Schon im Flur holte Draco die beiden ein, stets darauf bedacht einen Sicherheitsabstand zu Pansy zu halten.
„Was ist jetzt unser Plan?" Blaise sah den blonden Jungen verständnislos an.
„Wir gehen in die Große Halle! Was denn auch sonst?"
„Ich weiß nicht. Zum Beispiel könnten wir versuchen, hier weg zu kommen!"
„Klar! Wir gehen einfach nach draußen, schwingen den Zauberstab und sagen 'Sesamzeit öffne Dich!'. Das ist ein genialer Plan, aber die Durchführung können wir uns wohl schenken!"
Draco brummte etwas Unverständliches vor sich hin und folgte den anderen schweigend.
In der Großen Halle angekommen bemerkte Blaise, dass ihm seltsame Blicke folgten. Offenbar hatte sich sein Auftritt herumgesprochen. Zu seinem großen Erstaunen half Pansy im aus diesem Fiasko. Sie setzte ihr strahlendstes Lächeln auf und setzte sich an den Tisch.
Nachdem sie alle gemustert hatte, brach sie in schallendes Gelächter aus und prustete etwas wie „Scherzkeks" und „reingefallen" und „lächerlich". Und offenbar kam sie damit durch! Der betroffene Junge sank verlegen auf seinem Platz zusammen, während die anderen in Pansys Gelächter mit ein stimmten.
Salazar musterte sie nur abschätzend, sagte aber nichts weiter. Nachdem sie ihre Stundenpläne bekommen hatten, mischten sich die drei Zeitreisenden unter ihre Mitschüler und strömten in den Gemeinschaftsraum.
Sie konnten an ihrer Situation eh erst mal nichts ändern, also warum nicht das Beste draus machen. Nach einer seltsamen Nacht voller sonderbarer Träume trafen die drei sich zum Frühstück und waren froh, ihren ersten, nein eigentlich DEN ersten Unterricht überhaupt gemeinsam erleben zu können.
Wie der Zufall es wollte, hatten sie als erstes Zaubertränke. Natürlich alles auf dem Niveau von allerhöchstens Zweitklässlern. Sie lachten in sich hinein und absolvierten ihre Aufgaben in Granger-Geschwindigkeit.
Im Anschluss an diese erfolgreiche Stunde mussten sie nach draußen. Pflege magischer Geschöpfe. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten alle drei Slytherins geschworen, dass Dumbledor dieses blöde und komplett sinnlose Fach eingeführt hatte. Auf dem Weg dorthin diskutierten sie darüber.
„Aber wenigstens wussten wir bei Dumbledor vorher WER uns unterrichtet!"
„Na ja, aber das kann hier ja nun wirklich nicht schlimmer werden!" Alle drei lachten ausgiebig. Keiner von ihnen mochte den vertrottelten Halbriesen und seine absonderlichen Neigungen zu noch absonderlicheren Kreaturen.
Als sie mit dem Rest der Klasse beim Unterricht angekommen waren überdachten alle drei ihre Aussagen sofort wieder. Vor ihnen stand eine hutzelige alte Frau. Hinter ihr, auf einem Tisch aufgebaut, befanden sich eine ganze Reihe Goldfischgläser und irgendetwas Wurzelartiges.
Aber immerhin lebte es nicht! Ob sie vielleicht doch Pflanzenkunde hatten? Pansy wollte gerade nachsehen, als die Frau mit einer noch verhutzelteren Stimme ihre Begrüßung zur Pflege magischer Geschöpfte röchelte. Kurz und knapp erklärte sie ihnen, dass sie Zweiergruppen bilden sollten.
Praktischerweise blieb einer übrig, so dass unser Trio zusammen bleiben konnte. Jede Gruppe sollte ein Glas und eine Wurzel bekommen. Wobei die scheinbar schwer verwirrte Frau davon ausging, dass diese komplett vertrockneten Wurzeln ein Tier waren.
Draco raunte den beiden mit der mitleidigsten Stimme, die ihm möglich war zu:
„Ist es nicht ein bisschen tragisch, dass schon in der ersten Stunde dieses Fach offenbar nur dazu da ist, verkommene und existenzunfähige Individuen zu beschäftigen?" Pansy kicherte albern, Blaise verpasste ihm einen Stoß in die Rippen.
Ihrer Professorin fiel die kurze Rangelei nicht auf. Ihr fiel wahrscheinlich überhaupt nichts auf! Immerhin verlangte sie, dass man dieses Glas mit dem Ding drin herumtragen solle und mit dem richtigen Trank würde es aus seiner Starre erwachen!
So ein Blödsinn! Aber wenigstens hatte das Trio damit eine gute Begründung viel Zeit in der Bücherei zu verbringen. Ewig wollten sie nämlich eher ungern in der Vergangenheit bleiben. Das Glas samt getrocknetem was-auch-immer vergaßen sie recht schnell.
Die drei nahmen am Unterricht teil, verhielten sich unauffällig und hatten auf einmal wirklich Spaß miteinander. Sie empfanden gegenseitig tatsächlich ein echtes Gefühl der Freundschaft, was zumindest für die beiden jungen Männer etwas Ungewöhnliches und Neues war.
Ungefähr 10 Tage später, die drei saßen gerade auf der Wiese vor der Schule, bemerkten sie einen kleinen Aufruhr unter ihren Mitschülern. Gelangweilt beobachteten sie die näher kommende Gruppe. Diese drehte in ihre Richtung und kam direkt auf sie zu.
Ein Mädchen strahlte sie mit geröteten Wangen an und hielt ihnen ihr Glas entgegen. Pansy warf einen kurzen Blick drauf und legte sich dann noch gelangweilter zurück auf die Decke. Bis Blaise einen entsetzten Pfiff ausstieß. Draco schien sich verschluckt zu haben.
Pansy wollte gerade dazu ansetzen, die modische Erscheinung ihres Gegenübers in den Dreck zu ziehen und die Aufmerksamkeit ihrer Freunde zurück zu erobern, als sie feststellen musste, dass es den beiden Slytherins keineswegs um das unscheinbare Mädchen ging.
Ihre Blicke waren starr auf das Glas geheftet, in dem etwas zuckte. Das konnte nicht sein. Das war doch nur eine dämliche Wurzel. Ein Hirngespinst einer durchgeknallten Alten!
Als das Rudel um das zuckende Glas wieder weg war, unterhielten die drei sich so lange darüber, bis sie sicher sein konnten, dass ihre Mitschülerin irgendeinen Trick angewandt hatte um sich wichtig zu tun. Der letzte Aspekt wurde von Pansy aufgeworfen und schien ihr unglaublich wichtig.
Nach dieser Einigung fühlten sich alle besser und gestattete ihnen, ohne schlechtes Gewissen, jeden freien Gedanken in die mögliche Rückkehr zu investieren. Diese Ruhe verging, als nach zwei weiteren Tagen auch bei anderen Schülern die doofe Wurzel anfing zu zucken. Nun mussten sie sich was überlegen.
Es musste schnell gehen und effektiv sein. Tatsächlich gelang es Pansy in der Bücherei einen Trank aufzutun, der schnell gebraut war und Wirkung zeigen müsste. Ihren Mitschülern war der mit Sicherheit entgangen, also konnten sie den Zeitunterschied sicher wieder aufholen.
Nachdem das engagierte Mädchen ihren beiden Mitstreitern die Lösung präsentiert hatte, vernahm sie Witze über Streberdasein in Verbindung mit ihrem vorgegebenen Namen. Aus unerfindlichen Gründen fühlte sie sich davon gekränkt.
Sie hatte sich bemüht, ihren Freunden zu helfen und wurde verspottet. Beleidigt packte sie ihre Unterlagen ein und ging. Blaise und Draco sahen sich verwirrt an.
„Was ist denn jetzt los?" Draco rollte mit den Augen.
„Mädchen!" Blaise nickte.
„Pansy im speziellen! Wenn sie nicht zicken könnte, wäre sie ungl…" Weiter kam er nicht, da er schmerzgeplagt aufstöhnen musste.
Noch bevor er realisieren konnte, was gerade passiert war, stürzte eine Furie auf ihn zu und brüllte
„Sonst wäre ich was?" Sowohl Blaise als auch Draco waren so verdattert, dass sie nur dumm von ihren Sesseln hochgucken konnten.
Wutentbrannt griff Pansy nach einem Buch auf dem Boden, funkelte die Jungen böse an und rannte weg. Nach einigen Schweigeminuten sah Blaise Draco fragen an.
„Hat sie mir ein Buch an den Kopf geworfen?" Draco nickte grinsend. Blaise stöhnte erneut, diesmal allerdings vor Verständnislosigkeit.
Erst beim Abendessen trafen die drei wieder aufeinander. Draco hatte sein gewinnendstes Lächeln aufgesetzt. Blaise hingegen versuchte irgendwie reuevoll auszusehen, obwohl er sich fragen musste, warum eigentlich, da Pansy ihm das Buch an den Kopf geworfen hatte, nicht andersrum.
Kaum hatten die beiden sich zwischen ihre Mitschüler gesetzt, betrat Pansy auch schon die Große Halle. Sie sah niedergeschlagen aus. Mit einem vorsichtigen Lächeln setzte sie sich neben Zabini. Während sie ihren Teller auffüllte, murmelte sie etwas, dass man für „Entschuldigung!" hätte halten können.
Eigentlich hätte Blaise Lust gehabt, noch mal nachzufragen, beließ es dann aber doch dabei, da er wusste, wie schwer Pansy so etwas fiel. Ungefähr nach der Hälfte des Essens hatten die drei sich ein wenig entspannt und scherzten halbherzig miteinander.
Als die drei nach dem Essen auf dem Weg in ihren Gemeinschaftsraum waren, brachte Pansy die Sprache auf die mysteriöse Wurzel, die sie zum Leben erwecken sollten.
„Also Jungs, wie sieht es aus? Brauen wir diesen Trank oder tun wir es nicht? Und das mir jetzt bloß keine blöden Sprüche kommen!" giftete sie in Richtung Blaise.
Der tat spontan so, als wäre die Decke das interessanteste Objekt dieser Welt. Draco quittierte Blaise verhalten mit einem spöttischen Grinsen uns wandte sich Pansy zu.
„Ja von mir aus brauen wir diesen blöden Trank. Wir wollen ja nicht zum Gespött der Schule werden, nicht wahr?"
