Ich wurde gefragt wann denn Weihnachten nun ist. Bald. Auch wenn viel passier ist, es sind noch nicht so viele Tage, dass Harry Hogwarts verlassen hat. Anreise-Streit mit Sev-Versöhnung-Und Abendessen, war ein Tag. Ganymed treffen-Mit Richard reden-mit Sev reden-Mittag-Sev und Richard sprechen sich aus und das hier, ist erst der zweite Tag. ;o)

ooooooooooooooooo

Das Glück der Erde,
liegt am Rücken der Pferde.

Oder

„Das Glück der Pferde,
ist der Reiter auf der Erde."

Den restlichen Nachmittag bekam Harry Unterricht in den Stallregeln. Er würde mit Severus und Richard anschließend noch eine kleine Runde ausreiten dürfen.

„Okay, also sieh her!" sagte Richard und führte Harry in eine kleine Kammer neben den Boxen. „Hier sind alle Sättel und da alle Saumzeuge. Alles ist mit Schildern beschriftet und soll natürlich nach Gebrauch auch wieder an seinen Platz wandern."

Harry nickte und sah links von sich die Sättel an der Wand hängen. Jeder von ihnen auf einer eigenen kurzen Stange und an der rechten Wand, war eine Leiste mit Haken, auf denen das Geschirr der Pferde hing.

„Welches Pferd willst du reiten?" erkundigte sich Richard.

„Weiß nicht. Ganymed?" Richard schmunzelte über Harrys Antwort.

„Ja, das hätte ich mich denken können. Okay, dann nimm dir die Sachen von Ganymed!"

Harry ging zum Sattel und hievte ihn hinunter. Überrascht von dem Gewicht knickte er leicht ein. Richard grinste und hielt ihm das Saumzeug entgegen. Mühsam nahm Harry es mit der einen Hand, während er mit der anderen den Sattel trug.

Richard und Harry gingen nun zu Ganymends Box. „Hier schau her. Da kannst du das Saumzeug vorübergehend aufhängen und wenn du diese Stange vor klappst, kannst du den Sattel drauf tun."

Harry tat wie ihm geheißen. Ganymed hatte die Ohren gespitzt und beobachtete das Treiben vor seiner Box.

„Okay. Jetzt holst du das Pferd heraus und hängst es mit diesem Strick an der Stallgasse fest." Richard schob den Riegel beiseite und öffnete die Boxentür. Zwischen Harry und dem Pferd, war nun nichts mehr, was sie von einander trennte. Harry blickte Ganymed an und dann, machte er das einzige was ihm einfiel. Er verbeugte sich.

Die Geste verwirrte Richard und daher sah er zu Severus, der ebenfalls gerade ein Pferd zurecht machte. Dieser zuckte nur mit den Schultern und formte das Wort Hippogreif.

Ganymed streckte seine Nase aus der Box und ging einen Schritt auf Harry zu. Dann senkte er ebenfalls den Kopf. Hatte Richard eben noch über Harry geschmunzelt, so war er nun erstaunt. Er hatte noch nie gesehen, wie sich ein Pferd freiwillig vor einem Menschen verbeugte.

Harry ging auf Ganymed zu und streckte vorsichtig seine Hand aus. Ganymed hob den Kopf wieder hoch und Harry strich ihm über die Stirn und die Nase. Die Nüstern waren seidig weich. Harry lächelte. Ganymed reckte nun seinen Hals und stupste Harry mit den Nüstern auf die Wange. Harry schloss die Augen kurz, als der warme Atem über sein Gesicht streifte.

„Na, wollen wir einen Ausflug machen?" fragte Harry schließlich und das Pferd wieherte leise.

„Ich denke, da haben sich zwei gefunden!" kommentierte Richard, als Harry das Pferd auf die Stallgasse führte und mit den Strick anband.

„Okay, ganz wichtig! Bevor du aufsattelst, solltest du dein Pferd striegeln. Die Stallburschen striegeln die Pferde in der Früh, aber die Sattellage, solltest du auf jeden Fall nochmals durch putzen. Hier, ich zeige dir, wie es geht." Richard zeigte Harry den korrekten Umgang mit Striegel und Kardätsche und gab dann den Jungen das Putzzeug weiter.

Harry gab sich Mühe, aber es hatte leichter ausgesehen, als es tatsächlich war. Als Harry Ganymed über den Widerrist striegelte, lehnte sich das Pferd regelrecht in die Berührung hinein.

„Das hat er gern!" erklärte Richard und Harry tat dem Pferd den Gefallen und ging nochmals über die Stelle am Widerrist.

„Das Hufeauskratzen" so erklärte Richard „ist auf jeden Fall nach dem Reiten wichtig, aber es kann auch nicht schaden, es vor dem Reiten zu machen. Die meisten Pferde hier kennen das Prozedere und heben schon freiwillig das Bein. Am besten stellst du dich neben den Fuß, dessen Huf geputzt werden soll und streifst mit der Hand von der Schulter bis zum Gelenk hinunter und hebst dann den Huf auf. Du kannst ihn so mit deinem Bein stützen!" Richard schob seinen Oberschenkel unter Ganymeds angewinkelte Bein. „Und wenn du den Huf auskratzt, dann immer den äußeren Rand entlang fahren. Innen beim Strahl muss du vorsichtig sein. Das sind die Pferde empfindlich. Kann leicht sein, dass sie aushauen, wenn du da ankommst!"

Harry passte ganz genau auf und nachdem Richard die beiden linken Hufe gemacht hatte, machte Harry die Rechten. Ganymed hob für Harry sogar freiwillig die Füße, was er bei Richard nicht gemacht hatte.

„Na schön. Das Pferd ist sauber! Satteln wir es auf!" rief Richard voller Tatendrang.

Harry holte den Sattel und sah dann neugierig zu Richard. „Rauf damit!" sagte dieser nur und Harry hob den Sattel auf den Pferderücken hoch.

„Okay. Damit du sicher bist, dass der Sattel gut sitzt. Ziehst du ihn ein bisschen über der Widerrist nach vor und schiebst ihn dann wieder zurück. Da wo er zu liegen kommt ist der ideale Platz."

Richard zeigte es vor, ließ es aber Harry wiederholen, damit er auch das richtig Gespür dafür bekommen konnte.

„Jetzt holst du dir den Sattelgurt. Am besten gehst du dazu auf die andere Seite, denn wenn du ihn einfach runterrutschen lässt, dann fällt er mit den Schnallen auf das Gelenk des Pferdes. Wenn's einmal passiert ist es nicht weiter schlimm, aber wenn du das immer machst ist das nicht gut fürs Pferd."

Harry ging unter Ganymed Hals durch und kam zu Richard auf die andere Seite. „Einfach nehmen und runterbaumeln lassen." Damit scheuchte Richard Harry wieder auf die linke Seite des Pferdes zurück.

„Jetzt holst du dir den Gurt, in dem du unter dem Bauch durchgreifst. Ja genau so!" Harry hatte den Gurt nun in der Hand.

„Wenn du diese Lasche hier hoch hebst, dann siehst du die zwei Schnallen, die mit den beiden Riemen des Gurtes befestigt werden!"

Harry zog den einen Riemen durch das Metall, fand jedoch kein Loch durch das er den Metallzapfen der Schnalle durchstecken konnte.

„Manche Pferde blasen sich gerne auf!" erklärte Richard. „Am besten graulst du das Pferd ein wenig am Bauch."

Harry tat es und musste schnell feststelle, dass Ganymed kitzlig war, da er sofort den Bauch einzog. Nun konnte Harry den Lederriemen bis zum ersten Loch durchschieben und fixieren. Der zweite Riemen war nun kein Problem mehr.

„Sehr gut, Harry. Du bist ja ein Naturtalent!" lobte Richard zufrieden „Jetzt fehlt nur noch das Saumzeug."

Harry holte nun auch dieses. „Als erstes legst du mal die Zügeln über den Kopf. Ja genau so. Nun kannst du das Stallhalfter lösen. - Den Backenriemen würde ich dafür lösen. Geht leichter!"

Harry grinste entschuldigend und öffnete den Riemen, bevor der das Halfter runter zog.

„Das wird jetzt ein bisschen mühsam, daher zeige ich es dir vor. Also du nimmst das Saumzeug in die rechte Hand. Siehst du? So. Dann hältst du es so an den Kopf." Neugierig sah Harry zu wie Richard den rechten Arm unter Ganymend Kopf durchfädelte und dann so nach oben hielt, dass das Saumzeug vor der Nase des Pferdes war. „Pass auf, dass du die Trense dabei nicht an die Zähne drückst, dass können die meisten Pferde nicht leiden. Wenn die Pferde ihren Mund nicht freiwillig aufmachen, dann fährst du mit dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand in die beiden Mundwinkeln des Pferdes. Da ist eine Lücke. Es kann dich also nicht beißen!"

Mit geübten Handgriffen schob Richard dem Pferd die Trense ins Maul. Jedoch auch diesmal streifte er das Saumzeug wieder ab und drückte es Harry in die Hand.

Harry hatte Schwierigkeiten das Saumzeug so zu halten, dass keiner Riemen im Weg waren. Zwei, dreimal hatte er angesetzt, aber jedes Mal verrutschte das Saumzeug in seiner Hand und er konnte es dem Pferd nicht anlegen.

„Tut mir Leid, Ganymed, ich bin einfach zu ungeschickt!" entschuldigte sich Harry beim Pferd.

„Probiere es einfach noch mal. Du kriegst den Dreh schon raus!" ermutigte Richard und tatsächlich, beim vierten Mal öffnete Ganymed das Maul und die Trense rutschte auf ihren Platz. Das alles ging so schnell das Harry gar nicht genau wusste, was er diesmal anders gemacht hatte.

„So, die Riemen sollten jetzt kein Problem mehr sein. Der Keilriemen soll eher locker sitzen. Schau dass du noch drei Fingerbreit Platz hast. Beim Nasenriemen sollten es ein Finger sein. - Okay geschafft. Am besten gehst du mit Severus schon mal raus. Ich komme dann auch gleich nach!"

Severus war mit seinem Pferd bereits fertig und wartete nur noch auf Harry. Diesmal hatte Severus ein weißes Pferd gesattelt. „Snowcake" wie Harry sah, als er und Ganymend an der Boxentür vorbei gingen.

„Wir gehen ins Dressurviereck rüber. Ein Teil davon wurde frei geschaufelt!" erklärte Severus und ging voran.

Severus und Harry führten die Pferde in ein durch Zaunpfähle abgesteckten Bereich.

„Bevor du aufsteigst, zieh den Sattelgurt fest!" wies Severus an während er genau das bei seinem Pferd machte.

Harry folgte und war erstaunt, dass sich der Gurt nun um drei ganze Löcher fester ziehen lies. Dann kam Severus zu Harry hinüber. Den Zügel seines Pferdes in der Armbeuge eingehängt.

„Zum Aufsteigen musst du vorher die Steigbügel lösen. Einfach die Lederlasche durchziehen und den Bügel runter ziehen. Dann solltest du dir noch die Länge einstellen. Dazu zieh den Bügel unter die Achse deines ausgestreckten Arms. Hängt die Schlaufe durch musste du den Riemen kürzer machen."

Harry hielt sich den Steigbügel unter die Achse und die Schlaufe hing mehr als durch. Er musst mindestens um vier Löcher kürzer machen. Hatte er wirklich so kurze Beine, fragte er sich besorgt. Als die Länge passte, wiederholte Harry das selbe mit dem rechten Steigbügel.

Nun fuhr Severus fort, „Zum Aufsteigen stell dich seitlich neben das Pferd. Setze deinen Fuß, in den Steigbügel, halte dich oben beim Sattel an und schwinge dich hoch!"

Harry stellte seinen Fuß in den Bügel und hüfte ein bisschen nach Gleichgewicht ringend umher. Dann fuhr er mit der Hand an die Stelle des Sattels, die nicht auf dem Pferd auflag und somit einen perfekten Griff darbot. Er holte noch einmal Schwung und sprang dann mit einen Bein hoch. Danach ging es irgendwie automatisch und schon saß Harry am Pferd.

Er fühlte sich um so viel größer, als er nun auf Severus hinunter blickte. Aber nur für kurze Zeit, denn Ganymed war kleiner, als Snowcake und als Severus aufgestiegen war, saß er höher als Harry.

„Und wie fühlst du dich?" fragte Severus.

„Irgendwie komisch. Es fehlen die Flügel!" sagte Harry.

„Es tut mir Lied Harry, aber ich kann weder mit Thestralen noch mit Hippogreifen dienen."

„Ein Pegasus vielleicht?" fragte Harry scherzend.

„Oh ich bin sicher, wenn einer jemals ein Pegasus reitet, dann bist es du Harry!" Severus lachte kurz auf. Doch dann wurde er wieder ernst, „Dann gehen wir mal ein wenig im Schritt, bevor wir hier festfrieren! Du kannst die Zügel vorerst noch locker lassen!"

Snowcake marschierte los und Ganymed ging einfach hinterher. Harry musste gar nichts machen.

Es dauerte nicht lange da kam Richard mit einem Fuchsroten Stute. Fortuna glaubt Harry sich zu erinnern.

„Alles klar da oben?" fragte Richard grinsend.

Harry wusste es nicht so genau. Er hatte nicht das Gefühl, dass das Pferd ihm gehorchte. Es schritt einfach am langem Zügel hinter Snowcake her.

„Harry, nimm die Zügel auf!" rief Richard nachdem er aufgesessen ist. Er kam mit seiner Stute etwas näher und Ganymed wieherte laut und warf seinen Kopf herum. „Severus, vielleicht zeigst du Harry, wie man die Zügel hält. Ich kann mit der Stute nicht näher ran!"

Ganymend war stehen geblieben und Severus trieb Snowcake zwischen die Stute und den Hengst. „Okay, Harry. Nachdem du einen Hengst unter dir hast, musst du aufpassen. Reite nicht zu nahe an die Stute, okay! Die Zügeln hält man so!" Severus löste seinen Griff an den Zügeln, um Harry besser zeigen zu können, wie man sie in die Hand nimmt. Die Zügeln gingen zwischen Daumen und Zeigefinger auf die Handinnenseite und zwischen Ringfinger und kleinen Finger wieder nach außen.

Harry versuchte Severus Bewegungen zu imitieren, aber irgendwie strudelte er mit seinen Händen. Schließlich griff Severus nach Harrys Händen und legte den Zügel in die richtige Position.

„Wieso ist der kleine Finger extra?" fragte Harry verständnislos.

„Weil der kleine Finger zu kurz ist und du mit dem Ringfinger feiner Steuern kannst!" erklärte Severus. „Außerdem musst du die Zügeln noch kürzer nehmen, du brauchst eine Verbindung zum Maul des Pferdes sonst hast du es nicht unter Kontrolle!"

Harry schnaubte, nahm aber die Zügeln noch mehr auf.

„Ich denke, dass reicht. Deine Hände sollten etwa eine Faust hoch über dem Widerrist des Pferdes liegen!"

Nun ging Snowcake ein paar Schritte seitwärts und Severus besah sich Harry. „Zehenspitzen zum Pferd und Ferse runter!" kommentierte er und Harry folgte. „Nicht mit den Knien klammern! Schultern locker fallen lassen und Brust raus!"

Schließlich saß Harry vollkommen verkrampf am Pferd und fühlte sich ziemlich unwohl.

„Severus, ich denke für Dressurreiten ist es noch etwas zu früh. Harry soll mal ein Gefühl fürs Pferd bekommen. Vor allem sollte er locker oben sitzen! Wichtig ist..." und damit wandte sich Richard nun direkt an Harry „... zum los gehen oder vorwärts treiben benutzt du deinen Unterschenkel. Und wenn du langsamer werden möchtest oder gar steh bleiben, dann zieh nicht einfach an den Zügeln, sondern lehne dich im Sattel zurück. Man reitet ein Pferd nicht mit Zügeln, sondern mit Kreuz und Schenkel. Die Zügeln sind nur zur Unterstützung da! Also halte dich nie an den Zügeln fest. Wenn du dich wo festhalten musst, dann am Sattel, oder in der Mähne. Das Maul eines Pferdes ist sehr empfindlich und du willst ihm sicher nicht die Mundwinkeln wund scheuern, oder?"

Harry sah ein wenig verloren von Richard zu Severus. „Vielleicht sollte ich besser nicht reiten!" sagte Harry verunsichert, „Ich-"

„Hör zu Harry. Ich weiß, dass ist jetzt alles viel am Anfang, aber das gibt sich alles. Mit der Zeit verstehen sich diese Sachen von selbst. Wenn du ein paar mal geritten bist, brauchst du nicht mehr nachdenken sondern machst alles automatisch richtig" ermutigte Richard.

Harry nickte nicht ganz überzeugt. „Gehen wir raus, bevor es dunkel wird!" sagte Severus schließlich.

Harry war immer noch nicht sicher, ob er das wirklich wollte. Aber er traute sich auch nicht abzusteigen und zu erklären, dass er doch keine Lust hatte.

Severus ritt voraus und Richard machte den Abschluss. Harry war also in der Mitte. Sie gingen nur im Schritt und schon bald gewöhnte sich Harry an die rhythmischen Bewegungen seines Pferdes. Er war so konzentriert auf sich und das Pferd, dass er kaum etwas von der Umgebung wahrnahm.

„Und?" fragte Richard von hinten.

Harry schreckte hoch, als er merkte dass er gemeint war, „Öhm, alles klar. Ein wenig unspektakulär, aber angenehm."

„Unspektakulär?" fragte Richard verwirrt.

„Na ja. Ich bin mal ein Hippogreif geritten. Hagrid hat mich einfach raufgesetzt und ihm einen Klaps gegeben. Da ist Seidenschnabel mit mir abgehoben. Der Flug war cool, aber ich hab auch ständig um mein Leben gezittert."

„Ja, stimm. Severus hat vorhin etwas von Hippogreif gesagt. Du bist also wirklich auf einen geritten?"

Harry nickte.

„Wow" war alles was Richard raus bekam.

„Und letztes Jahr bin ich auf einem Thestral geritten. Es war in gewisser Weise ähnlich und doch nicht."

„Thestrale" wiederholte Richard nachdenklich, „Sind das nicht die Dinger, die die Kutschen von Hogsmead ziehen? Ich meine ich hab nie eines von ihnen gesehen, wohl aber das Gerücht gehört. Wie sehen die denn aus?"

„Unheimlich!" sagte Harry und ein Schauder lief ihm über den Rücken „Sie haben so gut wie kein Fell, sondern nur ledrige Haut. Die Knochen stehen raus, als wenn sie kurz vor dem Hungertod stehen würden und ihre Augen sind vollkommen weiß und... leer."

„Wie kommt es dass du freiwillig auf den Rücken von so einem Tier steigst, oder war es wieder Hagrid, der dich rauf gehoben hat?"

„Nein. Ich äh..." Harry stockte. Über Sirius Tod und den Vorfall im Ministerium fiel es ihm immer noch schwer zu sprechen. „... ich musste nach London und Hagrid hat einmal im Unterricht gesagt, dass sie einem immer dort hin bringen, wo man hin will"

„Die Sache im Ministerium?" fragte Richard nach.

„Ja!" sagte Harry knapp.

„Verstehe. Also ich denke, kein Pferd unseres Stalls kann mit Hippogreifen und Thestralen mit halten, aber ich denke, du wirst bald feststellen, dass Reiten sehr wohl Abenteuer sein kann, auch wenn man nicht vom Boden abhebt. Magst du mal ein bisschen Galoppieren?"

„Ja!" rief Harry nun wesentlich begeisterter.

„Hältst du das für eine gute Idee?" fragte Severus skeptisch „Wir sollten zum Stall zurück kehren, es wird bald dunkel!"

„Ach komm, Sev. Nur ein kleines Stück!" rief Richard von hinten.

„Bitte, Sev!" rief nun auch Harry.

Severus schnaubte, „Also gut. Ein kurzes Stück. Harry, halte dein Gewicht vorne. Du kannst in den Steigbügeln aufstehen, wenn es dir zu holprig wird. Und vielleicht solltest du eine Strähne von Ganymend Mähne in deine Hände nehmen, damit du mit den Zügeln nicht so im Maul rum ziehst."

Harry befolgte alle Befehle und fieberte aufgeregt dem Moment entgegen, in dem Severus seinem Pferd die Schenkel gab. Ganymed ging von alleine in Galopp über. Harry hatte Schwierigkeiten nicht zurück in den Sattel zu fallen, aber Severus Tipp mit der Haarsträhne aus der Mähne war hilfreich.

Der Boden bebte unter den Hufen. Aus den Nasen der Pferde stießen kleine Dampfwölkchen. Und der Schnee spritzte auf alle Seiten. Es war ein irres Gefühl und Harrys Herz machte vor Begeisterung Purzelbäume. Auch wenn sie den Boden noch unter den Füßen hatten, hatte Harry das Gefühl zu schweben. Ganymed hatte sehr geschmeidige weiche Bewegungen.

Als jedoch der Weg ein wenig breiter wurde, verließ Ganymed die Spur von Snowcake und lief bald mit dem weißen Wallach auf Kopfhöhe.

„Harry, nimm die Zügel auf!" warnte Severus.

Harry begann mit seinen Händen zu stricken.

„Setz dich in den Sattel zurück und lehn dich nach hinten!" rief Severus nun die Anweisung, aber irgendwie hatte Harry plötzlich gar nichts mehr unter Kontrolle. Ganymend holte immer weiter aus bei seinen Galoppsprüngen und bald hatte Harry Severus überholt.

„Harry, pariere ihn durch!" riefen nun Richard und Severus von hinten.

Harry versuchte sich zu setzten, aber bei jeden Galoppsprung stieß es ihn wieder aus den Sattel. Er lehnte sich zurück und zog an den Zügeln, aber es passierte nichts.

„SEV!" rief Harry panisch.

Severus stieß Snowcake die Schenkel rein. Der weiße Wallach beschleunigte nun ebenfalls. Harry sah aus, als wenn er jeden Moment vom Pferd fallen würde. Er hatte keinen Kontakt mehr zu seinem Pferd. Die Zügel hingen durch und Harry stand die meiste Zeit in den Steigbügeln, somit war auch keinen Kreuzeinwirkung mehr da. Und die Tatsache, dass Harry die Nerven geschmissen hatte, trieb Ganymend nur weiter an.

„Stopp. Stopp!" rief Harry. In der Hoffnung, dass Pferd würde den Befehl verstehen. Aber seine Worte erreichten niemals die Ohren des Pferdes, da sie zu schnell waren und der Wind die Worte fort trug. Ganymend spürte nur den treibenden Schenkel von Harry und lief immer weiter.

Inzwischen hatte Snowcake wieder aufgeholt. Severus ritt auf Harrys Höhe, schnappte sich Harrys losen Zügel und kommandierte seinem Pferd zu halten. „Hoooo, Hoooo" rief Severus immer wieder bis endlich beide Pferde schnaufend durchparierten.

Harry hing schief am Pferd und klammerte sich an Ganymed Sattel fest.

„Alles in Ordnung?" fragte Severus halb besorgt, halb wütend.

Harry nickte und richtete sich wieder im Sattel auf. Als er nach den Zügeln fassen wollte, sagte Severus. „Die nehme ich!"

Harry atmete zitternd durch. Er verstand nicht, was passiert war und er fühlte sich von Ganymed betrogen. Er dachte, sie wären Freunde.

„Harry, egal was passiert, du darfst niemals die Zügeln auslassen! Wieso hast du dich nicht in den Satten gesetzt?"

Harry starrte Severus ungläubig an. Die vorwurfsvollen Worte trafen ihn hart. „Ich habe es versucht. Es ging einfach nicht!" rief er den Tränen nahe.

„Merlin sei Dank!" stieß Richard aus, als er Harry und Sev einholte.

„Zufrieden?" fuhr Severus nun seinen Bruder an.

Richard Miene verfinsterte sich, „Hey. Was kann ich dafür?"

„Du hast mich zu diesen Schwachsinn überredet. Harry ist noch nie auf einem Pferd gesessen. Wie sollte er es da im Galopp unter Kontrolle halten?"

„Jetzt mal langsam. Es war unser aller Entscheidung!" rechtfertigte sich Richard.

Severus brummte verstimmt, „Ich hätte es besser wissen müssen!"

Minuten des Schweigens vergingen. Harry fühlte sich zum Heulen. Es war mal wieder alles seine Schuld. Er hatte die Kontrolle über sein Pferd verloren.

„Es tut mir Leid!" sagte er schließlich.

Severus schloss kurz die Augen und holte dann tief Luft. „Nein, Harry. Mir tut es Leid. Ich hätte dich nicht überfordern dürfen!"

„Aber ich wollte doch galoppieren!" sagte Harry.

„Ja, aber ich hätte es besser wissen müssen!" wiederholte sich Severus.

Wieder wurde es still, während nur das Schnaufen der Pferde zu hören war und das Stapfen der Hufe im Schnee. Allmählich wurde es dunkler und als sie den Stall erreicht haben, war es bereits stockfinster.

Harry tat inzwischen alles weh. Sein Rücken, seine Arme und seinen Beine. Aber am meisten war er verletzt darüber, dass Ganymed nicht stehen geblieben ist.

Severus tiefe Stimme holte Harry wieder aus seiner Gedankenwelt. „Hoooooo!" Geschickt ließ sich Severus aus den Sattel gleiten und zog die Steigbügeln auf beiden Seiten hoch. Dann lockerte er den Sattelgurt des Pferdes und klopfte Snowcake den Hals.

Harry saß auf seinen Sattel wie festgefroren und sah ein wenig eifersüchtig seinem Vater zu. Als Severus sich zu Harry umdrehte, war er überrascht, dass Harry noch auf dem Pferd saß.

„Willst du gar nicht runter?" fragte er mit hochgezogener Augenbraue.

„Doch" sagte Harry matt „Es ist nur so hoch und mir tut alles weh!"

Severus lächelte. Offensichtlich war sein Ärger wieder verraucht. „Heb deinen rechten Fuß herüber und ich fang dich auf, okay!"

Harry tat es und rutschte an Ganymeds Seite herunter. Severus fasst den Jungen unter den Achseln und bremste so gut es ging den Fall.

„Magst du dein Pferd noch in den Stall bringen, oder willst du es den Stallburschen überlassen und ins Haus gehen, um dich fürs Abend essen fertig zu machen?" fragte Severus.

Normaler Weise hätte Harry sein Pferd in den Stall bringen wollen. Aber er war hungrig und immer noch beleidigt. „Haus!" sagte er knapp und Severus nickte.

Gordon, der Stallbursche nahm Severus sowohl Snowcakes als auch Ganymeds Zügeln ab und ging mit den beiden Pferden davon. Richard war mit seiner Stute schon vorgegangen.

Harry seufzte und sah traurig dem Pferd nach. Alles war so schön. Was war am Ende schief gelaufen? Er hatte sein Pferd respektvoll behandelt, wie es in dem Buch stand. Hatte er Ganymed irgendwie beleidigt?

„Komm Harry. Es ist schon gut. Es war deine erste Reitstunde, was hast du erwartet? Immerhin hast du dich sehr gut oben gehalten. Andere wäre womöglich runter gefallen!" versuchte Severus den Jungen aufzuheitern.

Harry nickte nur stumm, während er hinter Severus her stapfte und zum Haus ging.

Ooo

Wenig später saß Harry frisch umgezogen beim Abendessen. Sein Kopf ruhte auf seinem Arm, den er am Ellenbogen auf den Tisch gestützt hatte und seine andere Hand schob mit der Gabel das Essen am Teller hin und her.

Severus warf Harry einen strengen Blick zu. „Ellenbogen runter!" zischte er.

Harry richtete sich wieder gerade. Obwohl sein Rücken dabei protestierte. Alice und Alec waren ausgegangen. So waren es nur Richard, Severus, er und Eileen.

„Harry iss, doch was. Du musst doch Hunger haben!" meinte Eileen. Doch als Harry den Kopf schüttelte fragte die Frau „Was ist passiert, Schätzchen?"

Richard übernahm schließlich das Wort, nachdem Harry nur mit den Schultern zuckte: „Sein Pferd ist mit ihn durchgegangen!"

„Du meine Güte. Wieso dass denn?" fragte Eileen.

„Na ja. Wir wollten ein bisschen Galoppieren und Ganymed hat dann Snowcake überholt und ist davon gerast. Harry-"

„Ihr habt den Jungen auf den Hengst gesetzt?" fragte Eileen erschrocken.

„Wieso nicht. Die beiden passen gut zusammen" erklärte Richard.

„Ja, aber für die erste Reitstunden braucht man ein ruhiges zuverlässiges Pferd und keinen wilden Hengst!"

„Ganymed ist kein wilder Hengst!" bestritt Richard.

„Aber ein lahmes Schulpferd ist er auch nicht!" rief Eileen, „Ich weiß, er ist zuverlässig unter einem erfahrenen Reiter. Aber er ist überfordert, wenn er keine eindeutigen Befehle bekommt und ich weiß, welche Fehler Anfänger beim Galopp gerne machen. Sie stehen im Sattel und ziehen an den Zügeln."

Nun sah Harry auf. Er hatte nur einen Anfängerfehler gemacht?

„An den Zügeln hat er jedenfalls nicht gezogen. Denn die hatte er weg geschmissen, um sich am Sattel fest zu krallen!" sagte nun Severus.

„Oh weh!" stöhnte Eileen und warf Harry einen mitfühlenden Blick zu.

Harry lächelte unsicher.

„Ja, Severus ist wie ein stolzer Ritter hinter Harry her und hat sich Ganymeds Zügeln gepackt. Das hättest du sehen sollen Mum!" rief Richard begeistert.

„Was hätte ich denn sonst machen sollen? Warten bis Ganymed die Luft ausgeht? Harry wäre jeden Moment runter gefallen" verteidigte sich Severus.

„Ich hab ja nur gesagt, dass es toll ausgesehen hat!" sagte Richard mit einem Lächeln. „Aber es wäre auch nichts weiter passiert, wenn er runter gefallen wäre. Die Landung im Schnee wäre weich gewesen und Ganymed wäre dann auch eher wieder stehen geblieben."

„Was?" Harry spuckte beinahe wieder seinen Kürbissaft aus von dem er gerade trinken wollte.

„Richard nicht!" sagte Severus und Richard verstummte.

„Was?" fragte Harry nun an Severus gewandt, „Wieso wäre Ganymed eher stehen geblieben, wenn ich gefallen wäre?"

„Weil du mit deinen Füßen geklammert und dich nach vorne gelehnt hattest. Dein Körperhaltung hat dem Pferd signalisiert weiter zu rennen" erklärte Severus.

Harry verstummte und dachte nach. Also hatte er den Pferd unbewusst gesagt, es soll rennen? Dann war Ganymed ja unschuldig! Zuerst war Harry erleichtert über die Tatsache, aber dann fühlte er sich wieder schlecht. Er hatte Ganymed Unrecht getan.

Harry sprang auf und wollte sofort in den Stall eilen. Doch eine Hand legte sich auf die seine und als Harry aufsah blickte er in Severus ernstes Gesicht.

„Wo willst du hin?"

„In den Stall!" sagte Harry hastig.

„Nein, Harry. Du hast noch gar nichts gegessen! Außerdem springt man nicht einfach vom Tisch auf ohne sich zu entschuldigen."

„Entschuldige Sev. Aber ich muss zu Ganymed. Ich... ich hätte nicht... ich... Bitte, darf ich noch mal zu ihm?" flehte Harry.

„Jetzt nicht. Iss in aller Ruhe dein Essen auf und dann kannst du gehen!"

Mit einen Seufzer ließ sich Harry wieder in den Sessel fallen. Aber als er die Gabel diesmal zur Hand nahm, hatte er wesentlich mehr Appetit und so dauerte es nicht lange, war er fertig. Diesmal sprang er nicht einfach auf, sondern fragte vorher „Darf ich jetzt gehen?"

Severus nickte und Harry stand nun langsam und kontrolliert auf. „Entschuldigt mich!" sagte er zum Rest und verließ dann angemessenen Tempos den Raum. Doch sobald er auf dem Gang kam, rannte er los und machte er vor Ganymeds Box halt. Zuvor hatte er jedoch noch einen kurzen Stopp in der Küche eingelegt.

Harry sah über den Boxenrand und beobachtete das Pferd beim Fressen. „Hi" sagte Harry schließlich und der Kopf des Pferdes schoss hoch. Schwarze große Augen blickten dem Jungen entgegen.

„Es tut mir Leid wegen vorhin" sagte Harry und strich dem Pferd zärtlich über Stirn und Nase. Ganymed beugte seinen Kopf über die Boxentür und schnupperte an Harrys Hosentasche.

„Ja, das ist für dich!" sagte Harry und holte eine Karotte hervor. Noch einmal schnupperte der Hengst bevor er die Karotte mit weichen Lippen aufnahm. Zufrieden kaute er an dem Stück und machte in keiner Weise den Eindruck auf Harry wegen irgendetwas sauer zu sein. Das erleichterte Harrys schlechte Gewissen ungemein.

„Das nächste Mal bringe ich dich in den Stall, okay!" versprach Harry.

Ganymed spitze seinen Ohren und blickte Harry erwartungsvoll an.

„Ich wollte nur Gute Nacht sagen!" sagte Harry und klopfte dem Pferd den Hals.

Dann ging Harry einen Schritt zurück und lächelte. Ganymed wieherte leise und senkte dann seinen Kopf, um wieder an seinem Heu weiter zu fressen.

„Gute Nacht!" wisperte Harry und ging zurück ins Haus.

Ooo

Er schöpft lies sich Harry vornüber auf sein Bett fallen. Ihm tat immer noch alles weh und er war so müde, dass er nicht mehr die Kraft fand, sich wieder aufzusetzen, um sich umzuziehen.

Beinahe wäre er eingeschlafen, da klopfte es an der Tür.

Harry brummte etwas Unverständliches.

„Darf ich reinkommen?" fragte Severus.

Wieder brummte Harry. Offensichtlich wurde es als „ja" aufgefasst, denn die Tür ging auf und die Stimme von Severus wurde lauter.

„Schläfst du schon?" fragte er verwirrt.

„Soguwi" murmelte Harry in seinen Poster.

„Entschuldige, aber das habe ich nicht verstanden!" sagte Severus und kam näher zu Harry.

Harry seufzte und drehte schließlich seinen Kopf zur Seite, „So gut wie!" wiederholte er.

„Hast du schon Zähne geputzt?" fragte Severus

„Nein!"

„Dann mach das!" forderte Severus.

„Ich kann nicht!" sagte Harry matt. „Mir tut alles weh. Ich kann mich nicht mehr bewegen!"

„Unsinn Harry. Außerdem habe ich eine Creme für dich. Aber bevor ich dich damit massiere, solltest du bettfertig sein."

„Ich bin fertig!" sagt Harry, wohl wissend dass er Unsinn sprach.

„Jetzt reiß dich zusammen Harry!" mahnte Severus mit befehlender Stimme und Harry fand plötzlich die Kraft sich von seinem Bett hoch zu stemmen. Severus nahm Harry am Oberarm und half ihn aufzustehen. „Putz dir die Zähne und dann zieh dich aus. Ich massiere dich dann, okay?"

Harry nickte müde und schlurfte ins Badezimmer davon.

Wenig später lag der Junge mit Boxershort bekleidet auf seinem Bett. Das Gesicht wieder im Polster vergraben. Severus setzte sich kopfschüttelnd an den Bettrand und schraubte den Deckel der Dose auf. Er nahm etwas von der Creme auf seine Hände und wartete ein bisschen, bevor er sie in Harrys Rücken massierte.

Harry stöhnte auf. Es tat zwar einerseits weh, aber auf der anderen Seite war es angenehm und je öfter und länger Severus eine Stelle massierte, um so eher ging der Schmerz weg. Severus massiert zu erst Harrys Rücken, dann die Arme und schließlich die Beine. Als Severus fertig war, schlief Harry bereits tief und fest.