warten. Im Prinzip war es nur noch eine Frage der Zeit. Vielleicht würde Voldemort ihn noch ein paar Tage am Leben lassen, sich Zeit für ihn nehmen, bis er seine Geduld mit ihm verlor, vielleicht würde er ihn aber auch gleich bei ihrem ersten Treffen töten, wenn er sah, dass Harry nichts verraten würde, auch unter Folter.
Bei dem Gedanken schauderte er. Schmerz war schon immer etwas gewesen vor dem er Angst hatte. Mit Sicherheit würde er in den kommenden Tagen einige Crucios über sich ergehen lassen müssen...wenn er überhaupt noch so lange leben sollte.
Vor seinen Augen flimmerte es etwas. Scheinbar hatte er doch mehr Blut verloren als er dachte...die Wunden hatten sich mittlerweile alle verkrustet und längst aufgehört zu bluten, dennoch taten sie nach wie vor höllisch weh, vor allem seine Schulter und sein Fuß.
Seufzend lies er sich wieder ins Stroh sinken und schloss die Augen. Wenn doch wenigstens Dumbledore noch leben würde...er hätte ihn bestimmt nicht in sein Verderben rennen lassen... Traurig dachte er zurück an die letzten Monate, die ihn zu einem rastlosen Wanderer hatten werden lassen.
Er war nur kurz zu den Dursleys zurückgekehrt, um ihnen mitzuteilen, dass er in Zukunft nicht mehr bei ihnen leben würde. Wie sich herausstellte, und wie er eigentlich auch schon fast erwartet hatte, hätte er sich das schenken können. Es war ihnen völlig egal. Sie freuten sich sogar darüber, ihn endlich los zu sein, was sie ihm nur zu deutlich zeigten. Aber von ihnen war er das ja auch schon gewohnt.
Harry ging für ein paar Tage zu den Weasleys. Doch er kam sich dort etwas überflüssig vor. Hermine und Ron hatten endlich ihre Liebe zueinander entdeckt und waren seitdem kaum mehr voneinander getrennt anzutreffen. Zudem war ihm nicht ganz wohl unter einem Dach mit Ginny zu sein, die er ja mehr oder minder abserviert hatte. Mrs und Mr Weasley waren natürlich sehr höflich und zuvorkommend wie immer, aber er kam sich so furchtbar schlecht vor, wenn Molly ihn die ganze Zeit bemitleidete, denn er fühlte sich schuldig an Dumbledores Tod und verdiente somit kein Mitleid.
Schon nach wenigen Tagen hielt er es einfach nicht mehr länger aus. Die mitleidigen Blicke, die ihm immer wieder zugeworfen wurden und Hermine und Rons Geturtel gingen ihm so auf die Nerven, dass er seine Sachen packte und sich in das Haus seines toten Patenonkels zurückzog.
Der Orden hatte hier zwar immer noch sein Hauptquartier, doch er hatte ein paar Räume im ersten Stock für sich, die er mit einiger Mühe wohnlich einrichtete. Doch egal was er tat, er fühlte sich einfach nicht wohl. Die Mitglieder des Ordens bedrängten ihn fast täglich damit, ihnen zu erzählen, was wirklich in der Nacht in der Dumbledore gestorben war vorgefallen war, doch Harry wollte es ihnen nicht erzählen, zu groß war die Angst, dass er noch mehr Leute mit ins Grab reißen könnte, wenn er zu viel sagte.
Die Erinnerung die Harry mit dem kleinen Anwesen verknüpfte waren schmerzhaft und zeigten ihm umso deutlicher, wie viele schon für diesen sinnlosen Krieg gefallen waren. Tagelang verlies er sein Zimmer nur noch zum Essen. Schließlich flatterte an seinem Geburtstag eine der Schuleulen von Hogwarts durch sein Fenster und brachte ihm einen Brief von Professor McGonagall, in dem sie ihm sehr förmlich alles Gute wünschte und ihm mitteilte, dass die Schule bis auf weiteres geschlossen bleiben würde.
Vor Harry tat sich ein riesiges Loch auf. Was sollte er denn jetzt tun? Er hatte gehofft möglichst schnell wieder nach Hogwarts zurückkehren zu können, um von dort aus seine Nachforschungen zu betreiben. Hogwarts war ein Zuhause für ihn geworden, wie es Grimauld Place nie werden könnte. Er hatte zwar noch ausreichend Geld, doch er hatte weder eine abgeschlossene Ausbildung, noch einen Job. Und ewig würde sein Geld auch nicht reichen.
Sein Traum Auror zu werden rückte mit einem Mal in weite Ferne. Auch wenn er schon oft in echte, wirklich harte Kämpfe verwickelt gewesen war, würde das Ministerium ihn nicht ohne einen Abschluss und ohne die passenden Noten nehmen. Harry Potter, der Junge der lebte, stand mit einem mal völlig ohne jede Zukunft da.
Hermine schrieb ihm. Sie war am Boden zerstört, was Harry nachvollziehen konnte. Die ganze Zeit hatte sie all ihre Kraft darauf verwendet, gut in der Schule zu sein, und dann lies diese sie so einfach im Stich. Im Moment überlegte sie, für das letzte Jahr nach Beaubateau (is das richtig gecshrieben?) zu wechseln und hatte begonnen Französisch zu lernen wie eine Irre. Ron hingegen hatte noch gar keine Ahnung, was er tun wollte. Fürs erste half er im Laden von Fred und George mit.
So hatten doch alle ihren Platz gefunden. Sogar Neville. Er würde ein Praktikum im St.Mungos Hospital machen, danach würde er sich vielleicht bei einem Apotheker als Gehilfe bewerben.
Nur er selbst hatte nichts mehr, auf das er blicken konnte. Eine andere Schule kam schon allein wegen der Sprache nicht in Frage, zudem könnte er von einem anderen Land aus nichts mehr gegen Voldemorts Machenschaften unternehmen, da ein anderer Schulleiter das bestimmt nicht zulassen würde.
Und mit dieser Stunde beschloss er, sich völlig seiner Jagd nach Voldemort zu widmen, egal was es kostete. Und zwar ganz alleine, da er niemandes Leben gefährden wollte. Wenn er Erfolg haben würde, würde bestimmt auch Hogwarts wieder seine Pforten öffnen und sie könnten endlich das letzte Schuljahr antreten.
Die nächsten Monate verbrachte Harry mit der Suche nach einer Spur zu den Horkruxen. Er verbrachte Tage und Nächte in Bibliotheken, las in alten Büchern um mehr über sie und ihre Herstellung zu erfahren, doch die Informationen waren nur sehr spärlich gesäht und an sie heranzukommen kostete ihn viel Geld und Geduld.
Über sehr verschlungene Wege kam er an einen ehemaligen Anhänger von Voldemort heran, der ständig auf der Flucht vor der Rache des dunklen Lords war. Ein kurzes Treffen mit dem zwielichtigen Mann führte ihn auf die Spur zur Tasse der Helga Hufflepuff. Es brauchte sehr lange bis er endlich den genauen Standpunkt des Herrenhauses herausgefunden hatte.
Doch die Suche hatten ihn große Opfer gekostet. Er war gezwungen sich immer weiter von seinen Freunden zurückzuziehen, mehr noch als er es ursprünglich geglaubt hatte. In der ersten Zeit kamen noch regelmäßige Eulen von ihnen, doch als seine Antworten immer spärlicher ausfielen, gaben Ron und Hermine schließlich ganz auf.
Sie machten sich Sorgen um ihren langjährigen Freund, versuchten auch mehrmals ihn zu besuchen, doch Harry war nie zu Hause anzutreffen. Er reiste sehr viel herum, vor allem nach Schottland um dort nach dem alten Herrenhaus zu suchen.
Schritte vor der Holztür rissen Harry aus seinen Gedanken und ließen ihn sich ruckartig aufsetzen, ohne auf die Schmerzen zu achten, die durch seinen Körper zuckten. Eine warme Nässe, die über seinen Rücken kroch, teilte ihm mit, dass die Wunde wieder aufgeplatzt war.
Wer war das wohl? Würde man ihn jetzt zu Voldemort bringen? Trotz des warmen Blutes war ihm plötzlich kalt und er schauderte. Ob seine letzte Stunde bereits angebrochen war? Harry schloss die Augen und dachte noch ein letztes Mal an all die Dinge, die er noch vorgehabt hatte. Auror werden, sich verlieben, den Kampf mit Voldemort beenden. Alles Dinge, die er nicht mehr tun können würde, wenn er jetzt starb.
Die schweren Schritten kamen immer näher und stoppten vor der Zellentür. Harrys Herz schlug heftig gegen seine Brust. Er hörte das metallische Klirren von Schlüsseln als sich einer von ihnen in das Schloss schob und herumgedreht wurde. Eine männliche Stimme murmelte eine Beschwörung, die Harry durch die Tür nicht verstand.
Grelles Licht blendete den schwarzhaarigen Jungen, als die Tür mit einem Mal aufschwang. Er hab eine Hand vor seine Augen um sie zu schützen und spähte ängstlich durch seine Finger hindurch zu den Fremden. Es waren drei Männer, alls in Todesser Roben gehüllt, so dass Harry ihre Gesichter nicht erkennen konnte.
"Aufstehen, Potter.", befahl der größte der drei und trat einen Schritt auf ihn zu. Mit eisernem Griff umschloss er Harrys Oberarm, als dieser nicht sofort reagierte und zerrte ihn grob auf die Beine. Schmerz zuckte durch Harrys Knöchel. Er konnte den Fuß nicht belasten, auch wenn er es gewollt hätte. Wahrscheinlich war er gebrochen, zumindest die Schwellung und die auffällige Delle auf der Innenseite standen dafür.
Sein Fuß knickte kraftlos zur Seite und Harry wäre zusammengebrochen, hätte der fremde Todesser ihn nicht brutal wieder nach oben gerissen und nach vorne zu den anderen beiden gestoßen. Diese griffen unter Harrys Arme und zogen ihn mehr als er selbst ging aus der Zelle.
"Wo...wo bringt ihr mich hin?", fragte Harry leise. Er hatte im Moment weder die Kraft dazu sich zu wehren, noch wäre es in seinen Augen sehr intelligent. Wie weit würde er so schon kommen? Drei Meter? Er hatte ja noch nicht einmal seinen Zauberstab.
Der Todesser zu seiner rechten pachte fester zu, so dass sich dunkle Male auf seinem Oberarm abzeichneten und Harry leise aufstöhnte. "Du sprichst nur dann, wenn du nach etwas gefragt wirst, Potter.", zischte die schnarrende Stimme des Todessers. Irgendwie kam ihm die Stimme bekannt vor, doch er wusste nicht genau woher. Eigentlich hatte er aber im Moment auch zu viel Kopfweh um darüber nachzudenken.
Schweigend durchquerte das Quartett den langen Gang, der durch magische Fackeln mit seltsamer grüner Flamme beleuchtet war. Aus Zellentüren, ähnlich der seinen, drangen Rufe und gequälte Schreie, die Harry jedesmal zusammenzucken ließen. Ob es unschuldige Zauberer und Menschen waren, die dort litten? Oder wiederspenstige Anhänger?
Endlich erreichten sie das Ende des Ganges, das in eine schmale Treppe mündete. Humpelnd und immer wieder stolpernd erklomm Harry die Stufen, wobei er es ohne die Hilfe der Todesser nie geschafft hätte. Wahrscheinlich hätte er kriechen müssen, wenn er niemanden gehabt hätte, der ihn mit sich zog.
Mit jedem Schritt wurde er panischer. Was wenn Voldemort ihn nun töten würde? Würde er dann seine Eltern, Sirius und Dumbledore wieder sehen? Würden sie ihm Schuldzuweisungen machen? Und würde sein Tod schmerzhaft werden? Mit Sicherheit... Wenn Voldemort ihn töten wollte, dann hätte er es gleich im Haus tun können, es sei denn, er wollte sich an seinen Qualen weiden und sich richtig Zeit für ihn nehmen.
Ein qualvolles Stöhnen drang über seine Lippen, als er zum wiederholten Male stolperte und durch einen dummen Reflex versuchte den Sturz mit seinem gebrochenen Fuß abzufangen. Das Ende der Treppe zeichnete sich deutlich vor seinen halbgeöffneten Augen ab. Endlich...
Voldemort erwartete sie bereits in dem mit Marmor gefließten Raum in den Harry geführt wurde. Der in eine wallende schwarze Robe gekleidete stand vor einem wuchtigen schwarzen Altar und blickte seinem Erzfeind mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen entgegen. "Harry, mein alter Freund... was für eine Freude dich wieder zu sehen...", sprach er so laut, dass seine Stimme in der großen Halle, in der sie sich befanden, wiederhallte.
Harry blickte Voldemort trotzig aus seinen grünen Augen an und schwieg. Was hätte er auch sagen sollen? 'Oh, nett dich hier zu treffen, wie wärs mit nem Kaffe?' Wohl kaum. Hass kochte in ihm hoch und am liebsten hätte er ihn Voldemort mit allen ihm bekannten Schimpfwörtern gespickt entgegengeschleudert, doch er hielt es für besser einfach nur still zu sein und abzuwarten was passieren würde.
"Lasst uns alleine, ich will mich in Ruhe mit unseren kleinen Freund hier unterhalten.", meinte Voldemort an die drei Todesser gewandt, die ihn sofort los ließen und durch eine der Türen verschwanden. Harry schwankte gefährlich. Doch er wollte nicht vor Voldemort zu Boden gehen, also biss er die Zähne zusammen und hielt sich angestrengt auf den wackeligen Beinen, auch wenn das bedeutete einige Schmerzen in Kauf zu nehmen.
Voldemort grinste sadistisch als er den Funken von Schmerz in Harrys Augen aufblitzen sah. "Willst du nicht etwas näher kommen Harry, auf dieser Distanz spricht es sich doch so schlecht...", forderte er ihn gehässig auf.
Zögernd verlagerte Harry sein gesamtes Gewicht auf den unverletzten Fuß, setzte den andreen etwas weiter nach vorne und belastete ihn nur so lange bis er den anderen wieder, vor dem verletzten, auf den Boden gebracht hatte. Doch diese kurze Belastung reichte aus um ihm die Tränen in die Augen zu treiben. Er meinte gespürt zu haben wie Knochen über über Knochen rieb. Aber er wollte nicht aufgeben. Ein weiteres Mal versuchte er einen unbeholfenen Schritt, aber sein Fuß knickte zur Seite weg, und er fiel mit schmerzverzerrter Miene auf den kalten Boden, schlug sich dabei die Hände und Knie auf.
"Stell dich doch nicht so an Harry. Komm. Hier. Her.", zischte Voldemort mehr als angetan von Harrys Qualen. Es war eine ausgesprochen gute Idee gewesen Harry hier zu bringen, wirklich. Ein kurzer, schmerzloser Tod wäre für den Helden Harry Potter auch nicht standesgemäß gewesen. Voldemort wollte seine Rache in vollen Zügen genießen.
Verzweifelt versuchte Harry wieder aufzustehen, doch es gelang ihm nicht. Er schaffte es zwar in eine halbwegs aufrechte Position, doch er brach sofort wieder in sich zusammen. Blut tropfte auf den Boden.
"Beweg dich, Harry!" Wiederstrebend musste Harry erkennen, dass er nicht zu Voldemort gehen konnte. Also begann er nicht sehr elegant auf Voldemort zuzukriechen, auch wenn ihm fast übel dabei wurde, so demütig sein zu müssen. Aber was sollte er denn tun?
Ein schallendes Lachen drang an seine Ohren. Verdammter Bastard... oh, wenn er nur seinen Zauberstab hätte... aber würde das wirklich etwas an seiner Situation verbessern? Er könnte trotzdem weder Laufen noch richtig Stehen. Wieder verfluchte er sich dafür, dass er alleine gegangen war. Wie dumm er doch gewesen war...
Mit Amüsement beobachtete Voldemort den Jungen wie er zu ihm her kroch. "Warum denn nicht gleich so?", fragte er wie ein Vater, der die Fortschritte seines Sohnes kommentierte.
Am liebsten wollte Harry sich übergeben. Der dunkle Lord trat einen Schritt auf ihn zu und ging etwas in die Knie um Harry besser ins Gesicht sehen zu können. Seine knochige Hand griff unter Harrys Kinn und hob es etwas an. "Nun, Harry...wie' s scheint bist du ziemlich hilflos im Moment...ich könnte alles mit dir tun und du könntest dich noch nicht einmal wehren...", meinte Voldemort süffisant lächelnd.
Ein eisiger Schauer lief über Harrys Rücken als er die unheimlich kalte Stimme so nah an seinem Gesicht hörte und den Atem an seiner Haut spürte. "Nein...", hauchte Harry mit schwacher Stimme. So einfach würde er nicht aufgeben.
"Ach, nicht? Du warst schon immer ein dummer Junge...", Voldemort schüttelte den Kopf, "schau dich doch an. Du kannst noch nicht einmal gehen." Er richtete sich wieder auf. "Sag mir, mein Kleiner, wem hast du alles von den Horkruxen erzählt, die du so einfrig suchst?"
Harry hatte nicht erwartet, dass Voldemort so schnell sagte, was er von ihm wollte, aber scheinbar hatte er sich in diesem Punkt getäuscht... "Niemandem.", erwiederte er wahrheitsgemäß. Doch in Voldemorts Augen musste es wie eine Lüge klingen.
"Du solltest besser die Wahrheit sagen, Harry. Inzwischen solltest du mich so weit kennen, dass meine Geduld sehr begrenzt ist. Also: Wem hast du davon erzählt?", seine Frage klang kaum noch wie eine solche, sondern eher wie ein Befehl. Der schwarzhaarige Junge schüttelte den Kopf. "Niemandem."
Ein scharfer Schmerz schoss durch seinen Knöchel. Er stöhnte auf. "Ich habe niemandem davon erzählt! Wirklich!", rief er. Ein Seil hatte sich auf den Wink von Voldemort um sein Fußgelenk geschlungen und zog nun immer stärker an ihm. "Irgendwas sagt mir, dass du lügst, Potter, los, sag es mir!"
Als Harry den Kopf schüttelte, blitzte es gefährlich in Voldemorts roten Augen. "Crucio!", zischte er und Harry krümmte sich auf dem mamornen Boden. Schmerz...überall...in seinem ganzen Körper... vor seinen Augen verschwamm alles. Ein gequälter Schrei entfuhr ihm, ohne dass er es aufhalten konnte. "Ich...habe es...niemandem erzählt..."; beharrte er mit brüchiger Stimme.
Verzweifelt wand er sich. Was sollte er denn nur tun, dass es endlich aufhörte? Und plötzlich hörte der Schmerz so schnell auf wie er begonnen hatte. Keuchend blieb er liegen und hoffte, dass es endlich vorbei war.
"Sicher, mein kleiner Freund? Keine Sorge, ich bekomme es schon noch aus dir heraus...wenn nicht heute, dann an einem anderen Tag. Du wirst diese Burg nie wieder verlassen. Obwohl doch...aber wenn du sie verlässt, wirst du es wahrscheinlich nicht mehr mitbekommen...", sprach der Schrecken der Zaubererwelt.
Harry zwang sich unter Qualen sich etwas nach oben zu stemmen. "Ich habe es niemandem erzählt, Voldemort, oder bist du schwerhörig geworden seit wir uns das letzte Mal gesehen haben?", erwiederte Harry bissig mit wenig überzeugender Stimme. Die Konsequenzen waren ihm in dem Moment egal. Aber schon wenige Sekunden später, als er sich wieder in Schmerzen auf dem Boden wand bereute er was er gesagt hatte zutiefst.
Er hielt dem Cruciatus nicht lange stand, viel schon wenige Sekunden später in eine erlösende Ohnmacht. Voldemort lachte leise. Er würde noch viel, viel Spaß mit Harry haben...
"Malfoy!", rief er in den raum hinein. Sofort erschien einer der drei Todesser, die Harry zu Voldemort gebracht hatten, in der Tür und verbeugte sich erfurchtsvoll. "Herr?" "Bring diesen Schwächling in seine Zelle und versorg seine Wunden. Ich will nicht, dass er mir stribt, ohne dass ich der Grund dafür bin.", befahl der dunkle Lord mit harter Stimme.
Draco verbeugte sich wieder und eilte zu Harry um ihn in seine Zelle zu tragen.
