Sodale, Zeit wurde es, dass es hier auch mal weiter geht. Das Kapitel war echt eine schwere Geburt. Ich lange überlegt, wie weit ich Richard gehen lassen soll. Hatte schon eine komplette Variante des Kapitels und dann habe ich es doch umgeschrieben. Ich weiß nicht, ob es besser ist und ihr könnt es nicht beurteilen, weil ihr nur die eine Version zu lesen bekommt. Aber na ja... am besten ihr lest selbt:
Mauern durchbrechen
Eileen, Richard, Alice und Alec saßen stumm beim Frühstück. Richard hatte eben seiner Schwester die Ereignisse vom Vortag geschildert.
„Wie geht es denn Harry?" fragte Eileen schließlich.
„Schlecht!" gab Richard niedergeschlagen von sich. „Er hat eine Mauer um sich herum gebaut, um seinem eigenen Schmerz zu entkommen. Das ist alles einfach zu viel für ihn. Ich fürchte nur Severus kann ihn aus diesem gleichgültigem Zustand wieder rausholen."
„Es ist ein Jammer. Severus hat uns den Jungen anvertraut. Wir müssen ihm jetzt beweisen, dass wir mit dieser Aufgabe zurecht kommen. Wir sollten noch mal versuchen mit Harry zu reden. Wir sind doch seine Familie" sagte Eileen frustriert.
„Viel Spaß, dabei!" meinte Richard sarkastisch.
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Nachdem Harry den ganzen Tag sein Zimmer nicht verlassen hatte, machte sich Eileen ernsthafte Sorgen.
„Der Junge verhungert doch!" meinte sie und ging mit einen Tablett mit Brötchen zu Harrys Zimmer hoch. Als sie auf ihr Klopfen keine Antwort erhielt, trat sie einfach ein.
„Harry Schätzchen, ich habe dir etwas zu essen gebracht!" sagte sie freundlich.
Harry saß auf seinen Bett und verschränkte die Arme. „Ich habe keinen Hunger!" sagte er und blickte aus dem Fenster.
„Du hast den ganzen Tag nichts gegessen, du musst ja schon sterben vor Hunger!" meinte Eileen.
„Schön wär's!" flüsterte Harry.
„Probier doch einfach mal einen Bissen!" sprach Eileen unbeirrt weiter.
„Ich sagte, ich habe keinen Hunger!" giftete Harry sie an.
„Du musst was essen!" widersprach Eileen.
„Ach ja? Ist das irgendeine Hausregel? Dann sollte ich vielleicht gehen, denn ich werde jetzt sicher nichts essen!"
Eileen seufzte und stellte das Tablett ab. „Nein, natürlich nicht. Du musst nicht Essen, wenn du nicht willst. Ich mache mir nur Sorgen um dich!"
„Lass es. Ich bin die Sorgen nicht wert!"
„Das ist Unsinn, Harry. Wir sind deine Familie. Du-"
„Ich habe keine Familie!" bestritt Harry vehement „Wir sind nicht Blutsverwandt!"
„Aber Severus ist Blutsverwandt mit dir und mit uns!"
„Ja, nur er ist nicht da, oder?"
„Er kommt in zwei oder drei Tagen. Wenn du willst können wir ihn morgen besuchen gehen!"
„Nein. Danke!"
„Wieso bist du nur so hart zu dir?" fragte Eileen verständnislos.
„Weil ich eben so bin, okay? Lasst mich endlich zufrieden!" schrie Harry „Ich brauch nicht ständig jemanden, der um mich herum schwirrt und mir sagt was ich zu tun oder zu denken habe!"
„Ich will dir doch nur helfen!" sagte Eileen nun schließlich doch verärgert.
„Ich. Brauche. Keine. Hilfe! Klar?" Harry war außer sich vor Zorn. Seine Augen blitzen gefährlich und Eileen suchte nun doch lieber das Weite.
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„Was hast du erreicht?" erkundigte sich Richard bei seiner Mutter. Als sie nach dem Gespräch mit Harry wieder in die Teestube kam.
Eileen schüttelte nur fassungslos den Kopf. „Er ist so stur! Am liebsten würde ich ihn übers Knie legen und ihn windelweich schlagen, bis sein Hirn wieder anspringt. Denn das hat er definitiv abgeschaltet!"
„Das ist nicht dein Ernst. Du würdest ihn versohlen?" fragte Richard geschockt.
„In diesen Fall, ja. Dem Jungen muss der Kopf wieder gerade gerichtet werden. Er tut so, als wenn Severus für immer weg wäre und wir nicht das Recht hätten, uns seine Familie zu nennen."
„Na ja. Wir sind nicht Blutsverwandt!" meinte Richard schließlich, wobei er nur einen giftigen Blick von seiner Mutter erntete.
„Sag das noch mal und ich lege dich übers Knie!"
Richard musste lachen, obwohl ihm nicht wirklich nach Lachen zu Mute war. Eine ganze Weile verstrich, in der absolute Stille herrschte. Schließlich fragte Richard, „Was machen wir jetzt mit Harry?"
„Geben wir ihm noch einen Tag. Aber wenn er morgen auch nichts isst, dann müssen wir mit ihm reden!"
Richard sah seine Mutter verwirrt an „Haben wir das nicht die ganze Zeit versucht? Er hört nicht zu!"
„Dann müssen wir ihn eben dazu bringen, dass er uns zu hört. Er ist schließlich nicht der einzige, der sich um Severus Sorgen macht!"
„Ich werde Severus morgen besuchen, vielleicht hat er Tipps, wie man an Harry heran kommt"
Eileen nickte ergeben „Aber sei vorsichtig. Ich will nicht dass Severus denkt, wir hätte nichts mehr unter Kontrolle."
„Aber wir haben nichts mehr unter Kontrolle!" gab Richard zu bedenken.
„Ja, ich weiß!" seufzte Eileen, „Aber ich will nicht, dass Severus das Krankenhaus verlässt bevor er gesund ist. Du kennst Sev. Er nimmt keinen Rücksicht auf sich selbst!"
Richard nickte müde und meinte schließlich „Ich werde sehen, was ich machen kann. Aber für heute gehe ich ins Bett!"
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„Noch einen ganzen Tag und ich dreh durch hier!" grummelte Severus vor sich her. Richard hatte sich neben ihn gesetzt und besaß sich die anderen Zimmergenossen. Die meisten schliefen, oder lasen Zeitung.
„Ist ja nur mehr ein Tag!" sprach Richard beruhigend auf seinen Bruder ein.
„Ja, ja" gab Severus genervt von sich, „Wie geht es Harry?"
Richard schluckte. „Na ja." sagte ausweichend.
„Er macht Schwierigkeiten, oder?"
„Na ja. Es geht!" sagte Richard und mied es Severus direkt anzuschauen.
„Ric. Mach mir nichts vor. Ich kenne Harry und ich sehe, er ist nicht hier. Folglich sitz er in einer Ecke und trotzt! Wie schlimm ist es?"
„Er redet nicht uns. Er versperrt sich vor sich selbst!"
Severus seufzte. „So was habe ich befürchtet!"
„Er versteht nicht, warum du zurück geblieben bist. Er glaubt, er sei dir nicht wichtig genug!" erklärte Richard weiter.
Severus schnaubte „So ein Unsinn. Ich habe mindestens drei oder vier Flüche gestoppt, die euch sonst zur Strecke gebracht hätten!"
„Ich weiß, aber Harry weiß es nicht. Er war so schockiert, als plötzlich seine Tarnung verschwand, dass er dachte, du wärest tot!"
Nun schloss Severus seine Augen. „Oh, Merlin!" flüsterte er, doch dann sah er zu Richard und meinte entschlossen, „Ich muss hier raus. Ich muss zu ihm!"
„Es ist doch nur mehr der eine Tag. Wir schaffen das schon! Es würde reichen, wenn du uns ein paar kleine Tricks verraten könntest, wie wir an Harry heran kommen können." versuchte Richard Severus zu beruhigen.
Doch Severus griff nach Richards Arm „Tricks? Du verstehst nicht. Harry ist in einen emotionalen Schock. Wenn der Tarnzauber versagt hat und er davon überzeugt war, dass ich tot bin, dann ..." Severus seufzte, „Wie soll ich dir das nur erklären? Harry ist psychisch nicht stabil genug, um noch einen Verlust zu verkraften. Er hat die Tendenz sich von seinen Emotionen abzuschirmen und in eine Phase der Gleichgültigkeit zu fallen. Eine Phase, wo er seinen eigenen Wert nicht mehr erkennen kann. Letztes Mal, als er so drauf war, war drauf und dran einfach abhauen, in der Meinung, damit den Rest der Welt besser beschützen zu können. Seine eigenen Gefühle sperrt er dabei einfach weg!"
Richard schluckte, als ihm bewusste wurde, wie gut Severus den Jungen einschätzen konnte „Das letzte Mal?" fragte er schließlich verwirrt.
„Als seine Muggelverwandten ermordet wurden. Er wurde damals mit dem gewaltigen Druck seiner Emotionen nicht fertig und hat sie schließlich von sich geschoben."
„Wie hast du ihm geholfen?" fragte Richard neugierig.
Severus verstummte. Er wusste die Antwort würde Richard schockieren, aber dann erzählte er doch „Ich habe ihn übers Knie gelegt und seinen Hintern versohlt, bis die Mauer zerfallen ist und er die aufgestauten Emotionen raus gelassen hat! Ich bin nicht stolz drauf, aber es hat ihm geholfen und ich würde es im Notfall wieder tun."
Richard starrte Severus entgeistert an. „Du und Mutter. Ihr seid so herzlos!"
Severus zog eine Augenbraue hoch.
„Wie kann man nur jemanden den Hintern versohlen, der in einer emotionalen Krise steckt?" fragte Richard verständnislos.
„Sag mir Ric, was ist schlimmer? Ein Kind, dass ablehnt mit jemanden zu reden. Sich weigert auch nur einen logischen Gedanken zu fassen und voll von selbstzerstörerischen Gedanken ist. Oder ein Kind das vielleicht in seiner Ehre gekränkt ist, aber weinend alle Emotionen rauslässt und dann wieder einen klaren Kopf hat und vernünftig mit einem redet?"
Richard antwortete nicht gleich, aber schließlich meinte er, „Ich weiß nicht, ob ich das könnte, aber Mutter denkt auch so!"
„Du hast eben keine Kinder! Kinder brauchen stabile Grenzen. Gerade in Krisensituationen müssen sie spüren, dass die Grenzen immer noch da sind. Nur das gibt ihnen Sicherheit. " meinte Severus.
„Trotzdem muss es doch noch einen anderen Weg geben. Gib mir noch den einen Tag!" bat Richard.
„Ric du hast keine Ahnung, was Harry jetzt in diesen Moment alles anstellen könnte! Wenn er wegläuft und den Schutzschild verlässt, dann schwebt er in ernsthafter Gefahr. Wer immer uns in Merlin City erkannt hat, der weiß inzwischen sicher auch, wer der Dritte im Bunde war. Im unmittelbaren Umkreis von Prince-Windchester Manor wimmelt es wahrscheinlich vor Todessern."
„Wou wou wou, immer schön langsam. Ehrlich, so schlimm ist es nicht. Harry verlässt sein Zimmer doch gar nicht. Er redet nicht mit uns, das ist alles. Ich bin sicher, wenn du morgen kommst, dann hast du noch genug Zeit, dem Jungen alles zu erklären" versuchte Richard Severus zu beruhigen, der im Begriff war, das Bett zu verlassen.
Severus sah ihn skeptisch an. Als just in diesem Moment die Heilerin kam, um Severus durchzuchecken nutzte Richard die Gelegenheit zu verschwinden, bevor Severus wirklich noch auf die Idee kam das Krankenhaus vorzeitig zu verlassen.
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„Richard, endlich bist du da!" rief Eileen erleichtert und kam über die Haupttreppe herunter geeilt.
„Was ist passiert?" fragte Richard verwirrt.
„Harry ist verschwunden!" rief Eileen aufgebracht
„Verschwunden?" fragte Richard nun auch alarmiert.
„Weggelaufen. Alec sagt, dass Ganymed auch weg ist! Er sattelt gerade sein Pferd, um ihn zu suchen."
„Mist!" fluchte Richard und rannte gleich zur Hintertür weiter, die zum Pferdstall führte.
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Kurz darauf trieben Alec und Richard ihre Pferde voran durch den Schnee in den Wald hinein. Ganymeds Spuren waren noch sehr frisch. So konnten die beiden ihr leicht folgen.
Richard grummelte wütend vor sich her. Es war also genau so, wie es Severus vorhergesagt hatte. Harry ist abgehauen. Und dann auch noch auf einem Pferd. Er konnte ja nicht mal gut reiten, wie kam er nur auf die verrückte Idee alleine Auszureiten?
Es dauerte fast eine Stunde bis sie Harry gefunden hatten. Der Junge saß auf einem Stein und hielt Ganymeds Zügel locker in der Hand. Es war eigentlich ein sehr friedliches Bild, doch Richard hatte im Moment keinen Sinn für Harmonie. Als er und Alec sich näherten, spitze Ganymed die Ohren und wieherte zur Begrüßung.
Harry wirbelte auf seinem Stein herum und sah den Verfolgern erschocken entgegen. Schnell stand er auf und war im Begriff sich auf Ganymeds Rücken zu schwingen, um weiter zu reiten.
„Wag es ja nicht!" brüllte Richard von weiten und zog seinen Zauberstab, bereit ihn einzusetzen, wenn es notwendig sein sollte.
Harry hielt inne und blickte wütend auf den Zauberstab.
„Was hast du dir nur dabei gedacht, alleine auszureiten, wo du nicht mal die Umgebung kennst?" fuhr Richard den Jungen an.
Harry zuckte nur mit den Schultern. „Ich brauchte frischen Luft. Ist das etwa verboten?"
„Es ist nicht verboten, frische Luft zu schnappen. Aber einfach abhauen und ein Pferd zu klauen, das ist verboten!"
„Ich bin nicht abgehauen. Ich wäre schon wieder zurück gekommen!" rief Harry uneinsichtig.
„Ach, ja? Und warum wolltest du dann gerade flüchten?"
„Das geht dich gar nichts an. Ich will alleine sein. Ist das so schwer zu kapieren?"
Richard knurrte verstimmt „Rede nicht in diesen Ton mit mir, junger Mann!"
Er hätte noch weiter mit Harry geschrieen, aber ihr lauter Disput machte die Pferde nervös, daher ritt er nahe an Harry heran und riss ihm die Zügel aus der Hand.
„Steig auf. Wir reiten zurück!" befahl Richard.
„Nein! Du hast mir gar nichts zu Befehlen. Du bist nicht mein Vater" rief Harry widerspenstig.
„Harry! Aufs Pferd! Sofort!" schnitt plötzlich eine dritte Stimme durch die Luft, die nicht von Richard stammte und auch nicht von Alec, der etwas geschockt dem Ganzen zusah.
Harry, wie Richard drehten sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Da saß Severus in schwarzer Kleidung auf seinem Pferd Snowcake Er sah nicht so aus, als ob er zu Scherzen aufgelegt wäre.
„Sev!" rief Richard erleichtert und verärgert zu gleich. „Was machst du da?"
Severus ritt nun dichter heran. Aber anstatt Richard zu antworten, warf er Harry einen strengen Blick zu. „Ich sagte aufsteigen!"
Harry war verwirrt. Zuerst hatte er gedacht, Severus wäre tot, dann wusste er, dass Sev verletzt war und im Krankenhaus bleiben musste und jetzt stand er plötzlich vor ihm und machte nicht den Eindruck, dass ihm irgendetwas fehlen würde. Er wusste nicht mehr, was er Severus gegenüber fühlen sollte. Er war erleichtert, aber auch sauer auf seinen Adoptivvater, weil dieser ihn einfach weggeschickt hat. Er wusste nicht, wie er sich jetzt verhalten sollte.
Severus schien Harrys Zwiespalt zu bemerken, daher kam er den Jungen zur Hilfe „Harry, du hast zwei Möglichkeiten. Du schwingst deinen Hintern sofort auf das Pferd, wir reiten zurück, wir diskutieren über dein Fehlverhalten und über die daraus resultierenden Konsequenzen. Oder aber, du bist weiter stur, ich steig vom Pferd ab, leg dich an Ort und Stelle übers Knie und sorge dafür, dass der einzige Wunsch den du hast, der ist, deinen Hintern in den Schnee zu stecken!"
Harry starrte Severus entgeistert an. Übers Knie legen? Nach allem, was passiert war? Eigentlich wollte Harry über diese Ungerechtigkeit protestieren, doch als er aus dem Augenwinkel die Bewegungen vernahm, dass Severus tatsächlich vom Pferd absteigen wollte, stellte er schließlich den Fuß in den Steigbügel und zog sich in den Sattel. Jedoch nicht, ohne Severus einem wütenden Blick zu zu werfen.
Severus nahm Ganymeds Zügeln aus Richards Hand und trieb seines und Harrys Pferd in einen leichten Trapp. Richard und Alec hinter sich lassend. Harry grummelte und hielt sich am Sattel fest. Irgendwie lief gerade gar nichts, so wie es sollte.
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„Setzen!" befahl Severus, kaum dass er mit Harry die Bibliothek erreicht hatte.
Harry ließ sich in einen Lehnstuhl fallen und verschränkte die Arme.
„Kannst du mir erklären was das hier soll?" fragte Severus weiter.
Harry zuckte nur mit den Schultern.
Severus atmete tief durch, ehe er weiter sprach, „Ich bin gerade mal ein paar Tage nicht da und du ziehst so einen Show ab. Redest mit niemanden, schreist herum und..." Severus besah sich den Jungen genauer „und isst offensichtlich auch nichts!"
Wieder zuckte Harry nur mit den Schultern.
„Harry, ich warne dich. Ich bin wahrlich nicht in Stimmung für dieses Spiel. Rede, oder-"
„Oder was?" rief Harry wütender, als je zu vor. „Du tust so, als wenn du nur für zwei Tage verreist wärst. Das bist du nicht! Du hast keine Ahnung, was ich durchgemacht habe!"
„Dann sag es mir!" rief Severus zurück.
Harry verstummte wieder. Finster starrte er aus dem Fenster.
„Du magst vielleicht denken, ich wüsste nicht was in dir vorgeht, aber da irrst du dich. Ich kenne dich inzwischen sehr gut." Severus versuchte wieder etwas ruhiger zu klingen. Vielleicht kam er ja diesmal doch anders an Harry heran.
„Nein. Du weißt gar nichts! Alle wollen mich immer beschützen und in Sicherheit bringen, dabei ist es mein Job den Bastard umzubringen. Ihr helft mir nicht. Ihr lähmt mich. Ständig soll ich euch vertrauen, ständig stirbt irgendeiner, in der Meinung mich beschützen zu müssen. Das kann und will ich nicht mehr. Wieso lasst ihr mich nicht endlich in Ruhe meinen Job tun?"
Nun ließ sich Severus ebenfalls in einen Lehnstuhl fallen. Müde strich er mit der Hand übers Gesicht.
„Wie soll ich dir das nur erklären? Freunde und Familie sind Dinge, die der dunkle Lord nicht hat, weil er so etwas wie Liebe nicht verstehen kann."
„Ja, und er ist sehr mächtig geworden, ohne ihnen!" schnitt Harry Severus das Wort ab. „Er hat wohl früher erkannt, dass er stärker ist, wenn er sich nicht ständig Sorgen um jemanden machen muss!"
„Sag das nicht, Harry!"
„Warum nicht? Ich merke doch, wie mich der Schmerz jedes Mal auf Neue runterzieht und droht mich innerlich zu zerreißen. Voldemort kennt diesen Schmerz nicht! Er hat niemanden, um den er sich in diesen Krieg Sorgen machen muss außer sich selbst und genau deshalb ist er so überlegen!"
Severus schüttelte verneinend den Kopf, „Diesen Weg willst du gehen!"
„Ach ja? Denkst du das? Ich denke, ich habe genug gelitten!"
„Wenn dein Leben nur aus Leid gestehen würde, dann würde ich dir zustimmen. Aber du vergisst, dass du auch Freude erlebt hast. Zum Beispiel als du auf dem Pegasus gesessen bist, da hast du gelebt. Dir stand die wilde Freude ins Gesicht geschrieben. Der dunkle Lord würde nie auf einen Besen steigen, nur um ein bisschen Freude am Leben zu haben. Der dunkle Lord würde sich nie Nachts aus dem Bett schleichen, nur um ein bisschen Abendteuer zu erleben. Er hat keine Freunde, mit denen er ein Abendteuer erleben könnte.
Nicht zu lieben und niemanden an sich heran lassen, ist ein Weg der Einsamkeit und Trauer. Der dunkle Lord mag vielleicht den Schmerz des Verlustes eines Freundes nicht kennen. Aber dafür verzichtet er auf das eigentliche Leben. Nur wer fühlt, der lebt wirklich.
Den Schmerz, den du empfindest, wenn jemand stirbt, ist nur ein Zeichen dafür, wie viel Freude du mit demjenigen gehabt hast. Wie viel du mit ihm erlebt hast. Und die ganzen Erinnerungen an das Erlebte, gehen nicht fort, wenn derjenige stirbt. Sie bleiben in dir erhalten. Durch diese Erinnerungen lebt stets ein Teil der Seele des Gestorbenen in dir weiter.
Im dunklen Lord lebt niemand weiter. Wer in seinen Rängen stirbt, ist tot. In den Augen des Lord sind diejenigen, die mit ihm kämpfen nur Werkzeuge und diejenigen, die gegen ihm kämpfen nur Hindernisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen.
Ich weiß, der Verlust eines geliebten Menschen kann einen ziemlich zermürben und in der Phase, wo der Schmerz am größten ist, kann man leicht vom Weg abkommen. Die Versuchung sich dieses Schmerzens zu befreien ist groß. Vor allem, wenn es einem schon mehrmals getroffen hat.
Aber in meinen Augen gibt es keine Alternative, die lebenswert wäre. Es ist besser die Trauer und den Schmerz raus zu lassen, denn nur so wird der Schmerz weniger, ohne zu einem gefühlslosen Menschen zu mutieren. Nur so ermöglicht man es, verstorbene Seelen weiter leben zu lassen. Nur so wird man stärker. Und glaub mir Harry, bei all den Schmerz, den du bereits durchgemacht hast, bist du mächtiger geworden, als der dunkle Lord je erahnen kann.
Du musst keine Kampferfahrungen sammeln, um für den Endkampf gerüstet zu sein. Deine Macht beruht auf der Liebe und der Kraft, die dir inne wohnt, durch all die Seelen, die in dir weiterleben.
Erinnere dich an dein viertes Schuljahr. An den Kampf mit dem dunklen Lord. An all die Geister die aus dem Zauberstab kamen. Sie haben dir einen Fluchtmöglichkeit verschafft. Sie alle waren auf deiner Seite, weil sie dich gekannt, gemocht und zum Teil auch geliebt haben."
Nach Severus langer Rede, wurde es sehr still im Raum. In Harrys Augenwinkeln glitzerten Tränen, die sich nach und nach ihren Weg über die Wangen des Jungen suchten. Als Severus das bemerkte, lächelte er Harry sanft an. Schließlich konnte sich der Junge nicht mehr länger halten. Er rannte zu seinem Vater, schlang die Arme um ihm herum und vergrub das Gesicht in Severus Brust.
Harry heulte beinahe lautlos, aber Severus spürte, wie die Tränen den Stoff seines Hemdes durchnässten. Er strich dem Jungen durchs wirre Haar und war froh Harry wieder bei sich zu haben.
„Ich habe dich so sehr vermisst!" schniefte Harry leise und fuhr sich mit dem Ärmel übers Gesicht und über die Nase.
Daraufhin griff Severus in seine Tasche und holte ein Taschentuch heraus, welches er dem Jungen hinhielt.
„Danke!"
„Bedank dich nicht zu früh, wir müssen immer noch über dein schlechtes Benehmen in den letzten Tagen reden!"
„Ich war wütend und verletzt!" versuchte sich Harry rechtzufertigen.
„Dennoch kein Grund deinen Zorn an Unschuldigen auszulassen!"
„Ich habe Sie nicht darum gebeten ständig um mich herum zu schwirren und mit mir zu reden. Sie wollten mich nicht alleine lassen!"
„Sie wollten dir helfen!"
„Aber ich wollte keine Hilfe!"
„Und genau da liegt das Problem. Und was für ein Teufel hat dich geritten mit einem Pferd abzuhauen?"
Harry rollte mit den Augen „Ich wollte nicht abhauen. Nur einfach ein bisschen raus!"
„Du hast dein Leben in Gefahr gebracht. Wir wurden eben von Todessern angegriffen, wie kannst du da einfach alleine das Haus verlassen und durch einen Wald reiten, den du nicht kennst?"
„Ich wollte nicht weit. Nur ein schönes Plätzchen suchen. Ganymed hätte den Weg Heim schon gefunden! Du weißt, dass ich gerne im Wald bin."
„Und du solltest wissen, dass es einen Schutzschild rund um das Haus gibt, der dich für die Todesser unsichtbar macht. Er umfasst nicht den gesamten Wald und du warst nur mehr wenige Meter von dieser Grenze entfernt."
„Das war mir nicht bewusst!" gab Harry zu.
„Ich weiß. Aber es hätte dir bewusst sein sollen. Du darfst dich nicht unnötig in Gefahr bringen."
Harry schluckte und fragte mit Kloß im Hals „Was hast du jetzt vor?"
„Dafür Sorgen, dass du nie wieder so leichtsinnig handelst." Severus Stimme war ernst geworden.
„Du willst...?" fragte Harry und seine Augen wurden groß.
„Ja!"
„Nein! Es gibt sicher andere Strafen!"
„Sicher gibt es die. Aber keine ist so effektiv gegen Schuldkomplexe!"
„Ich habe keine Schuldkomplexe!" versicherte Harry schnell.
Severus lächelte schwach „Noch nicht. Erst wenn dir bewusst wird, was du in den vergangenen Tagen angestellt hast!"
„Das ist nicht fair, du warst gar nicht da!" protestierte der Junge.
„Das ist egal. Du hast mich enttäuscht. Also lass es schnell hinter uns bringen!"
„Nein!" Harry sprang auf und brachte Abstand zwischen sich und seinem Adoptivvater.
„Harry. Das ist kein Punkt, über den wir diskutieren werden!" sagte Severus entschlossen.
„Aber-"
„Hosen runter und lege dich über meine Knie!"
„Nein"
„Harry!"
„Du kannst doch nicht... ich dachte...!"
„Ich bezweifle, dass du in den letzten Tagen viel gedacht hast! Los, Harry mach, oder muss ich nach helfen?"
Harry konnte es nicht fassen. Warum wollte Snape ihn nach diesen philosophischen Rede immer noch versohlen? Irritiert begann er am Hosenknopf zu fummeln und kurz darauf rutschten die Hose zu seinen Knöcheln. Missmutig sah Harry zu Severus. Dieser griff nach Harrys Handgelenk und zog den Jungen über seinen Schoß.
Harry zwinkerte irritiert. Er verstand nicht, wieso er plötzlich in dieser Lage war. Mit seinem Hinterteil in der Luft, kam er sich plötzlich schrecklich klein vor.
Als er Severus Hand spürte, die nach dem Bund der Unterhose fasste und diese anschließend hinunter zog, bildete sich ein kleiner Knoten in Harrys Bauch. Diesmal wusste er schon im Vorhinein, dass er nicht lange durchhalten würde. Verzweifelt krallte er sich an Severus Hosenbein fest und schluckte.
„Okay, macht dich bereit!" warnte Severus vor und kurz darauf segelte der erste Schlag auf Harrys Hinterteil. Harrys Finger krallten sich noch fester in den Stoff von Severus Hosen. Severus sprach diesmal nicht viel dabei. Schlag für Schlag brachte er seine Hand ungnädig auf die bald rosaroten gefärbten Popobacken des Jungen hinunter.
Harry schniefte und hielt sich am Severus Hosenbein fest, als wenn es um sein Leben ginge. Schnell war das unangenehme Brennen zu spüren und bald brannte sein gesamter Hintern.
Als Severus seine Knie neu justierte, rief Harry plötzlich verzweifelt zwischen den Tränen: „Nein, bitte nicht. Hör auf!"
Aber Severus hörte nicht auf. Im Gegenteil, er nahm sich die Zeit, jeden Zentimeter von Harry empfindlichen Sitzfleisch zu treffen.
„Gleich geschafft!" ermutigte er den Jungen, während er eine kurze Pause einlegte. Harry spürte, wie sich Severus bewegte, konnte aber nicht ausmachen, was sein Vater tat.
Plötzlich spürte Harry etwas Kühles, glattes auf seinem brennheißen Hintern.
„Nein. Was ist das?" rief Harry panisch.
„Der Bonus für das gestohlene Pferd und deine beinahe gelungene Flucht in die Arme der Todesser!"
„Aber... ich... nein!" stammelte Harry.
„Fünf Extraschläge!" erklärte Severus und dann hörte Harry ein Wuschen und kurz darauf brach eine neue Flamme, stärker als alles andere, auf seinem Hinterteil aus.
„Aiiiii!" Harry sog scharf die Luft ein, von wo hatte Snape plötzlich ein Holzlineal her?
Zwei.
„Ahau. Bitte, nicht mehr schlagen. Ich habe die Lektion gelernt!" jammerte Harry
Drei.
Harry entkam ein Wimmern.
Vier.
Harry fing an mit den Füßen zu kicken, in der vergeblichen Hoffnung, sein Hinterteil aus der Bahn zu bringen.
Fünf.
Das Holzlineal fiel klappernd zu Boden. Harry schluchzte auf. Tränen flossen in Strömen und sein Allerwerteste war nun knallrot und brannte höllisch.
Harry hing regungslos über Severus Schoß, den Stoff von Snapes Hosenbein immer noch fest zwischen seinen Fingern. Er zischte, als Severus seine Unterhosen wieder hochzog. Doch kurz darauf wurde auch Harry hochgezogen und zwei ausgebreitete Arme empfingen ihn herzlich.
Harry weinte und schniefte solange, bis keine Träne mehr nachkam. Müde kuschelte er sich in Severus Arme. Es tat so gut gehalten zu werden, aber sein Hinterteil tat schrecklich weh.
„Warum musst du das immer wieder tun?" fragte Harry schließlich verständnislos.
„Weil du offensichtlich nicht lernen willst, dein Leben keinen Gefahren auszusetzen!"
„Wieso gibt's du mir nicht Stubenarrest, oder lässt mich Zeilen schreiben?"
„Was soll das bringen, dir Zeile für Zeile immer den selben Satz schreiben zu lassen?"
„Und Stubenarrest?"
„Ich will dich nicht auf dein Zimmer verbannen. Außerdem habe ich etwas für dich. Ich bin sicher in Anbetracht dessen, wirst du ganz froh sein, weiterhin die Erlaubnis zu haben hinauszugehen, solange du dich innerhalb des Schutzschildes bewegst."
„Was hast du für mich?" fragte Harry verwundert.
„Etwas, das mir in Merlin City, das Leben gerettet hat!" sagte Severus geheimnisvoll.
„Was ist es?"
„Ich gebe es dir, nachdem du ein bisschen geschlafen und anständig gegessen hast und nachdem du dich bei Richard und Eileen entschuldigt hast!"
„Was gibst du mir?" Harry platze vor Neugierde.
„Das wirst du dann noch erfahren! Also gehst du freiwillig ins Bett, oder muss ich dich hoch tragen? Und sag mich nicht, dass du nicht müde bist!"
„Na ja, vielleicht ein bisschen!" sagte Harry und rieb sich die Augen. Ein herzhaften Gähnen entkam seinen Lippen. „Vielleicht auch ein bisschen mehr" gab Harry zu und lächelte schwach.
Ooooooooo
AN: In der ersten Version des Kapitels war es Richard, der Harry übers Knie nahm. Aber dann habe ich mir gedacht, dass es nicht wirklich Recht so ist. Es gibt Dinge die darf eben nur Severus tun und die funktionieren auch nur bei ihm. Richard kennt Harry ja nicht wirklich.
