So, es geht weiter. Hat lange genug gedauert. Freut mich dass es doch einigen gefällt.

05 Eine dumme Regel

Es war wieder Freitag und es war wieder Zaubertrankstunde. Harry saß erwartungsvoll auf seinem Platz. Diesmal hatte er Snapes Buch für seinen Aufsatz verwendet und er war schon gespannt, in wie weit er damit seine Note verbessert hatte.

Als Professor Snape in die Klasse gerauscht kam, war dessen Blick versteinert wie eh und je. Er ließ die Aufsätze auf den Lehrertisch knallen und sah dann mit grimmigem Blick zu den Schülern.

Harry wünschte er könnte mehr in den tief schwarzen Augen lesen.

„Ich frage mich langsam, was ihr in meinem Unterricht eigentlich macht. Das hier ist das schlechteste Ergebnis, seit Schulanfang. Wenn ihr glaubt, es reicht, wenn ihr eure Aufsätze schnell nach dem Frühstück schreibt, dann habt ihr euch geirrt. Jeder der heute etwas Niedrigeres, als ein „A" auf seinen Aufsatz bekommen hat, wird sich heute nach dem Abendessen hier einfinden und zwar ausnahmslos!"

Ein unwilliges Raunen ging durch die Menge. Doch Professor Snape ignorierte es. Er nahm die Aufsätze wieder in die Hand und teilte sie den Schülern aus. Harry biss sich auf die Unterlippe. Er war sich sicher er hatte ein „A" geschafft. Er hatte Snapes Buch verwendet. Er musste ein „A" geschafft haben. Heute Abend war Quidditschtraining er konnte nicht schon wieder fehlen.

Endlich stand Snape vor Harry. Doch die Miene des Professors verriet nichts. Rein gar nichts. Es dauerte eine Ewigkeit, bis der Aufsatz auf Harrys Schreibtisch landete. Doch wider Erwarten, war es dasselbe eingeringelte „M" wie immer.

Harry starrte es ungläubig an. Das konnte einfach nicht wahr sein. Da musste ein Irrtum vorliegen. In einem Bruchteil einer Sekunde wechselten Harrys Gefühle von Erwartung zu Enttäuschung und schließlich zu Verrat. Ja, Harry fühlte sich betrogen. Hatte Snape nicht gesagt, Harrys Noten würden besser werden, wenn er das Buch verwenden würde? Hatte Snape nicht gesagt, es würde seine Erwartungen erfüllen, wenn Harry das Buch verwenden würde?

Was jetzt? Hatte er seine Meinung geändert? Wut schoss durch Harrys Adern wie ein Gift. Brodelnd vor Zorn stand er auf, aber er wusste nicht, was er sagen sollte.

Professor Snape überraschte es keineswegs, dass Harry zum Protest aufgestanden war. Doch nachdem Harry nichts sagte, rief Snape mit kühler Stimme: „Potter, setzen Sie sich wieder! Wenn Sie mir etwas zu sagen haben, dann können wir das nach dem Unterricht klären!"

Harry atmete schwer, die Wut kochte in ihm. Er spürte kaum, dass Hermine an seinem Ärmel zog, um ihn zum Hinsetzen zu bewegen.

„Potter, setzen!" rief Snape nun mit gefährlich drohender Stimme.

Harry setze sich, aber der Zorn brodelte weiter. Als sein Blick wieder auf das „M" fiel, schlossen sich seine Finger um den Zauberstab und das Pergament, das seinen Aufsatz darstellte, ging in Flammen auf.

Professor Snape war keine Sekunde später neben Harry und riss ihm den Zauberstab aus der Hand. „Zwanzig Punkte Abzug von Gryffindor, Mr. Potter und Strafarbeit morgen nach dem Frühstück!"

Harry starrte Professor Snape immer noch zornig an.

„Und bevor Sie sich nicht beruhig haben, bleibt Ihr Zauberstab in meiner Verwahrung!" erklärte Snape ungerührt und kehrte somit Harry wieder den Rücken und ging mit Harrys Zauberstab wieder zum Lehrertisch vor.

Harry stand erneut auf. Hermine hielt erneut seinen Ärmel fest. „Harry, hör auf und komm wieder zu dir!" zischte sie verzweifelt.

„Mrs. Granger, lassen sie Mr. Potters Ärmel los. Wenn er sein Temperament nicht selber unter Kontrolle bringen kann, dann werde ich dafür sorgen, dass ich meine Botschaft noch etwas deutlicher mache!"

Niemand, außer Harry und Snape, wussten, was das bedeutete und Harry schluckte hart, um seinen Zorn Einhalt zu gebieten. Schließlich setzte er sich von alleine wieder hin.

Der Unterricht nahm wieder seinen gewohnten Lauf und am Ende der Stunde blieb Harry zurück, um mit Professor Snape zu reden.

„Ich warne dich Harry! Du hast den Bogen viel zu weit überspannt. Noch einmal so ein Theater und du findest dich schneller über meinen Knien wieder, als dir lieb ist!"

Harry grummelte verstimmt. „Und wieso hab ich wieder ein M, wenn nicht aus reiner Freude mir eins reinzuwürgen?"

„Du hast ein M, weil du leider ein paar wesentliche Zutaten gänzlich weggelassen hast. Du hast die Wirkung des Sonnentaus in Kombination mit Tarantuskraut sehr schön erklärt. Aber der Trank, wie du ihn beschreibst würde nicht funktionieren, wenn du keine geriebenen Drachenhautschuppen dazugibst. Denn dann hättest du gemerkt, dass diese der eigentliche Auslöser sind, warum man den Trank zum Heilen von Brandwunden verwendet."

Harry ließ nun den Kopf hängen. Er hätte wirklich bis nach den Unterricht warten sollen, anstatt derart die Kontrolle zu verlieren.

Doch Snape fuhr fort: „Und wenn du deinen Aufsatz nicht verbrannt, sondern umgedreht hättest, dann hättest du diesen Kommentar zusammen mit noch weiteren gefunden, die dir deine Note auch erklärt hätten!"

Nun fühlte Harry sich gänzlich schlecht. Er hätte mehr Vertrauen in Snape haben sollen. „Entschuldige!" nuschelte er beschämt.

Professor Snape seufzte, „Nur wenn du mir versprichst, dass so etwas, wie heute im Unterricht, nicht wieder vorkommt!"

Harry sah nun wieder auf, „Ich verspreche es. Es tut mir Leid. Ich dachte nur…" doch Harry stockte mangels treffender Worte.

Snape zog eine Augenbraue hoch, „Du dachtest… was?"

In Harrys Kopf rasten die Gedanken, aber er konnte es nicht in Worte fassen. Er wusste nicht, wie er Snape erklären sollte, dass er sich plötzlich betrogen gefühlt hatte.

Doch Professor Snape schien Harrys Gedankengängen zu folgen, denn er meinte schließlich: „Harry, es wird vielleicht etwas dauern, bis du gelernt hast mit dem neuem Buch korrekt umzugehen. Du musst lernen umzudenken und da kann es vorkommen, dass du das eine oder andere vergisst. Nur, du musst mich auch verstehen. Ich kann dir kein A auf deinen Aufsatz geben, wenn du etwas Wesentliches weglässt. Die Arbeit mit dem neuem Buch wird wahrscheinlich jetzt am Anfang schwieriger sein. Aber mit der Zeit wird es leichter und dann wirst du den Vorteil dieses Buches erkennen und auch die Zeitersparnis."

Harry nickte verstehend. „Darf ich meinen Zauberstab wieder haben?"

Snape holte Harrys Zauberstab hervor und betrachtete ihn eine Weile. Dann hielt er Harry den Zauberstab hin, ließ ihn aber nicht los, als Harry seine Finger darum schloss. Mit der anderen Hand umfasste Snape Harrys Ohr.

„Au" winselte Harry, wohl mehr vorbeugend, als dass es wirklich wehgetan hätte.

„Wehe, ich erwischte dich noch einmal dabei, dass du deinen Zorn in einen Zauber lenkst!" mit diesen Worten drehte Snape an Harrys Ohr, bis dieses wirklich wehtat.

Harry ging auf seine Zehenspitzen, um den Schmerz etwas entgegen zu wirken. „Werde ich nicht, ich verspreche es!"

„Gut, denn sonst muss ich ihn dir wirklich wegnehmen. Und da ich dich nicht ohne Zauberstab herumlaufen lassen kann, würde das heißen ich müsste den ganzen Tag ein Auge auf dich werfen! Haben wir uns verstanden?"

„Ja!" wimmerte Harry.

Einen Moment lang hielt Snape Harrys Ohr noch fest und blickte ihm dabei tief in die Augen. Als er sich endlich zufrieden gab, ließ er Harrys Ohr sowie seinen Zauberstab los. Harry machte zur Sicherheit einen Schritt zurück, ehe er seinen Zauberstab verschwinden ließ.

ooo

Harry rieb sich gedankenverloren sein Ohr während er sich auf den Weg zur Großen Halle begab. Erst jetzt wurde Harry bewusst, dass Professor Snape ihn die ganze Zeit über beim Vornamen genannt hatte. Harry wusste nicht genau warum, aber es erfüllte ihn mit Freude. Professor Snape benahm sich jetzt in der Tat immer mehr wie ein Onkel und nicht wie ein Lehrer, oder eigentlich schon wie ein Lehrer nur irgendwie… anders.

Ooo

Nachdem Abendessen fanden sich viele Schüler vor Snape Klassenraum wieder. Der Professor ließ die Schüler hinein und ließ sie allesamt den Aufsatz, den sie vergeigt hatten, wiederholen. Harry holte seine Bücher heraus und versuchte sein bestes, diesmal nichts zu übersehen.

ooo

Als der Samstagmorgen anbrach und Harry sich erinnerte, dass er Strafarbeit bei Snape hatte, erfüllte ihn dies einmal nicht mit Angst und Schrecken. Nein, es war eine Möglichkeit, Snape, den Onkel, näher kennen zu lernen. Zufrieden saß Harry bei seinem Frühstück.

„Hat Snape die Strafarbeit verschoben?" fragte Ron verwundert über Harrys gute Laune.

„Nein" gab Harry Auskunft.

„Aber, dann verstehe ich nicht, wieso du so viel grinst."

„Ich hatte einen guten Traum!" log Harry und senkte schnell den Blick um nicht aufzufliegen.

Doch Ron hätte es ohne hin nicht gemerkt, „Erzähl mal!" wollte der jetzt wissen, „War es etwas über Snape? Dass er wieder ein kleiner dumme Junge ist und du ihn quälen kannst?"

Harrys Mund klappte auf und er starrte Ron fassungslos an. Ron deutete jedoch Harrys Blick, als Erstaunen über sein gutes Raten und fuhr ungerührt fort, „Hast du dich mit ihm duelliert und ihn dabei ordentlich die Hosen ausgezogen?"

„Ron!" rief Hermine zwischen zwei Atemzügen und erst jetzt bemerkte Ron den dunklen Schatten, der hinter Harry lauerte.

„Professor!" rief Ron nun erschrocken.

Harry zuckte zusammen und drehte sich ebenfalls um. Hier stand Snape mit eisernem Gesichtsausdruck. Harry sah wieder erschrocken zu Ron, seine Gedanken rasten wie wild, als ihm klar wurde, was Snape eben denken musste. Ron konnte nicht ahnen, was er mit seinem dummen Gerede angerichtet hatte.

„Potter. In mein Büro!" sagte Snape mit leisem, aber schneidendem Ton.

Harry sah Ron an, als würde er ihn am liebsten erwürgen. Ron verstand nicht, was so schlimm daran war, an dem was er gesagt hatte. Es war doch nur dummes Gerede, Snape konnte es doch unmöglich jetzt an Harry auslassen.

„Sofort!" zischte Snape noch einmal gefährlich, ehe Harry alles liegen und stehen ließ und Professor Snape folgte.

Als Snapes Bürotür hinter ihm ins Schloss fiel, zuckte Harry erneut zusammen. Der Professor wirkte so wütend, dass es Harry mit der Angst zu tun bekam und als Snape Hand auf die Sessellehne des Lehrerstuhl schnellte, rief Harry verzweifelt: „Ich hab ihm nichts davon erzählt. Kein Wort. Ich weiß nicht warum er das gesagt hat. Er… er kann es nicht gewusst haben! Ich habe niemanden davon erzähl, was ich im Denkarium letztes Jahr gesehen habe, bitte glaube mir. Ich hab es niemanden erzählt!"

Snapes Griff an der Sessellehne verstärkte sich. Er schien in einen inneren Kampf mit sich zu liegen. Und Harry war sich sicher, dass Snape seinen Zorn gerne freien Lauf auf Harry Hintern lassen wollte.

„Wenn du mich verhauen willst, dann bitte deswegen, dass ich deine Privatsphäre letztes Jahr verletzt habe. Denn sonst würdest du mich grundlos schlagen. Ich habe wirklich niemanden davon erzähl - " plötzlich schluckte Harry hart, es stimmte nicht ganz, er hatte es Sirius und Remus erzählt.

„Wem hast du es erzählt?" fragte Snape schroff, als wenn er Harrys Gedanken gelesen hätte.

Harry zuckte zusammen „Sirius und Remus. Ich … ich wollte wissen, ob es wahr ist. Ich wollte nicht glauben, was mein Vater gemacht hatte. Ich war so erschrocken über sein Verhalten. Ich wollte, dass mir einer versichert, dass es nicht so war. Aber es gab niemanden und ich hasse meine Vater immer noch dafür, dass er es getan hat!"

Kraftlos ließ sich Snape nun auf seinen Sessel nieder. Harry hatte ihm irgendwie den Wind aus den Segeln genommen. „Du hast deinen Freunden nichts davon erzählt?" fragte er immer noch ungläubig.

„Nein" sagte Harry und suchte Professor Snape Blick, um ihn zu versichern, dass er die Wahrheit sprach.

Professor Snape studierte den Jungen vor sich genauer sagte jedoch nichts.

„Wirst du mich jetzt schlagen?" fragte Harry schließlich.

„Nein, natürlich nicht. Außer du bestehst darauf!" sagte der Professor, der sich langsam wieder gefasst hatte.

„Nein!" sagte Harry schnell, um jeden Zweifel auszuschließen.

„Aber vielleicht sollte ich es doch tun. Ich kann mich nämlich nicht erinnern, dir das Du-Wort angeboten zu haben!" sagte Snape, doch es war eindeutig, dass er es nicht so meinte.

„Ich habe es dir auch nicht angeboten!" stellte Harry klar, worauf Snape nur eine Augenbraue hochzog.

„Ich hoffe nur, dir ist klar, dass du mich in der Öffentlichkeit weiterhin zu Siezen hast! Anderenfalls muss ich dir Punkte wegen Unhöflichkeit gegenüber eines Lehrers abziehen!"

Harry nickte verstehend.

„Gut, dann zu deiner Strafarbeit! Nachdem ich nichts Besseres für dich zu tun habe, wirst du für eine Stunde Eckestehen und dich in Schweigen üben."

Harrys Gesicht verzog sich enttäuscht. „Was heißt dass, du hast nichts Besseres für mich? Keine Töpfe zum Schrubben? Kein ekelhaftes Zeug zum klein Schneiden?"

Nun wanderte Snapes Augenbraue erneut hoch „Ich wusste nicht, dass dies eine Option ist. Ich möchte dich daran erinnern, dass du selber gesagt hast, dass du keine Finger für mich rühren wirst."

„Das war noch bevor…" fing Harry an und stockte dann.

„Es war, bevor du gewusst hast, was die Alternative ist, stimmt" kam ihm Snape zur Hilfe „Aber nun ist es so und ich hatte den Eindruck, diese Strafe funktioniert bei dir ganz gut. Außerdem sind meine Kesseln alle sauber und da ich im Moment keinen Trank braue, brauche ich auch nichts geschnitten!"

„Kann ich nicht einen Aufsatz schreiben?" fragte Harry hoffnungsvoll, denn selbst das wäre ihm lieber als Eckestehen. Doch Snapes Blick härtete sich.

„Harry, lass mich eines klar stellen und höre gut zu, denn ich werde es nicht noch einmal erklären: Du hast die Grenze überschritten und du wirst dafür bestraft. Ich alleine entscheide dabei wie. Und wenn ich die Art der Strafe ausgesprochen habe, dann hast du dieser Folge zu leisten und zwar ohne ‚aber'. Jeder Protest, jede Verzögerung und jede Weigerung wird deine Situation nur verschlimmern. Das ist eine Regel, an die du dich gewöhnen solltest. Ich wiederhole mich nur ungern. Und wenn ich mich wiederholen muss, dann wird das nicht zu deinen Gunsten sein."

Nach diesen Worten sah Snape Harry prüfend an. Dieser blickte zurück, während er verarbeitete, was er eben gehört hatte. Schließlich verstand Harry worauf Snape wartete und widerwillig erhob er sich und ging in die Ecke. Hätte Professor Snape Harry erneut auffordern müssen in die Ecke zu gehen, wären es mehr als eine Stunde geworden, dessen war sich Harry nun sicher. Oft genug hatte er mit ‚aber' und Weigerung seine Strafe erhöht, nun verstand er wenigstens warum.

Es war eine dumme Regel, die Snape aufgestellt hatte. Aber nachvollziehbar. Immerhin wusste Harry jetzt woran er war. Und wenn Harry vor hatte über seine Strafarbeit zu verhandeln, musste er es eben tun, bevor Professor Snape sich festgelegt hatte. Denn Eckestehen, so fand Harry, war die langweiligste Strafe, die er kannte.