Sechs Jahre später stand Spock allein auf einem Balkon in San Francisco und sah hinauf zu den Sternen. Jim hatte sie so geliebt.. Hinter sich in der Wohnung hörte er Stimmen und Gelächter. Es war die Silvesterparty einer vulkanischen Studentin. Die letzte Art Party, die er noch besuchte nach Jims Tod. Er konnte sich erinnern, dass etwas ähnliches in seiner Erzählung von ihrem Treffen vorkam und deshalb war er jedes Jahr hier. Irrational, dachte er. Der Zeitsprung war bereits geschehen und er würde wieder geschehen, egal wo er sich aufhielt. Doch ganz sicher war sich Spock nicht und er wollte kein Risiko eingehen.

Im nächsten Augenblick bemerkte er eine Veränderung der Luft, als würden sich die Moleküle verdichten. Sein Herz schien einen Augenblick stehen zu bleiben und er klammerte sich an die Brüstung des Balkons. Mit aller Macht beruhigte er seine aufgewühlten Sinne. Er musste jetzt ruhig bleiben, es war der schlechteste Moment für einen emotionalen Zusammenbruch.

Er starrte auf die sich verdichtende Luft, die langsam Konturen annahm. Schließlich stand ein Junge vor ihm. Er war vielleicht 4 Jahre alt, nackt und seine blonden Haare standen in alle Richtungen ab, als hätte er gerade geschlafen. Er wirkte verwirrt und schnappte nach Luft. 'Jim, das ist Jim..' Spock verlor sich fast in diesem einen Gedanken, bevor er sich zur Ordnung rief.

Er legte dem Jungen eine bereitgehaltene Decke um die Schultern und nahm ihn beruhigend in den Arm. Jim wehrte sich nicht, er fühlte sich von dem fremden netten Mann getröstet. Er ahnte nicht, wieviel Trost er selbst Spock in diesem Moment gab.

Nach einer Weile befreite sich Jim aus der Umarmung. "Hast du etwas zu essen für mich? Ich habe ganz schön Hunger." Spock hätte fast gelacht, wenn es nicht so weh getan hätte. Er gab dem Jungen etwas von den herumliegenden Süßigkeiten und Jim lutschte zufrieden daran. Dabei blickte er in den Nachthimmel hinauf und zeigte auf eine Sternengruppe. "Siehst du, da ist mein Papa gerade. Wenn ich groß bin, werde ich auch Raumfahrer." sagte er stolz.

Wenn Spock noch eine Bestätigung brauchte, dann hatte er sie jetzt bekommen. Er nahm das Hypospray aus seiner Tasche, als plötzlich plötzlich mehrere Leute auf den Balkon strömten. Sie achteten nicht auf das seltsame Paar, sondern schauten angestrengt in dem Himmel und zählten laut die Sekunden. Am Ende des Countdowns fielen sich alle in die Arme, Küsse wurden getauscht und ein gewaltiges Feuerwerk brach über ihnen los. Der Himmel erstrahlte in tausend Farben und Bildern.

Jim sah begeistert zu und kommentierte aufgeregt das Feuerwerk. Spock bemerkte traurig, dass der Körper des Jungen bereits durchscheinender wurde. Es war höchste Zeit. Er drückte das Hypospray auf Jims Arm, kurz bevor er endgültig verschwand. Nur die Decke blieb auf dem Boden zurück.

Die Leute begannen zu tuscheln, aber Spock achtete nicht auf sie. Er wartete, ohne zu wissen, worauf genau. Doch es passierte nichts. Zumindest eine Weile.

Dann spürte Spock plötzlich, wie Übelkeit in ihm hochstieg und immer stärker wurde. Auch den anderen schien es nicht gut zu gehen, eine Frau erbrach sich über die Brüstung. Gleichzeitig zerfaserte die Umgebung um sie herum. Es war, als würde Spock schrittweise erblinden und Panik wollte in ihm aufsteigen, die er aber sofort niederkämpfte. Seine sonst so geordnete Gedankenwelt fing an, sich in einzelne Fragmente aufzulösen. Ein Teil von ihm drängte in die eine und ein zweiter in eine andere Richtung, bis sein Geist schließlich aufgab und in tiefe Bewusstlosigkeit fiel.

***

Spock sackte über der Konsole zusammen. Er hörte Uhuras Ruf wie aus weiter Ferne und kurz darauf spürte er Kirks Hand auf seiner Schulter. "Was ist mit Ihnen, Mr. Spock? Geht es Ihnen nicht gut?"

Spock richtete sich mühsam auf und glättete seine Uniform. Dann bemerkte er die besorgten Gesichter der anderen Crewmitglieder. Alle Aufmerksamkeit war auf seine Unpässlichkeit gerichtet, was ihm sehr unangenehm war.

"Nur eine leichte Übelkeit, Captain." antwortete er und sah Kirk dabei in die Augen. Etwas in ihnen erinnerte ihn an.. er wusste es nicht. Verwirrt drehte sich Spock wieder zu seiner Konsole und kontrollierte geistesabwesend die Sensoreneinstellungen.

"Nun gut" sagte Kirk "uns allen war einen Moment nicht ganz wohl, aber Sie hatte es offenbar besonders stark erwischt." Er überlegte und ging dann zu seinem Kommandosessel und betätigte das Intercom.

"Kirk an McCoy. Bereiten Sie eine medizinische Routineuntersuchung für alle Crewmitglieder der Alphaschicht vor. Erst nach Dienstschluss, aber innerhalb von 24 Stunden. Danke."

Dann kehrte er zu Spocks wissenschaftlicher Station zurück und lehnte sich an die Brüstung. "Mr. Spock?". Spock drehte sich zu ihm um. "Ja, Sir?"

"Ich möchte Sie sprechen, unter vier Augen. Wir müssen unsere weitere Vorgehensweise bezüglich Aldonien erörtern."

"Gewiss, Captain." Spock verließ die Station und hörte die Schritte Kirks hinter sich. Sie betraten den Lift und als die Tür sich hinter ihnen schloss, trat Kirk auf Spock zu und nahm ihn in den Arm.

"Einen Augenblick dachte ich, du wärst verletzt." sagte Kirk leise. "Ich möchte dich nicht verlieren." Er strich zärtlich über eine Augenbraue des Vulkaniers. Spock zog ihn fester an sich, bis sie nichts mehr trennte außer ihren Uniformen. Er antwortete mit Bestimmtheit: "Das wird zu keiner Zeit passieren, Jim."

ENDE