Ein Teenager hat's nicht leicht
Die nächsten Wochen übernachtete Sam ein paar Mal auf Wilgul, ihr gefiel es nicht nur Alex öfter um sich zu haben, auch zu Nick baute sie eine immer engere Beziehung auf. Ihrer Meinung nach war Alex zwar viel cooler als Nick, aber Nick war immer so einfühlsam und lustig. Mit ihm konnte sie sich richtig gut unterhalten.
Aber obwohl sie nun des Öfteren auf Wilgul war blieb Drover's ihr Zuhause. Sie fühlte sich wohl wenn Claire in der Nähe war und auch mit Tess, Meg, Becky und Terry verstand sie sich super. Der größte Vorteil gegenüber Wilgul war allerdings ihrer Meinung nach Jodi. Sie und Jodi waren richtig gute Freunde geworden und bauten jede Menge Blödsinn zusammen. Sie konnten stundenlang miteinander quatschen, dabei redeten sie hauptsächlich über Themen, über die sie sich mit Alex und Claire nicht so gut unterhalten konnte, wie über Make-Up oder Klamotten. Es machte weder Sam noch Jodi was aus, dass Jodi fünf Jahre älter war als Sam. Trotz des Altersunterschiedes waren sie fast unzertrennlich.
An einem Freitag kam Jodi freudig zu Sam gerannt, die gerade Hurricane striegelte. „Hey Sam, du erinnerst dich doch noch an Joe, oder?" „Das war doch der Typ den du bei der Party nach dem Rennen in Fisher aufgerissen hast?" fragte Sam nach. „Ja, genau der!" bestätigte Jodi. „Joe ist jetzt nach Gungellan gezogen und gibt heute Abend eine Einweihungsparty und er hat uns eingeladen!" „Wow, super! Ist ja Wahnsinn! Das wird bestimmt super!" jubelte Sam. Endlich mal wieder ne Party, das musste sie gleich Alex und Claire erzählen. Schnell liefen die beiden in die Küche, wo sie die versammelte Mannschaft vorfanden.
„Alex, stell die mal vor. Jodi und ich sind heute auf eine Party eingeladen!" erzählte Sam aufgeregt. „Was ist das den für eine Party?" erkundigte sich Alex. „Joe, ein Typ den ich kennen gelernt habe feiert eine Wohnungseinweihungsparty." Erklärte Jodi. „Aha, und wie alt ist dieser Joe?" hakte Alex skeptisch nach. „25!" prahlte Jodi. Alex und Claire tauschten einen misstrauischen Blick aus. „Ich denke nicht, dass du da hingehen wirst, Sam." Sagte Alex vorsichtig. Sam's Miene verfinsterte sich augenblicklich. „Wieso nicht? Jodi geht doch auch!" „Ja genau, wieso denn nicht? Ich pass schon auf sie auf!" stand Jodi Sam bei. „Ich halte es einfach nicht für eine gute Idee, wenn meine 15-jährige Tochter auf eine Party geht, wo sich 25-jährige junge Männer rum treiben!" begründete Alex. „Sam, das musst du verstehen. Für so eine Party bist du einfach noch ein bisschen jung!" bekräftigte Claire. Sam wurde langsam sauer, wieso wollten sie ihr das bisschen Spaß verbieten?
„In Melbourne bin ich ständig auf solche Parties gegangen, und Mum hatte nichts dagegen." Sagte sie etwas lauter mit Tränen in den Augen. „Wir sind hier aber nicht in Melbourne, und ich hab halt etwas andere Regeln als deine Mum!" Alex hasste es, aber er wusste, dass er jetzt streng sein musste. „Deine Regeln sind doof! Ich will auf diese Party!" schrie Sam. „Wenn du älter bist, kannst du auch auf solche Parties gehen. Aber vorerst muss Jodi alleine gehen." Claire versuchte die Wogen zu glätten. Jetzt brannten Sam die letzten Sicherungen durch, ihr Kopf war hochrot angelaufen und sie brüllte Claire an, „Du bist nicht meine Mum! Du hast mir gar nichts zu sagen! Nie!" Das reichte Alex, er liebte Sam, aber sie hatte kein Recht so mit Claire zu reden. „Das reicht Sam! Du wirst nicht auf diese Party gehen! Ende der Diskussion! Und jetzt entschuldigst du dich sofort bei Claire! Sie hat es nicht verdient so mies von dir behandelt zu werden!" Alex war wütend. Aber Sam stand dem in nichts nach, „Du kannst mich Mal!" Mit diesen Worten lief sie aus der Küche und knallte die Tür zu. Weinende lief sie in ihr Zimmer und schmiss sich auf ihr Bett. Die Welt war einfach ungerecht! Sie wollte auch erwachsen sein und tun und lassen was sie wollte.
Alex stand wie versteinert in der Küche. So hatte er Sam noch nie erlebt. Verzweiflung machte sich in ihm breit, wieso war sie auf einmal so. Er verstand das nicht. Claire ging auf ihn zu und sagt sanft: „Hey, mach dir keinen Kopf. Sam ist 15, da reagiert man manchmal so. Teenager handeln nicht immer logisch. Morgen ist alles wieder in Ordnung, du wirst schon sehen. Dann hat sie uns wieder gern!" Alex schaute sie nur stumm an. Seine Augen waren so traurig, sie konnte nicht anders als ihn in den Arm zu nehmen und ihn festzuhalten.
Als sich Claire's Arme um ihn schlagen wurde Alex ganz warm ums Herz. Plötzlich fühlte er sich geborgen und sicher und er wusste, dass alles gut werden würde. Claire war schon erstaunlich, da ging Sam sie so hart an, und trotzdem schien sie nicht sauer auf sie zu sein. Sie würde eine prima Mutter werden. Vorsichtig erwiderte er ihre Umarmung. Und so standen sie eng umschlungen in der Küche. Die anderen hatten die Geschehnisse geschockt verfolgt, so einen Streit zwischen Sam und Alex und Claire hatten sie noch nie erlebt. Aber Claire hatte Recht, Sam war ein Teenager, und Teenager waren nun mal manchmal irrational. Als Claire und Alex nun so innig umschlungen dastanden gingen sie alle leise hinaus um den Beiden etwas Privatsphäre zu gönnen. Nach einer Weile löste Claire die Umarmung, „Willst du heute Nacht im Gästezimmer übernachten? Da kannst gleich morgen früh in Ruhe mit Sam reden." Alex nickte noch immer etwas bedröppelt, „Danke!... Ich geh noch etwas nach draußen, ich muss wieder einen freien Kopf bekommen!" „Ist in Ordnung!" Claire verstand, dass ihr bester Freund jetzt erstmal etwas alleine sein wollte.
Sam lag die halbe Nacht immer noch wütend und traurig in ihrem Bett und beobachtet aus dem Fenster wie Jodi abgeholt und wieder heimgebracht wurde. Erst spät fiel sie in einen unruhigen Schlaf.
Am nächsten Morgen kam sie erst in die Küche als die anderen schon fast fertig mit frühstücken waren. Sie wollte sich gerade schweigend einen warmen Kakao machen, als ein Auto auf den Hof fuhr. Verwundert über den frühen Besuch gingen alle nach draußen. Ein schicker schwarzer BMW stand in der Einfahrt und ein älteres Paar und ein junge Frau stiegen aus. „Nicole!" sagte Alex verwundert, gleichzeitig stieß Sam ein „Oma! Opa!" aus. Die anderen schauten überrascht zwischen den unerwarteten Besuch und Sam hin und her. Auf einmal kam noch ein zweites Auto angerollt, ein Polizeiwagen.
Claire verspürte plötzlich ein flaues Gefühl in der Magengegend. Das konnte nichts Gutes bedeuten.
