to Maegwin
Ich hoffe, ich hab deine Geduld nicht zu sehr strapaziert. Ich bin durch meine Facharbeit momentan ziemlich "englischübersättigt", deswegen geht das mit den Updates zur Zeit etwas zäh voran. Aber Ende Januar ist Abgabetermin... und bis dahin sollten die beiden dann auch auf deutsch endlich "physical" geworden sein.

to Reinadoreen
Denk dir nix, ihr seid zu dritt ;)


5. Unterricht

Über das Geschrei der Morgeneulen hinweg, hörte Harry ein unverkennbares Schnattern.

„Spielberg! Hierher!" Bevor Harry vor sich auf dem Tisch Platz schaffen konnte, landete eine Graugans mit einem verärgerten Quaken in seinem Haferbrei. „Das ist die transatlantische Postgans des Zirkels", erklärte er Hermine, während er Spielberg mit einer Serviette säuberte, und die Gans kniff ihm glücklich in die Finger und begrüßte Hedwig anschließend lautstark.

Harry band ein Päckchen aus einem der Fußnetze und hob den Imprägnierungszauber auf, der darauf lag.

Har, du Idiot, lautete Kats beiliegender Zettel, hast du wirklich gedacht, du könntest einfach so davon kommen und uns auf all deinen Briefen sitzen lassen? Du willst deine Freunde vernachlässigen, schön, aber lass uns da raus. Und wenn du sie nicht liest, verstau' sie um Himmels willen an irgendeinem sicheren Ort, bis du zur Besinnung kommst. Vermiss´ dich – richte allen ein Tally Ho von mir aus und schicke uns eine Eule, falls du feststellen solltest, dass du ohne Twinkies nicht mehr leben kannst.

Harry betrachtete angewidert das dicke Bündel Briefe. Der oberste des Stapels war mit der Schrift nach außen gefaltet; er konnte das Siegel des Ministeriums erkennen und ein paar Wörter: In Übereinstimmung mit den Richtlinien von Sirius Blacks Testament...

Doch er konnte sich nicht dazu überwinden, sie zu verbrennen, und an der Art und Weise wie Hermines versuchte, ihm über die Schulter zu sehen, war abzulesen, dass sicher jemand seine Nase hineinstecken würde, wenn er sie wegwarf.

Letzten Endes nahm er sie mit zurück auf sein Zimmer und verwahrte sie im hintersten Teil des spärlich bestückten Kleiderschranks, hinter seinem Koffer und den Taschen.

Er hatte wirklich keine Zeit, sie durchzusehen.

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„Nun also zum zweiten Mal", gab McGonagall ironisch bekannt, „möchte ich Sie alle in Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberkünste, willkommen heißen." Von den Schülertischen erklang verhaltener Applaus.

„Ich hoffe", fuhr sie fort, „dass Sie es sich in den verhältnismäßig engen Quartieren, die in den Schlafsälen zur Verfügung stehen, so bequem wie möglich gemacht haben. Da das Kollegium weiterhin Verzauberungen entfernen wird, wird bald mehr Platz vorhanden sein. Und zu guter letzt möchte ich ankündigen, dass wir morgen endlich mit dem Unterricht beginnen werden..." ein Stöhnen wurde unter einigen Schülern laut..." und mit dem Quidditchtraining." Kaum hatte sie das ausgesprochen, verwandelte sich das Stöhnen in ein Jubelgeschrei, das mehrere Minuten lang anhielt und abrupt abbrach, als das Essen erschien.

Harry seufzte zufrieden. Warmes Essen, zum ersten Mal seit Tagen... und die Hauselfen hatten sich selbst übertroffen mit lauter Gerichten, die nicht von der Anrichte im Lehrerzimmer gegessen werden konnte. Der Tisch war überladen mit Rinderbraten und Gemüsesuppe und Kartoffelbrei.

Harry langte kräftig zu, Malfoys affektiertes Schnarren von Hermines anderer Seite ignorierend. Jetzt konnten die Dinge anfangen, wieder normal zu werden.

„Ist da noch ein Platz frei?"

Er sah auf – und dann sah er wieder auf. „Ron? Ron!" Er ließ seinen Löffel mit einem lauten Platschen in die Suppe fallen und sprang auf, um Ron so fest zu umarmen wie er konnte – das letzte Mal, als sie sich getroffen hatten, war er sicher noch nicht so breit gewesen. „Was in aller Welt machst du hier? Das letzte Mal hast du geschrieben, du wärst in Bulgarien!"

Ron erwiderte seine Umarmung. „Bin in Marokko einem Freund von Wood über den Weg gelaufen. Hat erzählt, sie hätten ein paar Schwierigkeiten hier, also hab ich gedacht, ich schau mal, ob ich helfen kann. Hab ein Händchen fürs Reparieren, und so wie´s aussieht, könnte hier 'ne ganze Menge 'ne Reparatur vertragen." Er zupfte an einer Strähne hinter Harrys Ohr – die gleiche Strähne, an der Hedwig gern knabberte, und es bedeutete bei beiden das Gleiche. „Siehst verwildert aus, Harry – gibt's in Amerika etwa keine Frisöre? Oder warst du zu sehr damit beschäftigt, mit Tuesday im Mondlicht schwimmen zu gehen, oder wie auch immer sie heißt..."

„Du siehst fantastisch aus", sagte Harry hastig. Er tat es wirklich. Er war noch größer als bei ihrem letzten Treffen und hatte außerdem eine ansehnliche Statur bekommen. Er hatte es endlich geschafft, unter seinen Sommersprossen braun zu werden, und die Sonne hatte seine Haare auf die Farbe eines frisch polierten amerikanischen Penny gebleicht. Über seiner Schulter hing ein abgenutzter Rucksack aus Drachenhaut, aus dem der Griff eines großen Messers herausragte. „Warte, bis Hermine dich sieht."

„Warte, bis ich was seh..." Hermine stockte mitten im Wort. „Ron?" Ihre Augen weiteten sich.

Ron grinste schüchtern. „Hi, Hermine", nuschelte er.

„Aber… du hast mir doch zuletzt geschrieben, du wärst in Neuseeland! Und... aber ich..." Schließlich stand sie auf und umarmte ihn unbeholfen. Sie wirkte immer noch sehr nervös. Ron errötete. Harry lächelte hinter vorgehaltener Hand

„Ron", sagte Hermine ziemlich spitz, als sie sich voneinander lösten, „du erinnerst dich natürlich an Draco."

Harry wurde sehr still und beobachtete sie. Wenn Malfoy auch nur ein unpassendes Wort entschlüpfen sollte, würde er...

Malfoy stand langsam auf. „Weasley", sagte er in einem langsamen, melodischen, vollkommen ungewohnten Tonfall, und Harry konnten sehen, wie seine Augen zu Rons sonnengebleichtem blauen Sweatshirt hinunterwanderten und wieder hinauf zu seinen sonnengebleichten Haaren. „Schön dich wiederzusehen." Er bot ihm die Hand an.

„Malfoy", sagte Ron vorsichtig, und ließ seine Hand etwas früher los, als echte Höflichkeit es erlaubt hätte. Er sah von Malfoy zu Hermine und seine Augen verengten sich ein wenig. Doch da kam Charlie zu ihnen hinüber, um seinen Bruder zu begrüßen, was ihm beinahe alle am Lehrertisch nachmachten, so dass Harry lediglich genug Zeit blieb, um Ron einen stummen „Das kannst du laut sagen" Blick zu werfen zu können. Er war froh darüber, dass das alles auf Ron ebenso befremdend wirkte wie auf ihn.

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„Wie eine Landwas?", fragte Ron stirnrunzelnd vom Sofa des Lehrerzimmers aus.

„Das ist eine Muggelwaffe", erklärte Harry. „Ein Sprengkörper, und sie vergraben ihn, und er kann dann jahrelang an diesem Ort bleiben, bis jemand versehentlich darauf tritt und ihn auslöst und von der Explosion getötet wird. Oder in unserem Fall von einem Zauber getroffen wird und magische Krämpfe bekommt, oder so."

Ron nickte. „Ein Zauber, der das gleiche kann… das wäre eine mörderische Waffe." Er legte die Stirn wieder in Falten. „Aber wenn ihr das könntet, warum geben wir uns dann mit diesem Kleinkram zufrieden? Krämpfe, Feuer, Explosionen, Schmerzen... warum legen wir nicht eine, die alles in die Luft jagt und dann sind wir fertig damit?" Er schaufelte noch einen Löffel Zucker in seinen Tee.

Harry schielte zu Hermine, die Rons Hand an seinem Löffel beobachtete.
Malfoy, auf seinem üblichen Platz auf der Armlehne von Hermines Sessel, grinste verschlagen und stupste sie an. „Kennst du des Rätsels Lösung?"

„Hm? Oh… richtig… ich hab tatsächlich schon darüber nachgedacht – wegen etwas, das Phoenix und Ursa gefunden haben. Lasst es mich euch zeigen." Sie rief ein Schmierpergament herbei und zeichnete einen Knoten, der ihnen irgendwie bekannt vorkam. „Das erkennt ihr doch, oder Harry?" Harry sah sie ahnungslos an. Für ihn sahen alle Knoten gleich aus. Sie seufzte. „Draco?"

„Das ist einer von den Gelenkschwellungssprüchen, richtig?" Der Angeber.

Sie nickte strahlend und zeichnete dann eine lange Kurve, die von dem Knoten herabhing und in einem weiteren Knoten endete. „Und das?"

„Das ist eine Art Konditionalsatz… nein, warte, ist es nicht. Es fungiert als direktes Objekt, aber ich kann nicht erkennen, wie es lautet."

"Es lautet", sagte Hermine grimmig, „Zaubereiminister´."

Alle starrten sie an.

„Das", sagte Malfoy, „ist erstaunlich." Er nahm Hermine das Pergament aus der Hand. „Ein Auslöser in den Hallen von Hogwarts, um Leute zu erwischen, die Meilen weit weg sind, und das noch Jahre, nachdem der Zauber ausgesprochen wurde – der Urheber könnte sogar tot sein – bei den sieben Unterwelten, das ist elegant." Er fuhr Hermines Zeichnung mit einem langen Finger nach. „Ein fortdauernder Nachlass aus Chaos und Ruin. Von wem auch immer dieser Zauber stammt, er war definitiv ein Slytherin."

Harry sah ihn an. Ihm war schlecht. Malfoy starrte herausfordernd zurück. „Na, Potter?", sagte er, „Wäre es dir lieber, diese Art von Genius auf deiner Seite zu haben?"

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Um Mitternacht rauschte Malfoy mit mehr Robenwirbel, als schlichte Physik erklären konnte, die breite Treppe zu seinen Zimmern hinauf. Ein oder zwei Augenblicke nachdem er den Gemeinschaftsraum verlassen hatte, herrschte Schweigen, dann wandte sich Ron Hermine zu und meinte: „Du hättest mir schreiben können, dass du dermaßen knapp an Freunden bist. Ich hätte auf einen Sprung vorbeigeschaut." Harry kicherte.

Ron", sagte sie.

„Na gut, dann erklär mir das mal, Hermine", sagte Ron gereizt. „Wie bist du in so kurzer Zeit von...", er stolperte leicht über das Wort, „von Schlammblut´ zu Mine´ geworden?"

„Die Zeit war nicht so kurz", sagte sie. „Kurz nachdem wir Hogwarts verlassen hatten, hat Draco sich mit Professor Dumbledore in Verbindung gesetzt und seine Dienste als Spion angeboten, und seitdem arbeiten wir zusammen. Ich hatte gerade die Transauditumverbindung entwickelt, und da die Person am anderen Ende nicht zaubern muss, war sie wie geschaffen dafür, mit ihm Kontakt zu halten, ohne dass das Risiko für ihn zu groß war."

„Denn Malfoy hätte sich nie im Leben irgendeinem Risiko ausgesetzt", sagte Harry.

Hermine warf ihm einen Blick zu, der vor Empörung nur so triefte, antwortete aber nicht. „Er hat uns ungefähr ein Jahr lang Informationen zufließen lassen... er ist derjenige, der die Diskussion über den Fratriumzauber belauscht hat, Harry, den Aufhänger für meine Nachforschungen, wie wir deinen Stab mit Voldemorts arretieren können."

Harry hatte gewusst, dass sein Duell mit Voldemort kein Einzelsieg gewesen war – Hermines Nachforschungen, Snapes Trank, der im trotz der Auszehrung seines Körpers erlaubte, weiter zu machen, Ron und Sirius und Dumbledore, die ihn am Ende auf den Beinen hielten, während alle anderen die Dementoren und die Todesser zurückhielten – aber es wurmte ihn, dass Malfoy seinen Teil dazu beigetragen hatte. „Ich dachte, du wärest von allein darauf gekommen."

Sie schüttelte den Kopf. „Jedenfalls ist er zufällig enttarnt worden, und es war nicht mehr sicher für ihn, bei ihnen zu bleiben. Das war kurz vor deinem Duell, Harry. Also hat Minerva ihn irgendwie aus dem Lager geholt, und letztendlich ist er bei mir gelandet und ich habe ihn sofort ins Zaubererschutzprogramm aufnehmen lassen."

Ron lachte laut auf. „Das hast du nicht getan!", rief er. „Kein Wunder, dass er mit dem ganzen Schlammblut´-Blödsinn aufgehört hat!"

Hermine lächelte. "Doch. Jetzt sagt er, wir wären…" – sie ahmte Malfoys lasziven Tonfall nach – „im Großen und Ganzen nicht schlimmer als die meisten Zauberer. Obwohl das nicht viel heißen mag.´"

„Was ist das Zaubererschutzprogramm?", fragte Harry.

„Du hast noch nie davon gehört?", fragte Ron. „Nein, hast du nicht, nehme ich an... es ist ja nicht so, dass du mit „Aloysius Grimble, Das hellsehende Auge" aufgewachsen wärst. Hab aber auch immer gedacht, es wären nur Geschichten."

„Nein, es ist echt", sagte Hermine, "obwohl es viel komplizierter ist, als es in den Zaubererkrimis den Anschein hat."

„Was genau ist das?", fragte Harry wieder.

„Naja, wir haben ihn zeitweise in einen Muggel verwandelt."

Harry verschüttete beinahe seine Tee. „Ihr habt was?"

„Es war die einzige Möglichkeit ihn zu schützen", sagte sie ernst. „Du weißt doch, dass Magie Macht anzieht, oder, Harry? Und das Dunkle Mal zieht seine Macht aus der Person, die es trägt, jeder weiß das. Solange Draco also Zauberkräfte besessen hat, konnte Voldemort ihn magisch überall aufspüren. Aber als wir ihn durch einen Emagium-Fluch von seinen Kräften getrennt haben, war es nur noch ein hässliches Tattoo. Er konnte sich solange verstecken, wie er musste, bis die Dementoren verschwunden waren, und wir einigermaßen sicher sein konnten, dass die Todesser, die noch da waren, ihm nicht gefährlich werden konnten."

„Aber was hat er gemacht?" Harry versuchte sich Malfoy in Onkel Vernons Bohrmaschinenfabrik vorzustellen oder wie er Tante Petunias Hecken schnitt.

Hermine grinste. "Er war der schlechteste Büroassistent, den meine Eltern je hatten." Sie schüttelte den Kopf. „Man könnte meinen, dass jeder halbwegs intelligente Mensch in der Lage sein sollte, Akten abzuheften, oder? Gerade letzte Woche hat Vater Anson Durham unter G gefunden, und als er Draco geschrieben hat, um ihn nach dem Grund zu fragen, hat Draco gesagt, „Ist das nicht da, wo die Großmäuler hingehören?"

„Geht es ihnen gut?", fragte Harry. „Hat er sich einigermaßen benommen?"

Sie sah ihn finster an. „Nach all dem denkst du doch nicht etwa immer noch, dass er böse ist, Harry?"

„Das vielleicht nicht, aber er ist nach wie vor unausstehlich." Harry mochte die Grangers sehr. „Ich kann die Vorstellung nicht ertragen, dass er sie herumkommandiert und Schlammblut´ nennt."

„Er nennt Mutter Prudence, wenn du es genau wissen willst", sagte Hermine lächelnd. „Irgendein Witz, den nur die zwei verstehen. Sie haben ihn mir nie erklärt."

„Wie nennt er deinen Vater?"

„Papa", sagte sie.

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„Das passiert wohl, wenn man verreist", sagte Ron später, als er sich auf einer Wolldecke auf Harrys Sofa ausstreckte. „Du verlierst den Kontakt zu deinen Freunden, und sie bandeln mit Spinnern an." Harry kicherte und reichte ihm ein Kissen. „Ich glaube, wenn ich muss, kann ich zivilisiert sein, sogar Malfoy gegenüber. Aber wenn er sie verletzt, dann werde ihm das Rückgrat herausreißen und ihn damit erwürgen."

Harry setzte sich neben ihn. „Ähm, ich glaube, darüber musst du dir keine Sorgen machen."

„Weiß nicht. Er mag kein Verräter mehr sein, aber er ist immer noch ein blasiertes, selbstverliebtes, für nichts zu gebrauchendes Frettchen."

„Natürlich ist er das", sagte Harry, „aber er ist… ich meine, sie sind nur Freunde. Ich meine, er ist ein Freund. Er interessiert sich nicht für Mädchen." Es irritierte ihn, als er bemerkte, dass er rot wurde.

„Oh. Oh. Einer von diesen Malfoys." Ron sah nicht so überrascht aus wie Harry erwartet hatte. „Hätt´ ich mir denken können. Nur er hat so ein Theater daraus gemacht, dass er in der Schule immer eine Freundin hatte. Na gut, dann werde ich ihm eben dann das Rückgrat herausreißen, wenn er dich verletzt." Nachdem er Harrys Stottern einen Moment lang beobachtet hatte, versetze Ron ihm einen leichten Stoß in die Rippen.
"Harry. War ein Witz."

„Hm", sagte Harry und warf Ron einen bösen Blick zu. „Sehr witzig."

Ron grinste ihn an. „Dein Denkapparat lässt nach, Harry. Schlaf lieber ein bisschen, sonst verwandelt dich deine erste Klasse morgen versehentlich ein Blatt Löschpapier."

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Harry musterte der Verzweiflung nahe seine Gryffindor-Erstklässler.

Hogwarts war solange geschlossen gewesen, dass ein Erstklässler jedes Alter zwischen zehn und sechzehn haben konnte. Einige von ihnen hatten Privatunterricht bekommen, andere hatten sich selbst das ein oder andere beigebracht, und die Muggelstämmigen hatten bis vor einem Monat, als Ollivander ihnen einen Zauberstab in die Hände gelegt hatte, noch nie einen gesehen.

Und sie waren Gryffindors. Wagemutig und ritterlich und... nun ja, dumm. Kein Quäntchen mehr gesunder Menschenverstand als die überfütterten Eichhörnchen in Disney World.

Da war Steele, der das erste Wort eines Zauberspruches nachplapperte ohne das zweite abzuwarten. Da war Jones, der den Spruch falsch verstanden hatte, sich aber lieber mit dem ungefähren Wortlaut zufrieden gab, als nach einer Richtigstellung zu fragen. Da war Osborne, der beinahe jeden Zauber kannte und gelangweilt willkürliche Gegenstände verwandelte.

Ein paar Streichhölzer wurden zu Nadeln, während die anderen in Flammen aufgingen oder in Pfützen zerschmolzen oder andere Streichhölzer angriffen. Harry stöhnte; er hatte nicht genug Schlaf bekommen, um mit so etwas fertig zu werden. Fünf silberne Nadeln hoben in Formation ab und flogen auf Harry zu. So viel Schlaf gab es überhaupt nicht, um mit so etwas fertig zu werden.

„Wartet", rief Harry, hielt eine Hand hoch, und die Nadeln versenkten sich in seinen Handballen.

„Au! Wartet! Commutati rescendo! Mr. Osbourne, legen Sie das hin… Miss Rainbird, hören Sie sofort damit auf… finite incantatem... setzt euch jetzt verdammt noch mal hin und haltet den Mund!"

Die Klasse verstummte, die Schüler starrten ihn an, und Harry wurde bewusst, dass seine verzweifelte Suche nach seiner autoritären Ader damit geendet hatte, dass er in Kat Bonifays Tonfall gerutscht war.

Er seufzte. Sie hatten Glück, dass er den Satz nicht mit "bevor ich einen Knoten in jeden einzelnen von euren vorlauten Hälse mache" beendet hatte.

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Harry traf Ron auf dem Weg zum Mittagessen in der Großen Halle. Ron hinkte nicht wirklich, aber er ging sehr behutsam.

„Was ist los?", fragte Harry.

„Neue Füße", sagte Ron. Harry sah nach unten. Rons Füße waren nackt und rosa und weich wie die eines Babys.

„Stromkarle´, hat Charlie gesagt. Musikalische Geister´, hat er gesagt. Komm und schau zu, wird eine nette ungefährliche erste Stunde.´ Aber sie sind nun mal Ravenclaws, und sie können es nicht ertragen, wenn es etwas gibt, dass sie nicht wissen dürfen."

„Was ist passiert?"

„Banks-Martin hat die Stromkarle gebeten, den Verbotenen Takt zu spielen."

Harry runzelte die Stirn. „Verbotenen was?"

„Muss Stunden gedauert haben, bis wir den Auremclaudium so oft wiederholt hatten, dass wir die Verzauberung brechen und die Schüler aufhören konnten zu tanzen." Ron seufzte. „Sofia glaubt, sie kann alle ihre Füße rechtzeitig bis zum Unterricht morgen wieder nachwachsen lassen."

Hermine saß schon am Tisch. Überall auf ihrem Gesicht und ihren Händen waren schwache Spuren blauer Tinte. „Was für eine Katastrophe. Überall sind Federkiele herumgeflogen. Ich habe eine Stunde gebraucht, um sie zu entzaubern." Sie legte ihren Kopf auf den Tisch. „Slytherins", stöhnte sie. „Wenn sie einen Zauber nicht gleich perfekt können, wollen sie ihn überhaupt nicht lernen."

„Malfoy muss Hufflepuffs in Muggelkunde gehabt haben", sagte Ron. „Mal sehen, wie er sich geschlagen hat..."

Die Hallentür öffnete sich und Malfoy kam herein. Mitten auf seiner Stirn klebte eine Styroportasse fest.

„Wie erwartet also", sagte Ron.

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Bis zum Abendessen war auch Harrys andere Hand verbunden und zwei Federkiele hatten sich in den Ärmel von Hermines Robe gebohrt, wo sie weiterhin zitterten und versuchten, sich zu befreien.

„Ungewöhnlich schreckliche Schüler, was denkt ihr?", fragte Ron.

„Schlimmer als Fred und George?", sagte Harry.

„Ok, schon kapiert."

"Vielleicht sind wir einfach ungewöhnlich schreckliche Lehrer", seufzte Hermine.

Malfoy ließ sich neben Ron fallen. Er hatte die Styroportasse größtenteils abgebrochen, aber Harry sah voller Schadenfreude, dass der Tassenboden immer noch an seiner Stirn klebte.

Malfoy warf Hermine, die sich ein Kichern nicht verkneifen konnte, einen stechenden Blick zu. „Nicht ein Wort, verstanden?"

„Was machen wir falsch?", jammerte Hermine.

„Es liegt an der Mischung", sagte Harry. „Man kann nicht einfach so alle Altersgruppen mischen, ohne dass es Schwierigkeiten gibt."

Zu seiner Überraschung stimmte ihm Malfoy zu. „Von den Leistungsunterschieden ganz abgesehen. Ich habe Schüler in meine Klasse, die ihr ganzes Leben mit Muggeln verbracht haben, und Schüler, die noch nie von einem Automobil gehört haben. Wie soll ich die alle gleichzeitig unterrichten?"

Hermine nickte. "Osbourne hatte seit seinem sechsten Lebensjahr einen Privatlehrer, und er will Jones alle seinen Fortgeschrittenen-Zauber beibringen, aber Jones hat bisher noch nie Latein gesprochen und wechselt immer nach Französisch... und „noster" und „notre" bedeuten vielleicht dasselbe, aber in einem Zauberspruch wirkt sich das völlig unterschiedlich aus..."

„Wir müssen die Häuser aufspalten", meinte Malfoy. „Wir müssen sie testen, und sie dann anhand ihrer Fähigkeiten anstatt nach Häusern in Klassen aufteilen." Er rieb gereizt über die Styroporreste auf seiner Stirn.

„Kleine Hilfe gefällig?", fragte Ron.

„Ich habe es schon mit dem Antihaftzauber versucht", sagte Malfoy. Ron schenkte ihm keine Beachtung, nahm etwas in seine linke Hand, packte Malfoys Gesicht mit der rechten, und begann einen Zauber zur Entfernung von Dingen zu murmeln.

„Also du bist auf alle Fälle nicht der erste Kerl, der seine Finger nicht von mir lassen kann, aber..."

Die Bruchstücke der Tasse fielen vor ihm auf den Tisch. Er starrte Ron an.

„Manchmal braucht man eben einen Antihaftzauber und ein Buttermesser", sagte Ron.

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Die Schüler trudelten an ihren Tischen ein, als die meisten Lehrer gerade mit dem Essen fertig waren. „Also gut", sagte Malfoy, „Potter, ich glaube, es ist Zeit, dass wir beide mit dem Entzaubern der Schlafsäle anfangen." Der erste Unterrichtstag war so ereignisreich gewesen, dass Harry beinahe vergessen hatte, dass sie noch mehr magische Minen zu entschärfen hatten. „Andernfalls... naja, die ganze Schülerschaft wurde in zwei Zimmer pro Haus gestopft... mich schauderts bei dem bloßen Gedanken. Keine Ahnung was schlimmer wäre, die Rivalitäten oder die Romanzen."

Harry nickte steif. „Wir werden bei den Schlafzimmern in Gryffindor weitermachen."

„Ich glaube kaum…", begann Malfoy, aber Hermine wies sie beide mit ihren Blicken zurecht und drückte Malfoy einen pyramidenförmigen Würfel in die Hand. „Na schön", sagte Malfoy und beäugte Harry misstrauisch. „Weasley, du würfelst."

Die Pyramide fiel auf ihre rote Seite und Harry konnte einem Grinsen nicht widerstehen. Ein weiterer kleiner Sieg für Gryffindor.

Die Todesser-Besatzer hatten einen großen Teil der Möbel zerstört, und was übrig gebliebener war, sah kleiner und schäbiger aus als in Harrys Erinnerung.

Sie entschärften dort und in den beiden Räumen, in denen die Schüler zur Zeit schliefen, ein paar harmlosere Flüche, dann brachen sie das schwarze Band vor dem ersten abgesperrten Zimmer. Es war seltsam, den Raum so leer zu sehen; er hatte Angelina, Alicia und ihrem restlichen Jahrgang gehört, und das letzte Mal, als er darin gewesen war, hatte er kein Stückchen Wand sehen können.

Als sie die Kerze anzündete, erstrahlte der Raum vor versteckten Zaubern. Nachdem ihn Malfoy bei ihrer Identifizierung die ersten vier Male geschlagen hatte, gab Harry widerwillig zu, dass Malfoy diesen Part besser beherrschte als er, und ließ ihn machen.

„Explosion, Schmerz, Schmerz, und Mumps... ist ein seltener, der da." Malfoys lange Haare teilten sich in seinem Nacken, als er sich über Hermines Rolle beugte, aber er war zu eitel, um sie zurückzubinden. „Bereit? Nodu´stinguo."

Harry musste gestehen, dass es etwas Befriedigendes hatte, die Reihe an Zaubern in einem vollkommen gleichmäßigen Rhythmus zu entfernen, besonders nach dem Chaos tagsüber. Mit Malfoy ließ sich einigermaßen arbeiten, solange er nicht etwas anderes als Latein von sich gab.

Sie entzauberten das Zimmer der Mädchen aus Ginnys Jahrgang ohne Zwischenfälle, und nach einer kleinen Erholungspause im Gemeinschaftsraum – aus der beinahe ein Nickerchen wurde – konnte Harry sein eigenes Zimmer nicht mehr länger vermeiden.

Es sah aus wie immer und doch anders – keine Footballposter hinter Deans Bett, kein rotglühendes Erinner-mich auf Nevilles Nachttisch, kein an die Wand gelehnter Feuerblitz. Nur in langen Fetzen heruntergerissene Tapete und ein großes Loch im Boden. Harry entzündete die Kerze mit einem Klumpen im Hals.

Sein altes Bett war so stark vermint, dass ihn das Licht zwang, die Augen zuzukneifen.

„Deine Beliebtheit scheint mit den Jahren nicht zu schwinden, Potter." Malfoys für gewöhnlich seidige Stimme war rau.

Harry seufzte, zog seine Brille nach vorn, um sich die Augen zu reiben, und ließ sich auf eines der Betten plumpsen. „Wenn irgendjemand in diesem Bett geschlafen hätte, wäre es ein Wunder gewesen, wenn er das Halbjahr überlebt hätte." Einer der Flüche war Schlafwandel, ein anderer Aggressionsschübe. „Und nicht alle seine Freunde umgebracht hätte."

„Und ich bin mir sicher", sagte Malfoy mit falscher Milde, „dass es das allererste Mal gewesen wäre, dass jemand leidet, weil er mit Harry Potter in Verbindung gebracht wird." Er inspizierte die Sprüche genauer. „Wir müssen diesen hier absichern und ihn später erledigen."

„Noch eine Herausforderung gefunden, vor der du dich fürchtest?" Harry funkelte ihn an. „Und was sollte diese Bemerkung bedeuten?"

„Hast du dich noch nicht daran gewöhnt, Potter? Hast du nicht zwei aus dem Weasley-Wurf in Schwierigkeiten gebracht, bevor sie überhaupt Gelegenheit dazu hatten, die Pubertät hinter sich zu bringen? Von Ced will ich gar nicht erst anfangen..."

„Nicht mal du bist dumm genug, um ernsthaft zu behaupten, dass ich meine Freunde absichtlich gefährde, Malfoy."

„Ich behaupte nichts dergleichen." Malfoy schaute überrascht. „Das ist der Preis der Macht, Potter. Diejenigen, die einer mächtigen Person nahe stehen, sind die Ziele seiner Feinde, jeder weiß das. Ich bin mir sicher, dass sogar die Weasleys das irgendwann gemerkt haben. Wenn sie sich im Licht des großen Harry Potter sonnen wollten, sind nur sie allein daran schuld."

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Malfoy musste es geschafft haben, McGonagall von dem Problem des Altersunterschiedes zu überzeugen, denn sie sagte den Unterricht für zwei Wochen ab, so dass die Schüler ihrem Können nach sortiert werden konnten. Oliver Wood stellte eine Art Tournier auf die Beine, für das jeder Lehrer Prüfungen erstellte, durch die die Fähigkeiten der Schüler miteinander verglichen werden konnten. So entstand in Hogwarts statt der gespannten und nervösen Examensatmosphäre die leicht chaotische Hochstimmung verlängerter Ferien.

Nachdem das vierte Möbelstück durch einen fehlgeleiteten Zauber pulverisiert worden war, schlug McGonagall vor, dass die Prüfungen draußen stattfinden sollten, solange sich das gute Wetter hielt. Und da es immer noch Stellen gab, über die nicht einmal die Vögel fliegen wollten, bedeutete dies für Harry und Malfoy, dass sie mehrere Tage lang mit zugekniffenen Augen zusammen Minen entschärfen mussten, die im Sonnenlicht kaum zu erkennen waren, während die ölübergossene Kerze dank einem Zauber in ihrer Nähe schwebte.

Hermine folgte ihnen auf den Fersen, wobei sie die halbe Bibliothek mitschweben ließ; bereit, jeden Zauber nachzuschlagen, den sie nicht entziffern konnten. „Der da ist auf Chinesisch, wartet kurz, ich hab ihn gleich hier", sagte sie, oder, „Den müsst ihr absichern... schaut, ein Stückchen davon ist so verzaubert, dass er nur bei Neumond lesbar ist."

Harry konnte Malfoy auch dann nicht entkommen, wenn sie nicht arbeiteten, denn Ron fand immer eine Entschuldigung dafür, dort zu sein, wo Hermine war, und Hermine war nie weit weg von Malfoy. Harry beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, wie er Essen von Hermines Teller stahl und schreckliche Witze riss und sich überhaupt wie ein kleines, verwöhntes Kind auf einem Familienfest benahm, das wusste, dass jeder im Raum es für hinreißend hielt. Es machte Harry krank.

Seit dem Zwischenfall mit der Styroportasse schien Malfoy außerdem entschieden zu haben, dass Ron sein persönlicher Diener war. Ständig zog er Ron zur Seite, um ihn zu fragen, ob man irgendwie die Couchen im Slytherin-Gemeinschaftsraum neu beziehen oder einige der, während der Besetzung durch die Todesser, zerstörten Treppen wieder aufbauen oder die quietschenden Scharniere der Tür der Großen Halle zum Schweigen bringen oder ein wackliges Geländer befestigen konnte.

„Befestigungszauber, so weit, so gut, aber nichts schlägt einen Befestigungszauber in Kombination mit etwas Holzleim und ein paar Streichhölzern", sagte Ron, Erwähntes aus seinem Drachenhautrucksack grabend, und Malfoy strahlte ihn an, als hätte er den Vers eines Gedichts aufgesagt.

„Glaub´, Malfoy ist in dich verschossen", sagte Harry zu Ron, als sie sich an der Tür zu Rons neuen Zimmern trennten.

„Natürlich ist er das. Sind feine Pinkel immer", sagte Ron. „Macht mir nichts aus. Er behält seine Hände meistens bei sich."

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Harry träumte von einem Blatt Papier, das drei Mal gefaltet auf einem Tisch lag. Das Papier war dick und die oberste Faltung stand hoch, als ob das Papier drauf und dran wäre, sich selbst zu entfalten.

Er wachte keuchend vor Schreck auf. „Was ist los mit dir?", sagte er zu sich selbst. „Was in aller Welt ist so gruselig an einem Blatt Papier?" Aber seine Hände zitterten weiter.

Hermine ließ ihren Löffel fallen, als er in die Speisehalle kam. „Großer Gott, Harry, was ist passiert? Du siehst grauenhaft aus."

„Oh danke, Hermine, schön zu hören." Er schüttelte ihre Hand von seinem Arm, rückte seinen Stuhl an den Tisch und zuckte zusammen, als er an die Kante stieß und sämtliche Gläser klirren ließ. „Es geht mir gut. Konnte nur nicht schlafen, das ist alles."

Er schob einen Teller mit Würstchen von sich weg - er konnte sie immer noch riechen, aber wenigstens konnte er sie nicht mehr brutzeln und zischen hören. Nichts auf dem Tisch sah auch nur im Entferntesten genießbar aus.

„Harte Nacht, Harry?" Ron setzte sich neben ihn und klopfte ihm flüchtig auf die Schulter. Harry nickte missmutig und begann, eine Orange zu schälen. Sein Nacken fühlte sich immer noch feucht und kalt an.

Er zwang die dritte Orangenspalte hinunter, als Malfoy sich ihm gegenüber setzte. Er wappnete sich für eine spöttische Bemerkung, aber Malfoy sah ihn nur lange und mit zusammengekniffenen Augen an. Dann richtete er seinen Stab auf Harry.

„He!", sagte Harry, sich ganz und gar verkrampfend. „Was..."

Finit´incantatem", sagte Malfoy. "Nein, nein, zu offensichtlich. Also gut, wie wäre es damit: Noloconturbo."

Harry wurde es auf einmal ganz warm. Es fühlte sich an wie ein Schluck heißer Schokolade nach der Begegnung mit einem Dementoren. Er starrte Malfoy an, der zuckte die Schultern.

„Jemand hat eine Paranoia-Mine mit dir als direktem Objekt ausgelöst, so wie´s aussieht", sagte Malfoy und verstrich einen widerwärtigen großen Klecks Marmelade auf seinem Toast. „Du warst gestern schreckhaft wie eine Katze."

„Oh, Draco, ich kann nicht fassen, dass ich daran nicht gedacht habe", sagte Hermine. „Tut mir Leid, Harry."

Harry fühlte sich aus der Bahn geworfen. „Man schleudert nicht einfach so einen Finite auf jemanden", murmelte er. „Du hast den Antischlierenzauber von meiner Brille genommen."

Malfoy zog einen Mundwinkel nach oben. „Wie unachtsam von mir." Er langte über den Tisch, nahm Harry die Brille vom Gesicht und polierte sie mit einem cremefarbenen Taschentuch. „Bitte schön."

Harry nahm die Brille entgegen und fühlte sich gleich viel geschützter, als sie wieder auf seiner Nase saß. „Ähm, danke." Er zwang sich, Malfoy in die Augen zu sehen. „Ich meine... danke."

Malfoy nahm die übrige Orange von seinem Teller. „Gern geschehen."

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„Guten Morgen. Zauberstäbe auf die Tische, bitte." Harry hatte eine Mischung aus drei Häusern in seiner ersten Verwandlungsklasse Stufe 1. Alle Slytherins waren auf 3 oder höher eingestuft worden und Malfoys Schadenfreude darüber war beinahe unerträglich.

„Auf den Tisch, nicht in Ihre Hand, Mr. Chun." Chun, Chun... Ravenclaw? Oder vielleicht Gryffindor? Harry konnte sich nicht erinnern, aber er seufzte erleichtert, als der Junge endlich aufhörte, seinen Stab auf Bücher, Federkiele und Klassenkameraden zu richten, und ihn auf den Tisch fallen ließ.

Harry erlaubte ihnen nicht, ihre Stäbe aufzuheben, bis sie ihm bewiesen hatten, dass sie die Worte richtig im Gedächtnis behalten hatten. Erst dann ließ er sie auf Streichhölzer in Nadeln-Verwandlung los. Osborne war in Verwandlung in Stufe 5 sortiert worden und Jones erwies sich als recht lernfähig, sobald man ihn aus dem Schatten des größeren Jungen nahm. Und er würde wirklich einen guten Sucher abgeben. Harry hoffte, dass er nicht zu den Jungen gehörte, die über die Sommerferien nach Hause fuhren und einen Fuß größer zurückkamen.

„Wie ist es gelaufen?", fragte Hermine beim Mittagessen.

„Besser. Bei dir?"

Viel besser", sagte sie. „Draco? Wie war's bei dir?"

Es klebte nichts an Malfoys Stirn, aber er sah ein wenig mitgenommen aus. „Ich glaube, ich werde Stufe 1 in zwei Klassen teilen müssen", sagte er. „Ich habe alle neuen Slytherins, jeden einzelnen von ihnen, und die kleinen Dummköpfe sind stolz auf ihre Unbildung über Muggel."

Hermines Hand legte sich auf Harrys Arm, fest. „Was?", sagte er. „Ich hatte nicht vor, irgendwas zu sagen."

„Gut", sagte sie.


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