James Potter ist elf Jahre alt.

James Potter grinste breit als er mit wehendem Umhang aus dem Zug sprang, denn er hatte schon bei der Einfahrt in den Bahnhof das ältere Paar in der ersten Reihe entdeckt.

„Mum! Dad", rief er aufgeregt.

Seine Mutter schloss ihn sofort in ihre Arme und drückte ihn fest an sich.

„Mein Liebling! Ich bin so froh dich wieder zu sehen."

James ließ die Prozedur über sich ergehen, doch als sie ihm auch noch einen Kuss geben wollte, wandte er sich aus ihrer Umarmung.

„Nicht hier, Mum", sagte er abwehrend und sah sich um, ob ihn auch ja keiner beobachtete.

Elizabeth Potter verzog so enttäuscht das Gesicht, dass James ihr dann doch ganz schnell einen winzigen Kuss auf die Wange gab.

Hatte ja bestimmt keiner gesehen und das Lächeln auf dem Gesicht seiner Mutter war Belohnung genug.

„Schön dich zu sehen, James."

Er grinste zu seinem Dad auf und stellte fest, dass es im letzten halben Jahr erheblich weniger anstrengend geworden war dies zu tun.

Er musste gewachsen sein.

Thomas Potter begnügte sich damit seinem Sohn über die wirren Haare zu streichen (in der Familie allgemein bekannt als das typische „Potter-Haar") und ihm dann seinen Koffer mit einem Schlenker seines Zauberstabes abzunehmen.

„Du hast mich fast ein wenig enttäuscht, James. Vier Eulen von deinem Schulleiter haben wir bekommen", sagte er in gespielt ernstem Tonfall.

„Was hat dich enttäuscht, Dad? Das es nur vier waren oder das ich so oft erwischt worden bin", konterte James in dem selben Tonfall.

Die beiden männlichen Potters lachten sich an.

„Lasst uns nach Hause gehen", schlug Thomas vor. „Ich habe munkeln hören, dass dort ein Geschenk auf einen gewissen jemand wartet."

James Augen blitzten neugierig auf, trotzdem erinnerte er seinen Vater vorlaut: „Oi, Dad, wirst du langsam alt? Weihnachten ist doch erst in sechs Tagen."

Seine Mutter lächelte verschwörerisch.

„Ah, aber niemand hat gesagt, dass es ein Weihnachtsgeschenk ist, Jamie."

James grinste erfreut.

„Aber bevor wir gehen, Liebling, will ich noch deine Freunde kennen lernen", bat Elizabeth. „Du hast soviel von ihnen geschrieben und ich hoffe, dass wir ein paar von ihnen über die Ferien zu uns einladen können."

James lachte.

Das war typisch seine Mutter.

Sie liebte Kinder.

Desto mehr, desto besser.

Suchend sah er sich um.

„Ich glaube Peter ist schon weg, aber da vorne ist Remus", sagte er und deutete auf einen braunhaarigen Jungen der von einem jüngeren Paar umarmt wurde. „Und", ein weiterer suchender Blick in der Menge und er hatte seinen besten Freund gefunden. „Und da ist Sirius!"

Im Gegensatz zu James und Remus stand Sirius unbeteiligt und allein gelassen auf dem Gleis.

Wo seine Eltern wohl steckten?

„Der junge Black", fragte Thomas scharf.

James wandte sich zu ihm um und machte sich dazu bereit seinen Freund vor seinem Vater zu verteidigen, doch Elizabeth sah die bestimmte Miene ihres Sohnes und sagte: „Er ist mit dir in Gryffindor, richtig Jamie? Nach dem was du über ihn geschrieben hast, scheint er ein netter Junge zu sein, nicht wahr Thomas?"

Seine Frau warf ihm einen bedeutenden Blick zu und Thomas nickte, wie ein gescholtener Junge.

Nur Elizabeth Potter brachte es fertig, dass er sich wieder wie zwölf fühlte – und das obwohl die Zeit in der er seiner eigenen Mutter hatte Rede und Antwort stehen müssen schon siebzig Jahre her war.

„Entschuldige, James. Du weißt ja, manchmal dringen die alten Auror Reflexe durch."

Er lächelte seinen Sohn entschuldigend an und James Gesicht entspannte sich wieder.

„Warum gehen wir nicht zu ihm und warten mit ihm auf seine Eltern", schlug Elizabeth vor. „Er sieht so einsam aus."

Ihr Herz schlug wirklich für alle Kinder, egal ob es ihr eigener Sohn war oder ein völlig fremder Junge, der auch noch zu einer besonders fanatischen Reinblutfamilie gehörte.

„Hey Sirius! Wir haben gerade mal Anfang der Weihnachtsferien und du bläst schon Trübsal, als wären sie Morgen wieder vorüber", scherzte James als er und seine Eltern auf den Schwarzhaarigen Jungen zu gingen.

Sirius Gesicht hellte sich beim Anblick seines Freundes auf.

„Dachte du wärst schon weg, James."

„Ne, ich wollte dir erst noch meine Eltern vorstellen. Das sind sie, Elizabeth und Thomas Potter. Mum, Dad, dass ist Sirius Black", stellte James alle vor.

Elizabeth lächelte.

„Das wissen wir doch längst, du hast in deinen Briefen schließlich über kaum etwas anderes geschrieben", sagte sie und lächelte dem anderen Jungen zu.

James grinste nur.

„Mrs. und Mr. Potter es ist mir eine Freunde sie kennen zu lernen", sagte Sirius höflich und reichte beiden die Hand.

James konnte sich gerade noch einen Lachkrampf verkneifen, so höflich hatte er seinen Freund ja noch nie erlebt.

Thomas schüttelte Sirius Hand, erfreut über die Manieren des Jungen (und wünschte sich fast sein Sohn würde sich eine Scheibe davon abschneiden).

Elizabeth dagegen zog Sirius gleich in eine enge Umarmung.

Verblüfft starrte Sirius sie an.

„Oh Jamies Freunde sind auch meine Freunde. Sei gewiss, du bist in unserem Haus immer willkommen, Sirius. Es ist so schön dich kennen zu lernen."

James wurde rot.

Musste seine Mutter denn immer seinen alten Kinderspitznamen benutzen?

Das ganze nächste Jahr würde Sirius ihn damit aufziehen.

„Was machst du noch hier, Kumpel? Wartest du auf eine extra Einladung", fragte James.

„Wette sie haben mich vergessen", entgegnete Sirius und zuckte mit den Schultern, versucht sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.

Thomas sah aus als würde er das auf der Stelle glauben und auch James zweifelte kaum an Sirius Worten (zu viel hatte Sirius ihm schon über seine Familie erzählt).

„Oh, wie furchtbar", meinte Elizabeth, die wie immer an das Gute in den Menschen glaubte. „Aber ich bin sicher, dass deine Familie sich nur ein wenig verspätet, mein Lieber. Wir können so lange mit dir warten."

Sirius trat unwohl von einem Fuß auf den anderen, als sei es ihm peinlich und er nuschelte irgendetwas von wegen, das sei nicht nötig und er wohne überhaupt nicht weit weg.

In diesem Augenblick erklang ein leises Plopp.

„Kreacher", knurrte Sirius. „Du hast dir aber Zeit gelassen."

Der Hauself ignorierte Sirius Anschuldigung und streckte Sirius eine Hand hin.

„Also, ich muss los. War nett sie kennen gelernt zu haben, Mr. und Mrs. Potter. Wiedersehen James."

„Wenn deine Eltern nichts dagegen haben, kannst du uns jederzeit besuchen kommen", sagte Elizabeth schnell in dem Augenblick in dem Sirius Kreachers Hand ergriff.

Sirius konnte nur nicken, dann war er auch schon verschwunden.

„Was für ein netter Junge", stellte Elizabeth erfreut fest.

Sie sah sich um.

„Aber dein anderer Freund ist jetzt schon weg. Du wirst ihm schreiben und ihn zu uns einladen, ja?"

James nickte ungeduldig.

„Klar. Und können wir jetzt endlich nach Hause", fragte er.

Schließlich wartete sein Besen auf ihn und das sagenumwobene Geschenk.

Seine Freunde würde er schon früh genug wiedersehen – zumindest wenn seine Mutter ihren Willen bekam, und das tat sie eigentlich immer.

Thomas legte einen Arm um seine Schulter und hielt mit dem anderen noch immer den Koffer.

„Wir sehen uns Zuhause, Liebes."

Und sie disapparierten.