Hätte ich noch länger gewartet, dann hätte es von der Zeit besser gepasst. Aber das kann ich euch ja nicht antun. Hat jetzt eh wieder ewig gedauert. Was die Weihnachtsferien und ihre Tage angeht. Wenn der 24. Dezember ein Montag ist, dann stehen wir vor dem Phänomen zwei volle Ferientage vor der eigentlichen Bescherung zu haben. Und wer genau nachrechnet weiß, dass sich das alles ausgeht. Aber Jetzt gibt es keine Ausrede mehr. Frohe Weihnachten, Harry!

Von Freiheit und Familie

Harry ritt im gestreckten Galopp über weiße, Schnee bedeckte Felder. Er trieb sein Pferd vorwärts und legte sich flach über Ganymeds Hals. Er musste schneller sein. Sie durften ihn nicht kriegen, dachte Harry und galoppierte immer weiter.

Doch seine Verfolger holten auf und schließlich ritt einer von ihnen auf Harrys Höhe. Eine Hand schoss vor und riss Harry die Zügel aus der Hand. „Nein!" protestierte Harry. Ganymed bäumte sich auf und Harry rutsche aus den Sattel. Unzeremoniell landete er auf seinen Hintern am Boden.

Hässliches Lachen folgte, als mehr und mehr Reiter in schwarzen Umhängen sich um Harry scharrten. Harry stand auf und sah sich um. Ganymed stand dicht hinter ihm. „Du glaubst du kannst unserem Meister entkommen?" fragte einer der Männer.

Wer seid ihr? Was wollt ihr?" rief Harry.

Wir bringen dich und das gestohlene Pferd unserem Meister zurück."

Ganymed ist nicht gestohlen. Er gehört mir!" verteidigte sich Harry, doch die Männer lachten nur.

Habt ihr ihn?" fragte plötzlich eine tiefe Stimme und die Männer teilten sich um den ankommenden Mann Platz zu machen. „Jawohl, Meister!" riefen die Männer und verneigten sich.

Ein tiefschwarzes großes Pferd kam nun auf Harry zu, dessen Reiter jedoch eher klein wirkte. Klein und dick. Irgendwie erinnerte der Mann Harry sehr stark an Vernon. Und als der Reiter seine Kapuze vom Kopf zog, holte Harry überrascht Luft. Es war sein Onkel Vernon, der ihn nun hasserfüllt nieder starrte.

Bitte, Vernon. Das Pferd gehört mir!" flehte Harry.

Vernon lachte kurz auf. „Seit wann gehört dir irgendetwas? Wer hätte dir das Pferd schenken sollen? Es gehört mir, und du hast es mir gestohlen. Dafür wirst du bestraft!"

Vernon ließ sich aus den Sattel gleiten und kam erstaunlich sanft am Boden an. Harry ging ein paar Schritte zurück, aber da stand Ganymed, also konnte er nicht weiter weg.

Für einen kurzen Moment hatte er die wilde Idee sich einfach wieder aufs Pferd zu schwingen, aber da hatte sein Onkel ihn auch schon an den Haaren gepackt.

Bitte, Onkel. Das Pferd gehört wirklich mir!" jammerte Harry. Doch Vernon stieß Harry unsanft zu Boden. Dann holte er mit seiner Reitgerte aus und drosch auf Harry ein.

„Aaaahhhh!" mit eine Ruck war Harry wach. Er atmete schwer und seine Stirn war schweißnass.

Dann rollte sich Harry zu einem Ball zusammen und blieb zitternd liegen. Schon wieder hatte er es zugelassen, dass sein Onkel ihn schlug. „Sev" flüsterte Harry und sehnte sich nach Händen, die ihn jetzt halten würden. Er wusste er war kindisch, aber das war ihm im Moment egal.

„Harry? Alles in Ordnung?" die Stimme kam so unvermittelt, dass Harry erschrocken aufschrie.

„Schschsch... Du weckst ja das ganze Haus!"

„Papa?" fragte Harry unsicher.

„Ja!" war die Antwort.

Harry war so erleichtert, dass ihm ein Schluchzer entkam.

„Hey. Hsch. Was ist denn?" fragte Severus während er nun an Harrys Bett trat und den Jungen über den Rücken strich.

Harry setzte sich auf und schlang seine Arme um Severus. Als Severus spürte, wie verschwitzt der Junge war, fragte er: „Hattest du einen Alptraum?"

Harry nickte nur, da er seiner Stimme nicht traute.

„Willst du darüber reden?" fragte Severus weiter.

So erzählte Harry stockend, was er im Traum erlebt hatte.

„Hattest du denn bei den Dursleys nie etwas besessen, das ausschließlich dir gehört hatte?" fragte Severus.

„Nein. Alles was ich haben durfte, waren Dudleys alte Sachen. Sein Gewand, wenn er es ausgetragen hatte, sein Spielzeug, wenn es kaputt war. Ich hatte auch vor dem Brief von Hogwarts nie Post bekommen. Mein Onkel hat mir den Brief gleich weggenommen, als ich ihn in den Händen hielt."

„Ja, ich erinnere mich. Minerva hatte gewisse Schwierigkeiten den Brief zuzustellen."

„Sie war jedenfalls sehr einfallsreich!" sagte Harry nun und erinnerte sich mit einen Schmunzeln an die Briefe in den Eiern.

„Aber nicht erfolgreich. Deswegen hat Albus dir dann Hagrid geschickt!"

Harry kicherte „Ja. Ich hatte anfangs richtig Angst vor ihm. Aber er konnte so viele fantastische Sachen. Er hat Feuer gemacht mit seinem-" Harry verstummte erschrocken. Beinahe hätte er Severus verraten, dass Hagrid mit seinem Schirm gezaubert hatte.

„Keine Angst, ich weiß über Hagrids rosa Schirm Bescheid!" sagte Severus.

„Wirklich? Er hat mir gesagt, ich darf es niemanden erzählen!"

„Natürlich hat er das. Ich weiß jedoch darüber Bescheid, weil ich Albus damals geholfen habe den Zauberschirm zu entwickeln mit Hagrids Zauberstabresten."

Harry sah Severus groß an. Damit hatte er nicht gerechnet.

„Meinst du, du kannst jetzt wieder einschlafen?" fragte Severus schließlich.

Harry nickte, aber trotzdem gefiel ihm die Idee nicht, wieder alleine in dem Zimmer zu sein.

„Kannst du-" fing er an, aber stoppte wieder. Jetzt war er wirklich kindisch.

„Ja, ich bleibe, bist du wieder eingeschlafen bist!"

„Danke!" sagte Harry erleichtert und kuschelte sich wieder in seinen Polster.

Es war eine Weile ruhig und Severus dachte schon, Harry wäre wieder eingeschlafen, da fragte der Junge plötzlich, „Woher wusstest du, dass ich wach war? Und dass ich schlecht geträumt hatte?"

„Ich war gerade auf den Weg in mein Zimmer zurück, als ich an deiner Tür vorbei ging und dich schreien hörte" erklärte Severus.

„Wieso schleichst du so spät noch herum?" fragte Harry und suchte nun Blickkontakt mit Severus.

Severus zog eine Augenbraue hoch. „Gerade du fragst das?"

„Du warst auf Kontrollgang? Hast du geglaubt ich treibe mich herum?" fragte Harry verwundert.

Severus lachte kurz auf, „Nein. Ich gehe nie vor Mitternacht schlafen. Ich war eben dabei zu Bett zu gehen."

„Es ist erst Mitternacht?"

„Jetzt nicht mehr. Ich schätze, es ist in etwa ein Uhr Früh und ich würde es begrüßen, wenn du langsam wieder einschläfst. Ich würde auch gerne schlafen gehen!"

Harry lief rot an, aber in dem schwachen Kaminfeuer konnte man das nicht sehen.

„Danke noch mal!" wisperte Harry und rollte sich zur Seite.

Diesmal dauerte es nicht lange und Harry war wieder in Morpheus Reich. Severus seufzte und stand auf. Er hoffte, dass Harry den Rest der Nacht ohne Alpträume verbringen würde, was bei seiner Vergangenheit sicher nicht leicht war.

Harry hatte es in seinen frühen Jahren unter den Muggeln, viel härter gehabt, als Severus in seiner Kindheit und das machte Severus immer mehr zu schaffen. Er hoffte, dass Harry besser mit dem allen klar kommen wird, als er, Severus, es getan hatte.

Ooo

Harry war wieder eingeschlafen, aber es war nicht alptraumfrei. Gegen drei Uhr morgens schreckte er erneut aus dem Schlaf. Zitternd versuchte er seine Gedanken wieder zu ordnen. Aber er wurde die Schreckensbilder nicht los. Krampfhaft versuchte sich Harry an sein vorheriges Gespräch mit Severus zu erinnern. Schließlich hatte es ihn soweit abgelenkt, das er wieder einschlafen konnte. Aber auch das wollte ihm jetzt nicht gelingen.

Harry klammerte sich an der Decke fest. Er fühlte sich unwohl in dem großen Zimmer. Bei Tag stört es Harry nicht, aber bei Nacht gab es so viele Schatten und dunkle Ecken, die Harry nicht einsehen konnte.

Er versuchte sich einzureden, dass er kindisch war und endlich wieder zu Vernunft kommen sollte, aber auch das half Nichts. Daher setzte sich er auf. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Kasten oder Severus?

Sein Herz schlug ganz klar für Severus, aber konnte er seinen Onkel und Adoptivvater jetzt schon wieder belästigen? Harry seufzte und rutschte aus dem Bett. Dann schnappte er sich einen Polster, den er zur seelischen Stütze an sich drückte, und ging zur Tür.

Als Harry in den dunklen Gang sah, schluckte er. Es war nur ein kleines Stück zur anderen Tür, aber es war stockdunkel. Harry drückte den Polster fester an sich und ging einen halben Schritt vorwärts. Sowie sein Fuß auf den Gang hinaustrat, leuchteten die Fackeln an der Wand leicht auf. Nur schwach, aber sie waren hell genug, um alles zu sehen.

Harry musste über sich selber lachen. Damit hatte er nicht gerechnet. Er kannte so was aus Muggelnfilmen. Da gab es Hotels, wo das Ganglicht automatisch anging. Aber dass er so was in der Zaubererwelt finden würde... Andererseits, wieso sollte Elektrizität mehr können als Magie?

Mit mehr Zuversicht ging Harry das Stück über den Gang um an Severus Tür zu kommen. Aber dann hielt er inne. Er kam sich so dumm vor. Wie alt war er denn, dass er zu Papa rannte, nachdem er schlecht geträumt hatte? Gerade wollte Harry umdrehen, da ertönte eine verschlafene Stimme, „Harry?"

Nun drückte Harry die Schnalle hinunter und öffnete die Tür einen Spalt um hineinzublicken.

„Was machst du da draußen?" fragte Severus und es war aus seiner Stimme zu hören, dass er noch schlaftrunken war.

„Ich..." stammelte Harry.

„Komm rein!" brummte der ältere.

„Entschuldige. Ich wollte dich nicht wecken. Ich denke, ich gehe wieder zurück in mein Bett"

„Warte Harry. Was ist los?" fragte Severus und drehte sich auf die Seite, wo er seinen Kopf auf den Arm aufstützen konnte.

Harry hielt den Polster immer noch an sich gedrückt und sah verloren zu Boden. Merlin, wieso kam er sich so klein und dumm vor?

„Ich... es..." stammelte er unfähig sich auszudrücken.

„Alptraum?" fragte Severus.

Harry nickte nur.

„Mach die Tür zu!" brummte der Mann und ließ sich wieder auf den Rücken rollen.

Verunsichert sah Harry nun auf. Warf ihn Severus etwa raus? Doch da sah er wie der ältere mit der Hand auf die zweite Bettdecke klopfte, die unbenutzt auf dem Bett lag.

Harry schloss die Tür und trat an Severus Bett heran. Es war noch größer, als das Bett von Harry, da es offensichtlich für zwei Personen gedacht war.

„Willst du reden, oder dich einfach neben mich schmeißen?"

Die Frage war so un-snape-isch, dass Harry fast glaubte, sich verhört zu haben. ‚Neben mich schmeißen' Seit wann hatte Severus denn so einen Spruch drauf? Lag es daran, dass er nicht wirklich wach war? Immerhin hatte der Mann gerade mal eine Stunde geschlafen.

„Ich darf mich wirklich herlegen?" fragte Harry verwundert.

„Wenn du willst, ja. Aber wenn du es bevorzugst hier rum zu stehen und mir beim Schlafen zuzuschauen, dann fühle dich frei, auch das zu tun!"

„Nein!" sagte Harry schnell und krabbelte auf die unbenutzte Seite des Bettes. Den Polster aus seinem Zimmer immer noch unter seinem Arm geklemmt.

„Entschuldige nochmals Papa" flüsterte Harry und ein Brummen kam als Antwort.

Harry schmunzelte. Es war irgendwie witzig Severus so zu erleben. In dem Moment kam ihm sein Papa nicht sehr viel älter vor, als er selber war. „Nacht, Sev!" wisperte Harry kaum hörbar. Noch ein Brummen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief Harry wieder ein. Die Präsenz seines Vaters beruhigte ihn ungemein. Und diesmal kamen keine bösen Alpträume. Im Gegenteil, er träumte davon mit Sev in den Zoo zu gehen. Er träumte davon, dass sein Papa stolz auf ihn war, als er merkte Harry konnte mit Schlagen reden. Er träumte davon mit Severus Eis zu schlecken und Zuckerwatte zu essen.

Ooo

Severus schreckte aus seinem Schlaf hoch, als er plötzlich das Gefühl hatte, nicht allein im Zimmer zu sein. Er hatte seinen Zauberstab schon in der Hand, bevor er sich dunkel an etwas erinnerte. Er richtete sich auf und sah zur Seite. Die Decke neben ihm, die sonst immer fein säuberlich da lag, war nun aufgebauscht. Am unteren Ende ragte ein Fuß heraus und am oberen Ende, blitze ein dunkler Mopp aus strubbeligen Haaren heraus. Harry.

„Oh nein!" brummte Severus erschrocken über sich selbst. Hatte er es wirklich zugelassen im Halbschlaf mit Harry zu reden? Vertraute er dem Jungen so sehr, dass er es nicht für nötig hielt, gänzlich aufzuwachen. Albus war bis jetzt der einzige, der Severus in so einem Zustand erlebt hatte und dieser war immer höchst amüsiert über Severus schlaftrunkenen Antworten.

Konnte er sich so was denn Harry gegenüber leisten? Ein Blick auf Harrys Gesicht, das eben auftauchte, da sich der Junge im Schlaf umdrehte, war genug Antwort: Ja. Severus konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er Harry das letzte Mal derart entspannt gesehen hatte. Er wirkte so friedlich im Schlaf, dass man kaum glauben konnte, wie verletzt und geschunden der Junge innerlich war.

Da Severus ohnehin nicht mehr einschlafen würde, beschloss er gleich aufzustehen. Es war sieben Uhr Morgens. Harry würde sicher noch gut zwei Stunden schlafen.

Ooo

Severus sollte Recht behalten kurz vor neun Uhr kam ein komisches Brummgeräusch von Harry. Ohne seine Augen auf zu machen, streckte und dehnte Harry seinen Körper durch. Danach drehte er sich auf die andere Seite und rollte sich wieder ein. Für einen Moment schien es, als ob er wieder einschlafen würde, doch dann saß der Junge mit einem Ruck kerzengerade im Bett. Eine erschrockene Miene auf dem Gesicht.

Severus sah von seinem Lehnstuhl auf und lächelte. „Guten Morgen!" begrüßte er den Jungen.

„Sev!" rief Harry halb erschrocken, halb verwundert. Doch dann fiel sein Blick auf einen kleinen Berg von Päckchen unweit von Severus, der vor einem klitzekleinen Weihnachtsbäumchen lag. So weit es ging, wurden Harrys Augen noch größer.

Severus musste lachen „Man könnte meinen, du wüsstest nicht was Weihnachten ist!"

„Ich..." fing Harry an, doch dann sah er Severus vorwurfsvoll an. „Du hast gesagt, du feierst kein Weihnachten!"

„Tu ich auch nicht! Den Baum hat Wilbur mir angedreht. Und die Päckchen sind alle heute für dich angekommen. Ich vermute von deinen Freunden. Dennoch... Fröhliche Weihnachten!" sagte Severus und erhob sich von seinem Stuhl. Er ging zum Päckchenberg und nahm eines davon hoch und brachte es Harry.

Harry sah zuerst Severus groß an und dann auf das Päckchen, dass in seine Hände geschoben wurde.

„Ich weiß gar nicht... ich... äh... Danke!" stammelte Harry und eine einsame Träne glitzerte in seinen Augen.

„Nun, komm schon Harry. Tu nicht so, als ob das dein erstes Geschenk in deinen Leben wäre!" sagte Severus und versuchte klar zu machen, dass es doch nicht mehr, als bloß ein Geschenk war. Eines von vielen. Es gab keinen Grund die Fassung zu verlieren.

Harry kämpfte gegen neue Tränen. „Es ist nur..." begann er doch dann konnte er sich nicht mehr halten. All seine Träume wurden mit dieses Päckchen wahr. Er hatte eine Familie. Er hatte einen Papa, der in liebte und der ihn zu Weihnachten etwas schenkte. Eine so simple Geste, nach der sich Harry nun schon sein ganzes Leben gesehnt hatte.

Seine Arme ließen das Päckchen los und er glitt aus dem Bett, um Severus zu umarmen. Er hatte Panik, dass dies auch nur ein Traum sein könnte, dass er jeden Moment aufwachen würde.

„Hey!" sagte Severus nun sanft und strich Harry über den Rücken, als er spürte, wie sehr der Junge sich an ihn klammerte. Als wenn sein Leben davon abhinge. Eine Weile standen sie so da, bis Harry sich wieder lösen konnte. „Entschuldige!" nuschelte Harry verlegen und ließ Severus wieder frei.

„Schon gut!" versicherte Severus.

„Ich weiß, ich benehme mich lächerlich, aber..." Harry überlegte fieberhaft nach den richtigen Worten.

„Du brauchst nichts zu sagen. Ich verstehe dich auch so!" versicherte Severus und drückte Harry noch einmal kurz an sich.

Endlich begann Harry wieder zu lächeln. Ein ähnlich seliges Lächeln, wie jenes, dass sein Gesicht im Schlaf geziert hatte. Severus hatte nicht damit gerechnet, wie sehr Harry den Halt brauchte, den nur eine Familie einem Kind geben konnte. Und einmal mehr verfluchte er die Dursleys gedanklich, die darin so sehr versagt hatten.

„Willst du es gar nicht aufmachen?" fragte Severus schließlich und hob das Päckchen erneut auf, da es vom Bett auf den Boden gerutscht war, als Harry aufstand. Harry nahm es an sich und bedankte sich.

Er ließ sich vor dem kleinen Weihnachtsbäumchen auf den Boden nieder und begann schließlich Severus Päckchen auf zu machen. Langsam und vorsichtig löste er das Spellotape und entfernte schließlich das Papier. Zum Vorschein kam ein Paar Drachenlederhandschuhe. Fein verarbeitet und innen mit warmen Lammfell gefüttert.

Harry schlupfte sofort hinein. Sie passten wie angegossen. „Danke!" hauchte Harry erneut und betrachtete seine eingepackten Hände.

„Ursprünglich dachte ich, sie würden in Quidditsch gut in Einsatz kommen können, aber du kannst sie natürlich auch zum Reiten verwenden" erklärte Severus.

Harry nickte, doch dann sah er betreten zu Boden. „Ich hab gar nichts für dich!"

„Sag das nicht. Was du mir gegeben hast, können all diese Päckchen zusammen nicht aufwiegen!" sagte Severus ernst.

Harry sah mich hochgezogener Augenbraue auf.

„Ich war zu feige wieder mit meiner Familie in Kontakt zu treten. Aber du hast sie mir zurückgegeben. Meine Mutter, meine Schwester und meinen kleinen Bruder. In all den Jahren in Hogwarts, hab ich zwar immer gewusst, dass mir was fehlt, aber ich habe nicht gewusst, wie sehr ich meine Familie vermisste! Erst durch dich, habe ich den Mut gefunden, hier her zurück zu kommen. Glaube mir, das war das größte Geschenk, was du mir machen konntest!"

Harry lief rot an und senkte erneut den Blick. „Aber man kann so was nicht einpacken!" nuschelte er.

„Nein. Dafür ist es wahrlich viel zu groß!" gab Severus zu.

Als Harry wieder aufsah, sah er Severus lächeln. Es war ein warmherziges, berührtes Lächeln. Nicht, dass Severus Tränen in den Augen gehabt hätte, aber gegenüber seiner sonstigen Maske, war dieses Lächeln beinahe damit gleichkommend.

Ooo

Nachdem Harry schließlich auch die Päckchen von seinen Freunden geöffnet hatte, machte er sich frisch und ging dann mit Severus hinunter in den Speisesaal, um mit den anderen zu frühstücken. Alle wünschten sich Frohe Weihnachten und vereinzelte Päckchen wanderten über den Tisch hin und her.

Alec und Alice schenkten Harry einen kleinen Drachen, der Feuer speien konnte und im Kreis um ein Nest flog, wo ein Ei darin lag. Es erinnerte Harry sehr stark an die erste Prüfung des Trimagischen Turniers.

Eileen überreichte Harry eine dünne Goldkette mit einem Schutzamulett. „Das ist ein Ankh. Ein Anch-Kreuz oder auch Lebenskreuz genannt. Es war in alten Ägypten eines der mächtigsten Amulette. Pharaonen haben es getragen. Es gilt als Zeichen des Lebens und der Unsterblichkeit. Es schenkt seinem Träger Kraft und Energie und bewahrt ihn vor Krankheit" erklärte Eileen dazu, „Und der Stein hier, der das ‚T' und die Ellipse verbindet, ist ein Rubin. Der Stein des Lebens und der Liebe."

Harry starrte fassungslos auf das goldene Amulett mit den roten Stein. Auf der dem Kreuz selber, waren ägyptische Hieroglyphen eingeritzt.

„Was steht da?" fragte Harry und fuhr mit dem Finger über die Zeichen.

„Chufu. Das Amulett hat angeblich Pharao Chufu getragen. Chufu ist besser bekannt unter dem griechischen Namen Cheops. Der Name „Chufu" heißt übersetzt in etwa: Er beschützt mich. Und das hier..." Eileen deutete auf die Symbole auf dem unteren Teil des Amuletts „heißt: Ewiges Leben! Ich denke, unter den Ankhs ist das hier eines der mächtigsten. Immerhin stammt es aus der 4. Dynastie."

„Ich... ich kann das nicht annehmen!" stotterte Harry und wollte das Amulett wieder zurück geben."

„Nein!" wehrte Eileen ab. „Es soll dir gehören!"

„Wieso?" fragte Harry verstört. Er konnte nicht verstehen, warum ein beinahe Fremder ihm so ein kostbares Geschenk machen wollte.

„Weil du ein würdiger Träger dafür bist. Es ist schon so lange in unserem Familienbesitz und es wurde seit tausend Generationen nicht mehr getragen. Wir haben das Ankh bewacht, aber nie benutzt. Keiner von uns schien der Richtige dafür zu sein. Allein es in meinen Händen zu halten, fühlt sich falsch an. Aber ich habe das Gefühl, in deinen Händen ist es richtig!"

Harry blickte wieder auf das Amulett. Es war so wunderschön, so einzigartig.

„Harry, was fühlst du?" fragte Eileen schließlich.

„Es fühlt sich warm an!" sagte Harry etwas benommen.

Eileen nahm das Ankh und schloss die Kette um Harrys Hals. Harry war überrascht. Es war ihm, als hätte er eine warme Dusche genommen. Ein angenehmes Prickeln wanderte seine Haut rauf und runter. Es war ähnlich wie das Gefühl, dass er hatte, als er zum ersten Mal seinen Zauberstab in der Hand hielt, nur irgendwie noch stärker.

„Wow!" war alles was er dazu sagen konnte.

Eileen nickte zufrieden. „Es gehört zu dir!"

„Danke!" hauchte Harry und ließ das Amulett unter seinem Hemd verschwinden. Er wusste nicht wieso, aber er hatte das Gefühl, das Amulett sollte im Verborgenem bleiben.

Schließlich kam auch noch Richard zu Harry. „Ich habe nichts, was ich verpacken kann. Da meine liebe Mutter mir nicht verraten hatte, mit wem wir heuer Weihnachten feiern werden. Aber ich möchte dich gerne ausführen, und zwar nach Merlin City!"

„Merlin City? Was ist das?" fragte Harry verwundert.

„Das größte Einkaufszentrum, dass die Zaubererwelt zu bieten hat. Es liegt unter der Erde und man braucht einen speziell genehmigten Portschlüssel, um dahin zu kommen, den ich heute morgen zugesandt bekommen habe. Für mich und zwei Begleitpersonen meiner Wahl. Ich überlasse dir, wer der dritte im Bunde sein soll, aber ich denke, ich weiß wen du nehmen wirst!" damit lächelte Richard von Harry zu Severus.

Harry nickte zur Bestätigung mit dem Kopf.

„Ist es nicht ein bisschen zu gefährlich. Mit Harry und mir an deiner Seite. Wird sind beide heiß begehrt unter den Todessern" gab Severus zu bedenken.

„Ach komm schon Sev. Wie viele Todesser werden dort schon sein? Außerdem könnt ihr euch ja verkleiden. Ein kleiner Zauber hier und da und keiner weiß wer ihr seid!" versuchte Richard zu überzeugen.

„Bitte, Papa. Ich würde Merlin City gerne einmal sehen!" sagte Harry mit hoffnungsvollem Blick.

Severus seufzte. Wenn Dumbledore davon wüsste, er würde es nicht gut heißen. Un auch er hatte ein schlechtes Gefühl dabei. Immerhin hatte er die Verantwortung über Harry. Aber wie hatte Harry das nur so schön ausgedrückt? Wie willst du wissen, ob ein Vogel fliegen kann, wenn du ihn nicht loslässt?

Dumbledore hat Harry nie losgelassen und das hatte dem Jungen nicht unbedingt gut getan. Aber war Severus mutig genug diesen Schritt zu riskieren? Harry trotz aller Gefahren ausfliegen zu lassen? Hatte Harry nicht inzwischen bewiesen, dass er sich aus Gefahren heraus winden konnte?

„Also gut!" stimmte Severus schließlich zu, „Aber ich bestehe darauf, dass wir uns tarnen, Harry!"

„Okay. Danke, Papa!" freute sich Harry und fiel Severus um den Hals. Er würde raus gehen dürfen. Ohne irgendwelchen Schutzbarrieren, die ihn vor der Außenwelt abschotten würden. Harry wusste, es war zu seiner eigenen Sicherheit, aber er fühlte sich dennoch so isoliert, immer innerhalb irgendwelcher Schutzschilde existieren zu müssen. Manchmal kam er sich schon vor wie Sirius in seinem verhassten Elternhaus.

Es war so deprimierend nicht frei sein zu können. Aber heute, heute würde er für kurze Zeit die Freiheit genießen dürfen. Das war wahrlich sein schönstes Weihnachten!