Ohne viel Vorgerede geht es endlich weiter. Viel Spaß beim Lesen! Feedback erwünscht.
Kapitel III:
Dieses Kind ist ein Monster
Maylene ließ sich auf ihr Bett fallen und sah Bard und Finny traurig an.
„Ich hoffe, sie ist bei ihrer rechtmäßigen Familie", murmele Finny und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden.
„Warum mag der Earl eigentlich keine Tiere?", fragte Maylene plötzlich und hatte so die Aufmerksamkeit der beiden Männer.
„Vielleicht ist er allergisch", meinte Finny.
„Bestimmt nicht, sonst wären seine Hände doch völlig angeschwollen, als Lady C. bei ihm war", sagte Bard. Maylene und Finny nickten zustimmend.
„Ach...", machte Finny und gähnte. „Ich wünschte dem Herrn würde etwas passieren."
„Was?!", fuhren Bard und Maylene ihn an.
„Nichts Schlimmes. Nur damit er mal merkt, wie schwer es die kleinen, süßen Tiere haben."
„Und was stellst du die darunter vor?", fragte Maylene.
Finny erzählte es ihnen. Was die drei Diener aber nicht merkten, war, dass eine Sternschnuppe in diesem Moment über den Himmel Londons flog und willig war diesen einen klitzekleinen Wunsch zu erfüllen.
Ciel wachte auf und rieb sich müde die Augen.
„Sebastian?", fragte er in die Dunkelheit, doch es kam keine Antwort. Der Junge reckte sich und gähnte. Er fühlte sich irgendwie merkwürdig und so wollte er etwas trinken. Er wandte sich zu seinem Nachttisch und zu dem Wasserglas das darauf stand. Doch irgendwie wirkte es plötzlich so riesig. Ciel wollte sich die Augen reiben, doch konnte er dies nicht mehr. Es war als würden ihm seine eigenen Gliedmaßen nicht mehr gehorchen. Er setzte sich auf die Bettkante. Er schloss die Augen, schüttelte den Kopf und gähnte.
Doch als er die Augen wieder öffnete und auf seine Hände sah, erschrak er. Er schrie und fiel aus dem Bett. Er weitete seine Augen und ging rückwärts, bis er von seinem Schrank gestoppt wurde. Er sah zu ihm hoch und merkte erst jetzt wie extrem groß er doch war. Oder wie extrem klein er selbst doch war. Langsam fing er an zu zweifeln.
„Was ist denn hier los?", fragte er sich selbst und ging zu seinem Spiegel. Es fühlte sich beinahe so an als krabbelte er. Komisch, dachte Ciel und setzte sich vor den Spiegel. Doch was er sah gefiel ihm nicht.
Er sah eine kleine schwarze Katze, die ihn verwundert ansah. Hatte Sebastian etwa eine Katze ins Haus gebracht und den Spiegel in eine Art Gehege umgestaltet? Ciel schüttelte den Kopf, wobei das kleine Kätzchen auch den Kopf schüttelte. Er blieb still, wobei die Katze auch still blieb.
„Nein", machte Ciel und legte seine Hand an den Spiegel. Das Kätzchen machte das gleiche. Er berührte die kalte Scheibe und erschauerte.
DAS KÄTZCHEN WAR ER!
Ciel schrie und sah an sich hinunter. Er hatte Pfoten – ausgerechnet vier davon. Er hatte einen Schwanz am Hinterleib, den er bewegen konnte. Er sah in den Spiegel und merkte, dass er Ohren hatte. Er wackelte mit den Ohren und schüttelte sich.
„Ich bin ein Monster. Ein haariges, widerliches Monster", meinte er und merkte, wie er die Krallen ausfuhr. „Das ist bestimmt Sebastians Schuld. Wenn ich ihn erwische, kratze ich ihmdas Auge aus!"
In diesem Moment kam der erwähnte Butler ins Zimmer und starrte das Kätzchen fassungslos an.
„Na Kleiner?", fragte er und lächelte. „Wo ist denn der junge Herr?"
Sebastian seufzte und hob das Kätzchen hoch. Ciel wehrte sich, doch hatte er keine Chance dem festen Griff zu entfliehen.
„Mein kleiner Freund, wenn dich mein Herr sieht, wird er sehr sauer sein. Also bringe ich dich lieber wieder hinaus. Wie bist du überhaupt hier hinein gekommen?"
„Du elender Butler. Sieh mich gefälligst richtig an. Ich habe ein verfluchtest Pentagramm im rechten Auge! Hör mir gefälligst zu!", schimpfte Ciel, doch Sebastian hörte nur ein grimmiges Miauen und Fauchen.
„Du musst wissen: der junge Herr hat eine Allergie gegen Katzenhaare. Es wäre also besser, wenn du das Anwesen verlässt und ganz weit weg fliehst."
„Verdammt, dass weiß ich doch!", schimpfte die Ciel-Katze. „Ich bin dein junger Herr! Lass mich gefälligst runter! Das ist ein Befehl!"
„Wie süß du doch bist", sagte Sebastian und kraulte ihm über den Kopf. „Aber du bist wohl keine kleine Schmusekatze."
„Ich bin gar keine Katze!"
„So", machte Sebastian und klemmte sich Ciel unter den Arm. „Dann gehen wir mal."
„Ich will aber hier bleiben!", fauchte Ciel und biss in den Handschuh seines Butlers. Doch dieser registrierte das nicht einmal.
„Der junge Herr ist bestimmt im Bad", murmelte Sebastian und kicherte. „Weißt du? Manchmal glaube ich, dass er diese Ausrede mit den Katzenhaaren nur erfunden hat."
„Tatsächlich?", fragte Ciel. „Blitzmerker."
„Meinst du das auch?", fragte Sebastian die Katze.
„Bastard." Sebastian hörte aber nur ein zustimmendes Miau.
„Ganz deiner Meinung, meine Kleine", meinte Sebastian.
„Verstehst du mich wirklich nicht oder willst du es einfach nicht?"
„Jetzt sei aber lieber leise, sonst bekommen die Anderen noch deinen Besuch mit", meinte der Butler.
„Fick dich."
Als die beiden an der Verandatür angekommen waren, hörte man schon den Regen von draußen. Ciel legte die Ohren an und sah Sebastian mit großen Augen an.
„Guck doch nicht so. Ich weiß, du magst kein Wasser, doch musst du jetzt raus."
„Bitte nicht", flehte Ciel.
Plötzlich erhellte sich der Raum. Auch noch Gewitter. Na danke, dachte Ciel und miaute gequält.
Sebastian öffnete die Tür und setzte das Ciel-Kätzchen nach draußen.
Ciel wiederum ging wieder rein, wurde aber von seinem Butler abgefangen.
„Böses kleines Kätzchen", lachte Sebastian und setzte es wieder hinaus. „Husch, husch."
„Bastard", meinte Ciel und sah in den wolkenbedeckten Himmel hoch, bekam einen Tropfen auf die Nase und nieste.
„Du bist wirklich zu süß", meinte Sebastian und streichelte ihn noch einmal über den Kopf. Danach schloss er die Tür.
Ciel versuchte die Tür wieder aufzuschieben, doch gelang es ihm nicht. Er sah Sebastian noch in die Dunkelheit laufen, danach war er weg.
Ciel wandte sich von dem Fensterglas weg und sah in seinen dunklen Garten. Wie gruselig er doch aussah.
„Ich werde einfach hier warten. Irgendwann wird Sebastian schon merken, dass ich ICH bin."
Er setzte sich, doch schreckte er schnell wieder hoch, als ein weiterer Blitz über den Himmel glitt. Er rannte plötzlich los und sprang über die Hecke, als wäre es kein großes Hindernis, als wäre es ein läppischer kleiner Koffer gewesen. Er wusste zwar nicht, warum er weglief, doch tat er es. Er hatte plötzlich so eine höllische Angst vor dem Gewitter, was ihm früher nichts ausgemacht hatte. Er hatte also mit seinem Menschsein auch seinen Stolz verloren.
Müde und erschöpft legte er sich einfach ins nasse Gras. Irgendwo im Nirgendwo. Er hatte Hunger, er hatte Angst und er war nass!
„Ich will nicht mehr! Schlimmer kann es doch kaum kommen!", rief er in die gewittrige Nacht.
Hüpf, hüpf, flatter.
Hüpf, hüpf, flatter, flatter.
Flatter, flatter, flieg', hüpf.
Ciel öffnete seine Augen und sah einen kleinen Vogel vor sich.
„Du schon wieder", knurrte er und fauchte das Vögelchen wütend an. „Verschwinde von meinem Anwesen!"
Das Vögelchen sah ihn verwundert an und legte den Kopf schief. Sie pickte ihn auf die Nase und als Ciel nach ihr griff, zuckte es zurück.
Ciel streckte sich und gähnte. Er sah sich um und merkte, dass dies gar nicht mehr sein Anwesen war.
„Verflucht. Ich bin immer noch ein Kater", sagte er und setzte sich hin. Er winkelte seine Pfote an, hob sie hoch zu seinem Maul und leckte darüber. Er hörte sofort auf und schüttelte sich angewidert.
„Warum habe ich das gemacht?", fragte er den kleinen Vogel, der ihn aber nur verwirrt ansah. „Ist das eklig." Er schüttelte sich ein weiteres Mal und sah den Vogel genauer an.
Dieser weitete auf einmal die Augen und riss ihren Schnabel auf. Sie schrie und bat um Essen.
„Ich bin nicht deine Mutter", knurrte der Kater und wandte sich weg. „Verschwinde."
Flatter, flatter, flieg.
Schon war der Vogel weg.
„Wunderbar", meinte Ciel fröhlich. „Fürchte dich vor demKater."
Doch er war nicht der Grund zur Flucht.
„Claude! Claude! Schau mal ein Kätzchen", rief eine allzu bekannte Stimme. Ciel ging rückwärts und weitete die Augen.
„Ich hätte in alle, wirklich alle Anwesen gehen können, aber ich musste ausgerechnet in das von Familie Trancy laufen. Verdammt!"
Alois strahlte und kniete sich neben dem Kätzchen hin.
„Willst du zu mir hereinkommen?", fragte er.
„Lieber würde ich sterben."
„Wunderbar", sagte der blonde Junge und klatschte in die Hände. Er hob das Ciel-Kätzchen hoch und drückte es an sich. Danach stand er auf und wandte sich zu seinem Butler.
„Das ist Miss Flausch", gab Alois bekannt und ging an seinem Butler vorbei.
„Ihr wollt eine dahergelaufene Katze einfach so in Euer Anwesen mitnehmen?", fragte Claude monoton.
„Es ist mein Anwesen und ich darf hier machen was ich will, Claude", gab der Junge wütend zurück und hüpfte in Richtung Hauseingang.
„Gewiss, Sir", meinte Claude monoton und richtete seine Brille.
„Claude. Hey, Claude! Bitte töte mich", bat Ciel und miaute gequält. „Sebastian! Verdammt noch mal! Hol mich hier raus!"
„Du miaust aber laut, Miss Flausch", sang Alois fröhlich. „Du hast sicher Hunger."
Ciel nickte und sah wie Alois Augen anfingen zu strahlen – große, glückliche, glänzende, strahlend blaue Kinderaugen.
„Ich will sterben", stöhnte Ciel.
„Du bist ab jetzt mein Haustier", trällerte Alois fröhlich und suchte etwas in seinem Schrank. Ciel saß derweil auf Alois' Bett und putzte sich seine nassen Pfötchen.
„Claude? Was passt zu schwarz?", fragte der kleine Junge seinen Butler, der nur gelangweilt in die Leere schaute. „Juhu? Claude?" Alois schnipste vor dessen Gesicht.
„Pink?", erwiderte Claude monoton.
„Perfekt! Eine pinke Schleife!", sagte er und nahm ein Kleid aus dem Holzschrank. Er legte es geschwind neben Ciel und entfernte mit einem Ruck die Schleife. Danach war zwar das Kleid kaputt, doch er hatte wenigstens ein Halsband für die kleine Miss Flausch.
„Bitte, nicht auch das noch", seufzte Ciel, doch hörte man nur ein Miauen.
„Du siehst perfekt aus", meinte Alois und hob Ciel hoch, drückte ihn fest an sich. „Du bist so schön weich." Alois roch an den Fell. „Und riechst so schön sauber."
„Ich glaube ich muss mich übergeben."
„Meint Ihr nicht, dass jemandem die Katze gehört, Herr?", fragte Claude monoton.
„Sie war ganz alleine und vor allem auf meinem Grundstück. Sie gehört mir!", motze Alois und streckte seinem Butler die Zunge heraus. „Jetzt bekommst du erst einmal etwas zu Essen, Miss Flausch."
„Ich bin ein Kerl! Wenn du mich hoch nimmst, musst du das doch sehen, oder etwa nicht?"
Absurder Gedanke, dachte Ciel und versuchte sich aus dem Griff zu lösen. Doch auch der kleine Alois war stärker als er. Wie erniedrigend, dachte Ciel und gähnte.
„Miss Flausch hat Hunger. Doch was essen Katzen?", fragte Alois sich und setzte Ciel neben sich auf den Tisch. Ciel legte sich hin und beobachtete den Butler. Noch nie hatte er einen normalen Tagesablauf von seinen Feinden mitbekommen. Er wusste nicht viel über Alois, doch – um ehrlich zu sein – war das, was er wusste, für seinen Geschmack genug. Er wollte sich schließlich nicht mit dem Feind vertragen, sonder lediglich ihn vernichten, wenn die Zeit gekommen war.
Doch was machte er nun statt einen Plan zu schmieden? Er saß auf dem Tisch und spielte Hauskater.
Claude brachte gerade wortlos das Essen, mit einem edel verzierten Wagen, zum Tisch und stellte einen Teller vor Alois.
„Was ist das?", fragte Alois und beobachte seinen Butler im Augenwinkel.
„Roastbeef und zum Nachtisch Yorkshire-Pudding", antwortete Claude monoton.
„Magst du Beef, Miss Flausch?", fragte Alois Ciel, der ihn nur fragend ansah.
„Wie beschränkt bist du eigentlich? Ich bin ein Kater. Ich esse… Ach egal", meinte Ciel, doch für Alois hörte es sich wie eine Zustimmung an.
„Wenigstens besser als Katzenfutter."
Claude stellte den Teller auf den Tisch, verbeugte sich leicht und beobachte den Ciel-Kater. Alois schnitt etwas von dem Beef ab und legte es an den Tellerrand damit die Katze davon essen konnte. Er lächelte, als Ciel davon aß und anfing zu schnurren. Gewollt oder ungewollt – er tat es einfach. Zwar war das Fleisch für seinen Geschmack zu zäh und die dazu servierte Soße zu flüssig, das Essen nicht ansprechend serviert, aber es schmeckte besser als das vermeidliche Katzenfutter. Oder gar Mäuse.
Bei dem Gedanken, dass Ciel Mäuse jagen und verspeisen könnte, und es als Kater eigentlich auch sollte, drehte sich ihm der Magen um.
Er sah den essenden Alois an und setzte sich wieder hin, putzte sich die Pfote und miaute.
„Was ist denn, Miss Flausch?", fragte Alois und hielt inne. „Schmeckt es dir nicht?"
Ciel nickte, worauf Alois in die Hände klatschte.
„Claude, bring uns etwas anderes zu essen", befahl er seinem Butler, der nur nickte und die Katze musterte.
„Ach Miss Flausch", sagte Alois und streichelte dem Ciel-Kater über den Kopf. „Wir werden gute Freunde werden."
„Hoffentlich ist dieser Albtraum bald vorbei", meinte Ciel und legte sich auf den Tisch.
„Wo ist der junge Herr nur hin?", fragte Maylene und sah Finny und Bard verwirrt an. Doch diese zuckten nur mit den Schultern.
Sie saßen in einem kleinen Raum, worin nur ein Tisch und vier Stühle standen, beleuchtet mit einer schlichten Kerze, und spielten Karten.
„Mau", sagte Finny und lächelte triumphierend, freute sich, dass er nur noch eine Karte in der Hand hielt.
Bard schnaufte und sah in den Augenwinkeln zu Maylene. Sie legte eine Herz 8 auf den Stapel, worauf er aussetzen musste.
„Dass Sebastian nicht unruhig wird… Komisch", meinte Finny und legte seine Herz 6 auf den Stapel. Er hob die Hände und rief ein lautes „Hurra" aus – er hatte gewonnen.
„Vielleicht ist er auf Geschäftsreise", grummelte Bard und schaute wieder zu Maylene.
„Ohne Sebastian?", warf Maylene in die Runde und legte eine Pik 6 auf den Stapel.
„Mist", machte Bard und warf seine Karten an die Wand. „Du hast nicht gut gemischt, Maylene."
„Schlechter Verlierer", murmelte sie und legte ihre Karten auf den Stapel.
„Was?"
„Nichts", gab sie kleinlaut von sich und wurde rot. Sie setzte ihre Brille wieder auf ihre Nase und seufzte. „Ich mache mir Sorgen um den Earl."
„Soll er doch da bleiben, wo der Pfeffer wächst. Mir ist das egal", knurrte Bard und lehnte sich nach hinten, verschränkte trotzig die Arme.
„Warum denn das?", fragten Finny und Maylene wie aus einem Mund. Ihre Augen waren geweitet.
Er zuckte mit den Schultern und sah sie eindringlich an. „Ihm wird schon nichts passiert sein."
„Sebastian würde das nie zulassen", stärkte Finny seine Aussage.
„Ich hab trotzdem ein schlechtes Gefühl bei der Angelegenheit. Was ist, wenn er gefoltert wird?"
„Herr… Ihr wollt wirklich die Katze in Eurem Bett schlafen lassen?", fragte Claude und beäugte den Ciel-Kater misstrauisch, dennoch war seine Stimme monoton. „Soll ich nicht lieber ein Körbchen für die Katze organisieren?"
„Claude! Dies ist meine Katze und ich darf entscheiden, wer in meinem Bett schläft!", protestierte Alois und verschränkte die Arme.
Ciel saß auf dem Bett, neben dem blonden Jungen, und beäugte das Schauspiel der Konversation genau. Ihn war es egal, wo er schläft – Hauptsache nicht draußen. Es stürmte und ein gruseliges Pfeifen war zu hören, was an Wolfsgeheul erinnerte. Ciel schauderte es bei dem Gedanken, in die Kälte entlassen zu werden und er sah sein Herrchen mit großen blauen Augen an.
„Wie Ihr wollt", meinte Claude und verbeugte sich knapp.
„Was ist, wenn er gedemütigt wird?", fragte Maylene weiter und wurde hysterischer.
Alois wandte sich von seinem Butler weg und sah zu seinem schwarzen Kätzchen. Er lächelte und streichelte ihm über den Rücken. Danach wieder zum Kopf hin, worauf er an der pinken Schleife hängen blieb. Er löste sie vorsichtig und legte das Stück Stoff danach auf seinen Nachttisch.
Ciel kratzte sich mit dem Hinterbein am Hals und staunte, dass er mit dem Bein an die besagte Stelle kam. Danach stand er auf, schüttelte sich und rollte sich wieder ein.
„Was ist, wenn er umkommt?"
„Keine Sorge, Miss Flausch. Ich passe auf dich auf. Lass' dir von Claude nichts sagen", meinte Alois und strich mit dem Zeigefinger über das zierliche Köpfchen des Katers.
Claude beobachtete dies und verzog kurz das Gesicht, danach schlich er sich aus dem Raum.
„Das werde ich nicht. Ganz sicher nicht! So ein monotoner Psychopath…", meinte Ciel, doch hörte man nur ein Miauen.
„Was ist, wenn er nie wieder zurückkommt?"
„Gute Nacht, Miss Flausch", murmelte Alois und legte sich in sein Bett, kuschelte sich in die Decke und beobachtete die Katzensilhouette.
Ciel stand auf und ging zum Fenster. Der abnehmende Mond ließ noch genug Licht ins Zimmer, sodass man auch ohne Nachtsicht – was Katzen bekanntlich haben – den Garten sehen konnte. Ciel setzte sich hin und sah, wie sich die Bäume im Wind bewegten, hörte den pfeifenden Wind und wünschte sich wieder normal zu werden. Dies war nicht sein Leben, doch lebte er das Leben eines Katers. Ausgerechnet das neue Haustier seinen Feindes, einem kleinen Psychopathen – wie sein Butler.
Aber bald würde der Spuk vorbei sein und er könnte wieder als Mensch an seine Arbeit gehen. Die Firma steht jetzt alleine – ohne Chef –, musste sich Tanaka wohl darum kümmern. Doch die schlimmste Vorstellung war, dass er jetzt in dieser Zeit einen Brief von der Königin Victoria bekam und er diese Aufgabe nicht erfüllen könnte. Auch wenn Sebastian in suchte und fand. Wie soll er der Königin erklären, dass er als Kater der Aufgabe gewachsen wäre. Und: Wäre er es überhaupt? Man konnte ihn schließlich nicht einmal verstehen. Er war zu klein und zu schwach, um die einfachsten Dinge hochzuheben. Er hatte nicht einmal Daumen.
„Sebastian! Verdammt nochmal: Finde mich!", rief Ciel, worauf Alois aufstand und ihn zu sich hochhob. Er setzte ihn auf das Bett, legte sich daneben und schlang einen Arm um den Kater. Er seufzte zufrieden und deckte die Ciel-Katze mit einem Stück der angewärmten Decke zu
Ciel konnte nicht einmal dem einfachsten Griff entfliehen.
Er schämte sich so darüber, doch nahm er die beinahe herzliche Umarmung nach einer Zeit an. Ihn blieb schließlich nichts anderes übrig. Er hätte Alois beißen oder kratzen können, doch dann würde er wütend auf ihn werden und ihm vielleicht sogar das Gleiche antun, was er seinem Hausmädchen angetan hätte. Schließlich konnte der Junge, der in gerade wärmte, sehr grausam und sadistisch werden.
Ein Teil von Ciel wollte sofort nach Hause und sein früheres Leben annehmen. Der andere Teil war neugierig. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass er mehr über seinen Feind erfahren würde. Vielleicht auch seine vielen kleinen Schwächen. Dies könnte er sich später zu Nutze machen. Er legte den Kopf auf seine Pfoten und genoss die Wärme, die Alois ausstrahlte.
„Vielleicht ist er schon verzweifelt und will fliehen. Wir müssen doch etwas unternehmen!", meinte Maylene.
„Sebastian wird das schon regeln", meinte Bard und zündete sich eine Zigarette an. „Er hat bestimmt alles im Griff."
Die zwei anderen Kollegen nickten zustimmend und seufzten.
„Vielleicht ist er auch nur in seinem Zimmer und will momentan keinen sehen. Er wird morgen bestimmt wieder da sein", tröstete sich Finny und seufzte. „Vielleicht finden wir morgen auch Lady Cordelia Helga von Feuer."
„Genau!", meinte Maylene.
„Junger Herr?", fragte Sebastian in die dunkle Nacht hinein. Zwar leuchtete der abnehmende Mond, doch half ihm auch dies nicht bei seiner Suche.
Seine Augen waren in ein flammendes Violett getaucht, seine Pupillen waren zu Schlitzen verengt. Er hastete durch die Nacht, rief seines Schützlings Namen, doch hörte er keinen Ruf von ihm.
Warum hatte er ihn nicht in seinem Anwesen gefunden? Er würde sich doch nie wegstehlen?! Oder etwa doch?
Sebastian war durcheinander, doch wurde ihm langsam klar, dass die Suche vergebens war. Vor allem nachts. Er würde morgen weiter suchen. „Der junge Herr hat bestimmt eine Unterkunft gefunden. Schließlich hat er einen bekannten, adeligen Namen. Hoffentlich geht es ihm gut", murmelte er, um sich selbst ein wenig in Sicherheit zu wiegen. Sein Pentagramm leuchtete nicht einmal, also musste alles in Ordnung sein. Jetzt in Ordnung sein. Vor ein paar Stunden leuchtete es stärker als jemals zuvor. Aber war das Pentagramm wenigstens noch da, war der Vertrag noch gültig. Ciel war also noch am Leben. Noch…
Er wusste immer wo sich sein Schützling befindet, wartete nur auf einen einfachen Befehl, um einzugreifen. Doch jetzt war irgendwie alles anders.
Sebastian blieb auf dem Dach stehen und schnaufte. Noch einmal ließ er seinen Blick über das Anwesen streifen, danach schüttelte er den Kopf und trat den Rückweg an.
„Ihn geht es bestimmt gut", murmelte er zittrig.
Noch nie hatte er gezittert.
Ende Kapitel III:
Dieses Kind ist ein Monster
So, das war Kapitel 3. Die Autorin würde sich über Feedback freuen.
