So, ein schönes langes Kapi, aber na ja... armer Harry.
Zu Alec: Ich weiß, zwischen Amerika und England, gibt es wahrscheinlich keine Verständigungsschwierigkeiten, da sie beide englisch sprechen. Aber da ich deutsch schreibe, konnte ich nicht widerstehen Alec englisch sprechen zu lassen und damit ein bisschen den Unterschied hervor zu streichen. Stellen wir uns also einfach vor, Harry spricht deutsch, Alec englisch. Ich finde es witzig, so halb-halb zu schreiben. Ich hoffe, ihr könnt dennoch alles verstehen. ;o)
Eine Hand voll Staub
Gegen sechs Uhr Abends war das Dinner angesagt. Harry war ein wenig nervös. Er wusste nicht, wie er sich bei so einer Etikette verhalten musste. Severus hatte zu Mittag gemeint Harry müsse noch viel lernen. Aber wie viel? Würde er sich heute total zum Affen machen? Und die Sache mit Richard. Würden sich Severus und Richard den ganzen Abend nur angiften? Und was sollte er anziehen?
Er ging zu seinem Koffer und suchte sich sein schönstes Hemd heraus. Doch es war ziemlich zerknittert. Hermine hatte Harry auf die schnelle noch ein paar nützliche Sprüche bei gebracht um seine Kleidung zu pflegen und in Ordnung zu halten. Jetzt war die Zeit gekommen, diese Sprüche auszuprobieren.
„Ironus!" sagte Harry und tippte auf das Hemd. Doch es passierte nichts. Harry runzelte die Stirn. Er probierte es zwei weitere Male aber noch immer lag das Hemd zerknittert vor ihm. Da klopfte es an der Tür.
Erschrocken fuhr Harry herum. „Sev!"
„Ich wollte nur sehen ob du fertig bist!" fragte Severus, der selber in den besten Kleidern war. Statt des sonst komplett schwarzen Umhangs, hatte dieser nun einen Silberrand und wurde durch eine ebenfalls silberne Brosche in Schlangenform zusammen gehalten. Severus Haar war gewaschen und zu einem Pferdeschwanz gebunden. Alles im allen wirkt Severus richtig elegant.
Harry der seinen Onkel ansah fühlte sich plötzlich schlecht, „Ich hab nichts zum Anziehen!" sagte er mit niedergeschlagenem Blick. „Und Hermines Spruch funktioniert auch nicht. So kann ich mein Hemd nicht bügeln."
„Es würde mich wundern, wenn du hier nicht zaubern könntest. Wir sind angemeldete Gäste, der Schutzschild, sollte uns nicht betreffen!" sagte Severus verwundert und trat ein. „Welchen Spruch hast du benützt?"
„Ironus?" fragte Harry verunsichert. „Was für ein Schutzschild?"
„Erkläre ich dir später. Probiere es noch mal!"
Harry probierte es noch mal, aber wieder geschah nichts.
„Hmm…" machte Severus „Kann es sein dass du Angst vor dem Festessen hast?"
„Was?" fragte Harry geschockt.
„Du wirkst nervös!" sagte Severus richtete seinen Zauberstab auf das Hemd und im Nu waren die Falten draußen.
Niedergeschlagen setzte sich Harry aufs Bett. „Ich werde mich nur blamieren!"
Severus ging zu Harry und setzte sich zu ihm. „Du wirst dich nicht blamieren. So streng geht es hier bei uns auch wieder nicht zu. Sei einfach du selbst, da kannst du am wenigsten falsch machen!"
„Aber du hast gesagt, es gibt Regeln-"
„Ich weiß, was ich gesagt habe. Ja, es gibt Regeln. Aber du wirst sie schon lernen, mach dir deswegen keinen Kopf. Wenn du unsicher wirst, dann sieh dich einfach um, was die anderen machen. Es ist nicht so kompliziert. Und jetzt zieh dich bitte an, okay?"
Harry nickte und lächelte verschämt. Es war so peinlich wegen so Kleinigkeiten gleich so ein Theater zu machen. Doch Severus tat nicht so, als wenn irgendetwas abnormal wäre, das gab Harry wieder mehr Sicherheit.
Über das Hemd wollte Harry seinen Festumhang, den er im vierten Schuljahr gekauft hatte anziehen, doch dieser war zu klein.
„Wieso schaust du nicht einmal im Kleiderschrank nach?" fragte Severus plötzlich.
„Ich hab ihn noch nicht eingeräumt!" sagte Harry.
„Das merke ich, sonst wäre dein Dilemma auch nur halb so groß!"
„Wie meinst du das?" wollte Harry wissen.
Severus ging zum Schrank und öffnete ihn. Harrys Kinnlade klappte herunter. Hier hingen mehrere Umhänge, Hemden, Hosen und im zweiten Teil des Kastens waren Schuhe und andere Sachen.
„Wem gehören die?" fragte Harry verblüfft.
„Dir!" war die knappe Antwort.
„Was? Wie? Ich verstehe nicht."
Severus ging zu Harry und schob ihn auf den Kasten zu. „Ich habe meiner Mutter gesagt, dass deine Garderobe etwas dürftig ist. Allerdings hab ich auch nicht damit gerecht, dass sie dir gleich einen ganzen Kasten voll neuer Sachen schenken würde."
„Das gehört wirklich alles mir?" fragte Harry ungläubig „Sie kennt mich doch gar nicht. Woher weiß sie die Größe?"
„Sie hatte drei Kinder!" sagte Severus, als ob dies alles erklären würde.
Harry sah sich die Festumhänge genauer an. Es waren insgesamt sieben Stück. Drei schwarze, ein dunkelblauer, ein dunkelgrüner, ein weinroter und ein silberner. Harry griff sich den dunkelgrünen heraus. Die Oberfläche schien aus Samt zu sein, aber der Umhang war leicht und fiel locker um Harrys Körper.
„Wow!" sagte Harry und drehte sich um seine eigene Achse. Der Umhang wehte leicht, ein bisschen, wie der von Severus, aber nicht ganz.
Ooo
Wenig später gingen Severus und Harry, die große Mitteltreppe hinunter und in den Westflügel. Harry war immer noch aufgeregt, aber die Tatsache, dass sein Onkel, nein, sein Vater, bei ihm war, beruhigte ihn ungemein.
Harry hatte sich zu seinem Umhang passend auch eine Brosche gewählt. Sie zeigte einen fliegenden Drachen, war aus Rotgold geschmiedet und hatte als Augen zwei Smaragde, nicht ganz unähnlich Harrys Augenfarbe.
Harry fühlte sich eigenartig in den neuen Sachen. Sie waren so edel und er kam sich nicht so vor, als würde er so etwas verdienen. Er fühlte sich wie ein räudiger Hund im Nerzmantel. Severus drückte Harrys Schulter sanft, als sie schließlich den festlich geschmückten Speisesaal erreichten.
Harry Augen wurden erneut groß. Ein riesiger großzügig verzierter Weihnachtsbaum stand in einer Ecke und drei weitere kleine in den anderen Ecken. Mistelzweige, Tannenzweige und rote Bändchen, silberne Glöckchen, goldene Glöckchen, Kugeln, überall war etwas Neues zu entdecken. Und dennoch wirkte es nicht überladen.
„Harry! Severus!" begrüßte Eileen die beiden. „Harry, Schätzchen, du sieht's hinreißend aus!" mit diesen Worten zog Eileen den überraschten Harry in eine Umarmung.
„Sie sehen auch bezaubernd aus!" gab Harry schließlich das Kompliment etwas schüchtern zurück.
Eileen strahlte Harry an, „Oh, Danke, mein Engel!"
„It's incredible? Is that? Is that Mr. Potter?" ein Mann mit dunkelblonden, langen Haaren kam auf Harry und Severus zu. Sein Umhang hatte lange weite Ärmel und darunter hatte er ein scheinbar zu großes Hemd an. Der Mann sah nicht schlampig aus, es wirkte eher locker, um nicht zu sagen cool.
„Sie sin Mr. Potter, aren't you?" fragte er Harry mit streng amerikanischem Akzent.
„Ähm, ja" sagte Harry verlegen. „Harry Potter!"
„Amazing. Isch hätte niemals gedacht Sie einmal personlich gennen zu lern. Es is mir eine Honor, eine Ehre! I'm Alec Hasting" mit diesen Worten schüttelte der Amerikaner Harrys Hand, dann wandte er sich an sein Frau und sagte: „You didn't say anything!"
„Ich wusste es auch nicht!" verteidigte sich Alice und reichte nun ihrerseits Harry die Hand. „Alice Hasting! Schön dich bei uns zu haben!"
„Danke!" Harry wusste einfach nicht was er sonst darauf sagen sollte, er war einfach überfordert.
Alice wand sich dann an Severus. „Hallo Bruderherz. Wem verdanken wir diese Ehre?"
„Ich bezweifle, dass meine Anwesenheit hier allgemein als Ehre bezeichnet werden kann!" Severus blickte verstohlen zu Richard, der sich bisher im Hintergrund gehalten hat.
„Du weißt, er vergibt nicht leicht. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dir schon vergeben habe. Aber unsere Mutter braucht dich und somit bist du willkommen, egal, was andere dazu meinen" nun sah auch Alice zu ihren Bruder.
„Richard!" mahnte nun Eileen, „Sei nicht so unhöflich. Komm her!"
Widerwillig stieß sich Richard von der Wand ab, an der er gelehnt hatte, kam näher und sah zwischen Severus und Harry hin und her.
„Wie kommt ein Mann, wie du an Harry Potter heran?" fragte er, ohne seine Verachtung zu verstecken. Eileen sah ihn strafend an.
„Ich bin sein Onkel!" sagte Severus sachlich.
„Vater!" widersprach Harry.
Richard sah kurz zu Harry dann wieder zu Severus, „Du hast ihn adoptiert?"
„In der Tat!"
Richard schüttelte leicht den Kopf.
Bevor noch irgendwer etwas diesbezüglich sagen konnte, schaltete sich Eileen ein. „Lasst uns mit dem Mahl beginnen. Willbure?"
„Jawohl, Madam!"
Energisch scheuchte Eileen die Leute an den Tisch. Harry war froh über die Ablenkung, denn die Spannung im Raum war kaum mehr zu ertragen.
Fragend sah Harry zu Severus doch dieser schien gefasst und ruhig. Dann sah Harry zu Richard. Er hatte eine emotionslose Maske aufgesetzt und schien nirgends wirklich hinzusehen. Harry seufzte. Er war sich sicher, Richard könnte Severus eher vergeben, wenn er wüsste in welcher Situation Severus damals war. Welche emotionale Belastung er durch gemacht hatte. Es entschuldigte den Mord natürlich nicht, aber es war eher nachvollziehbar warum Severus es damals getan hatte.
Das Essen lockerte zum Glück die Stimmung. Alec und Alice erzählten viel von Amerika und Harry wurde viel ausgefragt. Alec war zum Beispiel sehr interessiert am Feuerkelch und dem Turnier.
„You hast den Dragon mit dem Besen ausgetrickst?" fragte er begeistert.
„Ähm, ja. Ich hatte ein bisschen Hilfe. Ich hab den Spruch, mit dem ich den Besen herbeigerufen hatte, erst kurz vor der Aufgabe gelernt. Hätte er nicht funktioniert, wäre ich verloren gewesen."
„But, wow. A dragon? Hattest you keine Angst?"
„Und wie! Aber am Besen fühle ich mich sicher. Wenn ich fliege, dann bleibt die Angst am Boden!"
„Cool!"
„Kann aber auch gefährlich sein!" meinte Severus, „Die Angst kann einem davor beschützen etwas Dummes zu riskieren!"
„Bei allen dummen Sachen, die ich gemacht habe, war aber fliegen auf dem Besen nicht dabei!" verteidigte sich Harry.
„Meinst du?" fragte Severus. „Ich habe dich beim Quidditsch spielen lange genug beobachtet und ich kriege immer noch einen Herzstillstand, wenn du dich im Sturzflug runter lässt und einen Meter vor dem Boden abbremst!"
Harry lächelte verlegen und senkte seinen Blick.
„Hey, thats okay. You bist sein Dad, you machst dir Sorgen. Aber relax, er macht das schon! Er hat einen Dragon ausgetrickst!" sagte Alec und klopfte Harry auf die Schulter.
Harry kicherte und sah wieder auf. Severus sah ihn grimmig an, worauf Harry noch mehr lachen musste. „Ich hab einen Drachen ausgetrickst!" wiederholte Harry und grinste frech.
Severus rollte mit den Augen, aber um seine Mundwinkel zuckte es verdächtig.
„So als sweite Task war what exactly?"
Harry erzählte also von der zweiten Prüfung. Dem Problem mit dem Ei und von Myrthes Hilfe. Hin und wieder sah Harry zu Severus, denn er hatte sie Szene noch sehr gut im Kopf, als er in der Trickstufe fest saß und das Ei aufging. Severus war einer der ersten an Ort und Stelle. Und Harry war sich nicht sicher, wie Severus darauf reagieren würde, wenn er jetzt davon erfuhr, dass Harry tatsächlich da war, wie er damals schon vermutet hatte. Mad-Eye hatte ihn damals gerettet... Harry stockte. Vielleicht wäre es besser gewesen Severus hätte Harry gefunden. Mad-Eye hat ihn nicht wirklich gerettet, er hat Harry nur aufgeholfen damit er weiter ins Verderben ging.
Diese Gedanken schossen Harry in unglaublicher Geschwindigkeit durch den Kopf. Dennoch musste er lange genug Pause gemacht haben, denn Alec fragte besorg, „Are you okay?" Harry nickte. „Ja, ich äh... ähmm... ja, klar!"
Severus warf Harry einen verwunderte Blick zu und hoffte etwas in Harry lesen zu können, aber der Junge mied seinem Blick.
„Und die dritte Task war der ... whats the word?"
„Irrgarten" half Harry nach.
„Well, yes! Was hast you da gemacht?"
Harry erzählte was ihm dort begegnet ist, aber er kam immer öfters ins Stocken. Er wollte nicht ausgerechnet zu Weihnachten die Geschichte von Voldemorts Rückkehr erzählen.
„Aber ein Boy is gestorben. Hattest you ihn gekannt?"
Harry nickte und bis sich dann auf die Lippen.
Seine Haltung verriet mehr als deutlich, dass er ab hier nicht mehr weitererzählen wollte und Alec verstand es, die entstehende Stille, geschickt zu umgehen.
„So haben wir also einen Helden in unserer mid. Thats nice. And your Dad hat eine große Task vor sich. To keep you safe!"
Severus zog überrascht eine Augenbraue hoch. Mit dieser wahren Aussage von dem Amerikaner hat er nicht gerechnet.
Harry lächelte zu seinem Vater, „Bis jetzt macht er seine Aufgabe sehr gut. Ich kann mir keinen besseren Vater vorstellen"
„Ich bezweifele, dass ich der ideale Vater bin!" gab Severus offen zu.
„Du bist der beste und einzige, den ich je hatte" sagte Harry und zuckte mit dem Schultern „Und ich bezweifle, dass mich ein anderer je so gut verstehen wird, wie du mich verstehst"
„Okay, das reicht Harry. Hör auf mir Honig ums Maul zu schmieren. Ich kann Honig nicht ausstehen."
Harry grinste, aber ging auf Severus Wunsch ein.
Dann beugte sich Alec zu Harry und wisperte diesen ins Ohr. „Er wirkt schon a bit strictly... streng"
„Nicht ohne Grund!" war Harry mehrdeutige Antwort und damit war das Ende des Themas erreicht.
Zumindest dachte das jeder bis sich Richard plötzlich zu Wort meldete. „Und du willst uns nicht mitteilen, wie es dazu kam, dass du Harry adoptiert hast?" fragte er Severus mit relativ neutralem Ton. „Ich meine, du bist Harry Onkel seit, fünfzehn, sechzehn Jahren und erst jetzt adoptiert du ihn?"
„Es liegt nicht in meiner Hand, diese Geschichte zu erzählen. Das ist Harrys Entscheidung."
„Hast du ihn adoptiert, bevor oder nachdem dieser Todesserangriff in Surrey stattgefunden hat?" fragte Richard weiter und im Raum wurde es Mucksmäuschen still.
„Wieso fragts du nicht gleich, ob ich es war, der Harrys Onkel umgebracht hat?" schnappte Severus aufgebracht.
„Er ist kein Todesser mehr!" mischte sich Harry ein, doch sein Einwand verrauchte im Nichts.
„Und warst du es?" fragte Richard gereizt.
„Nein, war ich nicht!" zischte Severus gefährlich.
„Wäre aber nicht das erste Mal gewesen!" konterte Richard.
„Bitte hört auf!" flehte Harry erschrocken, doch auch diesmal wurde er nicht erhört.
„Du weißt, dass ich nicht mehr in seinem Dienst stehe!" sagte Severus.
„Ich weiß gar nichts. Ich weiß nur, dass du dieses hässliche Mal trägst!"
Harry hielt sich die Ohren zu und machte sich klein auf seinen Stuhl. Nachdem er den Streit nicht beenden konnte, versuchte er ihn auszublenden, was bei dem lauten Wortwechsel aber nicht wirklich möglich war.
„Richard! Hör auf!" fuhr nun Eileen zornig dazwischen. „Wenn du nicht sofort aufhörst, dann muss ich dich bitten zu gehen! Es ist Weihnachten, in Merlins Namen. Kannst du nicht einmal deinen Mund halten und zuhören! Was soll denn unser junger Gast... Harry, Schätzchen? Alles in Ordnung?"
Erst jetzt bemerkten die Erwachsenen den Jungen, der sich die Ohren zu hielt, leise summte und hin und her wippte. Auf beiden Wangen Ströme von stummen Tränen.
Severus ging vor Harry in die Hocke „Harry. Harry, He, ist schon in Ordnung. Es ist vorbei!" sprach Severus leise auf den Jungen ein, während er beruhigende Kreise über Harrys Rücken strich.
Harry sah Severus in die Augen „Ich will nicht, dass ihr euch meinetwegen streitet. Es tut mir Leid, dass ich eure Familie störe. Ich –"
„Schschsch, Harry. Wir streiten nicht deinetwegen. Und du störst nicht. Im Gegenteil, du hast uns gut durch das Essen unterhalten. Es tut mir Leid! Dass ich mich zu diesen sinnlosen Streit habe hinreißen lassen. Du störst nicht. Du bist mehr als Willkommen, glaube mir!"
Harry nickte, aber er konnte die Tränen nicht stoppen.
„Ich bringe dich in den Zimmer, komm!" Severus legte Harry einen Arm um die Schultern und half ihm auf. Dann wandte er sich zu Eileen. „Mutter, das Essen war vorzüglich. Aber jetzt muss ich mich um Harry kümmern!"
„Tu das mein Junge, tu das!" sagte Eileen und sah besorgt den beiden hinter her.
„Du bist so ein Mistkerl!" fauchte Alice ihren Bruder an und entschuldigte sich ebenfalls. Alec schleppte sie einfach mit.
Ooo
Während Severus Harry zu dessen Zimmer begleitete, fluchte er innerlich über sich und seinen Bruder. Aber mehr über sich. Er hätte wissen müssen, dass Harry es nicht ertragen konnte, wenn sich eine Familie stritt. Noch dazu eine Familie die er zum ersten Mal kennen lernt. Und auch noch an einem Tag, wo er schon einen Zusammenbruch hatte. Harry war so zerbrochen, dass Severus schon bald nicht mehr wusste, wo er mit dem zusammenkleben anfangen sollte.
Als sie Harrys Zimmer erreichten setzte sich Harry auf sein Bett und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.
‚Hab ich jetzt wirklich vor allem geheult? Die denken jetzt ich bin ein Baby'
„He, was ist los Harry?" fragte Severus mit sanfter Stimme.
„Ich hab mich doch vor allem blamiert!" sagte Harry niedergeschlagen.
„Nein. Du hast dich nicht blamiert. Richard und ich haben uns blamiert. Leider auf deine Kosten, nachdem du so gerne für alles die Schuld auf dich nimmst"
„Das ist nicht lustig!" sagte Harry leicht verstimmt.
„Nein, ist es nicht. Aber glaube mir, Harry. Du warst diesen Abend wirklich toll! Du hast sie alle beidruckt mit deiner Geschichte über das Turnier. Und du hast geschickt die Teile weg gelassen, die nicht zu einem Weihnachtsessen passen. Ich bin stolz auf dich!"
Harry sah auf und ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab. „Wirklich?"
„Wirklich!" bestätigte Severus und in seinen Augen glitzerte es tatsächlich vor Stolz.
„Ich bin auch stolz dich als Vater zu haben!" sagte Harry schließlich.
„Das hab ich heute Abend gemerkt" bemerkte Severus amüsiert.
„Entschuldige. Ich wollte dich nicht so bloß stellen vor den anderen."
„Schon in Ordnung Harry."
Damit zog Severus den Jungen in seine Arme. Harry schloss die Augen und genoss die Berührung. „Papa!" nuschelte er, ehe ihn die Müdigkeit überrollte.
Oooooo
Severus war am Weg in sein eigenes Zimmer, nachdem er Harry aus seinen Sachen raus geholfen und in seinen Pyjama hinein geholfen hatte. Der Junge war so fertig, dass er kaum etwas davon mit bekam. Severus war erschrocken, als er Harrys bloßen Rücken sah. Würde Mr. Dursley nicht schon tot sein, Severus wüsste nicht, ob er ihn nicht auch umbringen würde.
Aber der Junge hatte nicht nur Narben von Schlägen mit einem Gürtel am Körper, er hatte auch diverse Narben, die sicher von Harrys diversen Kämpfen stammten, die der Junge Jahr für Jahr durch machen musste. Er war erst sechzehn und hatte mehr Kampferfahrungen und mehr Kriegsverletzungen, als der Durchschnitt der Erwachsenen.
Wenn der Junge außen schon so viele Schrammen hatte, wie sah es dann erst in seiner Seele aus? Zum ersten Mal überkamen Severus Zweifel, ob er fähig sein würde Harry zu schützen und ihm Halt zu geben. Und er bekam Zweifel, ob Harry wirklich die Prophezeiung erfüllen können wird. So gebrochen, wie der Junge jetzt war, würde Voldemort ihn mit einer Hand zerquetschen können.
Ooo
Eine unruhige Nacht stand bevor. Sowohl Severus als auch Harry hatten alles andere als einen gesegneten Schlaf.
Severus träumte, dass er Harrys Onkel auf Voldemorts Befehl umbringen sollte, während Harry und Richard zuschauten. Harry flehte ihn an, es zu lassen aber Severus sagte nur, „Du kannst deine Vergangenheit nicht verarbeiten, solange er lebt!" Worte, die Voldemort einst zu ihm gesagt hatte. Aber Harry sah ihn mit Tränen in den Augen an. „Das ist nicht wahr, Papa. Ich kann es nicht verarbeiten, wenn du ihn umbringst!"
Richard sah Severus an und sagte: „Er hat Harry doch nur ein bisschen geschlagen. Was ist schon so schlimm dabei. Womöglich hat es der Junge sogar verdient!"
Diese Worte machte Severus rasend, „Nein, er hat Harry nicht nur geschlagen. Und selbst dass, hätte der Junge nicht verdient!" und damit wand sich Severus wieder seinen Opfer zu. Aber es war nicht mehr Vernon Dursley, sondern Topias Snape. „Niemand hat so eine Behandlung verdient!"
Severus hob den Zauberstab, aber er sprach keinen Zauber aus. Dennoch hörte er Harrys entsetzten Schrei „Neeeiiiin!" und Tobias Snape war tot. Severus drehte sich um, und sah wie Richard den Zauberstab in seine Taschen gleiten ließ.
Harry lief in Severus Arme und versteckte sein Gesicht. „Ich kann nicht ertragen, dass Vernon meinetwegen gestorben ist. Egal was er getan hat. Niemand soll meinetwegen sterben müssen!" schluchzte der Junge.
Severus hielt Harry fest, aber er konnte seinen Blick nicht von Richard lassen. Der nun den Zauberstab auf sie gerichtet hielt. „Was hat das zu bedeuten Richard?" fragte Severus verwirrt.
„Du bist mein Vorbild Severus. Du hast unseren Vater umgebracht und jetzt hab ich Harrys Onkel umgebracht. Genau wie du."
„Nein, nein, nein!" rief Severus geschockt und mit einem Ruck fuhr er aus seinen Alptraum hoch.
Schwer atmend versuchte Severus sich wieder zu beruhigen. ‚Das ist doch absurd! Mein Bruder ist kein Todesser. Er verabscheut sie.' Verwirrt schüttelte Severus den Kopf. Dann stand er auf und ging im Zimmer auf und ab um sich wieder zu beruhigen.
Ooo
Harry wälzte sich während dessen in seinem Bett unruhig hin und her. Er durchlebte einmal mehr seine Kindheitserinnerung, wo Onkel Vernon ihn missbrauchte, doch diesmal hatte Harry seinen Zauberstab dabei. Er war auch nicht mehr sieben, sondern so alt wie er jetzt war.
Vernon schleppte Harry an den Haaren zu dem Bett am Dachboden, dass er sich immer, für besondere Anlässe bereit hielt. Mit einen gewaltigen Schubs beförderte er Harry aufs Bett. Harry war bereits nackt. Aber er hatte seinen Zauberstab und diesen hielt er jetzt vor sich.
„Ich bin sechzehn, du kannst mich nicht mehr so behandeln!" rief Harry und zielte auf Vernons Herz.
Harrys überdimensionale Onkel erstarrte und sah auf den Zauberstab. „Dann hab ich also versagt. Jetzt bist du auch einer von diesen, die glauben alle Gesetze umgehen zu können. Die glauben, mit Muggeln spielen zu können, wie sie wollen. Ich wollte dir Vernunft einbläuen, aber diese Spinner, haben dich umgepolt. Jetzt bist du auch ein Spinner. Heute bringst du mich um, morgen deine Tante und Dudley und übermorgen die gesamte Nachbarschaft, stimmt's? Ihr Spinner seid allesamt Mörder!"
Harrys Zauberstab begann zu zittern. „Ich bin kein Mörder!"
„Ach nein? Wer hat deinen Verwandlungsprofessor im ersten Schuljahr umgebracht? Wer hat einen Schulkollegen in den Tod gerissen, nur weil er den Siegespokal nicht alleine nehmen wollte? Und wer war schuld, dass dein Pate gestorben ist?"
Tränen rannen Harry übers Gesicht und sein Zauberstab zitterte immer wilder.
„Aber keine Sorge, Harry. Ich werde es dir austreiben. Jedes bisschen von freakischen Benehmen." Damit schnappte Vernon Harry den Zauberstab aus der Hand und hielt diesen nun gegen seinen Neffen.
„Du kannst damit nicht zaubern!" rief Harry erschrocken und unsicher zugleich.
„Das will ich auch gar nicht!" sagte Vernon und begann hämisch zu grinsen. Dann stieg er zu Harry aufs Bett, krallte sich den Jungen und zog ihn über seinen Schoß.
„Onkel, nicht!" rief Harry panisch, doch da kam sein eigener Zauberstab auf Harrys Hintern nieder.
Doch damit endete der Traum nicht. Onkel Vernon drückte Harrys Körper in verschiedene Positionen, um ihn mit dessen Zauberstab bearbeiten zu können. Zu guter letzt legten sich die prankenartigen Hände um Harrys empfindlichste Stelle.
„Nein!" rief Harry und auch er fand sich kerzengerade und schweißgebadet, aber wach, in seinem Bett wieder. Er zitterte am ganzen Körper und er hatte das Gefühl, Vernons Schläge noch immer zu spüren. Sein Herz raste wie wild. Jedes kleinste Geräusch im Zimmer ließ Harry zusammenfahren. Jeder Schatten trieb ihm einen Schauer über den Rücken. ‚Das Zimmer ist zu groß!' ging Harry durch den Kopf. ‚Zu groß!'
Harry schnappte sich einen Polster und eine Decke. Hier konnte er nicht bleiben.
Ooo
„Guten Morgen, Severus!" begrüßte Alice den Mann, der gerade zum Frühstück erschienen war.
„Guten Morgen! Hast du Harry heute schon gesehen?" fragte Severus ein wenig verwundert.
„Nein. Du bist der erste, den ich heute sehe. Von Alec mal abgesehen. Ich denke, er wird noch schlafen! Was dir allerdings auch gut tun würde, du siehst schrecklich aus!"
„Danke, für die Blumen! Ich dachte auch, dass er noch schlafen würde, aber er ist nicht in seinem Zimmer" sagte Severus.
„Mach dir keine Sorgen, er wird schon kommen, wenn er Hunger hat!"
„Ich mach mir aber Sorgen. Wenn Harry verschwindet, passiert immer irgendetwas!" sagte Severus.
„Vielleicht war er nur gerade am Klo!" schlug Alice vor.
„Du meinst ich sollte noch mal nachsehen?" fragte Severus.
„Wenn du dann beruhigter bist, ja!"
Severus drehte um und ging zurück zu Harrys Zimmer. Aber Harrys Bett war immer noch leer. Nun ging Severus zum Bad und klopfte dort an der Tür. „Harry? Bist du da drin?"
Ein leises Rumpeln folgte, aber es kam nicht aus dem Bad. Severus zog seine Augenbrauen zusammen und sah sich im Zimmer erneut um. Alles was er sah, war eine leicht offene Kastentür. Severus schüttelte den Kopf, in der Meinung, der Junge habe in seiner Schlamperei sie nicht ordentlich zu gemacht.
Als Severus jedoch die Tür zudrücken wollte, bemerkte er ein Hindernis. Er zog die Tür auf um es zu beseitigen, doch dann blieb ihm der Mund offen.
„Harry?" fragte er ungläubig.
Der Deckenhaufen bewegte sich kurz und dann kam ein schwarzer strubbeliger Kopf zum Vorschein. „Sev?" fragte Harry hoffnungsvoll.
„Was machst du im Kasten?"
Als Harry die Decke nun komplett von seinem Oberkörper schob, bemerkte Severus die leichte Salzkruste auf Harrys Wangen und die geschwollenen Augen.
„Hast du geweint?" fragte er besorgt.
Harry ließ beschämt den Kopf hängen.
„Harry. Was ist los?" fragte Severus nun besorgt und kniete sich zu Harry hinunter. „Hattest du einen Alptraum?"
Harry nickte.
„Von deinem Onkel?"
Wieder nickte Harry.
„Hat er dir wieder wehgetan?"
„Ich hatte diesmal meinen Zauberstab, aber ich konnte einfach keinen Spruch gegen ihn anwenden. Es wäre nicht fair gewesen, ihn einen Spruch an den Hals zu hetzen, wo er doch keine Magie kann. Und dann hat er mir den Zauberstab weggenommen und... und..." Harry stockte, als sich neue Tränen in seinen Augen bildeten.
Severus schloss seine Arme um den Jungen: „Harry, schschsch... beruhige dich. Es war nur ein Traum. Er kann dir nicht mehr weh tun! Und jeder legale Zauber wäre in Ordnung gewesen, um deinen Onkel zu stoppen. So wie dein Onkel seine Macht in seinen Händen hatte, hast du sie in deiner Magie. Es ist dein Recht dich zu wehren, wenn du die Möglichkeit hast."
Harry versuchte sich zu beruhigen, aber es dauerte eine Weile bis es ihm gelang. Severus hielt Harry fest, solange er es wünschte. Dabei fragte er sich seufzend: ‚Hatte der Junge denn nicht mal eine Pause verdient?'
Seit sie Hogwarts verlassen hatten, zerbröselte Harry Stück für Stück in seinen Händen und Severus wusste nicht, was er tun sollte. ‚Wenn das so weiter geht, werde ich alleine nach Hogwarts zurückkehren mit einer Hand voll Staub.'
