Verdrängte Erinnerung
„Bist du bereit?" fragte Severus, als Harry mit dem Koffer in die Eingangshalle kam.
„Ja!" sagte Harry schnaufend.
„Alles mit, was mitkommen soll?" fragte Sev weiter.
„Ja, alles hier drin!" sagte Harry und wies auf den Koffer.
„Gut" mit diesen Worten zog Severus den Zauberstab und Harrys Koffer schrumpfte zu der Größe einer Zündholzschachtel zusammen.
„Wow!" sagte Harry, als er das kleine Ding von Boden klaubte.
„Wir gehen nach Hogsmead, wo wir abgeholt werden" sagte Severus und ging voran.
Harry hatte Mühe mit den großen Schritten mitzuhalten, aber er beklagte sich nicht. Am Weg nach Hogsmead kamen Harry die Kutschen entgegen, die die Schüler zum Bahnhof bringen sollten. Harry beobachtete die schwarzen lederbeflügelten Pferde. Sie waren ihm immer noch unheimlich. Daher er lief ein Stück, um Severus wieder einzuholen. Dieser bedachte ihn mit einem verwunderten Blick.
„Ich finde sie unheimlich!" gestand Harry schließlich.
„Und das nach allem was letztes Jahr geschehen ist?"
„Es sind die Augen. Sie sind so leer" erklärte Harry, „als wenn sie tot wären!"
„Komm weiter!" sagte Severus schlicht und sein Schritt beschleunigte sich noch ein wenig.
ooo
Leicht keuchend stand Harry vor dem „Drei Besen" und wartete mit Severus. Harry wusste nicht wer, oder was sie abholen würde. Daher sah er sich neugierig nach allen Seiten um. Kurz bevor Harry fragen wollte, worauf genau sie warteten, bog eine schwarze alte Limousine um die Ecke und hielt auf sie zu. Der Oldtimer kam direkt vor Severus und Harry zu halten.
Der Chauffeur stieg aus und verbeugte sich leicht vor Professor Snape.
„Sir, ich bitte die kleine Verspätung zu entschuldigen. Der Bahnschranken war zu."
„Schon gut!" sagte Severus, „Lass uns fahren!"
Sofort sprang der Chauffeur zur Hintertür und öffnete sie für seine Gäste.
Harry stand immer noch wie gelähmt da. Mit so einer Luxuskarre war er bis jetzt noch nie gefahren.
„Stimmt etwas mit dem Wagen nicht, Sir?" fragte der Chauffeur sofort, doch bevor Harry antworten konnte, rief Severus ungeduldig, „Steig endlich ein!"
Harry tat wie ihm geheißen und stieg ein, doch noch bevor er sich hinsetzten konnte, klappte sein Mund ein weiteres Mal herunter. Der Innenraum des Wagens war magisch vergrößert worden. Statt den üblichen Autositzen gab es zwei bequeme Sofas und ein kleines Tischchen. Es sah aus, wie ein kleines Wohnzimmer.
„Das würde Mr. Weasley sicher begeistern. Dagegen sieht sein Ford Anglia ziemlich blass aus."
„Die Reise wird ein paar Stunden dauern, also mach es dir bequem!" sagte Severus ohne auf Harrys Bemerkung einzugehen.
Harry setzte sich zum Fenster und warf einen Blick hinaus. Die Limousine war eben los gefahren. Die Landschaft zog immer schneller vorbei, ähnlich wie damals im Fahrenden Ritter und Harry fragte sich, ob sie bereits über dem Tempolimit fuhren. Als ihm von den vorbei rasenden Bäumen schwindlig wurde, schob er den Vorhang wieder zu und ließ seinen Blick im Inneren des Wagens herum gleiten.
Severus hatte eine Zeitung vor der Nase und eine dampfende Tasse Tee stand auf dem kleinen Tischchen. Harry beobachtete seinen Onkel eine Weile, bis ihm ein Gedanke durch den Kopf ging. ‚Das alles hättest du schon viel früher haben können. Wenn Severus nicht zu feige gewesen wäre, dich als Baby zu sich aufzunehmen.'
Der Gedanke irritierte Harry. ‚Was wäre wohl alles anders verlaufen, wenn ich in dieser fantastischen Zaubererwelt aufgewachsen wäre? Wäre ich dann wie Snape geworden? So ordentlich und strickt?' dann lachte Harry gequält auf ‚Wie oft wäre ich als Kind wohl über den Knien gelegen, wenn ich was angestellt hätte?
Andererseits, wäre das immer noch besser gewesen, als das, was Onkel Vernon mit mir gemacht hatte, als ich klein war. Als er sich sicher war, dass ich schweigen würde.' Harry schluckte. Er hatte so vieles aus seiner Vergangenheit verdrängt und vergessen. ‚Was spielt es denn jetzt noch für eine Rolle? Er ist tot! Er kann mir nicht mehr wehtun. Vielleicht war es wirklich Schicksal, wie Dumbledore sagte.'
Das gleichmäßige Ruckeln des Wagens hatte Harry schließlich in einen unruhigen Schlaf gelullt. Harrys plötzlich wiedergekommene Erinnerung nahm hinter den geschlossenen Liedern Gestalt an.
Klein Harry sah durch den Lüftungsschlitz im Schrank unter der Treppe, wie Tante Petunia und Dudley das Haus verließen. Es war nie ein gutes Zeichen, wenn Onkel Vernon alleine zurück blieb. Alleine mit Harry.
Der Junge drückte sich an die hinterste Wand des Schranks und hielt den Atem an. Vielleicht, so hoffte er, würde sein Onkel vergessen, dass er da war, wenn er nur keinen Mucks von sich gab.
Doch Harry hatte kein Glück. So wie die Eingangtür in Schloss fiel, kamen die schlurfenden Schritte direkt auf Harrys Schrank zu. „Zeit für ein Bad, du Schmutzfink!" rief Vernon, als er Harrys Tür öffnete. Harry wusste, dass sein Onkel nicht hinein passte, aber er hatte so große Angst vor Vernon, dass er von selber missmutig aus seinem sicheren Schrank heraus kam.
Da packte Onkel Vernon den Jungen am Kragen und zerrte ihn ins Bad hinauf. Mit wenigen Handgriffen riss er den schmächtigen Jungen die Kleider vom Leib und stieß ihn unsanft in die Wanne.
Harry schlang die dünnen Arme um seinen Körper, wohl wissend, dass der Wasserstrahl eiskalt sein wird, der jeder Zeit aus der Brause kommen würde. Dennoch schockierte ihn die Kälte jedes Mal aufs Neue.
Er hatte es aufgeben sich darüber zu beschweren, weil er wusste, wie die Antwort lauten würde. ‚Für dich verschwende ich doch kein heißes Wasser!' Bibbernd ließ er es über sich ergehen, als sein Onkel mit einem rauen Schwamm über seinen Körper schruppte. Und wie jedes Mal wenn er beinahe fertig war, tauchte dieses seltsame Lächeln in Onkel Vernons Gesicht auf.
Harry hasste es. Es war der Beginn der eigentlichen Tortur. Eingeleitet immer mit den selben Worten: „Na du kleiner schmutziger Lümmel, haben wir nicht etwas vergessen?"
Harry hielt seine Hände schützend vor seine empfindlichste Stelle, obwohl er wusste, dass es nichts bringen wird. Auch wenn Vernon dafür den rauen Schwamm beiseite legte, Harry wusste, dass es weh tun würde, wie es immer weh tat, wenn er da hin griff.
„Bitte, Onkel Vernon, nicht. Du tust mir weh!" flehte Harry kaum hörbar.
„Junge, was redest du da, ich weiß genau, dass es dir gefällt!" mit diesen Worten riss er Harrys Hände beiseite. Harry schloss die Augen, während stumme Tränen über seine Wangen kullerten. Er hasste es. Es tat weh. Es tat immer weh!
„Harry! Harry!" ein heftiges Schütteln an Harrys Schulter ließ den Jungen aus seinem Alptraum aufwachen. Als Harry die erwachsene Person über sich sah, rollte er sich klein zusammen und flehte, „Bitte, nicht!"
„Harry, es ist alles in Ordnung, es war nur ein Alptraum!" versicherte Severus und wollte dem Jungen beruhigend über den Rücken streichen. Doch Harry wich wie eine scheue Katze der Berührung aus. „Nein!" murmelte er immer noch.
Severus verstand die Welt nicht mehr. Was hatte Harry bloß geträumt?
„Harry ich bins. Severus. Du bist in einer Limousine auf den Weg zu meiner Mutter!"
Zuerst schien es, als ob die Worte keinerlei Wirkung hätten, doch schließlich setzte sich Harry auf und sah sich verstört um. Dann zog er die Knie hoch und schloss seine Arme darum. Verwirrt legte er seinen Kopf drauf und sah vor sich zu Boden.
Das eigenartige Verhalten verunsicherte Severus. „Magst du mit mir darüber reden?" fragte er seinen Neffen, doch dieser schüttelte nur heftig den Kopf.
„Na gut. Lass es mich wissen, wenn du reden willst!" sagte Severus schließlich seufzend, als er akzeptieren musste, dass Harry noch Zeit brauchte.
Die Fahrt verlief stumm weiter. Harry blickte aus dem Fenster. Er war nicht darauf vorbereitet gewesen, je wieder mit diesen schrecklichen Erinnerungen konfrontiert zu werden und er verstand nicht, warum es ausgerechnet jetzt passierte. Er war sieben Jahre alt gewesen, als sein Onkel damit aufhörte. Wahrscheinlich hatte sein Onkel Angst, dass ein Lehrer irgendetwas an Harry entdecken könnte.
Harry schüttelte sich angeekelt. Er fühlte sich auf einmal so schmutzig, so unrein, genau wie damals. Gequält schloss er die Augen und versuchte die Tränen zu unterdrücken. Harry war so froh gewesen, dass es aufgehört hatte, dass er nie wieder einen Gedanken daran verschwendet hatte. Er hatte es erfolgreich aus seinem Bewusstsein verdrängt.
‚Wieso? Wieso kam das alles jetzt zurück? Wenn, dann hätte es doch schon viel früher passieren müssen, als Severus mich zum ersten Mal versohlt hatte. Ich wusste ja auch, dass Vernon mich früher geschlagen hatte. Wieso hatte ich mich nicht da auch an das andere erinnert? Wieso kommt die Erinnerung jetzt, wo ich in einer Luxuslimousine unterwegs bin?'
Vielleicht, weil er anfing einen richtigen Vater in Severus zu sehen? Weil ihm bewusst wurde, was hätte sein können, wenn er im Alter von einem Jahr zu ihm anstatt zu den Durselys gekommen wäre? Harry seufzte und schüttelte stumm den Kopf. Er durfte nicht zulassen, dass seine frühen Kindheitserinnerungen, seine Weihnachtsferien verdarben. Er konnte jetzt ohne hin nichts mehr daran ändern. Geschehen, ist geschehen. Damit schob Harry die unliebsamen Gedanken beiseite.
Ooo
„Wie lange wird die Fahrt noch dauern?" fragte Harry nach einiger Zeit und Severus wurde klar, dass Harry nicht über seinen Traum reden wollte. Er beschloss den Jungen später damit zu konfrontieren und sagte, „Spätestens in einer halben Stunde sind wir da!"
Harry nickte und blickte dann wieder aus dem Fenster. Die Sonne war von den Wolken verdeckt und es sah so aus, als wenn es jederzeit anfangen würde zu schneien. Der Wagen selber raste auf einen Wald zu, der nicht so aussah, als wenn eine Limousine durchpassen würde, da die Bäume so dicht standen.
Für einen kurzen Moment wurde Harry unruhig, doch als das Auto den Wald erreicht hatte, sprangen die Bäume zu Seite und ließen sie passieren. Harry spürte ein leichtes Kribbeln am Körper. Offensichtlich war der Wald so was, wie eine Barriere.
Ooo
Schließlich kam der Wagen zu halten. Ein riesiges Stahltor baute sich vor der Limousine auf und versperrte den Weg. Ein Mann in Uniform schritt zu den Wagen und sprach mit dem Chauffeur.
„Mr. Severus Snape und seine Begleitung!" kündigte der Chauffeur an.
Der Wachmann nickte und ließ schließlich das Tor öffnen. Der Wagen fuhr weiter, einen schmalen Kiesweg entlang bis er vor einem riesigen Landhaus stehen blieb. Auf der Stufe zum Haupttor standen zwei Dienstmädchen und ein Butler, die alle die Stiegen hinab eilten, sobald der Wagen zu Halten kam.
Die Tür zum hinteren Teil des Wagens wurde geöffnet und der Butler streckte seinen Kopf herein.
„Willkommen auf Prince-Windchester Manor!"
Severus und Harry stiegen aus dem Wagen.
„Danke Willbure! Wie geht es Ihrem Fuß?"
„Ich kann nicht klagen Mr. Snape. Madam Prince erwartete Sie bereits in der Teestube. Ist es den Herren Recht, wenn das Mittagessen klein ausfällt? Es ist ein großes Essen in den Abendstunden geplant, wenn die anderen Herrschaften angereist sind."
„Kein Problem Willbure, wir hatten ein ausgiebiges Frühstück"
„Und wie darf ich den jungen Herren nennen?" damit richtete sich Willbure an Harry.
„Harry!" sagte der Junge, der vor Staunen kaum den Mund zu brachte.
„Harry wie?" fragte Willbure, der offensichtlich nicht perdu sein wollte, oder durfte.
„Harry Potter!" sagte Harry und in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass niemand von seiner Ankunft gewusst hatte, denn ein überraschtes Luftanhalten und leise Ohs gingen durch die Runde.
„Natürlich Mr. Potter. Bitte verzeihen Sie!"
„Verzeihen? Was denn?" fragte Harry verwirrt.
„Für meine aufdringliche Frage. Ich wurde nicht darüber in Kenntnis gesetzt, wer Mr. Snapes Begleitung sein wird" erklärte Willbure.
„Kein Problem. Es reicht, wenn Sie mich Harry nennen!"
„Harry! Er ist der Butler!" erinnerte nun Severus.
„Na und?" fragte Harry „Wo liegt das Problem? Darf er mich nicht beim Vornamen nennen?"
Severus rollte mit den Augen, nahm Harry bei den Schultern und schob ihn vor sich die Treppen hoch.
Ooo
Als Harry die Eingangshalle betrat, klappte ihm der Mund ein weiteres Mal auf. Über ihnen hing ein Kristallluster von unglaublicher Schönheit. Die Decke war reich mit vergoldeten Stuckarbeiten verziert. Es gingen zwei kleine Gänge zu linken und zu rechten Seite weg dessen Flügeltüren offen standen und eine große Treppe ging in der Mitte in das nächste Stockwerk. Auf diese hielt Severus zielstrebig zu.
„Harry ich weiß, das muss alles beeindrucken sein, aber versuche wenigsten so zu tun, als ob du nicht Alice im Wunderland wärst, okay?"
„Beeindruckend? Es ist überwältigend! Hier aufzuwachsen muss unglaublich sein. Ich glaube da würde sogar Malfoy blas werden."
„Ich bezweifle, dass man die Villa Malfoy mit diesen Anwesen vergleichen kann."
Severus eilte durch die ewig langen Gänge, als wenn er hier täglich ein und ausgehen würde. Vor einer verzierten Holztür blieb er abrupt stehen und drehte sich zu Harry um. Kritisch beäugte er seinen Neffen. Dann holte er einen Kamm heraus näherte sich damit Harrys Haaren.
„Hey, was machst du denn?" fragte Harry erschrocken und wich zurück.
„Deine Haare in Ordnung bringen!" erklärte Severus und kam erneu Harry näher.
„Nein!" rief Harry panisch, wich weiter zurück und sah Severus mit einer Mischung aus Angst und Vorwurf an.
„Harry, was ist los? Ich versuche nur dein Erscheinungsbild etwas aufzupushen!" fragte Severus verwirrt.
„Es wird nichts bringen!" erklärte Harry und strich mit den Händen seine Haare nieder, die sofort wieder aufstanden, als er die Hände entfernte.
„Na schön, dann richte wenigstens deinen Kragen gerade!" sagte Severus und ließ den Kamm wieder verschwinden.
Harry sah an sich herunter. Alles war in Ordnung. Er hatte auf Wunsch von Snape seine Schuluniform an. Inzwischen verstand er warum. Es waren seine besten Kleider. Jeans und Pullis passten nicht wirklich zu dem Ambiente. Schon gar nicht die abgetragenen Klamotten von Dudley.
Severus atmete tief durch und legte dann seine Hand auf die Türschnalle. „Na schön, lass uns rein gehen!" Mit diesen Worten öffnete er die Tür und verschwand im Inneren des Raumes. Harry folgte ihm.
Die Teestube, sofern man das überhaupt Stube nennen konnte, war voll mit Bücherregalen. In der Mitte des Raumes standen eine Couchlandschaft und ein niedriges Tischchen. Die Fenster gingen fast von der Decke bist zum Boden und zwei davon waren offensichtlich Balkontüren, denn sie führten auf eine Terrasse hinaus.
Eileen Prince stand vor dem linken Fenster und starrte in den weiten Garten hinaus. Als sie jedoch Severus eintreten hörte, drehte sie sich um und sah den Mann vor sich lange prüfend an.
Dann breitete sie die Arme aus und sagte: „Severus, mein Kind, dass ich dich je wieder sehe. So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet, dich wieder in meine Arme schließen zu können. Unzählige Briefe habe ich von Albus bekommen, in denen er mir versicherte, dass es dir gut ging, aber nie hast du dich bei mir gerührt. Ich kann es kaum fassen, dass du wirklich hier bist. Du bist doch hier, oder?"
„Ja, Mutter!" versicherte Severus und hielt still, als die alte Frau ihre Arme um ihn schlang.
„Es tut so gut, dich wieder zu spüren!" sagte sie schließlich und ließ ihren Sohn wieder los. Severus holte ein Taschentuch aus seinem Umhang und hielt es ihr hin.
„Oh, Danke. Immer noch ein Gentleman, was?" scherzte sie und tupfte sich mit dem Taschentuch die Augen trocken.
Dann erst bemerkte sie die schmale Gestalt, die bei der Tür stehen geblieben war und unsicher das Geschehen vor sich beobachtete.
„Bitte, vergib einer alten emotionellen Frau. Du musst also Harry sein. Harry Potter, richtig?"
„Ja, Madam!"
„Mein Gott, wie George aus dem Gesicht geschnitten" sagte sie und beäugte Harry von oben bis unten.
Für Harry war es mal etwas Neues mit seinen Großvater verglichen zu werden, anstatt mit seinem Vater. Nur war er sich unsicher ob es gut war, oder schlecht, seinem Großvater ähnlich zu schauen.
„Ich heiße dich Willkommen und hoffe, du verbringst angenehme Tage hier. Willbure wird dir in Kürze dein Zimmer zeigen, dort kannst du dich frisch machen. Ich habe euch einen Tisch im Atelier-Zimmer decken lassen, nachdem ich schon gespeist habe."
„Danke, Madam Prince!"
„Oh, du kannst ruhig Eileen zu mir sagen.
„Danke, Eileen!"
Madam Prince lächelte und sah dann wieder zu Severus. „Hattet ihr eine angenehme Reise gehabt?"
„Ja, Danke! Ich wundere mich allerdings, dass du die Limousine noch hast!"
„Ich weiß, ich weiß. Sie bringt unangenehme Erinnerungen auf, aber sie ist nun mal das bequemste Transportmittel für lange Strecken."
„Apparieren tut es auch, oder Flopulver."
„Nein, nein. Mein Lieber. Apparieren ist nichts für eine alte Frau, wie mich. Außerdem bis ich außerhalb der Schutzschilde bin… nein. Und Flopulver? Also wirklich, das mochte ich selbst als junges Mädchen nicht. Ich habe dieses Anwesen auch nicht ans Netzwerk anschließen lassen. Es gibt nur einen Weg hier her und der ist beim Einfahrtstor hinein."
„Mam, die Zimmer für die beiden Herren ist sind fertig!"
„Sehr gut, Willbure. Würde Sie bitte Mr. Potter das Zimmer zeigen und erklären, wie er ins Atelier-Zimmer kommt?" fragte Madam Prince.
„Selbstverständlich! Mr. Potter?" damit verneigte er sich leicht und ließ Harry voran schreiten.
Harry sah sich neugierig um, alles was so kostbar verziert. Es gab unzählige Bilder und Statuen und sogar Ritterrüstungen standen hier und da.
„Ihr Zimmer, Sir!" sagte Willbure plötzlich und öffnete eine Tür.
Wie nicht anders zu erwarten, war auch dieses Zimmer riesengroß. Größer, als der Schlafsaal, den Harry sich in Hogwarts mit seinen Freunden teilte. Die Fenster waren, wie in der Teestube sehr hoch und es gab einen kleinen Balkon. Das Himmelbett war mit weißen Vorhängen bestückt, die mit weinroten Samtbändchen zusammen gebunden waren. Das gesamte Zimmer war in Weiß und Weinrot gehalten. Mit den hohen Fenstern wirkte es daher sehr hell und freundlich.
„Das Atelier Zimmer befindet sich am Ende des Ganges. Ich wünsche noch einen angenehmen Aufenthalt und sobald Sie etwas brauchen, zögern Sie nicht mich zu rufen!" Damit wies er auf eine Glocke mit Holzgriff, die auf einem Ablagetisch neben der Tür stand.
„Danke, Willbure!" sagte Harry und drehte sich staunend um seine eigene Achse. Das Zimmer war einfach… riesig!
Da entdeckte Harry eine Tür neben dem Wandschrank. Neugierig ging er darauf zu und öffnete sie. Dahinter verbarg sich ein eigenes Bad mit Klo. ‚Ich denke, dass ist notwendig. In der Nacht würde ich mich in diesem Haus sicher verlaufen, wenn ich das Klo suchen müsste!'
Harry sah sich in den Spiegel und verharrte einen Moment. Er konnte sich nicht vorstellen, wie es sein würde hier zu leben. Dieses Vornehme Getue, war so ungewöhnlich. Er fühlte sich irgendwie verloren.
‚Was soll ich mit so einem großen Zimmer? Wozu der ganze Platz?' unsicher ging er zu dem großen Himmelbett und ließ sich darauf fallen. Die Matratze war weich, aber nicht zu weich. Sie war schlichtweg bequem. Das Bett selber war doppelt so groß wie das in Hogwarts und er hatte drei Polster.
Harry schnaufte. So viel Luxus. Wie kam es, dass Snape sich das alles versagte? Selbst wenn es Streitigkeiten in der Familie gab, das Haus war so riesig, dass man hier locker jedem aus dem Weg gehen konnte. Und als Lehrer war er ohnehin die meiste Zeit in der Schule.
Einmal mehr malte sich Harry aus, wie es hätte sein können, wenn Snape ihn im Alter von einem Jahr zu sich genommen hätte. Dann wäre Harry höchst wahrscheinlich hier aufgewachsen. Nicht dass Harry diesen Luxus bräuchte. Aber hier war alles so konträr zu den Dursleys und alles was anders, als bei den Durselys war, war gut.
„Entschuldigen Sie, Mr. Potter, aber die Türe stand offen" riss Willbure den Jungen wieder aus seinen Gedanken.
„Ja?" fragte Harry.
„Mr. Snape lässt fragen, wann er mit Ihrer Gesellschaft rechnen kann."
„Oh, natürlich. Danke Willbure!"
Harry eilte den Gang entlang, wie es der Butler vorhin beschrieben hatte und fand sich kurz darauf im Atelier Zimmer wieder. Auch hier gab es hohe Fenster, aber der Raum war kleiner, als Harrys Zimmer und er hatte keinen Balkon. Eine Staffelei stand in einem Eck, auf dem ein halbfertiges Bild eines Sonnenaufgangs stand. Die Tafel in der Mitte, war für zwei Personen gedeckt, obwohl locker acht Menschen Platz hatten.
Severus saß schon bei Tisch und wartete, vermutlich auf Harry, denn das Essen stand schon dampfend vor ihm.
„Entschuldige, dass ich dich warten gelassen habe, aber du hättest ruhig schon anfangen können!"
„Du musst wohl noch viel über die Regeln im vornehmen Kreisen lernen!"
„Wozu?" fragte Harry.
„Wozu? Natürlich! Mr. Potter braucht sich doch an keine Regeln halten. Mr. Potter macht die Regeln!"
Verärgert zog Harry die Augenbrauen zusammen und bedachte Severus mit einem giftigen Blick. Dann setze er sich und ließ sich von seinem Onkel den Teller beladen.
„Ich dachte, es gibt eine Kleinigkeit! Sandwichs, oder Würstel" sagte Harry, als er den Berg von Spagetti Bolonaise begutachtete.
„Für die Maßstäbe des Hauses ist es eine Kleinigkeit!" erklärte Severus. „Und um auf das vorige Thema zurück zukommen. Wenn man zu einem gemeinsamen Essen verabredet ist, wartet jeder auf jeden. Kommst du zu spät, müssen die anderen warten bist du kommst. Es sei denn du hast einen triftigen Grund dich zu verspäten und gibst den anderen Bescheid, dass sie ohne dich anfangen sollen" erklärte Severus in Lehrer Manier.
Harry zuckte mit den Schultern und murmelte: „Okay, ich werde das nächste Mal Bescheid geben!"
Severus war mit der Antwort nicht zu frieden, aber er ließ das Thema fallen. Harry schien nicht in Stimmung für Belehrungen zu sein.
„Wie gefällt dir dein Zimmer?" wechselte der ältere daher das Thema.
Wieder zuckte Harry mit den Schultern und meinte „Es ist okay!"
„Okay" wiederholte Severus und studierte Harry, der offensichtlich appetitlos in seinen Nudeln stocherte.
Dann sagte er: „Wenn du lieber Sandwichs hast, dann bin ich sicher kann man dir welche organisieren!"
„Nein danke!" sagte Harry während er eine Spagetti aufrollte.
„Harry, was ist los?"
„Nichts!" gab Harry von sich, hielt aber seinen Blick gesenkt.
Schließlich ließ Severus die Gabel geräuschvoll auf den Teller fallen. Harry zuckte zusammen und sah erschrocken auf.
„Sag mir nicht, es ist nichts, wenn ich doch sehe, dass dich was bedrückt!" beschwerte sich Severus.
„Es ist aber Nichts!" rief Harry aufgebracht und stand auf.
„Harry, setz dich!" mahnte Severus, „Du hast noch keinen Bissen gegessen und du hast nicht gefragt, ob du gehen darfst!"
„Darf ich gehen?" fragte Harry mit gereizter Stimme.
„Nein. Ich möchte, dass du wenigsten ein bisschen isst!"
„Ich hab aber keinen Hunger!" rief Harry trotzig.
Severus atmete zwei Mal tief durch, eher er mit bemüht ruhigem Ton fragte: „Hab ich irgendetwas falsch gemacht? Habe ich dich beleidigt?"
Harry schüttelte den Kopf und senkte den Blick.
„Stimmt etwas mit dem Haus nicht?"
Wieder schüttelte Harry den Kopf.
„Hat es mit dem Traum zu tun, den du während der Reise gehabt hast?"
Harry sah mit grimmigem Blick auf und rief „Nein! Lass mich einfach in Ruhe, okay!" Dann hastete er aus dem Zimmer. Am Gang wäre er beinahe mit Willbure zusammengestoßen, der gerade noch rechtzeitig ausweichen konnte.
Mit verstörtem Gesicht betrat Willbure das Atelier-Zimmer und fragte: „War etwas mit dem Essen nicht in Ordnung?"
„Nein, Willbure, das Essen ist vorzüglich. Du kannst das Lob gerne an Annette weiterleiten."
Ooo
Harry war in sein Zimmer zurück gelaufen und hatte sich auf Bett geworfen. Er wusste nicht, wieso er seinen Onkel so angefahren hatte. Aber er hatte plötzlich Angst bekommen. Sev durfte auf keinen Fall herausfinden, wovon Harry geträumt hatte. Harry schämte sich so sehr, dass er als Zauberer seinen Onkel nie aufgehalten hatte. Okay, er wusste damals noch nicht, dass er ein Zauberer war. Aber er hatte sich nie gewehrt. Er hatte so Angst. Wieso war er eigentlich in Gryffindor gelandet, wenn doch keinen Mut hatte?
