Ein großer Tag

Es war schon Frühstückszeit als die drei auf Drover's eintrafen. Durch das Küchenfenster sahen die anderen sie herankommen. Verwundert traten sie durch die Tür und erwarteten sie auf der Veranda. Als Sam ihre Schlafsachen vor sich abstellte schaute Claire sie fragend an,

„Sam? Was soll das?"

„Ich…" Sam wusste nicht so ganz wie sie die Sache Claire erklären sollte. Nick, der ihre Unsicherheit bemerkte legte ihr unterstützend einen Arm um die Schultern. Sam sah lächelnd zu ihm auf, und als er auch noch für sie antwortete und Claire eine ähnliche Standpauke wie zuvor Alex hielt, drückte sie sich dankbar noch näher an ihren Onkel heran. Überrascht schaute Claire Nick an, dass er sie zu Recht wies kannte sie von ihm nicht.

Mindestens genauso überrascht schauten alle anderen inklusive Nick, als Tess plötzlich die Arme um Nick's Hals schlug und ihn küsste. Als sie sich endlich von seinen Lippen trennen konnte, meinte sie mit einem schelmischen Grinsen, „Du bist einfach toll, Nick! Und ich will, dass jeder weiß, dass ich mit so einem tollen Mann zusammen bin!" Sie schaute ihm tief in die Augen, und bekam als Antwort ein strahlendes Lächeln geschenkt.

Vorsichtig beugte sich Tess vor und flüsterte ihm leise ins Ohr, „Und nachher hab ich noch eine Überraschung für Dich, hol mich heute Mittag mit dem Auto ab." Fragend hob Nick die Augenbrauen, doch Tess lachte nur und vertröstete ihn auf später. Die anderen hatte sich inzwischen wieder gefangen und stürmten auf Tess und Nick ein, aber Tess lachte sie alle nur an und Nick nahm die Arme von Alex und Claire und sagte in einem befehlshaberischen Ton:

„Ihr zwei solltet euch mal unterhalten. Es kann nicht sein, dass durch euer Verhalten hier alles durcheinander kommt. Das ist für niemanden gut!"

Und zerrte sie ein paar Meter mit sich bis in die Küche, dort ließ er sie stehen und kehrte zu den anderen zurück. Verdutzt blickten sich Claire und Alex an. Keiner von beiden wusste was er sagen sollte, verlegen schauten sie auf den Boden. Als Claire kurz hoch blickte konnte sie nicht anders als feststellen, dass Alex richtig niedlich aussah wenn er verlegen war. Aber sie sah auch, dass er sich Sorgen um Sam machte und sie verstand, dass ihr Streit lächerlich war. Vielleicht hatte sie auch überreagiert. Claire seufzte laut auf, sodass auch Alex sie ansah. Und wieder einmal traf ihn die Erkenntnis, dass Claire wunderschön war und er fragte sich warum er sich überhaupt mit ihr gestritten hatte. Sie standen sich gegenüber und wollten beide ihren Streit beenden, doch keiner von ihnen hatte den Mut den ersten Schritt zu machen.

Als Nick wieder auf die Terrasse kam, legte er seinen Arm um Tess Schulter und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Mal schauen wie die beiden Streithammel sich so schlagen." Mit seiner freien Hand zog er Sam zu sich heran.

„Das wird schon werden, Sam!" Und sie wendeten ihren Blick dem Küchenfenster zu. In der Küche schwiegen sich Claire und Alex weiterhin an, bis Claire nach einer Weile anfing,

„Alex, ich…" Sie verstummte wieder, sie wusste nicht was sie sagen sollte. Und lieber sagte sie gar nichts als etwas Falsches. Doch sie musste auch nichts mehr sagen, da Alex das Wort ergriff,

„Claire, es tut mir leid! Ich bin total ausgetickt, ich hatte das Gefühl, du hältst mich für einen schlechten Vater, und dann hast du Sam auch noch runter gemacht…"

„Oh Mann, Alex!" unterbrach ihn Claire, „Ich glaube, dass du der beste Vater auf der ganzen Welt bist. Du gehst mit deiner Tochter so liebevoll um, dass ich mir keinen anderen Mann als Vater für mein Baby wünsche als dich! Und ich wollte Sam nicht runter machen, sonder dir nur begreiflich machen, dass sie erst 15 ist, und einfach noch nicht alles können kann!"

Alex wurde es ganz anders als er Claire so reden hörte und er machte einen Schritt auf sie zu, „Ich weiß, dass du es nicht so gemeint hast. Eigentlich wusste ich es auch schon bei unserem Streit. Ich hab nur einfach rot gesehen, ich hab gedacht, dass du Sam nicht gern hast, und dabei ist es so wichtig für mich, dass ihr beiden euch mögt…"

Claire ging einen Schritt auf Alex zu und nahm seine Hand, „Alex, du weißt, dass ich Sam über alles liebe und für sie nur das Beste möchte."

Alex lächelte und antwortete, „Ja, ich weiß und deswegen liebe ich dich so sehr." Plötzlich war es als würde die Zeit still stehen, auf der Terrasse hielten alle gebannt die Luft an und starrten in die Küche. Claire schaute Alex wie unter Schock an, sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit so etwas. Sie schluckte und versuchte zu atmen, aber es war als bliebe ihr die Luft weg, sie konnte nicht mehr klar denken. Als sie sah, wie sich Alex mit seinem Gesicht näherte war es, als würde sie ohnmächtig werden, ihr Magen schlug Purzelbäume, ihre Hände zitterten.

Aber Alex lächelte nur und ließ seinen Blick zwischen ihren Augen und ihren Lippen hin und her wandern. Doch in seinem Inneren war auch Alex total aufgewühlt, was war wenn sie ihn jetzt zurückweisen würde. Konnte er ihr dann je wieder in die Augen sehen, konnte er dann überhaupt noch so weitermachen wie bisher. Sein Leben drehte sich nur noch um Sam und Claire, und wenn Claire ihn nicht wollte… Er riss sich zusammen bevor ihn der Mut verließ und schloss die letzte Distanz zwischen ihm und Claire. Sanft berührten seine Lippen ihren Mund. Erst küsste er sie vorsichtig als wäre sie zerbrechlich, doch als er merkte wie sie seinen Kuss erwiderte, wurde er immer fordernder.

Er konnte sein Glück nicht fassen, er küsste Claire McLeod, er küsste wirklich Claire McLeod! Wenn er nicht so damit beschäftigt gewesen wäre Claire zu küssen hätte er laut aufjubeln können. So taten das die anderen für ihn. Überrascht schauten Claire und Alex aus dem Fenster und sahen wie alle sich für sich freuten. Becky's Kommentar sprach allen aus der Seele, „Wurde aber auch Zeit!" Und wieder brachen alle in ein jubilierendes Lachen aus. Claire und Alex schauten sich an, und als ihre blauen Augen sich trafen und sie wieder ineinander versanken, lächelte sie sich an bevor sich ihre Lippen wieder trafen.

Mittags traf Nick mit seinem roten Auto auf Drover's ein und holte Tess ab. Interessiert beobachtete er wie Tess einige Körbe auf die Ladefläche packte bevor sie zu ihm ins Auto stieg. „Na, meine Schöne, wo soll es denn hin gehen?" fragte er, und folgte dann Tess Anweisungen bis sie auf einer kleinen Anhöhe angekommen waren. Dort packte Tess aus den Körben einen Decke und ein liebevoll von Meg zubereitetes Picknick aus.

Verwundert beobachtete Nick das Schauspiel, lies sich dann aber gerne auf der Decke neben Tess nieder. Die beiden genossen das Essen ohne, dass sie auf den Grund des Picknicks zu sprechen kamen.

Nach dem Nachtisch war Nick dann aber doch zu neugierig und fragte, „Machen wir das ganze hier einfach nur so oder hat es einen bestimmten Grund?" Er hatte ganz bestimmt nichts gegen ein einsames Picknick mit Tess, aber das Funkeln in Tess Augen sagte ihm, dass da noch was war. Und tatsächlich lächelte sie ihn an und griff in ihre Tasche, „Ich hab noch ein Geschenk für dich!" Und holte ein paar kleine gestrickte Socken hervor. Fragend blickte Nick zwischen den Socken in seiner Hand und seiner Freundin hin und her. Tess schüttelte lachend den Kopf. Männer hatten manchmal wirklich nicht die schnellste Leitung, also fing sie an zu erklären,

„Ich weiß, dass wir noch nicht lange zusammen sind, und vielleicht ist es auch ein bisschen früh, aber es ist das Schönste was es gibt. Nick, wir bekommen ein Baby!" Und mit diesen Worten breitete sich ein Strahlen in Tess Gesicht aus, das nur sie hatte. Nick's Herz machte einen kleinen Hüpfer. Ein Baby… Seine Augen leuchteten. Vorsichtig nahm er Tess Gesicht in seine großen, sanften Hände und küsste sie zuerst leidenschaftlich auf den Mund, dann liebevoll auf die Stirn. Jetzt würden sie eine keine Familie sein, genauso wie Alex, Sam, Claire und ihr Baby. Was für ein großartiger Tag für die Ryan's und die McLeod's, zwei Familien. Und auf einmal wusste Nick, dass am Ende wirklich immer alles gut wurde.