Als es wieder hell wurde, fand sich Draco auf einem Stuhl wieder, sich gegenüber seinen derzeitigen Hausleiter und neben sich seine Freunde. Er hatte keine Ahnung, wie er dahin gekommen war. Salazar sah ihn an und begann mit seiner durchdringenden, aber gerade sehr beruhigenden Stimme zu sprechen.
„Draco, ich nehme an, du wunderst dich und fragst dich, was in den letzten Minuten geschehen ist." Der Angesprochene wollte nicken, als ihm auffiel, das schon wieder etwas ganz und gar nicht stimmte. Er sah vorsichtig zu Blaise, der nur nickte. Also gut, sie hatten ihn also verpfiffen.
Na fantastisch! Freunde! Er hätte es sich gleich denken können! Und wieder setzte diese Stimme ein. „Nein! Niemand hat dich verraten und niemand ist dir in den Rücken gefallen. Draco, wir sind nicht dumm! Auch wenn dir die Zeit unfortschrittlich erscheint, ändert das nichts daran, dass wir die Gründer dieser Schule sind und das wären wir nicht, wenn wir nicht ein bisschen Ahnung von dem hätten, was wir tun!"
Er schien tatsächlich zu zwinkern. Zwinkerte in dieser Zeit eigentlich jeder?
„Das, was gerade mit dir passiert ist, war die Reaktion der Zeit auf deine Anwesenheit. Du gehörst hier nicht her. Normalerweise ist das bei einem Zeitumkehrer kein Problem, ihr drei seid aber zu weit gereist. Die Zeit kann euch hier nicht finden. Wir müssen euch also irgendwie zurück schicken."
Eine Pause trat ein und breitete sich in unangenehmes Schweigen aus. Pansy wurde zunehmend nervöser, bis sie es nicht mehr aushielt und die Stille durchbrechen musste. „Wie machen wir das?" Ihre Stimme zitterte ein wenig. Salazar schmunzelte. „Das haben wir uns auch gefragt! Und vielleicht gibt es eine Lösung, vielleicht auch nicht. Das werden wir wissen, wenn die anderen Professoren ihre Versuche beendet haben.
Das Beste wird sein, wenn ihr euch ein bisschen die Beine an der frischen Luft vertreten geht. Unterricht fällt für euch drei heute aus, das Risiko, dass unser Herr Malfoy hier etwas Unangebrachtes unternimmt oder das einer von Ihnen einen ähnlichen…nun, sagen wir Anfall bekommt, ist für unsere anderen Schüler zu groß."
Mit diesen Worten erhob Salazar sich und geleitete die drei nach draußen.
Sie schwiegen, bis sie den See erreicht und es sich am Ufer bequem gemacht hatten. Draco sah seine Freunde an. „Was ist passiert?" Blaise fasste ihm die Auseinandersetzung mit Pansy zusammen, die währenddessen immer kleiner wurde und erzählte dann von Slytherins Eingreifen und davon, wie er und Pansy Slytherin gezwungenermaßen die ganze Geschichte wiedergeben mussten.
„Offenbar hatte unser Hausgründer von Anfang an etwas geahnt, weil wir ihm komisch vorgekommen waren. Die Entscheidung des Hutes, was dich betraf, war sein erster Anhaltspunkt. Zwar hätte das durchaus passieren können, aber eigentlich hatte keiner mit so etwas gerechnet, da der Hut diese Zuteilung nun mal zum ersten Mal machte.
Und in der hiesigen Zeit sei es wohl auch recht unwahrscheinlich, dass jemand mit einer solchen Perfektion in ein Haus passte. In unserer Zeit ist das etwas anderes, weil allein durch Erziehung über Generationen hinweg die Werte der Häuser vermittelt wurden und weil die Familien sich im Normalfall nach Häusern zusammenschließen.
Selten wird eine Slytherin einen Gryffindor heiraten. Aber das ist eben alles noch nicht passiert. Hinzu kam, dass wir ein bisschen zu gut im Unterricht bescheid wussten. Und natürlich die Sache mit dem Raum der Wünsche. Den hätten wir unter gar keinen Umständen kennen dürfen. Im Nachhinein sei ihm auch die Sache mit dem Gemeinschaftsraum merkwürdig erschienen.
Warum hatten wir nicht wie alle anderen gestaunt? Und wieso hat er uns im Kellergang gefunden, während alle anderen Schüler in der Großen Halle saßen und noch gar nicht wussten, dass es da etwas gibt, geschweige denn, dass es etwas mit einer Aufenthaltsmöglichkeit für eine bestimmte Gruppe zu tun haben konnte, in die wir danach zufällig eingeteilt wurden."
Blaise machte eine kurze Pause, um Draco die Möglichkeit zu geben, das Gehörte zu verarbeiten. Dann fuhr er fort: "Slytherin hatte natürlich keine Ahnung, was genau das Besondere an uns war. Er sagte auch, dass er den Zeitreisegedanken sehr schnell verworfen hatte, weil er ihm albern vorgekommen war. Trotzdem glaubte er uns, als wir alles erzählt hatten.
Zwischen unserer Geschichte und deinem Aufwachen war er für einige Zeit verschwunden. Er wollte wohl mit den anderen Gründern darüber sprechen." Pansy seufzte.
Draco sah nicht glücklich aus. Er wusste selbst nicht genau, ob das an dem gelüfteten Geheimnis, an der Ungewissheit der Heimkehr oder an diesem komischen Gefühl von vorhin lag. Er staunte nicht schlecht, als er sich selbst dabei zuhörte, wie er seinen Freunden von seinen Gefühlen erzählte.
Pansy bekam einen verklärten Blick, der als „endlich!" interpretiert werden konnte. Blaise starrte ihn nur mit offenem Mund an. Das war für Draco der eindeutige Beweis, dass es falsch war, über so etwas zu reden. Doch dann begann Blaise, das Ganze aus seiner Sicht zu schildern und Draco bemerkte, dass er offenbar nicht alleine da stand.
Ganz irritiert stellte er fest, dass das ja richtig gut tat! Aber bevor das Überhand nahm, wollt er lieber was anderes tun. Zu viele Emotionen waren ungesund und er wollte sich damit lieber nicht anstecken. Er blickte unschuldig in die Runde. „Ich würde mal sagen, wir hoffen das beste und gehen wieder rein, oder? Die anderen müssen ja nicht unnötig misstrauisch werden!"
Pansy gab zu Bedenken, dass sie damit aber Lehrern über den Weg laufen konnten, deren Unterricht sie gerade schwänzten, Blaise und Draco hielten sich allerdings für fähig genug, denen aus dem Weg zu gehen. Pansy seufzte, ließ sich von Blaise auf die Beine helfen und folgte den selbstverliebten Freunden ins Schloss.
Die drei hatten die Eingangshalle noch gar nicht ganz durchquert, als hinter ihnen eine Stimme ertönte. „Mr. Goyle, Mr. Crabbe, Miss Granger! Wie schön, Sie zu sehen! Ich hörte gerade, dass Sie wohl krank seien, da sie schon den ganzen Tag dem Unterricht ferngeblieben sind. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Sie meine Aufgabe in Pflege magischer Geschöpfe nicht ernst nehmen!"
Pansy grinste breit und drehte sich um. Den Jungs zischte sie ein „Ha!" zu. „Miss Granger, halten Sie ihr Grinsen in dieser Situation für angemessen?" Pansy grinste noch breiter. Sie hatte einfach genug davon. Sie bekam hier nicht mal Noten, also was sollte das ganze Theater.
„Ja, das halte ich durchaus. Sie nicht? Und was diese überflüssige und dämliche Aufgabe angeht…" Blaise stieß Pansy an. Draco funkelte sie an. Aber daran hatte sie sich schon gewöhnt. Sie wollte sich gerade voller Eifer der verhassten Lehrerin zuwenden, als Blaise sich vor sie schob und entschuldigend lächelte.
„Wie Sie sehen, Professor, geht es Pa…Hermine wirklich nicht gut. Sie ist von der Krankenstation abgehauen und wir wollten sie gerade zurückbringen!" Die Lehrerin fing schallend an zu lachen. Kurz darauf erhob sie die Stimme: „Das ist ja ein netter Versuch gewesen, aber das Sie so offensichtlich lügen können, hätte ich Ihnen nicht zugetraut. Sie werden mich jetzt auf der Stelle zu Ihrem Hausleiter begleiten!"
Blaise sah seine beiden Begleiter verwirrt an. Die Ausrede war schlecht gewesen, aber doch nicht so dramatisch! Da es sich nicht ändern ließ, folgten die drei der Professorin. Keiner von ihnen machte sich die Mühe, den Kopf hängen zu lassen. Als Salazars Bürotür aufging, lächelten sie nur entschuldigend. Ihr Hausgründer hörte sich die Beschwerden seiner Kollegin an und nickte verständnisvoll.
„Und wissen Sie, was diese drei Draufgänger mir dann weiß machen wollten? Dass sie das Mädchen auf die Krankenstation hätten bringen wollen! Dabei wissen wir doch alle, dass sich noch überhaupt keine Hexe dafür gefunden hat!"
Sie lachte vorwurfsvoll. Salazar lachte höflich mit. „Vielen Dank, Clothilda, Sie können dieses" er sah die drei abwertend an „Problem nun mir überlassen." Die Professorin verließ dankbar den Raum, erteilte jedoch den Schülern vorher noch einen überlegenen Blick.
Als sie sich weggedreht hatte, streckte Pansy ihr die Zunge raus, glücklich darüber, dass es sich nicht um diesen durchgeknallten MadEye Moody handelte. Salazar strafte Pansy mit einem milden Lächeln. In Erwartung einer furchtbaren Standpauke, machten die drei sich bereit, die Köpfe einzuziehen. Slytherin lächelte stattdessen freundlich.
„Das haben Sie sehr gut hinbekommen! Denn nun kann ich gerechtfertigt behaupten, dass ich Sie drei der Schule verweisen musste." Draco sah ihn fragend an. „Heißt das, Sie haben eine Möglichkeit gefunden, uns zurück zu bringen?"
„Nun, Mr. Malfoy, bringen werde ich Sie wohl nicht, aber schicken können wir Sie drei. Es war nicht einfach und ich möchte speziell Ihnen Dreien lieber nicht erklären, wie es uns gelungen ist, aber wir haben den Zeitumkehrer umgekehrt. Das beste wird sein, wenn ich Sie vor das Schloss begleite, wir sind uns nämlich nicht sicher, was mit Ihrer Umgebung passieren würde und damit Sie nicht einen unserer Räume mitnehmen, gehen Sie lieber in Richtung See."
Blaise, Draco und Pansy sahen sich erleichtert an. Dann fiel Pansy den beiden Jungen gleichzeitig um den Hals und drückte sie an sich. „Wir gehen nach Hause!" Pansy strahlte die leicht erröteten Jungen an. Die zwei lächelten verlegen zurück.
Glücklich folgten die Zeitreisenden Salazar nach draußen. Am unteren Ende der Treppe verabschiedete er sich von ihnen und wünschte ihnen viel Glück. Sie bedankten sich übermäßig und machten sich auf zum See. Salazar blickte ihnen einen Weile nach und dachte: „Hoffentlich geht alles gut. Aus ihnen kann wirklich etwas Großes werden…"
Dann drehte er sich um und machte sich auf den Weg ins Lehrerzimmer, um seine Kollegen über den Rausschmiss in Kenntnis zu setzen.
Die drei Slytherins waren in der Zwischenzeit am Ufer angekommen und sahen sich an. Pansy sah auf den See. Blaise entdeckte Angst in ihren Augen, also nahm er ihr den Zeitumkehrer aus der Hand und legte ihn ihr um den Hals. Die länger werdende Kette legte er sich um den Hals und reichte sie an Draco. Der atmete tief durch und steckte seinen Kopf darunter durch. Pansy griff vorsichtig nach Blaise' und Dracos Hand. Blaise hielt sie fest und sah ihr aufmunternd in die Augen. Draco drehte an dem Rad und griff ebenfalls nach Pansys Hand.
Um sie herum wurde alles dunkelblau. Langsam wurde es heller und dann drangen die Bilder der Realität durch das Blau. Erleichtert erkannten die Freunde den See und den Wald. Sie drehten sich um und sahen das Schloss. Keiner von ihnen war jemals so glücklich gewesen, das Schloss zu sehen.
Inklusive der abblätternden Farbe und den irgendwann in der Zwischenzeit angebrachten Figuren an Dach und Wänden. Pansy fiel den Jungen erneut um den Hals. Beiden schoss durch den Kopf, dass sie sich daran gewöhnen könnten. Glücklich und Arm in Arm betrachteten die drei die Wasseroberfläche.
Plötzlich schoss ein Tentakel aus der Mitte des Sees. Eine weiße Spitze winkte den Dreien zu. Erst erschraken sie ganz furchtbar und sahen sich panisch an, dann fingen sie schallend an zu lachen, bis sie sich den Bauch halten mussten. Draco, der immer noch ab und an prusten musste sah zum Schloss.
„Wollen wir reingehen?" Die anderen beiden nickten und so betraten sie kurze Zeit später die Eingangshalle. Dumbledor verschwand gerade in Richtung seines Büros und lächelte ihnen freundlich zu. In ihrer ausgesprochen guten Laune lachten die drei höflich zurück. Er wollte gerade weitergehen, als er sich noch einmal umdrehte.
„Hatten Sie eine gute Reise?" Dann verschwand er und ließ die Freunde mit offenem Mund in der Halle stehen.
Ende
