Tess
Der Rodeo-Tag hatte ziemlich viel geändert. Da Alex nun mit Nick auf Wilgul lebte, war auch Sam öfters da, und merkwürdigerweise auch Tess und Claire. Tess noch öfter als Claire, da Claire's und Alex's Ausbildungsbetrieb hauptsächlich auf Drover's stattfinden sollte. Tess dagegen lag voll auf Nick's Bio-Linie, und gemeinsam versuchten sie Wilgul zu einer biologischen Farm umzugestalten.
Nach einem langen Tag wollten Tess und Nick noch mal ihre weiteren Pläne durchgehen und machten es sich zur Entspannung in Nick's Wohnzimmer gemütlich. Nick zauberte eine Flasche Wein herbei und sie machten sich an die Arbeit. Nach einer Weile sprach Nick Tess an: „Hey, was ist los?"
Tess saß gedankenverloren auf dem Sofa. Nachdenklich fragte sie: „Was hältst du eigentlich von Alex und Claire?" „Hm, schwierig." Nick wusste nicht ob Claire Tess was von dieser Nacht erzählt hatte. „Schon seit wir Teenager waren denke ich, dass die zwei zusammengehören, auch wenn Dad und Jack immer Pläne für mich und Claire hatten." Er musste grinsen.
Tess lächelte, „Tja, aber Harry wird sicherlich auch nichts gegen eine Verbindung von Claire und Alex haben. Hauptsache einer von euch heiratet Claire." „Oder eine andere McLeod-Schwester," Nick schaute ihr tief in die Augen. Verlegen senkte Tess den Blick, „Ich sollte wohl mal los. Sonst macht Claire sich noch Sorgen!" „Ja, ist gut."
Nick begleitete sie noch zur Tür. Als er für Tess diese öffnen wollte griff er mit einem Arm über Tess hinweg damit er die Klinke zufassen bekam. Ihre Gesichter waren nur noch Zentimeter von einander entfernt. Nick wollte Tess so gerne küssen, aber er fühlte, dass sie noch nicht bereit dafür war, oder dachte noch nicht bereit zu sein. So wartete er einen Moment um Tess die Gelegenheit zu geben das Tempo zu bestimmte. Tess durchzuckte es, er war ihr so nah, aber sie hatte mit seinem Bruder….und sie mochte Nick wirklich, sie brauchte einfach Zeit um das ganze richtig anzupacken. Diesmal wollte sie nichts falsch machen, sie wollte es nicht versauen. Schnell duckte sie sich unter seinem Arm hindurch und lächelte ihn noch mal an während sie zu Oskar ging.
Schnell machte sie sich auf den Weg durch die hereinbrechende Nacht nach Drover's. Im Dunkeln wirkte alles immer ein bisschen unheimlich, aber gleichzeitig auch so schön. Tess war froh den Schritt aufs Land gemacht zu haben, sie konnte es sich gar nicht mehr vorstellen in der Stadt zu leben. Ob es Sam auch so ging? Das Mädchen tat ihr leid, hatte mit einem Schlag alles verloren. Und aus eigener Erfahrung wusste Tess wie schwer es war sich hier auf dem Land zurechtzufinden und von den anderen akzeptiert zu werden. Trotzdem hatte sie noch keinen Zugang zu dem Mädchen gefunden. Es schien ihr, als hätte Sam mehr mit Claire und Becky gemeinsam. Sie redete nicht so viel und wusste genau was sie wollte. Auf der anderen Seite schien es als hätte sie immer bekommen was sie wollte, aber ob sie es sich jetzt selbst genommen oder von ihren Großeltern bekommen hatte war Tess nicht klar. Insgesamt war sie Alex schon recht ähnlich. Auch ihr Auftreten dem anderen Geschlecht gegenüber schien recht selbstbewusst, sie musste wohl in der Stadt ne ziemlich große Nummer gewesen sein. Sie sah ja auch echt gut aus. Aber schien keine Problem zu haben hier nicht im Mittelpunkt zu stehen. Hoffentlich ging es hier gut, wenn sie doch bloß mal was sagen würde, aber da war sie genauso wie Claire. Tess wunderte sich, als sie nach Hause kam saß Claire mit einem Becher Kakao in der Küche und grübelte vor sich hin. Das tat sie sonst nur wenn etwas nicht in Ordnung war.
Zur gleichen Zeit redete Jodi in Becky's Zimmer auf Becky und Sam ein. Becky und Sam lagen auf Becky's Bett und schmökerten in einer Pferdezeitschrift. Jodi stand mit verschränkten Armen vor ihnen, „Ach kommt, ihr könnte doch nicht jeden Abend zu Hause hocken. Wir sind jung, da muss man auch mal weggehen."
Becky hob den Kopf, „Du kannst ja alleine gehen, wenn du unbedingt willst!" „Ihr sein so langweilig!" beschwerte sich Jodi. „Nein, nicht langweilig, müde!" gab Becky zurück. Jodi zuckte resigniert mit den Schultern, „Dir kann man auch nicht mehr helfen, ohne Jake geht's du ja nirgendwo mehr hin." Becky lächelte nur.
Jodi wandte sich an Sam, „Und, was ist mit dir? Du beschwerst dich doch ansonsten immer, dass hier nichts los ist!" „Ich will nicht!" Sam schaute noch nicht mal auf. Jodi setzte nach „Wo ist die wilde Sam geblieben, die gegen alles und jeden rebelliert? Komm schon, lass uns einen drauf machen!" „Ich will nicht!" wieder holte Sam. „Das glaub ich nicht!" drängelte Jodi, „Ein paar Bier, ein bisschen Action, das wird ein super Abend. Komm gib dir einen Ruck!"
Sam erhob sich seufzend, „Pass auf, ich erklär es dir nur einmal! Ich kann nicht!" Sam zögerte. „Wieso nicht?" fragte Jodi. Nun war auch Becky aufmerksam geworden und sah Sam fragend an. „Das hört sich vielleicht blöd an, aber ich bin es Alex schuldig. Ich hab es ihm nicht gerade leicht gemacht." Sie schluckte, „Und er hat seine Familie für mich verlassen!" Jodi verstand nicht so ganz, „Und wieso kannst du dann nicht weg gehen?" „Weil ich immer in irgendwelchen Mist gerate wenn ich ausgehe, auch wenn ich es nicht will. Ich kann einfach nicht anders. Da bleib ich lieber hier, das ist sicherer!" Das verschlug Jodi die Sprache, sie nickte nur und ging hinaus.
Becky griente, „So langsam hast du Alex wirklich gern, oder?" Sam schaute ihr in die Augen, „Ich hatte ihn schon immer gern, mein ganzes Leben lang. Aber ich weiß noch nicht ob ich ihm verzeihen kann, dass es ihn nicht interessiert hat wie es mit geht, wer ich bin, was ich mache." „Er wusste ja noch nicht mal wo du wohnst," gab Becky zu bedenken. „Er hätte mich suchen können!" Mit diesen Worten warf Sam sich wieder neben Beck auf das Bett und schnappte sie die Zeitschrift, für sie war die Unterhaltung damit beendet. Becky drückte kurz Sam's Arm und deutete dann auf ein Bild in der Zeitschrift, das ein Palomino-Fohlen zeigte, „Das sieh aus wie Blaze als sie noch jung war."
