Kirk wachte im Badezimmer seines Apartments in San Francisco auf. Unter seinem Rücken fühlte die kalten Bodenkacheln und erschauerte. Seine Brust brannte wie Feuer und seine Kehle war ausgedörrt, so dass er kaum schlucken konnte. Zudem war ihm übel, wie nach jedem Zeitsprung. Mühsam sah er zu Spock hinüber, der an seiner Seite kniete und gerade ein leeres Hypospray wegpackte.

"Was.." mehr Worte brachte er nicht über die Lippen, es tat zu weh. Spock sah auf und sein Blick erhellte sich, als er bemerkte, dass Kirk wieder zu Bewusstsein gekommen war. Der Vulkanier holte einen Becher, hob seinen Kopf an und flößte ihm etwas Wasser ein. Dann legte er ein flauschiges Handtuch unter ihn. Dankbar sank Kirk wieder zurück und atmete tief durch.

"Also was.. war los?" fragte er erneut. Spock sah ihn voller Mitgefühl an. Er deutete auf die Kratzer auf Kirks Brust. "Der Le-matya hat dich verletzt, Jim. Die Krallen dieser Tiere enthalten eine toxische Substanz, die zu Lähmungen und nach einiger Zeit zum Tod führt."

"Dann hatte ich ja Glück, dass du das Gegengift gerade vorrätig hattest." spöttelte der Mensch. "Warum hast du mich nicht vorgewarnt?"

Spock hob eine Augenbraue. "Du weißt doch, dass das nichts ändert, Jim". Kirk nickte resigniert. Was immer er auch in der Vergangenheit tat, bis auf Kleinigkeiten konnte er nichts am Verlauf der Dinge ändern. Es war, als würde sich die Zeit hin- und herbiegen, aber letztlich doch auf ihrer vorgegebenen Struktur bestehen.

"Außerdem hat mir ein sturköpfiger Mensch einmal gesagt, dass er sich von seinem Leben gern überraschen lassen möchte, wie jeder andere auch." Ein belustigtes Funkeln trat in Spocks Augen. Kirk grinste. Er nahm die Hand des Vulkaniers und drückte sie. "Du hast ja recht. Nur manchmal werden selbst mir die Überraschungen zuviel."

Er rappelte sich auf, wobei Spock ihn stütze und wankte ins Schlafzimmer. Dort ließ er sich aufs Bett fallen. Er nahm noch wahr, wie der Vulkanier ihn vorsichtig zudeckte und fiel dann in einen tiefen traumlosen Schlaf.

***

Als Kirk einige Stunden später erwachte, wurde es draußen gerade dunkel. Er fühlte sich jetzt besser, auch wenn seine Brust noch schmerzte. Aus der Küche drang das Geklapper von Töpfen und ein angenehmer Duft, den er nicht identifizieren konnte. Scheinbar probierte Spock mal wieder ein neues Rezept aus.

Kirk war dankbar für dieses Hobby seines Freundes, allein würde er sich wohl nur von Replikatoressen ernähren. Wobei es seiner Meinung nach schlimmeres gab und wenn er Appetit auf ein saftiges Steak bekam, griff er gern auf den Replikator zurück. Denn Spock war Vegetarier und nicht einmal Kirk zuliebe hätte er tote Tiere verarbeitet, wie er sich ausdrückte.

Kirk stand ächzend auf und ging ins Bad, um sich zu duschen. Anschließend öffnete er einen Kleiderschrank und nahm sich Unterwäsche, ein Tshirt und eine bequeme Jeans heraus. Sauber und angezogen fühlte er sich wieder halbwegs wie ein Mensch.

Er schlenderte in die Küche und trat von hinten an Spock heran, der in einer Pfanne rührte. Er umfing die schmalen Hüften des Mannes mit seinen Händen und lehnte seinen Kopf an dessen Rücken. 'Schön, wieder bei dir zu sein' dachte er im Bewusstsein, dass Spock den Gedanken auffangen würde, da er Berührungsthelepath war.

Der Vulkanier drehte sich kurz um und schenkte ihm eines dieser kleinen Lächeln, die er sich nur für seinen Mensch aufhob. "Du warst doch die ganze Zeit bei mir." sagte er und schaufelte Gemüsereis auf die bereitstehenden Teller.

Kirk nahm die Teller und stellte sie auf den Küchentisch, holte Besteck aus der Schublade. "Ja sicher, aber leider konntest du mir in der Wüste nichts leckeres kochen." Er grinste. "Es war unser erstes Treffen, oder? Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, dich schon jünger gesehen zu haben und du wirktest sehr überrascht von meinem Auftauchen."

Spock setzte sich an den Tisch und nickte. "Ich habe dir kein Wort geglaubt von deinem Zeitreisegerede." Kirk lachte und setzte sich im gegenüber. "Das kann ich mir vorstellen. Ich war rhetorisch auch nicht ganz auf der Höhe nach mehreren Stunden in dieser Höllenhitze. Warum lande ich nur immer wieder auf Vulkan?"

Spock sah schuldbewusst von seinem Essen auf. Sie wussten beide, warum. Oder eher, wegen wem. Es war, als würde Kirk immer wieder in die Vergangenheit seines Geliebten gezogen, seit sie sich in der Gegenwart getroffen hatten. Natürlich gab es auch andere Zielorte, aber die Häufigkeit, mit der er Spock "besuchte", war mehr als auffällig.

"Mach dir keine Vorwürfe, Spock" sagte Kirk und berührte beruhigend dessen Schulter. "Keiner von uns kann beeinflussen, wohin ich reise. Und außerdem bin ich nirgendwo lieber als bei dir. Selbst wenn ich deine Gegenwart mit tollwütigen Raubtieren teilen muss."

"Es handelte sich nicht um Tollwut, sondern ein Toxin, das die zellulären Prozesse des Opfers.."

"Schon gut, Spock, es war nur ein Scherz." Kirk unterbrach seinen Freund schnell, denn er kannte dessen Angewohnheit, bei wissenschaftlichen Themen vom Hundertsten ins Tausendste zu gehen, wenn man ihm Gelegenheit dazu gab. Und wenn er jetzt auf eines keine Lust hatte, dann eine ausführliche Darstellung dessen, was seinen Zellen hätte passieren können, wenn Spock ihm nicht das Gegengift rechtzeitig injiziert hätte.

Sie aßen beide eine Weile schweigend das schmackhafte Reisgericht. Kirk schien über etwas nachzudenken. Schließlich legte er sein Besteck weg und sah Spock fragend an. "Du allein in dieser Wüste.. das war dein erstes Kahs-wan, oder? Du hast mir nie erzählt, warum du es nicht bestanden hast. Du warst so ein mutiger Junge, Spock. War unser Treffen daran schuld? Wenn ich an deinen Vater denke und wie er.."

"Nicht, Jim, bitte." Spock wich seinen Augen aus und starrte auf seinen Teller. "Ich möchte nicht darüber sprechen."

Kirk seufzte. Wenn Spock doch in privaten Dingen nur ähnlich gesprächig wäre wie bei wissenschaftlichen Diskussionen. "In Ordnung, aber wenn du deine Meinung änderst, kannst du jederzeit zu mir kommen und wir reden darüber." Spock nickte. Kirk bezweifelte jedoch, dass es dazu kommen würde. Er wusste, dass der Vulkanier äußerst selten seine Meinung änderte, insbesondere in diesen Dingen.