Die gute Nachricht: Ja ich melde mich zurück. Ich habe die Geschichte noch nicht auf den Nagel gehängt. ;o)
Die schlechte Nachricht: Am Ende ist ein böser Cliffhanger.
Ich verspreche so schnell wie möglich weiter zu posten!
König der Lüfte
Eine Weile rannten Severus, Harry und Richard durch die riesige Einkaufsstadt, ehe sie ihre müden Füße in einen kleinen Café nahe des Hauptplatzes ausstreckten. Harry strahlte über sein ganzes Gesicht. So ausgelassen und frei von Sorgen hat er sich schon lange nicht mehr gefühlt.
Auch Severus entging die selten gute Stimmung seines Neffen nicht. Aber eines gab ihn dennoch zu denken. Auch wenn Harry nicht wie Harry aussah und niemand die Narbe sehen konnte, hatte der Junge dennoch etwas an sich, dass die Aufmerksamkeit der Leute auf den Jungen lenkte. Harry wurde von vielen Leuten angesprochen. Einige drehten sich auch einfach nur nach ihn um. Es war eigenartig und machte Severus irgendwie nervös.
Es war unter anderen ein Grund warum Severus auf dieses kleine Café bestand und nicht direkt am Hauptplatz essen wollte. Hier konnte er sicher sein Harry nicht aus den Augen zu verlieren.
„Schaffen wir das? In einer halben Stunde geht die Flugshow los. Die will ich mir nicht entgehen lassen. Es gibt auch eine Verlosung. Der Gewinner darf eine Runde mit dem Pegasus fliegen" erzählte Harry aufgeregt.
„Jetzt iss mal in Ruhe. Zur Not sehen wir die Show auch von hier aus und was die Verlosung angeht: Auf gar keinen Fall!" sagte Severus entschieden.
„Was? Wieso nicht?" fragte Harry verständnislos.
„Ich kann dich da oben nicht beschützen. Du würdest wie auf dem Präsentierteller schweben!"
„Präsentierteller? Was redest du da? Wer um alles in der Welt sollte sich für Jamie interessieren?" fragte Harry
„Ich zum Beispiel" antwortete Severus.
„Dad, das kannst du nicht machen. Du kannst mir nicht verbieten, mit den coolsten Besen der Welt zu fliegen, falls ich überhaupt gewinnen sollte."
„Ich kann und ich werde!"
„Cian-"
„Halt dich da raus Richard! Jamie, ich habe ein ungutes Gefühl. Die Leute hier reagieren auf dich so anders."
„Natürlich tun sie das. Ich bin jetzt Jamie und nicht irgendein Retter der Welt!" rief Harry irritiert von Severus plötzlicher Sorge.
„Das meine ich nicht!" Severus schüttelt den Kopf „Ich meine sie reagieren auf dich anders, als auf die anderen Menschen. Sie drehen sich extra um, um einen Blick auf dich zu werfen. Sie bleiben stehen, um mit dir zu reden. Ist dir das nicht aufgefallen?"
Harry sah Severus nur groß an, dann sagte er „Nein. Ich glaube, du bist schon so besorgt, dass du überall nur mehr Gefahren siehst. Wieso entspannst du dich nicht einfach. Wir sind Cian und Jamie. Niemand kennt uns, also wird uns auch niemand etwas Böses wollen!"
„Ich sehe das auch so!" bekräftigte Richard Harrys Aussage.
Severus schnaubte frustriert und schüttelte dann den Kopf. Bildete er sich das alles etwa wirklich nur ein? War er so nervös, dass er aus einer Mücke einen Elefanten machte?
„Ich mag fliegen, Dad, bitte!" Harry sah Severus flehend an.
Severus schloss die Augen. Er wollte nicht der Partymuffel sein, aber er machte sich wirklich Sorgen, dass just in dem Moment, wo Harry nicht in seiner Nähe war, irgendetwas passieren würde. Gegen seine Instinkte jedoch sagte er schließlich, „Na, schön, aber keine Halsbrecherischen Stunts! Und kein Gejammer, wenn du bei der Verlosung nicht gewinnen solltest!"
„Ja, ist gut. Danke, Dad!"
Severus schüttelte erneut den Kopf. Seit wann war er so weich geworden, dass er Harry Nichts mehr abschlagen konnte? Seit wann reichte ein Dackelblick des Jungens, um den Schülerschreck von Hogwarts umzustimmen?
Ooo
Pünktlich um ein Uhr, standen Harry, Severus und Richard in einer dicht gedrängten Menge und blickten gebannt nach oben. Die Flugshow würde jeden Moment losgehen. Harry hatte keine Ahnung was ihn erwarten würde.
Plötzlich sauste der erste Besen über den magischen Himmel. Herrenlos, wie es anfangs aussah. Doch dann blieb der Besen in der Luft stehen und ein kleiner Junge blickte auf die Menschen unter sich. Er konnte nicht älter als sieben sein. Er grinste frech und winkte. Doch dann fasste er seinen Besen mit beiden Händen und zischte damit hin und her in, wie Severus zu vor sagte, halsbrecherischen Stunts.
Harry sah den Jungen fasziniert zu und er dachte sich, wenn er von klein auf in der Zaubererwelt aufgewachsen wäre, er wäre auch mit sieben schon so gut geflogen.
Nach dem Auftritt des Jungen wurden verschiedene Besenmarken vorgestellt. Anschließend gab es ein kleines Rennen, in dem einmal die Geschwindigkeit und einmal die Wendigkeit getestet wurde. Punkto Wendigkeit gewann der Firebolt two. Bei der Geschwindigkeit machte der Nimbus 2005 das Rennen, gewann jedoch nur knapp vor dem Stardust 103.
„Und hier meine Damen und Herren, jener Besen, der sie alle um Längen geschlagen hätte. Unser Glanzstück des Tages. Er ist der erste seiner Klasse, der in die Serienproduktion geht, jedoch mit extrem limitierter Auflage. Jeder Besen dieser Serie wurde Handgraviert und mit Gobblingold verziert. Er mag vielleicht etwas teuer in der Anschaffung sein, ist aber auf jeden Fall seinen Preis wert. Er ist kein gewöhnlicher Besen, er ist der König der Lüfte meine Damen und Herren: Der Pegasus!"
Der kleine Junge vom Anfang der Show kam wieder hereingeflitzt. Diesmal saß er auf dem hellbraunen Besen den Harry bei „Adlerschwinge und Wirbelwind" gesehen hatte.
Der Sprecher sagte im Allgemeinen das selbe, wie der Verkäufer. Doch diesmal führte der Junge die entsprechenden Manöver vor, damit sich ein jeder ein Bild über diesen grandiosen Besen machen konnte.
„Und nun meine Damen und Herren, kommen wir zu dem glücklichen Gewinnern der Verlosung."
Es gab insgesamt dreißig Gewinne, aber nur einer beinhaltete den Flug auf dem Pegasus. Harry hoffte und betete. Ebenso wie Severus, doch jeder erwartete etwas anderes. Harry wollte den Flug. Severus hoffte dagegen.
„... der Gewinn für den Flug auf dem König der Lüfte geht an: Matthews, Jamie!"
Harry machte ein enttäuschtes Gesicht, so sehr hatte er gehofft, der Sprecher würde Harry Potter sagen, dass er vollkommen vergaß, das er ja Jamie Matthews war. Aber als Severus ungläubig sagte, „Das gibt es doch gar nicht!" und Richard Harry auf die Schulter klopfte, fiel Harry wieder ein, wer er war und dass er es tatsächlich geschafft hatte.
Ungläubig sah er Severus an.
„Jetzt geh schon!" zischte dieser und gab Harry einen Schubs Richtung Bühne. Harry konnte es immer noch nicht fassen. Doch als er schließlich zu dem Sprecher hochstieg, breitete sich ein Grinsen über seinem Gesicht aus. Die Menschen tobten und klatschten und der kleiner Junge drückte Harry schließlich den Besen in die Hand.
„Danke!" sagte Harry und betrachtete dann das edle Stück in seiner Hand. Der Pegasus war wirklich ein selten schöner Besen.
„Sie sind doch schon mal einen Besen geflogen?" fragte nun der Sprecher, nachdem Harry so lange zögerte aufzusteigen.
„Ja" war alles was Harry sagen konnte.
„Darf ich auch fragen welches Modell?"
„Ich hatte eines Nimbus 2000 mit dem ich sehr zufrieden war. Später bekam ich einen Firebolt geschenkt."
„Was haben Sie mit dem Nimbus gemacht?" fragte der Sprecher neugierig weiter.
„Er ist... kaputt gegangen!"
„Bruchladung?" fragte der Sprecher weiter.
„Na ja, nicht direkt. Ich bin vom Besen gefallen und der ist weiter geflogen, bis er in eine peitschende Weide gekracht ist."
„Dumm gelaufen. Nun, wie Sie wissen ist der Pegasus absolut fallfrei. Also das Risiko, dass Sie hinunter fallen ist hier praktisch nicht gegeben!"
Harry grinste breit und bestieg schließlich den Besen. Das Publikum gab begeistert einen Countdown und Harry startete.
Schon als Harry den Besen mit beiden Händen nahm, konnte er spüren, wie dieser leicht vibrierte. Wie wenn er ebenfalls ein Leben hätte, welches darin bestand, zu fliegen. Als Harry sich von Boden abstieß, sauste der Besen los. Harrys Herz machte vor Begeisterung einen Sprung.
Die Steuerung des Besens war einzigartig. Harry brauchte eigentlich nur daran zu denken, wohin er fliegen, oder welches Manöver er machen wollte und der Besen gehorchte. Er flog Loopings und andere Quidditsch Standardfiguren, ehe er mutiger wurde und ein bisschen mehr Harry-Potter-mäßiges ausprobierte.
Längst war das Versprechen vergessen, keine Halsbrecherischen Stunts zu machen. Da Harry nicht das Gefühl hatte, sich mit diesen Besen jemals den Hals brechen zu können. Das Publikum johlte und feuerte Harry an. Harry flog kopfüber und winkte. Er hatte überhaupt keine Probleme sich auf dem Besen zu halten.
Als er schließlich doch zur Landung ansetzte, war er vollkommen berauscht von dem Besen. Haben. Haben. Spukte es in seinem Kopf herum. Er wollte diesen Besen haben und zwar nur den. Keinen anderen aus der selben Serie, nein, diesen. Er war so abgelenkt von seinen Gedanken, dass er nicht den finsteren Blick sah, der ihn aus der Menge zu geworfen wurde.
„Das machte den Eindruck, als wenn sich hier Besen und Reiter gefunden hätten!" rief der Sprecher begeistert durch sein Megaphone.
„Ja, der Besen ist... Wow!" Harry brachte kaum ein Wort raus.
„Sie wissen wo der Laden Adlerschwinge und Wirbelwind ist? Dort können Sie diesen Besen und ähnliche gute kaufen! Vielen Dank, Mr. Matthews für diese grandiose Flugeinlage. Geben Sie Mr. Matthews einen Applaus!"
Die Menge johlte erneut auf und schließlich musste Harry den Besen wieder hergeben. Nur widerwillig gab er ihn den kleinen Jungen zurück.
„Wie heißt du eigentlich?" fragte Harry neugierig.
„Timon" sagte der Junge und riss den Besen hastig aus Harrys Hand.
Noch bevor Harry mehr fragen konnte, schwang sich Timon auf den Besen und verschwand.
Harry sah ihm verwirrt nach.
„Jamie!" drang eine zischende Stimme an Harrys Ohr und schließlich wandte er sich vom Besen und den Jungen ab und sah direkt in Severus wütende Gesicht.
Erst jetzt wurde Harry bewusst, was für einen Show er eben abgezogen hatte und dass er sein Versprechen gebrochen hatte. Erschrocken schluckte er. Was würde Severus jetzt tun? Unsicher ging er auf seinen Adotivvater zu.
„Was um alles in der Welt war das?" fragte dieser sofort, packte Harry am Arm und zog ihn aus der Masse.
„Es hat wahrscheinlich schlimmer ausgesehen als es war. Wirklich, ich hatte den Besen immer unter Kontrolle!" rief Harry entschuldigend.
„Ich rede hier nicht von deiner Fliegerei!" zischte Severus wütend.
Harry runzelte die Stirn. Wenn Severus nicht von einen Stunts verärgert war, von was dann?
„Ist dir nicht in den Sinn gekommen, dass es die peitschende Weide nur an einem Fleck der Welt gibt? Und dass man auf Grund deiner genannten Besenmarken, auf deine Person Rückschlüsse ziehen könnte?" fragte Severus wütend.
„Die peitschende Weide gibt es nur in Hogwarts?" fragte Harry erstaunt. Er dachte, das sei einfach nur eine Gattung von Zauberbäumen. „Das wusste ich nicht!"
„Offensichtlich. Wozu stecken wir eigentlich so viel Engerie in deine Tarnung, wenn du dann erst Recht alles ausplapperst!"
„Hey. Ich habe nicht alles ausgeplappert. Niemand hat geschrieen. He Leute, seht doch, hier ist Harry P-"
„Schschsch. Verdammt noch mal!" Severus hatte eine Hand über Harrys Mund gelegt.
Harry schluckte erneut. Beinahe hätte er seinen wahren Namen erwähnt. Er bemerkte, wie Leute sich zu ihm umdrehten, um heraus zu finden, worum es in diesen Streit ging.
„Wir gehen!" sagte Severus schließlich bestimmend.
„Unser Portschlüssel geht erst in einer Stunde!" gab Richard zu bedenken, doch Severus schüttelte den Kopf.
„Nein, wir gehen sofort. Wir können nicht noch eine Stunde warten. Ich werde versuchen, mit jemanden zu tauschen!" erklärte Severus und zog zielstrebig in Richtung der Portschlüsselräume.
„Aber ich will noch zu Adlerschwinge und Wirbelwind. Ich will den Pegasus kaufen!" rief Harry und bemerkte schockiert, dass er sich wie ein kleiner Junge anhörte, der um einen Schlecker bettelte.
„Nein. Du kaufst diesen Besen nicht!" Severus war abrupt stehen geblieben und sah Harry streng an.
„Du kannst es mir nicht verbieten! Es ist mein Geld, dass ich ausgebe!" protestierte Harry weiter.
„Dein Geld wurde für dich zurück gelegt, damit du dir eine anständige Ausbildung leisten kannst, oder in der ersten Zeit durch kommst, bis du einen Job hast. Und nicht damit du es beim Fenster hinauswirfst!"
Empört schnappte Harry nach Luft. „Ich leiste mir nie etwas. Ich habe bis jetzt immer sorgfältig auf mein Geld aufgepasst. Ich kaufe weder überschwänglich Süßigkeiten, noch sonst irgendeinen Kram. Du hast kein Recht dazu von ‚Geld aus dem Fenster werfen' zu reden, weil das ist nicht wahr!"
„Wenn du diesen Besen kaufst, dann ist es aber so!" zischte Severus zurück.
„Nein, ist es nicht. Jeder leistet sich ab zu etwas, wenn er meint es besitzen zu müssen und nun habe ich auch mal etwas gefunden, wofür es sich lohnt sein Geld auszugeben!" Harry verschränkte die Arme und starrte Severus wütend an.
„Es lohnt sich aber nicht, Geld für einen viel zu teuren Besen auszugeben, wenn du bereits einen besitzt!" widersprach Severus und versuchte verzweifelt Harry klar zu machen, dass der Kauf dieses Besens vollkommen schwachsinnig sei.
„Das verstehst du nicht. Dieser Besen ist nicht irgendein Besen. Er ist der Traum eines jeden Quidditschspieler" versuchte Harry zu erklären.
„Dann träume weiter und lass uns endlich gehen!"
„Nein!" rief Harry bockig, doch bevor Severus wütend nach dem Arm des Jungen greifen konnte, um diesen einfach mit sich zu schleifen, rief Harry „Autsch" und griff sich an die Brust. Seine Finger schlossen sich um ein glühend heißes Ankh.
