Überraschung

Die nächste Woche verging wie im Flug. Eigentlich wollte Sam noch so viel machen bevor für sie „der Ernst des Lebens", wie Jodi und Becky sie immer neckten, anfing. Aber ehe sie sich versah war der Dienstag schon da.

Schon unter der Woche hatte Sam mit Alex besprochen, was sie alles mitnehmen wollte. Nach dem Mittagessen packte sie nun ihre Sachen auf Claire's Pickup und verabschiedete sich von den anderen. Sam hatte das Gefühl ihre Freunde würden einen Aufstand machen, als würde sie für ein Jahr fortgehen und nicht für drei Tage. Aber auf der anderen Seite konnte sie sich noch gut an den Tag erinnern als ihre Großeltern sie geholt hatten, damals hatte sie sich nicht verabschieden können… dann war es ihr so dann doch lieber. Nach dem sie alle umarmt hatte stieg sie zu Alex und Claire ins Auto. Claire hatte darauf bestanden mitzukommen, und Sam war ganz froh darüber. So musste Alex wenigstens nicht den weiten Weg alleine zurückfahren, außerdem freute sie sich darauf Claire die Uni zeigen zu können. Sie wollte es sich zwar selber nicht eingestehen, aber es war Sam wichtig das Claire stolz auf sie war und das was sie machte für gut befand.

Am späten Nachmittag trafen sie in Galway ein. Wie verabredet führte Sam's erster Weg zu Ben Wood, der sie herzlich begrüßte und ihr den Schlüssel für ihr Zimmer aushändigte. Langsam hatten die drei eine gewisse Routine im Zimmer einrichten, und nach wie vor machte es ihnen Spaß ein Wohnparadies für Sam zu gestalten. Wie ihre Zimmer auf Drover's und Wilgul dominierten auch hier die Farben blau und rot. Liz hatte ihr extra schöne Vorhänge aus dunkelblauem Stoff genäht und dazu passende Kissenbezüge die nun zwei große Kissen auf ihrem Bett kleideten. Über ihrem Bett befestigte Alex einen Sternenhimmel aus fluoreszierenden Plastiksternen. An die Wände kamen einige Poster und vor allem aber einen großes gerahmtes Foto von Hurricane. Fotos von Sam's Mum, Alex und Claire fanden auf dem Nachttisch Platz. Vor das Bett kam ein kleiner blau-roter Flickenteppich und in das kleine Bad kam ein ebensolcher.

Nachdem sie Sam's Zimmer eingerichtet hatten und Claire den Campus gesehen hatte gingen sie noch zu dritt ein gemütliches Restaurant zum Abendessen, bevor sich Sam von Claire und Alex verabschieden musste. Still stand sie vor den beiden Erwachsenen. Es sind nur 3 Tage, nur 3 läppische Tage. Sie war doch kein kleines Kind mehr, ihr würden ja jetzt wohl kaum die Tränen kommen. Nach der Zeit bei ihren Großeltern wollte sie eigentlich Alex nie wieder verlassen, und jetzt stand sie hier. Schnell ging sie auf Alex zu und umarmte ihn heftig. Alex hielt seine Tochter so sehr fest, dass sie fast keine Luft mehr bekam. Er wollte Sam nie wieder los lassen. Und doch, irgendwann musste jeder Vogel mal fliegen lernen. Schnell drehte er sich um und stieg ins Auto. Seine beiden Lieblingsfrauen sollten seine Tränen nicht sehen. Sam seufzte und umarmte auch Claire. Diese strich ihr sanft über die Haare „Mach's gut Kleines! Und pass auf dich auf!" Abschiede waren noch nie Claire's Ding gewesen. Und so stieg auch sie nach diesen kurzen Worten in den Wagen. Nachdem die beiden fort waren stand Sam noch ein Weilchen an demselben Fleck bevor sie sich auf den Weg machte die erste Nacht in ihrem neuen Zimmer zu verbringen.

Nachdem sie die ersten Kurse gut hinter sich gebracht hatte freute sich Sam auf ein ordentliches Mittagessen. Hungrig betrat sie den großen Speisesaal. Als sie sich gerade einen Salat nahm, sprach sie jemand von hinten an: „Hey Sam! Willkommen in Galway!" Sie dreht sich um und blickte Eli lächelnd ins Gesicht. „Danke!", „Willst du dich zu meinen Freunden und mir an den Tisch setzten?" fragte Eli. Dankend nahm Sam sein Angebot an. Sie war froh etwas Anschluss zu finden. Erleichtert stellte sie fest, dass auch Mädchen an Eli's Tisch saßen. So musste sie sich wenigstens nicht alleine mit den Jungs rumschlagen. Während des Essens kamen sie auf die lange Fahrt nach Galway zu sprechen.

Als Sam sich erkundigte ob es eine Busverbindung nach Gungellan gibt, machte Eli einen Vorschlag, „Weißt du was? Ich fahr ja sowieso mit dem Auto, da kann ich dich auch immer mitnehmen und wir teilen uns die Spritkosten." „Hey, das wäre super!" Sam war von der Idee sehr angetan. „Dann musst du mich nur Unterwegs irgendwo rauslassen, oder Dad muss mich bei dir abholen." „Hm, ich glaube nicht, dass Alex Ryan gerne bei den McNeills auf den Hof fährt…" Eli grinste. „Ich fahre immer Mittwoch ganz früh los und Donnerstag abends zurück. Du könntest ja Dienstag abends mit Hurricane zu uns rüber reiten, das solltest du in 1,5 Stunden schaffen, Hurricane kann dann so lange bei uns bleiben und du kannst im Gästezimmer schlafen, und Donnerstag abends kannst du dann so lange es noch hell ist zurück reiten." Sam strahlte, dann wäre ich auch nicht so lange von zu Hause weg, das hört sich super an. Ich muss das aber noch mit meinem Dad klären. Ich ruf ihn heute Abend an und sag dir dann Bescheid.", „In Ordnung. Morgen kann ich dich auch ganz nach Hause fahren, einmal ist das schon in Ordnung. Nur normalerweise geht das nicht, über die Straße braucht man dann doch 2 Stunden von euch bis zu mir nach Hause…" erwiderte Eli. „Schon klar, kein Problem!" Sam war in Gedanken schon bei ihrem Gespräch mit Alex. Das würde nicht so einfach werden, aber es war momentan einfach die vernünftigste Lösung. Er musste einfach zustimmen. Und so war es dann auch, nach einer langen Diskussion und vielen Einwänden gab Alex sein Okay.

Und so stieg Sam am nächsten Abend mit ihren sieben Sachen in Eli's neuen, in Maya Gold glänzenden Landrover Freelander. An Geld schien es den McNeills wirklich nicht zu fehlen. Die drei Stunden bis nach Drover's Run vergingen wie im Flug. Sam und Eli unterhielten sich über Gott und die Welt, und wenn sie mal nichts zu sagen hatten, drehten sie das Radio lauter und sangen aus vollem Hals mit.

Als sie gegen 11 Uhr abends auf Drover's ankamen sah Sam, dass Alex noch da war. Und irgendwie plagte sie etwas das schlechte Gewissen, jetzt war er nur wegen ihr so lange aufgeblieben, und das wo er immer so früh raus musste. Und Claire war bestimmt auch noch wach. Sam schüttelte den Kopf, das würde sie ihnen abgewöhnen müssen. Sie beugte sich zu Eli rüber, umarmte ihn kurz und meinte zum Abschied, „Danke fürs fahren! Wir telefonieren wegen nächste Woche, ja?" „Ja klar…. Und Sam, ich hab dich gerne mitgenommen, zu zweit ist die Fahrt doch viel lustiger als alleine." Erwiderte Eli. Sam lächelte ihn an und griff dann nach hinten um ihren Rucksack nach vorne zu ziehen und auszusteigen. Nachdem die Rücklichter von Eli's Wagen hinter der nächsten Kurve verschwunden waren, machte sie sich auf den Weg in die Küche.

Vor der Tür lag Roy der sie Schwanz wedelnd, aber leise begrüßte. Sam krauelte ihn kurz hinter den Ohren bevor sie die Tür zur Küche aufstieß. Bei dem Anblick der sich ihr bot konnte sie nicht anders als lächeln. Alex und Claire saßen beide am Küchentisch, ihre Köpfe waren auf die Tischplatte gesunken. Sam lauschte kurz den gleichmäßigen Atemgeräuschen der beiden, dann stellte sie ihren Rucksack ab und ging zu den beiden selig Schlummernden hinüber. Vorsichtig legte sie ihre Hand auf Alex Schulte, „Dad?" Nach ein paar leichten Rüttlern wurde Alex langsam wach. Verwirrt schaute er sich um. Doch als er Sam sah, lächelte er beruhigt. „Du bist wieder da!" „Ja, das bin ich. Komm du solltest Claire nach oben bringen, inzwischen werde ich dir das Gästebett beziehen."

Sam hatte beschlossen erst am nächsten Morgen mit den beiden zu reden, jetzt waren sie ja doch viel zu müde. Vorsichtig hob Alex Claire auf seine Arme und trug sie in ihr Schlafzimmer. Wie durch ein Wunder wachte sie dabei nicht auf, sonder schlummerte friedlich weiter. Sam hatte währenddessen schnell das Gästezimmer hergerichtet und war dann Alex gefolgt. Fast hätte sie laut aufgelacht, als sie beobachte wie unsicher er Claire die Schuhe auszog, „Ist schon okay Dad, ich mach das schon." Früher hätte es Alex nie etwas ausgemacht Claire auszuziehen, aber jetzt… Er wusste, irgendetwas war anders. Irgendetwas das ihn daran hinderte Claire zu nahe zu kommen. Er wandte sich seiner Tochter zu und gab ihr einen Kuss auf die Haare, „In Ordnung Sam. Schlaf gut!", „Du auch Dad!", Nachdem Alex das Zimmer verlassen hatte, zog Sam Claire Schuhe und Jogginghose aus, dann deckte sie sie vorsichtig zu und machte sich auf den Weg in ihr Bett.

Am nächsten Morgen wachte Sam später als sonst auf, als sie in die Küche kam, waren die anderen schon bei der Arbeit, auch von Alex war keine Spur zu entdecken. Sam zog ihre Schuhe an und machte sich schnell einen Toast den sie mit nach draußen mitnahm. Sie fand Claire beim Roundpen, wo sie beobachtete wie Jodi ein junges Pferd longierte. „Guten Morgen!", „Guten Morgen, Sam!" Claire lächelte das junge Mädchen an, „Bist du gut wieder hergekommen? Ich hab gestern gar nicht mitbekommen dass du wiedergekommen bist!" Sam musste lachen, „Das hab ich gesehen. Das war schon ein göttlicher Anblick. Du und Dad schlafend am Küchentisch." Claire grinste, „Wehe, du erzählst das rum!!! Wie bin ich eigentlich in mein Bett gekommen?" Nun war es an Sam zu grinsen, „Alex hat dich nach oben getragen…" Sam beobachtete schmunzelnd wie das Grinsen in Claire's Gesicht einem peinlich berührten Ausdruck wich. Sie ließ sie kurz zappeln bevor sie sie aufklärte, „Keine Bange, ich hab dir Schuhe und Hose ausgezogen, Alex hatte damit nichts zu tun… Ich geh mal zu Hurricane." Sam schob sich den letzten Rest Toast in den Mund und stapfte in Richtung Stall. Zurück blieb eine immer noch etwas verdrießliche Claire, wieso hatte sie auch einschlafen müssen.

Kurze Zeit später fuhr Alex auf den Hof und stieg mit einem Korb in den Händen aus dem Auto. Neugierig kamen die Mädels einer nach dem anderen an. Jodi fragte erwartungsvoll „Hast du mir was mitgebracht, Alex? Ach das ist aber lieb von dir!" Aber Alex schüttelte nur den Kopf, „Nein, nein, nicht dir, aber Sam! Wo treibt mein Töchterchen sich denn gerade herum?" „Sam ist bei Hurricane. Was hast du denn in de Korb?" Claire wollte nur zu gerne wissen was Alex da mit sich rumschleppte. „Na na, du wirst doch wohl nicht etwa neugierig sein, oder etwa doch?" Alex grinste, und bekam als Reaktion von Claire einen Stupser in die Seite. Aber er lies sich nicht beirren, und ging weiter grinsend in Richtung Pferdestall. Als er vor Hurricane's Box angekommen war, trat Sam auch schon aus der Box, „Guten Morgen Dad!" „Hallo mein Schatz. Schau mal, ich hab dir was mitgebracht."

Alex überreichte seiner Tochter den Korb, „Aber sei vorsichtig." Fügte er noch warnend hin zu. Sam war über das Gewicht des Korbes überrascht und stellte ihn erstmal sanft auf den Boden. Langsam nahm sie den Deckel hoch und fing an zu strahlen. „Was ist es? Was ist da drin?" Jodi beugte sich neugierig vor, und auch auf ihrem Gesicht breitete sich ein Strahlen. „Oh Dad, danke!!!" Sam bedankte sich schnell bevor sie sich wieder dem Korb widmete. „Sam!!!" Claire sprach das junge Mädchen spielerisch streng an, „Jetzt zeig uns schon was dein Göttervater dir mitgebracht hat!" Sam lachte und griff in den Korb.