02 Nie wieder Schokokuchen

Die nächste Zaubertrankstunde stand bevor und Harry saß vor seinem Aufsatz. Er hatte keinen Ahnung was er schreiben sollte und auch wenig Motivation. Was sollte er denn auch schreiben? Egal wie viel Zeit er hinein buttern würde. Snape würde ihn ohnehin ein "M" geben. So beschloss Harry trotzig den Aufsatz bleiben zu lassen. Er schrieb nur "Da es egal ist, was ich schreibe, weil sie ohnehin damit nicht zufrieden sein würden, schreibe ich diesmal gar nichts!"

Harry wusste, dass Snape darüber nicht erfreut sein würde, aber es war ihm zu diesem Zeitpunkt egal. Er schnappte sich seinen Besen und lief aufs Quidditschfeld, um ein wenig zu fliegen.

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Als Snape die Aufsätze zurückgab, bedachte er Harry mit einem strengen Blick. "Sie werden nach dem Abendessen in mein Büro kommen, Mr. Potter!"

ooo

Diesmal wagte es Harry nicht, Snape stehen zu lassen. Daher klopfte er nach dem Essen an Snapes Tür. "Herein!" kam der Befehl und Harry leistete ihm Folge.

Als Harry sich auf den Sessel vor Snapes Schreibtisch gesetzt hatte. Beugte sich Snape zu Harry hinunter, bis ihre Nasen nur wenige Zentimeter von einander entfernt waren.

"Was haben sie sich dabei gedacht, mir so etwas als Hausaufgabe unterzujubeln?"

"Was hätte ich denn schreiben sollen?" verteidigte sich Harry.

"Wie wäre es mit dem Thema "Alraunen und ihr Einsatz in Zaubertränke?"

"Wozu? Es wäre ohnehin ein "M" geworden?"

Snape funkelte gefährlich mit den Augen.

"Ich habe ihnen schon einmal gesagt, dass es nicht reicht die Inhaltsstoffe eines Zaubertranks einfach nur aufzuzählen und ihre Wirkung im Allgemeinen zu beschreiben. Es kommt auf die Wirkungsweise in Kombination mit anderen Komponenten an! - Hier, dieses Buch beschäftigt sich nur mit Kombinationen!" damit schob Snape ein Buch mit dunkelgrünen Einband zu Harry.

"Soll ich den Aufsatz etwa jetzt schreiben?"

"Oh Nein. Ihre Strafe für ihre Frechheit besteht darin, ihre Nase in diese Ecke hier zu stecken und keinen Mucks von sich zu geben! Ich denke, eine Stunde sollte genügen?"

"Eine Stunde?" fragte Harry ungläubig.

"Nein? Vielleicht dann ein ein halb Stunden!" erwiderte Snape und wies in Richtung Ecke, in der sich Harry begeben sollte. Doch Harry bewegte sich nicht.

"Ein ein halb? Das ist nicht fair. Ich..."

"Zwei Stunden!"

"Ich kann doch nicht..."

"Drei Stunden! Und ich rate ihnen ihren Hintern in Bewegung zu setzen, wenn es nicht vier Stunden werden sollen!"

Leicht geschockt ging Harry auf die Ecke zu. Das konnte Snape doch nicht machen. Harry konnte unmöglich drei Stunden hier stehen und nur die kahle Wand anstarren. Harrys Blick wanderte verstohlen zur Tür. Er überlegte ernsthaft einfach abzuhauen.

„Mr. Potter, denken Sie gar nicht erst daran, sie würden die Folgen nicht wollen!"

Harry grummelte leise. Nach etwa fünf Minuten der absoluten Stille konnte Harry hören, wie Professor Snape sich einen Stapel Pergament heran zog und kurz darauf zu schreiben begann. Höchstwahrscheinlich korrigierte er irgendwelche Aufsätze.

Harry überlegte was wohl die Folgen wären, wenn er tatsächlich abhauen würde. Wahrscheinlich würde Snape ihn wieder den Hintern versohlen. Aber das wäre schneller vorbei, als drei Stunden diese Ecke hier anzustarren. Oder würde Snape ihn danach erst recht wieder in die Ecke stellen? Langsam verfluchte sich Harry für seine Sturheit. Sogar Kesselschrubben wäre interessanter, als hier zu stehen. Harry seufzte.

Ein plötzlicher Knall verriet, dass Snape die Feder auf die Tischplatte fallen hat lassen. „Mr. Potter. Hören Sie auf zu stöhnen und seufzen! Wenn ich sage, ich möchte keinen Mucks hören, dann meine ich das auch! Ich habe wirklich kein Problem damit, ihre Strafe auf vier Stunden auszudehnen!"

Harry blickte verärgert zu seinem Professor.

„Und ihre Augen bleiben ebenfalls auf die Ecke fixiert. Kein Herumblicken!"

„Das ist aber langweilig!" beklagte sich Harry.

Doch ein tödlicher Blick seitens Snape ließ ihn wieder verstummen. Schmollend wandte er sich wieder der Wand zu, bemühte sich aber keinen Seufzer hören zu lassen.

ooo

Eine halbe Stunde verging relativ schnell. Nach einer Stunde jedoch begannen Harrys Beine weh zu tun. Wäre er gleich in die Ecke gegangen, als Snape es Harry befohlen hatte, könnte Harry jetzt schon verschwinden. Aber Snape ließ ja nicht mit sich reden und jeder Versuch dem Professor klar zu machen, dass die Zeit zu lange wäre, um sie in der Ecke zu verbringen, hatte nur eine Erhöhung der Zeit zur Folge. Es wäre wohl klüger, das nächste Mal nicht zu protestieren. Beinahe hätte Harry wieder geseufzt.

Sirius hätte das nie von Harry verlangt. Und was sollte das heißen, er habe keine Vaterrolle übernommen? Was hätte Sirius denn tun können? Er durfte ja von Grimmaultplatz nicht weg. Und wieso war Snape auf einmal so versessen darauf Harry auf diese Art zu bestrafen? Wie einen kleinen schlimmen Jungen? Es war irgendwie verwirrend.

So in Gedanken versunken, verstrich auch die zweite Stunde. Doch es war spät und die Beine schmerzten schon sehr. Harry wusste nicht mehr, wie er seine Beine entlasten konnte. Das hin- und herverlagern seines Körpergewichts auf eines der Beine, brachte keine Erleichterung mehr für das andere. Außerdem fühlte er sich langsam etwas schwindlig. Ein Gähnen entkam seiner Kehle und kurz darauf verlor er das Gleichgewicht.

Severus sah auf, als Harry sich vom Boden aufrappelte. Schließlich sagte er, „Ich denke für heute ist es genug, sie können die restliche dreiviertel Stunde morgen nach dem Mittagessen abstehen!"

„Aber morgen ist Samstag!" sagte Harry, bevor er sich stoppen würde.

„Ist dem so? Wie wäre es dann mit eineinhalb Stunden in der Ecke?"

Der Protest lag Harry auf der Zunge, aber diesmal schaffte er es, ihn hinunter zu schlucken.

„Außerdem erwarte ich ihren Aufsatz über Alraunen morgen noch vor dem Mittagessen! Und ich rate ihnen, sich Mühe zu geben! Sie können gehen!"

Harry hatte wieder einen sturen Gesichtsausdruck und man konnte sehen, wie er mit sich selber rang, um nicht doch noch etwas zu sagen. Professor Snape bedachte ihn mit einem strengen Blick und schließlich flüchtete Harry eilig aus dem Büro.

Ooo

Völlig fertig ließ sich Harry im Gemeinschaftsraum neben den Feuer nieder. Seine Beine taten weh, als wenn er einen ganzen Tag in einem Museum verbracht hätte. Seufzend nahm er die Zaubertrankbücher heraus. Auch jenes Buch, das Snape ihm vorhin gegeben hatte. Er schlug das neue Buch auf und blickte ratlos hinein. Es stand nur halb soviel über die einzelnen Zutaten zu Zaubertränke drinnen, wie in seinen anderen Büchern. Wieso wollte Snape dann, dass Harry dieses Buch verwendete. Manchmal wurden Bestandteile eines Zaubertranks nur erwähnt, ohne genauere Beschreibung. Das ergab für Harry alles überhaupt keinen Sinn. Daher nahm er wieder sein Schulbuch zur Hand.

Nach zwei Stunden war er so fertig, dass er den Rest des Aufsatzes auf den nächsten Tag verschob und sich müde ins Bett begab. Er dachte wieder einmal über Snape nach. Irgendwas war anders an ihrem Verhältnis geworden. Auf einmal nahm der Professor alles so persönlich, als wenn er Harrys Vater wäre. Harry lachte schnaubend auf. Das wäre das letzte was Harry in Snape sehen würde.

oooooo

Pünktlich vor dem Mittagessen lieferte Harry seinen Aufsatz ab, wohl wissend, dass er damit nicht Snapes Erwartungen erfüllt hatte. Aber Harry hatte sich wirklich bemüht und fand, dass er sich das Mittagessen redlich verdient hatte.

Es schmeckte wie immer vorzüglich und Harry ließ sich Zeit es zu genießen. Immerhin hatte er noch ein eineinhalbstündiges Rendevue mit Snapes Büroecke und dafür musste er sich stärken. Als sich Harry der Nachspeise zuwandte, einem leckeren Schokokuchen, tauchte Snapes Stimme hinter ihm auf.

„Mr. Potter, bitte folgen sie mir ins Büro!"

„Aber ich bin noch nicht fertig!" beschwerte sich Harry.

Professor Snapes Augenbrauen schoben sich zusammen und er sagte mit schneidender Stimme „Sofort!"

„Ich habe meinen Kuchen noch nicht gegessen!" sagte Harry trotzig und der sture Blick war wieder in seinem Gesicht zu lesen. „Sie haben gesagt nach dem Essen. Ich bin noch nicht fertig!"

„Ich warne Sie Potter, treiben sie es nicht zu weit. Oder sie verbringen den Rest des Tages in meiner Gesellschaft!"

Harry wusste, dass es klüger wäre Snapes Order folge zu leisten, aber es war sein Kuchen. Hermine wollte schon Harrys Dessertteller weg ziehen, doch Harry schnappte ihn und hielt ihn fest. „Nein!" sagte er stur.

„Fassen sie die Gabel an und ihre Strafe wird erhöht!" sagte Snape entschieden.

Trotzig überlegte Harry hin und her. Was machte es, wenn es sich wieder auf drei Stunden Eckestehen erhöhte? Es war Harrys Recht diesen Kuchen zu essen und allein einen Bissen davon zu machen, wäre irgendwie ein kleiner Trost, nein ein Sieg, um den es sich doch zu kämpfen lohnte. Kurz entschlossen griff er zu Gabel. Doch noch bevor diese den Kuchen berührte, hallte ein „Evanesco!" durch die Halle und Harrys Kuchen verschwand mit einem leisen „Pop".

Zornig schnellte Harry hoch. Sein Blick wanderte über unzählige erschrockene und panische Gesichter von Schülern und über verwirrte und enttäuschte Gesichter von Lehrern, bis er schließlich auf Snapes gefährlich funkelnden Augen zustehen kam. Snape hatte immer noch seinen Zauberstab in der Hand und zeigte mit der anderen Hand Richtung Ausgang. Die Botschaft konnte nicht klarer sein. Und jetzt, wo Harrys Basis des Widerstands verschwunden war, gab es nichts mehr wofür es sich zu kämpfen lohnte.

Schnaubend setzte er sich in Bewegung, dicht gefolgt von seinem Professor. „Das war nicht fair!" protestierte er.

Kaum dass die Tür zur großen Halle ins Schloss gesprungen war, spürte Harry einen Schmerz an seinem linken Ohr. „Au!"

„Was denken Sie, was sie damit erreichen, so eine Show vor allen anderen abzuziehen?" fragte er Professor in gefährlich ruhigen Ton und verdrehte dabei Harrys Ohr in seinen Fingern bis dieser zu wimmern anfing, „Auauau!"

„Offensichtlich war meine Botschaft noch nicht deutlich genug!" sagte Snape trocken und setzen sich dann in Bewegung zu seinem Büro. Harrys Ohr immer noch fest zwischen seinen Fingern. Harry musste halb laufen um Schritt halten zu können, andernfalls würde Snape ihm sein Ohr abreißen.

„Es war mein Kuchen. Und er gehörte zum Mittagessen!... auuuu"

Snape war abrupt stehen geblieben.

„Sie hatten lange genug Zeit für ihr essen. Keiner an ihrem Tisch aß noch. Und wenn sie denken, mich öffentlich zur Schau stellen zu können, dann werde ich sie eines besseren belehren!"

Mit diesen Worten ging Snape wieder los. Harrys Ohr kam erst frei, als sie das Büro erreichten. Professor Snape zog seinen Zauberstab und verriegelte die Tür. Harry schluckte, als ihm nun die volle Auswirkung seines Widerstands bewusst wurde. Es war nicht bloß eine Erhöhung der Zeit, die er in der Ecke verbringen sollte.

Ohne es zu bemerken, wich er ein paar Schritte von Snape weg. Doch da schnellte Snapes Hand schon vor und um schloss Harrys Handgelenk wie eine Eisenklammer. Danach ließ er den Sessel, der hinter dem Schreibtisch stand vor den Schreibtisch schweben. Oh oh, das war gar nicht gut.

„Nein!" flüsterte Harry mit aufkeimender Panik.

Doch Snape ignorierte es und ging mit dem Jungen im Schlepptau auf den Sessel zu.

„Ich bin sicher, du kannst dich noch erinnern, was ich das letzte Mal gesagt hatte, was passieren würde, sollte sich die Situation wiederholen?" fragte Snape, als wenn er übers Wetter reden wollte.

Panisch sah Harry zu Snape auf. „Professor, bitte nicht!"

„Zu spät! Ich habe dich mehrmals gewarnt!"

„Aber... bitte...!" stammelte Harry. Doch Snape hatte keine Geduld mehr. Er schnippte erneut mit dem Zauberstab und Harrys Hose rutschte hinunter zu Harrys Knöcheln.

„Oh, bitte!" flehte Harry kaum hörbar, als Snape kurz darauf Harry bäuchlings über seinen Schoß platzierte. Während die eine Hand Harrys Körper fixierte, umfasste die andere Hand Harrys Hosenbund der Unterhose und zog auch diese hinunter.

Als Harry das spürte, schloss er seine Augen ganz fest zu, in der Hoffnung, dass alles nur ein Traum war. Doch dann segelte der erste Schlag auf seinen bloßen Hintern und Harry wurde sich einmal mehr bewusst, dass dies wirklich geschah. Auf der nackten Haut tat es so viel mehr weh und es brauchte nur drei Schläge bis sein Hintern schmerzhaft brannte. Hinzu kam auch noch das schreckliche, klatschende Geräusch, das einfach nur demütigend war.

Beim vierten Schlag konnte sich Harry nicht mehr länger halten und fing an leise zu schluchzen. Er wusste Snape war noch lange nicht fertig und der Schmerz war schon so groß. Snape sagte irgendetwas zwischen den Schlägen, doch Harry hörte nur das schreckliche Klatschen. Noch immer presste er die Augen zusammen in der Hoffnung aus diesem Alptraum aufzuwachen.

Snape holte weit aus, um möglichst schmerzhafte Schläge zu erzielen. Er ignorierte die rote Haut auf Harrys Hintern, er war so wütend auf den Jungen. Als er seine Oberschenkel neu justierte, erklang ein leises verzweifeltes „nein" aber Harry versuchte nicht frei zu kommen. „Ekelhafter Gryffindor Stolz!" murmelte Snape zu sich und platzierte einen besonders gemeinen Schlag, der den Jungen schließlich vollends in Tränen ausbrechen ließ.

Harrys Hintern stand in Flammen. Es spürte sich beinahe so an, als hätte er gar keine Haut mehr. Immer und immer wieder segelte Snape Hand ungnädig nieder. Harrys Damm war gebrochen. Seine Tränen flossen unkontrolliert und er heulte sich die Seele aus dem Leib. Nie wieder, so versprach er sich, würde er einen Schokokuchen anfassen.

Als Harry merkte, dass die Schläge gestoppt hatten, wagte er gar nicht sich zu bewegen. Zu gerne hätte er seinen Hintern in Schnee gesteckt, um das Brennen zu stoppen. Schließlich zog Snape Harry hoch. Noch bevor der Junge stand, waren Hose und Unterhose wieder an ihrem Platz. Harrys Blick war verschwommen vor lauter Tränen und das Schluchzen ließ einfach nicht nach.

Snape stellte Harry in der Ecke ab und Harry ließ mit sich geschehen. Fürs erste war sein Wille gebrochen. Beinahe eine halbe Stunde dauerte es, bis er das Schluchzen wieder unter Kontrolle hatte und die Tränen nicht erneut nachströmten. Eine weitere Stunde, bis der Hintern aufgehört hatte so unangenehm zu pulsieren. Er war immer noch warm, aber nicht mehr so brennend heiß. Irgendwie war Harrys froh, stehen zu dürfen.