Was damals passiert ist

Severus konnte nicht verstehen, was plötzlich in Harry gefahren war, dem entsprechend verärgert war er über Harrys Wutanfall.

„Gib ihm ein bisschen Zeit. Ich glaube, er ist einfach nur von der neuen Situation überfordert!" sagte Eileen, nachdem sie Severus ausgefragt hatte, was los sei.

„Was genau ist so überfordernd?" wollte Severus wissen.

Eileen lächelte milde: „Einfach alles. Harry wird erst jetzt bewusst, was die Adoption alles mit sich bringt. Plötzlich gehört er zu Menschen, die er vorher nicht einmal gekannt hat!"

„Er kennt mich!"

„Ja, aber nicht deine Familie."

„Ich will ja auch nicht gleich hier einziehen!"

„Warum eigentlich nicht? Meinen Informationen zu Folge, ist aus deinem Vogelhäuschen nur Schutt und Asche über"

Severus sah seine Mutter finster an. „Sag nicht Vogelhäuschen. Es war mein Heim! Ich brauchte nicht mehr und ich hatte meine Ruhe"

Eileen seufzte, „Aber die kannst du hier auch haben, weißt du. Alice und Richard wohnen auch nicht mehr hier. Ich fühle mich einsam. Kannst du nicht zumindest in Erwägung ziehen, hier zu wohnen, bis du ein neues Loch – entschuldige – ein neues Haus gefunden hast? Harry hat hier auch genug Platz, um sich austoben zu können."

„Seit wann sind Alice und Richard eigentlich ausgezogen?" fragte Severus neugierig.

„Richard und ich hatten einen Streit, der sich erst vor drei Jahren wieder gelegt hatte. Und Alice ist schon vor zehn Jahren ausgezogen, als sie Alec kennen gelernt hatte. Sie sind zusammen nach Amerika gezogen."

„Wer ist Alec?"

„Alec Hasting. Ein fescher Kerl. Wie würdet ihr sagen? Er ist cool? Jedenfalls ein sehr lockerer, freundlicher Mensch."

„Muggel?"

Eileen lachte herzhaft, „Du kennst doch Alice. Sie liebt die Magie! Denkst du wirklich, sie würde einen Muggel heiraten?"

„Vermutlich nicht!" gestand sich Severus ein und Bilder seiner Halbschwester, wo sie gerade den Zauberstab schwingt, kamen ihm ins Gedächtnis. Sie hat so ziemlich alles mit dem Zauberstab gemacht. Bloß keinen Finger zu viel gerührt. Ein Wunder, dass sie es überhaupt so lange in diesem Haus ausgehalten hat, wo die Magie weitgehend verbannt wurde.

„Und Richard?" fragte Severus nach.

„Richard ist mal hier, mal da. Er ist ein richtiger Nomade geworden. Er fühlt sich nicht wohl, wenn er zu lange an einem Fleck ist und offensichtlich kann er auch keine Frau finden, die zu ihm passt."

„Womit er nicht der einzige wäre!"

„Tja, Severus. Du musst eben unter Leute gehen! Die Wahrscheinlichkeit, dass deine Traumfrau irgendwann zum Lehrerkollegium dazu stößt ist nicht sehr groß."

„Und wer würde sich mit mir abgeben wollen?"

Eileen sah Severus lange an. „Mein Kind, hast du dir immer noch nicht vergeben?"

Vergeben? Wie soll ich mir denn vergeben? Für das, was ich getan habe, gibt es keine Entschuldigung! Ich habe mein Leben ruiniert."

„Aber du bist nicht mehr der Junge von damals. Du hast dich verändert! Und… du hast ein Kind adoptiert. Du bist ein guter Mensch! Du solltest deine Vergangenheit begraben!"

„Das kann ich nicht! Nicht, solange dieser Bastard lebt! Und was Harry angeht, ich verstehe bis jetzt nicht, warum er zu mir wollte. Ich meine, seine Verwandten haben ihn schlecht behandelt. Dass er dort weg wollte, kann ich verstehen. Aber warum er gerade zu mir gekommen ist? Nach allem was zwischen uns passiert ist. Es ist mir unerklärlich."

„Irgendwas wirst du schon richtig gemacht haben! Liebst du ihn?"

Severus antwortete eine Weile nicht, aber dann sagte er leise: „Mehr, als alles andere auf der Welt. Aber gleichzeitig macht er mich auch rasend. Ständig ist irgendetwas. So wie jetzt."

Eileen klopfte ihrem Sohn auf die Schulter: „Kinder erziehen ist nicht leicht. Leider habe ich den Fehler gemacht Tobias zu viel Freiraum zu gelassen. Ich hätte mehr auf mein Herz hören sollen."

„Er hat uns alle unterdrückt!" sagte Severus mit bitterer Stimme.

„Aber ich hätte mich wehren können. Ich bin eure Mutter und ich bin eine Hexe, während er nur ein Muggel war, ich hätte euch beschützen müssen."

„Es ist vorbei Mutter!"

„Ja und Nein" seufzte Eileen, „Ich tue mir auch schwer mit meinem Fehler zu leben. Was Tobias dir angetan hat, wo es dich hingetrieben hat, es… es war alles meine Schuld! Wäre ich nicht zu feige gewesen, mich von ihm zu trennen, hättest du nie…" Eileen verstummte und strich Severus zärtlich über den linken Unterarm.

Severus zuckte zurück, „Du bist nicht dafür verantwortlich!" rief er bestimmend. „Du warst schwanger von dem Mistkerl, was hättest du gegen ihn ausrichten können? Und später hattest du auch alle Hände voll zu tun mit Richard und dann auch mit Alice. Wenigstens konntest du die beiden beschützen!"

Eileen sah ihren Sohn gequält an, „Ich wollte aber auch dich beschützen. Doch ich hatte keine Kontrolle mehr. Weder über dich, noch über Tobias. Euer Streit, euer Hass war schon so tief."

„Mutter, hör auf darüber nachzudenken! Es ist vorbei! Du hast das Beste getan, was du konntest. Ich war alt genug, um meine eigenen Entscheidungen zu treffen und um meine eigenen Fehler zu machen. Du hättest es nicht verhindern können und es war auch nicht die Schuld von meinem Stiefvater. Der dunkle Lord war sehr einflussreich. Er wusste, was er wem versprechen musste, um ihn für sich zu gewinnen.

Ich hatte mich in meinem kindischen Machtspiel mit James Potter, zu weit aus dem Wasser gewagt. Plötzlich war ich in dem reisenden Strom, der in die vollkommen falsche Richtung floss und ich konnte nichts anderes tun als mitschwimmen. Als ich meinen Fehler bemerkt hatte, war kein Land mehr in Sicht, zu dem ich hätte zurück kommen können. Bis plötzlich Albus kam. Mit Phönixschwingen ließ er sich übers Wasser tragen, um mich zurück zu holen. Merlin, verstehe, warum er es getan hat!"

„Weil du ein guter Junge bist!" behaarte Eileen. „Albus weiß das!"

Severus schüttelte den Kopf. „Mein ganzes Leben besteht nur aus Kampf. Kampf gegen meinen Stiefvater, Kampf gegen James, Kampf mit meinen Geschwistern, Kampf gegen den dunklen Lord, Kampf mit mir selber. Ich bin alt und müde. Und jetzt kämpfe ich gegen etwas, was ich überhaupt nicht verstehe. Harry!"

„Oh, Severus. Du bist nicht alt, nur einsam. Und gegen Harry musst du nicht kämpfen. Nicht, nachdem er von sich aus zu dir gekommen ist. Je mehr du ihn in eine Richtung treiben willst, umso mehr wird er sich sträuben. Es ist schon okay, wenn du ihm Grenzen setzt, aber innerhalb dieser Grenzen, sollte er sich frei bewegen können. Wenn du ihn nicht zwingst mit dir zu reden, ihm aber immer wieder darauf hinweist, dass du da bist, dass du ihn liebst und ihm jederzeit zuhörst, dann wird er von sich aus zu dir kommen."

„Vielleicht hast du Recht, Mutter. Ich bin manchmal ungeduldig. Aber du hättest ihn sehen sollen, nach diesem Alptraum, den er hatte. Es hat mir das Herz zu geschnürt, dass er mich nicht an ihn heran ließ. Ich wollte ihn trösten und versichert, dass alles in Ordnung ist!"

„Aber vielleicht ist nicht alles in Ordnung. Nachdem du Harry sehr spät adoptiert hast, weiß du sehr wenig über sein Leben davor und Harry wird sich dessen bewusst sein. Aber ich bin sicher, wenn er so weit ist, wird er zu dir kommen. Und das mit dem zurückgewiesen werden, kann ich sehr gut nachvollziehen!" sagte Eileen schließlich mit leicht vorwurfsvollen Ton.

Severus senkte den Blick: „Es tut mir Leid, Mutter. Ich hätte schon viel früher zu dir kommen sollen!"

„Jetzt bist du ja da!" sagte Eileen schließlich und legte einen Arm um ihren Sohn, um ihn leicht zu drücken.

Ooo

Harry saß auf dem Boden vor den Fenster und blickte hinaus auf das Schneetreiben, dass vor kurzen begonnen hatte. Fasziniert sah er den kleinen Flocken zu, die langsam aber stetig zu Boden schwebten. Die wenigen Schneeflocken, die sich auf der Scheibe ansetzen, schmolzen in kurzer Zeit und hinterließen einen kleinen Wassertropfen.

Geistesabwesend fuhr Harry mit den Finger die Spur nach, die eine geschmolzene Flocke über das Fenster gezogen hatte, als es leise an der Tür klopfte.

Harry drehte sich um und sah in Eileens zaghaft lächelndes Gesicht. „Darf ich eintreten?" fragte sie.

Etwas perplex nickte Harry. Eileens Lächeln wurde breiter. Sie trat ein und zog die Tür hinter ihr ins Schloss.

„Ich habe gerade mit meinem sehr verzweifelten Sohn gesprochen!" erklärte sie.

Nun lief Harry leicht rot an und senkte den Blick, „Es tut mir Leid. Ich weiß auch nicht warum ich ihn angeschrieen habe. Ich sollte mich bei ihm entschuldigen!"

„Och, lass ihn ruhig mal ein bisschen schmoren!" sagte Eileen und trat nun ebenfalls ans Fenster, „Er hat mich 18 Jahre lang darüber im Dunklen gelassen, wie es ihm geht und was er so treibt. Soll er ruhig mal die Erfahrung machen, wie es ist, wenn man nicht weiß, was mit den eigenen Kinder los ist."

Harry sah nun überrascht auf.

„Ist, doch wahr! Ich bin seine Mutter und er ignoriert mich fast zwei Jahrzehnte lang. Aus Angst heraus, ich würde ihn verurteilen, würde ihn zurückweisen. Dabei liebt doch jede Mutter ihre Kinder, egal was sie angestellt haben" sagte Eileen.

Harry sah sie mit blankem Gesichtsausdruck an, nicht verstehend, was sie eigentlich sagen wollte.

„Entschuldige, Harry. Eigentlich bin ich gekommen, um mich bei dir zu bedanken."

„Bedanken? Wofür?" fragte Harry verwirrt.

„Dafür, dass du mir meinem Sohn zurück gebracht hast. Ich weiß, er wäre von sich aus nicht gekommen. Daher kannst nur du der Grund sein, warum er jetzt doch hier ist."

Harry nickte und blickte dann wieder aus dem Fenster. Eine Weile herrschte Stille, ehe Eileen sie wieder unterbrach: „Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?"

Harry schüttelte den Kopf. „Nein, ich denke nicht. Ich..." Ein Seufzer folgte und Harry sah zu Boden.

„Was bedrückt dich, Herzchen?" Mit diesen Worten zog sich Eileen einen Stuhl heran und setzte sich.

Harry schloss die Augen. „Es sind nur alte Erinnerungen. Ich komm schon damit klar!"

„Weißt du, manchmal hilft es, wenn man seine Probleme mit einer unbeteiligten Person teilt."

Tief durchatmend sagte Harry „Ich weiß nicht, ob Sie wirklich unbeteiligt sind"

Eileen sah nun drein, als verstünde sie plötzlich alles, „Daher weht der Wind. Du fragst dich, was in deinem Leben anders gelaufen wäre, wenn du hier aufgewachsen wärst?"

Harry war sprachlos, daher nickte er nur stumm, doch dann fand er seine Stimme wieder, „Ich weiß, es ist anmaßend. Es steht mir überhaupt nicht zu darüber nachzudenken"

„Oh Schätzchen, was redest du da? Wieso soll es anmaßend sein? Es ist dein gutes Recht dir darüber Gedanken zu machen. Ich habe mir vor fünfzehn Jahren auch darüber Gedanken gemacht."

„Sie...?" Harry war verwirrt.

„Natürlich. Es war nicht mein Wunsch, dass du bei Muggeln aufwächst, wenn du noch einen anderen Verwandten in der Zaubererwelt hast. Aber du musst eines verstehen, damals waren die Zeiten ganz andere. Es waren finstere Zeiten und es herrschte Krieg. Severus war zu jener Zeit ein vom Ministerium gesuchter Mann. Albus konnte nur mit Mühe verhindern, dass sie ihn nach Askaban brachten. Mein Sohn hätte dich damals unter keinen Umständen bei sich aufnehmen können. Niemand hätte zugestimmt, dass er die Fürsorge für dich bekäme. Davon abgesehen hatte Severus genug Probleme mit sich selber.

Und ich bin leider in keiner Weise mit dir blutsverwandt. Ich habe Albus gefragt, ob die Möglichkeit bestehen würde, dass ich dich adoptiere, aber er hatte zu große Bedenken, um deine Sicherheit. Er sagte, bei deiner Tante wärst du am besten geschützt, durch das Blut deiner Mutter."

Harry schnaubte abfällig.

„Ich weiß. Dein Leben war sicher nicht einfach unter den Muggeln. Zauberer und Muggeln vertragen sich über kurz oder lang einfach nicht! Vermutlich, weil die Muggeln wissen, dass sie einem Zauberer unterlegen sind. Ich glaube sie fühlen sich ständig bedroht. Sie haben oft so eine Angst vor uns, dass sie uns genau das antun, wovor sie sich am meisten fürchten. Mein Mann Tobias zum Beispiel hatte ständig Angst er könnte die Kontrolle über seine Familie verlieren, als einziger Nichtmagier, daher begann er uns zu unterdrücken. Leider mit Erfolg. Ich war so dumm und jung."

Noch immer starrte Harry aus dem Fenster, aber er nickte zum Zeichen, dass er noch zuhörte. Eine Weile war es still, ehe Eileen weiter sprach.

„Manchmal fragt man sich als Zauberer schon, wozu diese Muggeln eigentlich gut sind. Aber Merlin bewahre, ich würde nie so weit gehen wie du-weißt-schon-wer! Es ist schlimm das ein Mensch so viel Einfluss haben kann. Ich werde nie den Tag vergessen, als Severus mich verlassen hat. Ich wusste er würde ins Verderben laufen, aber er hatte nicht auf mich gehört, hatte nur irgendetwas gefaselt von Macht und Feigheit"

Wie aufs Stichwort entkamen Harry die Worte, die er mit elf Jahren gehört hatte: „Es gibt kein Gut oder Böse. Sondern nur Macht und jene, die zu feige sind nach ihr zu greifen!" AN: Dieser Satz kommt offensichtlich nur im Film vor

Eileen sah den Jungen überrascht an, „Genau das waren seine Worte, woher...?"

„Es sind seine Worte. Voldemorts Worte."

Erneute Stille trat ein. Harry fiel auf, dass Eileen bei Voldemorts Namen nicht zurück schreckte, wie so viele andere.

Sie sah aus dem Fenster und ihr Blick verlief sich in der Ferne.

„Es ist so schrecklich, was mit deinen Eltern passiert ist. Deine Mutter, war eine so liebenswerte Person. Severus hat sie einmal in der Ferien hierher eingeladen, da sie gemeinsam an einem Zaubertränke-Projekt gearbeitet haben. Allerdings war dein Vater ziemlich aufgebracht, als er davon erfuhr.

Severus und James haben sich immer gegenseitig fertig gemacht. Es ist traurig, wo sie doch Halbbrüder waren. Aber Severus war eifersüchtig auf James. Er gab James die Schuld, dass George mich verlassen hat. Er war davon überzeugt, würde es James nicht geben, dann wäre George bei mir geblieben. Ich weiß nicht, wie oft ich versucht habe, ihn das auszureden.

Aber James bemühte sich auch nicht gerade ihre Feindseeligkeit ruhen zu lassen. Er war sehr eingebildet und ja, arrogant. Durch die ständigen Hänseleien von James und seinen Freunden, entfachte in Severus bald ein direkter Hass auf James und es gab nichts, was diesen Hass dämpfen konnte. Tobias, war auch keine Hilfe. Denn durch den vollkommenen Kontrollwahn meines zweiter Mann über uns, lagen die beiden auch in einen ständigen Streit.

Severus fühlte sich von der Welt betrogen. Ich denke, dass machte ihn zu einem leichten Opfer für du-weißt-schon-wen. Als Severus dann Lucius kennen gelernt hatte, rutschte er immer tiefer in die verführerische Falle der versprochenen Macht. Ich habe viel zu spät erkannt, was sich da vor meiner Nase abgespielt hat und ehe ich mich versah, war er weg. Mein Severus. Dabei war er ein so lieber Kerl, wenn er mal seinen Hass beiseite geschoben hatte."

Schließlich verstummte Eileen wieder und sah zu Harry hinunter. Dieser hatte seine Stirn an die Scheibe gelehnt und sagte: „Ich hasse meinen Onkel und meine Tante auch. Vor allem meinen Onkel. Er hat mein Leben zu Hölle gemacht."

„Das tut mir Leid für dich!"

„Ich denke, wenn Voldemort nicht derjenige gewesen wäre, der meine Eltern umgebracht hätte, dann hätte er mich auch rumgekriegt. Als ich elf war und er mich überzeugen wollte ihm zu helfen, da hat er mir versprochen, er könne meine Eltern wieder lebendig machen. AN: Aus dem Film Ich war nahe dran ihm zu glauben. Ich hätte alles dafür gegeben, von den Dursley wegzukommen. Ich wundere mich bis jetzt noch, warum ich doch nicht nachgegeben habe."

„Es war gut, dass du es nicht getan hast!" bemerkte Eileen.

Harrys Mundwinkel zuckte zu einem schwachen Lächeln, „Ja, es war gut! Aber dennoch konnte ich drei Jahre später nicht verhindern, dass dieser Bastard mit meiner Hilfe wieder an die Macht kam."

„Du warst bei Voldemorts Wiederauferstehung dabei?" fragte Eileen geschockt.

Harry zog seine Knie zu sich und legte seine Arme darum, „Er brauchte mein Blut, also hat er es sich einfach genommen. Es war einer der schrecklichsten Tage in meinem Leben. Ich hab mich so hilflos gefühlt."

„Oh, Harry!" war alles was Eileen raus brachte.

Harry zuckte mit den Schultern. „Ist okay. Ich bin größtenteils darüber hinweg. Ich bin es inzwischen gewöhnt, dass mir immer so was passiert."

Eileen musterte Harry aufmerksam und kam zu dem Schluss, dass der Junge sich da was vor machte. „Das ist Unsinn und du weißt das."

Harry umklammerte seine Beine fester.

Eileen stand auf und bedachte Harry mit einen mitfühlenden Blick. „Vielleicht bin ich wirklich nicht der richtige, mit dem du reden solltest. Ich kenne dich nicht so gut, wie andere und ich weiß nichts von dem, was dir schon alles widerfahren ist. Aber du solltest auf jeden Fall mit jemand reden."

„Ich will nicht darüber reden, ich will vergessen!" murmelte Harry leise, aber Eileen hörte es dennoch.

„Manches kann man aber nicht einfach vergessen. Es mag vielleicht vorübergehend aus dem Gedächtnis verschwinden, aber irgendwann kommen die Erinnerungen wieder zurück und dann sind sie genau so frisch, wie damals. Sie tun genauso weh, oder sind genauso erschreckend, weil man sie nicht verarbeitet hat. Es ist meistens besser sich mit den schrecklichen Erlebnissen auseinander zu setzten. Notfalls auch mit professioneller Hilfe. Wenn man einen Teil seines Lebens einfach verdrängt, dann verdrängt man meist auch einen Teil seiner Persönlichkeit. Man ist dann irgendwie nicht mehr komplett."

Nun biss sich Harry auf die Unterlippe. Wie sollte er Erinnerungen verarbeiten, die schon acht Jahre und älter waren? Und wer sollte diese professionelle Hilfe sein? Harry ließ seinen Kopf fallen und vergrub sein Gesicht in seine Armen. Er wollte nicht mit irgendjemanden darüber sprechen, was Onkel Vernon mit ihm gemacht hatte. Eine frustrierte Träne entkam ihm und er schüttelte sich, um wieder einen freien Kopf zu bekommen. Eileen war inzwischen gegangen.

Schließlich stand Harry auf und versuchte sich mit einem Buch abzulenken. Er nahm das erstbeste Buch was er erwischen konnte und es war, oh Wunder, ein Buch über Zaubertränke. Ein wenig gelangweilt blätterte Harry vor sich hin, doch dann schnappte er das Wort „Gedächtniskiller" auf.

Das Buch beschrieb, dass man eine Erinnerung, die man in ein Denkarium extrahiert hat, mit Hilfe dieses Trankes für immer auslöschen konnte. Es standen mehrer Warnhinweise dabei. Am meisten betonte das Buch, dass dieser Vorgang nicht mehr rückgängig zu machen war.

Eine Weile spielte Harry ernsthaft mit dem Gedanken diesen Trank zu brauen, aber da fielen ihm Eileens Worte wieder ein, „Wenn man einen Teil seines Lebens einfach verdrängt, dann verdrängt man meist auch einen Teil seiner Persönlichkeit. Man ist dann irgendwie nicht mehr komplett."

Ob das bei dem Trank auch so war? Dass man quasi einen Teil seiner Persönlichkeit auslöscht? Und war es wirklich so schlimm, wenn man es tat? Aber mit wem konnte er darüber reden, ohne dass dieser Verdacht schöpften würde, dass Harry Probleme haben könnte? Hermine!

Harry lief zum Schreibtisch und schrieb einen Brief an seine beste Freundin. Als er mit dem Brief fertig war, sprang er auf und wollte die Eulerei suchen. Er hatte natürlich keine Ahnung, wo sie war, aber ein bisschen umher wandern konnte auch nicht schaden.

Während Harry durch die Gänge spazierte, ließen ihn folgende Worte innehalten: „Severus, Severus, also ist das Gerücht wahr? Der verlorene Sohn ist zurückgekehrt?"

Harry konnte am Tonfall hören, dass derjenige der die Worte sprach, Severus verachtete. Neugierig näherte sich Harry den Raum, aus dem die Stimmen kamen.

„Richard. Es ist auch schön dich wieder zu sehen!" antwortete Severus.

„Schön?" höhnte Richard. „Du Bastard! Wie kannst du es wagen, mir unter die Augen zu treten?"

„Ich trete dir nicht unter die Augen, sondern ich besuche unsere Mutter, die mich eingeladen hat."

„Bah, du hast jedes Jahr eine Einladung bekommen und sie nicht wahr genommen. Warum diesmal? Warum musst du auf einmal unser Familienglück durch deine Anwesenheit stören?"

„Es liegt nicht an dir zu entscheiden, wer am Familienfest teil nehmen darf. Und ich habe meine Gründe warum ich diesmal hier bin."

„Sicher hast du sie. Dennoch bist du nichts anderes als ein dreckiger Mörder!" schimpfte Richard und funkelte Severus giftig an.

„Du hast keine Ahnung, von was du da sprichst!" sagte Severus drohend.

„Ach nein? Willst du behaupten, du hast meinen Vater nicht umgebracht?" fragte Richard drohend.

„Als ob er dir abgehen würde!" zischte Snape.

„Darum geht es nicht. Er war ein Bastard. Aber er hat niemanden umgebracht?"

Stille war diesen Worten gefolgt. Harry am Gang war wie erstarrt vor Schreck. Er hatte gewusst, dass Severus jemanden umgebracht hatte, aber nicht, dass es sein Stiefvater gewesen war.

„Weißt du Severus. Ich habe dich früher immer verehrt. Ich war stolz dich als Bruder zu haben. Du hattest immer stoisch die Launen meines Vater über dich ergehen lassen. Ich weiß, du hast absichtlich seinen Zorn auf dich gelenkt, um uns zu schützen. Du warst ein Art Idol für mich. Und in einer Nacht… hast du alles zerstört, woran ich geglaubt habe."

„Ich hab dich nicht darum gebeten, mich als Vorbild zu nehmen!" rief Severus zornig.

„Ich habe es aber getan. Du warst mein großer Bruder. Ich hab dich vergöttert! Wie konntest du so was nur tun? Einfach eiskalt umbringen?"

„Einfach?" höhnte nun Severus, „Du denkst es war einfach?"

„Bitte Severus, erzähl mir jetzt nicht, es war ein Unfall. Halte mich nicht für so dumm!"

„Es war kein Unfall. Ich habe ihn umgebracht" gab Severus zu.

„Dann nenne mir einen Grund, warum ich dich nicht anzeigen sollte. Jetzt und hier. Wieso bist du ungeschoren davon gekommen?"

„Wenn du deinen Bruder anzeigen willst, dann tue es. Wenn du denkst, ich habe für meine Tat nicht genügend gebüßt, dann tue es. Du hättest es schon damals tun sollen. Aber bedenke, was das alles für Folgen mit sich bringen würde und überlege dir gut, ob es dir wert ist."

„Wieso, Severus? Wieso hast du es damals getan? Er hat dich geschlagen, okay. Aber war das wirklich der Grund?"

„Er hat mich nicht nur geschlagen!" sagte Severus wütend.

Dann drehte er sich um und stürmte aus dem Zimmer, wo er sofort mit Harry zusammen stieß, der zu geschockt war um sich zu bewegen.

„Verdammt noch mal Harry, musst du deine Ohren immer dort haben, wo sich nicht hingehören?"

Harry wollte darauf antworten, aber er brachte kein Wort hinaus. Severus ging um den Jungen herum und eilte davon. Schließlich erwachte Harry wieder aus seiner Starre. Sein Gespräch mir Eileen und Severus blinde Wut über seinen Stievvater ließ Harr vermuten, was Severus meinte mit „Er hat mich nicht nur geschlagen" Es gab nur eines was noch schlimmer war, als eine Tracht Prügel. Aber Harry hätte nie gedacht, dass Severus auch… plötzlich drehte er sich um und lief seinem Onkel nach. „Sev, warte!"

„Harry, jetzt nicht!" versuchte Severus den Jungen abzuwimmeln.

„Bitte, Sev, ich-"

„Ich sagte, jetzt nicht!" zischte Severus gefährlich.

Harry begann zu zittern. Er wusste, es wäre klüger Severus jetzt alleine zu lassen, aber eine innere Macht trieb ihn erneut hinter seinen Onkel nach.

„Sev!" rief Harry schließlich, als Severus sein Zimmer erreicht hatte.

„Harry, verzieh dich und mach die Tür hinter dir zu!" sagte Severus drohend, während er zu einem Regal ging und hektisch nach etwas zu suchen begann.

Harry schloss die Tür, aber er verließ das Zimmer nicht, sondern sah Severus mit aufsteigender Panik zu. Dieser hatte gefunden wonach er suchte und eilte dann ins Badezimmer.

Harry folgte beinahe in Trance. Als er das Badezimmer betrat, sah er nicht Severus, sondern sich selbst, wie er sich den Wasserhahn der Badewanne auf volle Hitze aufdrehte und zu dem rauesten Schwamm griff den er finden konnte. Als er Severus sah, wie er die Glasflasche öffnen wollte, rief Harry verzweifelt: „Bitte, tu das nicht!"

Severus fuhr erschrocken herum, er hatte nicht damit gerechnet, dass Harry noch da war.

„Welche Worte von Harry verzieh dich hast du nicht verstanden?" fuhr er den Jungen wütend an.

„Bitte nicht!" sagte Harry und Tränen rannen ihm dabei über die Wagen.

„Bitte was nicht?" fragte Severus verwirrt, während seine Wut angesichts Harrys Zustand verpuffte.

„Ich weiß, wie du dich fühlst. Es hilft nicht, glaube mir!" flehte Harry.

„Was hilft nicht? Wovon redest du überhaupt?" nun schwang Sorge in Severus Stimme mit, der immer noch nicht wusste, was in Harry gefahren war.

„Dieser... Schmutz. Er geht nicht runter!" erklärte Harry, während weitere Tränen über sein Gesicht liefen.

„Schmutz?" wiederholte Severus ungläubig, als er plötzlich verstand wovon Harry sprach. Schließlich legte er Schwamm und Glasflasche beiseite und studierte den Jungen vor sich, der wie ein Häuflein Elend aussah. Dann ging er mit großen Schritten auf Harry zu und legte seine Arme um den Jungen.

„Ich hatte nicht vor mir die Haut von den Knochen zu schruppen! Ich wollte bloß ein Entspannungsbad nehmen" flüsterte er und drückte Harry an sich, der am ganze Leib zitterte.

„Aber das heiße Wasser!" sagte Harry verstört.

„Die Kräutertinktur entfaltet ihre beste Wirkung, wenn man sie im heißen Wasser auflöst. Ich hätte vor dem Bad dann noch kaltes Wasser dazu gemischt."

„Der raue Schwamm!" stammelte Harry weiter.

„Er ist nur im trockenen Zustand so rau. Im Wasser ist er weich!"

Harry schluchzte auf, während verschiedenste Emotionen auf ihn einstürzten.

„Schschsch... Harry ist gut."

Eine Weile standen Harry und Severus einfach nur da, doch dann schob Severus den Jungen wieder aus dem Badezimmer und nahm gemeinsam mit ihm auf dem großen Bett Platz. Er wartete bis Harry sich wieder beruhigt hatte ehe er sagte, „Ich glaube, wir beide sollten reden!"

„Worüber?" schniefte Harry und wischte sich mit dem Handrücken den Rotz und die Tränen weg. Wortlos reichte Severus den Jungen ein Taschentuch. Dieser murmelte ein ‚Danke' und schnäuzte sich schließlich.

„Dein Verhalten eben."

Harry schauderte, als ihm bewusst wurde, dass er durch sein Verhalten mehr verraten hatte, als er wollte. „Da gibt's nichts zu reden!" murmelte er.

Erneute Wut flammte in Severus auf, aber er atmete ein paar Mal tief durch und fing sich wieder. Dann nahm er Harrys Kinn und hob es hoch, so dass Harry gezwungen war in seine Augen zu blicken. „Und ob es da etwas zu reden gibt!" widersprach Severus.

„Harry, ich weiß, von welchem Schmutz du geredet hast. Ich weiß, ganz genau, was du befürchtest hast, dass ich tun würde. Und du hast Recht, wenn du sagst, dass es nichts bringen würde. Was mich beunruhig ist, woher du das weißt!"

Gequält sah Harry in Severus Augen und flehte, er möge das Thema doch fallen lassen.

„Wer, Harry? Wer hat dir das angetan?" fragte Severus ernst.

Harry biss auf seine Lippen, da sie zu zittern angefangen hatten.

„Dein Onkel?" fragte Severus unnachgiebig weiter.

„Er hat damit aufgehört!" versuchte Harry das Thema zu beenden.

„Er hätte damit erst gar nicht anfangen dürfen! Wieso hast du nie jemanden etwas davon gesagt?"

Ungläubig starrte Harry Severus an, „Wem hätte ich es denn sagen sollen? Wer hätte mir denn geglaubt? Ich bin doch nur ein Freak!" rief Harry aus verzweifelter Wut.

„Du bist kein Freak!" bestritt Severus sofort.

Harry schloss die Augen und sah von Severus weg.

„Du.bist.kein.Freak!" sprach Severus erneut und betonte jedes einzelne Wort.

Harry schüttelte heftig den Kopf und umklammerte seinen Körper. So gerne Severus Harry am liebsten sofort wieder umarmt hätte, so sehr wusste er, dass er sich jetzt gedulden musste.

Nach einer schier endlosen Zeit begann Harry doch zu reden, sein Blick war in sich gekehrt, „Er hat immer gewartet bis Tante Petunia mit Dudley das Haus verlassen hatte und dann hat er gemeint ich müsse baden. Ich sei schmutzig, hat er behauptet, auch wenn ich am Vortag erst duschen war. Dabei fühlte ich mich nach seiner Wäsche immer schmutzig. Sein Blick... wie er mich angesehen hat... wenn er mich angefasst hat... Er... er hat mir nicht geglaubt, dass es weh tut."

Neue Tränen kamen Harry hoch und seine Stimme versagte.

„Von wegen, er hat dir nicht geglaubt. Er wusste es!" schimpfte Severus vor sich hin.

„Es hat ihm Spaß gemacht. Aber als ich in die Schule gekommen bin mit sieben, hat er mich verprügelt und gesagt, ich bringe es nicht mehr und wenn ich je einer Menschenseele davon erzähle, dann wird er dafür sorgen, dass alle über mich lachen werden. Er hat mir versprochen, dass mir keiner glauben würde, wenn ich es herumerzähle, weil ich nur ein Freak bin und Freaks glaubt man nicht."

„Ich glaube dir aber!" sagte Severus ernst, „Also kannst du unmöglich ein Freak sein!"

Harry vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er schämte sich so sehr, dass er es erzählt hatte.

„Harry, was dein Onkel getan hat, war nicht deine Schuld. Und ich weiß, du konntest nichts dagegen machen. Es ist erschütternd, was man aus Angst über sich ergehen lässt, dass man so schockiert sein kann, dass man sich nicht wehrt. Aber glaube mir, Harry, du bist keine Ausnahme. Gerade wenn man so jung ist, wie du warst, dann geht man immer davon aus, dass die Eltern, oder Erziehungsberechtigten Recht haben. Man stellt ihr Handeln nicht in Frage. Man tut alles für sie, in der Hoffnung, wenigstens ein kleines bisschen gemocht zu werden."

Harry fing wieder an zu schluchzen. „Es hat nicht funktioniert!" gab er mit gebrochenen Herzen zu.

Severus konnte sich nicht mehr zurück halten, er rutschte zu Harry auf und nahm den Jungen in seine Arme.

„Nicht, du wirst auch schmutzig!" versuchte sich Harry zu wehren.

„Du bist nicht schmutzig! Genauso wenig, wie ich schmutzig bin. Ich liebe dich!" Harry gab seinen Widerstand auf und ließ sich von Severus halten. Es tat so gut diese starken Arme um sich zu spüren.

„Es tut mir Leid!" nuschelte Harry.

„Was tut dir Leid?"

„Dass ich dich zu Mittag angeschrieen habe. Ich hatte Angst, wenn du davon erfahren würdest, dann..."

Severus drückte Harry von sich, um ihn in die Augen zu schauen, „Ich werde dich nicht verstoßen! Egal was in deiner Vergangenheit passiert ist. Du bist jetzt mein Sohn und ich dein Vater. Nichts kann daran noch etwas ändern!"

Nach diesen Worten zog er Harry wieder in eine Umarmung.

„Und wegen deiner Szene zu Mittag - ich denke in Anbetracht der Situation, kann ich dir keinen Vorwurf machen. Ich war irgendwie selber zu nervös, als dass ich richtig auf dich eingehen konnte."

Harry schmiegte sich enger in die Arme seines Vaters und genoss die Wärme und den Halt.

Nach einer Weile erinnerte sich Harry wieder, was er im Gespräch zwischen Severus und Richard gehört hatte.

„Du... du hast wirklich deinen Stiefvater umgebracht?" fragte er.

„Ich bin nicht stolz drauf!" versicherte Severus.

„Wie ist es passiert?" fragte Harry und Severus war überrascht, dass Harry dabei überhaupt nicht vorwurfvoll klang.

Severus seufzte tief, ehe er zu erzählen anfing: „Der dunkle Lord hat mir diesen Auftrag gegeben. Er hat mir versprochen, ich würde ein mächtiger Gegner werden, wenn ich meine Vergangenheit besiegle und dieses Schwein umbringe. Ich war so geblendet von seinen Versprechungen. Verwirrt von seinen freundlichen Worten, von seinem Verständnis gegenüber dem was ich durchgemacht hatte. Ich war sogar so weit, ihn als meinen Vater zu sehen. Du hast keine Vorstellung davon, wir sehr Voldemort mit mir gespielt hat. Er wusste ganz genau, was er sagen musste, um mich zu überzeugen und welche Pose er mir gegenüber einnehmen musste, damit ich ihm folgte.

Er war damals viel mächtiger, als er es jetzt ist. Weil er sein Ziel noch klar vor sich hatte. Jetzt ist er abgelenkt durch diverse kleine Rachezüge und vergisst dabei, seine Armee zusammen zu halten. Er hat vergessen, wie er einst seine Todesser um sich gescharrt hatte. Jetzt versucht er seine Untergebenen mit Angst und Ehrfurcht zu kontrollieren. Er versucht seinen Mangel an Macht durch totale Unterdrückung zu verstecken. Früher hatte er viel mehr Feingefühl, wie man Menschen steuert. Er hatte jeden seiner Todesser in der Hand, wie ein Marionettenspieler."

„Wieso hast ihm dann den Rücken gekehrt?" fragte Harry neugierig.

Severus seufzte erneut, „Weil ich mit dem Gedanken, jemanden umgebracht zu haben, nicht zurecht kam. Ich fühlte mich nicht mächtiger, sondern schwächer danach. Ich hatte meinen Stiefvater in die Augen gesehen, als er starb und ich wusste, egal was dieser Mann getan hatte, ich war nun um nichts besser als er.

Und nachdem sich Voldemorts Versprechungen nicht erfüllt hatten, fing ich an zu zweifeln. Ich wusste nicht mehr was richtig und falsch war. Und dann kam Albus und versprach mir Klarheit. Ich wusste nicht mehr wozu ich noch gut war, aber Albus hatte mir den Vorschlag gemacht, als Spion für ihn zu arbeiten. Er gab mir einen Job und hat gesagt ich solle so tun, als ob ich ihn für Voldemort ausspionieren würde. Er gab mir regelmäßig Informationen, die ich an den dunklen Lord weiter geben konnte und Voldemort hat den Köder geschluckt."

Harry nickte stumm. Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte, aber er konnte sich sehr gut vorstellen, dass Voldemort einst diese Macht besaß. Wie sonst hätte er so viele Anhänger gewonnen? Sicher nicht, wenn er von Anfang an die Leute unter den Crutiatosfluch genommen hätte.

„Wieso erzählst du das nicht deinen Bruder? Würde er dir dann nicht eher verzeihen?"

„Verzeihen? Es macht keinen Unterschied, wenn ich ihm meine Situation von damals versuche zu erklären. Es war dennoch ich, der seinen Vater umgebracht hat."

„Also für mich macht es sehr wohl einen Unterschied. Ich kann mir deine Situation damals gut vorstellen" gab Harry zu.

„Aber auch nur, weil du schon öfters mit diesem Bastard zu tun hattest, als dir gut getan hatte!"

Eine Weile saßen die beiden am Bett und jeder hing seinen Gedanken nach.

„Dann wurdest du also auch von deinem Vater miss-?" Harry stockte.

„Missbraucht, ja. Sprich es ruhig aus Harry. Du brauchst dich nicht zu schämen."

Harry schauderte und verstummte wieder. Doch nach einer Weile sagte er: „Davon hat also deine Mutter geredet, als sie von professioneller Hilfe gesprochen hat. Sie hat dich gemeint!"

„Du hast mir meiner Mutter gesprochen?" fragte Severus verwundert.

„Sie kam zu mir und hat sich bei mir bedankt."

„Bedankt?"

„Dass ich dich zu ihr zurück gebracht habe!"

„Oh"

Dann sah Harry auf und fragte, „Wieso hast du deine Mutter nie besucht. Sie liebt dich doch!"

„Es ging mir weniger um sie, als darum meine Geschwister zu meiden!"

Harry warf Severus einen verständnislosen Blick zu. „Du hättest dich mit ihr ja überall treffen können. Du hättest sie nach Hogsmead einladen können!"

„Ich... ich konnte ihr nicht unter die Augen treten. Nicht mit dieser Schuld auf meinen Schultern!"

„Und jetzt kannst du es?"

„Es sind viele Jahre inzwischen vergangen und außerdem wolltest du sie doch kennen lernen."

„Verstehe, du gebrauchst mich als Zeugnis dessen, dass du dein Leben wieder im Griff hast! Severus, Severus, bei deinen Schülern zeigst du diese Feigheit nie!" sagte Harry und grinste frech, worauf er eine spielerische Kopfnuss verpasst bekam.

Harry lachte und stellte fest, dass er sich viel besser fühlte, jetzt wo Severus Bescheid wusste.

Auch Severus fühlte sich besser. Er hatte eben eines der dunkelsten Kapiteln seiner Vergangenheit mit Harry geteilt und Harry sah ihn immer noch an. Der Junge war wirklich ein Geschenk des Himmels. Ein Jammer, dass Harry selber so viel Schreckliches durch machen musste.

Ein letztes Mal drückte er Harry an sich ehe er meinte: „Darf ich mir jetzt mein Bad nehmen?"

Harry lief rot an, sagte „Natürlich!" und ließ Severus schließlich alleine.

Sobald Harry am Gang war, zerriss er seinen Brief an Hermine. Erinnerungen zu löschen, war sicher keine gute Idee. Wie sonst hätte Harry Severus Situation verstehen können, wenn er sich nicht mehr an den Abgrund tiefen Hass erinnern konnte, den er Onkel Vernon gegenüber empfand? Harry war sich nicht sicher, ob er nicht auch bereit gewesen wäre seinen Onkel umzubringen, wenn ihm einer eingeredet hätte, er würde sich danach besser fühlen. Voldemorts Macht musste damals wirklich Angst einflössend gewesen sein.

ooo

Für die, die ein bisschen über die Geschichte disskudieren wollen. Ich hab ein Forum aufgemacht. Leider hat sich erst einer dahin verirrt (meine Schwester). Vielleicht habt ihr ja Fragen? Müsst allerdings eingeloggt sein zum posten. Der Link ist auf meinem Profil