Schon im Flur holte Draco die beiden ein, stets darauf bedacht einen Sicherheitsabstand zu Pansy zu halten
Sie brauchten am See nicht lange, um einen passenden Platz zu finden. Bei einem großen Gebüsch war mittendrin genug Platz um sich mit allen Utensilien ausbreiten zu können. Zufrieden machten die beiden sich auf den Weg zum verbotenen Wald.
Sie legten den Weg schweigend zurück. Vor dem Wald hielten beide an. Blaise warf einen unsicheren Blick zu seinem Freund.
„Ähm Draco. Müssen wir weit hinein?" Er bemerkte, dass der Blonde noch etwas blasser als sonst war, und das war nicht grade ein beruhigendes Zeichen für ihn.
„Ich denke nicht. Wir sollten alles relativ nahe am Waldrand finden. Hoffe ich!" antwortete er flüsternd.
Beide atmeten noch einmal tief durch und setzen ihren Weg fort. Mit einem zitternden ‚Lumos' hatte Draco seinen Zauberstab entzündet und ging vorsichtig voran. Blaise folgte ihm hastig. Das letzte was er wollte, war Draco zu verlieren und alleine in diesem Wald umher zu irren.
Nachdem sie ein Stückchen gelaufen waren, hielt Draco an.
„Halt das mal!" Er drückte Blaise seinen Zauberstab in die Hand und hockte sich hin. Vorsichtig nahm er die Pilze in Augenschein, die am Fuße des Baumes vor ihm wuchsen.
„Das hier sind die richtigen." jubilierte er leise. Er nahm einen Spatel zur Hand, kratze vorsichtig die Pilze ab und legte sie in einen Beutel. Nach 5 Minuten stand er auf und nahm Blaise den Zauberstab wieder ab.
„Das sollte reichen. Jetzt brauchen wir nur noch die komischen Blätter, diese Frondisinsulitums. Also lass uns schnell weitergehen." Er drehte sich um und ging weiter in den Wald hinein. Wenige Schritte später merkte er, dass Blaise ihm keineswegs folgte.
„Blaise? Jetzt komm endlich." Der Angesprochene rührte sich nicht.
„Blaise??" Draco ging zurück zu seinem Freund, der apathisch in den Wald starrte.
„Was ist denn los verdammt noch mal?"
Der Schwarzhaarige drehte langsam seinen Kopf und schaute Draco an.
„Da…da ist irgendjemand. Oder irgendetwas." Blaise Stimme zitterte wie verrückt.
„Mach dich jetzt nicht verrückt. Natürlich sind irgendwelche Tiere in diesem Wald aber wenn sie uns angreifen wollten, dann hätten sie das wohl schon längste getan oder?" Draco war zwar auch verunsichert, versuchte aber es sich nicht anmerken zu lassen. Er wollte nur diese blöden Blätter finden und endlich aus dem Wald verschwinden.
Da Blaise immer noch keine Anstalten machte ihm zu folgen, packte er ihn am Arm und zog ihn einfach hinter sicher her. Ohne zu protestieren, ließ der sich mitschleifen, bis er sich so weit gefangen hatte, dass er Dracos Hand abschüttelte und ihm wieder aus freien Stücken folgte. Wahrscheinlich hatte das Ganze wirklich nichts zu bedeuten.
Wieder ein paar Minuten später, waren sie endlich an einem der gesuchten Bäume angekommen und Blaise pflückte grade ein paar der Blätter.
„Pass auf das du wirklich nur welche nimmst, die nicht beschädigt sind." Flüsterte Draco ihm zum 4. Mal zu.
„Ja doch, Herr Oberschlau!" Die Aufgabe des Blätterpflückens musste er übernehmen, da die Zweige nicht grade niedrig hingen und er nun mal ein wenig größer als Draco war.
Schweigend sammelte er weiter, bis Draco das OK gab, dass sie jetzt genug hätten. Endlich ging es zurück auf sicheres Gelände.
Draco ging wieder voraus und Blaise folgte ihm mit wenig Abstand. Sie versuchten so leise wie möglich zu sein um nicht doch noch die Aufmerksamkeit von irgendwelchen mordlustigen Kreaturen auf sich zu ziehen. Blaise sah sich immer wieder genau die Gegend an um eventuelle Bewegungen auszumachen, deswegen bekam er auch nicht mit wie Draco plötzlich stehen blieb.
Er rannte gradewegs Draco über den Haufen und gemeinsam vielen sie auf den weichen Waldboden. Blaise wollte grade anfangen Draco anzumeckern, warum er einfach auf dem Weg stehen blieb, als er dessen schreckgeweitete Augen bemerkte.
Langsam bewegte er den Kopf und blickte in die Richtung in die Draco starrte. Was er dort sah, verschlug ihm die Sprache und er hielt unwillkürlich den Atem an.
Ca. 4 Meter von ihnen entfernt hatte sich ein mindestens 2 Meter großes, pferdähnliches Wesen aufgebaut und starrte die Beiden Jungen auf dem Boden an. Das Tier war pechschwarz und hatte zwei Hörner auf dem Kopf. Blaise hatte noch nie solch ein Tier gesehen, geschweige denn davon gehört.
„Draco? Was zur Hölle ist das?" Draco brauchte einen Moment, bis er antwortete, was vielleicht auch daran lag, dass Blaise immer noch auf ihm lag und ihm etwas die Luft abschnürte.
„Ich hab keine Ahnung. Es interessiert mich auch viel mehr ob es uns eher zertrampeln oder aufspießen wird." flüsterte er nervös zurück.
„Naja ich hätte gerne gewusst, was für ein Wesen uns gleich zum Abendessen verspeisen wird. Aber wenn du es nicht weißt müssen wir wohl nachfragen." Damit rollte er sich von Draco runter und stand langsam auf.
Der blonde Junge lag immer noch am Boden und starrte seinen Freund entsetzt an. Er hatte schon immer gewusst, dass Blaise etwas verrückt, aber nicht dass er auch vollkommen lebensmüde und bescheuert war.
Das schwarze Tier, hatte sich nicht von der Stelle gerührt und beobachtete die Jungen ganz ruhig.
Blaise machte vorsichtig einen Schritt auf das Wesen zu. Als es den Kopf bewegte blieb er wie erstarrt stehen. Man sollte sein Glück ja auch nicht zu sehr herausfordern.
Das Glück hatte aber leider kein Einsehen und nun machte wiederum das Tier ein paar Schritte auf Blaise zu.
Draco konnte genau erkennen, wie langsam sämtliche Farbe aus dem Gesicht seines Freundes verschwand.
Das Tier kam einige Schritte vor Blaise zum Stehen und deutete eine Verbeugung an. Blaise stand immer noch wie zur Salzsäule erstarrt da.
„Nun verbeug dich wenigstens auch!" zischte Draco ihm zu.
Blaise ließ schnell den Oberkörper etwas absinken, bis er ein leichtes Gelächter vernahm. Er richtete sich wieder auf und warf einen verwirrten Blick auf das Wesen vor ihm, von dem das Gelächter ausging. Das verstummte schmunzelnd und ließ seine samtweiche Stimme erklingen.
„Dein Freund hat Manieren, das gefällt mir." Blaise schien es, als hätte das Tier ihm zugezwinkert.
„Es tut mir leid wenn ich euch erschreckt haben sollte. Das war nicht meine Absicht. Mein Name ist Marell."
Blaise hatte sich wieder einigermaßen gefangen.
„Entschuldigung, aber würden Sie uns verraten was für ein Wesen Sie sind?" Draco schlug Blaise mental gegen die Stirn. Dem fielen solche Fragen immer in den unpassendsten Momenten ein. Marell ließ wieder ein leichtes Lachen erklingen.
„Ich bin ein Diceratops. Und ich bin nicht mit Einhörnern verwandt, falls ihr das gedacht haben solltet." erklärte er lächelnd. Draco dachte nach. Diceratops. Das hatte er schon mal gelesen. Allerdings im Zusammenhang mit ausgestorbenen Tieren wenn er sich nicht irrte. Er beschloss diese Tatsache lieber für sich zu behalten. Das war wohl nicht der richtige Weg um ein Gespräch anzufangen.
Marell begann erneut zu sprechen.
„Ihr solltet zusehen, dass ihr von hier verschwindet. Es ist Jahre her, dass sich ein Mensch in diesen Wald verirrt hat und nicht alle Wesen sind ihnen freundlich gesonnen. Hier gibt es keine Freunde. Nur Jäger und Beute. Ihr geht ein großes Risiko ein, indem ihr hier seid." Das Tier verstummte und suchte mit den Augen die Umgebung ab. Anscheinend fühlte auch er sich nicht sicher.
Draco hatte sich mittlerweile vom Boden erhoben und stellte sich neben seinen Freund. „Warum sprechen Sie dann mit uns?" fragte er herausfordernd.
„Ich hatte nie etwas gegen die Menschen. Sie haben mir nie etwas getan. Ich denke es ist nur Recht, wenn ich euch warne. Mehr kann ich nicht für euch tun, aber wenn ihr euch beeilt dann seid ihr schnell wieder dort wo es sicher für euch ist. Und nun geht."
Marell machte ein paar Schritte zur Seite um den beiden Jungs den Weg frei zu geben.
Immer noch vollkommen erstaunt, stammelten beide ein ‚Danke', schnappten sich den Beutel mit ihren Zutaten und gingen langsam weiter.
Draco drehte sich noch ein Mal um und sah wie Marell ihm noch einmal zuzwinkerte bevor er endgültig in den Wald verschwand. Was wohl der trottelige Halbriese sagen würde, wenn Draco ihm DAS erzählen würde? Falls sie ihn jemals wieder sehen sollten natürlich. Seufzend setzte er seinen Weg fort und Blaise folgte ihm schweigend.
