Lange hat es gedauert seit Beginn dieser kleinen Geschichte doch hier nun kommen die letzten Gedanken Erestors über die Zwillinge und seine eigenen Sprösslinge.


Erestors Gedanken

von: Fireth

Disclaimer:

Alles gehört Tolkien und seinen Erben... und leider gehöre ich nicht zu ihnen ::seufz::


Erestors Gedanken

4. Kapitel

Reise nach Valinor

Das Schiff, das Legolas nach Círdans Plänen hat bauen lassen, ist fertig. Morgen geht es an Bord, und in Richtung Valinor werden nun die letzten Elben Mittelerde verlassen. Auch du wirst mit deinem Bruder an Bord des Schiffes gehen. Nach dem Ende des Ringkrieges hatte ich eurem Ada versprochen, noch so lange hier in Mittelerde zu bleiben, bis König Elessar sterben würde, und dann zusammen mit euch nach Valinor zu segeln. Talven, Silolwen und Falarien werden uns ebenfalls begleiten.

Wir sind an die hundert Elben, die Mittelerde für immer verlassen und die Länder endgültig der Menschheit überlassen. Wie viele andere auch überkommt mich ein wenig leise Schwermut. Wird man sich in einigen Jahrhunderten oder Jahrtausenden noch an uns erinnern, oder werden wir in Vergessenheit geraten? Wird überhaupt noch jemand wissen, dass es uns einst hier gegeben hat? Auf der einen Seite freue ich mich, nach Valinor zu gehen, aber auf der anderen Seite mischt sich auch ein wenig Traurigkeit hinein, denn schließlich war Mittelerde Jahrtausende lang unsere Heimat, unser Zuhause. Doch es dauert nicht lange, und die Vorfreude auf Valinor und die bereits vorausgegangenen Familienangehörigen und Freunde nimmt mich in Besitz.

Wie es wohl Sílwen in der langen Zeit der Trennung ergangen sein mag? Einst ging sie zusammen mit Celebrían in den Westen. Sonst wäre sie, genau wie eure Naneth, an den schrecklichen Erlebnissen zerbrochen. Ob sie ihren inneren Frieden wiedergefunden hat? Werden wir wieder Seite an Seite glücklich miteinander leben? Gedanken, die mich bewegen, während ich noch immer zu den fernen Ufern sehe, die mehr und mehr meinem Blick entschwinden und schließlich gar nicht mehr zu sehen sind. Meine Kinder stehen an meiner Seite und werfen ebenfalls einen Blick auf die sich entfernende Küste. Talven legt eine Hand auf meine Schulter und drückt diese leicht, so als würde er ahnen, welche Gedanken mich bewegen.

Zusammen mit meinen Kindern beziehe ich schließlich unsere Quartiere. Deines und das von Elrohir liegen den unseren genau gegenüber. Oft sitzen wir abends bei einem Glas Wein zusammen, erzählen Geschichten und schwelgen ein wenig in der Erinnerung.

Ich bemerke dabei immer wieder, wie dein Blick nachdenklich an Falarien hängen bleibt, so, als würdest du zum ersten Mal bemerken, dass aus dem kleinen Mädchen eine wunderschöne Frau geworden ist. Doch nun sieht es allerdings so aus, als würde sie nach all den langen Jahren vergeblichen Hoffens auf dich, Elladan, ihr Herz einem anderen zuwenden. Sie hoffte immer, du würdest sie eines Tages bemerken, aber immer hattest du nur Augen für andere Elbinnen. Wie sehr litt meine kleine Blume darunter, und ich konnte ihr nicht helfen. Obwohl sie eine Schönheit ist, sahst du in ihr nie die Frau, sondern immer nur den liebevollen Kumpel und das kleine Mädchen, das sie schon immer für dich war. Wie freue ich mich jetzt für Falarien, dass auch sie vielleicht endlich ihr Glück, wenn auch nicht an deiner Seite, finden wird. Zumindest sieht es so aus, als würde sie an einem der anderen Elben auf diesem Schiff Interesse zeigen. Oft sehe ich meine Jüngste sich mit einem jungen Elben unterhalten, scherzen und lachen. Inwieweit es sich hier um mehr als nur Freundschaft handelt, vermag ich noch nicht zu erkennen. Der Blick ist noch verschleiert und mein kleiner Stern plaudert noch ziemlich allgemein darüber.

Doch jetzt, wo Falarien für dich verloren scheint, hast du auf einmal nur noch Augen für sie, suchst ihren Blick, redest mit ihr, versuchst ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Obwohl viele andere hübsche Elbinnen mit an Bord sind, die alles für deine Gunst geben würden, weichst du nicht mehr von der Seite meiner jüngsten Tochter. Ich sehe das Ganze mit den zwiespältigen Gefühlen eines besorgten Vaters. Ist sie nur eine von vielen, eine weitere flüchtige Liebschaft für dich? Oder gehen deine Gefühle diesmal tiefer und sind ernst gemeint? Einerseits würde ich es meinem kleinen Liebling gönnen, doch noch an der Seite ihrer großen Liebe glücklich zu werden, aber andererseits habe ich auch Angst, dass sie bitter enttäuscht werden könnte. Doch ich beschließe, erst einmal abzuwarten, ob undwie sich die Sache weiter entwickeln wird.

Das Meer ist heute stürmisch, so dass wir alle gezwungen sind unter Deck zu bleiben. Meine Töchter leisten mir Gesellschaft, während Talven sich zu dir und Elrohir verzogen hat. Ich bin gerade in ein Buch vertieft, als ich plötzlich ein Gespräch von Frau zu Frau zwischen Silolwen und Falarien mitbekomme. Ich will mich gerade wieder auf meine Lektüre konzentrieren, als ich höre wie dein Name fällt. Nun sind meine Ohren doch gespitzt, auch wenn ich nach außen hin so tue, als wäre ich noch immer in das Buch vertieft. Offenbar hat sich die Sache mit Falariens Verehrer zerschlagen, ehe sie richtig begonnen hatte, wenn ich das richtig mitbekommen habe. All die Jahre seid ihr gute Freunde gewesen und so warst du auch in dieser Situation als Freund an ihrer Seite. Hast sie getröstet und ihr eine Schulter zum Anlehnen gegeben. Doch scheint sich dabei zwischen euch etwas verändert zu haben, so als würdest du für meine Jüngste inzwischen mehr als nur Freundschaft empfinden. Mein kleiner Stern ist sich nun unsicher, ob sie sich aufgrund ihrer Liebe zu dir Elladan nicht etwas einbildet, nicht einen Wunschtraum vor ihren Augen sieht. Ich kann sie verstehen, kenne ich doch ihre Gefühle für dich, ebenso wie ihre Schwester, welche sie nun um Rat bittet, da sie nicht weiß, wie sie sich am besten verhalten soll. Silolwen rät ihr abzuwarten und zu sehen, wie es sich weiter entwickelt, auch wenn es schwer fällt und dann der Stimme ihres Herzens zu folgen.

Ich sehe erstaunt auf, als es an der Tür klopft und auf mein ‚Herein' du zögernd, ja fast schüchtern eintrittst. Offenbar sind deine Gefühle diesmal wirklich ernst gemeint, denn du stehst vor mir und hast mir gerade äußerst nervös stammelnd deine Liebe zu Falarien gestanden. Nun bittest du mich um Erlaubnis, ihr den Hof machen und um sie werben zu dürfen. Du möchtest ihr Herz für dich gewinnen. Ich höre dir zu und sehe dich dann sehr lange nachdenklich an. Sehe forschend in deine Augen und in deine Seele. Mit klopfenden Herzen wartest du nun auf meine Antwort. Ich muss innerlich leise schmunzeln, wenn ich dich so nervös vor mir stehen sehe. So kennt man dich gar nicht. Du bist wirklich in meinen Sonnenschein verliebt. Für mich ist das der beste Beweis, den du mir geben kannst. Schließlich nicke ich und gebe dir die Erlaubnis. Erleichterung ist dir ins Gesicht geschrieben, als du meine Antwort hörst, und glücklich verlässt du mein Gemach, um nach Falarien zu suchen. Versuche nur dein Glück, Elladan. Vielleicht kannst du sie überzeugen, dass ihr Jahrhunderte langes Warten doch nicht vergebens war und sie sich nicht in dem geirrt hat, was sie bereits in deinen Augen und deinem Verhalten zu lesen meinte.

Wie lieblich sie errötet, wenn du sie ansiehst oder mit ihr sprichst. Wie verlegen mein kleiner Liebling den Blick senkt, wenn sie einen Brief oder ein Gedicht von dir findet und ich es bemerke. Wie aufgeregt sie ist, wenn sich von mir verabschiedet, um sich mit dir zu treffen. Ihre Augen leuchten vor Glück, deine Liebe lässt sie regelrecht aufblühen.

Nun, offenbar hast auch du dein Glück bei ihr gefunden, Elladan. In deinen Augen liegt ein bisher nie gekannter Schimmer. Ja, du hast deine wahre Liebe gefunden. Es hat zwar lange gedauert, bis du es erkannt hast, und viele Herzen hast du bis dahin mit deinem unwiderstehlichen Charme gebrochen, aber nun hast du sie gefunden. Schon damals als kleines Baby bei unserem Picknick, gelang es ihr mühelos, dich in ihren Bann zu ziehen. Erinnerst du dich noch? Am liebsten hättest du sie gar nicht mehr hergeben und doch hat es noch Hunderte von Jahren gedauert, bis du erkannt hast, was dein Herz damals tief drinnen womöglich schon erahnte. In dieser Beziehung war dein Bruder Elrohir etwas schneller. Schon länger sind er und meine ältere Tochter Silolwen ein Paar. Sie haben bereits in Bruchtal ihre Liebe zueinander entdeckt und sie erst nach einer Zeit längeren Geheimhaltens kurz vor unserer Abreise offenbart. Wie froh und glücklich bin ich, meinem Gefühl vertraut und dir die Erlaubnis zum Umwerben erteilt zu haben.

Alle Vorbereitungen für die heutige Verlobungsfeier sind in den letzten Zügen. Zwei sehr glückliche Brautpaare wird es heute auf dem Schiff zu feiern geben. Nicht nur Elrohir und Silolwen wollen sich verloben, nein, auch du und mein kleiner Stern Falarien werden ihre Verlobung bekannt geben. Sobald wir Valinor erreichen, soll die Doppelhochzeit stattfinden. Ich warne dich, Elladan, deine Braut wird dich nur so um ihre kleinen süßen Finger wickeln, wenn sie es nicht schon längst tut. Auch ich ließ mich immer einwickeln und tu es auch heute noch. Man kann gar nicht anders, wenn sie einen aus ihren blauen Augen so unschuldig ansieht. Findest du nicht auch?

Nach dem Abendessen kam der große Augenblick, und ich durfte die freudige Mitteilung machen. Es gab Hochrufe, aber auch Erstaunen. Erstaunen darüber, dass auch du dich bindest, und damit bei den anderen hübschen Elbinnen lange Gesichter. Eine jede hatte sich wohl im Geheimen Hoffnungen gemacht, du könntest sie erwählen. Schmunzelnd beobachte ich die Szenerie. Doch obwohl im ersten Moment enttäuscht, gönnen euch die Damen euer Glück.

Nun gibt es zwei glückliche Paare, die die Glück- und Segenswünsche entgegennehmen. Ich stehe daneben und freue mich für euch. Auch Talven ist stolz an meiner Seite und freut sich über das Glück seiner jüngeren Schwestern. Freut sich darüber, dass seine beiden besten Freunde bald zur Familie gehören werden. Mal sehen, wessen Herz wohl er eines Tages in Valinor erobern wird. Denn unsere Reise neigt sich langsam dem Ende zu. Nicht mehr lange und wir werden am Ziel unserer Träume sein. Werden lang vermisste Familienmitglieder, Partner und Freunde wiedersehen. Was werden wohl eure Eltern sagen? Ich freue mich schon jetzt auf ihre überraschten Gesichter, und schon wieder muss ich leise lächeln. Auch freue ich mich auf Sílwen, meine große Liebe, und Sehnsucht macht sich in meinem Herzen breit.

Ankunft in Valinor

Alle sind wir an Deck und stehen an der Reling. Voller Erwartung und Vorfreude sehen wir zu dem nun immer schneller näher kommenden Strand. Wer wird da sein und uns abholen? Wie ist es den Vorausgegangenen in der Zwischenzeit ergangen? Fragen über Fragen stürmen auf einen jeden von uns ein.

Auch du und dein Bruder stehen bei mir, und gespannt suchen eure Augen das Ufer ab, ob ihr eure Eltern schon erkennen könnt. Da, seht ihr? Dort, ganz nah am Bootssteg stehen sie. In ihren Gesichtern spiegelt sich Hoffnung, aber auch Angst wieder. Angst, dass ihr vielleicht auf diesem letzten Schiff nicht sein könntet, dass ihr das gleiche Schicksal wie Arwen gewählt haben könntet. Da, jetzt haben sie mich erkannt und winken mir zu. Im nächsten Moment haben sie auch euch entdeckt, und helle Freude und Erleichterung lassen ihre Gesichter erstrahlen. Soweit ich von hier erkennen kann, bricht eure Naneth in Freudentränen aus, denn zwei ihrer Kinder sind zu ihr zurückgekehrt. Dass ihr auch noch zwei Schwiegertöchter mitbringt, wird ihr mit der Zeit den Verlust Arwens sicher leichter machen.

Endlich legt das Schiff an, und die Brücke wird hinab gelassen. Viel zu lange dauerten die letzten Minuten, doch nun können wir endlich von Bord gehen und unsere Familien und Freunde wieder in die Arme schließen. Nur meine Liebste sehe ich nicht. Traurigkeit überschattet mein Herz. Da löst sich aus dem Schatten eines Baumes eine schlanke Gestalt und kommt auch mich zu... Sílwen... sie sieht glücklich und zufrieden aus. Lange sehen wir uns in die Augen, und als sie mich in die Arme nimmt, kann ich mein Glück gar nicht fassen, und Tränen laufen mir übers Gesicht. Auch meine Kinder begrüßen ihre Naneth und schließen sie in die Arme. Glücklich darüber, dass wir nun endlich wieder vereint sind und uns nichts mehr trennen kann.

Du und dein Bruder gehen erst mal allein zu euren Eltern, um diese zu begrüßen. Groß ist die Freude und Celebrían möchte euch am liebsten gar nicht mehr aus ihrer Umarmung lassen. Eure Naneth hat hier offenbar wirklich ihren inneren Frieden wiedergefunden, denn sie sieht wie früher aus, ist genauso fröhlich und glücklich wie damals.

Langsam komme ich mit Sílwen und meinen... nein, unseren... Kindern nach und bleibe mit ihnen in einiger Entfernung stehen. Du löst dich aus der Umarmung deiner Naneth und kommst mit Elrohir zu uns. Sanft ergreift ihr die Hände eurer Liebsten und stellt sie glücklich und voller Stolz euren Eltern vor. Elrond sieht mich fragend an und ich bestätige lächelnd, dass du und dein Bruder in meinen beiden Schönheiten euer Glück gefunden habt. Auch meine Frau sieht über alle Maßen überrascht aus.

Wie schnell die Zeit vergangen ist. Einige Zeit nun sind wir schon hier in Valinor. Nur wenige Wochen nach unserer Ankunft feierten wir eure Hochzeit. Es war ein großartiges Fest, dass zwei Paare hochleben ließ. Nun stehe ich hier und halte meinen ersten Enkel im Arm. Du selber bist zu meinem kleinen Stern zurück gegangen, um zusammen mit deinem Ada, dem Geschwisterchen auf die Welt zu helfen. Ja, auch du kommst in den Genuss Zwillinge groß ziehen zu dürfen

Ich denke für einen Moment an damals zurück, als ich dich das erste Mal in den Armen hielt, und welche Gedanken mich bewegten. Ich blicke auf deinen kleinen Sohn herab und sehe in seinen Augen genau den gleichen Schalk blitzen, der damals auch in deinen Augen war. Der Kleine ist dein absolutes Ebenbild. Auch er wird mit seinem Charme jeden sofort erobern und so manches Herz brechen. Mit welchen Taten und Fähigkeiten er uns hier in Valinor überraschen wird, wird die Zukunft zeigen. Denn auch in ihm schlummert ein ebenso großes Potential, wie einst in dir und Elrohir. Allerdings dürfte sein Leben und das seines Geschwisterchens wesentlich friedlicher verlaufen, als es das eure war.

Bei dem Gedanken, dass du nun all das, was wir mit dir und deinem Bruder durchmachen mussten, selber erleben wirst, muss ich lächeln. Elrohir wird es keinen Deut besser ergehen. Er und Silolwen erwarten in einigen Monaten ebenfalls ihr erstes Kind und werden mich damit ein zweites Mal zum Großada machen. Statt euch zu erziehen, kann ich nun meine Enkel verziehen. Bei diesem Gedanken muss ich noch mehr grinsen und ich ahne, nein weiß, dass dein Ada ähnliche Gedanken hegen dürfte. .

Genauso wie einst dein Ada Elrond stehst du stolz und mit vor Glück strahlenden Augen vor mir, nun ein kleines Mädchen auf deinen Armen haltend. Wie sehr du dich verändert hast. Die Liebe zu meinem kleinen Stern Falarien und die Vaterschaft haben dich reifen lassen. Und so schließt sich nun der Kreis. Denn wenn ich deinen kleinen Sohn betrachte, kommen mir die gleichen Gedanken wieder in den Sinn, die ich einst bei dir hatte, Elladan.

Ende.

Anmerkung: Nach Ende des Ringkriegs blieben die Zwillinge zusammen mit ihren Großada Celeborn in Mittelerde. Ob sie letztendlich ebenso wie Arwen die Sterblichkeit wählten oder nicht doch noch eines Tages nach Valinor gingen, ist nicht wirklich hundertprozentig bekannt. Von daher habe ich mich in meiner Geschichte dazu entschlossen, die beiden nach Valinor gehen zu lassen.

Ari:Ja, zum Glück waren die Jungs hier auf Arbeit in der Lage, die ganzen Daten auf eine externe Festplatte zu ziehen...Ich hoffe, dir gefällt auch das Ende meiner kleinen Geschichte.