8 – Tempus fugit

Der Weltraum wurde gerne unterschätzt. „Unendlich" war zwar ein Begriff, der in seiner Beschreibung mit guter Regelmäßigkeit verwendet wurde, doch bestand eine Tendenz dazu, damit die Menge der Planeten, Sonnen, Möglichkeiten innerhalb des Alls zu beschreiben. Das stimmte zwar, aber darüber wurde eines immer wieder vergessen: Der Weltraum bestand zu einem nicht unerheblichen Anteil aus Nichts.

Über lange Strecken hatte Vegeta abwechselnd trainiert und aus dem Fenster gesehen. Er hätte es genauso gut schwarz anmalen können – es hätte weder an der Aussicht noch an seiner zusehends schlechter werdenden Laune geändert. Was ihn davon abhielt, das Raumschiff einfach Raumschiff sein zu lassen, war allein, dass Kemlan das Vakuum nicht vertrug. Kam er ohne die Pflanze zurück, hätte er gleich auf der Erde bleiben können. Doch so ging alles viel zu langsam – und die Uhr blieb nicht stehen.

Allein eine Woche dauerte es, bis er den ersten Planeten erreichte, ein grünes Funkeln irgendwo in der Schwärze, nur hell, weil es sonst nichts zu sehen gab. Von hier aus lagen Vegetas Ziele zwar enger beieinander, doch das änderte nichts daran, dass die Distanzen erheblich blieben für ein Raumschiff dieser Bauart. Der Sayajin glich das durch schnelleres Suchen aus. Als die zweite Woche verging, begutachtete er bereits die zehnte Welt.

Eine karge Landschaft nach der anderen hatte er nun überflogen, Meter für Meter abgesucht. Gefunden hatte er nur Stille oder in Bergen heulender Wind. Sie waren alle so leer, wie sie damals von ihnen zurückgelassen worden waren.

Von den letzten fünf versprach er sich von dieser hier das Meiste. Die Hitze hatte das hohe Gras trocken werden lassen, doch einzelne Sträucher wuchsen noch. Hier und da hatte wohl ein Insekt überlebt – ein leises Summen lag in der Luft. Wieder begann er zu suchen, Stück um Stück. Es gab dazu keine Alternative, keine schlauen Geräte, nicht so kurzfristig. Die Sonne schob sich langsam über den Horizont, wieder zurück darunter. Tag und Nacht im Zeitraffer, als Vegeta um den Planeten raste, die Augen suchend auf den Boden geheftet.

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Ein Paar Augen funkelten zwischen den hohen Halmen hinauf zu dem, was sie zunächst für eine Sternschnuppe gehalten hatten. Der Mond leuchtete auf die Steppe, kühl und bedrohlich. Sein Licht brachte kein Glück, hatte nie welches gebracht. Seit die Affengötter hier gewesen waren, waren sie gezwungen gewesen, unter der Erde auszuharren. Sie hatten die Zeit genutzt, hatten nachgedacht, sich vorbereitet.

Die Sternschnuppe näherte sich dem Boden und gewann nun die Gestalt einer Person. Ein recht kurzes Exemplar eines dieser sonst so gestreckten Wesen. Dann war da noch die Rüstung, das Haar… In den Augen blitzte mit einem Mal Erkennen.

Seine Majestät wäre sicherlich hocherfreut, zu erfahren…

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Tag, Nacht, Tag. Zwei Wochen bis jetzt.

Jeder Tag auf dem Schiff war ein Tag Training und damit eine Chance, Kakarotts Vorsprung aufzuholen, einen eigenen auszubauen, endlich zu siegen. Der Gedanke allein reichte, um sein Blut heiß werden und seine Augen funkeln zu lassen.

Nacht, Tag, Nacht. Eine weitere Welt, auf der nichts zu sein schien. Zwei Wochen.

Jeder Tag, der verstrich, barg ein Risiko. Die Zeit, die er benötigt hatte, herzukommen, würde er noch einmal für den Rückweg benötigen. Je weiter er sich entfernte, desto mehr wuchs Wahrscheinlichkeit, dass er einfach zu spät kam. Dass, wenn er zurückkehrte, niemand mehr da war, dem er seine Überlegenheit hätte beweisen können, hätte beweisen müssen. Dass Kakarott einfach fort war, dieses Mal vermutlich ohne Wiederkehr.

Das Feuer brannte noch immer, wurde zu Eis, zu starrer, kalter Überzeugung – er musste es schaffen, koste es, was es wolle.

Tag, Nacht, Tag… Nacht.

Der Mond stand rund und klar am Himmel, schickte ein Kribbeln über seine Haut. Der Drang, die Gestalt zu ändern war da; einzig die Möglichkeit fehlte. Er gab sich einen kurzen Moment, um zu landen, stehen zu bleiben, durchzuatmen. Stille. Wind rauschte in den Bergen. Insekten summten im hohen Gras. Etwas bewegte sich, ließ es rascheln… Vegeta hielt inne und lauschte.