Kapitel 5: Kathi's Geburtstag auf unbekanntem Planet Klasse M
Aufstehen, anziehen, Haare bürsten, Zähne putzen, versuchen, durch Make-Up Augenringe zu verstecken – der allmorgentliche Wahnsinn eben, bis auf eines: Kathi's Geburtstag!
Leonard und ich warteten in der Kantine (Scotty hatte sich bereiterklärt, den todesmutigen Job, Kathi zu wecken, auf sich zu nehmen – ist ja immerhin seine Schwester.. Er hat jahrelang trainieren können, ihren Werf-, Schlag- und Tretattacken auszuweichen).
Als sie kam riefen wir ihr lauthals die besten Glückwünsche entgegen. Ich umrannte sie beinah mit meiner Knuddelattacke – selbst Schuld.. Sie kennt mich. Sie weiß, dass ich sowas mache.. Sie hätte vorbereitet sein müssen.
Sie ließ das Ganze über sich ergehen und aß ein Sandwich. Ihr Bruder auch. Auf die gleiche Art und Weise. Oh mein Gott.. Verwandtschaft nicht abstreitbar.
Kathi hasste es, wenn ihr alle gratulierten.. Um so amüsanter war es, ihren Gesichtausdruck die ganze Zeit zu beobachten.
Nach dem Essen holten wir alle noch schnell unsere Sachen und gingen zum Transporterraum.
Da standen schon so ziemlich alle, nur der Captain nicht. Hika und Pavel grinsten dumm und versteckten etwas hinter ihrem Rücken.
„Alles Gute!", schrien sie dann auf einmal los, und Pavel pustete eine Ladung Luftschlangen über Kathi hinweg.
Ich knipperte ihr Ballons an die Tasche, und die Jungs holten auch noch welche raus.
„Hatten wir wohl die selbe Idee, Jungs", meinte ich lächelnd – paar Dumme ein Gedanke.
„Das ist nicht euer Ernst", sagte Kathi. Ist doch voll reif. Sternenflottenoffizier mit bunten Ballons an der Tasche.
Wir grinsten sie doof an. Außer Pille.. Der war genervt.
„Der Captain meinte, ich soll die ersten schon runterbeamen", meinte der Transporteroffizier.
Also stellten wir uns auf die Plattform.
Ich hatte Kuchen und Kerzen mit. Kuchen auf der Enterprise zu backen ist echt schwer.. Find mal Puderzucker.. Oder Schokolade..
Das Beamen begann.. Es kribbelte.. Kitzelte..
Plötzlich standen wir auch einem Schulhof und komische Menschen starrten uns an.
Hilfe.. Menschen.. Tu sie wegmachen..
Dann begann ein alter Mann mit weißen Haaren zu reden..
„Herzlich Willkommen hier am Ludwigsgymnasium!", rief er uns entgegen.
„Captain Kirk?", sagte er unsicher und schaute uns der Reihe nach an.
Als ob wir Captain sind.. Schauen sie uns doch mal an.. Die mit ihren Luftballons und ich mit meiner Angst vor Wasser und Menschenmassen..
„Hier", sagte Kirk, als er und Spock hinter Herrn Knewel materialisierten.
„Ah, gut Sie zu sehen, Captain, Ich freue mich! Ich bin Direktor Knewel. Ich…" mehr weiß ich nicht mehr.. Der Mann ist schlimmer als eine Schlaftablette.. Das Sandmännchen real life..
Anscheinend beschrieb er uns den Weg zu dem Raum, den wir in der ersten Stunde besuchen sollen.. Das habe ich nicht mitbekommen, weil ich Baugerüst, Klocontainer und Schulkuh (die haben eine Schulkuh! Eine Plastekuh in natürlicher Kuhgröße! Ob die Scotty hochbeamen und klauen kann? Die macht sich bestimmt voll gut im Maschinenraum oder auf der Brücke..) angeschaut und analysiert habe. Bis auf die Kuh gefällt es mir hier – absolut nicht. Langsam vermiss ich die Akademie..
Zum Glück hatte Kathi die Wegbeschreibung mitbekommen und zeigte mir, wohin wir mussten.
Plötzlich stand ein trainierter, mittelgroßer Mann vor uns. Graue Haare, Brille. Muss wohl Herr Engelwardt sein.
„Hallo liebe Gäste..", fing er an, dann viel sein Blick auf die Ballons an Kathis Tasche. Er grinste dumm und meinte zu ihr: „Hey, du hast Geburtstag? Die werden dich mit den Ballons voll fertig machen, Kleine. Wollen Sie sich selber vorstellen?", fragte er dann. Der Mann hat Humor.
Wir redeten ein bisschen mit dem Lehrer (er hat coole Sprüche drauf. Können wir den mitnehmen? So als Pausenclown?), die Schüler starrten uns an.
Ich stellte den Kuchen auf den Lehrertisch, als es zur Stunde klingelte. Ich wollte das Ding ja nicht die ganze Stunde in der Hand halten..
„Morgen, Leute. Ihr seid heute glücklich, weil ihr kein Physik machen müsst. Hier sind ein paar Sternenflottenoffiziere, die ihr was fragen könnt. Na dann, viel Spaß, die Herren…und Damen…stellen sich jetzt vor."
Bei Damen grinste er blöd.. Was hat der gegen Frauen auf Raumschiffen? Ist ja nicht so, dass wir beim Einparken der Enterprise einen Stern umfahren oder so..
Kirk stellte uns alle vor und erklärte gleich, wer wofür zuständig ist. Als ob wir das nicht selbst könnten.
Dann fragten die Schüler.
Was man in der Sternenflotte so macht. Was es da für Berufe gibt. Ob die nur forschen. Wie lange man studieren muss. Was wir schon erlebt haben. Ob das Leben auf Raumschiffen schwer ist. Wie man den Überblick über 300 Besatzungsmitglieder behält.. Ich stand irgendwann da und bemalte eine kleine Ecke der Tafel.. Kreide, Tafeln.. Wie nostalgisch – echt süß.
„Sind hier die Scotts und McCoys, die sie vorgestellt haben, Geschwister?", fragte ein kleiner Terrorist.
„Ja, der Oberarzt mit der schlechten Laune und die nette Dame im roten Outfit, die nicht Uhura heißt, sind Geschwister, und der Obertüftler in rot ist mein Bruder", sagte Kathi, während sie ihre Fingernägel betrachtete.
Nett? Na gut.. Lüg denen was vor..
„Und der durchgeknallte Ingenieur dort und die Komische hier in blau, die ihre Fingernägel inspiziert und Ballons mit sich rumschleppt, sind auch verwandt.." bemerkte ich trocken und mich für das „nett" zu bedanken.
Kirk lachte über unsere gegenseitigen Beschreibungen, während Pille genervt die Experimentieranordnungen in der Fensterreihe betrachtete. Wehe der fasst das an.. Der macht bestimmt alles kaputt – obwohl er ist nicht Kirk..
Die Stunde verging..
Danach tapsten wir den Schülern treudoof hinterher zur nächsten Stunde.. Meinem Pad zufolge Geschichte – bah.. Geschichte..
Kathi und ich setzten uns in die erste Reihe.
Weil uns Geschichte wirklich nicht einmal minimal interessierte – keinen von uns – beschäftigten wir uns anderweitig, was die Lehrerin anscheinend ein wenig kränkte..
Kirk schlief – laut genug, dass alle es mitbekamen. (Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, ihn mit Stiften zu bemalen..)
Pille scannte die Frau mit seinem Tricorder – dieser zeigte „Unbekannte Lebensform. Möglich gefährlich/tödlich" an. (Das Teil hat auch Humor!)
Scotty schraubte an einem Tisch herum und drehte die Schrauben raus.. - Aufdass sich der nächste draufsetze und sich das Genick breche..
Uhura hat sich die Sprachlehrbücher der Schüler geliehen und las fleißig – Russisch, Französisch und Englisch.. (vielleicht lassen sich die Klingonen ja auf Französisch milde stimmen oder sich via russicher Sprache zu einem Drink statt einem Krieg überreden..)
Pavel unterhielt sich mit dem einzigen Russischschüler der Klasse – die lästern bestimmt voll über uns..
Hikaru löste Rätsel – Sudoku, what else?
Wir, Kathi und ich, saßen da und spielten Tetris – sehr produktiv.
Oh.. Und Spock.. Der saß da – komischerweise auch desinteressiert – und rechnete auf seinem Tricorder irgendwas aus..
Nach der Stunde blieb Kathi im Raum und nahm an Ethik teil. Ich durfte mir Sozialkunde zu Gemüte führen.
Da in dem Raum nur ein Platz frei war, saß ich neben einem Mädchen, das durchgeknallt war. Sie redete nur über „Preußen" und „Cosplay" und ich nickte nur..
Ach.. Ich vermisse die Akademie. Da hatten wir wenigstens noch Spaß. Wir wohnten nämlich am Rand des Unigeländes, in einem kleinen Extrahaus, weil wir nicht mit in die Bettenhäuser geplant worden sind. Das heißt, Kathi, Susan, Jasmin und Melanie und ich wohnten in einem eigenen Haus. Das war genial.
Das Thema im Unterricht war Terrorismus.. Ich durfte zwischenzeitlich Fragen beantworten..
„Bist du schon einmal einem Klingonen begegnet?" - Ja.
„Roch er nach Schwefel?" - Nein.
„Hat er dich gefressen?" - Klar.. Dann würde ich ja auch voll hier stehen..
„Hast du Angst vor dem Weltall?" - Ooooh das war mein Stichwort. Ich listete alles auf, was Gefahr im Weltall darstellte. Mein Bruder, der mir hier Gesellschaft leistete und sich meines Platzes vereinnahmte, klopfte mir nach meiner kleinen Rede stolz auf die Schulter:
„Wenigstens eine hat's kapiert!"
Er mag mich doch.. ha! Ich freute mich – komischerweise.
Nach den Stunden trafen wir uns alle in der Kantine.
Als alle da waren zündete ich die Kerzen des Kuchens an und Kathi pustete diese aus.
Wir aßen und erzählten.
Danach kam Sprachunterricht.
Chekov ging als einziger zu Russisch und blieb zwei Stunden lang dort. Der Kleine hat wohl Heimweh – süß.
Wir waren bei Englisch und Französisch. Zum Glück hatten wir Uhura dabei. Die hat durch das Lesen in Geschichte die Sprache sehr schnell gelernt.
Chemie war für Kathi echt gut. Sie hat mit Herrn Zandel, einem recht sarkastischen Menschen, über Organik diskutiert und Pille stand nur fassungslos daneben, weil Kathi doch intelligenter war, als er dachte.
Da meine Chemiekenntnis nur bis hin zur Anorganik und zu Sprengstoffen der Organik reicht, habe ich mich rausgehalten und kurz mit den elektrischen Tafel gespielt.. (Damit kann man malen!)
In Bio hat Sulu sein Können bewiesen. Woher kann der Bio?
Vielleicht plädiert er auch darauf, die Enterprise nicht mit Atomkraft, sondern mit Rapsöl anzutreiben, oder so..
Während der folgenden Lehrergespräche hielten Kathi und ich uns raus. Die redeten eh lieber mit Kirk oder Spock – wieso also mit jungen Lieutenants reden?
Auf dem Planeten ging gerade sie Sonne unter.. 5 Monde, wenn ich richtig gezählt habe – echt schön.
Ich will ins Bett..
Um Mitternacht waren wir endlich wieder auf der Enterprise. Und ich hatte nur noch Tunnelblick Richtung Bett. Fast sehnsüchtig ließ ich mich vornüber ins Bett fallen und schlief quasi sofort ein.
