verneig tut mir Leid, dass ihr wieder so lange auf dieses Chapter warten musstet, vor allem weil ich im letzten Kapitel so gemein zu Draco war. Ich hoffe niemand fand es so schlimm, dass er aufgehört hat zu lesen, das würde ich nämlich sehr, sehr schade finden. Ich schwöre, es wird nie wieder vorkommen, zumindest in diesem Ausmaße nicht. aber dafür wird dieses Kapitel länger als die letzten, so als kleiner Ausgleich für die lange Zeit die ihr warten musstet...
Ich wollte noch mal für die ganzen lieben Kommis danken, jeder einzelne hilft mir beim Weiterschreiben mit Zaunpfahl wedel
Naja, denn viel Spaß beim Lesen
5. Schande
Ungläubig starrte Harry auf den geschändeten Leib seines Erzfeinds herab, der regungslos, mit verschiedenen Körperflüssigkeiten befleckt und irgendwo zwischen Ohnmacht und Wachen vor ihm auf den kalten, schwarzen Marmorfliesen lag.
Wie hatte Draco das alles nur über sich ergehen lassen können? Während des ganzen schrecklichen Geschehens war kein einziges Wort des Widerstandes über seine blassen Lippen gekommen. Hatte der Blonde seine Strafe etwa als gerechtfertigt angesehen? Wie konnte ein normaler Mensch eine solche Demütigung freiwillig ertragen, ganz egal wie gerechtfertigt sie auch sein mag?
Harry schloss seine tiefgrünen Augen um das schreckliche Bild, dass Draco bot, nicht mehr sehen zu müssen. Er würde ihm nie wieder so wie früher begegnen können, als er für ihn noch das verzogene kalte Arschloch gewesen war, dem man noch nie auch nur ein Haar gekrümmt hatte. Ob der Blonde auch schon früher so behandelt worden war? Er hatte ausgesehen, als würde er genau wissen, was auf ihn zukommen würde...
Der Schwarzhaarige erschauderte. Wieso folgten so viele Zauberer dem dunklen Lord, wenn er so mit seinen Gefolgsleuten umging? Sahen sie denn nicht die himmelschreiende Ungerechtigkeit? Wie verquer musste jemand denken, dass so etwas als übliches Strafmittel akzeptiert wurde! Es konnte doch nicht sein, dass all diese Zauberer hinter diesen Mitteln standen!
Warum wehrte sich denn niemand dagegen? Es gab doch sicherlich noch mehr Zauberer in Voldemorts Gefolgschaft, die derartig unter ihm litten, warum taten sie sich denn nicht zusammen und verliesen den Lord? Natürlich, er war ein sehr, sehr mächtiger Magier, aber so schwer konnte es doch auch nicht sein, wenn man zu mehreren war...
Die Tatsache, dass Harry immer noch an der Säule gefesselt und somit dem Lord schutzlos ausgeliefert war, hatte der Junge ob der schrecklichen Geschehnisse, denen er beiwohnen musste, erfolgreich verdrängt. Der dunkle Lord und der Rest der Todesser offenbar auch, denn ihre Blicke waren ausnahmslos auf den geschundenen Leib Dracos gerichtet.
"Steh auf, Draco!", befahl die kalte, herzlose Stimme Lord Voldemorts, die ohne jede Vorwarnung die Stille zerriss und Harry so aus seinen Gedanken zurück in die Realität holte. Doch der Blonde rührte sich verständlicherweise kein Stückchen. Erzürnt über den wiederholten Ungehorsam des Jungen schritt Voldemort zu ihm, immer darauf bedacht in keine der Pfützen zu treten und sich so die Robe zu beschmutzen, und trat Draco einmal kräftig in den ungeschützten Bauch.
"Hast du mich nicht verstanden? Du sollst aufstehen, habe ich gesagt!", zischte er. Ein leises Stöhnen war Draco entwichen, als der harte Tritt ihn getroffen hatte. Seine verquollenen Augen öffneten sich mühsam, es schien, als müsse er schon darum kämpfen überhaupt seine Augenlieder heben zu können.
Das Bild das Draco abgab, wie er sich qualvoll zuerst auf die Ellenbogen, dann auf die Hände stützte, um zumindest seinen Oberkörper vom Boden hochzubekommen, war absolut erbärmlich. Seine verdreckten Haare hingen ihm strähnig ins Gesicht und verteilten dort die wiederliche Brühe in der er gelegen hatte. Nichts war mehr von dem stolzen, arroganten Jungen geblieben, den Harry so sehr gehasst hatte.
"Verzeiht, Herr..", krächzte Draco und schloss kurz seine Augen, um erneut Kraft zu sammeln und sich mit einem Ruck auf die Beine zu heben. Beinahe wäre er wieder zu Boden gegangen, doch mit einem wenig eleganten Schritt zur Seite erlangte er sein Gleichgewicht wieder. Alles drehte sich vor seinen Augen, er fühlte nichts mehr. Der Schmerz, der sich vorher noch durch seinen Körper gebrannt hatte, war verschwunden.
Er war müde, erschöpft und leer. Alles was er noch wollte, war seine Augen schließen zu dürfen und endlich in den erholsamen, lindernden Schlaf zu gleiten. Vor allem wollte er nicht mehr die Blicke der ganzen Todesser und Harrys auf sich spüren, die ihn zu durchdringen schienen. Aus seinen matten grauen Augen sah er zu Voldemort auf, wartete auf einen Befehl.
Seine Beine zitterten gefährlich, drohten unter seinem Gewicht nachzugeben, als Voldemort endlich sprach: "Geh und reinige dich. Danach wirst du dafür sorgen, dass unser Gast hier", er deutete auf Harry, der innerlich fluchte, weil das allgemeine Interesse nun wieder auf ihm lag, "auch zufrieden ist." Ein spöttisches Grinsen umspielte seine Lippen als er das niedergeschlagene Funkeln in den sturmgrauen Augen des kleineren sah. Dabei hätte Draco doch wissen müssen, dass er ihn nicht einfach so entlassen würde, um ihn seine Wunden lecken zu lassen.
Kraftlos und nackt wie er war tapste Draco aus Harrys Blickfeld. Harry konnte hören, wie sich die platschenden Geräusche von nackten Füßen auf Stein weiter von ihm entfernten und schließlich durch eine schwere Holztür ganz verschwanden.
Schwerfälligen Schrittes entfernte sich Draco von der Halle und ging in sein eigenes kleines Zimmer, das man eigentlich eher als bessere Zelle bezeichnen konnte. Klar, er war kein hochrangiger Todesser, genauer gesagt war er nach seiner ach so moralischen Aktion ganz, ganz unten in der Rangfolge angelangt und da war er keines der schönen Zimmer wert, die diese Burg beherbergte.
Er öffnete die schwere Tür und trat in das kleine, nur spärlich möbilierte Zimmer ein. In dem Moment, in dem die Tür in die Angel fiel, brach alles über Draco zusammen. Das Bewusstsein, einen schweren Fehler begangen zu haben, die Demütigungen, die er über sich hatte ergehen lassen müssen, der Schmerz, der in seinem Körper wütete.
Er war so schrecklich schwach... warum hatte er diesen verdammten Muggel nicht töten können? Warum hatte er diesen Fluch nicht einfach aussprechen können? Es wäre eine einfache Bewegung gewesen, ein einfaches Wort... aber nein... er konnte es nicht. Er konnte kein Leben grundlos zerstören. Auch wenn sein Vater immer gesagt hatte, dass es einfach war, ja sogar Spaß machte, er konnte es einfach nicht.
Schon die Angst im Blick des Mannes hatte ihn gelähmt, wie hätte er jemanden töten können, der ihm so schutzlos ausgeliefert war? Und warum war er nur so schwach, dass er den Lord nicht zufrieden stellen konnte? Vom töten mal abgesehen, er war eine einzige Enttäuschung für ihn. Er konnte nichts. Er war schwach, dumm, unbedeutend, unfähig...
Draco legte die Hände vors Gesicht und seufzte schwer um ein Schluchzen zu unterdrücken. Wenn er so weiter machte, würde Voldemort entweder ihn oder seinen Vater töten lassen, er durfte sich auf keinen Fall noch einmal so einen Fehler erlauben. Das nächste Mal musste er töten, ganz egal, wer da vor ihm kniete.
Die Tränen sammelten sich in seinen Augen und bahnten sich, ohne dass Draco es verhindern hätte können, ihren Weg nach unten, über seine beschmutzen Wangen. Warum hatte das alles nur so kommen müssen? Alle haben sie auf ihn herab gesehen in seiner Qual und sie hatten gelacht. Er hatte es gehört, ihr lachen, vor allem von Mc Nair.
Mc Nair... sein wiederliches Grinsen... seine Finger überall an seinem Körper... beinahe konnte er das ekelhafte Stöhnen wieder hören, den Schmerz wieder spüren, als er ohne Erbarmen in ihn eingedrungen war. Mit einem Würgen rannte er in das kleine schmucklose Bad und erbrach sich in die Kloschüssel.
Am ganzen Körper bebend brach er über der angegrauten Schüssel zusammen, bittere Tränen mischten sich mit den letzten Resten seines Essens. Da war es wieder. Dieses Keuchen. Der heiße, stinkende Atem der sich auf seine kalte Haut niederschlug. Wimmernd schloss der Blonde die Augen um die Bilder mit aller Macht zurückzudrängen, aber es ging nicht.
Keuchend hing er über der Keramikschüssel, als er sich ein drittes Mal an diesem Tag erbrach, obwohl er nichts mehr in seinem Magen hatte, das er der Schüssel noch hätte übereignen können. Er musste diese Bilder loswerden... er wollte diese schrecklichen Szenen nicht ständig wiedersehen müssen...
Mühsam rappelte er sich auf und taumelte zum Waschbecken. Zuerst aber wollte er diesen schrecklichen Geschmack aus seinem Mund waschen, der ihn zum Erschaudern brachte, so bitter und ekelhaft schmeckte er. Schnell griff er nach der gebraucht aussehenden Zahnbürste und schrubbte sich ordentlich die Zähne, bis er nichts mehr von dem Erbrochenen und dem Sperma des älteren Mannes schmeckte.
Ein Blick in den zersplitterten Spiegel sagte ihm, dass es mit Zähneputzen alleine noch nicht getan war. Seine Haare hingen in Strähnen herab, dreckig und verschwitzt, sie verdeckten seine Augen, die vom weinen rot und verquollen waren. Noch immer rannen vereinzelte Tränen über seine verschmierten Wangen.
Bis er zu Potter musste, musste das wieder in Ordnung gebracht sein, es reichte schon, wenn er gesehen hatte wie... er wollte es gar nicht aussprechen, noch nicht einmal in Gedanken. Potter hatte gesehen, wie er gedemütigt wurde, wie sein gesamter Stolz gebrochen wurde, er würde anfangen Fragen zu stellen, die er ihm nicht beantworten können würde.
Inzwischen stellte er sich diese Fragen auch immer wieder, aber die Konsequenzen seines Handelns würden die Qualen, die er im Moment erdulden musste, noch um Längen schlagen. Der Tod konnte lange und sehr schmerzhaft sein, vor allem wenn er Voldemort hieß.
Er drehte den Wasserhahn auf, streckte seinen Kopf unter das rauschende Wasser, um sich die Haare zu waschen, eine Dusche hatte er nicht und ein Reinigungszauber fiel aus, weil er jetzt einfach das Wasser auf seinem Körper spüren musste, er brauchte diese beruhigende Kühle, von der er wusste, dass sie allen Dreck mit sich wusch.
Nun, so musste eben der Wasserhahn herhalten, der die Dienste einer Dusche natürlich nur sehr spärlich ersetzen konnte. Trotzdem war es besser als nichts. Mit schnellen Bewegungen öffnete er die Shampooflasche und begann sich den Dreck aus den Haaren zu waschen. Als er fertig war, spülte er sie aus und rubbelte sie mit einem kratzigen Handtuch trocken.
Den Rest seines Körper musste er gezwungenermaßen doch mit einem Reinungungszauber vom Dreck befreien, er konnte ja schlecht ins Waschbecken steigen und so etwas wie einen Waschlappen besaß er nicht. Er hasste dieses kleine völlig unzureichende Bad, nicht mehr als eine Kammer, dessen Boden, egal wie oft er ihn versuchte sauber zu machen, immer dreckig blieb. Aber mehr sprach ihm Voldemort nicht zu. Das hier war nichts im Vergleich zu der Pracht, die er auf Malfoy Manor gehabt hatte, doch Malfoy Manor war für ihn unerreichbar.
Draco seufzte tief, ging zurück in die Hauptkammer, wo auch sein Bett und sein Schrank stand, und fand dort auf dem Boden das Bündel der Kleidung, die er vorhin getragen hatte, zusammen mit seinem Zauberstab. So war es immer, wenigstens musste er seine Sachen nicht selbst aus der großen Halle holen.
Erleichtert, das kühle Holz wieder unter seinen Fingern spüren zu können, nahm er den schwarzen Stab an sich und säuberte sich mit einem gemurmelten Reinigungszauber. Er hätte nicht gedacht, dass ihm ein einfacher Zauber mal solche Schwierigkeiten machen würde wie jetzt, es fiel ihm extrem schwer den Zauber so lange aufrecht zu erhalten, bis er ganz sauber war.
Sein Blick fand die dunkle Tasche, in der er seine Tränke und Arzneimittel aufbewahrte. Gut, dass er bereits früh mit seiner Heilerausbildung begonnen hatte, er wäre hier sonst heillos aufgeschmissen. Außerdem hätte er dann gar keinen Nutzen mehr für Voldemort. Mit schwerfälligen Schritten ging er zu seiner Tasche und holte einen Traumatrank, der ihm helfen sollte das Geschehene, das immer wieder drohte in ihm hochzukochen, ein wenig in den Hintergrund zu drängen, und einen Stärkungstrank.
Die beiden Tränke schmeckten wiederwärtig, doch wie hatte Onkel Sev immer so schön gesagt: Wenn er gut schmeckt, hast du etwas falsch gemacht. Wenigstens begann sich sein Körper jetzt von innen heraus etwas aufzuwärmen, etwas Wärme würde ihm jetzt verdammt gut tun.
Um nicht länger nackt in seinem Zimmer herumzustehen zog er sich seine zweite Todesser-Garnitur über. Die andere würde er wohl erst waschen lassen müssen, nein, er musste sie SELBST waschen, immerhin war er nun am absoluten Ende der Nahrungskette und da ließ man seine Kleidung nicht waschen.
Langsam spürte er wie die schrecklichen Bilder, die immer noch durch seinen Kopf geisterten, in den Hintergrund rückten und ihn nicht mehr so stark bedrängten. So lange würde die Wirkung nicht vorhalten, aber zumindest solange, bis er mit Potter fertig war. Beruhigend zu wissen, dass wenigstens einer noch unter ihm stand.
Die Frage war, wie lange dieser überhaupt noch stand... wenn nicht bald etwas geschah würde Voldemort das Interesse an dem Jungen verlieren, so wie Draco ihn kannte, schon recht bald. Aber wenn Potter einfach so nachgab würde er genauso schnell, wenn nicht sogar noch schneller sein Leben aushauchen.
Schade eigentlich, er sah Potter gerne leiden, es war purer Balsam auf seiner geschundenen Seele wenn Potters Schreie, die durch die Burg hallten, verkündeten, dass auch Goldjungen irgendwann mal in eine Situation kamen, aus der sie sich nicht mal so einfach herausnavigieren konnten, mit ihrem verdammten Glück.
Plötzlich schoss heißer Schmerz durch seinen Unterarm, ausgehend von der Stelle in die Voldemort vor etwas über einem Jahr das dunkle Mal eingebrannt hatte. Draco zuckte zusammen, er wusste was es hieß. Er sollte zu Potter gehen und diesen wieder zusammenbasteln. Etwas frustrierend war es schon, dass seine Arbeit tagtäglich wieder zunichte gemacht wurde.
Da verbrauchte man so viele Tränke, deren Zutaten ihn viel Geld und deren Zubreitung ihn viel Zeit gekostet hatten, und alles war umsonst. Er sah den Sinn seiner Aktionen nicht ganz, immerhin würde Potter eh sterben, was machte es da für einen Unterschied, ob er körperlich nun unversehrt war, oder nicht?
Der Blonde deutete kurz mit seinem Zauberstab auf seine immer noch nassen Haare, die sich unverzüglich trocken und gekämmt an seinen Kopf legten und nun wieder so ordentlich wie eh und je aussahen. Auf sein Aussehen achtete er immer noch, das war das letzte was ihm geblieben war, seinen Stolz und seine Würde hatten sie ihm ja schon genommen, zusammen mit seinem Geld und seiner Familie.
Mit seiner Laune ganz unten griff er nach der Arzttasche und verlies die Kammer in Richtung der Zelle in der Potter gefangen gehalten wurde. Seine Schritte hallten laut durch die engen, nur von Fackeln erhellten Gänge. Draco schüttelte mental den Kopf. Voldemort hatte wirklich einen Hang zu solch pathetischen Gebäuden. Warum konnte er nicht einfach in einer schönen, großen Villa leben, wo man sich nicht verlaufen konnte, wo man sich im Winter nicht bestimmte Körperteile abfror und wo die Beleuchtung nicht so miserabel war wie hier? Aber nein... ein dunkler Lord musste in einer dunklen Burg leben. Dabei sollte gerade er über derartige Klischees erhaben sein.
Aber wer war Draco schon, dass er sich hier über den Geschmack von seinem Lord beschwerte, wenn dieser seine Gedanken gelesen hätte, wäre er jetzt wahrscheinlich tot.
Nach einer halben Ewigkeit erreichte er die schwere Eichentür und öffnete diese mit einem gemurmelten Zauber. Potter lehnte an der Wand, möglichst weit weg von dem verschimmelten Heu, offenbar ging es ihm heute besser als noch vor ein paar Tagen, wo er sich kaum bei Bewusstsein hatte halten können.
Aus müden grünen Augen blickte Harry zu dem Blonden auf. Es erschien dem schwarzhaarigen wie ein Wunder, dass es Draco schon wieder so gut ging, dass er sich hier um ihn kümmern konnte. So wie er sich vorhher weggeschleppt hatte... er hatte so gebrochen ausgesehen, so völlig am Boden... und nun grinste er ihm wieder entgegen mit seinem typischen ach-was-bin-ich-doch-toll Malfoy Grinsen an.
Nichts zeugte mehr von der Vergewaltigung, die er vor vielleicht einer Stunde hatte erleiden müssen. fast schon bewunderswert wie sehr Draco sein Innerstes verschließen konnte, er selbst wäre längst ein Häufchen Elend.
"Malfoy...", murmelte er mit heiserer Stimme, weder Abneigung noch sonst irgendein Gefühl lag in ihr. Er hatte zu viel geschrien um noch irgendwas mit ihr ausdrücken zu können. Voldemort hatte ihm stark zugesetzt, doch nicht mehr so sehr wie in den letzten Tagen, wahrscheinlich war ihm die Lust nach Dracos Auftritt vergangen, oder sie war schon dadurch gestillt worden, was auch immer, Harry würde Voldemorts Gedankengänge wohl nie nachvollziehen können. Oder das auch nur wollen.
Der blonde Junge schwieg beharrlich, was hätte er auch groß sagen können, das die Situation irgendwie verbessert hätte. Mit einem lauten Knall flog die Tür hinter ihm ins Schloss, was ihn kurz zusammenzucken lies. Verdammt, er war eindeutig zu schreckhaft geworden in den letzten Tagen, dass schon eine dumme Tür sein Herz zum Rasen gebracht hatte.
Harry war es zwar aufgefallen, doch er selbst hatte sich auch erschrocken, also dachte er sich nichts weiter dabei. Kraftlos drehte er den Kopf, um Malfoy etwas besser sehen zu können. War der Junge da festgewachsen, oder warum stand er da ewig herum ohne etwas zu tun? Oder kam ihm nur die Zeit so lange vor?
Irgendwie hatte er dadurch, dass er schon seit mehreren Tagen die Sonne nicht mehr gesehen hatte, sein Zeitgefühl komplett verloren. Nicht nur, dass er nicht mehr wusste wann Tag und wann Nacht war, er konnte auch nicht mehr sagen, ob die vergangenen Minuten wirklich Minuten oder nur Sekunden gewesen waren.
Aber wenn er so darüber nachdachte, kam ihm, dass Zeit wohl zu den Dingen zählte, die jetzt nicht mehr von Bedeutung waren. Irgendwann würde Voldemort ihn schon umbringen, Zeit spielte dabei gar keine Rolle mehr. Qualen würde er dabei so oder so erleiden müssen, ob er ihn nun morgen, übermorgen oder erst in drei Jahren umbrachte.
Endlich löste sich Draco aus seiner Starre und ging auf den am Boden sitzenden Harry zu, um sich neben ihm hinzuhocken. Er wollte das Ganze möglichst schnell hinter sich bringen, die trüben grünen Augen, die bis tief in seine Seele zu blicken schienen, waren ihm unangenehm. "Zieh dich aus.", befahl Draco kalt.
Gut, viel war nicht mehr von Harrys Kleidung übrig, es waren nur mehr jämmerliche Fetzen, die an seinem schlanken Körper hingen, dennoch behinderten sie die Sicht auf mögliche Verletzungen und würden bei einer Behandlung doch beträchtlich im Weg umgehen.
Schwerfällig zog Harry sich das dreckige, zerschlissene Shirt über den Kopf, wobei er schon jetzt bemerkte, wie sein Puls sich steigerte und seine Atmung sich beschleunigte. Hoffentlich hatte Malfoy einen guten Stärkungstrank dabei, wenn nicht, würde er die morgige Folter nicht überstehen, denn bis morgen würde er die Kraft, die ihm heute geraubt worden war, nicht wieder nachbilden können.
Die Jeans, die erstaunlicher weise noch an seinem Körper hing, wurde von Harrys zitternden Fingern geöffnet und mit viel Mühe nach unten gestreift, wobei seine sitzende Haltung nicht umbedingt dazu breitrug die Sache einfacher zu machen. Doch schließlich hatte er es geschafft, Shirt und Jeans lagen im fauligen Stroh neben Harry, der aus matten grünen Augen zu Draco emporblickte, der das alles ohne jede Regung beobachtet hatte.
Draco empfand überhaupt kein Mitleid für den schwarzhaarigen Jungen, der da vor ihm auf dem Boden lag, wenn er litt, dann sollte Potter umso mehr leiden. Und wenn dieser zu schwach war, seine Erschöpfung und seinen Schmerz zu verbergen, dann konnte er darüber nur höhnisch lachen. Er selbst hatte die ganzen Jahre über nichts durchblicken lassen, wie er dachte, fühlte, litt, seine Maske war immer aufrecht geblieben, auch jetzt, wo ihm das schlimmste passiert war, das er sich vorstellen hatte können. Wie schwach war der Held der Zaubererwelt eigentlich, dass er nach so wenigen Tagen mit Voldemort schon so fertig war.
Die Ärztetasche wurde mit einem leisen Klirren, wahrscheinlich von irgendwelchen Phiolen und Tiegeln verursacht, neben Harry abgestellt. Ohne Potter ins Gesicht zu sehen, begann Draco den geschundenen Körper zu untersuchen. Über dem Brustkorb verteilt waren mehrere einigermaßen tiefe Schnitte zu sehen, die schon vor mindestens einer halben Stunde aufgehört hatten zu bluten.
Hämatome und Prellungen bedeckten die unteren Rippenbögen und den Bauch, wahrscheinlich war er getreten worden. Zur Sicherheit legte Draco seine Hände flach auf dessen Brustkorb und begann jede Rippe einzeln abzutasten, ob sie noch ganz waren, oder sich im schlimmsten Fall vielleicht verschoben hatten. Er fand zwei gebrochene Rippen, die sich nicht sonderlich von ihrem angestammten Platz entfernt hatten. Das Potter aber auch immer so ein verdammtes Glück haben musste...
Eine Rippe, die sich langsam aber sicher in die Lunge bohrte war viel schmerzhafter in der Behandlung als eine normal gebrochene Rippe... schade eigentlich, dass Potter so glimpflich davon gekommen war. "Schmerzt dein Bauch, wenn ich hier draufdrücke?", fragte Draco leise und presste seine Hand auf verschiedene Punkte auf Harrys flachen Bauch.
"Nein...", hauchte Harry mit etwas spröder Stimme. Draco notierte einen Trank für die Stimmbänder auf seinen mentalen Merkzettel. An den Beinen Potters waren nur einige Blessuren und Schürfwunden zu sehen, vor allem an den Fußgelenken, wo die Fesseln ihm die Haut abgewetzt hatten. Aber sonst nichts schlimmeres, mit ein paar Tränken wäre das alles über Nacht wieder geheilt.
"Umdrehen.", befahl Draco um sich den Rücken zu begutachten. Mit viel Mühe schaffte Harry es sich umzudrehen, lag nun mit dem Gesicht nach unten im schmutzigen Heu. Doch das war ihm ziemlich egal, er befand sich jetzt schon so lange in dieser Zelle, in diesem wiederlichen Heu, da war es auch schon egal, wie er darin lag, dreckig und stinkend war er jetzt eh schon.
Die schlanken und doch sehr kräftigen Hände Malfoys tasteten über seinen Rücken, in einer Routine, dass man denken konnte, er hätte das schon hundertemal getan. Harry schloss langsam die Augen und versuchte auszublenden, dass es Malfoy war, der sich da um ihn kümmerte, um wenigstens ein paar Sekunden das Gefühl von Geborgenheit zu haben. Doch es gelang ihm nicht.
Harry konnte nicht genau sehen, was Malfoy tat, die Hände lösten sich von seinem Rücken, man hörte ein leises Klicken und dann ein Klirren, wahrscheinlich hatte er die Arzttasche geöffnet und suchte nun etwas. Scheinbar hatte er es gefunden, denn die Hände kehrten nach wenigen Sekunden wieder auf seinen Rücken zurück und verteilten dort eine Salbe, die ein angenehm warmes, kribbelndes Gefühl auf seiner Haut hinterließ.
Er konnte fast schon fühlen, wie seine Schmerzen sich langsam aber sicher linderten. Wäre Malfoy nicht bei den Todessern gelandet, hätte er ein sehr guter Heiler werden können, doch Harry bezweifelte stark, dass bei Voldemorts Truppe Heiler besonders viel Verwendung fanden... außer natürlich in Ausnahmefällen, so wie er einer war.
Als auch der letzte Flecken Haut von der wohltuenden Salbe bedeckt waren, gab der Blonde wieder den Befehl sich herumzudrehen, dem Harry mit einiger Mühe Folge leistete. Malfoy hob eine Braue, als er die feinen Schweißperlen auf Potters Stirn sah, die sich dort gebildet hatten. Offenbar hatte der schwarze Lord ihn doch härter rangenommen, als Draco es vermutet hatte, sonst wäre der Schwarzhaarige wohl kaum so schwach gewesen, dass sogar das Herumdrehen ihn dermaßen anstrengte.
"Tut dir sonst noch was weh, außer den Rippen und dem Hals?", fragte Draco mit rauer Stimme, die keine Spur von Wärme oder ähnlichem verlauten lies. Harry schüttelte den Kopf. Der Blonde nickte nur und machte sich daran verschiedene Tränke herauszuholen, Verbände und einen weiteren Tiegel, der vermutlich Salbe enthielt.
Das alles machte er mit einer solchen Routine, dass Harry nicht mehr anders konnte als zu fragen: "Malfoy... wo hast du... das gelernt?" Die vorher so betriebsamen Hände sanken hernieder. Die grauen Augen Dracos hoben sich und blickten verwundert in dunkelgrüne.
Warum fragte Potter das? Ihm konnte es doch egal sein, was er wann wo wie gelernt hatte, alles was ihn kümmern müsste, war doch, dass er ihn behandelte. Doch er war heute psychisch nicht mehr fähig zu einer langen, ausführlichen Diskussion. "Severus hat es mir beigebracht. Der Lord wollte es so.", antwortete er knapp und hoffte, das Gespräch so zu einem Ende gebracht zu haben. Nur schnell weg hier und ins Bett, er konnte fühlen, wie auch seine Kräfte wieder nachließen, der Trank reichte nicht besonders lange aus.
Harry nickte schwach um zu zeigen, dass er die Worte verstanden hatte. Er hatte schon immer gewusst, dass Snape ein guter Tränkemeister war, doch anscheinend war er auch ein sehr guter Heiler. Erstaunlich eigentlich, wenn man betrachtete, wie unterkühlt der Mann immer war. Harry hatte sich einen Heiler immer sehr warmherzig und fürsorglich vorgestellt. Wieso sonst sollte man Heiler werden, wenn man nicht anderen Menschen helfen wollte?
Erst jetzt, nachdem er die Antwort seines ehemaligen Schulkameraden mehrmals in seinem Kopf wiederholt hatte, fiel ihm auf, dass Malfoy Snape mit Vornamen angesprochen hatte. Standen sich die beiden denn so nah? Nun ja, es hatte auf Hogwarts ja auch schon immer so ausgesehen, also würden die beiden sich besser kennen als der Rest.
Hogwarts... im Moment wäre er sehr gerne wieder dort, zusammen mit seinen Freunden und den Streitereien mit Malfoy, die ihm wesentlich lieber waren, als dieses schreckliche Schweigen, das nun schon wieder seit Minuten im Raum herrschte. Nicht, dass er ein sehr geschwätziger Mensch gewesen wäre, aber diese Stille war ihm sehr unangenehm.
"Also ist Snape... auf der dunklen Seite?", fragte er leise um irgendetwas zu sagen. Genervt sog Malfoy die Luft ein und hielt wieder in seiner Arbeit, nämlich die verschiedenen Schnittwunden zu versorgen, inne.
"Das fragst du noch? Wie stark hat dein Gedächtnis gelitten, dass du nicht mehr weisst, wer Dumbledore umgebracht hat?!", entgegnete Draco gereizt. Er hatte keine Lust auf eine Unterhaltung, verdammt noch mal! Potter sollte doch bitte seine Klappe halten und ihn seine Aufgabe erfüllen lassen, zu der eindeutig nicht dazuzählte, ihn zu unterhalten.
Abermals nickte Harry. Natürlich. Wie hatte er so dumm sein können, auch nur einen Moment lang zu glauben, Snape hätte es nicht auf Voldemorts Befehl hin getan, sondern auf Dumbledores? "Verzeih...", murmelte er leise.
Schweigend und etwas gröber als vor wenigen Minuten noch arbeitete Draco weiter. Potter stellte ihm eindeutig zu viele Fragen, die ihn seiner Meinung nach gar nichts angingen. Potter sollte sich lieber Gedanken darüber machen, wie er Voldemort noch gütig stimmen konnte um einem langsamen Tod zu entgehen, doch offenbar war Potter dazu zu dumm. Typisch Gryffindor.
Mehr unabsichtlich als wirklich gewollt, blieb Draco mit einem seiner perfekt manikürten Nägeln an einem der Wundränder hängen und riss die Haut dort ein wenig ein. Harry zuckte vor Schmerz zusammen und keuchte leise auf. "Verdammt...", zischte er und funkelte Draco aus plötzlich wieder sehr klaren Augen an. "Warum hast du das getan?!"
Der angesprochene zuckte nur mit den Schultern. das konnte schon mal passieren, Potter sollte sich da nicht so haben, verdammte Memme. "Spiel dich nicht so auf.", murmelte er nur und drückte den Finger auf die Wunde um den Blutfluss etwas zu stoppen.
Hatte er da vorhin gedacht, aus Malfoy hätte ein guter Heiler werden können?! Nicht solange er es nicht schaffte, seine Patienten als Menschen und nicht als solche gefühllosen Wesen, wie Malfoy selbst eines war, zu betrachten.
Doch war Malfoy wirklich so gefühllos wie er sich gab? Vorhin auf dem kalten Marmor zu aller Todesser-Füßen, da hatte er so gar nicht gefühllos ausgesehen. Er hatte gelitten, das erste Mal das Harry wirkliche, tiefe Gefühle von Malfoy gesehen hatte. Also musste er doch fähig sein zu fühlen, auch zu den Zeiten zu denen er gerade nicht vergewaltigt wurde.
Dracos Blick ruhte auf Potters Gesicht dessen Ausdruck ganz plötzlich und unerwartet von ärgerlich zu nachdenklich geschwenkt war. Was auch immer Potter gerade dachte, es war nichts, das ihm sonderlich recht sein konnte, denn es hieß, dass Potter früher oder später mit seiner nächsten Frage anrückte.
Langsam legte Harry seinen Kopf schief und blickte nachdenklich in Malfoys sturmgraue Augen. Warum zum Teufel war dieser Kerl so verdammt kalt? Warum zeigte er niemandem seine Gefühle? Er selbst hatte in den letzten Monaten nur sehr sehr wenig von sich selbst preisgegeben und damit war es ihm schon sehr schlecht gegangen. Er hatte sich einsam und allein gelassen gefühlt, wie musste es denn dann Malfoy gehen, der seine ganze Schulzeit lang nichts von seinem Inneren gezeigt hatte.
Oder war er unter Freunden anders? Wenn das so gewesen wäre, wäre es Harry doch aufgefallen, oder nicht? Malfoy hatte ja auch in Anwesenheit von ihm mit seinen Freunden verkehrt und da war genauso mit ihnen umgegangen wie mit allen anderen...
"Warum tust du das?", fragte er leise. Verwirrt hob Draco eine Augenbraue. Eine noch unpräzisere Frage war Potter wohl nicht eingefallen, was? "Was tue ich?", wollte er wissen, wobei sein Stimmfall keinen Zweifel daran lies, dass er von Potters ständigen Fragen genervt war.
"Na... du... du bist so kalt...", Harry wusste, dass sich das unwahrscheinlcih dumm anhörte, aber besser hatte er es einfach nicht formulieren können, "Warum lebst du unter einer Maske?"
"Woher willst du wissen, dass ich das tue? Hm, was glaubst du über mich zu wissen, dass du dir diesen Schluss erlauben kannst?", zischte Draco, plötzlich sehr aggressiv und geladen. "Und selbst wenn, warum sollte ich dir gegenüber irgendwelche Gefühle zeigen? Ich bitte dich, wir sind Feinde seit wir uns kennen, was lässt dich denken, jetzt wäre es anders?"
Draco kochte innerlich. Dieser kleine Bastard, jetzt wusste er erst wieder, wie sehr er ihn doch hasste. Mit seiner neugierigen, dummen Art hatte Potter es wieder, wie schon so oft, geschafft ihn auf die Palme zu treiben. Wenn man so schrecklich dämlich war, hatte man es nicht anders verdient, als vom dunklen Lord getötet zu werden, aber ganz, ganz langsam.
Harry wusste, wann er etwas falsches gesagt hatte, also schwieg er. Warum war Malfoy so in die Luft gegangen? Es verschloss sich ihm komplett, doch es hatte keinerlei Sinn, nachzufragen, da die Antwort vorprogrammiert wäre.
Um einiges gröber als vorhin noch, versorgte Draco den letzten Rest der Wunden, wobei er öfter mal Schmerzen verursachte, die gar nicht nötig gewesen wären, aber er wollte Potter spüren lassen, wie sehr er ihn verachtete. "Trink das!", fauchte er und hielt dem schwarzhaarigen Jungen eine Phiole mit einem dickflüssigen braunen Inhalt hin, der ziemlich wiederlich stank.
Ohne Wiederworte, aber mit angewiederter Miene, schluckte Harry den Inhalt, ebenso den der nächsten drei Phiolen, die ihm hingehalten wurden.
Hektisch packte Draco seine Tasche wieder zusammen. Nur schnell weg von hier, bevor er einen Fehler machte und das Töten Potters gleich selbst übernahm. Nun, vielleicht könnte er Voldemort so beweisen, dass er doch dazu fähig war jemanden zu töten, doch der Zorn darüber, dass er sich dann nicht mehr selbst an Potter austoben konnte, würde wahrscheinlich überwiegen.
Ohne ein weiteres Wort verließ er die Zelle und ließ Harry nur mit seinen Shorts bekleidet in der Zelle zurück.
Ein leises Seufzen entwich Harry. Das letzte Mal hatte er ihm wenigstens noch Kleidung dagelassen, doch scheinbar hatte er es sich nun endgültig mit Malfoy verscherzt.
