Melde mich zurück! Mission „Deathly Hallows" geglückt. Jetzt habe ich wieder Zeit für meine eigene Geschichte. Und hier ist das neue Chapi. Hab echt lange herum überlegt und bin mir noch nicht sicher ob es mir gefällt. Aber ich weiß auch nicht was ich daran ändern soll, daher gebe ich es euch zu lesen. ;o)
Vertrauenssache
Das Mittagessen verlief relativ gut. Alec und Alice diskutierten, ob und wie viele Kinder sie einmal haben wollten und wie sie heißen sollten. Richard und Severus waren beide sehr still.
Gegen Ende des Mals verkündete Richard jedoch: „Ich werde am Nachmittag einen Ausritt machen. Möchtest du mich vielleicht begleiten Harry?"
„Äh... ich weiß nicht. Ich bin noch nie geritten!" sagte Harry verlegen und sah dann zu Severus, dessen Blick sich plötzlich verdüstert hatte.
„Was hast du vor, Richard?" fragte Severus plötzlich mit schneidenden Ton.
„Ich will mit meinen anadoptierten Neffen Zeit verbringen!" sagte Richard schlicht.
„Hmpf" war Severus Antwort.
„Und Harry? Möchtest du?" fragte Richard nach.
Unsicher blickte Harry zwischen Severus und Richard hin und her, dann fragte er, „Darf ich, Papa?"
Severus wischte sich seinen Mund mit der Serviette ab und sagte schließlich: „Meinetwegen. Mach was du willst. Entschuldigt mich!" damit stand Severus auf und verließ den Raum.
Harry verstand das komische Verhalten seines Vaters nicht. Er sprang auf, ohne sich um Förmlichkeiten zu scheren und lief hinter Severus her.
„Papa, warte!" rief Harry.
„Geh mit Richard reiten!" rief Severus zurück, ohne stehen zu bleiben.
Harry war wie vor den Kopf gestoßen. Reiten war jetzt das Letzte, was er wollte. Eine Weile stand er unschlüssig im Flur. Eine wütende Träne hatte sich gebildet. ‚Was war bloß los?' Doch dann beschloss Harry der Sache auf den Grund zu gehen und setzte seinen Vater nach. Er fand ihn wieder in der Bibliothek.
„Gehst du jetzt doch nicht reiten?" fragte Severus und tat so, als wenn nichts gewesen wäre.
Harry klappte den Mund auf und zu wie ein Fisch. Severus Verhalten tat ihm weh und machte ihn wütend.
„Nein. Du hast mir eben die Laune verdorben. Vielen Dank!" sagte Harry sarkastisch und konnte sich nur schwer beherrschen. Am liebsten hätte er seinen Vater angeschrieen. Weitere Zornestränen drohten auszubrechen.
Severus sah auf und bemerkte erst jetzt den verletzten Ausdruck in Harrys Augen. Er seufzte tief. „Es tut mir Leid Harry. Eigentlich hatte ich vor am Nachmittag mit Richard zu reden. Und als er erwähnte er würde Ausreiten gehen, da dachte ich..." Severus stockte und fuhr sich übers Gesicht. „Weißt du, früher sind wir immer ausreiten gegangen, wenn wir uns mit einander aussprechen wollten. Ich dachte, er wollte mir damit sagen, dass wir es jetzt auch so machen. Dass er dann dich gefragt hat..." wieder stockte Severus.
Harry starrte seinen Vater ungläubig an. Severus war eindeutig gekrängt. Jetzt verstand er seine komische Reaktion auf Richards Angebot.
Wieder breitete sich Stille aus, ehe Harry plötzlich sagte „Aber vielleicht will Richard dich zum Reiten auffordern. Vielleicht dachte er, wenn er mich fragt, dann kommst du mit. Oder er wollte dir den Hinweis geben, dass er mit dir reden will, aber möchte, dass du den ersten Schritt machst."
Severus Kopf schnellte hoch und sein Blick bohrte sich in Harrys.
„Was?" fragte Harry verunsichert.
„Du könntest wirklich Recht haben. Das wäre typisch für ihn. Aber es ist eine sehr slytherische Denkweise. Wie kommt ein Gryffindor nur auf so eine Idee?"
Harry lächelte schwach, „Vielleicht bin ich mehr Slytherin, als du denkst!"
„Was meinst du damit?" wollte Severus wissen.
„Der Hut wollte mich nach Slytherin stecken! Aber er war sich nicht sicher und ich habe es ihm ausgeredet."
„Warum?" Severus verstand die Welt nicht mehr, als Hauslehrer der Schlagen, konnte er sich nur schwer vorstellen, warum einer nicht in sein Haus wollte.
„Weil ich Malfoys Art und Gerede nicht mochte und weil Ron gesagt hat, dass alle finsteren Zauberer aus Slytherin kommen."
„Du wolltest nicht nach Slytherin wegen den Aussagen von zwei dummen Elfjährigen? Du kanntest doch keinen der beiden wirklich." fragte Severus ungläubig.
„Ich habe Draco in der Winkelgasse getroffen und obwohl ich nicht viel über Hogwarts wusste, kam schnell raus dass, Draco etwas gegen Muggelgeborene hatte. Er redete von Slytherin, als wenn es das einzige Haus wäre, dass etwas Wert wäre. Am Bahnhof hab ich dann Ron kennen gelernt und er und seine Brüder haben mir geholfen. Ich hatte bis dahin noch nie einen Freund. Ron war mein erster und dann kam Draco daher und machte Ron runter. Somit war für mich klar, alles was mit Draco zu tun hatte, wollte ich nicht. Ich wollte nicht nach Slytherin."
„Das ist unglaublich. Du bist unglaublich!" Severus schüttelte seinen Kopf. „Wieso hast du den Hut nicht entscheiden lassen?"
„Der Hut wusste es auch nicht besser." Harry versuchte sich an den Wortlaut zu erinnern: „Ich sehe den Drang sich zu beweisen. Und Slytherin würde dich auf deinem Weg nach oben unterstützen. Aber ich sehe auch Mut und Tapferkeit... bla, bla, bla" zitierte Harry ehe er fort fuhr, „Der Hut hat lange überlegt und nachdem er mir zwei Optionen vorschlug, sagte ich alles nur nicht Slytherin. Also kam ich nach Gryffindor."
Wieder schüttelte Severus den Kopf, „Was verbirgst du noch alles vor mir?"
Harry grinste, „Mindestens so viel, wie du vor mir!"
Nun nickte Severus.
„Und? Gehst du jetzt mit Richard ausreiten?" fragte Harry.
„Ich dachte, du wolltest!" sagte Severus irritiert.
„Das kann warten. Ich bin mir eh nicht sicher, ob ich überhaupt will!" antwortete Harry.
„Meinst du das im Ernst?" fragte Severus nach.
„Ja, Papa. Geh und versöhne dich mit deinen Bruder!"
ooo
Richard sah überrascht auf, als anstelle von Harry, Severus in den Stall kam. Doch dann nickte dieser stumm und sattelte eine braune Stute namens Princess auf.
Severus seinerseits nahm einen schwarzen Wallach, der den imposanten Namen Schattenwind trug und ein ehemaliges Rennpferd war. Schattenwind hatte einige Preise abgeräumt, ehe er aufgrund einer Beinverletzung aus dem Rennbusiness ausscheiden musste.
ooo
Harry blickte aus dem Bibliotheksfenster, von wo er einen guten Ausblick zum Stall und den dahinter liegenden Koppeln hatte. Ein braunes und ein schwarzes Pferd wurden eben aus den Stall geführt und wenig später saßen ihrer Reiter auf und trieben die Pferde aus Harrys Sichtfeld.
Harry seufzte und legte die Hand an die kühle Scheibe, „Viel Glück, Sev!" flüsterte er zu sich.
Ooo
„Du weißt schon, dass du ein eigenes Zimmer dafür hast?"
Verwirrt blinzelte Harry, ehe er die Augen aufbrachte.
„Papa?" fragte der Junge verschlafen und setzte sich auf. Er war wohl in der Bibliothek auf dem bequemen Lehnstuhl eingeschlafen. Das Buch, dass er eigentlich lesen wollte lag aufgeschlagen am Boden. Als Harry sich nun streckte merkte er, dass er einen steifen Hals bekommen hatte.
„Au!" murrte er und massierte über die schmerzende Stelle.
Severus hatte inzwischen das Buch aufgehoben und untersuchte es nach eventuellen Schäden. „Du solltest besser aufpassen. Die Bücher sind zum Teil schon sehr alt!"
„Es war nicht meine Absicht hier einzuschlafen!" rechtfertigte sich Harry.
„Severus, sein doch nicht so streng mit ihm. Was kann schon passieren, was man nicht mit einen Reparo wieder richten kann?"
Das war nun Richards Stimme und mit einem Schlag war Harry wach.
„Habt ihr euch ausgesprochen?" fragte Harry hoffnungsvoll.
„Wir haben einiges geklärt!" sagte Severus.
„Wir sind zu einer Übereinkunft gekommen!" sagte Richard.
Beide machten keine Anstalten näheres zu erklären. Aber Harry war es egal, solange sie sich nur wieder verstanden.
„Das ist gut!" sagte Harry und lächelte schwach.
„Was hast du gelesen?" wollten nun Richard wissen und nahm Severus das Buch ab.
„A new way of Horsemanship – Das Pferd als gleichgestellter Partner' Ich hab das Buch letztes Jahr gekauft. Aber ich habe es noch nicht ausprobiert." erklärte Richard
„Um was geht es da?" fragte Severus.
„Darum dass du nicht der Boss über dein Pferd bist, sondern dein Pferd mit dir im Rang gleichstellst. Es ist eine gute Idee, aber schwer realisierbar, weil die Pferde oft einen brauchen der ihnen sagt, wo es lang geht, sonst tun sie gar nichts. Es ist ein sehr schmaler Pfad, zwischen der perfekten Freundschaft zwischen Pferd und Mensch und dem vollkommenen Verlust der Kontrolle über das Pferd."
„Die Gleichberechtigung aller Individuen innerhalb einer Beziehung scheint dir wohl sehr wichtig zu sein, was?" fragte Severus nun an Harry.
„Ist nichts falsch dran!" verteidigte sich Harry.
„Nein, natürlich nicht. Aber dennoch gibt es Situationen, wo einer in der Beziehung mehr Erfahrung hat, als der andere, und da wäre es von Vorteil, wenn dieser dann auch die Führung übernimmt", gab Severus kryptisch von sich.
„Aber manchmal muss man dem, mit weniger Erfahrung, seine Fehler machen lassen. Damit er auch Erfahrungen sammeln kann!" konterte Harry ebenso kryptisch.
„Solange niemand dabei in Lebensgefahr kommt, stimme ich dir zu!"
„He Leute, ich verstehe nur Bahnhof. Kann mich mal einer Aufklären von was ihr da eben sprecht?" ging nun Richard dazwischen.
„Wir reden von Gleichberechtigung innerhalb einer Beziehung!" erklärte Severus.
„Zum Beispiel einer Vater-Sohn-Beziehung!" erklärte Harry weiter und nun verstand auch Richard.
„Ah dachte mir schon, dass es jetzt nicht mehr um Pferde geht. Also ich finde es verständlich, dass Harry Gleichberechtigung anstrebt nach jahrelanger vollkommener Unterdrückung!" hackte nun Richard in das Thema ein.
„Ich weiß. Aber ich hab nun mal die Verantwortung über den Jungen. Und so eine Beziehung wo jeder gleichgestellt ist, verlangt absolutes Vertrauen dem anderen gegenüber!" erklärte Severus.
Harry klappte empört der Mund hinunter, „Vertraust du mir etwa nicht?"
Severus schloss kurz die Augen und stöhnte, „Nein, so hab ich das nicht gemeint. Ich vertraue dir. Aber... sieh mal, wie lange haben wir schon die Beziehung, die wir jetzt haben? Gerade mal ein paar Monate. Willst du mir sagen, dass du mich schon so weit kennst, dass du mir in allen Lebenslagen blind vertrauen würdest?"
Richard sah nun gespannt zwischen Severus und Harry hin und her. Der Junge schien nachzudenken, dann sagte er mit entschlossener Miene: „Ja! Ich vertraue dir über alles!"
Ein wenig überrascht mit der Antwort, war es nun Severus der kurz nach den Worten suchte. „Dann bist du sehr leichtgläubig!"
„Wieso? Hast du am Ende doch vor mich Voldemort zu auszuliefern?" fragte Harry immer noch gereizt. Im gefiel der Verlauf des Gespräches gar nicht. Eigentlich hatte er etwas über Pferde lesen wollen. Wie kam es, dass er plötzlich mit Severus über Gleichberechtigung stritt. Er war doch zufrieden mit dem was er hatte.
„Nein!" rief nun Severus beschwichtigend, „Aber du bist nun mal ein Mensch der an das Gute im Menschen glaubt. Der das Gute in den Menschen sieht, auch wenn sie sich dessen nicht einmal bewusst sind. Aber nehmen wir ein anderes Beispiel. Richard. Du hast ihn erst heute Vormittag wirklich kennen gelernt. Würdest du ihn jetzt schon blind vertrauen?"
„Das kann man doch nicht vergleichen Sev. Du und ich... was wir in den letzten Tagen, Wochen durch gestanden haben. Was du für mich getan hast. Das alles gibt mir Grund genug dir zu vertrauen. Richard scheint in Ordnung zu sein, aber natürlich kenne ich ihn nicht so wie dich" sagte Harry.
Severus lächelte sanft, dennoch betonte er, „Du hast meine Frage nicht beantwortet. Würdest du Richard blind vertrauen?"
Harry sah ein wenig unglücklich zwischen Severus und Richard hin und her. Richard war in Ordnung. Harry hatte nicht das Gefühl, dass dieser Mann ihn hintergehen würde.
Schließlich sagte Harry „Ich würde mit ihm Ausreiten gehen, wenn er mich noch mal fragen würde."
„Und würdest du mit ihm alleine ein paar Tag verreisen?" fragte Severus weiter.
„Severus, du gehst zu weit. Du verwirrst den Jungen doch nur!" mischte sich nun wieder Richard ein. „Du kannst ihm doch nicht so eine Frage stellen."
„Ja, würde ich!" sagte Harry schließlich.
Richard klappte der Mund auf und Severus sah Harry ungläubig an.
„Sagst du das jetzt nur zum Trotz?" wollte Severus wissen.
„Was willst du von mir, hören?" fragte nun Harry aufgebracht, „Ich gestehe dir, dass ich dir voll und ganz vertraue und du fragst mich, ob ich mit deinem Bruder verreisen würde. Mag ja sein, dass ich leichtgläubig bin, aber wieso soll ich nicht auf Menschen zu gehen, die mich offen empfangen und nett zu mir sind. Es ist ja nicht so, dass ich vielen Leuten begegnet wäre, die mehr in mir sehen, als bloß diesen Harry Potter!"
Mit diesen Worten wollte Harry aus der Bibliothek stürmen, aber Severus hielt ihn am Arm fest. „Warte, Harry. Was ist los? Du hast doch mit dem Thema angefangen. Hast du das Gefühl, dass du benachteiligt wirst in unsere Beziehung?"
„Nein!" sagte Harry, behielt aber seinen Blick gesenkt.
„Dann verstehe ich nicht, was du mir sagen willst!" gestand Severus.
Harry schnaubte verzweifelt. „Gar nichts. Ich wollte bloß sagte, dass Gleichberechtigung in einer Beziehung kein Fehler ist. Und du faselt plötzlich irgendwas von Vertrauen. Mir ist klar, dass so eine Art der Beziehung, ob nun zu dir, oder zu einem Pferd nicht von heute auf morgen funktionieren kann. Aber wie willst du wissen, ob ein Vogel fliegen kann, wenn du ihn nicht loslässt?"
„Enge ich dich zu sehr ein?" fragte Severus nun vollkommen verblüfft, über die Wendung des Gesprächs.
„Nein!" rief Harry, der offensichtlich nicht zu Wort bringen konnte, was er meinte. Er verstummte eine Weile ehe er sagte, „Es tut mir Leid. Irgendwie sind wir vom Thema abkommen. Ich dachte nur, vielleicht können wir auch so eine offene Beziehung haben. Nicht heute, nicht morgen, aber vielleicht irgendwann? Ich weiß, ich hab viel Mist gebaut und bin nicht vertrauenswürdig in kritischen Situationen. Ich weiß, ich neige dazu meinen Gefühlen zu folgen und nicht meinem Verstand. Aber ich werde alles versuchen mich zu verbessern. Damit du genug Vertrauen in mich haben kannst."
Severus sah den Jungen an und er musste schmunzeln. Nachdem er aber keine passenden Worte fand, legte er seinen Arm um Harrys Schulter und drückte den Jungen sanft.
„Wir werden beide daran arbeiten!" sagte er schließlich.
Harry war erleichtert, dass die angespannte Stimmung wieder weg war. Mit seinem Vater zu streiten war, das Letzte was er gewollt hatte.
