10. Warnung
Draco hatte gestern noch lange wach in seinem muffigen Bett gelegen und über Potter nachgedacht. Je mehr er über ihn nachdachte, desto mehr verachtete er ihn. Früher hatte er in ihm immer ein hochmütiges und verwöhntes Balg gesehen, dem alles in den Schoß gefallen war, ohne dass er irgendetwas dafür hätte tun müssen.
Doch gestern hatte er erkannt wie schwach Potter eigentlich war. Offenbar hatte er nie gelernt ein gewisses Maß an Selbstwertgefühl zu verinnerlichen, ein sicheres Anzeichen dafür, dass ihm als Kind nie genug Lob und Achtung zuteil geworden war. Man musste Potter nur alle seine Bezugspersonen nehmen und schon kroch er am Boden und flehte nach dem Tod.
Es war erbärmlich. Sie hatten sich alle so unglaublich in ihm getäuscht. Das einzige was Potter beherrscht hatte, war es eine Maske von Selbstbewusstsein aufzubauen, durch die niemand außer Voldemort hatte blicken können. Vor Voldemort hatte keine Maske bestand, noch nicht einmal seine eigene, die er schon so sehr verinnerlicht hatte, dass er sie selbst kaum noch spürte.
Es schien ihm oft so, als würde Voldemort gar nicht erst den Körper von jemandem sehen, sondern direkt in dessen Seele blicken, als würde sein Blick die natürlichen Barrieren eines menschlichen Körpers gar nicht wahrnehmen. Bei Dumbledore hatte er oftmals das gleiche Gefühl gehabt und dennoch war es bei dem Verstorbenen immer anders gewesen.
Dumbledore hatte nur das gesehen was er sehen wollte. Er wollte nie in die Abgründe eines Menschen sehen, nie die dunklen, schrecklichen Geheimnisse schauen, er sah nur das Gute. Und genau diese Eigenschaft hatte ihn am Schluss umgebracht. Er hätte es verhindern können, auch wenn er geschwächt, krank und alt war, er war zu dieser Zeit immer noch der mächtigste Magier nach Voldemort.
Allerdings konnte er froh sein, dass es so gekommen war, andernfalls wäre er jetzt wahrscheinlich ziemlich tot. So hatte er seinen Auftrag wenigstens nicht ganz vermasselt, denn die Todesser waren ja nach Hogwarts gekommen und Dumbledore war tot, auch wenn nicht er es gewesen war, der ihm sein Leben genommen hatte.
Er hatte eine zweite Chance bekommen. Und wieder hatte er versagt. Er wunderte sich beinahe schon darüber, dass er noch am Leben war. Draco konnte froh sein, dass Potter zur Zeit hier war, an dem Voldemort seine Wut auslassen konnte, sonst wäre er jetzt an seiner Stelle und würde unerträgliche Qualen erleiden müssen.
Wobei er an Potters Stelle sich nicht so schnell würde brechen lassen, zumindest nicht auf diese Art uns Weise. Er hatte sich noch nie von anderen abhängig machen lassen, die ihm sein Selbstwertgefühl gaben, er lebte nur für sich selbst, nur um seiner selbst Willen, nicht für irgendjemand anderen. Natürlich, es führte zu einem recht einsamen Leben, aber war das nicht um Welten besser als das was Potter gerade durchmachte?
Klar hätte er sich manchmal in seiner Schulzeit auch gewünscht, richtige Freunde zu haben, denen er vertrauen konnte, die ihn kannten, nicht nur oberflächlich, sondern bis zum Grund seiner Seele und die ihn um seiner selbst Willen mochten, doch wenn er sich Potters Situation besah, konnte man sich offenbar auf niemanden wirklich verlassen, auch nicht auf die Menschen, die einem jahrelang Halt gegeben hatten.
Er machte sich etwas vor, und das wusste Draco auch ganz genau, aber es tat zu weh um darüber nachzudenken, dass auch er eine Schwachstelle hatte, die Voldemort nach allen Regeln der Kunst gegen ihn ausspielte. Jedes Mal wenn Draco ihm in die Augen blickte, dann sah er darin den Hohn über seine Schwäche.
Wenn sie nicht wäre, dann wäre Draco ein freier Mensch, der sein Leben selbst bestimmen konnte. Die Schule wäre noch geöffnet, Dumbledore noch am Leben, er könnte einen richtigen Abschluss machen, danach vielleicht Tränke studieren. Diese Möglichkeit würde sich ihm nie wieder bieten. Voldemort würde ihn sicherlich nicht mehr aus seinem direkten Wirkungskreis entlassen.
Und um seine Schule zu beenden müsste er entweder nach Frankreich oder Bulgarien gehen, Länder die trotz der Magie immer noch recht weit weg von England waren und somit für den dunklen Lord schlecht zu überwachen.
Doch trotz seiner Kenntnis um die Konsequenzen seiner Schwachstelle, konnte er sie nicht einfach abstellen, es war das letzte was ihm wichtig war, das einzige was ihm heilig war. Und wenn er noch so gefühlskalt war, er konnte nicht die Menschen verraten die ihm das Leben geschenkt hatten.
Er würde sein Schicksal so hinnehmen müssen, wie es war und das beste daraus machen. Wenn er nur den nächsten Auftrag nicht in den Sand setzte, dann würde er vielleicht auch wieder im Ansehen bei den Todessern steigen und vielleicht könnte er nach ein paar Jahren ein ebenso mächtiger Mann werden wie sein Vater es einst gewesen war.
Seine Gedanken wanderten wieder zu Potter, der gerade in seiner Zelle lag und sich mit Sicherheit die Augen aus dem Kopf heulte und in Selbstmitleid versank. Wie erbärmlich. Der Held der Zaubererwelt. Der Junge, der lebte. Nun, bald wäre er der Junge, der gestorben ist, ganz alleine und gebrochen.
Eigentlich war Potter für ihn schon tot. Potter hatte sich selbst aufgegeben, wollte sterben, eine Haltung die Voldemort sicherlich nicht mehr sehr lange bei Laune halten würde. Er brauchte etwas, das er brechen konnte, bei dem sich noch wahres Leid zeigte, niemanden der vor ihm im Staub kroch und wimmerte. Es war nur noch eine Frage der Zeit.
Vielleicht würde er ihn sogar schon morgen töten, aber das hielt Draco für eher unwahrscheinlich. Dazu müsste der dunkle Lord schon in besonders schlechter Laune sein, wenn er den Triumph, seinen einzigen wirklichen Feind besiegt zu haben, nicht länger auskosten wollte. Außerdem würde er den Tod Potters sicherlich richtig in Szene setzen wollen.
Es konnte natürlich auch ganz anders kommen, bei Voldemort wusste man nie so genau. Er war wahnsinnig und Wahnsinnige hatten die Eigenschaft vollkommen unberechenbar zu sein, was sie umso gefährlicher machte. Potter war vorhersagbar, das machte ihn zu einem leichten Gegner für Voldemort. Wieso er ihm so viele Jahre standgehalten hatte war ihm nach wie vor ein Rätsel.
Vermutlich war es das bloße Glück gewesen, welches ihm jedes Mal wieder aus der Patsche geholfen hatte. Aber hier würde ihm Glück nicht wirklich weiter helfen, hier brauchte es Willen und Geschick. Nun, noch nicht mal Willen und Geschick würden ihm jetzt noch helfen, für ihn war es zu spät das Ruder noch herumzureißen.
Draco hatte versucht diese Gedanken weit von sich zu schieben um endlich in den ersehnten Schlaf fallen zu können, von dem er hier auf der Burg des dunklen Lords nie genug bekam. Es gab immer etwas zu tun, dass ihn oft bis in die frühen Morgenstunden aufhielt, meistens waren es Tätigkeiten wie Kräuter sammeln, Tiere ausnehmen und einlegen, Dinge für Tränke vorbereiten.
Er lernte viel hier, doch es würde eine richtige Ausbildung niemals ersetzen können und das wusste Draco ganz genau. Der Schlaf der ihn über eine Stunde später einholte, war jedoch kaum mit dem zu vergleichen, den er sich erwünscht hatte, sondern vielmehr von grauenvollen Albträumen durchzogen.
Albträume von Voldemort, von seinem eignen Versagen, von seiner ungewissen Zukunft. Immer wieder sah er die glühenden roten Augen vor sich, die ihren Blick spöttisch auf ihn gerichtet hatten und ihn voll sadistischer Freude in seinem Leid musterten. Er hatte versucht sich zusammen zu kauern, um ihrem stechenden Blick zu entgehen, doch es war aussichtslos.
Er hatte Voldemorts schreckliche Stimme gehört, wie sie ihm furchtbare Dinge ins Ohr geflüstert hatten und der eiskalte, schale Atem seine Haut gestreift hatte. Es waren Verlockungen, Drohungen, Versprechen, alle gleichsam grausam und widerwärtig, Dinge, die er im Wachen noch nicht mal hätte denken wollen.
Er sah sich selbst auf dem Boden liegen, klein, unbedeutend, schwach, nutzlos und alles andere als ein wahrer Malfoy. In diesen Träumen hatte er gelernt sich und alles andere zu hassen. Er kannte sie, die schauerlichen Produkte seines Unterbewusstseins und des Einflusses durch Voldemort, sie suchten ihn jede Nacht heim, auch wenn sie seit seiner Vergewaltigung deutlich an Intensität zugenommen hatten.
Zu Voldemorts Stimme hatte sich seit diesem Tag auch noch Mc Nairs Keuchen hinzugesellt und das Gefühl, von innen heraus in Fetzen gerissen zu werden, während sich in seinem Mund der Geschmack von fremdem Sperma breit machte. Es war jede Nacht das selbe und er wusste, es würde so schnell seinen Schrecken nicht verlieren. Tags über konnte er verdrängen, aber über Nacht war alles wieder da, gnadenlos und mit dem Feingefühl einer Lawine brach es jeden Abend über ihn herein, sobald das Licht ausging.
Weit vor Sonnenaufgang schreckte Malfoy hoch. In seinen Ohren klangen noch wirre Wortfetzen nach, eine Mischung aus den Schreien Potters, dem kalten Lachen Voldemorts und den flehenden Worten seines Opfers, das er hätte töten sollen. Sein bleiches Gesicht war von eiskaltem Schweiß überströmt, seine Augen geweitet und sein ganzer Körper schmerzhaft angespannt.
Mit abgehacktem, schnellem Atem sprang er ruckartig von seinem Bett auf und hetzte etwas schwankend ins kleine Bad. Er war so froh, dass niemand ihn so sehen konnte, er wäre vor Scham im Boden versunken und hätte sich selbst nie mehr in die Augen blicken können.
Der immer stolze Malfoysohn, herablassend, arrogant, egoistisch, lies sich mit einem verzweifelten Keuchen auf die kalten Fließen vor der dreckig grauen Kloschüssel fallen und übergab sich dort in Gedanken an Voldemort und Mc Nair. Sein schlanker Körper, nur von einer dünnen Boxershorts bedeckt, zitterte heftig, während er sich kraftlos an der Porzellanschüssel festkrallte und ihr sein innerstes offenbarte.
Auch wenn er heftig würgte und das Gefühl hatte, seine Gedärme gleich mit der dreckigen Schüssel anzuvertrauen, kam nicht mehr als bittere Magensäure, die ihm seine Speiseröhre zu verätzen schien. Erschöpft sank er in sich zusammen, legte den Kopf auf dem kühlen Rand der Kloschüssel ab und atmete tief ein und aus. Er sollte sich das alles nicht so zu Herzen nehmen, sagte er zu sich selbst.
Was war schon passiert? Gut, er hatte versagt, mehrmals sogar, das war ein schwerwiegender Fehler gewesen, aber man konnte ihn wieder ausbügeln, irgendwie. Ja, und natürlich hatte Mc Nair ihm seine Unschuld geraubt, was nicht unbedingt zu den angenehmsten Erfahrungen seines bisherigen Lebens zählte, aber war das denn wirklich so schlimm, dass er hier vollkommen fertig auf dem Boden liegen musste?
Immerhin lebte er noch und die Chancen standen ganz gut, dass er das auch noch in den nächsten Monaten von sich sagen konnte, was manch andere nicht von sich behaupten konnten. Und würde es Mc Nair und Voldemort nicht viel mehr beweisen, dass er wirklich schwach und unwürdig war?
Er durfte jetzt nicht einbrechen und am Schluss so werden wie Potter. Es stand zu viel auf dem Spiel für ihn, als dass er es sich leisten könnte auf dem Boden herumzukriechen und sich selbst das Todesurteil zu unterschreiben. Er würde nie nach dem Tod betteln. Er war nicht schwach, er war stark, er war intelligent und er würde irgendwie wieder zu einem freien Leben kommen.
Allerdings hatte er auch immer Potter geglaubt, dass nichts ihn je aufhalten konnte, dass er nie gebrochen werden könnte, egal mit was. Schuldgefühle, Einsamkeit, Hass, Verachtung, das alles hatte ihn nicht gebrochen, doch die Gewissheit, nun endgültig von allen verlassen worden zu sein, hatte ihm das Genick gebrochen.
Traurig irgendwie.
Dass ein stolzer Held so tief fallen konnte, obwohl er sich doch eigentlich nur bemüht hatte. Gut, es waren dumme, aussichtslose Bemühungen gewesen, deren Hintergründe so naiv waren, dass man nur hatte Lachen können, aber immerhin, hatte er es versucht. Draco hob leicht seinen Kopf vom kühlenden Rand und schüttelte ihn um wieder etwas klarer zu werden.
Potters Fall war nicht traurig, er war jämmerlich. So jämmerlich wie er selbst, der sich jeden Morgen in Gedanken an Mc Nairs Keuchen hier erbrach, flüsterte ihm eine leise und doch ziemlich penetrante Stimme in seinem Hinterkopf zu. Ruckartig erhob er sich, auch wenn seine Beine beinahe unter dem Gewicht nachgegeben hätten.
Er war nicht so wie Potter, er würde nie so enden, niemals! Seine Hände ballten sich zu Fäusten, so dass seine Fingernägel sich schmerzhaft in sein Fleisch drückten. Ihre Situationen waren grundverschieden, bei Potter war es egal ob er starb oder nicht, es hing nichts mehr davon ab.
Doch wenn er sein Leben hier in diesem Gemäuer lassen würde, würden noch mindestens zwei andere diesem Beispiel folgen und das konnte er auf keinen Fall riskieren. Selbst wenn er dazu über Leichen gehen musste und sich das nächste Mal auch noch mit der Schuld eines Menschenlebens belasten müsste, er durfte nicht versagen.
Sein Blick traf den kaputten Spiegel und auch wenn er sich immer wieder einredete, dass er stark und unbezwingbar war, so blickte ihm doch ein krank aussehender, bleicher und dünner Junge aus dem Spiegel entgegen, der nur unwesentlich lebendiger aussah als Potter es gestern getan hatte. Nur der Glanz in seinen Augen war noch nicht gewichen.
Er musste dringend etwas gegen sein krankes Aussehen tun, vor allem gegen die ungesunde Hautfarbe. Blässe war ja gut und schön, er hatte früher sogar peinlich genau darauf geachtet, dass seine Haut sich nicht auch nur um eine Nuance dunkler färbte, doch der Spaß hörte auf, wenn aus blass bleich wurde und sich ins bleiche ein leichter Graustich mischte, der überhaupt nicht zu den dunklen Ringen unter seinen Augen passen wollte.
Nun wahrscheinlich passte seine Hautfarbe schon zu seinen Augenringen, aber nur dann, wenn man nicht mehr unter den Lebenden weilte, sondern schon ein paar Tage unter der Erde verbracht hatte. Draco schüttelte den Kopf. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst, nicht mehr der stolze junge Mann mit dem makellosen Aussehen und der perfekten Zukunft zusammen mit seiner perfekten Familie.
Auch wenn er sich natürlich immer bewusst gewesen war, dass das ganze nur Fassade, nur Show gewesen war, es hatte ihm auf eine sehr seltsame Art und Weise halt gegeben, dass alle anderen ihnen diese Lüge abgekauft hatten. Manchmal hatte er die Augen geschlossen und sich so fest gewünscht, dass es Wahrheit sei, dass er für ein paar Stunden tatsächlich in dieser Illusion gelebt hatte.
Frustriert fuhr er sich durch die Haare. Diese Zeit kam ihm so wahnsinnig weit weg vor, als wäre sie ein Teil weit entfernter Vergangenheit, an die man sich nur noch durch einen Schleier erinnern konnte, so wie die ersten paar Lebensjahre. Er seufzte herzhaft. Es würde nie mehr so werden wie damals, seine Schulzeit war endgültig vorbei und diese Zeit würde nie mehr wiederkehren.
Plötzlich hörte er ein hektisches Klopfen an seiner Tür. Ohne zu zögern trat er aus dem Bad in den Hauptraum, warf sich eine Robe über die das nötigste verbarg und trat zur Tür. Wer mochte das sein? Es war auf jeden Fall niemand der von Voldemort geschickt worden war. Denn wer von Voldemort geschickt wurde, klopfte viel stärker, viel autoritärer an die Tür, dass es im ganzen Raum erschallte und er vor Schreck zusammen fuhr.
Dieses Klopfen war eher fragend, wenn es auch ziemlich gehetzt klang, zwei Schläge, ganz knapp hintereinander. "Herein!", rief er, wissend, dass man es draußen gut hören musste. Und tatsächlich sogleich sah er wie die Klinke herabgedrückt wurde und die Holztür mit leisem Knarzen aufschwang.
Das erste Mal seit Tagen war Draco wieder erfreut, jemanden zu sehen, der nicht in der kalten Oberfläche eines Spiegels erschienen war. Denn bei Severus Snape, der gerade in einen schwarzen Reisemantel gehüllt, eintrat, war er sich sicher, dass er ihm nichts Böses wollte. Er wusste, dass er einen Schwur geleistet hatte, der ihm gebot, für sein Wohl zu sorgen und allein deswegen war Draco noch am Leben.
Er wusste, dass Snape nicht viel an ihm lag, zumindest hatte er ihn nie etwas dieser Richtung spüren lassen, aber es schien als würde Snape sowieso nur seine Eltern und sich selbst mögen. Und selbst bei seinen Eltern war er sich nicht sicher ob Snape sich vielleicht nur mit ihnen abgab, weil es ihm ein gewisses Prestige bot. Seit seine Eltern in Voldemorts Rängen abgesunken waren, hatte Snape es stets vermieden, auch nur ihren Namen in den Mund zu nehmen.
Wortlos schloss der schwarzhaarige die Tür hinter sich und trat einen Schritt in den kleinen Raum hinein. Draco musterte ihn aufmerksam, denn irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Snape hatte ihn die letzten Monate komplett ignoriert und war nur dann bei ihm aufgetaucht, wenn entweder Voldemort es befohlen hatte oder er in akuter Gefahr war.
Da er ersteres bereits ausgeschlossen hatte, konnte es sich also nur um zweiteres handeln und er wusste nicht, ob ihm das besser gefiel. Er zog die Robe enger um sich, da ihn mit einem Mal fröstelte. Was auch immer es war, Severus' ernste, wie immer kalte Miene sagte nichts Gutes.
Die schwarzen Haare hingen ihm wie immer ungepflegt ins Gesicht und verdeckten den Blick auf seine Augen. Früher hatte er sich immer über Snapes ungepflegtes Äußeres aufgeregt, sich bei seinem Vater beschwert, wie ein hochrangiger Todesser und mächtiger Zauberer sich nur so gehen lassen konnte, doch inzwischen wusste er, dass es wichtigeres gab, Snape hatte das wohl nur schon viel früher verstanden.
Doch als Snape seine Hand hob und sich eine Seite der Fransen zurück strich, stockte Dracos Atem. Was war denn nur los? Er hatte bereits alles in Snapes Augen gesehen, Hass, Zorn, Aggression, sogar Hingabe und Leidenschaft, aber noch nie Besorgnis und Angst.
"Was... was willst du, Severus?", fragte er leise und schämte sich seiner dünnen Stimme. Sein Herz schlug hektisch gegen seinen Brustkorb, als versuchte es auszubrechen und er spürte wie sich sein Magen zusammen zog. Verdammt, Severus sollte einfach seinen Mund aufmachen und sagen was Sache war! Dieser Blick machte ihn noch wahnsinnig, er passte nicht zu Severus, er passte ganz und gar nicht!
"Zieh dich erst mal richtig an.", wies Snape ihn mit seiner kalten Stimme zurecht. Anscheinend versuchte er mit seinem kühlen Gehabe seine eigene Sorge zu überspielen, wie er es immer tat, wenn er irgendeine Emotion empfand, die nicht ganz in sein Schema passte. Draco hatte sich diese Verhaltensweise zu seinem Vorbild genommen, doch wenn jemand anders als er selbst sie an den Tag legte, nervte sie ihn gehörig.
Mit einem Verdrehen seiner Augen ging er zu dem einzigen Schrank im Raum, der aussah, als würde er schon auseinander fallen, wenn man ihn nur schief ansah, öffnete ihn und holte sich frische Kleidung heraus. Nun, ganz frisch war sie nicht, aber zumindest nicht dreckig. Schnell zog er sich an. Im Hintergrund hörte er ein leises Rascheln, das ihm sagte, dass Snape sich wohl gegen den Tisch gelehnt hatte. Ein Wunder, dass der Tisch das aushielt.
"So, sagst du mir jetzt, warum du hier bist?", versuchte Draco den zweiten Anlauf, als er fertig angezogen war. "Setz dich.", murmelte Snape und deutete vor sich auf das Bett. Ohne ein Widerwort lies Draco sich auf die alte Matratze sinken und blickte prüfend zu seinem Mentor und Beschützer auf.
"Voldemort hat den innersten Ring zusammen gerufen um ihm seine neusten Pläne zu verkünden. Er hat beschlossen, dass es für dich an der Zeit ist, deine Nützlichkeit unter Beweis zu stellen.", erklärte der schwarzhaarige mit ruhiger Stimme. Doch seine Augen zeigten ganz deutlich, dass er nicht so ruhig war, wie er sich gab.
Draco schnappte nach Luft. So schnell? Er hatte mit noch etwas mehr Zeit gerechnet, das letzte Mal hatte es doch auch mehrere Wochen gedauert, bis er seine nächste Chance erhalten hatte. Ihm war vorher auch bewusst gewesen, dass der Tag kommen würde, wo er wieder vor einem Unschuldigen stehen würde um ihn zu töten, doch jetzt erschien ihm der Gedanke unerträglich, dass dieser Tag so verdammt schnell kommen sollte.
Vielleicht hätte er es in den nächsten Wochen geschafft, sich abzuhärten, sein Innerstes zu verschließen um nicht mehr für die flehenden Laute zugänglich zu sein, die sein Opfer von sich geben würde und die verzweifelten Blicke ignorieren zu können, aber so war er ganz und gar unvorbereitet. Er war noch nicht bereit dazu, seinen ersten Mord zu begehen!
Seine Hand krallte sich in das Lacken. Er verfluchte sich selbst für seine Schwäche, die ihm nur Probleme bescherte. Wieso konnte er nicht so kalt wie sein Vater oder Snape oder alle anderen Todesser sein, die scheinbar locker mit all den Toten die auf ihr Konto gingen fertig wurden? Wenn er doch nur ein wenig mehr Zeit hätte...
"Es lässt sich nicht heraus zögern, nicht wahr?", fragte er leise. Verzweiflung schwang in seiner Stimme mit. "Nein.", die Antwort war so knapp und doch so niederschmetternd. Jetzt verstand er auch, warum Snape diese Angst in den Augen trug. Wenn er versagte, würde er sterben. Und wenn er starb, hatte Snape sein versprechen gebrochen. Und wenn Snape sein Versprechen brach, würde er mit ihm in den Tod gehen.
Draco zwang sich zu einem Nicken. Seine ganzen Gedanken konzentrierten sich auf seine kommende Aufgabe. Was würde es sein? Ein Mord an einem Muggel? Oder hatte Voldemort diesmal etwas schwierigeres für ihn geplant? Wenn er einen Muggel töten sollte, dann könnte er sich vorher vielleicht wieder in seinen alten Muggelhass hineinsteigern um sich den Mord einfacher zu machen...
Aber wie er Voldemort einschätzte, war es dieses Mal etwas viel schrecklicheres, etwas mit dem er seine sadistischen Neigungen voll ausleben konnte. Draco stockte der Atem. Hoffentlich würde er ihn nicht zwingen sich gegen seine eigene Familie zu richten, denn dann würde er ganz sicher scheitern.
Und wenn er den Ausdruck in Snapes Augen genau bedachte, dann musste es etwas sein, dass er nicht schaffen konnte. "Wer ist es? Wen soll ich töten?", hauchte er. Alles in ihm schrie und betete, dass Snapes nächste Worte nicht sein würden 'deine Mutter' oder 'deinen Vater'. Er schloss kurz die Augen.
"Potter."
KatziTatzi: Nun, ob ich ein Fan von Happy Endings bin, das kann ich dir nicht sagen, ich weiß es im Moment selbst nicht. Was ich aber sicher nicht mag sind reine Happy und Bad Endings. Es wird auf jeden fall eine Wendung kommen, eine ganz dramatische aus vielerlei Sicht und ich hoffe, dass mit diesem Chapter schon einiger maßen klar geworden ist, in welche Richtung die Wendung geht.
LindenRathan: Nun, ich weiß nicht wie lange diese Entspannung gehen wird, wahrscheinlich nicht länger als das nächste Chapter. Es freut mich, dass dir meine FF zusagt und hoffe, dass die auch dieses Chapter gefallen hat. Bis zum nächsten Mal
Jeanne02: Tja, all diese fragen kann ich dir leider nicht beantworten, denn teilweise kann ich sie dir selbst nicht beantworten und andererseits würde ich doch all die Spannung nehmen, wenn ich hier herausposaunen würde, wie alles endet. Doch du stellst gute Fragen, die ich mir selbst schon gestellt habe. Vor allem die letzte dürfte ein sehr heikles Thema werden.
Tomasu: Ich denke es hätte Voldemort auch nicht gefallen ein kaputtes Spielzeug zu haben. Natürlich, er wollte Harry brechen und ihn zerstören, aber er würde sehr schnell den Spaß an einem zerstörten verlieren. dass Harry jetzt wieder einen Willen hat, dürfte ihm also eigentlich ganz gut gefallen, weil er ihn dann noch mal zerstören kann.
ReitasKittyDoll: Ich bin geneigt, Harry auch wieder gute Zeiten durchleben zu lassen, schon weil ein Fall dann umso schmerzhafter sein wird. Ich bin nun mal ein kleiner Sadist grins Er wird leiden müssen und er wird noch Glück finden, so viel kann ich sagen ohne die Spannung herauszunehmen.
Yami-san: Leider geht es bei mir immer nicht so schnell, weil ich derzeit noch zwei andere Projekte laufen hab und immer noch Leistungssport betreibe, was die freie Zeit zum Schreiben ganz gewaltig einschränkt...Aber ich bemühe mich, versprochen.
zissy: Ich neige dazu sehr viel von der Innensicht der Charas zu schreiben weil ich es wichtig finde, dass man die Entscheidungen der Charas nachvollziehen kann und gerade so essentielle Veränderungen nicht von jetzt auf gleich passieren sondern Ergebnis eines längeren Denkprozesses sind. Ich freue mich, dass mir treu bleibst, auch wenn es manchmal etwas länger dauert.
Reinadoreen: Es ist nicht ganz so sicher wie du glaubst, dass Voldemort ihn nicht tötet, wie du in diesem Chapter gelesen haben müsstest Die Frage ist nur, ob seine Pläne auch aufgehen.
Mireille-ko: Hey, lass dich doch von meiner FF nicht so runterziehen es rührt mich aber, dass viele Menschen so ergriffen sind von dem was ich schreibe, manche haben gesagt, dass sie sogar geheult haben. Ich finde das echt unglaublich... Aber er wird nicht sterben, da kannst du dir sicher sein, dazu sehe ich ihn viel zu gerne leiden.
Mavi: danke für deinen Tipp, ich hoffe, es passt jetzt so, ich habe die Hoffnung, dass sich dann ein paar mehr dazu animiert fühlen, zu reviewn, weil manchmal ist es doch recht deprimierend, wenn man auf ein Chapter nur ein oder zwei Comments bekommt...danke für das Lob und ja, ich lasse sie gerne leiden, es macht unheimlich Spaß, vor allem bei Harry.
BexdeBex: Ja, ich weiß, dass viele wohl ganz schön zu knabbern haben an meiner Fic, aber das Leben ist auch nicht immer einfach und ich finde, dass ich noch recht nett bin zu den beiden Ich hoffe du bleibst mir treu.
