Kirk war gerade in einem Spezialitätengeschäft, um einige kulinarische Überraschungen für Spock einzukaufen, als er das ihm nur allzu bekannte Schwindelgefühl in sich aufsteigen fühlte. Nicht schon wieder, dachte er genervt. Er sah sich suchend nach einem Versteck um, wo er verschwinden konnte, ohne dadurch einen Menschenauflauf zu verursachen.
Doch die Zeit war zu kurz und Kirk bemerkte schon die erstaunten Blicke der anderen Kunden, als er vor ihren Augen immer durchsichtiger wurde. Er murmelte "Alles in Ordnung, machen Sie sich keine Gedanken..", dann hatte er sich vollständig aufgelöst und nur ein Haufen Kleidung und seine Uhr zeugten noch von seiner Anwesenheit.
Als er wieder zu sich kam, spürte er schneidende Kälte. Er sah um sich und erblickte eine Welt aus Eis und Schnee. Es war Nacht und der Blick zu den Sternen verriet ihm, dass er sich auf der Erde befand, genauer gesagt, irgendwo in der Antarktis. "Verdammt, verdammt, verdammt" stieß er hervor und kauerte sich zusammen, sammelte sein bisschen Körperwärme. Doch das war keine Lösung, wenn die Zeitreise länger als ein paar Minuten dauerte, würde er das hier nicht überleben.
Mit Überwindung stand er wieder auf, blickte sich fröstelnd um. Die Antarktis war besiedelt, wenn auch nur dünn. Es gab Forschungsstationen und auch Menschen, die sich aus privaten Gründen für ein Leben in dieser eisigen Einöde entschieden. Tatsächlich konnte er im Osten vereinzelte Lichter erkennen. Sie waren mindestens zwei Kilometer entfernt und er bezweifelte, es unter diesen Umständen dorthin zu schaffen. Aber welche Alternativen blieben ihm?
Er schaltete alle überflüssigen Zweifel aus und ging entschlossenen Schrittes in Richtung der Lichter los. Eisiger Wind kam auf und ließ ihn vor Kälte schlottern. Zum Glück war der Wind nicht allzu stark, aber es reichte dafür, dass er noch schneller auskühlte. Sein Gesicht schmerzte nach kurzer Zeit höllisch und tausend Nadeln schienen seine Fußsohlen zu durchstoßen. Er ignorierte die Schmerzen und rief sich Techniken der Körperbeherrschung ins Gedächtnis, die Spock ihm erklärt hatte. Leider funktionierten sie bei Menschen nur unzureichend.
Der Gedanke an Spock tat ihm gut, aber es zog ihm auch das Herz zusammen vor Sorge. Kirk fühlte, ahnte, dass das hier nicht gut ausgehen würde. Sein möglicher Tod machte ihm Angst, er hing am Leben, aber damit konnte er irgendwie klarkommen. Schlimmer war die Vorstellung, was aus seinem Geliebten werden würde. Auch wenn keine feste mentale Bindung zwischen ihnen existierte, waren sie auf so vielen anderen Ebenen miteinander verbunden. Zwei Hälften von einem Ganzen, dachte Kirk und fühlte unendliche Sehnsucht nach Spock.
Er sah den Vulkanier vor sich, seine dunklen wissenden Augen, die wandernden Brauen, die ihn neckten und soviel preisgaben.. seinen kraftvollen, vertrauten und verlockenden Körper.. seinen Gedankengefühlsstrom, der bei Berührungen auf Kirk überging und ihn immer wieder mit seiner Komplexität überwältigte.. Er verlor sich in Phantasien und vergaß alles um sich herum.
Nach einiger Zeit riss sich Kirk gewaltsam aus den Gedanken und bemerkte, dass er inzwischen stehengeblieben war. Er spürte seine Gliedmaßen nicht mehr, dieser steife, grauweisse Körper schien jemand anderem zu gehören. Selbst die vorher alles durchdringende Kälte kam nicht mehr zu ihm durch. Er sah die Lichter und konnte doch keinen Schritt mehr vorwärts tun. Er brach zusammen und sah sich dabei selbst zu, als würde es in Zeitlupe passieren. Als sein Kopf den Schnee berührte, erfasste ihn der unbezwingbare Wunsch aufzugeben, einfach einzuschlafen. Sein letzter Gedanke galt Spock. "Es tut mir leid" flüsterte er innerlich und dann wurde es dunkel um ihn.
