Kapitel

31. Juli 1991

Die Schreie des maskierten Manns hallten von den Wänden des düsteren Raums nieder.

»Crucio«, zischte eine weiche, kalte Stimme. Der Mann auf dem Boden begann lauter zu schreien, während die anderen Personen im Raum, von denen jeder beinahe gleich angezogen war, unwohl ihr Gewicht verlagerten, hoffend, dass sie nicht das nächste unglückliche Opfer der Wut ihres Lords sein würden.

Die Blut erstarrenden Schreie nahmen zu und der Ton wurde schrill mit dem zunehmenden Druck, der auf die Stimmbänder des Manns einwirkte. Er würde nicht viel länger durchhalten, aber der Dunkle Lord war in Rage und bekannt dafür, manchmal seine Kontrolle zu verlieren.

Der Dunkle Lord trug eine unnötig schwere Robbe und saß auf einem großen, verzierten Stuhl, der die ganze Halle dominierte. Seine aufgesetzte Kapuze erzeugte dort, wo sein Gesicht sein sollte, einen Schatten, der nur zwei rote Augen sichtbar ließ.

Wieder öffnete er seinen Mund zischend, »Cruc-«

Und wurde unterbrochen, als die schwere hölzerne Tür der Halle aufgestoßen wurde und ein schwarzhaariger Junge eintrat und aufgeregt mit ein paar Pergamenten in seiner Hand in der Luft wedelte.

Die zusammengekommenden Todesser stoßen auseinander und beugten ihren Kopf, als das Kind vorbeiging. Schließlich war dies der Sohn ihres Lords und es würde gewiss nichts bringen, unrespektvoll zu sein. Eines Tages könnte er ihr Anführer sein so weit sie es wussten.

Der Junge lief den freigewordenen Weg entlang und hielt nur kurz an, um auf den unglücklichen Todesser hinunterzuschauen, der auf dem Boden vor ihm lag. Nach einer Sekunde stieg er gleichgültig über ihn hinweg und stoppte vor dem Thron.

»Dad«, sagte der Junge atemlos mit einem leichten Lächeln. »Ich habe gerade meinen Hogwarts-Brief bekommen.«

»Wirklich?«, fragte der Dunkle Lord uninteressiert. Er drehte seinen Zauberstab in den Händen und schien es kaum mehr erwarten zu können, den nächsten Cruciatus auszuüben.

»Ja. Und Draco hat eine Eule geschickt. Er sagt, dass er seinen auch bekommen hat.«

Obwohl Voldemort selbst einmal Schüler an Hogwarts gewesen war, die Schule der Zauberei, die selbst in den höchsten Kreisen britischer Familien hoch angesehen war, schien ihn das überhaupt nicht zu scheren. »Ich bin hier ziemlich beschäftigt, Junge, falls du es nicht bemerkt hast«, sagte er und deutete zu seinem am Boden liegenden Anhänger. Harry drehte sich um und sah wieder auf den Mann hinunter.

»Du quälst den armen Barty wieder? Was hat er dieses Mal getan? Oder machst du es nur wegen dem Spaß? Du weißt doch, dass er nichts für seine eigene Inkompetenz kann, es ist einfach-«

Voldemort funkelte ihn an, seine roten Augen schienen Funken zu sprühen vor zurück gehaltener Wut. Obwohl Harry es nie zugeben würde, fand er die schlangenhaften Pupillen einschüchternd und entschied sich so, das Thema lieber fallen zu lassen.

»Egal«, machte er schnell weiter. »Ich möchte es wirklich nicht wissen.«

Voldemorts Kiefer spannte sich und er befahl seiner Gefolgschaft, sie zu verlassen. Sie gehorchten rasch und strömten in den angrenzenden Flur. Bartemius Crouch rappelte sich vom Boden auf und humpelte hinaus zur Tür den anderen hinterher, während hoch immer Schauder seinen Körper schüttelten.

»Also Dad«, begann Harry wieder, nachdem Crouch die Tür geschlossen hatte. »Ich hab meinen Hogwarts-Brief bekommen.« Eine unnötige Wiederholung, aber er war aufgeregt. Sein Vater hatte ihm von Hogwarts erzählt und das mit einer Zuneigung, die sehr ungewöhnlich für den Dunklen Lord war. Deswegen war er die ganze gestrige Nacht aufgeblieben, hatte seinem elften Geburtstag entgegengefiebert und die Schläge, bis die Uhr 12 schlug, gezählt. Er wurde nicht enttäuscht, eine Eule kam ein paar Sekunden nachdem die Uhr seines Großvaters im Foyer verstummte und brachte einen schweren Umschlag, der adressiert an Mr. Harry Riddle, der Bettraum gegenüberliegend des Hinterhofs, war.

Es war möglicherweise der stolzeste Moment seines Lebens.

»Das hast du mir bereits erzählt«, sagte Voldemort noch immer gelangweilt. Seine Kapuze war hinunter gefallen als Harry gerade Mal nicht geschaut hatte und gab den roten Augen nun ein umliegendes Gesicht. Sein Vater war ein sehr gutaussehender Mann (Harry glaubte sogar, dass sie sich ziemlich ähnlich sahen), aber da gab es eine seltsame Hagerkeit in seinen Gesichtszügen, als ob sein Vater immer erschöpft wär. Vielleicht war es das Resultat vom ganzen Ausübens Schwarzer Magie? All die Bücher, die er zu diesem Thema gelesen hatte, hatten dies als Nebeneffekt erwähnt, aber-

Seine rasenden Gedanken zum Schweigen bringend, fragte er: »Können wir bald zur Diagon Alley gehen? Der Brief braucht meine Antwort schon heute, weißt du, aber ich habe ihn bereits wieder auf den Weg geschickt also keine Sorge. Aber Draco hat schon seinen ganzen Kram. Kann ich eine Schlange bekommen? Ich will eine Schlange. Oder …« Harry grinste. »Kann ich Nagini nehmen?«

»Nein, du nimmst nicht meinen Vertrauten.«

»Aber das würde eine Aussage machen. Du weißt schon, dass ich Voldemorts Sohn bin.«

Voldemort seufzte und wunderte sich, ob das eine gute Aussage wäre. »Wir können morgen einkaufen gehen, okay? Gehst du jetzt weg?«

»Danke Dad. Natürlich, ich gehe.«

Harry drehte sich aufgeregt um und ging und Voldemort lehnte sich zurück gegen die Lehne seines Throns. Harry war alles, was er sich in seinem Erben erhofft hatte, auch wenn er dazu neigte, etwas zu sehr auf sich fokussiert und unreif zu sein. Er war mächtig, sogar immens mächtig und konnte die Kontrolle übernehmen, wenn er musste. Zudem konnte er schon einen Cruciatus zaubern, der mit dem von Bellatrix Lestranges mithalten konnte, obwohl das wahrscheinlich war, weil sie diejenige gewesen war, die ihn darin unterrichtet hatte und sich nicht im Mindesten zurückgehalten hatte.

Im Großen und Ganzen war Harry ein Slytherin bis zum Kern – er war gerissen, manipulativ und konnte recht soziopathisch sein.

Aber andererseits konnte er manchmal idiotisch mutig sein, besonders wenn Draco Malfoy es schaffte, ihn zu etwas Waghalsigem zu überreden. Voldemort hoffte inbrünstig, dass das alles war, was er von seiner dreckigen Schlammblut-Mutter bekommen hatte. Es war einfach sein Glück gewesen, dass er das einzige Mal, als er es geschafft hatte sich zu reproduzieren, es mit jemandem wie ihr gewesen war. Die Gene waren einfach nicht gut.

Voldemort schnalzte mit seiner Zunge. Nur Zeit würde Aufschluss geben.