Aufgedeckte Karten
Als an diesen Morgen, Harry und Severus gemeinsam zum Frühstück in der großen Halle erschienen, hatten sie die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Severus, der einen Arm auf Harrys Schulter liegen hatte, drückte Harry noch einmal sanft, ehe er den Jungen in Richtung Gryffindortisch schob.
Harry grinste schwach, als er in die offen Münder und erschrockenen Augen der Schüler blickte.
„Ihr könnt eure Münder wieder zumachen. Wie ihr seht ist euer Held noch ganz!" sagte Severus während er zum Lehrertisch vor schritt. Er musste nicht laut sprechen, um sicher zu gehen, dass ihn alle hörten. In der Halle war es Muckmäuschen still.
„Und bevor hier noch mehr wilde Gerüchte herumkursieren und Schauergeschichte auftauchen, wo es heißt, dass euer Vampirlehrer neuerdings Schüler zum Nachtisch verzehrt. Harry ist mein Neffe und seit dem Wochenende offiziell von mir adoptiert!"
Falls das möglich war, klappten die weit offen stehenden Mäuler noch weiter hinunter. Die Schüler blickten fassungslos zwischen Harry und Professor Snape hin und her.
„Freiwillig?" hallte eine ungläubige Stimme durch den Raum. Es war nicht auszumachen von wem sie stammte.
„Von meiner Seite war es freiwillig!" stellte Snape klar, „Harry?" damit forderte er seinen Neffen auf, selber zu bestätigen, dass hier alles rechtens war.
„Ja. Freiwillig!" sagte Harry laut und deutlich und lächelte Severus unsicher zu.
Aufgeregtes Murmeln ging durch die Reihen der Tische. Harry nahm schließlich zwischen Ron und Hermine Platz. Hermine schenkte Harry ein Lächeln, das ihm versicherte, dass sie immer noch an seiner Seite war.
Ron hingegen starrte Harry fassungslos an.
„Du hättest es mir sagen sollen!" sagte er vorwurfsvoll.
„Ron-"
„Dann hätte ich deinen Kopf genommen und so lange unter kaltes Wasser gesteckt, bis du wieder bei klarem Verstand gewesen wärst!"
„Ich-"
„Was hat Snape mit dir gemacht? Unter welchem Fluch stehst du?"
„Unter gar keinen!" zischte Harry verärgert.
Nachdem der gesamte Gryffindortisch versuchte mitzulauschen, verstummte Ron und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin.
Doch später am Nachmittag zog er Harry am Ärmel aus dem Schloss und fragte: „Wieso?"
„Wieso was?" fragte Harry.
„Snape. Unter alles Lehrern hast du dir Snape ausgesucht?"
„Ich habe ihn mir nicht ausgesucht. Er ist mein Onkel!" verteidigte sich Harry.
„Seit wann ist Snape bitte dein Onkel?"
„Er war es schon seit meiner Geburt!" stellte Harry klar.
„Er hat sich aber nie wie ein Onkel zu dir verhalten. Ich meine, hast du vergessen, wie er in den letzten fünf Jahren war?"
„Nein, das habe ich nicht."
„Woher kommen dann seine plötzlichen Onkelgefühle? Wieso jetzt das plötzliche Interesse? Was, wenn das mit Voldemort zu tun hat?"
Harry starrte Ron ungläubig an. „Es hat nichts mit Voldemort zu tun!" stellte Harry klar.
„Woher willst du das wissen? Vielleicht gibt er ja nur vor dein Onkel zu sein, und dann, wenn du gar nicht damit rechnest, peng, hat er dich!" fragte Ron.
„Ich glaube nicht, was du da sagst!" sagte Harry und schüttelte fassungslos den Kopf.
„Harry, es ist S.N.A.P.E! Er versucht dich doch nur rumzukriegen in dem er behauptet dein Onkel zu sein. Damit du dich in falscher Sicherheit wiegst. Diese Adoption solltest du sofort wieder rückgängig machen!"
„Es war nicht seine Idee. Er hat einmal während einer Strafarbeit erwähnt, dass wir verwandt sind und ich habe ihn damit konfrontiert. Ich habe ihn gefragt, ob ich nicht zu ihm anstatt den Dursleys kann. Snape war anfangs nicht überhaupt nicht angetan von der Idee, aber ich hab auf ihn eingeredet. Ich wollte einfach nicht mehr zu den Dursleys. Snape ist zwar streng, aber nicht unmenschlich!"
Ron schüttelte vehement den Kopf. „Aber er behandelt dich nicht gut!"
„Woher willst du das wissen, du kennst ihn nicht, so wie ich ihn inzwischen kenne!"
„Ich bin weder dumm noch blind. Mir ist aufgefallen, dass du dich neuerdings immer vorsichtig hinsetzt. Es mag vielleicht nicht jeden auffallen, aber ich bin dein Freund! Du hast dich früher oft auf die Stühle plumpsen lassen, dass ich mich oft gewundert habe, wieso sie nicht unter dir zusammen brechen. Aber jetzt machst du das nicht mehr. Und du hast mich und Hermine gefragt, wie uns unsere Eltern bestrafen. Du wolltest von uns hören, ob wir es gut heißen, dass Snape dich schlägt. Er schlägt dich doch, stimmst?"
Harry lief rot an. „Nein, er schlägt mich nicht. Er… er hat mir den Hintern versohlt, nachdem ich die Strafarbeit bei ihm schwänzen wollte."
„Da hast du es ja. Wie kannst du den Mann nur mögen?"
„Wir haben uns inzwischen zusammen gerauft und uns geeinigt, dass diese Art von Strafe nichts bringt!"
„Ja klar, als ob Snape sich in Erziehungsmethoden dreinreden lassen würde. Und du willst behaupten er hat dich seit damals nicht mehr versohlt?" fragte Ron skeptisch.
Harry senkte den Blick.
„Harry, bitte. Dieser Mann hat dich nicht verdient! Snape ist grausam!"
„Würdest du das auch von deiner Mutter sagen, wenn sie dich übers Knie legen würde, weil du dein Leben in Gefahr gebracht hast?"
„Nein, natürlich nicht! Ich weiß, dass meine Mum mich liebt und mich nie im Stich lassen würde!"
„Eben und dasselbe ist bei Sev und mir!"
„Sev?" wiederholte Ron geschockt, doch dann fuhr er fort, „Du kennst diesen Mann nicht wirklich. Meine Mum kenne ich schon mein ganzes Leben lang!"
„Trotzdem hat Professor Snape mir seit Anfang des Schuljahres gezeigt, dass er ein strenger, konsequenter aber auch liebvoller Vater sein kann! Ron ich kann dir nicht alles aufzählen, was zwischen uns passiert ist. Wir hatten beide wirklich Schwierigkeiten mit der Situation. Aber wir haben sie hinter uns gebracht und jetzt will ich ihn nicht mehr missen. Ich liebe ihn genau so, wie du deine Mum liebst. Und wenn er meint mich versohlen zu müssen, dann hat das auch einen wirklich triftigen Grund!"
Ron seufzte und ließ die Schultern fallen. „Ich hab gar nichts davon mitbekommen, was da zwischen euch abläuft. Erst als die Gerüchte aufkamen, dass du mit Snape in dessen Privaträumen warst, haben sich die Puzzelsteine angefangen zusammen zufügen. Aber der fehlende Puzzelstein, kam heute Früh! Und du bist dir sicher, dass es das Richtige ist, was du tust? Ich meine, es ist immer noch Snape, nicht wahr?"
„Ron, ist es für dich wirklich so schwer vorstellbar, dass ich jemanden lieben kann, der mir klare Grenzen setzt und mir seine Fürsorge und Wärme schenkt?"
„Nein, natürlich nicht. Unter allen Schülern Hogwarts bist du wohl der, der es am meisten verdient, so was wie einen Elternteil zu haben und wenn du denkst Snape ist der richtige für dich, dann werde ich das akzeptieren. In übrigen hat meine Mum mich übers Knie gelegt"
Nun zog Harry in snapischer Manier die Augenbrauen hoch.
„Letzten Sommer nach unserem Ausflug in die Mysteriumsabteilung. Sie hatte sich solche Sorgen gemacht, dass sie nicht anderes konnte. Es war so peinlich, sie hat Ginnys Haarbürste verwendet. Ich sag dir, ich habe Haarbürsten schon verabscheut, bevor ich gewusste habe, wie schmervoll sie sein können!"
Harry sah seinen Freund mitfühlend an. „Ich denke, ich kann mir vorstellen wie das war." Mit ungutem Gefühl dachte Harry an das Lineal. Es war sicher ähnlich schmerzvoll, wie eine Haarbüste.
„Ich verstehe immer noch nicht ganz, was gestern vorgefallen ist. Er hat dich in sein Büro gefordert und kurz darauf bist du, wie von der Tarantel gestochen, aus dem Schloss und in den Wald gestürzt. Snape ist dann hinter dir her, aber ihr seid erst sehr spät zurückgekommen. Du bist über seiner Schulter gelegen!"
„Ich hatte so was wie einen Nervenzusammenbruch. Wir waren am Samstag bei meiner Tante und haben die Unterschrift für die Adoptionspapiere geholt und Sonntagabend, gab es einen Todesserangriff auf die Dursleys. Sie haben es nicht überlebt. Der Blutschutz, der mich und auch sie geschützt hatte, ist zusammen gebrochen, weil ich das Haus der Dursleys nicht mehr mein Zuhause nannte."
„Ach du dickes Ei! Wie hat Snape darauf reagiert. Ich meine, du scheinst jetzt ganz gut darüber hinweg gekommen zu sein."
„Er…" fing Harry an, doch stockte er und lief rot an. Dann meinte er „Ich fürchte, das würdest du nicht verstehen. Genauso wie du nicht verstehen wirst, warum es das Richtige in dieser Situation war. Und ich würde es bevorzugen, wenn wir es dabei belassen könnten, denn die ganzen hoch philosophischen Sätze könnte ich jetzt sowie so nicht wiedergeben!"
Ron schüttelte den Kopf, und warf Harry einen verständnislosen Blick zu.
„Ron. Ich wollte weg. Ich wollte nur mehr weg, ohne nach zudenken. Ich konnte nicht mehr klar denken."
„Harry, ich weiß echt nicht, was da zwischen euch läuft, aber ich werde euch im Auge behalten!"
„Harry, Ron, was macht ihr da?" fragte Hermine als sie ihren Kopf bei der Eingangstür hinausstreckte.
„Reden!" sagte Harry und Ron im Chor.
„Aber wieso da draußen? Es ist saukalt?"
Ron und Harry tauschten kurz Blicke, dann zuckten sie mit den Schultern und folgten Hermine wieder in das warme Schloss.
-ooo-
Harry war am Weg in Snapes Büro, als er vor der Bürotür Dumbledores Stimme hörte.
„Was werdet ihr jetzt tun?" fragte Albus.
„Nichts. Wir werden hier bleiben!"
„Aber es täte Harry gut hier mal wegzukommen. Er freut sich doch schon so darauf, mit dir Weihnachten zu feiern!"
„Was soll ich denn machen? Außerdem können wir hier auch feiern!"
„Bekommst du immer noch die alljährliche Einlandung deiner Mutter?"
„Ja, warum?"
„Wieso nimmst du sie nicht einmal an? Es wäre auch für Harry sicher interessant seine entfernte Familie kennen zu lernen. Immerhin ist er jetzt ja auch ein halber Snape!"
„Er ist KEIN halber SNAPE!" rief Severus aufgebracht.
In der entstandenen Stille, die dieser Worte gefolgt war, hörte Severus wie etwas vor seiner Tür zu Boden fiel.
Harry fiel vor Schreck das Buch aus der Hand, das er eben aus der Bibliothek ausgeborgt hatte. Die Worte schnitten sich in sein Herz. Bevor er verstand warum, machte er am Absatz Kehrt und rannte davon. Er hatte eben die Stufen erreicht, als Severus Stimme ihm nachrief.
„Harry! Wenn du schon ein Gespräch belauschst, dann höre es dir wenigstens zu Ende an und ziehe nicht aus halben Gesprächsfetzen falsche Schlüsse!"
Harry verharrte einen Augenblick, ehe er sich langsam umdrehte. Er hatte gar nicht gemerkt, dass sich Tränen in seinen Augen gebildet hatten, aber nun spürte er sie an seinen Wangen kitzeln. Schnell fuhr er mit dem Ärmel über sein Gesicht und kam dann wieder zurück zu seinem Onkel.
„Was heißt das, ich bin kein halber Snape? Du hast mich doch adoptiert!" fragte er kleinlaut, als Snape ihn in sein Büro schob und gleichzeitig Harrys Buch vom Boden klaubte.
„Was ich damit sagen wollte ist, dass kein Blut der Snapes durch deine Adern fließt. Somit kannst du auch kein halber Snape sein. Nicht einmal ich bin ein echter Snape! Mein leiblicher Vater war George Potter und meine Mutter Elaine Prince" erklärte Severus nicht nur Harry, sondern auch Dumbledore.
„Aber du trägst den Namen Snape und durch die Adoption, hast du ihn auch auf Harry übertragen, auch wenn du es nicht schriftlich getan hast. Jeder, dem du Harry als deinen Sohn vorstellst, wird davon ausgehen, dass Harry auch ein Snape ist!" erklärte Albus
„Er ist aber ein Potter!" bestand Severus und Harry musste schmunzeln, als ihm bewusst wurde, dass Professor Snape eigentlich auch ein Potter war.
„Ist ja gut, Severus. Und? Nimmst du die Einladung jetzt an? Elaine Prince Haus wäre jedenfalls sicher genug für euch beide!"
Harry war verwirrt, „wollten wir nicht zu deinem Haus?" fragte Harry seinen Onkel.
„Doch, aber das geht nicht mehr!" seufzte Severus und strich mit seiner Hand übers Gesicht.
„Zu unsicher?" fragte Harry, was Severus ein Auflachen kostete.
„Es war zu unsicher, ja! Jetzt ist nichts mehr übrig!"
Harrys Mund klappte auf, „Nichts mehr übrig?" fragte er mit schwirrenden Kopf.
„Todesser haben es bis auf die Grundmauern niederbrennen lassen!"
„Wann-" Harry versagte die Stimme.
„Gestern!"
Harry starrte fassungslos vor sich her. Severus Haus war niedergebrannt worden? Gerade jetzt? Das konnte doch kein Zufall sein. Voldemort wusste also von der Adoption. Er hat Severus Haus niederbrennen lassen, weil Severus Harry adoptiert hatte. ‚Es ist meine Schuld!' stellte Harry erschrocken fest.
Bevor sich Harry weiter in diese Gedanken verstricken konnte, spürte er wie sein Kinn angehoben wurde und wenig später sah er in Severus Augen. „Nein!" sagte sein Onkel klar und deutlich.
„Aber-" setzte Harry an.
„NEIN! Du bist nicht der Schlüssel allen Übels. Ich habe dir schon mal gesagt, dass ich ebenfalls auf der schwarzen Liste stehe und das hat absolut gar nichts mit dir zu tun! Wir befinden uns ein einem Krieg! Es passieren ständig schreckliche Sachen."
„Aber der Krieg herrscht nur, weil ich Voldemort noch nicht gestoppt habe!" wandte Harry ein.
Diese Aussage raubte Severus für einen Moment die Sprache, daher schaltete sich Dumbledore ein.
„Harry das ist nicht wahr. Du verdrehst hier einige Tatsachen. Nicht du hast den Krieg begonnen, sondern Voldemort. Du magst vielleicht derjenige sein, der ihn beenden kann, aber das wird erst passieren, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Bis dahin, bist auch du nicht mehr, als ein Sechzehnjähriger in seiner Ausbildung. Es gibt Dinge die passieren, auf die man keinen Einfluss hat. Egal wie nahe sie einem gehen, es bringt nichts, die Schuld für diese Ereignisse bei sich zu suchen. Du solltest dir deinen Kopf für Wichtigeres frei halten. Immerhin hast du ein Schuljahr vor dir!"
„Aber warum sonst sollten die Dursleys gestorben sein, wenn nicht deswegen, weil ich sie verlassen habe?" fragte Harry aufgebracht.
Dumbledore hob beschwichtigend die Arme „Es gibt eine höhere Macht. Etwas, auf das nicht einmal die mächtigsten Zauberer unter uns Einfluss haben. Schicksal! Vielleicht wären die Dursleys schon viel früher gestorben, wenn du nicht bei ihnen gewohnt hättest!"
Harry verstummte und dachte darüber nach.
Dumbledore legte dem Jungen einen Arm um die Schulter „Solange du nicht derjenige bist, der seinen Zauberstab gegen einen Mitmenschen erhebt und die dazugehörigen Worte sprichst, Harry, kannst du nicht Schuld sein, wenn dieser plötzlich stirbt!"
Die weise gesprochenen Worte machten Sinn, gestand sich Harry ein und zum ersten Mal konnte er sich mit dem Gedanken abfinden, dass er in der Tat nicht an allem Schuld haben konnte. Er nickte stumm und sah dann zu Dumbledore auf. In den Augen des Direktors blitze es aufmunternd.
„Du machst das schon Harry!" sagte Albus und mit einem letzten Zwinkern verabschiedete er sich.
Eine erneute Stille machte sich breit.
„Offensichtlich haben Albus Worte mehr Überzeugungskraft, als meine!" sagte Severus schließlich „Dabei dachte ich, du hättest die Schuldkomplexe schon abgelegt!"
„Es tut mir Leid. Aber das ist nicht so einfach wie du denkst!" rechtfertigte sich Harry.
Severus nickte, „Ich weiß. Ich weiß ganz genau, was du meinst! Albus hat auf mich auch mehrmals einreden müssen, bis ich akzeptieren konnte, dass ich doch für etwas Nutze war."
Harry hob fragend seine Augenbrauen hoch.
„Er hat meinem Leben einen neuen Sinn gegeben, als ich mit dem dunkeln Mal auf meinem Arm zu ihm zurückkam! Ich war davon überzeugt, es nicht mehr wert zu sein, weiterzuleben, aber Albus hat mich eines Besseren belehrt. Ich habe immer noch das Gefühl in seiner Schuld zu stehen, auch wenn er davon überzeugt ist, dass es keine Schuld mehr gib, die ich begleichen müsse!"
Harry lauschte gebannt diesen Worten. Es war das erste Mal, dass sein Onkel über die Zeit sprach, als er Todesser war.
„Du hattest deinen Zauberstab gegen Mitmenschen erhoben und die Worte gesprochen, oder?" fragte Harry leise.
„Ja. Ein einziges Mal. Damals hatte ich erkannt, welchen Fehler ich begangen hatte. Aber es war zu spät, um ihn rückgängig zu machen. Ich habe ein unschuldiges Leben ausgelöscht und ich werde diese Schuld nie ablegen können, ganz gleich, wie viele Leben ich inzwischen gerettet habe" antwortete Severus ebenso leise.
Nach eine weiteren Stille sagte Harry: „Sev? Ich liebe dich!"
Severus war wie gelähmt, als Harry die Worte sprach. Sie zu Harry zu sagen, war eine Sache, aber sie von Harry zu hören eine andere.
Harry ging auf seinen Onkel zu und umarmte ihn. „Ganz gleich was einmal war, oder noch kommen wird. Ich liebe dich für das, was du jetzt bist. Mein Onkel, meine Familie, mein Vater und mein Mentor!"
Severus erwiderte schließlich Harrys Umarmung. Wie Harry damals, war nun er sprachlos. Wie konnten so einfache Worte, derartige Gefühle erwecken. Severus spürte tiefste Dankbarkeit, dass Harry da war. Dass es jemanden gab, dem er etwas bedeutete. Wenn das Schicksal ihm so etwas kostbares, wie Harry schenkte, dann musste er wirklich irgendwas in seinem verfluchten Leben richtig gemacht haben.
