1 - Schwere Kost
Capsule Corporation, Freitag morgen. Auf dem Herd brutzelten diverse leckere Happen, Eier, Schinken, Würstchen. Alles in allem sah es angesichts der Menge sehr danach aus, als wolle jemand eine Grillparty veranstalten. Tatsächlich handelte es sich um ein leichtes Frühstück für zwei Sayajin und drei Menschen. Nun ja, dreieinhalbe, wenn man das Kind mitzählte, mit dem Bulma schwanger war. Sie hatte in den letzten Wochen ein leichtes Bäuchlein angesetzt. Auch wenn er ihr immer wieder, wenn sie nach ihrem Aussehen fragte, antwortete, dass sie fett geworden sei, zeigte sich auf Vegetas Gesicht für den geübten Beobachter beim Anblick seiner Frau der pure Vaterstolz. Jetzt, als Bulma die Treppe von ihrem Zimmer herunter in die Küche stieg, bot er eben dieses Bild. Seine Frau hingegen schien besorgt.
„Was ziehst du für ein dummes Gesicht, Frau?" Übersetzung: Was hast du auf dem Herzen, Liebling?
„Chichi hat gerade angerufen. Sie lässt Goku entschuldigen. Er könne heute nicht trainieren."
Vegeta schnaufte missbilligend. „Hat der Idiot seit neuestem Angst, zu verlieren?"
„Das wäre nicht seine Art, und das weißt du auch." Bulma runzelte nachdenklich die Stirn. „Chichi sagte, er sei krank."
"Was?!" Vegeta war mit einem Ruck vom Esstisch aufgesprungen und hatte sich direkt vor Bulma aufgebaut. "Wiederhol das!"
"Chichi hat mir gesagt, Son Goku sei krank." Sie seufzte. "Ich weiß, dass das unglaublich klingt. Ich meine, ich kenne ihn seit er ein Kind war, und abgesehen von diesem schrecklichen Virus damals und Kampfverletzungen war er noch nie krank. Nicht einmal erkältet!" Vegeta wollte gerade zu einer bösen Antwort ansetzen, als Bulma einfach fortfuhr. "Andererseits würde mich Chichi nicht anlügen. Irgend etwas stimmt also wirklich nicht, und Goku hat seine Gründe, heute nicht zu kämpfen. Ich weiß ja nicht, wie du darüber denkst, aber ich werde... Vegeta?" Bulma schüttelte nur mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf, als sie das Fenster hinter ihrem eilig ausgeflogenen Mann schloss.
Auf seinem Weg zum Son Haus fluchte Vegeta, in allen möglichen Sprachen und Tonlagen. Interessanterweise hatte er es geschafft, sich in den letzten drei Minuten nicht ein einziges Mal zu wiederholen.
„Dieser Idiot, der will sich nur drücken! Fressen statt kämpfen! Kein Wunder, dass er keine Ausdauer hat! Krank, pah! So ein Scheiß!"
Er landete, und just in dem Moment, in dem seine Füße den Boden berührten, hatte er das seltsame Gefühl, dass allen Ernstes etwas nicht so ablief, wie es sollte. Er versuchte, sich davon nicht weiter irritieren zu lassen.
„Kakarott!", brüllte er lauthals. Um Dinge wie das Anklopfen an der Haustüre machte er sich keine Gedanken. Er war noch viel zu wütend wegen der schlechten Ausrede, die der größere Sayajin ihm geliefert hatte. „Kakarott!", brüllte er noch einmal, diesmal lauter, und das Küchenfenster des kleinen, rundlichen Hauses erzitterte. Diesmal öffnete sich die Tür. Es war nicht Goku.
„Brüll hier gefälligst nicht so herum, du weckst noch Son Goten!!", kreischte es noch um einiges lauter aus dem Haus, als er selbst geschrieen hatte. Das Fenster machte diesmal den Eindruck, als wollte es gleich zerspringen. Bei allem, was man vielleicht über Chichi sagen konnte, das musste man ihr auf jeden Fall lassen: Ihr Stimmumfang brachte einige der stärksten Männer der Galaxie zum Schweigen.
„Was willst du hier überhaupt? Habe ich mich am Telefon nicht deutlich genug ausgedrückt? Hat Bulma nichts gesagt?" Chichi stiefelte vom Türrahmen weg und auf Vegeta zu, die linke, mit einer beachtlichen Bratpfanne bewaffnete Hand bedrohlich in die Hüften gestemmt, die rechte wild gestikulierend nach vorne ausgestreckt. „Eure albernen Schlägerein könnt ihr heute vergessen", zeterte sie, und tippte Vegeta dabei immer wieder anschuldigend mit dem Zeigefinger auf die breite Brust, „Mein Mann ist nämlich krank. K-R-A-N-K. Geht das Wort in deinen Kopf hinein? Und wenn du mir jetzt erzählst, dass... Heeeey!" Nach anfänglichem, peinlich berührten Zurückweichen ob der für eine so kleine Frau erstaunlich forschen Attacke hatte Vegeta seine Angreiferin schlicht und ergreifend beiseite geschoben und betrat nun das Haus. Dieses Gezeter war nun wirklich nicht auszuhalten.
„Kakarott! Komm endlich heraus und stell dich, Feigling!"
Keine Antwort. Nur ein Schnarchen von dort, wo er das Kinderzimmer vermutete, und ein würgendes Geräusch aus dem Bad. Kakarott?
Die Antwort ließ nicht sonderlich lange auf sich warten, denn kurz darauf öffnete sich die Badezimmertür. Es handelte sich tatsächlich um Goku. Etwas blass um die Lippen, und obwohl es für seine Verhältnisse schon relativ spät war noch in einem von Chichis selbstgenähten Schlafanzügen, ja. Aber es war Son Goku. Oder? Vegeta verzog die Augenbrauen zu einem seiner gewohnten, finsteren Blicke. Die Arme vor der Brust verschränkend betrachtete er den größeren Mann vor sich. Gespielt war das nicht, eindeutig, ein leichter Geruch von Krankheit ging von ihm aus, beinahe übertüncht vom Gestank seines Erbrochenen. Angewidert rümpfte Vegeta die Nase. Das war ja ekelhaft. Aber ein verdorbener Magen, so unangenehm das auch angesichts des Nahrungsbedarfs eines Sayajin war, stellte für einen echten Krieger keine Ausrede dar, um einen Trainingskampf abzusagen.
„Oh, hallo Vegeta", fragte Goku, als er ihn sah. „Was machst du hier, Chichi hat mir erzählt, du würdest heute einen Ausflug mit der Familie machen?"
„Nein, mache ich ganz offensichtlich nicht", brummte Vegeta. Warum erzählte sein komisches menschliches Weib ihm so einen Unsinn?
Goku schaute einen Moment dumm aus der Wäsche, dann grinste er. „Dann hat sie sich wohl vertan, soll ja vorkommen. Hey, dann muss das Training ja doch nicht ausfallen! Ich ziehe mir nur eben etwas Vernünftiges über."
Chichi wollte gerade etwas einwenden, aber Vegeta schnitt ihr das Wort ab. „Iss vorher lieber noch eine Senzu, ich habe keine Lust gegen..." Anscheinend hatte er etwas Falsches gesagt, denn Goku war zurück ins Bad gestürmt und machte die Kloschüssel wieder Gesicht voran unsicher. Moment, Kakarott wurde bei dem Gedanken daran, etwas zu essen, übel?! Und das auch noch bei so etwas winzigem wie einer Bohne?! Das ging Vegeta beinahe über den Verstand. Er hörte Chichi hinter sich übertrieben seufzen.
„So geht das schon seit gestern. Inzwischen dürfte da doch nichts mehr sein, das er ausspucken könnte." Sie seufzte. „Die nächsten Wunderbohnen gibt es übrigens erst wieder in drei Monaten..."
Und das von einer Frau, die wusste, wie viel in einen Sayajinmagen passt. Vegeta schauderte bei dem Gedanken daran, dass alles, was da hineinging, auch auf dem selben Wege wieder herauskommen konnte. Und er erinnerte sich dunkel daran, wie unangenehm das war. Obwohl er das letzte Mal, als er sich den Magen verrenkt hatte, noch ein Kind gewesen war. Ganz offensichtlich hinderte es Kakarott am Kämpfen, und er hatte keinen Bedarf, ihn in – wenn auch nur leicht – geschwächtem Zustand zu schlagen. Ganz oder gar nicht. Ein solcher Sieg wäre zu bitter gewesen. Außerdem hätte der Kampf an sich keinen Spaß gemacht.
„Vielleicht noch eine Scheibe Brot dazu, Kakarott?", rief er mit kaum überhörbarem Spott ins Bad. Das laute Würgen, dass daraufhin zu hören war, nahm er mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis. „Sag mir, wenn du mit dem Kotzen fertig bist und kämpfen kannst!", fügte er hinzu, und machte sich dann ohne ein weiteres Wort an Chichi auf den Heimweg.
