Vaterlos

Am nächsten Tag war die Stimmung auf Drover's merkwürdig angespannt. Auch wenn die anderen nicht wussten was los war, jedem war klar, dass etwas nicht stimmte. Es fing schon damit an, dass Claire den halben Vormittag verschlief, und auch Alex erst gegen Mittag zum Pferdetraining auftauchte. Die beiden sprachen kein Wort miteinander. Claire warf Alex immer wieder verzweifelte Seitenblicke zu, sie hasste es mit ihm verkracht zu sein. Aber sie verstand seine Haltung einfach nicht, sie brauchte ihn jetzt, sonst war er doch auch immer für ihn da.

Alex bemerkte sehr wohl ihre Blicke, und musterte Claire seinerseits wenn er sich unbeobachtet fühlte. Er wusste nicht, was er machen sollte, er wollte ja für Claire da sein, aber ein Baby? Er hatte Angst, dass ein Kind seine Beziehung zu Sam verschlechtern würde.

Sie standen am Zaun der Pferdekoppel und beobachteten Duran, einen jungen Wallach, den sie neu zur Ausbildung bekommen hatten. Keiner traute sich was zu sagen. Claire war einfach nur zum heulen zu Mute, aber dafür war sie einfach zu sehr Claire. Schnell schluckte sie den Kloß im Hals runter. Alex stützte sich fest auf dem Zaun ab um nicht von einem Fuß auf den anderen zu steigen. Er wusste, das er was sagen musste.

„Claire, es tut mir leid!" fasste er sich ein Herz.

„Was tut dir leid?" Claire zweifelte an seiner Aufrichtigkeit.

Alex ignorierte ihre Frage. „Obwohl, ein Baby mit unseren Genen…das muss echt ein Prachtbursche werden!" Er grinste. Doch Claire war nicht zum Scherzen zu mute.

„Was tut dir leid?" fragte sie nochmals. Alex seufzte. „Es tut mir leid, dass ich so heftig reagiert habe. Aber du musst das verstehen, ich muss an Sam denken. Sie hat mich gerade wieder, und ich weiß nicht wie sie reagiert wenn sie jetzt auf einmal Konkurrenz bekommt."

„Alex, wir sprechen von unserem Baby! Du wirst dich irgendwann damit auseinandersetzen müssen. Wir bekommen ein Baby, ob du willst oder nicht." Sagte Claire wütend und wollte davon rauschen.

Sie drehte sich um und blickte in Sams blau-grüne Augen in denen sich Verwirrtheit und auch ein bisschen Wut zeigte. Claire hielt Sams Blick einen Moment stand, bis sie sich auf den Weg ins Haus machte, sie brauchte dringend was Kühles zum Trinken.

Alex starrte ihr nach, bis sein Blick auf eine ungläubig schauende Sam fiel. Sie hatte alles mitbekommen, eigentlich hatte er ihr das in Ruhe beibringen wollen. Claire hat ja recht, er musste sich damit auseinandersetzten, und Sam auch, aber nicht so!

„Sam?" Sie blickte ihn an. „Sam, ich…" bei Sams Blick blieben ihm die Worte im Hals stecken.

„Claire ist schwanger?" Sam wollte sich vergewissern. Alex nickte. „Von dir?" Sam konnte es immer noch nicht glauben. Wieder nickte Alex.

Sam ging ein paar Schritte weiter und schaute nachdenklich über die weiten Felder und Wiesen von Drover's Run. Alex stand hilflos hinter ihr und wusste nicht was er sagen sollte, was Sam hören wollte, was Sam dachte, was sie fühlte. Er wollte ihr sagen, wie wichtig sie ihm war, sie war seine Tochter, und er liebte sie, egal wie viele Kinder er noch bekommen sollte.

Doch Sam kam ihm zuvor: „Du bist ein Idiot! Die Frau deiner Träume bekommt ein Kind von dir und du weist sie zurück!"

„Moment mal, Frau meiner Träume?" Alex schaute sie verwirrt an, doch Sam zog nur eine Augenbraue hoch, „Halt mich nicht für blöd, Alex! Ich bin doch nicht blind!" aber sie war nicht bereit auf Alex Gefühle für Claire einzugehen. Sam fuhr mir erhobener Stimme fort, „Jetzt hör mir mal ganz genau zu! Du hast 14 Jahre meines Lebens verpasst…, 14 lange Jahre. Ich hab Dich vermisst, ich habe mir nichts Sehnlicheres gewünscht als einen Vater zu haben. Ich habe darunter gelitten ohne Vater aufzuwachsen."

Bei diesen Worten wurde Alex ganz komisch, es war das erstmal das Sam ihm das so direkt sagte. Und es tat ihm Leid, unendlich leid. Sam's Stimme wurde bitter: „Und jetzt willst du das Claire's Baby auch antun? Ohne Vater auszuwachsen? Ohne mich! Hörst du! Zieh mich nicht damit rein! Ich will nicht, dass mein Geschwisterchen dasselbe durchmachen muss wie ich! Und noch was, ICH werde für meinen Bruder oder meine Schwester da sein! Reiß dich zusammen Alex!" Mit diesen Worten ließ Sam ihn alleine zurück, sie wollte mit Claire reden.