ICh muss ja warnen ne? Na gut, Slash... muss ja auch sein *grins* ist ein wenig fies, aber ich hab mich ja auch entwickelt in den letzten jahren...


Doch es war nicht Harry, der Ron schlussendlich fand, sondern Hermione. Aber dazu später mehr. Zuerst wollen wir uns in den Slytheringemeinschaftsraum begeben, in dem trotz der frühen Stunde schon Leben stattfindet. Und zwar ein Leben welches laut dem Besitzer momentan nicht miserabler laufen könnte. Und eben diesem Unstand legte er gerade seinem besten Freund dar.

„Ich meine ok, ich habe ihr gesagt, bevor sie mit dem Weasley schläft soll sie sich doch eher Potter vornehmen- aber wie kann sie MIR dass nur antun!"

Draco lief den dunkelgrünen Läufern nun schon zum wiederholten Male endlang, wobei es jedes Mal zur Mitte hin gegen das Knie von Blaise stieß, der ruhig auf dem Sofa saß.

„Es ist ja -Gott sei dank- nicht so als hätte Potter sie vor mir gehabt!" Draco fuhrt herum und starrte Blaise eindringlich an. „Ich hätte sie ja nicht mal mehr wahrgenommen wenn dem so gewesen wäre, verstehst du?", fragte er seinen Kumpel wild gestikulierend.

Blaise, der seinen eigenen Gedanken nachhing, nickte zur seelischen Unterstützung des jungen Malfoy.

„Und ich verstehe auch nicht, warum ich, wo ich die Göre schon gehabt habe –und das vor Potter, und nebenbei als erster- so damit beschäftigt bin, wer sie jetzt knallt!" Draco fuhr damit fort, auf und ab zu gehen. Eine Weile folgte Blaise ihm mit den Augen. Seine Worte schabten durch den Raum wie müder Seegang, und der Junge merkte wie er ins träumen kam…

„…sie ist doch nach mir eh zu verwöhnt, um bei anderen auf ihre Kosten zu kommen. Und Potter kann doch eh auf meinem Niveau nicht mitspielen. Quidditsch ist überhaupt das einzige was der kann. Und überhaupt, wer schert sich schon darum wen Potter knallt?"

In die Pause, die Draco machte um Luft für weitere Schimpftiraden zu holen, murmelte Blaise die für ihn verhängnisvollen Worte: „Wenn er mich doch nur auch mal rannehmen würde…"

Eine Zeitlang herrschte Schweigen. Und zwar genau so lange, wie Blaise brauchte um zu merken, dass Draco ihm grade seine ungeteilte, hassdurchtränkte Aufmerksamkeit schenkte. Sein Blick brannte Löcher ins Sofa und seine Hände formten sich zu Klauen.

„Was… hast du… da… gesagt?", fragte der Malfoysprössling gefährlich leise.

Blaise überlegte fieberhaft wie er seinen Hals retten könnte. Doch dann seufzte er. Das Schiff sank ja schon.

„Hör mal Dray… Draco, is´ ja schon gut", verbesserte er sich schnell auf das ärgerliche Schnauben seines Freundes hin, „Potter war schon immer… ansehnlich, und seit er vom Frischfleisch zum Zuchtbullen aufgestiegen ist -was soll ich sagen- mir juckt es nicht nur in den Fingern."

Blaise stierte geradeaus und harrte der Dinge, die da kamen.

Dracos Kinnlade kam dem Boden näher, als anatomisch möglich. „Aber wie kannst du", fing er, überlegte es sich anders, gab sich einen Ruck und schloss den Mund. „Dir ist klar das er der Feind ist, oder?", versuchte er es daraufhin, aber er merkte selbst wie lahm das war. Als hätte jemand die Luft aus ihm herausgelassen blähte er die Nüstern und fiel neben Blaise auf dem Sofa in sich zusammen.

„Wie lange schon?", fragte er dann, fast versöhnlich.

„Seit er diese Woche mit Ginny rumgelaufen ist. Er trotze so vor Selbstbewusstsein, wie ein richtiger Draufgänger- eigentlich fast schon ein bisschen hinterhältig. Und da hatte unser Helden, na ja, nimm es mir nicht krum, was von… dir", fügte Blaise noch ganz vorsichtig hinzu und duckte sich dann schon mal vorsorglich.

Aber Draco- der hatte gerade ganz andere Sorgen: „Heißt dass du… stehst… nicht mehr auf mich?"

Blaise sah etwas verwirrt zu seinem Nachbarn. Sein Kumpel gab sich große Mühe ganz unbeteiligt Löcher in die Luft zu kucken. Doch unter den blonden Fransen mahlte der spitze Kiefer, und Blaise stellte erstaunt fest, dass die Bewunderung die er seinem Freund entgegengebracht hatte, diesem wohl viel bedeutet haben musste.

„Also", begann Blaise und verschränkte die Arme hinterm Kopf, „solltest du weiter das Bedürfnis haben dich nach dem Duschen nur im Handtuch durch unser Zimmer zu bewegen, dann kann ich nicht verhindern dass du wie gewohnt von mir eingehend traktiert wirst", er sah zu Draco rüber, begegnete seinem Blick und zwinkerte ihm zu, „aber du musst keine Angst mehr haben dass ich dir was wegkucke."

Dracos Gesicht wirkte immer noch unentschlossen: „Du hast gesagt, du hast angefangen ihn zu mögen als er dich an mich erinnerte", Blaise horchte auf- sein Freund hatte wohl doch aufmerksam zugehört, „Wieso sagst du dann dass du jetzt auf ihn stehst?"

Draco versuchte krampfhaft nicht auf die Stimme in seinem Kopf zu hören, die in ein Weichei nannte. Dann hatte er halt einen Verehrer weniger- was soll´s? Nur dass dieser sein bester Freund war. Flüchtig musterte er seinen Nachbarn. Die schlanke Gestalt war tief in das Polster gerutscht, ein Bein über das andere geschlagen und die Arme immer noch hinter dem Kopf haltend saß er da. Seine Miene verriet dass er sehr aufgewühlt war. Wie sehe ich wohl aus?, fragte sich Draco.

„Weil", setzte Blaise an und wandte sich ihm zu, „du mich wohl nie ran lassen wirst."

Dracos Gedanken überschlugen sich, und ohne zu einem klaren Ergebnis gekommen zu sein erwiderte er: „Und wenn doch?"

Eine Weile sah Blaise ihm nur ungläubig in die Augen als würde er etwas suchen. Aufgrund der intensiven Musterung fühlte Draco sich unbehaglich, er war verlegen und fast bereute er schon was er gesagt hatte, als Blaise sich vorne über beugte und ihn küsste.

Draco stellte fest, dass er schon mal darüber nachgedacht haben musste wie sich Blaise Lippen anfühlen, denn er empfand sie als überraschend rau. Auch seine Berührungen hätten, angesichts der Tatsache das Draco auf diesem Gebiet absolut unerfahren war, einfühlsamer seinen können. Doch sie waren fordernd und zügig, und so blieb Draco nicht viel Zeit nachzudenken. Wie zum Beispiel wie weit er gehen wollte, und ob er das hier morgen bereuen wird oder ob es ihm gefällt… Zumindest die letzte Frage war keine Sache des Denkens, sondern des Fühlens. Und das konnte er. Und ja, es gefiel.

Blaise ließ ihm keine Zeit sich in der neuen Situation zurecht zufinden und die Oberhand zu übernehmen. Sobald er gemerkt hatte, dass Draco wirklich gewillt war und begann den Kuss zu erwidern, schnellte seine Hand vor und packte ihm am Nacken. Er zog den Blondschopf zu sich heran und verhinderte gleichzeitig, dass dessen Zunge zu forsch wurde. Mit einem schnellen Ruck löste er Dracos Hemd aus der Hose und fuhr mit der anderen Hand darunter. Die Hand war kalt, wie Draco feststellte, und sein Oberkörper zog sich so weit zurück wie Blaise Klammergriff es zuließ. Dieser rückte einfach näher und fuhr ungeniert Dracos Seite entlang.

Es kostete Draco einige Kraftanstrengung den Kopf soweit zurückzuziehen, dass er den Kuss unterbrechen konnte. Sein Atem ging schnell und in seinem Kopf summte es. Leicht verstimmt wegen der ungewohnten Behandlung saß er da, nach vorne gebeugte und betrachtete seinen Freund abschätzend. Diese Art von Führung missfiel ihm. ER bestimmte Position und Tempo und Ablauf. Was denkt sich dieser… dieser TYP eigentlich??

Blaise beobachtete amüsiert Dracos Mienenspiel. Er konnte sich sehr gut vorstellen was in ihm vorging, und das seine, Blaise, Art ihm, Draco, gewaltig gegen den Strich ging. Dracos innerer Protest erregte ihn und er hatte nicht vor, hier abzudanken.

„Hoch mit dir!" Blaise sprang abrupt auf, griff Dracos Handgelenk und zerrte ihn hoch. Der wusste nicht wie ihm geschah, setzte zum Wiederspruch an und merkte dann quietschend, dass er keine Luft in den Lungen hatte.

In Blaise Zimmer blieb das Licht aus und die Tür wurde sorgfältig geschlossen. Draco war gerade aus dem eisernen Griff befreit worden und wollte sich organisieren, als er von hinten gegen eine Wand gestoßen wurde.

Er schnappte nach Luft und stemmte, langsam echt verärgert, die Hände gegen die Wand. „Wenn du mit jedem deiner Liebchen so umgehst wundere ich mich warum mir in deinem Zimmer noch nie Blutlachen aufgefallen sind", fauchte er und versuchte sich von den Wand wegzudrücken.

Ein ungewohnter Druck am Steißbein ließ ihn innehalten. Als er dann noch hart bei den Hüften gepackt wurde, erschlaffte sein Körper vor Schreck. Sein Herzschlag pochte überlaut in seinem Kopf und er hatte das Gefühl als würde sich kochendes Blut in seinen Gliedmaßen ausbreiten.

„Die Anspannung hat mir besser gefallen", raunte Blaise nahe an seinem Ohr. Hatte sein Kopf schon die ganze Zeit auf seiner Schulter gelegen? Plötzlich war Draco überempfindlich für jede Berührung. Als die Hände an seinen Hüften um seinen Körper rum zu seinem Bauch wanderten, war es als würde seine Haut brennen.

„Was hast… du… mit mir gemacht?", flüsterte Draco heiser. Blaise Hände trafen sich auf seinem Bauch, umschlangen ihn kurz, dann wanderte eine nach oben und eine nach unten. „Ich an deiner Stelle", sagte Blaise statt einer Antwort, „würde mir Sorgen darüber machen was ich noch alles mit dir machen werde."

Und irgendwie ging es dann ganz schnell- oder schlug nur sein Herz immer schneller? Je weiter Blaise Hände auseinander wichen, desto größer wurde der Druck von hinten und desto weniger Luft bekam Draco. Ihm wurde schwindelig als Blaise Hand unter seinem Hosenbund durchtauchte und in kreisenden Bewegungen durch seine Haare glitt. Der andere Arm legte sich quer um seine Brust und die Finger krallten sich in seine Schulter. Blaise Atem an seinem Ohr ging schnell, aber kontrolliert. Dracos Hemd, auf dass wenig Rücksicht genommen wurde, spannte sich und schnürte ihm noch zusätzlich die Luft ab. Als Blaise Hand sich um sein Glied schloss, sackte Dracos Kopf nach vorne gegen die kühle Wand, und seine Hände suchten nach Halt. Blaise löste seinen Arm von Dracos Brust, nahm eine der Hände und führte sie nach hinten an seinen eigenen Oberschenkel, wo sie sich im Stoff seiner Hose festkrallten.

Der Druck dieser Hand entlockte Blaise ein Stöhnen, das er versuchsweise dadurch unterdrückte, dass er seine Zähne in Dracos Hals schlug. Seine Bewegungen wurden schneller. Dracos Haut brannte bei jeder Berührung und sein Herz pumpte unaufhaltsam heißes Blut durch seinen Körper.

Dann kann die Erlösung. Wie eine langersehnte Dusche fiel die Hitze und die Anspannung ab und Sein Körper sackte in sich zusammen. Er kippte nach hinten und wurde aufgefangen. Der Druck auf seiner Brust und seiner Hüfte verschwanden und er holte tief Luft, jeden Zug genießend.

Blaise dirigierte ihn vorsichtig durch das immer noch stockdunkle Zimmer und platzierte ihm auf dem Bett. Draco ließ sich nach hinten fallen, immer noch Luft holend. Blaise sah belustigt zu ihm runter und fragte: „Alles in Ordnung, Dray?"

Vier tiefe Atemzüge später flüsterte Draco tonlos: „Du Drecksack."

Wie schon erwähnt, war es Hermione, die Ron schlussendlich traf. Sie war auf dem Weg von der Bibliothek zur großen Halle, und rannte in ihren Freund rein, der unterwegs nach draußen war. Da die beiden seit dem Zusammentreffen im Vertrauensschülerbad ein eher angespanntes Verhältnis hatten, Hermione aber trotzdem wissen wollte was Ron so bedrückte, gerieten die beiden aneinander. Auf der großen Treppe.

„Ich hab dir doch schon gesagt- es geht dich nichts an!", raunzte Ron und trat ärgerlich mit dem Fuß auf. Er hatte kein Glück mit den Treppen und würde wohl bis an sein Lebensende im 3ten Stock fest hängen.

„Wenn es dich betrifft, und dich unglücklich macht, finde ich geht es mich schon etwas an", belehrte ihn Hermione und bemühte sich ihren Ärger über diesen Sturkopf im Zaun zu halten.

„Oh ja- angehen tut es dich schon etwas: Ihr beide seid Idioten! Wie könnt ihr euch so aufführen?", Ron sah sie angewidert an. Hermione hatte nicht übel Lust ihn von der Treppe zu schubsen, aber sie schluckte den Drang runter und fragte mit zitteriger Stimme: „Wie aufführen?"

„Wie ihr euch eben aufführt! Wie- wie… wie Malfoy, ok? Du und Harry, ihr führt euch auf wie dieser schleimige Vollarsch! Die ganze Schule redet über schon über euch- hast du mitgekriegt was sie dir alles nachsagen?", rief Ron, empört über Hermiones anmaßende Fragen.

„Das sind nur Gerüchte, Ron. Das ist alles nicht wahr- zumindest nicht so, wie es erzählt wird…", räumte sie ein und sah betreten zu boden. Ron schnaubte verächtlich und setzte zum sprechen an. Hermione taktierte ihn mit zu Schlitzen verengten Augen.

„Red keinen Unsinn- es ist wahr! Du vögelst alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist!", posaunte er mit hochroten Kopf. „Ach ja?", antwortete Hermione hysterisch, „Und du kannst gar nicht bis drei zählen!"

Damit drehte sie mit wehendem Umhang und Haaren ab und ließ einen zur Salzsäule erstarrten Ron auf einer Treppe stehen, die jetzt auch endlich einmal in die Richtige Richtung schwang.

Als Harry an dieser Stelle vorbei kam waren beide längst über alle Berge und der Tag halb vorbei. Harry entschied also zugunsten seines Magens, dass die Aussöhnung mit seinem besten Freund bis nach dem Mittagessen warten könne. Deswegen war er auch nicht mehr unterwegs, als Ginny und ihr Freund langsam zu leben erwachten. So kriegte er auch nicht mit, wie Ginny, auf der Suche nach einem stillen Plätzchen zum nachdenken, versuchte Seamus abzuschütteln, mit dem sie gerade Schluss gemacht hatte, und der auf eine allumfassende Erklärung ihrerseits beharrte. Ginny indes, war nicht gewillt sie ihm zu liefern.

Etwa zur selben Zeit erreichten die Weasley Zwillinge die Winkelgasse über des Flohnetzwerk. Während sie sich einen Weg zu ihrem Laden bahnten, diskutierten sie über die rätselhafte Kundin, und Harrys Idee es könnte sich dabei um eine Veela handeln. Und darüber, ob ihnen diese Information in irgendeiner Weise bei ihrem Problem helfen könnte.

„Fred, ich glaube wir gehen das falsch an", leitete George das Gespräch ein. „Und mein Bruder, du hast eine richtigere Herangehensweise ersonnen?", schlussfolgerte Fred. „Tatsächlich", antwortete George, „nur befürchte ich, sie wird dir nicht gefallen: Ich glaube, wir sollten uns auf die Verdächtigen in Hogwarts konzentrieren." „Und warum", wunderte sich Fred, „sollte ich da etwas gegen haben?"

„Nun", erklärte George und hob den Zeigefinger um seiner Aussage mehr Nachdruck zu verleihen, „diese Art der Herangehensweise beinhalten keine Nachforschungen bezüglich deiner heißen Kundin!"

Fred blieb stehen und legte die Hände auf die Brust, als müsse er sein Herz am zerspringen hindern.

„Bruder!", rief er und die ersten Leute blieben stehen und sahen zu, während George die Hände hinter den Rücken nahm und die Ohren spitzte, „Bruder, wie kannst du mir die Frau meiner Träume nehmen, ach was, entreißen?? Hörst du nicht mein Klagen, siehst du nicht- ich blute, schmeckst du nicht meine Verzweiflung?"

Ein Raunen ging durch die Menge und einige Frauen warfen Fred anerkennende Blicke zu.

„Vorschlag abgelehnt, wir forschen", sagte George knapp. Fred grinste über beide Ohren, schob eine Hand unters Reverse und nahm fröhlich pfeifend seinen Weg auf. Sein Bruder holte in ein und murmelte verhalten: „Und trotzdem behaupten die Leute, wir wären uns ähnlich…" Die Gaffer schüttelten etwas verwirrt die Köpfe und zogen weiter.

Zum Rest dieses verhängnisvollen Samstags ist noch zu sagen, dass sich alle wie abgesprochen Mühe gaben einander aus dem Weg zu gehen. Nur ein Treffen besonderer Natur fand noch statt, doch das war bewusst herbeigeführt. Von einer Seite zumindest.

Es war bereits nach elf als Ron sich am Porträt der fetten Dame vorbei in den Gemeinschaftsraum schob. Er war dem Turm absichtlich fern geblieben und hoffte auch jetzt, unbehelligt ins Bett zu gelangen. Er hatte den spärlich beleuchteten Raum fast durchquert als ihn jemand leise rief. Ginny saß mit einem Krug Butterbier in der Hand im Schneidersitz auf einem Sessel vor dem ausgehenden Kaminfeuer. Intuitiv ging Ron auf sie zu und setzte sich auf eine der Armlehnen.

„Hey", hauchte Ginny, „auch ´nen Schluck?" Sie streckte ihm den Krug entgegen. Ron tat wie geheißen, wobei er in die Flammen starrte. Wusste Ginny was er heute morgen beobachtet hatte? Sie wirkte unbefangen. Sie hatte noch die gleichen Klamotten wie heute morgen an. Schämen tut sie sich ja offensichtlich nicht.

Ron nahm einen großen Schluck und reichte den Krug zurück. Er schenkte seinen Überlegungen wesentlich mehr Aufmerksamkeit als seiner Schwester. Ob sie sich auch so schräg wie Harry und Herm benahm? Wenn er an die Szene an diesem Morgen dachte… sie hatte sich nicht gewehrt, nein, sie hatte es genossen. Irgendwie versuchte ein Teil von ihm es auf die Müdigkeit zu schieben, auf Überrumplung, auf irgendetwas, was Ginnys Entscheidungsgewalt eindämmt und sie weniger… schuldig wirken ließ. Aber er machte sich etwas vor, und dass nicht mal sehr überzeugend.

„Ron?"

Er atmete tief ein und sammelte sich, bevor er sie ansah. Ihr Blick hatte etwas bittendes und forschendes.

„Fändest du es seltsam, wenn ich mit Harry zusammen wäre? Also so richtig, nicht wie das letzte Mal…"

Ron musste lächeln. Nein, seine Schwester war nicht… schräg. Sie war verliebt. Und deswegen hat sie heute morgen so reagiert. Sie hat bestimmt gedacht, es wäre ein Traum.

Ron sah ins Feuer und fühlte, wie sich ein Knoten auflöste. Er legte seiner Schwester den Arm um die Schultern und zog sie an sich.

„Du kannst gehen mit wem du willst. Aber bitte immer nur einer auf einmal, ok?" Er sah auf sie hinab und grinste. Ginny sah erleichtert aus und lehnte sich an ihn. Ihr Atem wurde flacher. Die Wärme des Kamins und die Stille lullte sie beide ein. Ron nahm ihr vorsichtig den Krug aus der Hand und nahm noch einen tiefen Zug. Er lehnte ihren Kopf an ihren und küsste ihre Haare. Sie roch nach Zimt und Butterbier. „Bist du müde?", raunte er leise. Sie nickte leicht. Ron zog sie fester an sich heran und küsste ihre Stirn. „Dann sollten wir schlafen", flüsterte er, und sein Kopf sackte auf ihre Schulter. Seine Nase strich über ihren Hals. Ginny zitterte leicht. „Das kitzelt", sagte sie, und, „Seamus hat das auch immer gemacht."

Ron war schlagartig nüchtern. Er riss die Augen auf und starrte ungläubig auf den Hals seiner Schwester, der so nahe war, das er ihn mit der Zunge hätte berühren können. Ruckartig riss er den Kopf hoch und machte einen Satz von Ginny weg. Verschlafen drehte die sich zu ihm um und musterte ihn verwirrt; „Was ist los Ron?"

Hatte sie das auch bemerkt?? Wie konnte…? Rons Gedanken überschlugen sich, und er ekelte sich vor sich selbst.

„Nichts, ich denke nur du solltest schlafen gehen. Langsam bist du zu schwer um dich noch irgendwohin tragen zu können", künstelte Ron sich eine Antwort zusammen, zog Ginny hoch und schob sie zur Treppe. Mit einem gemurmelten Gute Nacht Gruß und dem Hinweis, dass er auch „zu groß" anstatt „zu schwer" hätte sagen können stakste Ginny nach oben. Ron sah ihr noch hinterher, nachdem oben schon lange die Tür hinter ihr zugefallen war, und er hätte sich geißeln können.