Das Leben kann so schön sein

Am nächsten Morgen führte Sam's erster Weg sie zu Hurricane. Besorgt kontrollierte sie sein linkes Hinterbein, erleichtert konnte sie jedoch feststellen, dass die Schwellung fast vollständig zurück gegangen war. Zufrieden ging sie ins Haupthaus um mit Eli und seinen Eltern zu frühstücken und anschließend das Gelände wieder für den Nachmittag fertig zu machen. Es musste einiges an Müll vom Vortag weggeräumt werden und ein paar Kleinigkeiten repariert werden.

Nach dem Mittagessen trafen dann neben den anderen Gästen auch Sam's Familie und Freunde ein. Doch Sam war nicht wirklich ansprechbereit, zum einen wollte sie sich und Hurricane bestmöglich auf das Rennen vorbereiten, zum andern wanderten ihre Gedanken immer wieder zu Eli. Mit Gewalt versuchte sie ihn aus ihren Gedanken zu verbannen und nach einer Weile gelang es ihr tatsächlich sich auf ihr Pferd zu konzentrieren. Vormittags hatte sie Hurricane noch kurz longiert um seine Muskeln etwas zu lockern.

Jetzt saß sie vor dem Stall und putzte noch einmal die Ausrüstung. Ein Vordach aus Holz schützte sie vor der herunter prallenden Sonne, dennoch lief ihr der Schweiz über die Stirn, sodass sie, nachdem sie fertig war, ihren Kopf in einen Eimer mit kaltem Wasser steckte. Als sie wieder hoch kam tropfte das Wasser von ihren Haaren über ihren gesamten Körper. Auf ihren Bronze-gebräunten Armen funkelten die Wassertropfen wie kleine Diamanten. Eli war ganz von ihr in den Bann gezogen, als er sich ihr näherte. Sam lehnte gerade zufrieden an einem Pfosten als sie Eli bemerkte.

Ein Glücksgefühl das tief aus ihrem Innersten kam überrollte sie. Mit einem schüchternen Selbstbewusstsein sah sie ihm entgegen. Mit den Jeans, dem ärmellosen weißen t-Shirt und seinen braungebrannten, muskulösen Armen sah er genauso aus, wie man sich einen Farmarbeiter vorstellte. Sein jugendliches Gesicht wurde von den blonden, halblangen Haaren umrahmt und seine grün-blauen Augen lagen mit einem Blick auf Sam, der das Mädchen erschaudern lies. So hatte sie noch niemand angesehen; voller Hingabe und Verlangen, aber gleichzeitig freundschaftlich und liebevoll.

Nur einen Schritt von ihr entfernt blieb er stehen: „Du bist ja ganz naß!" sagte er lächelnd. „Ach nee, ist mir gar nicht aufgefallen!" grinste Sam. Die beiden Jugendlichen fingen an zu lachen, als Eli jedoch auch noch den letzten Schritt zwischen ihm und Sam schloss entstand eine nervöse Stille. Jetzt gab es kein Entkommen mehr, beide wussten, dass es sich jetzt entscheiden würde wie sich ihre Beziehung weiter entwickelte.

Vorsichtig strich Eli eine von Sam's nassen Haarsträhnen hinter ihr Ohr, während er fasziniert die, auf Sam's Lippen perlenden Wassertropfen beobachtete. Unbewusst biss er sich auf seine Unterlippe. Als Sam noch näher an ihn herantrat, obwohl dies kaum noch möglich war, fing er an zu zittern, sein Herz raste. Er kannte nur noch einen Ausweg aus dieser Situation, die Flucht nach vorne. Vorsichtig und dennoch bestimmt nahm er Sam's Kopf in seine Hände, langsam näherte er sich ihren schimmernden Lippen.



Sam hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, die Welt drehte sich in ihrem Kopf, sie hörte auf klar zu denken. Als sich ihre Lippen berührten war es als würde die Welt um sie herum versinken. Es gab nur noch sie beide; Sam und Eli, Eli und Sam. Nach wenigen Augenblicken vertieften beide den Kuss, ohne zu wissen wer die Initiative übernommen hatte. Sie wussten, dass sie beide diesen Kuss wollten, und dass es so richtig war. Nach einer halben Ewigkeit, die ihnen noch viel zu kurz vor kam, trennten sie sich.

Immer noch nahe beieinander stehend schauten sie sich in die Augen. Eli lächelte, nahm Sam's Hände in die seinen und drückte ihr einen Kuss auf den Kopf. „Ich … ich begreif es nicht, du bist meine beste Freundin, und doch viel mehr. Ohne dich,… ich kann nicht denken wenn du nicht da bist, und wenn du da bist kann ich auch nicht denken. Du bist immer da … in meinem Kopf. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen ohne dich zu sein!"

Sam unterbrach seinen Redeschwall in dem sie ihm einen sanften Kuss auf seine Lippen drückte. „Ich habe mich auch in dich verliebt!" Endlich konnte sie es aussprechen, es sich selber und Eli gestehen. Ja, sie war in Eli McNeill verliebt. Und es ging ihr gut dabei. Ihre blauen Augen strahlten Eli an. Lachend legte er ihr einen Arm um die Schultern, zog sie nahe an sich heran und führte sie in den Stall zu Hurricane und Sandstorm.

In dem abgelegenen Stall konnten sie sich beim Putzen ihrer Pferde immer wieder unbemerkt Blicke zuwerfen. Und als Eli mit Sandstorm fertig war, beobachtete er Sam, wie sie sich liebevoll um ihren Hengst kümmerte. Sam bemerkte seine Blicke, legte den Kopf schief und lächelte ihn an. Eli konnte nicht anders als zu ihr herüber zu gehen und sie zu küssen, „Du bist unheimlich toll!". Mit diesen Worten verschwand er, seinen Sattel und Zaumzeug zu holen.

Während Eli in der Sattelkammer war, tauschte Sam schnell ihr Top gegen ein blaues Jockeytrikot auf dem sie die Nummer 10 befestigt hatte. Kurz darauf erschien auch Eli wieder und legte seinen Sattel über die Boxenwand. „Du hast dich schon umgezogen… na, dann will ich auch mal…"

Provokant zog er sein T-Shirt über den Kopf, grinsend schaute er Sam an, bevor er sich umdrehte und sein Renntrikot hervorholte. Sam betrachtete seinen attraktiven Oberkörper genau und knapperte an ihrer Unterlippe.

„Gefällt dir der Anblick?" riss Eli sie selbstbewusst aus ihren Träumen. Sam rollte nur lachend mit den Augen und zog ihn zu einem intensiven Kuss heran bevor auch sie ihr Sattelzeug holte. Eli blickte ihr noch einen Moment nach, zog sich das Trikot über und fing dann an Sandstorm zu satteln.

Nachdem Sam und Eli ihre Pferde aufgewärmt hatten, ritten sie zum Startbereich. Lächelnd warfen sie sich noch einen Blick zu, bevor sie sich jeder auf sein Pferd konzentrierend zu ihren Startpositionen begaben.

Alex und Claire beobachteten die Startaufstellung, „Sam sieht irgendwie glücklich aus." Claire warf einen Seitenblick auf ihren Freund, „Ja, dass tut sie, und Eli auch." Antwortete Claire vermutend. „mhm…"grummelte Alex vor sich ihn. Doch er hatte keine Zeit mehr, jeden Moment würde das Rennen gestartet werden.

Der Startschuss ertönte und die schweren Pferdekörper schossen nach vorne. Sam und Hurricane übernahmen schnell die Führung und legten gleich zu Beginn ein schnelles 

Tempo vor.

Als sich nach den ersten 1000 Metern das Reiterfeld etwas auseinander gezogen hatte, lies Sam Hurricane in einen schneller Trab fallen und die anderen Reitern folgten ihrem Beispiel. Bei dieser Hitze wäre es Wahnsinn gewesen die gesamte Strecke durch zu galoppieren. Trotz des verminderten Tempos fielen immer mehr Teilnehmer zurück. Nach der Hälfte des Rennens blieb an der Spitze nur noch eine kleine Gruppe zurück und nach 9000 Metern war es klar, dass Sam, Eli und ein Reiter namens Alan Ford auf dem Fuchshengst Red as a Fox den Sieg unter sich ausmachen würden.

Sam erkannte, dass die beiden anderen Pferde nicht so leicht abzuschütteln waren und galoppierte Hurricane wieder an. Eli und Alan folgten ihrem Beispiel. Die muskulösen Körper der Pferde donnerten über die Bahn. Sam saß ganz ruhig auf ihrem großen, schwarzen Hengst, behutsam forderte sie ihn auf das Tempo langsam zu steigern. Doch 2000 Meter vor dem Ziel war die Dreier-Gruppe immer noch unverändert zusammen. Pferde und Reiter glänzten vor Schweiß, der sich in der Sonne spiegelte. In der Zwischenzeit hatte Hurricane ein atemberaubendes Tempo erreicht, sodass nach weiteren 500 Metern Eli seine Stute zurücknahm, diese Anstrengung war zu viel für Sandstorm. Sie würde für ihn bis zum Ende der Welt laufen, aber das wollte er ihr nicht antun. Eli blickte sich um und erkannte, dass er den dritten Platz sicher hatte. Und holte Sandstorm in einen ruhigen Galopp zurück, die hübsche Stute war davon nicht sonderlich begeistert, sie wollte gewinnen, dennoch gehorchte sie dem Jungen und lies die Lücke zwischen ihr und den beiden Hengsten größer werden.

Sam und Hurricane hatten noch 1000 Meter vor sich. Die Zuschauer sahen nur wie sich zwei Reiter auf ihren beeindruckenden Tieren in einer Staubwolke dem Ziel näherten. Es sah ganz nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Sam blickte zu Alan rüber und grinste. Dann gab sie Hurricane den Kopf frei, nun war der Schwarze nicht mehr zu halten. Schnell ließ er den anderen Hengst spielend hinter sich. Alan schaute dem blonden Mädchen auf dem dunklen Pferd nur beeindruckt hinter her. Er wusste, dass sein Hengst nicht mehr zusetzten konnte und holte ihn in einen gemächlichen Galopp zurück.

Sam entfuhr ein Jubelschrei. Dicht über die Mähne ihres prachtvollen Hengstes gebeugt schossen die beiden über die Bahn und dem Ziel entgegen. Die letzten 100 Meter richtet Sam sich auf und holte Hurricane langsam wieder zurück. Lange vor Alan und Eli überquerte sie die Ziellinie. Im Zielbereich wartete sie verschwitzt und mit Staub überdeckt auf die anderen. Als auch Eli es geschafft hatte, sprang er von Sandstorm herunter, drückte die Zügel seinem Vater in die Hand und lief zu Sam und Hurricane.

Lachend ließ das junge Mädchen sich von dem prächtigen Hengst gleiten und landete in Eli's Armen. Freudestrahlend hob er sie hoch und wirbelte sie im Kreis herum. Als er sie wieder absetzte konnte er nicht anders als sie lange zu Küssen. Das Publikum johlte vor Begeisterung. Alex wollte zuerst los schimpfen, doch als er sah wie glücklich seine Tochter war, zog er Claire an sich heran und küsste sie, „Es ist schön glücklich zu sein, oder Claire?" „Ja, Alex, das ist es!"

The End

Epilog

13 Jahre später saß die ganze Familie auf Drover's Run zusammen um die Taufe von Sam's Tochter Scarlett Claire McNeill zu feiern. Sam hielt den jüngsten Spross der Familie auf dem Arm, während Eli an einer Hand einen kleinen Jungen hielt und mit der andern einen auf dem Arm hielt. Noah James war 2 Jahre alt, und Zachary „Zac" Alexander war vor ein paar Wochen ein Jahr alt geworden.

Nick und Tess hatten ihren beiden Kinder Marc Nicolas, 12, und Louisa „Lou" Ruth, 11, in die Mitte genommen. Die 13-jährige Charly stand brav neben ihren Großeltern Harry und Liz, während ihre beiden 12-jährigen Zwillingsgeschwister Jamie und Soph durch die Gegend tollten und die 10-jährige Anna Claire, Jodi's Tochter ärgerten.

Auch Eli's Eltern waren da, sie unterhielten sich lebhaft mit Alex und Claire. Alex hatte zwar eine Weile gebraucht um zu akzeptieren, dass Sam und Eli zusammengehörten, hatte dann aber den ersten Schritt getan und Eli's Eltern zu einem Barbecue eingeladen. Inzwischen waren die McNeill's gern gesehene Gäste auf Drover's Run. Vor allem nachdem Sam und Eli nach ihrer Hochzeit auf den McNeill-Hof gezogen waren und Tess und Nick mit ihren Kindern auf Wilgul lebten. Alex und Claire hatten dagegen nie geheiratet, sie hatten sich einfach nicht auf einen Nachnamen einigen können. Ihre Kinder hießen dagegen, genauso wie Marc und Lou, McLeod-Ryan. Und begannen so eine glückliche Dynastie in der diesen beiden großen Familie vereinigt waren.

Auch die beiden Pferde Hurricane und Sandstorm lebten noch, waren aber genauso wie der Hund Skip in die Jahre gekommen und mussten nur noch den Kindern das Reiten beibringen und gelegentlich mit ihren beiden Besitzern in die endlosen Weite der australischen Landschaft hinausreiten.