Kleine Verletzungen oder Gefühlschaos

Cathy blieben nur wenige Sekunden um zu reagieren, mit einer Bewegung die jeden der Muggelzuschauer an eine Filmreihe namens Matrix erinnert hätte, entging sie dem Fluch um Haaresbreite, doch sie stolperte und fiel zu Boden. Es machte ein unschönes Geräusch, als ihr Knöchel zur Seite wegkippte und Cathy konnte nur knapp einen Aufschrei unterdrücken, als sie wieder aufsah, blickte sie direkt auf Malfoys Zauberstab, der auf ihre Kehle gerichtet war.

Ein hämisches Grinsen zeigte sich auf seinem Gesicht, frei nach dem Motto „Ich bin halt doch nicht zu schlagen!"

Dann drehte er sich um und verließ den Kampfplatz, während Cathy sich bemühte aufzustehen, ohne wieder hinzufallen. Ihr Knöchel schmerzte furchtbar und er stand in einem unnatürlich Winkel zur Seite, sie mochte gar nicht hinsehen, allein das tat ja schon weh.

Sirius hatte unwillkürlich den Atem angehalten, als der Fluch auf sie zugeflogen kam und bei dem darauf gefolgten Geräusch ihres Knöchels war es ihm kalt den Rücken hinuntergelaufen. Jetzt lief er zusammen mit James zu ihr hin, um ihr aufzuhelfen. ,,Was machst du auch für Sachen, Kleines?"

Sie grinste schwach. ,,Können wir bitte über etwas anderes sprechen, denn noch braucht ihr mich nicht abzuschreiben, ich hatte ihn doch fast."

James lachte. ,,Um ehrlich zu sein, ich hätte nicht gedacht, dass du so lange durchhältst, Respekt, Respekt!" Sirius schlang einen Arm um ihre Taille und stützte sie, was sie dankend annahm.

Ihr Fuß schmerzte wirklich höllisch. ,,Bringt ihr mich in den Krankenflügel, Jungs?"

,,Neeeeee, wir setzen dich auf die nächste Bank und gehen dann." Scherzte Sirius. ,,Natürlich bringen wir dich hin, was denkst du von uns…" Sie blieb stehen, sah ihn an und hob die Augenbrauen. ,,Darauf willst du nicht wirklich eine Antwort, oder?"

,,Nein, wollen wir nicht!" warf James ein und unterbrach sie. ,,Sorry, Cat, aber ich muss noch mal los, Sirius, bringst du sie da hoch?" Der Angesprochene nickte, dann drehte er sich wieder zu Cathy um.

,,Also, geht es so, oder soll ich dich tragen?" Sie lachte leise, und humpelte ohne eine Antwort einen Schritt weiter. Dann wandte sie sich zu ihm. ,,Kommst du jetzt oder was? Ohne dich komme ich nämlich nicht sehr weit."

,,Oh, sie ist abhängig von mir, das find' ich gut!" flachste er, wofür er auch prompt einen Box auf den Arm kassierte. ,,Hör auf Witze zu reißen und hilf mir lieber." Der Aufforderung kam er dann doch lieber nach.

Der Weg zum Krankenflügel dauerte mit einem gebrochenen Knöchel länger, als normal, doch die beiden redeten nicht viel. Jetzt wo Cathy Zeit hatte nachzudenken, war sie dennoch abgelenkt. Sirius Arm um ihre Taille fühlte sich dort irgendwie richtig an und jagte ihr einen Schauer nach dem nächsten den Rücken hinunter. Verdammt, wo kamen diese Gefühle so plötzlich her, von einem Tag auf den anderen?

Das war doch nicht normal und Cathy wollte dem Gedanken auf keinen Fall nachgeben, dass Sirius Black für sie mehr, als bloß der beste Freund ihres Bruders sein könnte. Auf gar keinen Fall!

Sirius auf der anderen Seite verfluchte James in Gedanken dafür, dass er ihn allein mit ihr gelassen hatte, wie sollte er sich denn jetzt von ihr ablenken? Die Tatsache, dass er ihr im Moment näher war, als jemals zuvor trug ebenfalls nicht dazu bei, dass er sich beruhigte.

Seit wann hat die Kleine so eine verdammte Wirkung auf mich? Sirius sah auf sie hinunter und widerstand nur schwer der Versuchung die Hand zu heben und ihr diese nervige Strähne aus dem Gesicht zu streichen.

Endlich kamen sie im Korridor der Krankenstation an und beide seufzten innerlich erleichtert auf.

Cathy ließ sich von Sirius bis zum Bett bringen, hievte sich hinauf und wartete auf Madam Pomphrey.

,,Ich verzieh mich besser…" meinte Sirius mit einem nervösen Blick in Richtung der Krankenschwester. ,,Sie mag mich nicht sonderlich, weißt du? Könnte natürlich daran liegen, dass ich ihr immer weglaufe, wenn sie mich hier behalten will, oder auch, dass ich dabei einmal ein paar Betten in Flammen habe aufgehen lassen… Ich weiß es nicht!" Er zwinkerte ihr zu und trat eiligst den Rückzug an, als Schritte hörbar wurden.

Cathy lächelte in sich hinein und wandte ihre Aufmerksamkeit dann auf Madam Pomphrey und ihren Fuß.

Lily hatte unterdessen Peter zum Heulen gebracht und ihn somit aus dem Rennen geworfen. Unfähig auch nur den Zauberstab gegen sie zu erheben war er schließlich weinend vom Feld gerannt. Lily störte sich nicht weiter daran, ging zum Professor und meldete ihren Sieg, dann machte sie sich auf den Weg zurück in den Gryffindorturm. Auf dem Weg traf sie auf Remus.

,,Darf ich dich begleiten?" Lily lächelte. Höflich wie immer der Junge ,,Klar darfst du!"

Er erwiderte ihr Lächeln und meinte dann beiläufig: „Peter weint immer noch, er ist der Meinung, dass du mit unfairen Mitteln gekämpft hättest…" Lily schnappte nach Luft, doch Remus kam ihr zuvor.

„Das glaube ich natürlich nicht, aus Peter wird nie ein großer Duellant, aber wie hast du es angestellt, ihn so einzuschüchtern, dass er es noch nicht mal wagt, dich überhaupt erst einmal anzugreifen?"

Sein Gegenüber starrte ihn an.

„Wenn ich das wüsste… Frag mich was Leichteres, ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Wirke ich denn so furchterregend?" Das Ende des Satzes kam so zaghaft, dass Remus unwillkürlich grinsen musste. Unsicherheit passte so gar nicht zu Lily Evans.

„Nein," beruhigte er sie schnell, „Obwohl, wenn du auf James lossgehst, ich meine Peter weiß sehr wohl, wozu du fähig bist und dann machst du wirklich nicht nur ihm Angst."

Dazu konnte Lily nichts sagen, sie schwieg und betrat den Gemeinschaftsraum. Remus folgte ihr.

„Auf Potter reagiere ich einfach allergisch, frag mich nicht wieso, das ist Tatsache. Ich kann einfach nicht anders." Erklärte sie schließlich und sah ihn ernsthaft an.

Ihre grünen Augen spiegelten ihre abgrundtiefe Ehrlichkeit wieder, diese grünen Augen, die oft so funkelten, ob nun vor Zorn oder vor Schalk.

Remus wollte gerade etwas sagen, als Sirius durch das Portraitloch stieg und er den Mund wieder schloss. ,,Hi, Pad!" Lily schwieg und sah ihn geringschätzig an.

„Sag mal, Black hast du Cathy gesehen, ich hab sie gesucht, aber ihr Kampf war wohl schon zu Ende…?" fragte sie dann. Sirius richtete seine Aufmerksamkeit auf sie, zuckte mit den Achseln und meinte: „Die wird schon gleich kommen, hat sich mit Malfoy etwas übernommen, ich hab sie in den Krankenflügel gebracht."

Lily bedankte sich nicht, sondern verließ die beiden Jungen und machte sich auf dem Weg in ihren Schlafsaal, Cathy würde dann gleich schon auftauchen.

Es konnte schließlich nicht so schlimm sein, sonst wäre Sirius bei ihr geblieben, das wusste Lily sicher.

Cathy kam mit den Rumtreibern um einiges besser aus, als sie selbst und Lily wusste ebenfalls, dass James seine kleine Schwester auf keinen Fall gleichgültig war und auch für Sirius war sie fast wie eine Schwester, auch wenn Sirius das in letzter Zeit vielleicht etwas anders sah, aber das wiederum wusste Lily nicht.

James war in der Zwischenzeit durch den Geheimgang in den Honigtopf gerannt und hatte jede Menge Süßigkeiten und auch Butterbier besorgt.

So langsam wurde es mal wieder Zeit etwas zu feiern, fand er auch wenn er nicht so wirklich eine Ahnung hatte, was sie denn feiern sollten, aber da würde sich schon was finden.

Mit einer dicken Tüte im Gepäck kletterte er durch das Portraitloch und wurde von Sirius mit einem lauten Lachen in Empfang genommen. „Ach so, das musstest du also erledigen…, haben wir was zu feiern?"

James schüttelte den Kopf und grinste ebenfalls. „Ich hatte nur gerade irgendwie einen solchen Heißhunger auf Säuredrops, da musste ich einfach los. Wie geht's der Kleinen?"

Sirius wurde ernst. „Sie hat Glück gehabt und ich denke ihr Fuß wird wieder wie neu, aber es hätte auch anders ausgehen, ich meine das war Malfoy und wir alle wissen, wie er drauf sein kann. Er hätte sie auseinander nehmen können, wenn er gerade so drauf gewesen wäre…"

James setzte sich neben ihn, verzog aber keine Miene. „Natürlich hätte er das gekonnt, aber unterschätz mein kleines Schwesterchen mal nicht, du vergisst, sie ist aus demselben Holz gemacht wie ich. Sie weiß, wie sie sich verteidigen kann." Dann grinste er. „Und sie hätte Malfoy echt fast soweit gehabt…"

Sirius verlor seine Ernsthaftigkeit und lachte, James stimmte mit ein.

,,Komm lass uns in den Schlafsaal gehen, sonst verkommen die ganzen schönen Sachen hier noch."

Lily lag auf ihrem Bett und schrieb in ihr Tagebuch. Sie hatte ein wenig allein sein wollen, um nachzudenken. Und das Objekt ihres Gedankengangs: James Potter natürlich!
Sie musste zugeben, dass er ein angenehmer Zeitgenosse sein konnte und sie selbst hatte sich ihm gegenüber auch niemals wie ein Engel benommen.

Remus Worte hatten ihr zu denken gegeben. „Wenn du auf James losgehst, machst du nicht nur Peter Angst." So oder so ähnlich waren seine Worte gewesen.

Bin ich denn wirklich so Furcht einflößend?

Lily wusste, dass sie oft überreagierte, wenn James ihr Blickfeld kreuzte, aber irgendetwas an ihm machte sie jedes Mal so furchtbar wütend.

Sie hatte keine Ahnung, was es war. Vielleicht sein verdammt gutes Aussehen, seine Coolness oder seine Art zu reden… oder seine warmen, haselnussbraunen Augen, die auch so verletzt aussehen konnten.

Sie atmete tief durch. Sie musste mit jemandem reden, bloß mit wem? Cathy kam auf keinen Fall in Frage, Remus ebenso wenig, sie alle hatten zu viel mit James zu tun. Lily seufzte, und anderen Leuten vertraute sie einfach nicht genug.

Die Tür flog auf und knallte laut gegen die Wand, als Cathy hineinstürmte. Sie schmiss sich neben Lily auf das Bett.

„Aufstehen, Lily! Unten im Gemeinschaftsraum läuft ne Party, keiner weiß wieso, aber Spaß macht es trotzdem." Ihre Augen funkelten vor Freude.

„Es gibt jede Menge Süßigkeiten und Butterbier, komm schon, das wird Spaß machen." Ihre Freundin setzte sich auf. Eine Party? Vielleicht sollte ich mich ablenken!

Sie stand auf. „Klar komme ich. Wir hatten lange keine Party mehr, da tut's auch eine ohne Grund."

Beide lachten und Cathy packte sie bei der Hand und zog sie mit sich. „James und Sirius saufen um die Wette, irgendwer hat Feuerwhiskey mitgebracht. Das müssen wir uns angucken."

Natürlich, ein Saufwettbewerb, wie hätte es auch anders sein können.

Sirius stellte das letzte Glas hin. Ein wenig angeheitert, doch keinesfalls betrunken schnappte er sich das nächststehende Butterbier. „Kommt, Freunde, greift zu, es ist genug für alle da." Rief er lauthals und alle folgten der Aufforderung gerne.

Cathy kämpfte sich einen Weg durch die Menge von Schülern bis zu ihm. „Wer hat gewonnen?" wollte sie dann wissen.

Sirius setzte einen beleidigten Gesichtsausdruck auf. „Du weißt doch, liebe Cathy. Wenn es einen König der Saufspiele gibt, dann steht er vor dir und wage es nicht jemals daran zu zweifeln."

Cathy salutierte scherzhaft. „Aye, Sir!"

Die beiden setzten sich auf die Couch, da fiel Cathy noch etwas Dringendes ein. Sie lehnte sich zu ihm, um nicht so schreien zu müssen. „Komm mal bitte kurz mit raus, ja?"

Sirius zuckte mit den Schultern und erhob sich. Am Portrait ließ er sie gentlemenlike vor und draußen verzogen sie sich in den nächsten Klassenraum.

„Du wolltest doch mit James sprechen, wegen unserer Aktion mit der neuen Sitzordnung."

Kam Cathy ohne viel Gerede gleich zum Punkt.

„Hast du?"

Sirius wiegte den Kopf und sah sie schweigend an, bis er endlich den Mund öffnete. „So mehr oder weniger. Er sagt, er freut sich über unsere Mühen, aber er weiß nicht wie er es schaffen soll, sich in Lilys Nähe besser zu benehmen und ich finde wir sollten doch auf meine Besenschrankidee zurückgreifen."

Cathy schüttelte vehement den Kopf. „Vergiss es! Das hab ich dir oft genug gesagt!"

„Also müssen wir uns was anderes einfallen lassen." Zog der Schwarzhaarige den richtigen Schluss und fuhr sich mit der Hand durch seine Haare.

„Ich finde trotzdem wir müssen sie zu ihrem Glück zwingen. Ich glaube nämlich nicht, dass James das noch lange durchhält, irgendwann wird es ihm zu viel sein und vielleicht ist es dann zu spät."

Das waren ungewöhnlich viele und ungewöhnlich ernste und tief greifende Worte für Sirius und Cathy musterte ihn.

Seit sie ihn näher kennen gelernt hatte, sah sie ihn mit ganz anderen Augen. Unter der Schale aus Witz und Schalk verbarg sich ein durchaus intelligenter, aber auch ernster junger Mann, dem seine Freunde und ihr Glück sehr wichtig waren und der es verstand sich in andere Menschen einzufühlen.

Sie lächelte sanft.

„Ja, du hast Recht."

„Wie geht's eigentlich deinem Fuß?" wechselte er dann abrupt das Thema, als sei ihm peinlich was er gerade gesagt hatte. Sie setzte sich neben ihn auf den Tisch.

„Dem geht's gut! Und ich schwöre dir, nächstes Mal mach ich diesen Malfoy fertig, dass er sich wünscht er wäre nie geboren worden." Sie boxte in die Luft, doch Sirius drehte sich zu ihr hin.

„Leg es bitte nicht auf eine Konfrontation mit ihn an, okay? Ich kenne Malfoy besser, als mir lieb ist und glaub mir, mit dem ist nicht zu spaßen und ich will nicht, dass dir etwas passiert…"

Im selben Moment wünschte sich Sirius, seine Worte wieder zurückzunehmen, doch seine Augen hingen in Cathys. Ihr Gesicht hatte einen zärtlichen Ausdruck angenommen.

Es rührte sie, dass er sich Sorgen um sie machte und sie legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Mir passiert schon nichts, und selbst wenn, ich weiß ja das du auf mich aufpasst." Sie lächelte leicht und er erwiderte es.

Er konnte sich einfach nicht von ihren Augen losreißen. Ihre Lippen übten auf einmal eine solche Anziehungskraft auf ihn aus, dass er sich kaum beherrschen konnte. Ihre Gesichter waren doch nur ein paar Zentimeter voneinander entfernt.

Wäre es denn so ein Verbrechen sie jetzt einfach zu küssen? Er wusste doch, dass sie es auch wollte, er sah es ganz genau in ihren Augen.

Cathy starrte in seine Augen, die sich verdunkeltet hatten, sodass sie jetzt fast schwarz waren. Langsam bewegte sie ihren Kopf auf seinen zu…