Der Morgen danach
An diesem Morgen schlief Claire länger als sonst und wurde von Tess' Jubelschrei geweckt. Eilig stand sie auf, und sackte erstmal aufs Bett zurück. So einen Kater hatte sie schon lange nicht mehr gehabt. Sie erschrak. Alex. Hatte sie das alles nur geträumt, der Kuss, die gemeinsame Nacht? Nein, sie war sich sicher, es war wirklich geschehen. Aber wo war Alex? Wieso war er nicht hier? Liebte er sie nicht? Liebe? Soweit war es also schon… Nein, Alex war ein Freund. Sie hatte Peter geliebt, aber Alex war immer nur ich Rückhalt gewesen. So langsam wurde es Claire bewusst was sie da dachte, ihr Rückhalt. Sie musste lächeln, ja, Alex war immer für sie da, und sie würde immer für ihn da sein. Wenn er da war fühlte sie sich sicher, geborgen…und glücklich. Konnte es denn wahr sein, das sie mehr als Freunde waren? Vielleicht hatte sie sich in ihn verliebt. Hm, das war bestimmt der Alkohol, Claires Kopf hämmerte. Unter Alkoholeinfluss tat man Sachen die man sonst nie tun würde. Kein Wunder das Alex davongelaufen war, er liebte sie nicht, er hatte gestern nur Trost gebraucht, die Sachen die Sam ihm an den Kopf geworfen hatte, hatten ihn schwer getroffen.
Claire machte sich langsam fertig und ging nach unten. In der Küche wurde sie von Tess begrüßt: „Komm mit! Ich muss dir was zeigen!" Tess zog Claire mit sich auf den Hof. „Schau mal!" Sie deutete auf den Pickup. „Claire L. & Tess C. McLeod – Drover's Run", lass Tess stolz vor. "Ist das nicht toll? Jetzt steht mein Name auch drauf!" Tess strahlte. „Haben wir ein neues Auto?" fragte Claire geistesabwesend. „Oh!" Erst jetzt erkannte sie unter dem leuchtenden dunkelblauen Pickup ihren alten Wagen. „Seit wann haben wir das Geld dafür unsere Autos neu zu lackieren?" Tess deutete auf Sam die gerade mit Becky und Jodi Richtung Nordweide davon ritt. „Scheint so als hätte jemand eine sinnvolle Verwendung für ihre Spraydosen gefunden." „Hm, erinnere mich daran, dass ich Sam nachher darauf anspreche." Claire war immer noch nicht ganz bei der Sache. Langsam wurde Tess aufmerksam, „Du siehst aus, als hättest du die ganze Nacht durchgefeiert!" Claire brummte und stiefelte in die Küche. Sie brauchte dringend einen Kaffee. „Claire, alles in Ordnung?" Tess beeilte sich hinter ihr herzukommen. Nachdem sie sich einen Kaffee eingeschenkt hatte setzte Claire sich hin und starrte angestrengt auf die Tischplatte. Tess war beunruhigt. Die Sonne war schon längst aufgegangen und Claire saß verloren in der Küche rum, saß vollkommen fertig aus und machte keine Anstalten mit der Arbeit anzufangen. „Was ist los?" Claire schaute sie nachdenklich an und erzählte ihr grob was letzte Nacht vorgefallen war. Tess kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Claire und Alex. Sie hatte es zwar vermutet, aber so? Das hatte sie nicht erwartet. Aber das wie war ja schließlich egal! „Na ist doch großartig! Ihr gebt ein prima Paar ab!..." „Tess!" Claire unterbrach sie, „Siehst du Alex hier irgendwo? Es war ein Fehler. Ich habe Trost und Selbstbestätigung gesucht. Und Alex war total fertig wegen Sam. Das hätte nie passieren dürfen! Ich habe die Situation ausgenutzt!" „Jetzt spinnst du aber, Claire! Einen Alex Ryan kann man nicht ausnutzen!" Im Stillen dachte sich Tess, das es wohl eher umgekehrt war, so viele wie Alex abschleppte, er hat bestimmt gern mitgemacht. Claire reichte es nun, es machte keinen Sinn sich den Kopf zu zerbrechen. Es war ein Fehler, und sie würde einfach so tun, als wäre nie etwas passiert! Sie wollte Alex nicht als Freund verlieren! „Das das ja unter uns bleibt" wies sie Tess zu Recht. Und ging hinaus, es gab viel zu tun!
Zur selben Zeit auf Wilgul war Nick überrascht seinen Bruder beim Holzhacken vorzufinden. „Danke, dass du mein Holz hackst! Aber was machst du hier?" „Hatte keinen Bock auf Harry." Alex drosch auf das Holz ein. Nick schaute ihm eine Weile dabei zu, bis es aus Alex heraus brach: „Ich hab Mist gebaut!" Nick griff sich eine Axt und half seinem Bruder. Nach ein paar Minuten setzte Alex hinzu: „Ich hab mit Claire geschlafen!" Nick hielt inne. Hatte er richtig gehört? „Na, und? Liebst du sie?" Alex schwang weiter ununterbrochen die Axt. „Es war falsch. Sie war ziemlich mit den Nerven am Ende wegen Peter. Ich habe sie ausgenutzt!" „Und jetzt?" fragte Nick. Alex hielt mit seiner Arbeit inne und schaute ihn an, „Ich werde einfach alles vergessen. Ich möchte mit ihr wenigstens befreundet bleiben." „Na, wenn du meinst, dass das das Richtige ist!" Nick sah Alex kopfschüttelnd an. Sein Bruder empfand mehr für Claire als er sich eingestehen wollte. Aber da musste er selber dahinter kommen.
