Wiedergutmachung
Sie wusste zwar nicht wieso, aber Sam hatte ein schlechtes Gewissen. Sie hatte schon oft Ärger mit der Polizei gehabt, aber diesmal war es anders. Sie hatte anscheinend Alex und Claire enttäuscht. Wie die zwei geschaut hatten, nicht nur Alex, sondern auch Claire. Wie damals als sie Alex zu ersten Mal getroffen hatte. Sorgenvoll. Bei Alex verstand sie es noch irgendwie. Aber Claire, okay, sie mochte Claire auch. Und die Sache mit Peter tat ihr auch leid. Vielleicht war es nicht gerade der richtige Zeitpunkt gewesen mit dem Sprayen wieder anzufangen. Aber die Gelegenheit war so günstig gewesen. Aber sie wollte Claire nicht noch mehr wehtun, sie hatte schon genug zu leiden. Peter war so ein Mistkerl! Aber Alex, naja, vielleicht war sie ein bisschen hart gewesen. Aber er konnte nicht einfach ankommen und sich in ihr Leben einmischen. Sie war ihm ja dankbar, dass er sie vor dem Heim bewart hatte, aber trotzdem konnte er nicht über sie bestimmen. Dieses recht hatte er in dem Moment verwirkt, in dem er beschlossen hatte allen anderen nachzugeben und sich nicht um sie zu kümmern! Sam bat Becky um die Schlüssel für den Pickup, sie wollte wenigstens was für Claire tun. Sie fuhr den Pickup in den Schuppen und schloss die Türen.
Jodi hatte die ganze Szene beobachtet und wandte sich nun an Becky. „Was Sam wohl da drinnen macht?" „Na, den Pickup reparieren," antwortete Becky wenig interessiert. „Ach, und wieso fährt sie ihn dafür in den Schuppen?" fragte Jodi neugierig nach. „Damit sie von dir nicht gestört wird." Becky war langsam etwas genervt. Jodi ging nicht darauf ein, „Hm, nachdem was sie letzte Nacht in Gungellan getrieben hat trau ich ihr alles zu. Komm, lass uns mal nachschauen." Und schon war Jodi zur Tür hinausgeeilt. Becky folgte ihr seufzend. Diese Neugierde würde Jodi noch mal umbringen. Vorsichtig schlichen sie sich in den Schuppen. „Siehst du," flüsterte Jodi. „Ich hab dir doch gesagt, dass da was faul ist." Sam war gerade dabei den Pickup auseinander zu schrauben. Teile der Verkleidung lagen schon aufgereiht am Rand. Becky trat aus der Dunkelheit hervor: „Was soll denn das werden?" Sam blickte erschrocken auf. Aber sie war schnell wieder gefasst. Hier half ihr nur die Wahrheit, sonst würde Becky nur alles Claire erzählen und den Plan zerstören. „Claire tut mir leid. Erst die Sache mit Peter, und jetzt hab ich ihr auch noch ärger gemacht. Ich wollte sie morgen früh überraschen. Der Pickup müsste dringend mal generalüberholt werden. Ich wollte die ganze Mechanik und den Innenraum reinigen und die Verkleidung neu lackieren." Becky und Jodi schauten sie verblüfft an. Jodi lachte: „Das ist eine super Idee!" und wollte sich aus dem Staub machen, doch Becky hielt sie fest. „Können wir dir vielleicht helfen, Sam?" Sam lächelte sie an: „Ja gerne, ein bisschen Hilfe könnte ich echt gebrauchen!" Jodi murrte, aber Becky lachte nur „Tja, wer neugierig ist… Komm pack mit an." Zu dritt machten die Mädchen sich über das Auto her. Da Becky am meisten Ahnung von Autos hatte, fing sie an die mechanischen Teile zu säubern und kaputte Teile zu reparieren. Jodi übernahm die Reinigung der Fahrgastzelle und Sam machte sich ans Lackieren. Ihre Spraydosen waren halt auch für was anderes gut. Einträchtig arbeiteten die drei die ganze Nacht durch. Jodi holte zwischendurch was zum Essen und Trinken, etwas Stärkung musste schließlich sein. Nachdem Sam die Grundlackierung in einem schönen blau vorgenommen hatte half sie Becky, bis der Lack trocken war um den Schriftzug „Claire L. & Tess C. McLeod – Drover's Run" in schwarz drauf zu sprühen. „So, der Motor ist so weit wieder in Ordnung. Sam, kannst du ihn mal anlassen." Becky schaute rüber zu Sam, die gerade eine Seitenwand wieder auf den Pickup montierte. Sam nickte und stieg ein. Als sie den Motor startete schreckte Jodi hoch, sie war vor lauter Müdigkeit auf einem Strohballen eingeschlafen. Verwirrt blickte sie auf Becky und Sam, die sich anstrahlten. „Geschafft!" meinte Becky zufrieden. „Jetzt nur noch die Kleinigkeiten."
Früh morgens waren sie endlich fertig. Becky fuhr das „neue" Auto auf den Hof. Claire und Tess würden Augen machen. Hoffentlich wusste Claire die Mühen auch zu schätzen, sie war bei neuen Sachen manchmal etwas komisch. Vollkommen fertig, aber glücklich machten die Mädchen sich auf den Weg in ihre Betten um noch ein, zwei Stunden Schlaf zu erwischen.
