Bellatrix Black ist 16 Jahre alt, Andromeda Black ist 14 Jahre alt und Narcissa Black ist zwölf Jahre alt.

Andromeda Black betrat unbemerkt das Schlafzimmer ihrer Schwester – und blieb auf der Türschwelle stehen.

Ihre kleine Schwester Narcissa tanzte gerade vollkommen von sich selbst eingenommen zu Clair de Lune durch den Raum (gespielt von ihrer heiß geliebten Spieluhr auf der Kommode).

Lächelnd beobachtete Andromeda sie eine Weile.

Genau wie jede der drei Black Schwestern war Narcissa ausgesprochen hübsch, allerdings hatte sie kein dunkles Haar, wie die anderen beiden, sondern weiches, blondes, geerbt von ihrer Mutter.

Cissy war erst zwölf, aber sie liebte es zu tanzen, genauso wie sie es liebte sich heraus zu putzen und an den hunderten von Bällen teilzunehmen – ganz im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern.

Andromeda selbst war kein Fan der Reinblutgesellschaften, all dieses Gerede über arrangierte Hochzeiten und der Ehre des Blutes langweilten sie zu Tode.

Ein gutes Buch war ihr da allemal lieber.

Ihre ältere Schwester Bellatrix mochte zwar auch keine Festlichkeiten, allerdings aus einem ganz anderen Grund.

Bellatrix wäre wohl lieber der von ihrem Vater so sehr gewünschte Junge geworden, der Erbe und Stammhalter, der lieber ein paar Duelle ausfocht als sich den ganzen Abend Gedanken über Brautkleider zu machen.

Wie verschieden sie drei doch waren, dachte Andromeda melancholisch.

In diesem Moment hörte sie ein schnappen und das Lied endete abrupt.

Narcissa stoppte in mitten einer Pirouette und wandte sich verwundert um.

Bella war unbemerkt herein gekommen und hatte die Spieluhr geschlossen.

„Wie kannst du dir nur den ganzen Tag dieses Zeug anhören", fragte sie mit erhobener Nase.

Cissy verzog das Gesicht, doch bevor sie etwas sagen konnte, machte Andromeda sich bemerkbar.

„Lass sie doch ihren Spaß haben, Bella. Wenigstens einer von uns sollte Gefallen daran finden."

Bella verdrehte die Augen.

„Ja, Mutter ist ja so begeistert von ihrem Talent", meinte sie und betonte das letzte Wort besonders abfällig.

Die zwölfjährige Narcissa sah ein wenig beleidigt aus und so als wäre sie kurz davor einen ihrer üblichen Trotzanfälle zu bekommen.

Andromeda warf Bella einen vielsagenden Blick zu, doch diese zuckte lediglich mit den Schultern.

Niemand außer ihrem Vater brachte Bellatrix dazu sich zu benehmen – oder wenigstens etwas taktvoller zu sein.

„Ihr seid ja noch gar nicht fertig", bemerkte Narcissa spitz, als wolle sie sich mit dieser Bemerkung an Bella rächen.

„Wir haben ja auch noch den ganzen Nachmittag Zeit", erinnerte Andromeda sie freundlich. „Eigentlich bin ich hergekommen, um zu fragen, ob ich dir mit deinem Haar helfen soll."

Narcissa lächelte erfreut.

„Ja, bitte."

„Warum lässt du es nicht einen der Hauselfen tun", fragte Bella geringschätzig.

„Annie macht es viel besser als die dummen Hauselfen", erklärte Narcissa und positionierte sich mit durchgestrecktem Rücken auf einem gepolsterten Hocker.

Andromeda lächelte und betrachtete dann Bellas Haar.

Es war schwarz, wie die Nacht und wirklich schön.

Zusammen mit ihren dunklen Augen wirkte sie richtig mysteriös – eine Anziehungskraft die kaum einem Mann verborgen blieb.

Als Kinder hatten sie sich oft gegenseitig die Haare geflochten, doch Bellatrix war diesen Spielereien schnell entwachsen.

„Ich kann deins auch machen, wenn du willst", bot Andromeda liebenswert an.

„Nicht nötig", murrte Bella, machte aber auch keine Anstalten das Zimmer zu verlassen.

Vielleicht würde sie es sich ja noch einmal überlegen.

Annie stellte sich hinter ihre Schwester und begann ihr sanft das Haar zu bürsten.

Eine Weile hingen sie alle drei ihren Gedanken nach.

„Meint ihr Vater und Mutter werden es heute verkünden", fragte Cissy schließlich neugierig.

Annie hielt in ihrer Bewegung inne und blickte zu ihrer zwei Jahre älteren Schwester hinüber.

Der Ball heute Abend war zu Ehren Bellas sechzehnten Geburtstages – und der Tradition nach verlobten sich die Black Töchter in diesem Alter.

„Mach weiter", forderte Narcissa sie ungeduldig auf, während sie noch immer auf Bellas Antwort warteten.

Die vierzehnjährige zog ihr spielerisch an den Haaren, fuhr dann aber fort ihr Haar zu flechten.

Es dauerte noch mindestens fünf Minuten bis Bellatrix schließlich auf stand und zum Fenster hinüber ging.

„Vater hat dich vorhin zu sich gerufen", sagte Annie.

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Bella schwieg noch immer, aber Andromeda wusste, dass sie recht hatte, sonst wäre ihre Schwester nicht hier bei ihnen gewesen.

Bella war von jeher Schweigsam und unnahbar, aber in schwierigen Situationen schien sie Kraft durch die bloße Anwesenheit ihrer Schwestern zu ziehen.

„Du willst noch nicht heiraten."

Eine weitere Feststellung Andromedas.

Cissy zog scharf die Luft ein.

Sie war erst zwölf, aber wenn sie gekonnt hätte, wäre ihr Hochzeitstag keine Woche mehr entfernt gewesen.

Manchmal wunderte sie sich, ob es in Cissys Leben noch etwas anderes gab, als sich darum Gedanken zu machen, den perfekten Ehemann zu finden und ihm die perfekten Kinder zu schenken – natürlich nur Jungs und nicht solch eine Enttäuschung wie ihre eigene Mutter, die nur drei Mädchen zu Stande gebracht hatte.

„Wer ist es", fragte Cissy und sie konnte die Aufregung in ihrer Stimme nicht verbergen.

Endlich antwortete Bella, auch wenn sie ihren Blick nicht vom Garten abwandte.

„Rodolphus."

Andromeda musste sich stark zusammen reißen, um nicht zu schaudern.

Rodolphus Lestrange war kein angenehmer Mann.

Gerüchten zu Folge war er schon mit einer ganzen Schar voll Mädchen im Bett gewesen – und das obwohl er zu den jeweiligen Zeitpunkten eine feste Freundin besessen hatte.

Nun die hatte er jetzt wohl aufgeben müssen.

„Rodolphus Lestrange. Bellatrix Lestrange", probierte Cissy die Namen aus. „Klingt nicht schlecht. Irgendwie sinnlich."

Narcissa drehte sich halb zu ihrer ältesten Schwester um.

„Aber du liebst ihn nicht", sagte sie und es klang ein wenig traurig und so als hätte sie Mitleid mit Bella.

Bella dagegen schien das egal zu sein.

„Ich hab Gerüchte gehört", warf Andromeda ein, unschlüssig, wie ihre Schwester darauf reagieren würde. „Gerüchte nach denen er und sein Bruder…"

Sie brach ab.

Sie konnte es einfach nicht aussprechen.

Aber Bella drehte sich endlich zu ihr um und auf ihrem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus.

„Ja, sie sind seit ein paar Monaten richtige Anhänger des dunklen Lords. Todesser", hauchte sie, mit einer Faszination und Begeisterung in der Stimme die Annie tatsächlich zum Schaudern brachten.

Sollten ihre Eltern ihr in zwei Jahren auch so einen… so einen Mann zum Verlobten geben… sie wüsste nicht ob sie das aushalten könnte.

Nein eigentlich war sie sich ziemlich sicher, dass sie das NICHT aushalten könnte.

Aber was wäre die Alternative?

Genau wie Narcissa wünschte sie sich aus Liebe zu heiraten, doch hatte sie bisher noch keinen getroffen, der es wert gewesen wäre sich in ihn zu verlieben – und schon gar keinen, den ihre Eltern billigen würden.