Zwei Zuhause
Nach dem Rennwochenende war schnell wieder die Ruhe des Alltags eingekehrt. Claire's Bauch wuchs und die anderen übernahmen immer mehr von ihren Aufgaben, oder versuchten es zumindest. Claire wollte natürlich immer noch alles selber machen. Sam arbeitete die meiste Zeit auf Drover's, half aber auch oft auf Wilgul aus. Das war nötig geworden, da Alex fast die ganze Zeit auf Drover's zu finden war, eigentlich ging er nur zum Schlafen nach Wilgul. Er wollte einfach möglichst nah bei Claire, dem Baby und Sam sein. In ihm machte sich immer mehr Gedanke breit, dass es Zeit für den nächsten Schritt in seiner Vater-Tochter-Beziehung zu Sam war. Und so kam er eines Abends, nach einem Gespräch mit Claire und Nick, auf Sam zu. „Na Kleines, alles klar?" begrüßte er seine Tochter, die auf der Veranda saß und nach einem harten Arbeitstag eine kalte Cola genoss.
Sam tat so, als ob sie verärgert wäre und runzelte die Stirn, „Ich bin nicht klein!" Und das war sie mit ihren 1,65 m wirklich nicht. „Okay, Große! Wie war dein Tag!" korrigierte Alex sich lachend. Sam grinste: „Anstrengend. Am meisten Arbeit macht es Claire von der Arbeit abzuhalten." „Typisch Claire! Was anderes hätte ich von ihr auch nicht erwartet!" antwortete Alex. „Jep, das ist wohl war! Willst du ein Bier?" fragte Sam und stand auf ohne die Antwort abzuwarten. Kurze Zeit später kam sie mit einer weiteren Cola und einem Bier aus der Küche zurück. „Danke!" sagte Alex nachdem er das Bier entgegen genommen hatte. „Du Sam, ich hab da mal nen Vorschlag…" begann er fast etwas schüchtern. Sam schaute ihn fragend an. „Ja…..???" Worauf wollte er jetzt schon wieder hinaus? „Wie wärs wenn wir dir in Wilgul auch ein Zimmer einrichten. Ich mein, wenn du dann abends noch auf Wilgul bist, musst du nicht immer noch zurück nach Drover's und wir könnten mehr Zeit miteinander verbringen, dein Zimmer hier würdest natürlich behalten…." Druckste Alex rum. Er war sich nicht sicher wie Sam darauf reagieren würde. Aber seine Sorge war unbegründet. „Coole Sache! Das wär echt super!" Sam freute sich über seinen Vorschlag. Es war ja auch irgendwie merkwürdig, da hatte sie ihren Vater gefunden, und lebte trotzdem nicht mit ihm unter einem Dach. Aber ihr Zimmer auf Drover's würde sie nicht hergeben. Drover's war zu ihrem zu Hause geworden, hier wollte sie nie wieder weg.
Am nächsten Tag fuhren Alex, Sam und Claire in die Stadt und suchten Möbel für Sam's neues Zimmer aus. Sam hatte sich ein Bett gewünscht bei dem man fast auf dem Boden lag, und so bekam sie eines bei dem die Matratze auf ein einfaches Lattenrost gelegt wurde. Dazu kam ein heller Holzschrank mit Milchglastüren und zwei niedrige Tische für Fernseher und Stereoanlage. Alex wollte, dass Sam sich auch auf Wilgul zu Hause fühlte und scheute keine Kosten um Sam's Zimmer ganz nach ihren Vorstellungen einzurichten. Auf den Fußboden kam ein kleiner dunkel und hellblauer Flickenteppich, die zu den ebenfalls blauen Vorhängen passten. In einem Posterladen kauften sie noch ein paar Pferdeposter und Glasrahmen. Als das Zimmer abends fertig eingerichtet war, schauten Claire und Alex in Sam's glückliches Gesicht. Sie hatte sich ihr Bett geschmissen und schaute sich zufrieden in dem Raum um. „Komm! Lassen wir sie sich in Ruhe eingewöhnen!" Alex führte Claire mit einer Hand an ihrem Rücken ins Wohnzimmer, wo sie von Harry's Anwesenheit überrascht wurden.
„Claire, Alex…. Ich hab gehört, dass Sam jetzt hier eingezogen ist und hab gedacht sie könnte etwas für ihr Zimmer gebrauchen." In der Hand hielt Harry eine nagelneue Playstation. Alex seufzte. Harry würde es nie verstehen. Liebe kann man sich nicht kaufen. Aber er wollte Sam auch nicht ihren Großvater vorenthalten. Missmutig trat er einen Schritt zur Seite und streckte seinen Arm aus. „Da entlang!" Nachdem Harry in Sams Zimmer verschwunden war schaute Alex augenrollend zu Claire. Claire lächelte nur und packt ihn am Arm, „Keine Bange Alex, das wird schon. Sam ist nicht käuflich. Mal ganz davon abgesehen, hat sich Harry in den letzten Wochen echt lieb verhalten und die beiden scheinen sich ganz gut zu verstehen! Sei doch froh drum und verzeih ihm endlich! Wenn Sam es konnte, wieso du nicht?" Alex grummelte vor sich ihn und verschwand in der Küche um sich ein Bier zu holen.
Als er wieder kam hatte er sich etwas beruhigt, er reichte Claire ein Wasser und meinte: „Vielleicht hast du ja recht. Aber verzeihen kann ich ihm noch nicht. Er wollte meine Tochter nicht, meine kleine entzückende Tochter! Erst muss er beweisen, dass er seine Meinung wirklich geändert hat und nicht nur seine Fahne mal wieder in den günstigen Wind gehängt hat!" „Das hört sich doch schon viel besser an!" sagte Claire. Sie versuchte das Positive aus Alex Worten heraus zufiltern und war froh darüber, dass Alex sich nicht mehr so ganz unversöhnlich anhörte. Sie fragte sich nur, wie Harry bitte beweisen sollte, dass er Sam wirklich gern hatte, nicht ahnend, dass er schon bald die Chance dazu bekommen sollte.
Währenddessen war Sam von der Playstation total begeistert. Eigentlich mochte sie viel lieber an der frischen Luft sein, aber an einem kalten Regentag würde die Playstation eine willkommene Abwechslung sein. Innerlich musste sie lachen, Harry hatte sich neben sie auf ihr Bett gesetzt, es war schon lustig, Harry Ryan fast auf dem Boden sitzen zu sehen. Aber Sam fand es klasse, die beiden unterhielten sich fast eine halbe Stunde lang. Sam erzählte ihrem Großvater davon was sie die vergangene Woche alles erlebt hatte, und Harry fragte immer mal wieder ganz interessiert nach. Sam erschien die Welt fast perfekt, jetzt fehlte nur noch, dass Alex und Claire zusammen kommen, dann hätte sie auch wieder eine Mutter.
