Mein Wecker piepste. Ich hatte zwar Spätschicht, also ab um 2, aber dennoch wollte ich früh raus. Aufräumen! Ahuuu.. Das hasste ich schon auf der Erde.. Ich hab immer alles unter's Bett geschubst und Mama hat das irgendwann herausgefunden und Papa beautragt, ein Brett davorzunageln. Tja.. Das habe ich immer abgenommen und dennoch alles drunter geschubst, dann das Brett wieder davor gemacht.. Pille lachte, Mama war sauer und Papa war stolz, dass ich nicht dumm bin. Normales Familienleben.

Ich räumte dreckige Wäsche ein (ich muss mal wieder waschen...), entstaubte Fotos... räumte Bücher ein.. Entfernte Wollmäuse..

Wollmäuse? Halt. Wo ist Alex!? Och nö.. Nicht schon wieder... Ich sollte ihm einen Chip implantieren lassen.. Blödes Vieh.. Schon das fünfte mal in den letzten drei Tagen.. Egal.. Vielleicht findet er sich schon wieder.. Oder löst einen intergalaktischen Krieg aus.. Eins von beiden wird's sein.

Ich ging an der Krankenstation vorbei – okay, nicht vorbei. Ich wollte zu Leonard.

Als ich fast an der Tür war, hörte ich meinen Bruder schreien:

„Verdammt, ich bin Arzt und kein Drogendealer!"

Woraufhin ein Rothemd an mir vorbeirannte und ein Klemmbrett hinterherflog.

Ich nahm das Brett und ging rein.

„Ich sagte dir schon einmal, ich verkaufe keine Medikamente an kleine verlogene... Oh Ela, du bist es.. Hab dich mit so einem dummen Rothemd verwechselt, der immer will, dass ich ihm Medikamente in unnormal großen Mengen aushändige.." meinte Leonard.

Na danke.. Dumm!?

„Dumm? Hallo? Ich trage auch Rot."

„Was dir auch ungemein gut steht.." versuchte er sich zu retten.

„Rutsch nicht aus, Schleimer..."

„Was willst du?"

„Zwei Dinge. Nummer eins. Schreib mal Mama. Sie vermisst dich."

„Ich mag schreiben nicht..." entgegnete er mir trotzig.

„Mir egal!? Schreib ihr.." forderte ich ihn auf.

„Nein."

„Doch."

„Nein"

„DOCH!"

„Neijen!"

„Doch-en!"

… Es ging eine viertel Stunde so weiter. Wie früher.

„JA! GUT! Ich schreib ja.. Nervensäge." sagte er endlich.

Ha. Gewonnen!

„Was wolltest du noch?"

Hä? Wollte ich denn noch was? Achso ja!

„Hast du meinen Tribble gesehen?" wollte ich wissen.

„Guck mal in die Kühltruhe dort." sagte er trocken.

Ich war total entsetzt. Alex? Als Versuchstribble?

Ich haue mehrmals auf Pille ein..

„Wie kannst du meinen A..."

„Ruhig. War ein Scherz." sagte er lachend.

„Du bist ein Arsch.."

„Mit Leib und Seele."

„Zweiteres bezweifle ich.."

„Ey.." sagte er beleidigt – und ich ging.

Blöder Bruder..

Ich ging frühstücken..

Kaffee – oder so etwas ähnliches.

Brot – oder so etwas ähnliches.

Nutella – oder so etwas.. euh ne.. Ekelig.. Bah.. Weg damit..

Ich legte auch das Brot zurück und schnappte mir eine Schüssel mit Müsli.

Vulcanische Obstmischung. (Was mir eigentlich Bedenken bereiten sollte, da Vulcan zerstört wurde..)

Dann kam Kathi.

Wie immer mit Jim. Seit wann ist Jim so fett? Halt..

„Ich hab was für dich" sagte sie.

Sie setzte ein weiteres Knäul auf den Tisch. Alex!?

„Alex...wo hast du das Mistvieh gefunden? Bist übrigens gut drauf, dafür, dass es morgens ist"

Was wahr ist.. Sie ist sehr launisch – früh, immer. Dings. Morgenmuffelchen.

„Alex kroch auf mich zu, als ich in den Lift gegangen bin" erläuterte sie mir.

Diesmal also im Lift.. Auf dem Weg zur Brücke, oder wie? Ich musterte das fellige Etwas, das sich grad über mein Müsli hermachte. Iss ruhig. Ist ja nicht so, dass ich mehr als Kaffee zum Leben bräuchte..

„Morgen ist der Tag des großen Testes", erinnerte ich Kathi.

Ein Allgemeinwissenstest für alle an Bord befindlichen Personen..

„Wann triffst du dich mal mit Marcel?", fragte sie – um vom Thema abzulenken – wahrscheinlich.

„Morgen Abend" antwortete ich ihr..

Apropos Marcel.. Wo ist er? Hat er noch keine Schicht? Leicht enttäuscht sah ich mich um und wandte mich dann wieder meinem Kaffee zu..

„Du musst dann also ohne mich auskommen. Lauf nicht gegen Wände" ermahnte ich Kathi.

Mein herzallerliebstes Brüderchen hat mir nämlich verraten, dass sie mal gegen die Glastür ihrer Station gelaufen ist..

Aber ich bin nicht besser.. Ich renne gegen Türen, Wände, Scheiben, Tische, Stühle, Regale, Menschen, Klingonen, Vulkanier, Androiden, …

„Ich werd mich anstrengen. Vielleicht rekrutiere ich MG ab, um auf mich aufzupassen. Sollen wir dann Alex Babysitten?", bot sie mir an.

Wäre ganz gut.. So ist die Wahrscheinlichkeit, ihn den nächsten Tag suchen zu müssen, geringer als sonst.

„Oh, das wäre toll! Würdest du das machen?" sagte ich ihr – begeistert von ihrem Angebot – Tribblesitting!

„Alex ist doch ein netter Tribble, das mach ich schon", bestätigte sie und kraulte Alex.

„Alex und nett? Der rennt immer weg. Marcel hat ihn auch schon mal aufgesammelt", erzählte ich – leicht genervt.

„Kommt Pavel eigentlich aus Moskau?", fragte Kathi urplötzlich und völlig aus dem Kontext.

„Nein, aus Sibirien, irgendsoein Kaff da." antwortete ich ihr mit komischem Blick.

Kraschni..Kraschnofly..Kraschnfovehrgfcnbeiuwzk – keine Ahnung.

„Warum willst du das wissen?" erkundigte ich mich.

Sie stocherte nur in ihrem Essen rum und Alex schaut anscheinend schon gebannt darauf und hoffte, etwas zu ergattern.. Verfressen ist kein Ausdruck – Junge, bald kann ich dich rumrollen..

Eine Antwort bekam ich nicht.