Buhh … ich habe wirklich lange an dem Kapitel gearbeitet. Mindestens fünfmal korrigiert hier und da, doch ich hoffe, dass es postbar ist. Drück Harry kräftig die Daumen, er wird es jetzt brauchen! Und für die sentimentalen unter euch, legt euch ein Taschentuch bereit. ;o)

07 Eine zweite Chance?

Harrys Depression nahm in den folgenden Wochen zu. Er hatte gehofft, Professor Snape würde ihn entweder anschreien, oder sich bei ihm entschuldigen, aber nichts dergleichen passierte. Harrys Konzentration in Zaubertränke nahm ab und er erntete ein „T" nach dem anderen. Weder er, noch Snape verloren ein Wort darüber.

Harry verstand es nicht. Wieso hatte Snape sich wieder zurückgezogen? Er hatte doch angedroht, wenn Harry Fehler machte, dann würde er Harry die Ohren lang ziehen. Waren absichtlich versaute Zaubertrankaufsätze denn kein Fehler? Selbst wenn er seine Zaubertränke im Unterricht versaute, Snape zog ihn einfach Hauspunkte ab, ohne weitere Erklärung.

Als Harry eines Tages im Unterricht absichtlich etwas in Dracos Trank schüttete, was dessen Kessel zum Explodieren brachte, hörte er endlich wieder die Worte „Potter, Strafarbeit!" Doch es war nicht das, was Harry erhofft hatte. Snape lies Harry die Strafarbeit bei Filch absitzen.

ooo

Schließlich beschloss Harry, dass es nicht so weiter gehen konnte. Snape war vielleicht ein lausiger Onkel, aber er war auf jeden Fall besser, als die Dursleys! Vielleicht, so hoffte Harry, wusste Snape auch nur einfach nicht weiter.

Eines Nachmittags setzte er sich zu Hermine und fragte: „Was haben deine Elter eigentlich gemacht, wenn du einmal nicht gehorcht hattest?"

Hermine sah Harry groß an: „Bitte, was?"

„Na ja, du hast doch sicher einmal etwas gemacht, was deine Eltern nicht wollten, oder?"

Hermine lief rot an, „Wieso willst du das wissen?"

„Ich will wissen, was die Dursleys alles falsch machen. Vielleicht kann ich dann Dumbledore überzeugen, dass er mich nicht mehr zu ihnen zurück schickt!" log Harry.

„Oh, Harry!" sagte Hermine und lächelte verstehend. „Also meistens redeten meine Eltern einfach mit mir. Und wenn es wirklich schlimm war, dann haben sie mir Stubenarrest gegeben!"

„Haben sie dich je geschlagen?"

„Nein. Wir kommen im Allgemeinen ganz gut miteinander aus. Ich bin auch nicht daran interessiert meine Eltern zu hintergehen!"

„Denkst du das Schlagen für irgendetwas eine passende Strafe ist?"

„Ich weiß nicht. Vielleicht, wenn man etwas getan hat, dass einem selbst oder andere in Gefahr gebracht hat. Aber ich denke, selbst da gibt es andere Methoden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich je ein Kind schlagen würde!"

Harry nickte stumm und knöpfte sich als nächsten Ron vor.

„Was machen deine Eltern, wenn ihr mal schlimm seid?" fragte Harry seinen Freund.

„Du kennst doch, Mum. Sie brüllt uns nieder, dass es die ganze Nachbarschaft erfährt, was wir getan haben!"

„Und sonst nichts?" fragte Harry ungläubig.

„Na ja, sie schickt uns auf Zimmer, und so. Gibt uns Ausgehverbot. Lässt uns den Haushalt machen, oder den Garten."

„Hat sie euch je geschlagen?"

„Also mich nicht. Aber Fred und George haben schon mal eine auf den Hintern gekriegt, als sie noch klein waren. Du musst wissen, die beiden waren schon immer so, wie sie jetzt auch sind. Haben mit gefährlichen Sachen herum experimentiert. Einmal da haben sie ihr Zimmer abgefackelt, wären beide fast drauf gegangen. Mum ist total ausgerastet. Da waren die beiden zehn. Ich glaube, das war das letzte Mal, dass Mum sie verhauen hatte. Dann hatte sie es aufgegeben."

Harry dachte über die Worte nach. Er kannte Mrs Weasley und er kannte die Zwillinge und er konnte sich sehr gut vorstellen, dass Fred und George sicher nicht leicht zu erziehen waren.

Ooo

An den folgenden Tagen verbrachte Harry viel Zeit in der Bibliothek. Aber nicht um seine Hausaufgaben zu machen, sondern um Nachforschungen zu betreiben.

„Da bist du ja!" rief Hermine verwundert, als sie eines Tages Harry in der Bibliothek in ein Buch vertieft vorfand.

Harry nickte nur stumm.

„Was liest du?" wollte Hermine wissen und hob den Buchdeckel an. ‚Der kleine Teufel – Ratgeber für schwererziehbare Jungen' „Aber Harry, du denkst doch nicht wirklich, dass du schwer erziehbar bist, oder?"

„Ich weiß nicht. Onkel Vernon hat es mir jahrelang vorgepredigt. Hätte ich keinen Brief für Hogwarts bekommen, dann hätte er mich ins ‚St. Brutus-Sicherheitszentrum für unheilbar kriminelle Jungen' gesteckt."

„Harry, du bist nicht unheilbar kriminell! Wenn dein Onkel dich misshandelt hat, dann sag es Dumbledore. Ich bin sicher er findet einen Weg, deinen Onkel zur Vernunft zu bringen, oder er findet eine andere Lösung."

„Das ist es nicht. Aber es ist schon faszinierend zu lesen, was mein Onkel alles falsch gemacht hat in Bezug auf Erziehung. Er hat so ziemlich alles gemacht, was hier drinnen steht, dass man nicht tun sollte, da es nichts bringt, außer Frust auf allen Seiten."

Hermine runzelte die Stirn, „Sag, du hast nicht versehentlich ein Mädchen geschwängert und machst dich jetzt über Kindererziehung schlau, oder?"

Harry lachte überrascht auf. „Nein, hab ich nicht!"

Hermine schmunzelte ebenfalls. „Hätte ich eh nicht geglaubt, aber ich wundere mich nur über dein Verhalten in den letzten Tagen. Eigentlich auch, in den letzten Wochen. Seit du diese Strafarbeit bei Professor Snape hattest. Ist da was vorgefallen, was du mir sagen möchtest?"

Harry sah Hermine fassungslos an. Wie konnte dieses Mädchen nur so schlau sein?

„Also ‚ja'?" schlussfolgerte Hermine.

„Es ist eine lange Geschichte und vielleicht erzähle ich sie euch einmal. Aber im Moment möchte ich das für mich behalten" erklärte Harry leise.

„Professor Snape ist doch nicht mit dir verwandt, oder so?" fragte Hermine weiter.

Harry senkte den Blick und starrte auf die aufgeschlagene Seite vor sich.

„Oh je" sagte Hermine leise, „Jetzt verstehe ich so einiges."

Eine lange Pause der Stille folgte. Hermine kaute an ihrer Unterlippe herum, „Weißt du Harry, du hast mich doch mal gefragt, ob das Schlagen von Kindern je eine passende Strafe ist."

Harry sah fragend auf. Hermine lächelte verlegen, ehe sie fortfuhr, „Zu Zeiten als die Menschen noch Nomaden waren, hatte eine Züchtigung bei Kindern den Sinn der Versöhnung. Damals war es überlebenswichtig sich an Grenzen zu halten. Man hatte die Kinder damals geschlagen damit ihnen bewusst wurde, dass sie die Grenze überschritten hatten und die Familie dadurch in Gefahr gebracht hatten. Gleichzeitig konnten die Eltern ihren Dampf ablassen. Wenn sich der Zorn der Eltern gelegt hatte, man sich wieder versöhnt und die Kinder konnten sich wieder sicher und geborgen fühlen. Die Strafe hat den Kindern die Schuldgefühle genommen und Versöhnung eingebracht. Nichts stand mehr zwischen Eltern und Kindern und somit hatte das Ganze etwas Positives. Erst als man angefangen hat die körperliche Züchtung als Abschreckungsmittel zu verwenden, in dem man immer brutaler wurde, hat sie jeglichen positiven Effekt und somit auch die erzieherische Wirkung verloren."

Eine weitere Pause erfolgte. Harry starrte wieder auf sein Buch und Hermine rutschte unsicher auf ihrem Sitz hin und her. Schließlich wagte sie die Frage: „Hat Professor Snape... dich... du weißt schon, geschlagen?" Das letzte Wort hatte Hermine so leise geflüstert, dass man es fast nicht hören konnte und doch war es laut genug für Harry.

Mit gequälten Gesichtsausdruck sah Harry auf.

„Du musst nichts sagen. Ich denke, ich verstehe auch so. Und… ich wünsche dir viel Glück bei, was immer du vorhast. Vergiss nicht, Harry, du kannst jederzeit mit mir reden, egal über was, okay?"

„Danke!" sagte Harry kaum hörbar.

Hermine ließ Harry wieder allein. Harry rührte sich fast zehn Minuten nicht. Wie konnte Hermine so schnell eins und eins zusammenzählen? Aber irgendwo, wo er froh, dass sie es wusste. Jetzt hatte er wirklich jemanden, mit dem er reden konnte.

Ooo

Es waren schließlich nur mehr drei Wochen vor Weihnachten. Es war Freitag. Und es war wieder einmal Zaubertrankunterricht. Snape kam mit seinem üblich wehenden Umhang herein gestürmt, sein Gesicht zu einer eisernen Maske erstarrt.

Harry gab sich einen Ruck und richtete sich gerade auf. Er atmete einmal tief durch und sah dann mit bemüht neutraler Miene zum Professor empor. Snape ließ seine dunklen Augen durch die Klasse gleiten und blieb in der Tat an Harrys Blick hängen. Harry hoffte, irgendetwas in Snapes Blick lesen zu können, aber dieser wandte sich wieder von Harry ab und begann schließlich die Aufsätze auszuteilen.

Mit gewohnt schlechter Laune kommentierte er die Fehler der Schüler und schimpfte über deren Dummheit. Als er zu Harry kam hielt er inne, runzelte die Stirn und sah Harry mit hochgezogener Augenbraue an.

„Es ist mir ein Rätsel, Mr. Potter und ich warne Sie, sollten Sie versuchen zu schummeln, wird es für Sie unangenehme Folgen haben!" mit diesen Worten gab Snape Harrys Aufsatz zurück. In der Ecke, wo sonst das „T" stand, prangte ein dunkelgrünes „A".

„Ja!" rief Harry leise zu sich, Snape dabei vollkommen ignorierend. Er hatte es endlich geschafft, mit Hilfe von Snapes Buch einen akzeptablen Aufsatz zu schreiben. Und er hatte nicht einmal sehr lange dafür gebraucht.

Als Harry am Ende der Stunde auch noch einen korrekt gebrauten Antifiebertrank abgab, zog Professor Snape die Augenbrauen zusammen. Er hatte Harry die ganze Zeit über beobachtet. Harry hatte kein einziges Mal Hermine um Hilfe gebeten. Hatte einfach still vor sich hin gearbeitet. Wie kam es, dass er plötzlich etwas abgab, dass Snape mindestens mit einem „E" benoten musste?

Als die Schüler die Klasse verließen, blieb Harry zurück. Professor Snape studierte Harry, während dieser in seiner Tasche kramte und schließlich ein Pergament hervor holte. Verwundert wartete Snape, bis Harry damit vor ihm stand. Als Harry Snape das Pergament wortlos hinhielt, fragte der Professor dann doch: „Was ist das?"

Doch Harry blieb stumm. Snape nahm das Pergament und rollte es auf. ‚Meine Wünsche an meine Familie' war die oberste Zeile. Snape sah wieder zu Harry und fragte erneut: „Potter, was soll das?"

„Harry!" rief Harry einwenig verärgert, dass Snape plötzlich wieder mit Potter anfing. „Ich heiße Harry!"

„Das weiß ich!" sagte Snape.

„Das ist eine Liste, die uns beiden als Basis dienen soll. Weiter unten findest du eine Reihe von Vorschlägen, wie man einen Sechzehnjährigen bestrafen kann, wenn es notwendig sein sollte!"

Snape blickte wieder auf das Pergament und suchte besagte Stelle ‚Angemessene Strafen bei Jugendlichen'

„Ernsthaftes Gespräch über die falsche Handlung. Einschränkung von Freizeitaktivitäten, Hausarrest, Zusätzliche sinnvolle Aufgaben …" die Liste ging ähnlich weiter. Ganz unten stand ‚Hintern versohlen' mit einem Fragezeichen. Ein erklärender Text folgte.

Kinder die es nicht besser wissen machen oft Fehler, die sie oder andere in Gefahr bringen. Früher wurden Kinder oft bestraft in dem man ihnen den Hintern versohlt hatte. Nach heutigem Wissenstand ist es fragwürdig, ob diese Strafe wirklich etwas bewirkt. Wenn Kinder dazu neigen bewusst, sich oder andere in Gefahr zu bringen, sollte man die Ursache herausfinden, warum sie so handeln. Es liegt oft an den banalsten Gründen. Kinder wollen Aufmerksamkeit und Zuwendung und manche würden beinahe alles tun, um das zu bekommen. Auch bei Jugendlichen gibt es dieses Verhalten. Ein gutes Familienklima ist in allen Fällen notwendig. Die körperliche Züchtigung kann, sinnvoll eingesetzt, auch einmal über eine schwierige Phase hinweg helfen. Aber sie sollte nicht als Abschreckungsmittel eingesetzt werden, da hier jeglicher erzieherische Effekt verloren geht. Sie sollte auch nur in Ausnahmefällen herangezogen werden. Bedenken sie, dass ein Kind nur durch positive Impulse sein Verhalten ändern kann. Versöhnen sie sich mit ihrem Kind, wenn sie es gezüchtigt haben. Und noch ein Tipp am Schluss, räumen sie dem Kind das Recht ein, seine Meinung loswerden zu dürfen. Hören sie Ihrem Kind zu, dann wird ihr Kind auch auf sie hören!"

Snape ließ das Pergament sinken und sah Harry an. Harry kaute an seiner Unterlippe, hielt jedoch Snapes Blick stand.

„Das muss dich einen Haufen Arbeit gekostet haben!" stellte Snape schließlich fest.

Harry zuckte nur mit den Schultern. Snape kniff die Augen zusammen und sah dann wieder zu dem Pergament in seiner Hand. Dann schüttelte er den Kopf.

„Wieso ist dir das so wichtig?" fragte Snape schließlich.

„Ich… ich brauche dich als Onkel. Ich möchte nicht mehr zu den … den… Dursleys!" Harry Stimme stockte.

„Aber wieso ich?" fragte Snape, der die Welt nicht verstehen konnte. Er wusste, er hatte Harry schlecht behandelt, wieso wollte er immer noch zu ihm?

„Du hast gesagt, dass ich dir wichtig bin. Oder stimmt das etwa nicht?" fragte Harry

„Doch. Aber ich… ich kann das nicht!" damit wies Snape auf Harrys Pergament.

„Es ist nur eine Basis. Ein Helfer, wenn wir nicht weiter wissen. Ich kann unmöglich zu den Dursleys zurück. Nicht nachdem, was ich inzwischen alles gelesen habe. Sie würden sich nie mir gegenüber ändern, weil ich ihnen nichts bedeute. Ich bin für sie eine Plage, ein Schandfleck in ihrer perfekt sauberen Welt."

Snape atmete tief durch, dabei fiel sein Blick wieder auf die Zeile ‚Kinder wollen Aufmerksamkeit und Zuwendung und manche würden beinahe alles tun, um das zu bekommen.' „Aufmerksamkeit und Zuwendung." murmelte Snape vor sich her. „Hast du nicht genug Aufmerksamkeit?"

„Wenn du meine Berühmtheit anspricht. Auf diese Aufmerksamkeit würde ich liebend gerne verzichten" stellte Harry klar.

„Zuwendung… Harry, du verlangst zu viel!"

„Wieso? In dem du mit mir in diesem Raum bist und darüber redest, was ich zusammengeschrieben habe, gibst du mir doch schon Zuwendung! Du hättest das Pergament genauso gut wegschmeißen und mich aus der Klasse werfen können."

Snape zog eine Augenbraue hoch. „Ich kann dir nicht garantieren, dass ich dir nicht mehr den Hintern versohle. Oder dich in die Ecke stelle."

„Wenn ich es verdient habe, dann tu es. Aber unterdrücke mich nicht vollkommen. Manchmal muss ich auch Dampf ablassen können! In meinem Kopf schwirren tausend wirre Gedanken und manchmal wallt mein Blut auf. Du darfst es nicht immer persönlich nehmen. Man sagt in seiner Wut leicht Dinge, die man nicht so meint."

„Dennoch solltest du lernen deine Wut zu kontrollieren. Du hast noch eine große Aufgabe vor dir und da ist es überlebenswichtig einen kühlen Kopf zu behalten."

„Dann hilf mir dabei!"

Snape seufzte.

„Bitte!"

Snape schüttelte erneut den Kopf. Wie sollte er das anstellen? Harry war eine Nummer zu groß für ihn. „Ich weiß nicht, ob ich das kann, Harry. Ich stecke in dieser Haut, ich kann mich nicht von einen Tag auf den anderen ändern!"

„Aber das hast du bereits, Severus. Du hast dich geändert, seit du mich das erste mal versohlt hast. Du bist anschließend in den Gemeinschaftraum der Gryffindors gekommen, um dich zu vergewissern, dass es mir gut ging. Das hättest du früher nie gemacht. Vielleicht mag es keine angemessene Strafe für Jugendlichen sein. Aber im Nachhinein betrachtet, hatte es doch etwas Gutes bewirkt. Wir sind uns dadurch näher gekommen, so verrückt das auch klingen mag. Und... weißt du, was mich am meisten schmerzt, wenn du mich verhaust?"

Professor Snape hob fragend eine Augenbraue.

„Dass ich dich enttäuscht habe. Dass ich etwas getan habe, dass dich dazu bringt, mich zu bestrafen. Dass du böse auf mich bist." Harry ließ kurz traurig den Blick sinken, doch dann sah er wieder auf, „Als du mich plötzlich ignoriert hast, obwohl ich alles im Unterricht versaut hatte, was nur ging, das hat mehr weh getan, als alle Schläge zusammen. Ich bin körperlichen Schmerz gewöhnt. Aber deine Zusagen, dass ich dir was bedeute und gleichzeitig deine Unnahbarkeit zu spüren, ist nicht leicht zu verkraften. Entweder du magst mich, oder nicht. Wenn du mich nicht magst, dann sag es. Dann gehe ich und das war es. Dann machen wir weiter wie gehabt. Dummer Schüler, böser Lehrer. Aber wenn dir wirklich etwas an mir liegt, dann hilf mir. Dann sag mir was ich tun soll. Dann beachte mich!"

Severus war sprachlos, angesichts dieser Rede. Da stand Harry Potter vor ihm und flehte um Beachtung und um Hilfe. Severus hatte sich die ganzen letzten Wochen gefragt, wie er sich bei Harry entschuldigen konnte. Wie er wieder Zugang zu den Jungen bekommen könnte. Aber Severus hatte keine Chance gesehen und jetzt stand Harry da und legte ihm die Möglichkeit, es besser zu machen, vor die Füße.

„Ich sollte dich bestrafen dafür, dass du in den letzten Wochen deine Note in Zaubertränke auf ein „T" hast absinken lassen!" sagte Severus schließlich.

Harry schmunzelte, „Du hast keine Ahnung, wie schwer es für mich war, heraus zu finden, wie man die Tränke versauen kann, ohne sie zum Explodieren zu bringen, oder ohne irgendwelche giftigen Dämpfe frei zu lassen."

Severus schüttelte ungläubig den Kopf. „Und ich hab mich schon gefragt, warum du so viel Glück hattest. Die gefährlichsten und heikelsten Tränke hast du versaut, ohne jemanden zu gefährden."

„Ich hab nicht immer nur Glück. Ich hab schon auch was im Köpfchen!" sagte Harry mit gespielter beleidigter Miene.

„Ja, das hast du!" bestätigte Severus. „Dein Trank von heute, wird es jedoch nicht auf ein ‚A' schaffen!"

Harry runzelte die Stirn: „Wieso? Ich hab alles richtig gemacht!"

„Eben! Ich kann dir im schlechtesten Fall ein „E" geben. Das bringt mich echt in Verlegenheit. Deine Aufsatztechnik wird übrigens auch schon langsam besser!"

„Das Buch hilft ungemein. Danke, dass du es mir gegeben hast!"

Um Severus Mundwinkel zuckte es kurz, ehe sich ein Lächeln auf Snapes Gesicht ausbreitete, das Harry noch nie zuvor gesehen hatte.

„Du solltest öfter lächeln!" stellte Harry fest.

„Bloß nicht. Ich würde mein Image verlieren!"

„Wäre das so schlimm?" fragte Harry und ein Gefühl des Glücks breitete sich in seinem Inneren aus. Dann wagte er die Frage, die ihm auf der Seele brannte: „Sev? Wollen wir es probieren? Du und ich?"

Severus wurde wieder ernst.

„Ich verlange von dir nicht, von heute auf morgen der perfekte Vater zu sein. Ich werde auch nicht auf einmal der perfekte Sohn sein. Aber ich würde es gerne noch einmal probieren!" erklärte Harry.

„Ich werde darüber nachdenken!" wich Severus Harry aus.

Harry nickte. Er hatte nichts anderes erwartet. „Ich habe dir auch ein Verzeichnis zusammengestellt, mit jenen Büchern aus der Bibliothek, die ich für sinnvoll halte. Vielleicht wirfst du ja mal einen Blick hinein und… gib mir Bescheid, wenn du dich entschieden hast!"

Severus nickte stumm. Harry ging zu seinem Platz, um seine Tasche aufzuheben und verließ die Klasse. Als er bei der Tür war fragte Severus: „Denkst du wirklich, wir können das? Nach allem was passiert ist?"

Harry drehte sich langsam zu Severus um. „Ich weiß es nicht" gestand er leise. „Es gibt nur einen Weg, das heraus zu finden!" und mit einem Lächeln ließ Harry Severus in seiner Klasse zurück.