Lang lang ist's her... über ein Jahr. Es tut mir so leid... Ich habe es voll vergessen... Aber hier ist das 4. Kapitel. Wir hoffen es gefällt euch.


Kapitel IV:

Dieses Kind miaut

Claude öffnete die Vorhänge des Fensters und weckte so den Ciel-Kater. Er stellte sich vor das Bett und musterte das Tier, was sich streckte und ihn anfunkelte.

Ciel fühlte sich alles andere als sicher, ihn überkam ein Schauder, als er Claudes purpurne Augen sah. Er fauchte und buckelte. Doch der Butler schüttelte nur den Kopf und wandte sich wieder seinem Schützling zu.

„Herr, es wird Zeit aufzustehen", flüsterte er, worauf Alois einen nörgelnden Ton ausstieß.

Er öffnete die Augen und weitete sie kurz. Vielleicht hatte er auch kurz Angst vor den lodernden Augen seines Butlers. Vielleicht hatte er sich auch nur erschreckt. Ciel war dies egal, doch ging er wie automatisch näher an sein Herrchen.

Alois strich über das Kätzchen und fing an zu lächeln, danach setzte er sich auf und streckte sich.

„Claude, ich möchte baden", stellte Alois fest, worauf sein Butler sich leicht verbeugte und aus dem Raum ging. Ohne zu nicken oder sich gar zu äußern. Ciel fand dieses Benehmen komisch. Sebastian hätte an seiner Stelle genickt oder gelächelt. Aber schließlich war Claude nicht Sebastian.

„Miss Flausch, du bleibst erst einmal hier und wartest auf mich, okay?", fragte Alois Ciel, worauf er nur ein leises Miauen von sich gab. Es war schließlich egal was er sagte: Alois würde es als Bestätigung seiner Aussage oder Frage, wenn nicht gar Ausruf, nehmen.

Ciel streckte sich, gähnte und sprang aus dem Bett. Er drehte sich um und sah, dass der blonde Junge ebenfalls aufstand und aus dem Zimmer ging, da sein Butler in holte.

Nur bei dem Gedanken an Wasser schauderte Ciel.


Claude richtete seine Brille und half Alois die Kleidung abzulegen. Dieser kicherte und lächelte seinen Butler an, doch er reagierte wie gewohnt kalt.

Als Alois ins warme Rosenwasser stieg, seufzte er und sah zu, wie sein Butler den Naturschwamm aus Griechenland in das Wasser tauchte, ihn ein wenig ausdrückte und wie er damit erst Alois Arm, den Rücken, den anderen Arm, den Brustkorb und die Beine wusch.

„Wollen Sie die Katze wirklich behalten?", fragte Claude nach einer Zeit des Schweigens. Alois schaute ihn aus den Augenwinkeln heraus an und runzelte die Stirn.

„Was spricht dagegen, Claude?", fragte er missbilligend und entriss ihm den Schwamm.

Doch Claude gab ihm keine Antwort darauf, stand nur da und starrte in die Leere.

„Claude. Claude? Claude!", meckerte das Kind und schlug auf das Wasser. „Warum fragst du das?" Wieder keine Antwort.

Alois stand auf und wurde sofort von einem roten Bademantel bedeckt. Er strich mit seinen Fingern über den seidenen Stoff und lächelte auf einmal. Danach merkte er die beiden Hände seines Butlers auf seinen Schultern. Er drehte sich zu ihm um und merkte, dass das Gesicht von Claude nahe seinem war.

Die linke Hand seines Butlers strich kurz über die Brust von Alois, danach legte er sie auf den Mund des blonden Jungens.

„Ich möchte Sie nur beschützen", flüsterte er Alois ins Ohr, worauf der sich dem Griff entzog und Claude nur mit geweiteten Augen ansah.

„Was hat das mit Miss Flausch zu tun?", fragte er und schüttelte den Kopf.

Doch wieder bekam Alois keine Antwort.


Die Tür tat sich wieder auf und Alois kam traurig und beinahe niedergeschlagen in das Zimmer. Er war nur mit einem roten Bademantel bekleidet, den er fest um sich geschlungen hatte.

Ciel stand auf und entfernte sich von dem Fenster.

Dich traurig zu sehen ist mal etwas Neues, du verwöhnter Bastard", meinte Ciel hämisch und freute sich seinen Feind so zu sehen.

Alois sah zu dem Kater und verzerrte das Gesicht. „Claude kann dich nicht leiden."

Wirklich? Eigentlich will er mich statt dich. Der sollte sich mal entscheiden, was er will."

„Wenigstens verstehst du mich", seufzte Alois. Ciel sprang wieder auf das Bett und setzte sich neben den Alois. Dieser strich über das schwarze Fell.

Du mich leider nicht", sagte Ciel und gähnte.

Claude kam in den Raum und sah als erstes auf das Kätzchen. Ciel legte die Ohren an und schlich hinter Alois.

Alois, fass", fauchte Ciel und amüsierte sich mit der Vorstellung wie Alois seinen Butler angriff und ihn wie ein Hund zerfleischte.

Claude beachtete das Verhalten der Katze nicht weiter und kniete sich vor Alois.

„Soll ich Ihnen helfen Euch anzukleiden?", fragte Claude sanft, eine Gefühlsregung die man sehr selten hörte.

„Nein", meinte Alois nachtragend. „Bring mir etwas zu Essen."

„Auch für Euer Kätzchen?"

„Natürlich!", knurrte Alois und verschränkte die Arme.

„Ich schicke Hannah hoch, wenn es Euch nichts ausmacht."

„Verschwinde endlich, Claude!", weinte Alois und wich dem monotonen Blick aus.

Irgendwie tat Ciel der gleichaltrige Jungen doch leid. Warum weinte er? Nur, weil Claude ihn, den Kater, nicht mochte?

Für Ciel ergab das alles keinen Sinn. Doch schlich er zu ihm und sah ihm in die mit Tränen getränkten blauen Augen. Alois fing kurz an zu lächeln, danach hob er den Ciel-Kater zu sich und drückte ihn an seine nackte Brust.

Sofort kam Hannah in den Raum und verbeugte sich tief.

„Geh raus, du niedere Konkubine!", schrie Alois das Hausmädchen an. Doch diese starrte nur den Kater an und verließ danach den Raum. „Ich will keinen sehen", fügte Alois noch schluchzend hinzu, doch dies hörte nur noch Ciel.


„Ich mache mir Sorgen", meinte Hannah lautlos.

„Ich werde versuchen ihm den Kater zu entreißen", flüsterte Claude.

„Er wird daran zerbrechen", dachte Hannah lautlos nach.

Claude sah sie nur mit seinen rotbraunen Augen an und richtete seine Brille. Ein kalter Schauder glitt über den Rücken des Hausmädchens.

„Zeig keine Reue gegenüber Menschenkindern", riet Claude kalt, dennoch ohne seine Stimme zu benutzen.

Es war ein lautloses Gespräch – keiner sollte sie hören.

„Gewiss", meinte sie und verhärtete ihren monotonen Blick.


„Mau-Mau!", rief Finny und strahlte über das ganze Gesicht. Bard und Maylene schnauften.

„Schon wieder verloren", grummelte Bard und schnaufte. „Du schummelst."

„Gar nicht wahr!", entgegnete Finny nörgelig.

„Doch!"

„Nein."

„Doch!"

„Nein."

„Doch!"

„Ist Sebastian schon zurück?", fragte Maylene geistesabwesend.

„Doch!"

„Nein."

„Doch!"

„Nein."

„Doch!"

Maylene schnaufte und nahm kurz die Brille ab. „Hört mir gefälligst zu, wenn ich mit euch rede!", schrie sie die beiden Männer zusammen, die sofort verstummten.

„Ho, ho, ho", machte Tanaka, der plötzlich auf dem Tisch saß und seinen Tee trank. „Sebastian ist ebenfalls außer Haus."

„Wirklich?", fragten die drei überrascht.

„Ich soll euch diesen Zettel geben, mit Aufgaben die ihr zu erledigen habt."

Bard entriss dem kleinen Mann den Zettel und wurde auf Anhieb blasser als zuvor.

„Wäsche waschen, die Treppe fegen, bügeln, Rasenmähen, Staub putzen, fegen …", las er vor und schnaufte. „Ihr habt zwei Tage Zeit. Gezeichnet: Sebastian."

„Zwei Tage?", fragte Maylene überrascht. „Vielleicht hat der junge Earl wirklich einen Auftrag."

„Vielleicht", fing Finny an, „ist er auch entführt wurden."

„Nee", verneinten Maylene und Bard. „Das würde Sebastian nie zulassen."


Alois schlief wieder ein und Ciel blieb bei ihm. Er kuschelte sich an den Brustkörper, spürte den Herzschlag und tröstete ihn mit seiner Anwesenheit. Auch wenn Alois ein komischer Psychopath war, hatte Ciel ihm viel zu verdanken seit er ein Kater geworden war. Er hatte ihm ein Zuhause, Essen und ein warmes Bett gegeben. Doch hatte er auch viele Gründe ihn zu töten und zwar ohne mit der Wimper zu zucken.

Doch war er ohne seinen Butler zu schwach, um seine Rache zu bekommen. Rache aus purem Hass. Er hatte dennoch, wenigstens momentan, eine Art Verpflichtung an den gleichaltrigen Jungen.

Alois legte seinen Arm um ihn und roch am Fell. Er seufzte. Ciel wiederum streckte sich und setzte sich auf, sah seinem Todfeind ins Gesicht. Alois öffnete die Augen und sah in die blauen der Katze.

„Bin ich etwa eingeschlafen?", fragte er sich und gähnte. Er sah an sich hinunter und schlang den Bademantel fester um sich. Danach kicherte er.

Ciel hielt den Kopf schief und sah danach zur Tür. Er war beunruhigt, doch wusste er noch nicht warum bis Claude in den Raum trat. Er hatte neue, frische Kleidung für Alois und ein lilafarbendes Band in der Hand.

„Claude", sprach Alois seinen Namen aus und sah ihn an. Er wiederum legte das Mitgebrachte neben Alois, beugte sich zu dem Jungen, zog ihm den Bademantel aus und zog ihn an. Ob er überhaupt merkte wie durcheinander er Alois machte? Wie viel Begehren er gerade spürte? Doch irgendwie machten Ciel diese Fragen Angst. Warum wusste er nur so genau wie sich sein Feind fühlte? Schließlich war er nichts weiter als ein Fremder, kein Verbündeter und auch kein Bruder.

Alois fing an zu zittern als der Butler sein Hemd zuknöpfte, doch machte er es selber schnell wieder auf. Seine Haut sah langsam aus wie von einer gerupften Gans. Ob es wegen der Kälte oder wegen den Berührungen seines Gegenübers war wusste Ciel nicht; es war ihm auch eigentlich egal. Alois lächelte und lehnte sich ein wenig nach hinten, worauf sein Butler die Brille richtete und ihn nur monoton ansah.

Quäle ihn doch nicht noch mehr, sondern verzieh dich, Claude", fauchte Ciel und hielt danach inne. Warum sagte er dies? Hatte er etwa Sympathie für Alois? Ciel schüttelte sich und trat danach auf den Schoss von Alois, der ihn wiederum verwirrt anstarrte. Claude hob eine seiner Augenbraue leicht – beinahe kaum erkennbar aber er tat es. Ciel sah in die rotbraunen Augen des Butlers und bewegte langsam drohend seinen Schwanz. Er sah ihn genau an. Buckelte nicht. Fauchte nicht. Sah ihn nur an. Claude räusperte sich und stand langsam auf ohne den Blick von der kleinen schwarzen Katze abzuwenden.

„Miss Flausch?", fragte Alois, rührte sich jedoch nicht.

„Ich werde das Mittagessen vorbereiten", meinte Claude und ging ohne eine Verbeugung aus dem Zimmer.

Ciel sah kurz zu Alois, danach legte er sich auf seine Knie und starrte die Tür an.

So ein Benehmen dulde ich nicht. Alois, damit sind meine Schulden beglichen", meinte Ciel, doch merkte er schnell, dass seine Worte wenig Gewicht hatten. Es war beinahe eine dumme, vorlaute Lüge gewesen.

„Hat Claude etwa Angst vor dir, Miss Flausch?", fragte sich Alois und strich über Ciels weiches Fell. „Warum sollte er Angst vor einer kleinen Katze haben?"

Wenn du das wüsstest, Alois, würdest du mich aus deinem Haus werfen oder mich fesseln und verbrennen wie eine elende Hexe", sagte Ciel und fing an zu schnurren.

„Er ist wirklich sehr komisch seit du hier eingezogen bist", stellte Alois fest und kraulte Ciel am Kopf. „Meinst du das wird sich mit der Zeit legen?"

Natürlich. Vor allem, wenn ich wieder gehe. Meinst du wirklich ich bleibe hier ewig?"

„Danke", flüsterte er und nahm die Ciel-Katze hoch, drückte ihn an sich und seufzte.

Warum dankst du mir?", fragte Ciel, doch hörte er jäh auf mit dieser Konversation. Hatte es eh keinen Zweck sich mit ihm zu unterhalten. Er verstand nur Katzenlaute – wie jeder andere auch. Wie Sebastian, wie Hannah, wie Claude. Es war deprimierend.

Doch durchzog ein triumphierendes Gefühl den Katzenkörper von Ciel. Schließlich hatte er in diesem Moment, wo Claude flüchtete, Macht. Er konnte auch in dieser Gestalt etwas, egal wie klein es war, ausrichten. Und dieses Gefühl stimmte ihn fröhlich.


„Mau-mau!", schrie Finny erneut und lächelte triumphierend.

Maylene seufzte und legte ihre Karten beiseite. „Sollten wir nicht endlich mit der Arbeit anfangen?"

„Warum?", fragten beide Männer verwirrt. „Wir haben zwei Tage Zeit! Zwei Tage! Da können wir auch später anfangen."

„Ihr habt sicherlich recht", murmelte das Hausmädchen und gähnte.


Wo sollte er nur anfangen mit der Suche nach Ciel? Er war bereits bei dem Undertaker gewesen, doch dieser erwies sich als nicht hilfreich. Er sagte nur: „Ist dein Vögelchen etwa ausgeflogen, edler Teufel?" Danach kicherte er und wandte sich wieder zu seinen Gästen.

„Du musst gucken wo er ist, sonst stellt er noch irgendetwas an."

Dass Sebastian aus diesem Grund hier war, war diesem abtrünnigen Shinigami zwar bekannt und Sebastian schwor darauf, dass er auch etwas wusste, doch schwieg der Undertaker. Warum, wusste er nicht und als er nachfragte kam nur die fahle Antwort: „Lass ihm seinen Spaß, vielleicht lernt der Junge etwas."

Also war dieser Besuch nur verschwendete Zeit.

Lau besuchte er als nächstes. Doch auch dieser war nicht hilfreich gewesen.

„Ciel ist also fort?", fragte er nach einer Weile. „Er wird schon wiederkommen."

Nun stand Sebastian auf den Straßen Londons und wusste nicht mehr weiter. Vielleicht hatte Lau wirklich recht und er machte sich grundlos Sorgen. Doch irgendwie hatte er das schlechte Gefühl, dass Ciel in der Klemme steckte.


„Ich bin mir sicher, dass der Kater er ist", meinte Claude lautlos. Hannah nickte zaghaft. „Wir müssen ihn loswerden."

„Wie?", fragte sie ohne ihre Lippen zu bewegen.

„Überlass' das mir", lächelte Claude und leckte sich über die Finger.

Ende Kapitel IV:

Dieses Kind miaut