„Warum bei Merlins gepunkteter Unterhose hat Remus uns nicht geweckt?", fluchte Sirius, während er über einen seiner nicht geschnürten Schnürsenkel stolperte und gleichzeitig versuchte, sich das Hemd in die Hose zu stopfen. James, der im Eilschritt versuchte mit seinem Tempo mitzuhalten, plagte sich damit ab, seine Krawatte zu binden. Verflucht noch eins. Normalerweise ließ er sich die Krawatte am Anfang eines jeden Schuljahres von Remus binden und weitete dann während des Jahres nur noch den Knoten, um sie an- und auszuziehen. Wo war Remus nur, wenn man ihn mal brauchte?! Und wie – verflixt noch eins! – band man eine Krawatte richtig?

„Remus ist wahrscheinlich schon um kurz vor sieben mit den anderen beim Frühstück gewesen", antwortete James trotz seiner Beschäftigung und Sirius schnaubte abfällig. „Diese blöden Streber. Wenigstens nach der ersten Stunde hätte man ja mal kurz im Schlagsaal vorbeischauen und uns darauf aufmerksam machen können, dass wir den ersten verdammten Unterrichtstag verschlafen!"

Während Sirius sich weiterhin über diesen Verrat von Remus, Peter und Frank aufregte, entschied James sich dafür, den Kampf mit seiner Krawatte aufzugeben und stopfte sie kurzerhand in seine Hosentasche, bevor er ein noch aussichtsloseres Duell in Angriff nahm: Das Ordnen seiner Haare. Sirius hatte es geschafft, sein Hemd in die Hose zu stecken, noch bevor er den Wandteppich des Geheimgangs zu Seite zog, den sie genutzt hatten.

Fast komplett angezogen lugten sie drei Minuten später vorsichtig in die große Halle, die inzwischen menschenleer war. Nicht mal ein Geist war zu sehen.

Dafür lagen jedoch, gut sichtbar auf ihrem Stammplatz am Gryffindortisch, zwei große gefaltete Blätter, die wohl ihre Stundenpläne waren. Einsam und verlassen waren sie die einzigen Stundenpläne auf allen vier Tischen.

Sirius warf einen Blick auf seine Armbanduhr und knirschte unschön mit den Zähnen, was James einen Schauer über den Rücken jagte. „Hör auf damit!", murrte er, „Ich find' das Geräusch echt eklig! Es reicht, wenn du so grimmig guckst, um deine aktuelle Stimmung zu unterstreichen."

Sirius sah ihn genervt an. „Manchmal kannst du einem wirklich auf den Wecker fallen!"

Sie vergewisserten sich, dass die Luft tatsächlich rein war und nicht doch aus irgendeiner Ecke ein böser Lehrer mit erhobenem Zeigefinger auf sie zugerauscht kommen würde, dann machten sie sich schnell auf den Weg an den Gryffindortisch.

Mit einem gehetzten Blick auf ihre Pläne stellten sie fest, dass ihr Montag beinahe identisch war. James stöhnte qualvoll auf, als er die dritte Stunde deutete.

„Verwandlung ist schon dran. Keine Chance, dass wir da ungesehen reinkommen, ohne dass McGonagall uns einen Kopf kürzer macht."

Die beiden jungen Männer entschieden sich dafür, auch die dritte Stunde nicht zu besuchen. Zu groß war die Angst vor dem Zorn ihrer Verwandlungslehrerin. Unschön würde es so oder so werden und wenn sie eine Standpauke gehalten bekämen, müssten sie dafür nicht wie die letzten Idioten im Türrahmen des Verwandlungszimmers vor allen ihren Klassenkammeraden stehen.

Sirius und James machten sich mit knurrenden Mägen auf den Weg in die Schulküche, die im unterirdischen Teil des Schlosses gelegen war. Währenddessen verglichen sie ihre Stundenpläne. Sie hatten beide eine wahrscheinlich unsäglich langweilige Stunde Geschichte der Zauberei bei Professor Binns verpasst, was sie beide nicht weiter störte. Sie waren sich nicht einmal sicher, ob der Lehrer überhaupt merkte, wer anwesend war und wer nicht.

Anders verhielt es sich da schon bei Professor Flitwick, dessen Zauberkunstunterricht sie in der zweiten Stunde verpasst hatten. Allerdings konnte er weder James noch Sirius besonders lange böse sein. Die Lehrerschaft Hogwarts' war gespalten in ihrer Meinung über die beiden Gryffindors. Auf der einen Seite zogen sie den meisten Lehrern auch noch den letzten Zahn, auf der anderen Seiten musste die Lehrerschaft einsehen, dass sie in vielen Unterrichtsfächern außerordentliche Leistungen vorbringen konnten.

Diese Tatsache würde wahrscheinlich aber nicht helfen, dass sie von ihrer Verwandlungslehrerin schon am ersten Schultag ein ordentliches Nachsitzen erhalten würden. Zwar gehörten sie zu den besten ihrer Jahrgangsstufe in Verwandlung, Professor McGonagall zeigte sich in der Regel jedoch unbeeindruckt und war außerdem äußerst immun gegen Sirius' und James' Charme, mit dem sie sich bei einigen Lehrern schon oft aus brenzligen Situationen hatten retten können.

„Ich verstehe immer noch nicht, warum du Pflege magischer Geschöpfe abgewählt hast", sagte James und tippte auf Sirius' Stundenplan. „Wir wollten doch die gleichen Wahlfächer mit in die UTZ-Prüfungen nehmen. Pflege magischer Geschöpfe ist doch ein easy eingefahrener UTZ!"

Nachdem die Marauder am Ende ihres fünften Schuljahres ihre ZAG-Prüfungen abgelegt hatten und sich seitdem Zauberer allgemeinen Grades schimpfen durften, hatten sie angefangen, systematisch die Wahlfächer, die man ab der dritten Klasse wählen konnten, durchzuprobieren und wieder abzuwählen. Es war üblich, dass man neben den sieben Pflichtfächern, die man ab der ersten Klasse belegen und bis zur letzten Klasse behalten musste, noch zwei bis drei Wahlfächer belegte, die ebenfalls am Ende ihrer Schulzeit von der Zauberprüfungsbehörde abgenommen wurden.

James und Sirius hatten voller Eifer und darauf bedacht, eine möglichst große Wahl zu haben, vier der fünf Wahlfächer belegt, hatten aber schon nach einem Jahr Wahrsagen abgewählt und stattdessen Alte Runen belegt, zusätzlich zu Muggelkunde und Pflege magischer Geschöpfe.

Neben diesen Fächern belegten sie, wie alle anderen Schüler der Abschlussklasse, außerdem Astronomie, Geschichte der Zauberei, Kräuterkunde, Verteidigung gegen die dunklen Künste, Verwandlung, Zauberkunst und Zaubertränke.

„Ich hasse Pflege magischer Geschöpfe. Man steht draußen rum, entweder schwitzt man oder man friert, es ist langweilig und man stinkt in der Regel am Ende der Stunde.", erklärte Sirius. Er kitzelte die Birne auf dem Gemälde vor ihm und die Frucht kicherte leide, bevor sie sich in einen Türgriff verwandelte.

Während sie in die Küche traten, schob James die Unterlippe vor. „Aber ich wollte Alte Runen wieder abwählen! Ich verstehe dieses Kauderwelsch an germanischen Schriftzeichen einfach nicht. Ich hasse es, diese ganzen Tabellen und Bücher ständig mitzuschleppen."

Er deutete auf Sirius riesige Schultasche. Beide hatten, da sie ihre Stundenpläne noch nicht gekannt hatten, alle Schulbücher die sie besaßen mitgenommen, um für jeden Fall gewappnet zu sein.

Sirius grinste und musste James in diesem Fall Recht geben. Allein für Alte Runen hatte er seine inzwischen abgegriffene Zaubermanns Silbentabelle, das Buch „Alte Runen leichtgemacht" und „Runenübersetzungen für Fortgeschrittene" einpacken müssen.

Ein kleiner Hauself wuselte heran und stellte einen Teller mit vielen verschieden belegten Broten auf den Tisch, an denen Sirius und James sich gesetzt hatten. Die beiden Gläser, die darauf standen, wurden mit Kürbissaft gefüllt.

„Dann wähl es halt ab, aber ich stelle mich sicherlich nicht weiterhin in den Mist zwischen Erumpents und Niffler." – „Komm schon, diese Niffler waren wirklich niedlich!", unterbrach James ihn und kaute genüsslich auf einem Käsebrötchen herum. Sirius zog nur eine Augenbraue hoch. „Eines dieser Viecher wollte meine Armbanduhr fressen!" – „Nicht fressen, es wollte sie nur haben… Niffler fressen keinen Schmuck…"

„Mir doch egal!", Sirius schüttelte den Kopf, „Ich hab keine Lust mehr darauf. Dieser Jarvey letztes Jahr hat mir wirklich gereicht!"

James musste bei der Erinnerung an das Jarvey grinsen. Jarveys waren zu groß geratene Frettchen, die nach allem schnappten und bissen, was sich bewegte und dabei ziemlich wüste Beschimpfungen von sich gaben. Sirius hatte sich so mit einem dieser Tiere gestritten, dass man nicht mehr gewusst hatte, wer die schlimmeren Schimpfwörter in den Ring geschmissen hatte, bis das Jarvey der Sache ein gesetzt hatte, indem er seine langen Nagezähne tief in Sirius Unterarm versenkt hatte. Von dieser Begegnung war ihm bis heute eine kleine weiße Narbe kurz unter der Armbeuge geblieben.

Die beiden Jungen verspeisten noch in Ruhe ihre verbleibenden Brötchen, bis James mit einem Blick auf die Uhr feststellte, dass die Verwandlungsstunde fast vorbei war. Zügig, um nicht einem der verprellten Lehrer zu begegnen, machten sie sich auf den Weg in die erste Etage, wo ihr Klassenzimmer für Muggelkunde lag.

Gerade als sie es erreichten, war die dritte Stunde vorbei, die Klassentür flog auf und ein Schwarm Drittklässler drängelte sich um Sirius und James, aufgeregt schnatternd und mit ihren Stundenplänen wedelnd.

„Aus dem Weg, kleine Slytherinschlange", murmelte Sirius, schob einen kleinen Jungen mit grüner Krawatte unsanft beiseite und bahnte sich einen Weg zu einem Platz in der Mitte des Raumes.

Kurze Zeit später trat Joanna durch die Tür des Klassenzimmers und steuerte zielstrebig auf ihren Bruder und Sirius zu.

„Seid ihr völlig verrückt geworden?", warf sie die Frage in den Raum und tippte sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn. „Da muss doch wirklich irgendwas im Oberstübchen nicht ganz richtig sein, dass ihr die erste Verwandlungsstunde schwänzt. Ihr beide müsst wohl jeden Fehler zweimal machen, bevor ihr lernt, dass er Konsequenzen hat!"

Sie spielte damit auf ihr vorletztes Schuljahr an, wo Sirius, James und Peter es geschafft hatten, zwei volle Schulstunden ihres ersten Schultages in einer der Trickstufen des Schlosses zu klemmen.

„In welcher Verfassung war McGonagall? Hat sie rumgebrüllt?", erkundigte James sich und Joanna kam mit ihrem Gesicht sehr nah an seins. „Schlimmer.", sie zog die Augenbrauen unheilvollbringend zusammen. Sirius und James lehnten sich vor, da sie ihre Stimme geheimnisvoll gesenkt hatte „Sie war ganz ruhig. Und dann – BAMM!", sie schlug fest mit der Hand vor Sirius und James auf den Tisch und beide zuckten erschrocken zusammen. „Hat sie einfach nur leise und mit verkniffener Miene gesagt: Black, Potter – fehlend. Am ersten Schultag. Zur Kenntnisgenommen."

Joanna lächelte zufrieden, als sie sah, dass James sich nervös durch seine strubbeligen Haare fuhr und Sirius schwer schluckte. „Das gibt sicherlich mindestens einmal alle Kessel im Zaubertränkeklassenzimmer schrubben. Ohne Zauberstab."

„Wenn nicht Schlimmeres", murmelte Sirius noch, bevor Joanna sich neben Milli fallen ließ, die alles amüsiert beobachtet hatte und der Unterricht begann.

„Bitte einen vier Fuß langen Aufsatz über den Sinn und Zweck von Heizungen und anderen Heizmöglichkeiten!", schloss Professor Stocket und schlug „Häusliches Leben und gesellschaftliche Sitten britischer Muggel" von Wilhelm Wigworthy zu.

Joanna ächzte. Die vierte Stunde war vorbei und sie fühlte sich jetzt schon von der Last ihrer Hausarbeiten erdrückt. Nicht genug damit, dass McGonagall ihnen fünf Fuß über die Verwandlung von Wirbeltieren in Haushaltsgeräte aufgetragen hatte, jetzt auch noch Stockett mit seiner überflüssigen Arbeit. Sie packte ihre Tasche und beobachtete Sirius, der einen unnormal großen Beutel schulterte, in dem sich die Umrisse von mindestens fünfzehn Büchern abmalten.

„Verbindest du seit Neustem Unterricht und Krafttraining, Black?", fragte sie, als sie sich an ihm vorbeischob um zum Mittagessen zu gehen.

„Nein, vielleicht bin ich einfach nur motivierter und engagierter am Jahresende möglichst viele UTZ's einzufahren, Potter. Ich bin einfach nur gut vorbereitet.", er grinste – nach seiner Auffassung wohl lässig – und lehnte sich gegen die Tischkante. „Sicher", stellte Joanna amüsiert fest, „Ich bin sicher, McGonagall sieht das ganz genauso wie du."

Sirius Grinsen schwand und mit einem Augenrollen verschwand das Mädchen aus der Tür und machte sich mit Milli auf den Weg in die Große Halle.

Mal wieder hatten James und Sirius es geschafft, vor ihnen am Mittagstisch zu sein, obwohl sie später losgelaufen waren. Diese verdammten Geheimgänge. Joanna nahm sich ein weiteres Mal vor, ihnen ihre Karte zu klauen und die Geheimgänge des Schlosses zu recherchieren.

Sie kam keine Minute zu früh oder zu spät, um mitzuerleben, wie die Verwandlungslehrerin Kurs auf den Gryffindortisch nahm.

Mit verschränkten Armen blieb sie hinter James und Sirius stehen und tippte ungeduldig und unmissverständlich sauer mit einem ihrer Füße auf den Boden, bis sie sich umdrehten.

Beide zogen reflexartig den Kopf ein. „Professor.", setzte Sirius zu einer Erklärung an, die McGonagall in der ersten Sekunde mit einem missbilligenden Schnauben abwürgte.

„Sind sie verletzt? Etwas gebrochen? Nein? Dann haben sie keine Erklärung für ihr Fehlen in meinem Unterricht die ich akzeptieren würde." Energisch klatschte sie in die Hände und die beiden Jungen duckten sich synchron etwas. „Es ist mir eine Freude, ihnen ihr erstes Nachsitzen in diesem Schuljahr zu verordnen. Donnerstagabend, neun Uhr, Gewächshaus zwei." Sie legte eine kleine Kunstpause ein. „Verstanden?" James nickte und als Sirius nicht sofort eine Reaktion zeigte, schnippte sie ihm ihren Zauberstab auf den Kopf. Erschrocken nickte er „Verstanden!"

Lily, Joanna und Milli, aber auch Remus, Peter und Frank konnten sich nur mit Mühe ein Lachen verkneifen. Missmutig stocherte Sirius in seinem Essen, bevor er mit der Gabel in Richtung Remus und Peter fuchtelte. „Das ist eure Schuld!", maulte er und verteilte ein paar Erbsen auf dem Tischtuch. „Wecken wäre ganz schön gewesen. Tolle Freunde seid ihr! Ihr denkt nie an uns!"

„Die Erde dreht sich nicht um den hochwohlgeborenen Mister Black.", kommentierte Joanna ihn, noch bevor Remus eine Entschuldigung formulieren konnte. „Es ist nicht alles und jedes dafür zuständig, rund um die Uhr dafür zu sorgen, dass ihr pünktlich zum Unterricht erscheint."

„Kümmere dich um deinen eigenen Kram." Sirius funkelte sie wütend an und gestikulierte mit seiner Gabel, auf der er eine Kartoffel aufgespießt hatte, in ihre Richtung. Die Knolle flog durch seine Bewegung in Richtung Joanna und rollte dann unter die Bank, auf der sie saßen.

„Attacke!", kicherte Lily, „Vorsicht, Jo, er greift dich mit Gemüse an."

Ärgerlich wischte Joanna die Soßenreste von ihrer weißen Bluse, die sie, anders als die Kartoffel, nicht verfehlt hatten. Sirius gute Laune schien schlagartig zurück zu kommen.

„Pass doch auf, Black! War das Absicht?", fauchte Joanna und er grinste.

„Deine Geburt?", fragte er, „Ich hoffe doch nicht, dass Menschen sowas Böses planen."

„Witzig", kommentierte die brünette Gryffindor und wandte sich von ihrem Gegenüber ab.

Nach diesen Vorkommnissen verlief das Mittagessen weitestgehend ruhig und sie alle überkam schlechte Laune, als sie an die Doppelstunde Zaubertränke dachten, die ihnen nun bevorstand. Alle bis auf Lily zumindest. Aus irgendeinem Grund, den sie selber nicht so genau definieren konnte, mochte sie das Fach sehr gerne. Die anderen quälten sich jede Stunde durch den Stoff und waren jedes Mal erleichtert, wenn der Gong das Ende brachte. Dabei lag die Abneigung gegen den Zaubertränkeunterricht nicht einmal an ihrem Lehrer – Professor Slughorn war in der Tat sogar einer der nettesten Lehrer an der Schule. Das Fach an sich jedoch war für viele Schüler ein Buch mit sieben Siegeln. Während Sirius, Remus und Milli sich mit ach und krach über Wasser hielten und in den meisten Fällen ein „Erwartungen übertroffen" einheimsen konnten, waren James und Joanna in den meisten Fällen auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen oder pfuschten, wo sie nur konnten. Sie hatten es nur mit viel Trickserei in den Fortgeschrittenenkurs geschafft und es war absolut nicht ihr eigener Verdienst, dass sie in der fünften Klasse bei den ZAG-Prüfungen ein „Erwartungen übertroffen" erlangt hatten. Sie bewegten sich normalerweise eher im Bereich „annehmbar", obwohl jeder von ihnen es auch schon geschafft hatte, ein „mies" zu kassieren.

Dieser Umstand trug dazu bei, dass die Zwillinge den Abstieg in den Keller mit einer Miene wie drei Tage Regenwetter machten, dicht gefolgt von ihren Freunden. Als sie vor ihrem Klassenzimmer angekommen waren, verdunkelten sich ihre Mienen noch einmal mehr. Sie hatten den Kurs zusammen mit den Slytherins. Alle hatten gehofft, dieses Jahr von der Gesellschaft des Slytherinhauses verschont zu werden, aber offensichtlich war es Dumbledore immer noch nicht aufgefallen, dass die Häuser Gryffindor und Slytherin sich nicht wirklich gut vertrugen.

Ein großer breiter Junge mit dunklen Haaren ließ die Knöchel knacken, als die Gruppe an ihnen vorbei in den Kerker trat.

„Lass stecken, Yaxley." Feindselig besah James ihn von oben bis unten, bis er sich, mit einer Miene offensichtlicher Abscheu, abwandte.

Die Slytherins standen rechts von der Kerkertür in einem kleinen Pulk, kein einziger unter ihnen, denen ein Mitglied des anderen Hauses mochte. „Wüsste nicht, seit wann einer von euch Blutsverrätern uns zu sagen hätte, was ich zu tun habe und was nicht." Yaxley stieß sich von der Wand ab und drehte sich lachend zu seinen Freunden um, „Rabastan, Severus."

Die Angesprochenen stellten sich sofort neben ihm auf.

Lily schüttelte den Kopf „Oho. Nicht schlecht. Ihr habt in den Ferien endlich gelernt, euch in einer Reihe aufzustellen. Meinen Glückwunsch.", spottete sie und Milli kicherte hinter ihr.

Rabastan Lestrange machte einen Schritt auf sie zu. „Vorsicht, Evans. Sonst…"

„Sonst? Sagst du deinem bösen großen Bruder Bescheid? Hat er es denn schon zum Todesser geschafft? Dann bestell bitte auch Rodolphus meine Glückwünsche."

James legte Lily eine Hand auf die Schulter, um sie zu beschwichtigen, konnte sich ein grinsen jedoch nicht verkneifen. „Wir beruhigen uns jetzt glaube ich alle mal. Lily, komm. Die sind es nicht mal wert, von uns erniedrigt zu werden. Die müssen schon jeden Morgen in den Spiegel gucken." Und er sah dabei unverhohlen Severus Snape an, der die Augen zusammenkniff und sich eine Strähne seines fettigen Haares hinter das Ohr streifte. „Oh der große James Potter, Retter aller Schlammblüter in Not.", feixte er spuckte vor ihnen auf den Boden.

James schnellte vor und packte Snape an der Schulter. „Das sagst du nur einmal zu Lily, du Schlange!", doch Snape schüttelte ihn ab.

„Ich wusste ja gar nicht, dass ihr euch neuerdings so lieb habt", höhnte er in James Richtung und machte eine abfällige Geste in Richtung Lily. „Na nimm sie dir, Potter. Ihr passt ja ganz toll zusammen. Der Blutsverräter und das Schlammblut. Was für ein beschauliches Bild."

James wollte gerade wieder vorschnellen und Snape am Kragen packen, doch Sirius hielt ihn zurück. Diese Slytherins waren es einfach nicht wert, dass man einen Streit anfing, kurz bevor ein Lehrer kam und sie hatten sich heute schon Nachsitzen eingehandelt.

Er demonstrierte ein Gähnen und hielt sich die Hand vor den Mund, um der Geste Ausdruck zu verleihen. „Sehr spannend, Schniefelus, wirklich, ungemein fesselnd. Du solltest ein Buch darüber schreiben. Blutsverräter bla bla, Schlammblüter bla bla... Sehr geistreich, wirklich."

Snape wurde weiß vor Wut.

Mit der unglaublichen Arroganz, die Sirius in manchen Situationen an den Tag legte, konnte niemand so wirklich umgehen, schon gar kein Slytherin. Ihre Art war es, ihr Gegenüber kleinzumachen und zu beleidigen.

Yaxley und Lestrange machten einen Schritt auf ihn zu, doch Sirius hob nur abwehrend die Hände.

„Freunde, Freunde, bitte nicht anfassen. Meine letzte Tetanusimpfung ist schon ein paar Jährchen her und ich will da nur ungern ein Risiko eingehen. Husch, husch." Und er wedelte mit den Händen in ihre Richtung, als wollte er ein paar aufdringliche Tauben verscheuchen.

Sirius Benehmen trug nur wenig dazu bei, dass sich die Situation entspannte.

„Wenn es eine Definition von Blutsverräter gibt, Black, dann wäre dein Foto im Wörterbuch daneben abgedruckt.", sagte Rabastan abwertend, „Woher du deine Arroganz nimmst, würde ich gerne mal wissen. Bürschchen aus reichem Hause, der sich gegen die Eltern auflehnt. Sind die Weiber einfach nur dumm oder kaufen sie dir den Unsinn wirklich so ab?"

„Och, ich kann mich nicht beklagen", erklärte Sirius in geschäftsmäßigem Ton, „weißt du, ich bin im Moment nicht ganz so gut bei Kasse, nachdem meine Mami mir den Geldhahn dummerweise zugedreht hat. Aber was soll man machen. Ich wäre auch gern so reich wie du, aber ich bin leider nur ungemein sexy. Ich hab gehört, du hast was übrig für Jungs…"

Er spitzte die Lippen und sah wackelte anzüglich mit den Hüften, doch bevor Rabastan völlig die Kontrolle über sich verlor und seinen Zauberstab ziehen konnte, tauchte Professor Slughorn in den Kellergewölben auf und schätzte die Situation wie üblich völlig falsch ein.

„Na, noch einen kurzen Plausch gehalten, bevor der Ernst der Zaubertränke anfängt?", gluckste er, während er die Tür aufschloss und die Schüler einließ.

Sirius nickte „Wir haben uns doch in den Ferien alle so lange nicht mehr gesehen, da muss man doch die Chance nutzen, um sich mal ein wenig auszutauschen, Professor."

Slughorn nickte verständnisvoll.