Das ist ein Auf und Ab. Ihr habt geglaubt, das schlimmst hat Harry hinter sich? Irrtum!

Unerwartete Folgen

„Was hast du da eigentlich?" fragte Severus. Als Harry ihn umarmte, bemerkte er, dass der Junge etwas in seiner Hand hielt.

Harry löste sich wieder von seinem Onkel und öffnete seine Finger. Auf seiner Handfläche, lag ein weißlich schimmernder, leicht gebogener Spitz.

„Ist das-?" fragte Severus erschüttert.

Harry nickte. „Der Basilisk hat ihn mir damals reingerammt, als ich mit ihm gekämpft hatte."

„Das wusste ich gar nicht. Wie hast du überlebt? Das Gift breitet sich meines Wissens sehr schnell aus."

„Fawkes!"

Severus nickte verstehend „Es ist immer noch unverstellbar, wie du mit zwölf Jahren einen uralten Basilisken überwältigen konntest. Du warst doch noch so klein!"

Harry zuckte mit den Schultern. „So klein war ich auch wieder nicht!" verteidigte er sich.

Severus grinste und Harry fing auch an wieder zu lächeln.

„So gefällst du mir schon viel besser!" sagte Severus zufrieden.

Nun wurde Harrys Grinsen breiter. „Ich mag es auch viel lieber, wenn du mich anlächelst, als wenn du mir den Hintern versohlst!"

„Das war eine reine Verzweiflungstat, zumindest wenn man den Analysen der Erziehungsberater Glauben schenkt!" erklärte Severus.

„Ich bin froh, dass du es getan hast. Auch wenn wir beide nun auf unbekannten Boden stehen und oft die Handlung des anderen nicht verstehen können. Ich will echt versuchen, ein guter Neffe zu sein!"

„Das hoffe ich doch! Denn nur so kann ein guter Onkel sein. Wenn du nicht gehorchst, muss ich wieder böse werden!"

„Oha, der Kontrollfreak. ‚Tu was du willst, solange es das ist, was ich sage!'" scherzte Harry, doch Severus wurde nun wieder ernst.

„Ich werde versuchen, dich nicht zu sehr einzuschränken. Aber dennoch gibt es Regeln und Grenzen an die du dich halten musst. Und in manchen Fällen wirst du mir einfach vertrauen müssen, dass ich nur in deinem Interesse handle!"

„Ja, aber Vertrauen kriegt man nicht geschenkt!" sagte Harry nun auch wieder ernst.

„Ich weiß. Ich muss selber erst lernen, wann und wo ich dir voll vertrauen kann und wann ich besser einschreite!"

„Onkel!" sagte Harry um zu testen, wie das auf seiner Zunge klang.

„Neffe!" sagte Severus.

„Onkel Sev. Ich darf doch ‚Sev' sagen, oder?"

Jetzt fragst du mich das? Nachdem du es schon längst tust?"

„Na ja. Ich will nur sicher gehen, dass es dich auch nicht stört! Wenn es dir lieber ist sage ich Severus!"

„In Allgemeinen mag ich keine Abkürzungen, aber Sev ist okay!"

„Also, Onkel Sev!"

„Was, Neffe Harry?"

„Also das klingt doof! Nenn mich nur Harry, okay?"

Severus schmunzelte. Es tat gut mit Harry zu plänkeln. „Okay. ‚Nur Harry'!"

Harry verdrehte die Augen: „Ich meine, ‚Harry'!"

„Okay, Har!"

„Iiii, nein, nicht Har, einfach Harry!"

Nun grinste Severus amüsiert, „Okay Harold!"

„Harry!" bestand Harry.

„Vielleicht... Harriette?"

„HARRY!" rief Harry verärgert und Severus musste lachen. Schließlich stimmte auch Harry mit ein.

ooo

Ron schlief bereits, als Harry den Gemeinschaftsraum der Gryffindors betrat. Nur einer saß noch beim Kamin und starrte in die Flammen.

„Harry! Da bist du ja!" rief Hermine erleichtert, als sie aufsah.

„Hi!" sagte Harry.

„Wo hast du den ganzen Tag nur gesteckt? Ein paar haben erzählt, Professor Snape, hätte dich schwer verletzt durchs Schloss getragen. Aber du warst nicht im Krankenflügel"

Harry sah Hermine groß an. Es war so vieles passiert, dass er gar nicht wusste, wo er anfangen sollte.

„Es war ein langer Tag und ich bin müde, daher hier nur eine Kurzfassung: S... Snape, Dumbledore und ich waren bei meiner Tante, um die Unterschrift für die Adoptionspapiere zu holen"

„Echt? Ist es jetzt also ernst zwischen Dir und Professor Snape?"

„Ja. Er hat mich adoptiert! Danach weiß ich nicht viel. Ich hatte irgendwie einen Nervenzusammenbruch. Die ganze Sache hat mich ziemlich aufgewühlt und da ich in letzten Zeit kaum schlafen konnte, hab eigentlich den restlichen Tag verschlafen. Sev hat mich dann geweckt, aber ich brauchte Zeit zum Nachdenken und bin dann alleine losmarschiert. Ich musste nur versprechen, das Schloss nicht zu verlassen."

„Er war da und hat uns gefragt, ob wir wissen, wo du steckst. Wo warst du denn?"

„In der Kammer des Schreckens."

„Oh... also dann verstehe ich warum Professor Snape dich nicht finden konnte."

„Aber er hat mich gefunden. Wir haben geredet und jetzt, geht es mir schon viel besser. Ich habe immer noch Schuldgefühle gegenüber den Dursleys. Weiß auch nicht warum. Aber es tut gut Onkel Sev zu haben! Er versteht mich ganz gut."

„Onkel Sev" Hermine kicherte, „Wenn das Ron hört, dreht er durch!"

„Es ist mir egal. Wenn er wirklich mein Freund ist, dann muss er sich daran gewöhnen!"

„Na gut, Harry. Nachdem ich auch zu umfallen müde bin, sollten wir wohl ins Bett gehen!"

„Danke, dass du wach geblieben bist. Aber es wäre nicht nötig gewesen!"

„Wäre es nicht, wenn du mich vorher in deinen Tagesplan eingeweiht hättest. Ich habe mir Sorgen gemacht. Vor allem als Professor Snape nach dir gesucht hatte!"

„Entschuldige, aber ich konnte nicht darüber reden."

„Schon gut! Hauptsache es hat sich alles zum Guten gewendet!"

„Schlaf gut, Mine!"

„Du auch Harry Potter Snape!"

Harry grinste müde aber selig. Dann stieg er die Stufen zum Schlafsaal hoch und war schon eingeschlafen, noch bevor sein Kopf das Kissen berührte.

Ooo

In den nächsten Tagen kursierten die Gerüchte wild im Schloss umher. Die Fantasie der Schüler hatte keine Grenzen. Die paar die behautet hatten gesehen zu haben, wie Harry in Professor Snapes Armen durch Schloss getragen wurde, erzählten immer wildere Geschichten bezüglich, was sie glauben, gesehen zu haben.

„Was war wirklich los am Samstag?" wollte Ron von Harry wissen.

Harry wusste nicht ob er Ron von der Adoption erzählen sollte.

„Du willst doch nicht behaupten, dass irgendwas von diesen Geschichten wahr ist?" fragte Ron weiter.

Irgendwas ist immer wahr!" gab Harry kryptisch von sich.

„Also dann schieß los!" forderte Ron.

„Mr. Potter!" diese Worte kamen Harry rettend zur Hilfe.

„Professor Snape?"

„In mein Büro, sofort!"

Harry warf Ron einen entschuldigenden Blick zu und folgte dann seinem Onkel.

-ooo-

„Wie können wir die Gerüchte stoppen?" fragte Harry, kaum das Snapes Bürotür ins Schloss sprang.

„Ich denke, dass ist unser geringstes Problem!" sagte Severus.

Harry war verwundert über Snapes ungewöhnlich reservierten Ton.

„Stimmt was nicht?" fragte Harry

„Das kann man so sagen. Harry, ich weiß nicht wie ich es dir sagen soll. Aber ich denke, du hast das Recht davon zu erfahren. Vergiss nicht du kannst mit mir über alles sprechen. Hier!" mit diesen Worten reichte Severus zögernd Harry die Abendausgabe des Tagespropheten.

Unerwarteter Todesser Überfall. Sonntag gegen die Abendstunden gab es einen weiteren Überfall der Todessser in Little Whinning, Surrey. Es scheint ein geplanter Angriff gewesen zu sein, der nur ein einziges Haus betraf. Im Ligusterweg Nummer 4 wohnte eine Muggelfamilie, die Gerüchten zur Folge niemanden geringeren als Harry Potter aufgezogen hatten. Alle drei Bewohner des Hauses sind tot. Harry Potter ist zum Glück unversehrt, da er zu gegebenen Zeit sein sechstes Schuljahr in Hogwarts absolviert. Warum der Angriff gerade jetzt passierte ist noch nicht geklärt. Doch die Auroren sind bereits dabei Informationen zusammen zu tragen!"

Harry war leichenblass geworden. Er wusste warum die Todesser jetzt angriffen. Der Blutschutz war gebrochen. Offensichtlich hatte er auch die Dursleys geschützt. „ich bin Schuld, dass sie tot sind!" murmelte Harry zu sich, doch Severus hörte es.

„Unsinn, Harry. Du- "

„SIE SIND MEINETWEGEN TOT! ICH HABE SIE IM STICH GELASSEN!"

„Das ist nicht wahr! Keiner wusste, dass das passieren würde."

Harry schüttelte nur fassungslos den Kopf. ‚Die Durselys waren tot, weil er gegangen ist!' So sehr er die Durleys auch gehasst hatte, den Tod hatten sie sicher nicht verdient, schon gar nicht durch Zauberer. Was hatten die Dursleys schon mit Zauberern zu tun? Nichts.

„Harry...!" fing Severus erneut an, doch Harry war aufgesprungen und stürmte aus Severus Büro. Severus fluchte, als er nicht einmal Zeit hatte, seinen Zauberstab zu zücken.

-ooo-

Harry wusste nicht wohin er gehen sollte. Überall huschten Schüler umher, die noch ihre letzten Wege vor der Ausgangssperre erledigten. Harry dachte nicht lange nach und stieß die Eingangstür des Schlosses auf. Er rannte durch den knöcheltiefen Schnee ohne sich umzusehen. Er rannte weiter, bis ihm die Luft ausging. Als er nicht mehr laufen konnte, ließ er sich einfach zu Boden fallen. Seiner Umgebung schenkte er kein Auge. Er wunderte sich auch nicht, wieso das Stückchen Erde, auf dem er lag, frei von Schnee war.

Er spürte nur diesen immens großen Knoten in seiner Brust. Es fiel im schwer zu atmen, und das lag nicht daran, dass er gelaufen war. Der Schmerz war so groß, dass Harry nicht einmal heulen konnte. Alles drehte sich um ihn herum. Er zog seine Beine zu sich und umschloss seine Knie. Doch das Atmen wurde immer schwerer und der innere Knoten wuchs wie ein Geschwür in ungeahnte Größen.

Harry hatte seine Umgebung komplett ausgeschalten, so sehr musste er sich konzentrieren einen Atemzug nach dem anderen zustande zu bringen.

Severus, der Harrys Fußspuren in den Verbotenen Wald gefolgt war fluchte, als der Wald so dicht wurde, dass es keinen Schnee mehr zwischen den Bäumen am Boden gab. Der Professor ging weiter stur gerade aus in der Hoffnung, so auf Harry zu stoßen. Severus fluchte erneut. Er hätte wissen, dass es zuviel für Harry war. Und er hat es auch gewusst, aber wie hätte er ahnen können, das der Junge Hals über Kopf das Schloss verlassen und in den Verbotenen Wald laufen würde?

Als Severus kurz davor war umzukehren, um eine anderen Rute zu probieren, fiel sein Blick auf eine zu einem Ball zusammengerollte Figur am Boden.

„Harry!" rief er, doch er bekam keine Antwort.

Harry hielt seine Beine krampfhaft umschlugen und rang schwerfällig nach Luft. Severus kniete sich zu dem Jungen und versuchte ihn auf den Rücken zu rollen, was jedoch nicht ging.

„Harry. Beruhige dich!" sagte er sanft und strich dem Jungen über den Rücken. „Konzentriere dich auf das Atmen."

Harry wimmerte. Genau das versuchte er schon die ganze Zeit.

Severus kramte in seiner Tasche im Umhang nach einem Fläschchen. Er hatte immer eine Notration von Beruhigungstrank dabei.

„Hier, versuch das zu trinken!" sagte er Harry und hielt ihm das Fläschchen an die Lippen, doch Harry drehte den Kopf weg.

„Harry, es wird dir helfen!" doch Harry rollte sich nur noch mehr ein, sodass sein Kopf zwischen den Knien verschwand.

Severus nahm zwei tiefe Atemzüge und versuchte seinen aufsteigenden Zorn zu unterdrücken. Er versuchte weiter auf Harry einzureden und ihm zu überzeugen den Trank zu nehmen, jedoch vergebens. Schließlich tastete Severus nach Harrys Kinn und zog dessen Kopf nach hinten. „Wir haben keine Zeit für solche Spielchen!" zischte er ärgerlich, und rollte Harry mit Gewalt auf den Rücken. Dann schüttete er den Inhalt des Fläschchens in Harrys Mund und hielt ihm den Mund zu, bis dieser geschluckt hatte.

Harry hustete und spuckte, als er wieder frei kam. Dann holte er tief Luft. Der Knoten in seiner Brust ließ etwas nach. Als der Trank zu wirken anfing, wurde Harry Atmung wieder völlig normal. Doch der Junge drehte sich erneut von Severus weg.

„Harry. Wir müssen ins Schloss zurück!"

„Dann geh doch!" murmelte Harry schwach.

„Du hast die Wahl Harry. Entweder du gehst freiwillig mit mir, oder ich schleife dich zurück."

„Tu was du willst!"

„Was du hier tust, wird die Dursleys auch nicht wieder zum Leben erwecken!"

„Ist mir egal!"

„Was ist mit mir? Was ist mir deinen Freunden?"

„Interessiert mich nicht!"

„Du lieferst dich einfach so aus? Lasst dich ohne zu kämpfen umbringen?"

„Lass mich doch!"

„Nein, ich lasse dich nicht. Ich habe Papiere in meinem Büro, die besagen, dass ich für dich verantwortlich bin."

„Zerreiß sie!"

„Ganz sicher nicht. Und du stehst jetzt auf der Stelle auf!"

Harry reagierte nicht auf diesen Befehl.

„So oder so, du kommst zurück ins Schloss!" sagte Severus zu sich. Er zog Harry an den Armen hoch und ihm nächsten Moment hatte er den Jungen bäuchlings über seine Schulter gelegt. Harrys Füße, die wie wild strampelten fixierte er mir seinen Armen. Harrys Arme hingegen trommelten auf Severus Rücken ein.

Nach einer Weile gab Harry seinen Protest wieder auf. Gleichgültig ließ er seine Arme hinunter baumeln. Beim Rückweg zum Schloss erst merkte Harry, wie weit er in den Wald hineingelaufen war. Der Weg schien sich endlos zu strecken und Severus knochige Schulter war alles andere als bequem. Harry wünschte sich nichts sehnlichster, als in Ruhe gelassen zu werden.

Als Severus den Wald verließ, funkelten unzählige Sterne am Himmel. Doch dafür hatte der Mann jetzt wirklich keinen Nerv. Er war froh, dass sie heil zurück zum Schloss gekommen waren. Wilde Ideen, wie er Harry für diese leichtsinnige Tat bestrafen konnte geisterten durch seinen Kopf. Am liebsten würde den Jungen übers Knie, so wütend war er auf Harry. Oder war er auf sich selbst wütend?

Wie auch immer, als er Harry mit in seine Privaträume genommen und ihn auf sein Bett gelegt hatte, war der Junge eingeschlafen.

‚Wie viel Leid muss der Junge eigentlich noch durchmachen?' fragte sich Severus, als er in Harrys gequälte Gesicht blickte. Keine einzige Träne, hatte Harry vergossen. Wahrscheinlich konnte der Junge nicht mehr weinen. Es war einfach zuviel des Guten. Ha. Von wegen Guten.

‚Da hast du dir was eingebrockt Severus! Unter allen Teenangern in der Welt, hast du dir das mit den größten Problemen ausgesucht. Emotional instabil, bricht ständig Regeln und stellt dein Leben auf den Kopf!' Seufzend schüttelte Severus den Kopf. Wie sollte er das nur wieder hinkriegen?